Montag, 13. April 2015

2015.04.14: Newsletter Bildung

"Kleine Zeitung" vom 14.04.2015                              Seite: 8

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Lehrer von Entlastung ausgenommen"

 

Lehrergewerkschaft mobilisiert gegen Bildungsministerin.

 

   WIEN. In der Lehrerschaft rumort es. Letzte Woche sickerte durch, dass es innerhalb der Regierung Überlegungen gebe, die Lehrer zwei Stunden länger als bisher – ohne Lohnausgleich – arbeiten zu lassen. Nun mobilisiert die Lehrergewerkschaft gegen Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Heute sollen zumindest alle 70.000 Pflichtschullehrer via Mail mit Argumenten aufmunitioniert werden. Paul Kimberger, Chef der Lehrergewerkschaft, zur Kleinen Zeitung: „Die Regierung hat uns versprochen, dass jeder Staatsbürger von der Steuerreform profitiert." Nun wolle die Regierung über die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung 360 Millionen ersparen – bei 126.000 Lehrern sind dies 2800 Euro pro Lehrer. „Es sieht aber so aus, als ob die Lehrer von der Entlastung ausgenommen werden sollen." Innerhalb der Regierung will man sich dazu nicht äußern, da das Budget erst im Herbst vorgelegt werde. Es ist aber kein Geheimnis, dass das Unterrichtsministerium über keine Budgetreserven mehr verfügt und verzweifelt Einsparungsmöglichkeiten sucht.

 

   MICHAEL JUNGWIRTH

 

 

"Kleine Zeitung" vom 14.04.2015                             Seite: 14

Ressort: Bundesland

 

BERND HECKE

 

Steiermark

 

AUFWECKER

 

Hausaufgaben

 

   Pleiten, Pech, Pannen – seit Jahren haben Bildungspolitiker und das waidwund geschossene „Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung" (Bifie) Österreichs Schülern, Lehrern und Eltern bewiesen, dass auch hoch bezahlte Experten nicht immer ihre Hausaufgaben machen. Und so ist der Ruf der Zentralmatura schon ruiniert, noch bevor sie ihre Premiere überhaupt erlebt hat.

 

   Trotz aller Pannen ist es nun so weit: Der erste AHS-Jahrgang muss sich der Reifeprüfung in ihrer neuen Form stellen. Die Schüler haben sich schon bei Probeschularbeiten vielfach als Versuchskaninchen missbraucht gefühlt. Pädagogen wähnten sich selbst nicht ausreichend auf diese Bildungsrevolution vorbereitet. Wir beleuchten ebendiese ab heute in einer sechsteiligen Serie (Seiten 20/21).

 

   Die Zeit des Zeterns muss nun vorbei sein. Jetzt heißt es Augen zu und durch: Lehrer und Maturanten sollten den Experten vor allem eines beweisen: dass sie selbst ihre Hausaufgaben sehr wohl gemacht haben. Wir wünschen dabei viel Erfolg!

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   bernd.hecke@kleinezeitung.at

 

 

 

"Kleine Zeitung" vom 14.04.2015                             Seite: 20

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

Ein Stresstest nicht nur für Maturanten

 

Am 5. Mai tritt der erste Jahrgang AHS-Maturanten schriftlich zur zentralen Reifeprüfung an. Die Erwartungen sind groß, der Weg war steinig.

 

   SONJA HASEWEND

 

   Wenn es um Schule geht, wird in Österreich ja viel gestritten. Doch wenig hat die Gemüter so erregt wie die Zentralmatura. Eher unschuldig ist das Thema noch im Juni 2009 dahergekommen, als sich der Ministerrat darauf einigte, die Reifeprüfung neu zu organisieren – zunächst an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS). Eine Protokollanmerkung war es, und kurz darauf wurde entschieden: Die Reifeprüfung wird revolutioniert. Die 19.200 österreichischen AHS-Maturanten – mehr als 2800 sind es heuer in der Steiermark – sind die ersten überhaupt, die eine Zentralmatura absolvieren. Am 5. Mai geht es mit den schriftlichen Prüfungen los.

 

   Sie werden sich dann Aufgaben stellen müssen, die schriftlich in den meisten Fächern für alle gleich sind. Den Anfang macht Deutsch, als Nächstes kommen die lebenden Fremdsprachen an die Reihe, und am 11. Mai gibt es mit Mathematik die größte Bewährungsprobe. Im nächsten Jahr folgen die Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS).

