Dienstag, 14. April 2015

2015.04.15: Newsletter Bildung

Morgenjournal, 15.4.2015

 

Mehr Unterrichtsstunden: Neugebauer mauert

Cornelia Vospernik

Die Regierung will bei den Beamten sparen - aber der Widerstand ist massiv noch bevor die Pläne offiziell sind. Der oberste Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer verweist darauf, dass erst vor wenigen Jahren ein neues Dienstrecht beschlossen wurde. Er weist Änderungen strikt zurück. Auch zwei Stunden mehr Unterricht für Lehrer lehnt er ab.

Die jüngsten Überlegungen, zur Finanzierung der Steuerreform bei den Beamtengehältern zu sparen, stößt beim Chef der Beamtengewerkschaft, Fritz Neugebauer, auf Widerstand. Die Beamten hätten ohnehin 2013 eine Nulllohnrunde akzeptiert, so Neugebauer im Ö1-Morgenjournal - sie seien nicht die freie Rücklage, in die man beliebig hineingreifen könne.

Ein striktes Nein gibt es auch zur Überlegung, dass Lehrer innerhalb ihrer Dienstzeit zwei Stunden länger in den Klassen unterrichten sollen. Jegliche Eingriffe in bestehende Dienst- und Besoldungsrechten seien nicht annehmbar, so Neugebauer.

 

 

ORF / ZIB 2 – 15. April 2015

 

Lehrer machen gegen Sparpläne mobil

Die Bundesregierung will sparen. 700 Millionen Euro sollen nächstes Jahr aus der Verwaltung kommen, um einen Teil der Steuerreform zu finanzieren. Dass das "kein Beamtensparpaket" wird, wie die Regierung heute versichert, will die Gewerkschaft nicht glauben. Vor allem die Lehrer-Gewerkschaft. Sie ist sicher, dass die Dienstzeit der Lehrer erhöht werden soll: Zwei Stunden mehr Unterricht pro Woche für das gleiche Gehalt. In 6.000 Schulen wurde heute schon mit Flugblättern protestiert. Streiks sind nicht ausgeschlossen. Im ZIB 2-Interview stellt sich der Präsident des ÖGB ausdrücklich hinter die Lehrer.

Die Presse – 15. April 2015

 

 

70. Geburtstag: Lehrer holen SPÖ in Gegenwart zurück

Im Wiener Rathaus beging die SPÖ am Dienstag ihren 70.Geburtstag – überschattet von den Querelen um eine längere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer.

Wien. „70 Highlights aus 70 Jahren SPÖ" – diese Unterlage lag gestern im Roten Salon des Wiener Rathauses auf. Dort, wo am 14. April 1945 die SPÖ gegründet wurde. Oder genauer gesagt: neu gegründet. Die Vorgängerpartei, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) war unter dem christlich-sozialen Kanzler Engelbert Dollfuß verboten worden, ein Teil schloss sich daraufhin in der Illegalität zu den Revolutionären Sozialisten (RS) zusammen. Um die beiden Gruppen nach Kriegsende wieder zusammenzuführen, einigte man sich auch namentlich auf einen Kompromiss: Die neugegründete Partei hieß nun Sozialistische Partei Österreichs.

70 Highlights aus 70 Jahren SPÖ: von 1. Sozialer Wohnbau (seit 1945) über 11. Homosexualität zwischen Erwachsenen wird legalisiert (1971) und 25. 40-Stunden-Woche (1975) bis 45. Einführung des Pflegegeldes (1993). Die Leistungsbilanz endet allerdings 1997 und wird erst 2008 mit 49. Bewältigung der Weltwirtschaftskrise wieder fortgesetzt. Das ist einerseits verständlich, lagen dazwischen doch die Regierungsjahre der schwarz-blau/orangen Regierung Schüssel. Allerdings: Es lagen auch die Regierungsjahre von Viktor Klima und Alfred Gusenbauer am Anfang und am Ende dieser Zeitspanne. Und beide waren Sozialdemokraten.

Im Roten Salon des Rathauses hatten dann auch Parteichef Werner Faymann, neuerdings deutlich erschlankt, und Wiens Bürgermeister Michael Häupl Aufstellung genommen, um die große Vergangenheit der Partei zu rühmen und an die Zeit vor 70 Jahren zu erinnern. „Adolf Schärf hat damals gesagt: Die alte sozialdemokratische Partei ist niemals untergegangen, sie wurde verboten und ihrer gesetzlichen Vertreter beraubt, aber sie lebte weiter", sprach Faymann. Die Gründer der Partei seien ein Beispiel an Tatkraft gewesen. Deren Erbe verpflichte dazu, das nicht über Bord zu werfen, was in Jahrzehnten aufgebaut worden sei: den Wohlfahrtsstaat. Die Frage der Verteilungsgerechtigkeit bleibe weiterhin auf der Agenda der SPÖ. Eine Privatisierung der Wasserversorgung oder der Gemeindebauten werde man niemals zulassen. „Und Armut und Verelendung breiter Teile der Bevölkerung dürfen wir nicht hinnehmen", assistierte Häupl.

Dann wurden er und Faymann von der Realität eingeholt: Ein Journalist wollte wissen, wie es denn eigentlich zu den sozialdemokratischen Ansprüchen passe, dass die Lehrer nun zwei Stunden länger arbeiten müssten. Faymann konterte: Sie müssten ja nicht zwei Stunden länger arbeiten, sondern nur zwei Stunden mehr unterrichten. Und Michael Häupl fügte keck hinzu: „Würde ich nur 22 Stunden pro Woche arbeiten, wäre ich Dienstag zu Mittag fertig."

Zuvor hatte sich Faymann im Ministerrat dazu bekannt, dass es auch der Wunsch der SPÖ sei, die Unterrichtsverpflichtung um zwei Stunden zu erhöhen – zur Einhaltung des Budgetpfads. Dies muss nun aber erst mit der Gewerkschaft ausverhandelt werden.

Häupls Abrechnung mit Busek

Michael Häupl nützte die Gelegenheit dann noch für eine Abrechnung mit Erhard Busek: Der Vorsitzende des Uni-Rats der Med-Uni Wien hatte beklagt, dass einer der Kandidaten für den Rektorsposten, der Jurist Michael Stampfer, ein Freund des Bürgermeisters sei. „Extrem erbärmlich", nannte Häupl diese Aussage. Zudem hatte Busek kritisiert, dass das Privatspital Confraternität vom achten Bezirk auf ein Grundstück des AKH übersiedeln soll, damit im achten Bezirk Gemeindewohnungen errichtet werden können, was der SPÖ bei Wahlen zugute kommen könnte. Häupl dazu: „Wer glaubt, mit Sozialwohnungen Wahlergebnisse umdrehen zu können, ist wirklich von vorgestern."

Am Abend begingen die Genossen dann in vergleichsweise kleinem Rahmen in der Volkshalle des Rathauses mit einem Festakt offiziell den „70. Wiedergeburtstag" (Häupl). In einer überraschend kraftvollen Rede kritisierte SPÖ-Chef Faymann, dass Erbschaften und Wertschöpfungen bei der Finanzierung des Sozialstaates, dem „Vermögen des kleinen Mannes" wie ihn Helmut Schmidt einmal genannt habe, ausgeklammert würden. Der ehemalige Innenminister Erwin Lanc, ein Exponent des linken Flügels der SPÖ, erzählte über die Gründungstage der Zweiten Republik und schloss mit den Worten: „In Österreich gibt es nur dann Demokratie, wenn es die Sozialdemokratie gibt". Mit dem „Lied der Arbeit" und der „Internationalen" endete die Wiedergeburtstagsfeier.

 

 

Die Presse – 15. April 2015

 

 

Zwei Stunden mehr in der Klasse? „Nicht mit uns"

Die Regierung erklärt eine Verlängerung der Arbeitszeit für Lehrer zum Ziel. ÖGB-Chef Foglar stellt sich hinter die Beamten: Kein Einsparungen für Steuerreform.

 

Wien. „Wenn ich so viel Milch trinken würde wie Herr Häupl, dann wäre ich auch schon Dienstagmittag fertig": So reagierte Lehrervertreter Eckehard Quin gegenüber der „Presse" auf die Provokation durch Michael Häupl. Der Wiener Bürgermeister hatte gestern (siehe nebenstehenden Artikel) über die Lehrer gemeint: „Würde ich nur 22 Stunden pro Woche arbeiten, wäre ich Dienstag zu Mittag fertig." Für das erste Entsetzen bei den Lehrervertretern hatten beim Ministerrat zuvor schon Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gesorgt. Vom Ziel, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen, sei man „nicht abgerückt".

Der Spardruck ist vor allem im Bildungsministerium groß. Dort klafft ein Loch von rund 340 Millionen Euro. Gestopft werden könnte es durch zwei Stunden mehr Unterricht der Lehrer. Das brächte bis zu 360 Millionen Euro. Nein, sagt dazu die Lehrergewerkschaft. „Ich kann mir vorstellen, über Vieles zu reden, aber über eine Maßnahme, die 12.000 Junglehrern den Job kostet, wird es sicherlich kein Gespräch geben", so Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger zur „Presse". Die Gewerkschaft hat bereits erste Gegenmaßnahmen ergriffen und Informationsblätter an die Schulen geschickt. Darauf zu lesen: „Nicht mit uns!"

Die Lehrer sehen sich als große Verlierer der Steuerreform. „Zuerst wurde die Steuerreform mit Tamtam präsentiert, und nun kommt man drauf, dass die Lehrer für die Gegenfinanzierung herhalten müssen", sagt Kimberger. Wenn 360 Millionen Euro durch die 126.000 Lehrer gespart werden sollen, bedeute das, dass jeder Lehrer 2857 Euro zur Gegenfinanzierung beitragen müsse. Von Streik will der Gewerkschafter noch nicht sprechen. Aber: „Wir halten uns alle Möglichkeiten offen", so Kimberger. Sein AHS-Pendant Eckehard Quin sagte schon vor einigen Tagen: „Wenn die Regierung diesen Kurs einschlagen will, gibt es Krieg. Den kann man gewinnen oder verlieren – aber das ist inakzeptabel."

„Das geht nicht ohne Verhandlungen"

Ob es tatsächlich zu einer Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer kommt, ist noch offen: „Das geht nicht ohne Verhandlungen, das geht nicht ohne politische Abstimmung", sagt der Kanzler. Und derzeit habe man noch nicht einmal einen einzigen Verhandlungstermin vorgesehen. ÖGB-Präsident Erich Foglar solidarisierte sich in der „ZiB2" mit den Beamten: Es komme nicht in Frage, dass diese die Steuerentlastung mitfinanzieren müssten: „Das haben wir von Anfang an gesagt und bei dieser Position bleiben wir auch." Er drängt auf eine Verwaltungsreform. Foglar warnte die SPÖ: „Die ganze Regierungsmannschaft ist gut beraten, hier mehr Sensibilität an den Tag zu legen."

 

 

Die Presse – 15. April 2015

 

 

Neue Mittelschule: "Nachhilfe" besser als zwei Lehrer im Unterricht

Dass AHS-Lehrer als Zusatzlehrer in die Neue Mittelschule geschickt wurden, sei ein „unglückliches und bevormundendes Modell" gewesen, sagt Ferdinand Eder, der für die Evaluierung der NMS verantwortlich war.

Die Presse: Wenn man es nicht schaffe, die Neue Mittelschule qualitativ aufzuwerten, dann hätte man 300 Millionen Euro in den Sand gesetzt, sagte ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner unlängst. Stimmen Sie dem zu?

Ferdinand Eder: So kann man das nicht sagen. Erstens: An den Schulstandorten, an denen die Idee der NMS gut umgesetzt wurde, sind gute Ergebnisse erzielt worden. Zweitens konnte man Erfahrungen sammeln, wie man ein Schulsystem ändern kann, und wie eben nicht.

Ein mäßiges Resultat für die hohen Investitionen?

Bei einer Schulreform kann man nicht sagen: Wenn ich um x Euro mehr investiere, dann steigt die Leistung sofort um y. So läuft das nicht; Veränderung braucht Zeit.

Die Lehrergewerkschaft kritisierte, dass die Reform von „Schreibtischtätern" initiiert und umgesetzt wurde und keine Rücksicht auf die Praxis nahm.

Eine Innovation ist per definitionem etwas Neues. Diese muss– auch wenn es komisch klingt – von „Schreibtischtätern" erfunden werden. Ansonsten hätten wir nur die Weiterführung des Bestehenden.

Auf Basis Ihres Berichts sollte entschieden werden, ob die NMS flächendeckend eingeführt wird. Die Regierung wartete aber nicht darauf und führte die NMS im ganzen Land ein. Hätte die Entscheidung so erfolgen dürfen?

Die Wissenschaft kann der Politik nicht vorschreiben, wie sie zu ihren Entscheidungen kommt. Die NMS war ein Deal. Die SPÖ wollte die Gesamtschule, die ÖVP die Beibehaltung der AHS-Unterstufe. So wurde halt getauscht. Ich halte eine solche Vorgehensweise für unzeitgemäß. Immerhin kann die Politik auf Expertisen zurückgreifen. Das wird international durchgehend stärker getan als in Österreich.

Was hätten Sie der Politik nun auf Basis des Berichts empfohlen?

Wir hätten sagen können, dass das undifferenzierte Verteilen von finanziellen Mitteln an alle NMS – wie es passiert – die Leistung der Schüler nicht verbessert. Schulen, an denen es schwieriger ist zu unterrichten, sollten mehr Ressourcen erhalten als andere. Außerdem waren die verkündeten Reformziele zu hochtrabend. Es wurde suggeriert, dass mit jeder Klasse das Niveau der AHS-Unterstufe erreicht werden kann, wenn man nur genügend Pädagogik hineingibt.

Ist das definitiv nicht möglich?

Nein. Denn man hat einen wichtigen Faktor nicht berücksichtigt – die Schülerschaft, die für die NMS zur Verfügung steht. Sie ist von ihrem intellektuellen Potenzial und ihrer sozialen Zusammensetzung her nicht mit der Schülerschaft der AHS-Unterstufe zu vergleichen.

Die Lehrergewerkschaft meinte, dass die Sozialromantiker falsch lagen und die Schlechteren eben nicht von den Besseren lernen und umgekehrt. Stimmt das?

Mit unseren Ergebnissen kann man das nicht beurteilen. Weil die Schüler, die man als die „Besseren" versteht, ja gar nicht dabei waren.

Was bedeutet das für die Sinnhaftigkeit einer Gesamtschule?

Wir hätten mit Sicherheit nicht empfohlen, sie so umzusetzen, wie das jetzt gemacht wurde. Eine Gesamtschule ohne die Schüler der AHS-Unterstufe hat keinen Sinn, weil sie keine Gesamtschule ist.

Kürzlich wurde eine Reform des Teamteachings – des gemeinsamen Unterrichts – beschlossen. Die sechs Zusatzstunden dürfen nun auch in Nebenfächern eingesetzt werden. Ein guter Schritt?

Es geht in die richtige Richtung. Die Frage ist, ob das bestehende System für eine effiziente Förderung der Schüler flexibel genug ist.

Was meinen Sie damit?

Möglicherweise ist die Grundidee der "Nachhilfe", dass ein Schüler in einem bestimmten Fach extra Förderung braucht und diese eine Zeitlang außerhalb des Unterrichts erhält, wirksamer als jene des generellen Einsatzes zweier Lehrerinnen oder Lehrer. Für die Wirksamkeit des Teamteachings gab es bei der Evaluierung keine Belege.

Nachhilfe statt Teamteaching?

Mit der individuellen Förderung im Unterricht – die im Konzept der NMS zentral ist – stoßen wir an die organisatorischen Grenzen der Schule, die ja auf die Unterrichtung von Gruppen ausgerichtet ist. Eine solche "Nachhilfe" müsste natürlich anders finanziert werden – also nicht durch die Eltern.

Die Idee war, dass an den NMS auch AHS- und BHS-Lehrer unterrichten. Das soll nun fallen. Verliert die NMS da etwas?

Das war ein unglückliches und bevormundendes Modell, das mit einer Kränkung der Hauptschullehrer verbunden war. Es kam häufig zu Schwierigkeiten in der Kooperation: Die Vorbereitungsarbeit blieb an NMS-Lehrern hängen, und oft wurden nicht die besten AHS- und BHS-Lehrer an die NMS geschickt.

Kritisiert wurde auch die siebenteilige Notenskala. Zu Recht?

Es ist ein kurioses System, das nicht in das NMS-Konzept passt. Durch die Unterscheidung von grundlegender und vertiefter Bildung wird wieder durch die Hintertür die Unterscheidung zwischen Hauptschule und AHS eingeführt. Technisch entspricht das der Notengebung in den Leistungsgruppen.

Zurück zu Eins bis Fünf?

Die Frage ist, wie viele Noten wir überhaupt brauchen. Das Ziel der Schulentwicklung ist es, Kompetenzen und nicht bloß Wissen zu vermitteln. Demnach müsste auch die Leistungsbeurteilung Auskunft darüber geben, welche Kompetenzen Schüler erreicht haben.

Würden Sie den AHS empfehlen, zu NMS zu werden?

Es spricht nichts dagegen und viel dafür. Das Konzept der NMS propagiert eine intensive Unterstützung jedes Kindes. Die AHS hat häufig noch die Perspektive: Friss Vogel oder stirb. Wenn sich die AHS mit der gleichen Intensität um ihre Schülerschaft kümmern würden wie die NMS, dann könnte es einen Qualitätssprung geben.

Gab es bei Ihrem Bericht politische Änderungswünsche?

Es gab keinen substanziellen Versuch, Ergebnisse wegzureden oder zu verschweigen. Es wurde aber über Formulierungen gesprochen. So quasi: Muss es wirklich ganz drastisch dargestellt werden und muss man Journalisten schon die Sätze zum Fressen hinwerfen?

ZUR PERSON

Ferdinand Eder (1948) ist Erziehungswissenschaftler an der Uni Salzburg. Er war federführend für den viel beachteten Evaluierungsbericht zur Neuen Mittelschule verantwortlich, der zeigte, dass die NMS in vielen Bereichen nicht besser ist als die Hauptschule.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 15.04.2015                              Seite: 8

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Lehrer sollen bei Land angesiedelt werden"

 

Wiens Bürgermeister Michael Häupl räumt ein, dass die SPÖ in der Integrationspolitik noch immer in einem Lernprozess ist.