 

   Neue Art des Unterrichts

 

   Ob sich die Erwartungen erfüllen werden, die einst die damalige Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) geweckt hat? Eine völlig neue Art des Unterrichts müsse der Zentralmatura vorangehen, Kompetenzen sollten wichtiger werden als Inhalte. Das bedeutet, dass Maturanten etwa in Englisch der Unterhaltung zweier englischer Muttersprachler eher folgen können müssen, als eine Abhandlung über Henry VIII. zu verfassen.

 

   Auf drei Säulen steht die „standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung", wie sie offiziell heißt: Es gibt eine schriftliche Prüfung. Zudem soll die Vorwissenschaftliche Arbeit zu einem selbst gewählten Thema dazu beitragen, die Schüler besser auf ein Studium vorzubereiten. Mit der mündlichen Matura werden wiederum Schulschwerpunkte berücksichtigt.

 

   Was den hehren Zielen folgte, war allerdings eine Serie von Pannen und Problemen, die dazu beitrugen, die neue Matura gehörig in Verruf zu bringen, noch bevor sie überhaupt starten konnte.

 

   Ersten Protesten folgte 2012 ein Sturm der Entrüstung: Die Schüler fühlten sich, vor allem in Mathematik, schlecht vorbereitet. Lehrer sahen sich im Stich gelassen. Eltern drohten sogar mit Klagen, sollte der erste Zentralmatura-Jahrgang unterdurchschnittlich abschneiden. Der Druck wurde so groß, dass die Unterrichtsministerin die Matura Anfang Juni 2012 um ein Jahr verschieben musste.

 

   Nerven gingen durch

 

   Die letzte (freiwillige) Probeschularbeit in Mathematik im vergangenen Dezember ließ die Nerven bei vielen wieder durchgehen: Fast ein Drittel der teilnehmenden Schüler schrieb einen Fünfer. Viele Klassen mussten die Schularbeit wiederholen.

 

   Weitere Turbulenzen: Ein verschärfter Englisch-Notenschlüssel, ein Deutsch-Prüfungstext mit möglichem NS-Bezug (ohne als solcher gekennzeichnet zu sein), ein Datenleck und Probleme beim Hochladen der Vorwissenschaftlichen Arbeit. All dies brachte auch dem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) harsche Kritik ein: Schließlich ist die dem Bildungsministerium untergeordnete Einrichtung dafür verantwortlich, die Zentralmatura abzuwickeln.

 

   Das Bifie wird jetzt reformiert, eventuell gar geschlossen. Die zwei Chefs mussten bereits den Hut nehmen. Die Abwicklung der Zentralmatura könnte ins Ministerium wandern.

 

   Ob es neue Pannen gibt, und wie die Maturanten abschneiden, wird mit Spannung erwartet. Denn eine Bewährungsprobe ist die Zentralmatura auch für die jetzige SP-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

 

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"Kleine Zeitung" vom 14.04.2015                             Seite: 20

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

Eingeführt wurde die Matura in Österreich 1849/1850. Davor war...

 

   Eingeführt wurde die Matura in Österreich 1849/1850. Davor war für ein Studium die Absolvierung eines zweijährigen „philosophischen Lehrgangs" nötig.

 

   Die heutige Matura steht auf dem Fundament der Anfangszeit: Die erste Reifeprüfungsverordnung legte fest, dass schriftlich in Deutsch, Mathematik, Latein und Griechisch maturiert werden musste. Mündlich waren sechs Fächer zu absolvieren, ab 1908 nur noch drei.

 

   Eifrig experimentiert wurde in den ersten Jahren der Matura auch beim Prüfungsstoff.

 

   Schon in den Anfängen war vom „festen Stamm des Wissens" die Rede – was als die heute geforderte „Kompetenzorientierung" durchgehen würde. Auch die „vorwissenschaftliche Arbeit" ist keine Premiere. In der Zwischenkriegszeit gab es eine verpflichtende „Hausarbeit" als Teil der Matura.

 

  Mädchen durften in Österreich erst seit 1872 maturieren, als Externisten an einem Knabengymnasium. Studieren durften sie allerdings erst ab 1897.