 

   INTERVIEW

 

   Die SPÖ feiert ihren 70. Geburtstag, 1945 war sie eine Volkspartei, heute hat sie im Bund nur 27 Prozent. Wie erklären Sie sich die Erosion? Ist es einfach der gesellschaftliche Wandel?

 

   MICHAEL HÄUPL: Ja, natürlich. Damals hat es drei Parteien gegeben, heute gibt es viele. Das ist aber kein Freispruch für uns alle.

 

   Hat das auch mit der Entmachtung der Politik durch die Ökonomie zu tun? Früher konnte man verteilen, heute muss man sparen. Früher hat man die Leute mit Wohnungen, Jobs versorgt?

 

   HÄUPL: Diese Verteilungspolitik mit einer gewissen Allmacht gibt es nicht mehr. Ich bin froh darüber, weil es gegenüber dem Einzelnen eine Bevormundung darstellt. Natürlich war die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg anders. Der Zusammenhalt war groß, man hat gesagt, wir arbeiten daran, dass es unseren Kindern besser geht. Dieser Gedanke zieht sich ja bis weit in die siebziger Jahre.

 

   Kann man das unseren Kindern heute nicht mehr versprechen?

 

   HÄUPL: Das kann man so heute nicht mehr versprechen. Das hängt auch mit der 2008 ausgebrochenen Krise zusammen, die von den USA ausgegangen ist und die mit einer falschen Politik beantwortet wurde. Man hat diese Krise mit einer Therapie behandelt, die der Verursacher der Krankheit ist, der Neoliberalismus.

 

   Sie haben sich im Jänner einen Schlagabtausch mit Parteifreund Voves bei der Integration geliefert. Halten Sie an der Kritik fest?

 

   HÄUPL: Ich habe scharf reagiert, weil er gesagt hat, in der SPÖ kann man über Integration nicht diskutieren. Das ist eine massive Verkennung der Realität. Wir können Bibliotheken füllen mit den Protokollen von Arbeitsgruppen, Beschlüssen von Parteitagen, Publikationen. Wer die Fremden nicht will, denen werden wir nie genug an Integrationsmaßnahmen setzen können. Dass Deutsch die Kommunikationssprache ist, ist völlig unbestritten. Es darf kein Kind mehr in die Volksschule kommen, das nicht Deutsch kann.

 

   Hat man in der Vergangenheit zu wenig hingeschaut?

 

   HÄUPL: Wir waren nicht von Anfang an so gut wie jetzt. Es hat ein stetes Bemühen gegeben. Wir sind immer noch in einem gewissen Lernprozess.

 

   Bei den letzten Gemeinderatswahlen haben die Freiheitlichen in den vier roten Hochburgen Simmering, Favoriten, Donaustadt, Floridsdorf mehr als 30 Prozent erreicht. Was läuft schief?

 

   HÄUPL: Hier gibt es besonders harte Auseinandersetzungen mit der FPÖ, die Angst schürt. Angst, dass von Ausländern der Arbeitsplatz weggenommen wird, dass die Pensionen nicht halten werden, dass die Kinder keine Arbeit finden werden. Heute sagt man, der „Ausländer" ist schuld, früher hat man gesagt, der „Jude" ist schuld.

 

   Hat die SPÖ bei der Integration nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem? Die Leute glauben Ihnen nicht, dass eh alles super ist?

 

   HÄUPL: Wenn jemand einfach keine Fremden will, macht es keinen Sinn, mit ihm zu diskutieren. Die entscheidende Frage ist: Wie nehmen wir den Menschen die Angst, nicht nur vor dem Fremden, sondern die Angst vor den Problemen in den verschiedensten Lebensbereichen?

 

   Eine Koalition mit der FPÖ schließen Sie deshalb aus?

 

   HÄUPL: Mit der FPÖ sehe ich keine inhaltlichen Kooperationsmöglichkeiten. Wir bemühen uns, Menschen Angst zu nehmen. Die Freiheitlichen befeuern die Ängste und versuchen, die Leute gegeneinander aufzuhetzen.

 

   Burgenlands SPÖ-Chef Niessl sieht das anders?

 

   HÄUPL: Ich habe mit ihm viel diskutiert. Er sieht das vom Prinzip her nicht anders, aber man muss sehen, dass die Freiheitlichen im Burgenland eine andere Performance zeigen.

 

   Sie haben es leichter: Sie können sich den Koalitionspartner aussuchen, Grüne, ÖVP, Neos. Sie brauchen die FPÖ nicht. Und die Opposition kann keine Koalition gegen die SPÖ bilden.

 

   HÄUPL: Wer sagt das?

 

   Glauben Sie, dass Vassilakou mit Strache koalieren würde?

 

   HÄUPL: Ich habe mir nie vorstellen können, dass man in Wiener Neustadt die stärkste Partei, die SPÖ, aus dem Rathaus vertreibt, indem ÖVP, FPÖ und Grüne einen ÖVP-Bürgermeister wählen.

 

   Das glauben Sie doch selbst nicht, dass Strache und Vassilakou koalieren würden?

 

   HÄUPL: Wenn man mich vor einem Jahr gefragt hätte, hätte ich mit dem Brustton der Überzeugung gesagt, das halte ich für undenkbar. Ich weiß es heute nicht mehr.

 

   Nach den Turbulenzen der letzten Wochen wollen Sie wirklich mit den Grünen weiterregieren? Den Grünen einen Abgeordneten abspenstig zu machen, ist das nicht ein böses Foul?

 

   HÄUPL: Wir haben niemanden abspenstig gemacht. Die Grünen wollten das Wahlrecht gegen den Willen des Koalitionspartners machen. Der Bevölkerung ist das nicht so wichtig, aber im internen Gefüge ist das ein Vertrauensbruch.

 

   Das heißt, von einer Wiederauflage von Rot-Grün wollen Sie nichts wissen?

 

   HÄUPL: Es gibt im Wahlkampf einige Tabufragen wie zum Beispiel die Koalitionsdiskussionen.

 

   Voves und Schützenhöfer haben das schon eleganter gemacht.

 

   HÄUPL: Vor der letzten Wahl hat es anders ausgesehen. Ich bin mir sicher, dass diese neue Art der Zusammenarbeit bei der Landtagswahl in der Steiermark von den Wählern honoriert wird. Denn eines wollen die Leute überhaupt nicht: dass gestritten wird.

 

   Wäre das nicht ein Vorbild für den Bund?

 

   HÄUPL: Das kann man nicht vergleichen. Die Themen im Bund sind viel ideologiebehafteter als im Land. Regional- und Kommunalpolitik ist in vielfacher Hinsicht pragmatischer. Wenn man im Bund nach der Steuerreform auch die Schulfrage hinbekommt, hat die Regierung etwas zusammengebracht.

 

   Weil Sie die Schulfrage ansprechen: Wo soll jetzt die Schulverwaltung angesiedelt werden? Bei den Ländern?

 

   HÄUPL: Alle strategischen Fragen, also Lehrinhalte, Lehrerausbildung, Controlling, sollen vom Bund entschieden werden. Die gesamte operative Verwaltung soll bei den Ländern angesiedelt werden. Das ist kein blödes Modell. Dem einzelnen Lehrer ist es egal, welche Dienststelle das Gehalt auszahlt.

 

   Sie hätten nichts dagegen, dass künftig die Personalhoheit für Pflichtschullehrer wie auch für AHS-Lehrer bei den Ländern angesiedelt ist und die Länder darüber hinaus alle Direktoren bestellen? Das wäre ein Paradigmenwechsel?

 

   HÄUPL: Ich bestelle schon heute keine Direktoren. Da gibt es ein Kollegium, das das durchführt.

 

   Aber derzeit ist das Land nur für die Pflichtschullehrer zuständig?

 

   HÄUPL: Künftig soll es so sein, dass alle Verwaltungsfragen auf Länderebene bei gleichzeitiger Stärkung der Entscheidungsautonomie der einzelnen Schulen behandelt werden. Das muss Hand in Hand gehen. Ansonsten ersetzt man eine Politikvariante gegen eine andere.

 

    Werden Sie die ganze Periode durchdienen?

 

   HÄUPL: Das ist vor der Wahl ein Tabuthema.

 

   Sie haben 2010 44 Prozent gemacht, in Umfragen ist die SPÖ derzeit unter 40 Prozent. Gibt es eine Schmerzgrenze nach unten?

 

   HÄUPL: Das ist ein weiteres Tabuthema. Ich arbeite hart daran, dass wir ein Plus vor dem Ergebnis haben.

 

   Wenn es ein Minus gibt, hat das personelle Konsequenzen?

 

   HÄUPL: Das wird sich zeigen.

 

   Haben Sie schon eine Nachfolge im Kopf?

 

   HÄUPL: Ich habe einmal so einen Scherz gemacht, der nicht von allen verstanden wurde. Ich bin vorsichtiger geworden. INTERVIEW: M. JUNGWIRTH

 

 

"Kleine Zeitung" vom 15.04.2015                             Seite: 18

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

Sie geben der Zentralmatura eine Chance

 

Die Premiere der neuen Reifeprüfung rückt näher. Maturanten und Lehrer geben uns ein Stimmungsbild. Es ist überraschend positiv.

 

   THOMAS KUHELNIK

 

   Die heiße Phase ist eingeläutet: Heute in drei Wochen wird für die steirischen Maturanten der erste schriftliche Prüfungstag schon geschafft sein. Sorgt das bei den Schülern für Nervosität? Niklas Blahowsky, Maturant im Grazer Keplergymnasium, lächelt – und sagt dann: „Eigentlich gar nicht. Wir arbeiten ja schon lange darauf hin."

 

   Er beginne mit der gezielten Vorbereitung auf die Matura erst jetzt, erzählt Blahowsky, der auch stellvertretender Landesschulsprecher ist. Neben den Maturavorbereitungen sind schließlich noch weitere Aufgaben abzuarbeiten: Die achte Klasse soll positiv abgeschlossen werden, dazu kommt die Präsentation für die Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA). Die Osterferien nützte der Schüler für die Vorbereitung auf die letzten drei Schularbeiten: „Den gelernten Stoff brauche ich aber eh bei der Matura auch."

 

   Gemeinsam mit anderen Maturanten sitzt Blahowsky in der Bibliothek seiner Schule, um zu recherchieren. Dass die Aufgabenstellungen zentral vom Bundesinstitut Bifie erstellt worden sind, sorgt bei ihnen allen nicht mehr für Panik. Das ist ein Verdienst der Lehrer: „Sie bestätigen uns, dass wir es eh schon gut können", berichtet etwa Valentina Haider. Die Schülerin übt sich auch in Pragmatismus: „Sie können uns eh nicht alle durchfallen lassen im ersten Jahr." Spannung baute man auch mit einer Youtube-Parodie über die Zentralmatura-Pannen ab. Das Video der Kepler-Maturanten sorgte österreichweit für Lacher (die Kleine Zeitung berichtete).

 

   Ulrike Korp-Dienstbier unterrichtet am Keplergymnasium. Ihr Fach Mathematik sorgt bei den steirischen Nachhilfeinstituten noch immer für den meisten Umsatz. Korp-Dienstbier ist aber überzeugt, dass ihre Schüler sehr gut gerüstet sind. Derzeit bespreche man noch einmal alle Grundkompetenzen durch. Fragen gebe es aber vor allem zu organisatorischen Dingen.

 

   Versuchskaninchen

 

   Ablauf und Stoffgebiet genau zu erklären, gehöre zu den wichtigsten Vorbereitungen, betont auch Josef Zollneritsch, steirischer Landesreferent für Schulpsychologie. Viele steirische Maturanten sehen sich ja immer noch als Versuchskaninchen. Gerade bei einem in der Öffentlichkeit derart aufgeladenen Thema seien Eltern und Lehrer gefragt, um emotionalen Beistand zu leisten, so Zollneritsch (siehe Tipps links).

 

   Schauplatzwechsel zu einer Französischstunde am Grazer Gymnasium Sacré Coeur. Lehrer Gerald Hafner bespricht mit seiner Maturaklasse gerade typische Fehlerquellen. Die Schüler fühlen sich gut vorbereitet. „Ich glaube nicht, dass es bei den Angaben zu Überraschungen kommt", sagt etwa Thomas Hochreiter. Klassenkollegin Sonja Rentz hat sich mit der Zentralmatura inzwischen abgefunden: „Wir passen uns halt daran an." Mit dem Lernen starte man jetzt. Kristina Gross: „Zu früh wollte ich aber nicht beginnen. So ist dann bei der Matura noch alles frisch gelernt."

 

   Ihr Lehrer Gerald Hafner ist auch Bundeslandkoordinator für die neue Reifeprüfung. Optimismus auszustrahlen ist quasi sein Job. Seine Ruhe liegt aber auch an den persönlichen Erfahrungen. Bei der zentral vorgegebenen letzten Schularbeit war die Klasse gut. Durch einen Schulversuch schrieb man die Sprachmatura auch im Vorjahr schon im neuen Modus. Dass es bei vielen seiner Kollegen aber noch Unsicherheiten gibt, weiß er. Verständlich – für viele sei es eben anfangs ungewohnt, die Prüfungszusammenstellung aus der Hand zu geben.

 

   „Eine stressige Zeit"

 

   Am Gymnasium Judenburg unterrichtet Manfred Weissenbacher. Dem Deutschlehrer sind die „zahlreichen geradezu blamablen Pannen" rund um die Zentralmatura in Erinnerung. Mit den vorgenommenen Adaptierungen könne die neue Reifeprüfung aber eine Chance sein. Sie sei zu bewältigen, wenn man sich den Rahmenbedingungen mit Ruhe stelle. „Die Maturazeit war ohnehin schon immer eine stressige Zeit."

 

 

"Kleine Zeitung" vom 15.04.2015                             Seite: 18

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

LERNTIPPS

 

Das Lernen will gelernt sein

 

   Die schriftliche Matura steht bevor – jetzt ist die Zeit des intensiven Lernens da. Wir haben uns beim Schulpsychologen Josef Zollneritsch und bei den Nachhilfeinstituten Schülerhilfe und Lernquadrat nach Lerntipps umgehört:

 

   Mentale Vorbereitung. Die positive Bewältigung hänge maßgeblich von einer positiven Einstellung der Lernenden ab, so Zollneritsch. Lehrer und Eltern seien gefragt, um das sogenannte Leistungs-Selbstwertgefühl zu bestärken. Bei Schwierigkeiten solle man Hilfestellungen liefern.

 

   Für Ordnung sorgen. Bei der Schülerhilfe rät man dazu, große Themen zu unterteilen und darüber kleine Zusammenfassungen zu schreiben. Beim Ordnen können auch Mind-Maps („Gedankenlandkarten") oder gezeichnete Lernplakate helfen. Zollneritsch erinnert daran, einen Zeitplan zu machen.

 

   Verständnislücken schließen. Um selbstständig lernen und ordnen zu können, sei es notwendig, den Stoff zu verstehen, so der Schulpsychologe. Auch in den Nachhilfeinstituten weiß man, dass vor den aktuellen Inhalten zuerst oft Grundlagen nachgelernt werden müssen.

 

   Zeitbalance. Wichtig sei ein gutes Verhältnis zwischen Erholungs-und Lernzeit, so Zollneritsch. Mit Erholung sei aber nicht Zeit für Vergnügungen gemeint, sondern Schlaf. In der unmittelbaren Zeit vor der Matura solle man „das Leben kurzfristig dem Lernerfolg unterordnen".

 

   Pausen. Bei Lernquadrat rät man, in 30-Minuten-Einheiten zu lernen und danach kurze Pausen einzulegen, in denen man Wasser trinkt, Obst isst und lüftet. Nach 30-Minuten-Einheiten sei eine größere Pause wichtig, in der man sich bewegen solle.

 

   Wiederholung. In den Tagen vor der Prüfung solle noch Zeit sein, um alle Themen wiederholen zu können. Bei Lernquadrat rät man auch zu aktivem Wiederholen, indem man jemand anderem den Stoff erklärt.

 

 

SN – 15. April 2015

 

IV für zwei verpflichtende Gratis-Kindergartenjahre

Die Industriellenvereinigung (IV) will Vier- bis Sechsjährige in zwei verpflichtenden Gratis-Kindergartenjahren an die Schule heranführen. Im letzten Jahr soll mit der Volksschule bereits kooperiert werden, heißt es im Elementarpädagogik-Konzept der IV. Kindergarten-Leitungen sollen über einen Master-Abschluss verfügen, Gruppenleiterinnen über einen Bachelor-Abschluss.

"Die Elementarpädagogik wird in ihrer Bedeutung nach wie vor unterschätzt", konstatierte IV-Präsident Georg Kapsch am Dienstag. Nach den Vorstellungen der IV soll es eine verpflichtende, kostenlose "Basisphase" für Vier- bis Sechsjährige geben, die im Kindergarten absolviert wird. Davor sollen die Elternbeiträge sozial gestaffelt werden, mittel- und langfristig die gesamte Krippen- und Kindergartenzeit gratis werden. Die Kosten dafür sollten vor allem dann kein Problem sein, wenn eine Umschichtung der Familientransfers von Geld- auf Sachleistungen erfolge, so Kapsch.

In der Basisphase sollen die Kinder an mindestens vier Tagen der Woche insgesamt mindestens 20 Stunden anwesend sein. Beide Pflicht-Jahre sollen vollständig im Kindergarten stattfinden, das letzte aber bereits in Kooperation mit den Volksschulen. So könnten etwa eine punktuelle Schulreifeentscheidung vermieden und mittels Dokumentationen aufgezeigt werden, welche Förderungen das Kind brauche. Langfristig sollen Kindergarten und Volksschule wie in der Schweiz überhaupt eine Einheit bilden, so Kapsch. "Wir wollen aber sicher keine Verschulung des Kindergartens, weil auch Spielen eine wichtige Lernform ist."

Gesteigert werden soll auch die pädagogische Qualität, betonte die Vorsitzende der Jungen Industrie (JI), Therese Niss. Die Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik sollten zu echten berufsbildenden höheren Schulen (BHS) werden. Wer einen Kindergarten leiten möchte, solle darüber hinaus einen Master-Abschluss haben, die Gruppenleiterinnen einen Bachelor-Abschluss. Außerdem müssten die Weiterbildungsangebote ausgebaut und auch mehr Männer in den Beruf gebracht werden, so Niss. Derzeit sind nur 1,4 Prozent der Kindergartenpädagogen Männer - in Dänemark dagegen 15 Prozent und in Deutschland immerhin 3,5 Prozent.