 

 

"Österreich" vom 14.04.2015                                   Seite 4

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityWien, CityNÖ

 

Sparpaket

 

»Jeder Lehrer verliert 2.857 Euro«

 

Gewerkschaft mobilisiert jetzt in den Schulen

 

Die Lehrer-Gewerkschaft rechnet die drohenden Verluste durch Mehrarbeit vor.

 

Wien. "Bei den Lehrern ist der Teufel los", warnt Gewerkschafter Paul Kimberger im ÖSTERREICH-Gespräch. Tatsächlich mobilisieren die Lehrer bereits an Schulen mit Plakaten "Nicht mit uns"(siehe Faksimile).

 

Wie berichtet, sollen die Pädagogen ohne Gehaltserhöhung zwei Stunden mehr in den Klassen unterrichten, um 360 Mio. € an Einsparungen zu erzielen. Den Lehrern entgehe dadurch das Gehalt für die Mehrarbeit, so Kimberger. "Bei 126.000 Lehrern sind das 2.857 Euro pro Lehrer und Jahr."

 

Auch wenn die Pläne bis heute kein Regierungsmitglied offiziell bestätigt, kündigt Kimberger an: "Wenn das kommt, sind Kampfmaßnahmen garantiert. Dabei bleibe ich. Das reicht von Dienststellen-Versammlungen bis zum Streik."

 

ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling verlangt die 360 Mio. € Einsparungen von SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek schon seit Herbst. Diese will aber mehr Geld für ihr "unterdotiertes Ressort". (knd)

 

 

"Kurier" vom 14.04.2015                                    Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Wi, Abend, Bgld, Länder, N.Ö., Wi, Morgen

 

Protest

 

Lehrer mobilisieren in Schulen gegen das Steuerpaket

 

"Nicht mit uns". Pädagogenvertreter wehren sich gegen eine geplante Erhöhung der Unterrichtszeiten

 

   Die Lehrer-Gewerkschaft warnt die Bundespolitik, einen Gutteil der Steuerreform durch Einsparungen bei den Beamten zu finanzieren - die Lehrer etwa sollen zwei Stunden pro Woche länger unterrichten. Seit heute, Dienstag, werden an den rund 6000 Pflichtschulen Plakate affichiert mit dem Titel: "Nicht mit uns!"POLITIK3

 

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"Kurier" vom 14.04.2015                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend

 

Ministerin in der Zwickmühle

 

Bildungsbudget. Sollen Lehrer künftig zwei Stunden länger unterrichten? Der Finanzminister macht Spar-Druck. Die Lehrergewerkschaft geht gegen diese Pläne in die Offensive

 

   von Bernhard Gaul. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek steht derzeit schwer unter Druck. Seit Längerem ist bekannt, dass ihr Ressort deutlich zu wenig Geld hat - in diesem Jahr rund 340 Millionen, im kommenden Jahr schon über eine halbe Milliarde Euro.

 

   Gewerkschaft droht. Die rote Ministerin muss mittlerweile an zwei Fronten kämpfen - gegen das Finanzministerium, das konkrete Sparmaßnahmen verlangt, und nun auch gegen die Gewerkschaft, die ab heute Dienstag mit Plakaten an rund 6000 Pflichtschulstandorten in ganz Österreich gegen kolportierte Pläne der Ministerin wettert, wonach die Lehrverpflichtung aller 126.000 Lehrern um zwei Stunden erhöht werden soll.

 

   Tenor der Aktion der Lehrergewerkschaft: Die Lehrer müssen einen Teil der Steuerreform quasi aus eigener Tasche finanzieren (siehe Faksimile). "Wir müssen aufmerksam machen, was die Regierung plant", erklärt Paul Kimberger, Sprecher der mächtigen Lehrer-Gewerkschaft, den Hintergrund der Aktion. "Die Regierung hat ja versprochen, dass alle von der Steuerreform profitieren werden. In Wahrheit werden wir Lehrer aber draufzahlen." Für die Plakat-Aktion zeichnet die ÖVP-nahe FCG-Fraktion innerhalb der Gewerkschaft, der auch Kimberger angehört. Solche Plakate in den Schulen zu affichieren, sei als gewerkschaftliche Aussendung erlaubt, sagt Kimberger.