Außerdem brauche es eine Bundeskompetenz für Elementarpädagogik, betonte Niss. "Die Qualität darf nicht vom Wohnort abhängen." Derzeit gebe es neun verschiedene Rahmenbedingungen, neun verschiedene Bezahlungssysteme und neun verschiedene Betreuungsschlüssel. Künftig soll ein Bundesrahmengesetz etwa die Qualifikation der Mitarbeiter, Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen, Öffnungszeiten und Richtlinien zur Mittelvergabe regeln.

Essenziell sei auch eine bessere Bezahlung der Kindergartenpädagogen, meinten Kapsch und Niss. Generell schwebt der IV ein Modell vor, das ein Akkreditierungsverfahren für Trägereinrichtungen vorsieht, dessen Absolvierung Voraussetzung für eine öffentliche Finanzierung ist. Die Pädagogen wären dann beim jeweiligen Träger - etwa einer Gemeinde oder einer privaten Einrichtung - angestellt und würden ein einheitliches Entlohnungsschema haben, das sich an jenem der Lehrer orientieren soll.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 87 vom 15.04.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

„Dann bin ich Dienstagmittag fertig"

 

   Der Wiener Bürgermeister zur Debatte um höhere Lehrerarbeitszeit.

 

   WIEN. Die Aussage des Tages zur Diskussion um eine mögliche Erhöhung der Lehrerarbeitszeit kommt vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Und viele Pädagogen werden sie wahrscheinlich nicht besonders lustig finden. Auf die Frage, wie die von der SPÖ bei einer Pressekonferenz gefeierte Verkürzung der Arbeitszeit mit den aktuellen Überlegungen, die Dienstzeiten für Lehrer in den Klassenzimmern von 20 auf 22 Stunden zu erhöhen, zusammenpasse, antwortete Häupl: „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig."

 

   Die Bundesregierung gibt sich zum Thema Lehrerarbeitszeit hingegen kryptisch. Die Bundesregierung hält aber offenbar weiterhin am Ziel fest, die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung der Lehrer – 125.000 Pädagogen wären betroffen – um zwei Stunden zu erhöhen. Zwar meinte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), vieles dieser Diskussion sei derzeit nicht aktuell. Allerdings bestätigte der Kanzler auch das grundsätzliche Anliegen: „Wir sind von dem Ziel nicht abgerückt." Die Diskussion, dass Lehrer länger unterrichten sollten, werde seit Jahren geführt, sagte der Kanzler. „Aber das geht nicht ohne Verhandlungen, das geht nicht ohne politische Abstimmung." Derzeit habe man aber keinen einzigen Verhandlungstermin vorgegeben, „daher ist vieles von dieser Diskussion einfach zur Stunde nicht aktuell", so der Bundeskanzler. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner meinte, er sei in dieser Frage genau derselben Auffassung wie Faymann.

 

   Versuche, sich durch eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung schnelles Geld für das Bildungsbudget zu holen, sind Dauerthemen der heimischen Innenpolitik: Im Jahr 2009 scheiterte Ex-Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mit diesem Vorschlag. 2013 wurde dann ein (erst ab 2019 verpflichtendes) neues Dienstrecht für neu eintretende Pädagogen beschlossen, das eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung beinhaltet. alf

 

 

Österreich – 15. April 2015

Lehrer: Ferien statt Fortbildung

 

Nur wenige Lehrer nutzen die Ferien für Fortbildung. Man tut es lieber in der Schulzeit.

Lehrer haben insgesamt drei Monate Ferien – die Gewerkschaft erklärt das damit, dass die Lehrer sich ja auch fortbilden müssen. Allerdings: Laut einer aktuellen Anfragebeantwortung von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) machen die meisten Lehrer lieber Ferien, anstatt sich fortzubilden:

  • In der Schulzeit gab es im Studienjahr 2013/14 laut Heinisch-Hosek insgesamt 19.554 Kurse – für die es immerhin 373.625 Anmeldungen gab.

Nur jedes zehnte Seminar in der Ferienzeit

  • In der Ferienzeit wurden hingegen nur 1.126 Seminare abgehalten – also nicht einmal jedes 10. Seminar findet im Sommer statt. Teilgenommen haben hier nur 24.890 Lehrer.

Allerdings, so Heinisch-Hosek, habe sich die Bereitschaft der Lehrer zu Ferien-Seminaren verbessert: 2013 habe es außerhalb der Unterrichtszeit nur 23.714 Anmeldungen gegeben.

 

 

Österreich – 15. April 2015

 

Häupl provoziert Pädagogen

 

Auch Häupl ist für zwei Stunden Mehrarbeit der Lehrer

Jetzt ist es quasi offiziell -Arbeitskämpfe im Herbst sind vorprogrammiert: "Wenn man in der Verwaltung sparen will, wird das auch die Beamten treffen", so Kanzler Werner Faymann am Dienstag nach dem Ministerrat.

ÖSTERREICH hatte von einem 430-Mio.-Euro-Sparpaket berichtet. Auch zwei Stunden Mehrarbeit für Lehrer bleiben Thema: Zwar gebe es aktuell keine Verhandlungen, aber: "Wir rücken von unserem Ziel nicht ab", so Faymann. Dazu gab es auch ein Ja von VP-Vizekanzler Mitterlehner.

22 Stunden
Dass Lehrer länger in der Klasse stehen, findet auch der Wiener Bürgermeister Häupl gut: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig."(

 

 

"Der Standard" vom 15.04.2015                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Niederösterreich, Wien

 

Mehr Stunden für Lehrer: Regierung will zuerst verhandeln

 

   Wien – Bundeskanzler Werner Faymann hat am Dienstag offiziell bestätigt, dass er für eine Verlängerung der Unterrichtsverpflichtung der Lehrer um zwei Stunden eintritt. „Wir sind nicht abgerückt von diesem Ziel." Er betonte aber auch, dass es zuerst Verhandlungen mit der Gewerkschaft geben werde. Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner erklärte, er sei auf einer Linie mit dem Kanzler.

 

   Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger, bezeichnete die Pläne auf STANDARD-Anfrage als „in höchstem Maße ungerecht und inakzeptabel". Die Lehrer haben am Dienstag an 6000 Schulstandorten erste Informationsveranstaltungen gegen das Vorhaben abgehalten. (red) Seite 8

 

---------------------------------------

 

"Der Standard" vom 15.04.2015                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Analyse: Günther Oswald

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Vom Risiko, sich mit den Beamten anzulegen

 

   Der öffentliche Dienst muss einen Beitrag zur Finanzierung der Steuerreform leisten. Welches Risiko gehen SPÖ und ÖVP dabei ein? Und wie weit reicht die Solidarität der anderen Teilgewerkschaften?

 

   Wien – Claudia Schmied hat sich die Zähne an den Lehrern ausgebissen. Sie scheiterte mit dem Vorschlag, die Unterrichtsverpflichtung generell um zwei Stunden zu erhöhen. Nun starten SPÖ und ÖVP einen neuen Anlauf, wie Kanzler Werner Faymann und sein Vize Reinhold Mitterlehner am Dienstag erklärten. Wobei beide betonten, auf alle Fälle zuerst das Gespräch mit der Gewerkschaft suchen zu wollen. Kalmieren ist also angesagt. Parallel dazu wird laut Regierungskreisen aber auch ein Solidarbeitrag von gut verdienenden Beamten diskutiert und durchgerechnet, wie viel man sich beim nächsten Beamtengehaltsabschluss holen könnte (der STANDARD berichtete).

 

   Wie riskant ist es aber für SPÖ und ÖVP, sich mit den öffentlich Bediensteten anzulegen? „Aus strategischer Sicht gibt es für die ÖVP ein größeres Risiko, aber auch eine größere Chance", sagt der Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Die Gefahr für Mitterlehner und seinen Finanzminister Hans Jörg Schelling besteht in der noch immer vorhandenen parteiinternen Macht der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD). Zur Erinnerung: Bei den Personalvertretungswahlen im November des Vorjahres fuhren die Christgewerkschafter 53 Prozent ein.

 

   Nur darauf abzustellen, „wäre aber zu kurzfristig gedacht", sagt Filzmaier. „Der ÖVP-Arbeitnehmerbund hat noch immer zu sehr das Image einer Beamtengewerkschaft." Bundesweite Wahlen könne Mitterlehner nur gewinnen, wenn er auch bei der zahlenmäßig viel größeren Gruppe der Privatangestellten eine Mehrheit bekommt. Die kleine Gruppe der Beamten kurzfristig zu vergraulen sei also dann kein Problem, wenn es gleichzeitig gelinge, stärker bei den Angestellten zu punkten. „Ich glaube durchaus, dass Mitterlehner diese strategischen Hintergrund kennt und erkennt", meint der Politikberater.

 

   ÖVP-intern werden Einschnitte bei den Beamten aber definitiv nicht leicht zu machen sein. Der Generalsekretär des VP-Arbeitnehmerflügels ÖAAB, August Wöginger, warnt bereits davor, „einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen". Für ihn ist die neue Debatte über die Lehrerarbeitszeit „unverständlich", wie er zum STANDARD sagt. Man habe erst 2013 das neue Lehrerdienstrecht verabschiedet, das eine höhere Unterrichtsverpflichtung nur für neu eintretende Lehrer ab 2019 vorsieht. „Darauf muss man sich verlassen können."

 

   Nicht auf die Straße

 

   Und welches Risiko geht der Kanzler ein? „Wenn sich die Gewerkschaften generell gegen einen SPÖ-Chef stellen, hat noch keiner lange überlegt", sagt Filzmaier. Im konkreten Fall halte er das Risiko aber für überschaubar. „Wenn es hart auf hart kommt, hält sich die Solidarität innerhalb der Teilgewerkschaften wohl in Grenzen", so der Politologe. Es sei nicht realistisch, dass man für die Beamten, die in einigen Bereichen noch immer bessergestellt sind als Arbeiter und Angestellte, auf die Straße gehe.

 

   In der Gewerkschaft ist man sich des Dilemmas bewusst, wie ein ranghoher roter Funktionär, der nicht genannt werden will, sagt. Verständnis für die aufgeflammte öffentliche Debatte hat man jedenfalls nicht. „Es war nicht sehr geschickt, Ankündigungen über Einsparungen beim Gehaltsabschluss zu machen. So blöd ist kein Arbeitgeber."

 

   Vor diesem Hintergrund sind wohl auch die mehrfachen Beteuerungen Faymanns und Mitterlehners vom Dienstag zu sehen, noch seien keine Eingriffe fix und man werde die Belegschaft nicht ohne Verhandlungen mit der Gewerkschaft vor vollendete Tatsachen stellen.

 

   Der Gewerkschafter ergänzt: Auch wenn die Beamten innerhalb des ÖGB nicht nur Sympathie genießen, müsse für sie ebenfalls der Grundsatz gelten: „Wir zahlen uns die Steuerreform nicht selbst." Angesichts der jüngsten Zugeständnisse bei den Ärzten – weniger Arbeitsstunden, mehr Gehalt – müsse man schon die Frage stelle: „Warum sollen die Lehrer da zuschauen?"

 

 

Der Standard – 15. April 2015

 

 

Industriellenvereinigung für Pflichtkindergarten für Vierjährige

Vier Tage pro Woche sollen Vier- bis Sechsjährige in den kostenlosen Kindergarten gehen, schlägt IV-Präsident Kapsch vor

Wien – Die Industriellenvereinigung (IV) will, dass künftig auch Vierjährige den Kindergarten besuchen müssen. Vier- bis Sechsjährige sollen in zwei verpflichtenden Gratis-Kindergartenjahren an die Schule herangeführt werden. Im letzten Jahr soll mit der Volksschule bereits kooperiert werden, heißt es im Elementarpädagogikkonzept der IV. Kindergartenleiter sollen über einen Masterabschluss verfügen müssen, Gruppenleiter über einen Bachelorabschluss.

"Die Elementarpädagogik wird in ihrer Bedeutung nach wie vor unterschätzt", sagte IV-Präsident Georg Kapsch bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Nach den Vorstellungen der IV soll es eine verpflichtende und kostenlose "Basisphase" für Vier- bis Sechsjährige geben, die im Kindergarten absolviert wird. Davor sollen die Elternbeiträge sozial gestaffelt werden, mittel- und langfristig die gesamte Krippen- und Kindergartenzeit gratis werden. Die Kosten dafür sollten vor allem dann kein Problem sein, wenn eine Umschichtung der Familientransfers von Geld- hin zu Sachleistungen erfolge, so Kapsch.

Kooperation mit Volksschulen

In der Basisphase sollen die Kinder an mindestens vier Tagen pro Woche insgesamt mindestens 20 Stunden anwesend sein. Beide Pflichtjahre sollen vollständig im Kindergarten stattfinden, das letzte aber bereits in Kooperation mit den Volksschulen. So könnte etwa eine punktuelle Schulreifeentscheidung vermieden und mittels Dokumentationen aufgezeigt werden, welche Förderungen das Kind brauche. Erste Pilotprojekte zur Verbesserung des Übergangs zwischen Kindergarten und Volksschule hat Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) bereits gestartet.

Kapsch schlägt vor, dass Kindergarten und Volksschule langfristig – wie in der Schweiz –überhaupt eine Einheit bilden. "Wir wollen aber sicher keine Verschulung des Kindergartens, weil auch Spielen eine wichtige Lernform ist."

Mehr Männer

Gesteigert werden soll auch die pädagogische Qualität, betonte die Vorsitzende der Jungen Industrie (JI), Therese Niss. Die Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik sollten zu echten berufsbildenden höheren Schulen (BHS) werden. Wer einen Kindergarten leiten möchte, soll darüber hinaus einen Masterabschluss haben, die Gruppenleiterinnen einen Bachelorabschluss. Außerdem müssten die Weiterbildungsangebote ausgebaut und auch mehr Männer in den Beruf gebracht werden, so Niss. Derzeit sind nur 1,4 Prozent der Kindergartenpädagogen Männer – in Dänemark dagegen 15 Prozent und in Deutschland immerhin 3,5 Prozent.

Darüber hinaus brauche es eine Bundeskompetenz für Elementarpädagogik, betonte Niss. "Die Qualität darf nicht vom Wohnort abhängen." Derzeit gebe es neun verschiedene Rahmenbedingungen, neun verschiedene Bezahlsysteme und neun verschiedene Betreuungsschlüssel. Künftig soll ein Bundesrahmengesetz etwa die Qualifikation der Mitarbeiter, Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen, Öffnungszeiten und Richtlinien zur Mittelvergabe regeln.

Bessere Bezahlung

Essenziell sei auch eine bessere Bezahlung der Kindergartenpädagogen, meinten Kapsch und Niss. Generell schwebt der IV ein Modell vor, das ein Akkreditierungsverfahren für Trägereinrichtungen vorsieht, dessen Absolvierung Voraussetzung für eine öffentliche Finanzierung ist. Die Pädagogen wären dann beim jeweiligen Träger, etwa einer Gemeinde oder einer privaten Einrichtung, angestellt und würden ein einheitliches Entlohnungsschema haben, das sich an jenem der Lehrer orientieren soll.

Im Regierungsprogramm ist die Umsetzung des zweiten, verpflichtenden Kindergartenjahrs übrigens bereits angekündigt. Bisher scheiterte es aber am Geld. "Das derzeitige letzte verpflichtende Kindergartenjahr kostet den Bund 70 Millionen Euro. Für ein weiteres Jahr wäre etwa die gleiche Summe notwendig. Und die muss erst aufgestellt werden", sagte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zuletzt im Interview mit dem STANDARD.

 

Kurier – 15. April 2015

 

 

Industrie will bessere Bildung im Kindergarten.

Uniabschluss für Kindergärtnerinnen, Gehalt wie Lehrer, enge Zusammenarbeit mit der Schule, österreichweite Regelungen: So sieht die Industriellenvereinigung die Zukunft unserer Kindergärten

Bildungsweg. Kindergarten und Volksschule eng vernetzt unter einem Dach, mit gleich gut ausgebildeten und bezahlten Pädagoginnen und Pädagogen. So sieht die Zukunftsvision der Industriellenvereinigung (IV) für die österreichische Elementarpädagogik mit 270.000 Kindern in Krippen und Kindergärten aus.

Für  IV-Präsident Georg Kapsch hat die vorschulische Betreuung in Österreich einen zu geringen Stellenwert: „Krippen und Kindergärten sind keine bloßen Betreuungseinrichtungen, sie leisten wichtige Bildungsarbeit."

Ein Beispiel: Gemeinsam mit dem Technischen Museum initiierte die IV das Programm „Technik kinderleicht!", bei dem Kindergartenpädagoginnen lernen, wie sie Kindern technische Themen näherbringen können. "Die frühkindliche Bildung fördert das kognitive Lernen", so Kapsch.

„Wir wollen keine Verschulung des Kindergartens", stellt der IV-Präsident klar. Seine Idee eines verpflichtenden Vorschuljahres unter der Leitung der Schule hatte im Herbst für heftige Reaktionen gesorgt. Daniel Landau von der  Plattform „Zukunft.Bildung" bekräftigt: „Wir sollten lieber das spielerische Lernen aus der Elementarpädagogik in die Volksschule bringen."

Das IV-Konzept sieht jetzt zwei verpflichtende und kostenlose Kindergartenjahre von vier bis sechs Jahren vor, das zweite in enger Koordination mit Schulen. Die Elternbeiträge für Kleinere sollten vorläufig sozial gestaffelt sein, später ganz entfallen.

Die Vernetzung zwischen Kindergarten und Schule hat sich die IV in der Schweiz abgeschaut. In der Praxis wird bereits daran gearbeitet, erklärt die pädagogische Leiterin der St. Nikolaus-Stiftung, Susanna Haas: „In der Elementarpädagogik steht das Kind mit seinen Fähigkeiten und Interessen im Mittelpunkt, der andere Zugang in der Schule ist für Kinder und ihre Eltern oft schwer. Jetzt wird intensiv an Modellen gearbeitet, wie man wertvolle Informationen über das Kind an die Lehrer weitergeben kann."