 

   Zum Hintergrund der Aktion: Ende der vergangenen Woche wurden die Pläne bekannt, wonach Lehrer künftig um zwei Stunden pro Woche länger in den Klassen unterrichten sollen. Das, so bestätigt das grundsätzlich auch das Ministerium, würde Einsparungen in Höhe von rund 360 Millionen Euro bringen. "Reden kann man über alles", erklärte Heinisch-Hosek dazu noch am Freitag, auch wenn sie konkrete Pläne dementiert. Kimberger will das nicht glauben: "Eigentlich hat sie damit bestätigt, dass die Lehrer zur Ader gelassen werden sollen." Auch gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen werden nicht mehr ausgeschlossen. Schelling spart. Das Budget des Bildungsressorts ist mit rund acht Milliarden Euro zwar eines der größten, doch mehr als 92 Prozent davon werden für Personalkosten (Lehrer-Gehälter) verwendet. Kolportiert wird auch einen andere Option, wie Heinisch zumindest kurzfristig den Budgetpfad einhalten könnte: Es geht um die Mieten für die Schulgebäude von rund 360 Millionen Euro, die an die Bundesimmobiliengesellschaft BIG überwiesen werden müssen. Bereits 2014 wurden Heinisch die Miet- und Instandhaltungskosten bis 2016 gestundet. Das wird jetzt auch für 2015 angedacht. Wirklich helfen würde das nicht, da eine Stundung ja nur bedeutet, dass die Ministerin zu einem späteren Zeitpunkt die Mieten bezahlen muss.

 

   Viel Zeit bleibt Heinisch-Hosek nicht mehr, ein Sparkonzept zu erarbeiten, das kommende Woche im Ministerrat abgesegnet werden muss. Ab morgen, Mittwoch, ist sie außer Landes. Sie nimmt an den Gedenkfeiern zum internationalen Holocaust-Tag (siehe Seite 4) im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz in Polen teil.

 

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"Kurier" vom 14.04.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, N.Ö., Morgen

 

Leitartikel

 

Sündenbock Beamte

 

Staatsdienern nehmen, Steuerzahlern geben: Das ist populistisches Herumdoktern, aber keine Spar-Therapie. josef.votzi@JosefVotzi

 

   Vor der "Steuerreform" ist vorm nächsten Budget-Sparpaket. Bevor ein einziger Steuerzahler auch nur einen Cent mehr netto am Konto hat, sorgt ausgerechnet die Regierung für schlechte Stimmung. Sie lässt den Beamten via Boulevardmedien ausrichten, dass sie einen großen Brocken zur Finanzierung zu schultern haben. Bis jetzt mit nicht mehr als populären Schlagworten: Mit einer geringeren Gehaltserhöhung (weil Inflation niedrig), weniger Überstunden (außer bei Lehrern und Polizisten) und einem noch schwammigen "Solidarbeitrag besser verdienender Beamter". Das Riesenloch im Bildungsbudget soll zudem mit einer Erhöhung der Unterrichtszeit um zwei Stunden gestopft werden. Einsparziel: 360 Millionen. Mit diesem Plan ist zuletzt SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied krachend gescheitert.

 

   Kein Wunder, dass die Beamtengewerkschaft einmal mehr dagegen mobil macht: "Nicht mit uns" lässt sie in Schulen plakatieren: "Jede/r Lehrer/in soll die Steuerreform mit 2857 Euro mitfinanzieren" (siehe Seite 3). Der Kanzler, der Claudia Schmied einst im Regen stehen ließ, macht jetzt an vorderster Front gegen Beamte und Lehrer mobil. Solange er und die Seinen sich weigern, milliardenschwere Kostentreiber wie Früh-Pensionitis und ungleiches Frauenpensionsalter mit der gleichen Verve ins Visier zunehmen, bleibt das ein Herumdoktern und keine nachhaltige Therapie.

 

   Der Eifer beim budgetären Mikromanagement nährt den Verdacht der Klientelpolitik mit umgekehrten Vorzeichen. Die Staatsdiener als willkommener Sündenbock für die seit Jahren bei Reformen säumige Staatsspitze? Österreichs Beamte und das ganze Land haben sich eine fairere und gründlichere Debatte über die Gegenfinanzierung der Steuersenkung verdient, sie uns Vater Staat dringend gönnen muss, sich aber schlicht (noch) nicht leisten kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

 

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