"Neue Anforderungen an Pädagogik"

„Die Qualität der Betreuung wie Öffnungszeiten und Betreuungsschlüssel dürfen nicht vom Wohnort abhängig sein", kritisiert die Vorsitzende der Jungen Industrie, Therese Niss. Sie fordert eine einheitliche Zuständigkeit des Bundes. Wichtig sei auch die bessere Ausbildung: Kindergartenleiterinnen sollten einen Master-Abschluss und gruppenführende Pädagoginnen einen Bachelor-Abschluss von der Uni haben. Für alle anderen Kindergärtnerinnen soll die jetzige Schulausbildung in eine Berufsbildende Höhere Schule  weiterentwickelt werden.

Schon jetzt wünschen sich junge Pädagoginnen mehr Ausbildung, beobachtet Haas: „Viele unsere Mitarbeiterinnen nehmen sich eine Auszeit oder reduzieren ihre Arbeitszeit, weil sie berufsbegleitend ein themenverwandtes Studium beginnen. Sie  Heute sind die Erwartungen an die pädagogische Arbeit höher als früher." Von einer zu starken Differenzierung hält sie allerdings nichts: „Aus Personalknappheit brauchen wir alle als gruppenführende Kindergärtnerinnen."

Durch die bessere Qualifizierung, Bezahlung wie Lehrer und neue Berufsperspektiven sollen auch mehr Männer angesprochen werden, hofft Niss: „Mit einem Männeranteil von 1,4 Prozent liegen unsere Kindergärten auf dem letzten Platz im internationalen Vergleich. Dänemark hat 15 Prozent und Deutschland immerhin 3,5 Prozent männliche Mitarbeiter in Kindergärten."

Wie sollen die Neuerungen finanziert werden? Kapsch: „Wir haben zu viele Geldleistungen an die Familien und zu wenig Sachleistungen. Eine Umschichtung würde jene Kinder besser erreichen, die es brauchen."

 

 

"Kurier" vom 15.04.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

"Der öffentliche Dienst ist nicht die freie Rücklage der Republik"

 

   vonKarin LeitnerSteuer-Sparpaket. Für den Kanzler ist die Unterrichtszeit weiter auf der Agenda. Fritz Neugebauer sagt "Lehrermehrarbeit" den Kampf an. Fritz Neugebauer & Co sind in Aufruhr - weil bei den öffentlich Bediensteten gespart werden soll: 430 Millionen Euro - als Teil der Finanzierung der Steuerreform. Den Koalitionsspitzen ist plötzlich unangenehm, dass Insider aus ihren Reihen Medien bereits wissen ließen, was kommen könnte: eine moderate Gehaltsrunde, weniger Überstunden, ein "Solidarbeitrag" von Spitzenbeamten. Und: Lehrer sollen fortan zwei Stunden länger unterrichten.

 

   Kommenden Dienstag werde einmal der Finanzrahmen für 2016 bis 2019 beschlossen; in dem werde festgelegt, wie viel jeder Minister in seinem Ressort einzusparen habe, sagte ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling nach der gestrigen Regierungssitzung. Die Budgetdetails würden erst im Herbst fixiert. "Was die einzelnen Maßnahmen anbelangt, ist von Verhandlungen abhängig. Daher ist es müßig, darüber zu reden", befand ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner.

 

   Insgesamt wollen Rot und Schwarz 1,1 Milliarden Euro holen; 700 vom Bund, 400 sollen die Länder liefern. Bei Förderungen und in der Verwaltung wird gekürzt. Der Kanzler bestätigte, dass auch Neugebauers Klientel beitragen muss: "Wenn man in der Verwaltung sparen will, wird das auch Beamte betreffen, weil die Verwaltungskosten zu einem besonders hohen Prozentsatz aus Personalkosten bestehen. Da wird man nicht sagen können, man kauft nur weniger Benzin ein." Er tut sich leichter, das zu sagen, als der Koalitionspartner. Der öffentliche Dienst ist ÖVP-dominiert.

 

   Faymann gestand, vom KURIER gefragt, auch ein, dass auf der Agenda steht, womit SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied gescheitert ist - höhere Lehrpflicht für Pädagogen: "Diese Forderung ist nicht neu. Wir sind von diesem Ziel nicht abgerückt, zur Stunde ist das aber nicht aktuell." Mehr werken als bisher müssten Lehrer jedenfalls nicht: "Es geht nicht um eine längere Arbeitszeit, sondern um zwei Stunden mehr Anwesenheit in der Klasse." Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl sagte bei einer Pressekonferenz etwas, das ihm bei der Wahl im Oktober wohl keine Lehrerstimmen bringen wird: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich am Dienstag zu Mittag fertig."

 

   Lehrergewerkschaftschef Paul Kimberger ist "fassungslos. Das ist ein Skandal! Häupl hat mit dieser Aussage jeden Anspruch verspielt, Bürgermeister von Wien zu sein, weil er sich nicht die Mühe macht, zu schauen, was Lehrer leisten." Zwei zusätzliche Unterrichtsstunden seien ausgeschlossen: "Es kommt nicht infrage, die Lehrer zur Gegenfinanzierung der Steuerreform heranzuziehen."

 

   Beamtengewerkschaftsboss Fritz Neugebauer verwahrt sich ebenfalls dagegen: "Der öffentliche Dienst wird sicher nicht die Steuerreform zahlen. Er ist nicht die freie Rücklage der Republik, wenn nichts mehr geht. Nach dem Motto: Wenn Geld fehlt, melden wir uns bei den Beamten." Auch mit "den Attacken gegen den Öffentlichen Dienst" müsse Schluss sein. "Das würde ein Arbeitgeber in der Privatwirtschaft nicht machen", urteilt Neugebauer im KURIER-Gespräch. Er habe genug von Vorurteilen und Kalauern - und davon, "dass sich manche Regierungsmitglieder dafür des Boulevards bedienen".

 

   Das Wirken von SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek missfällt Neugebauer ebenfalls. Dass sie Lehrergehälter nicht zahlen könne und deswegen Mieten stunden lassen müsse, zeige: "Die Sorgfalt des Regierens lässt in manchen Bereichen zu wünschen übrig."

 

 

Heute – 15. April 2015

Lehrer-Fortbildung: Nur 7 Prozent im Sommer

Das Interesse der Lehrer an Fortbildungsveranstaltungen in den Sommerferien ist offenbar mäßig ausgeprägt.

Lehrerarbeitszeiten

Michael Häupl kann "Dienstmittag heimgehen"


Im Schuljahr 2013/14 besuchten 24.890 Pädagogen derartige Seminare im Juli und August. Zum Vergleich: Während der Unterrichtsmonate waren es 369.843, zeigt eine Anfragebeantwortung von Bildungsministerin Gabriele


Damit bilden sich nur knapp sieben Prozent im Sommer weiter. Jede fünfte geplante Fortbildungsveranstaltung muss sogar abgesagt werden. Skurril: Der Grund für die Absagen wird vom Ministerium nicht erfasst. Fest stehen dagegen die Kosten für externe Lehrbeauftragte: Sie lagen 2013/14 bei elf Millionen Euro.

FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz kritisiert, dass das Ministerium immer weniger Kurse in der unterrichtsfreien Zeit anbietet.

 

 

Wiener Zeitung – 15. April 2015

 

 

IV-Bildungskonzept

"Elementarpädagogik wird in Österreich massiv unterschätzt"

 

 

 

 

 

 

 

Von Bettina Figl

 

·         IV-Bildungskonzept: zwei kostenlose verpflichtende Kindergartenjahre, Ausbildung auf Uni-Ebene und mehr Gehalt für Kindergartenpädagogen.

 

Wien. "Kindergartenpädagogen tragen mehr Verantwortung und sind viel wichtiger als etwa Lehrer in der AHS-Oberstufe": Georg Kapsch, Chef der Industriellenvereinigung (IV), bricht mit diesen Worten eine Lanze für die Kleinkindpädagogik. Gemeinsam mit Therese Niss, Vorsitzenden der jungen Industrie, hat er am Dienstag das IV-Konzept zur Elementarpädagogik vorgestellt, als vierten Teil des IV-Bildungsplans.

Demnach sollen Vier- bis Sechsjährige zwei verpflichtende Gratis-Kindergartenjahre im Ausmaß von mindestens 20 Stunden an vier Tagen pro Woche besuchen. Davor sollen die Elternbeiträge sozial gestaffelt, langfristig soll die gesamte Krippen- und Kindergartenzeit gratis werden. Die Kosten dafür sollen kein Problem sein, wenn eine Umschichtung der Familientransfers von Geld- auf Sachleistungen erfolge, sagt Kapsch.

Im letzten Kindergartenjahr soll mit der Volksschule eng kooperiert werden, zu mehr Bürokratie soll das aber nicht führen: "Man wird keine Protokolle schreiben." Auf langfristiger Sicht soll die Trennung der beiden Eirichtungen wie in der Schweiz aufgehoben werden. Zudem soll das Gehalt der Kindergartenpädagogen an jenes der Lehrer anpassen. Die IV sieht ein Akkreditierungsverfahren für Trägereinrichtungen vor, dessen Absolvierung Voraussetzung für eine öffentliche Finanzierung ist. Die Pädagogen wären beim jeweiligen Träger - etwa einer Gemeinde oder einer privaten Einrichtung - angestellt und würden ein einheitliches Entlohnungsschema haben, das sich an jenem der Lehrer orientiert.

Ausbildung auf Uni-Ebene
Zudem soll die Ausbildung der Kindergartenlehrer auf Uni-Ebene angehoben werden: Die Voraussetzungen wären demnach ein Masterabschluss für die Kindergartenleitung, Bachelor für Gruppenleiterinnen. Doch Kapsch warnt vor einem "Akademisierungswahn": Für Kindergartenassistentinnen sei eine Ausbildung auf tertiärer Ebene nicht erforderlich.

Auch Niss spricht sich für eine Ausbildung auf Uni-Ebene aus, um die pädagogische Qualität in den Kindergärten zu verbessern: "Wenn die Absolventen aus der Bakip kommen, sind sie noch sehr jung, und oft fühlen sich für den Beruf noch nicht bereit." Außerdem will sie mehr Männer in den Beruf bringen, "denn hier sind wir absolutes Schlusslicht": Derzeit sind nur 1,4 Prozent der Kindergartenpädagogen Männer, in Dänemark sind es 15 Prozent und in Deutschland immerhin 3,5 Prozent.

Die Qualität des Kindergartens dürfe nicht vom Wohnort abhängen, so Niss, doch derzeit haben neun verschiedene Bundesländer neun verschiedene Rahmenbedingungen und Bezahlungssysteme. Künftig soll ein Bundesrahmengesetz etwa die Qualifikation der Mitarbeiter, Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen, Öffnungszeiten und Richtlinien zur Mittelvergabe regeln. Daher sollte Elementarpädagogik in die Kompetenz des Bundes wandern, wobei dies "keine Nivellierung nach unten" bedeuten dürfe, so Niss. All diese Maßnahmen sollen den Stellenwert des Berufs steigern und damit die Personalknappheit im Kindergartenbereich bekämpfen. "Es ist eine Wohltat zu hören, dass der Kindergarten als Bildungseinrichtung anerkannt wird", sagt Irmgard Slovacek von den Wiener Kindergärten. "Doch die Knackpunkte werden nur peripher gestreift: Die Personalknappheit gibt es nur, weil die Rahmenbedingungen wie Bezahlung und Gruppengröße nicht stimmig sind." Doch hier sei derzeit "Vieles im Umbruch". Die Stadt Wien arbeitet derzeit etwa an einer Besoldungsreform.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 15.04.2015             Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

 

Faymann will Arbeitszeit für Lehrer erhöhen

 

   Er sei "von diesem Ziel nicht abgerückt", sagt der Kanzler

 

   Lehrer-Gewerkschaft rüstet sich für Protest

 

   WIEN. "Das wird auch Beamte treffen": Bundeskanzler Werner Faymann (SP) bestätigte gestern, dass die Sparpläne der Regierung in der Verwaltung nicht spurlos an den Betroffenen vorübergehen werden.

 

   Welche Maßnahmen er sich vorstellen kann, das machte Faymann deutlich: "Wir sind von diesem Ziel nicht abgerückt", sagte er zur Debatte um eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrern um zwei Stunden. Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) lieferte ebenfalls einen Beitrag zur Debatte: "Würde ich nur 22 Stunden arbeiten, wäre ich Dienstagmittag fertig", sagte er.

 

   Ob sich die Regierung auf das Match mit den Lehrern einlässt, ließ Faymann offen: "Zur Stunde" sei es nicht aktuell, weil noch keine Verhandlungen laufen. Starten sollen diese nach Präsentation des Finanzrahmens kommende Woche.

 

   Die Lehrer-Gewerkschaft rüstet sich: An Schulen wird Infomaterial unter dem Titel "Nicht mit uns" verteilt. Nicht einmal reden will Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger über eine Erhöhung der Unterrichtspflicht. »Seite 2

 

------------------------------------------------

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 15.04.2015             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Mehrarbeit für Lehrer: "Darüber rede ich gar nicht"

 

   Lehrergewerkschafter Kimberger gegen Sparpläne der Regierung

 

   Von Jasmin Bürger

 

   und Heinz Steinbock

 

   WIEN. Zahlen nannte Bundeskanzler Werner Faymann (SP) gestern nach dem Ministerrat zwar nicht. Dass die zur Gegenfinanzierung der Steuerreform geplanten Einsparungen in der Verwaltung - in Summe sind 1,1 Milliarden Euro angepeilt - aber auch die Beamten treffen werden, bestätigte der Kanzler.

 

   "Dass ist klar, weil Verwaltungskosten zu einem hohen Teil Personalkosten sind." Und Faymann ließ durchblicken, dass eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrern um zwei Stunden durchaus Thema sei: Die Diskussion darüber sei "nicht neu, wir sind von diesem Ziel nicht abgerückt", sagte er.

 

   Süffisant schaltete sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) in die Debatte ein: "Würde ich nur 22 Stunden arbeiten, wäre ich Dienstagmittag fertig", ätzte er.

 

   Ob die Maßnahme tatsächlich Teil des Gegenfinanzierungs-Pakets wird, ist noch offen, schränkte Faymann ein: "Zur Stunde ist es nicht aktuell", denn es habe noch keine Verhandlungen gegeben. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (VP) pflichtete dem bei: Er vertrete "genau dieselbe Auffassung". Allein die Nennung von möglichen Sparmaßnahmen bedeute aber nicht, "dass die Betroffenen einverstanden sind".

 

   Warnung vor Kündigungen

 

   Im Fall der Lehrer ist ein Einverständnis nicht absehbar: "Ich rede sicher nicht über eine Maßnahme, die zwölftausend Junglehrer in die Arbeitslosigkeit schickt", sagt der oberste Pflichtschullehrer-Gewerkschafter, Paul Kimberger (VP). Genau das würde die zehnprozentige Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung nämlich bedeuten. Derzeit haben Lehrer an höheren Schulen eine Lehrverpflichtung von 20 Stunden pro Woche, Pflichtsschullehrer im Schnitt 22 Stunden.

 

   Zudem seien die Pläne "in hohem Maß ungerecht", wenn die Regierung bei der Präsentation der Steuerreform angekündigt, dass sich die Bürger diese nicht selbst zahlen müssten - und jetzt sollten die Lehrer herhalten.

 

   Auch in der Beamtengewerkschaft (GÖD) selbst bereitet man sich offenbar auf eine Auseinandersetzung über die Gehälter vor.

 

   Montagabend gab es ein Treffen von GÖD-Chef Fritz Neugebauer und den Landes-Gewerkschaftschefs, bestätigt Oberösterreichs GÖD-Vorsitzender Peter Csar. Die Reaktionen auf die Sparpläne seien "heftig" gewesen, konkrete Maßnahmen wurden noch nicht besprochen. Csar wirft der Regierung "Dialogverweigerung" vor: "Das Vorgehen widerspricht allen Regeln einer funktionierenden Sozialpartnerschaft."

 

   Regierung spielt auf Zeit

 

   Die Regierungsspitze spielte gestern wiederum auf Zeit: Konkrete Maßnahmen müssten bei der Präsentation des Finanzrahmens kommende Woche ohnehin noch nicht fixiert werden. Finanzminister Hans Jörg Schelling (VP) wartet denn auch "auf Vorschläge der Ministerien" und sagte: "Es gibt kein Beamtenpaket" - noch nicht.

 

   "Würde ich nur 22 Stunden arbeiten, wäre ich Dienstagmittag fertig."

 

   Michael Häupl, Wiener Bürgermeister (SP), zur Diskussion über die Lehrer-Arbeitszeit

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 104 vom 15.04.2015                Seite: 1

Ressort: Titel

 

 

Kampfansage an die Lehrer

 

Faymann und Mitterlehner halten an Mehrarbeit fest. Die Gewerkschaft ist alarmiert.

 

   Wien - SPÖ und ÖVP wollen in der Diskussion über die Gegenfinanzierung für die Steuerreform die Mehrarbeit für Lehrer wieder zum Thema machen. Zwar sei die Frage ?zur Stunde nicht aktuell", sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) gestern nach dem Ministerrat. Er sei von seiner Meinung aber nicht abgerückt, dass Pädagogen vor dem Hintergrund des internationalen Vergleichs länger unterrichten sollten. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) schloss sich dem Kanzler an: ?Ich bin genau derselben Auffassung."

 

   SPÖ und ÖVP wollen nächste Woche im Ministerrat den Finanzrahmen für die Jahre 2016 bis 2019 beschließen. Dieser legt die Obergrenzen für die Ausgaben fest. Die Details folgen bis Herbst.

 

   Schon jetzt zeichnet sich aber ab, wo Proteste zu erwarten sind. Lehrergewerkschafter Paul Kimberger gab sich gestern kampflustig: Über zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche wolle er gar nicht verhandeln, denn das würde bedeuten, ?dass wir 12.000 junge Kolleginnen und Kollegen mit sofortiger Wirkung in die Arbeitslosigkeit schicken".

 

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wollte das Sparpaket gestern nicht kommentieren. Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) ließ sich wenigstens zur Aussage hinreißen, dass die finanzielle Situation ?alles andere als komfortabel" sei. Klug hat für das Bundesheer erst vor wenigen Monaten ein Sparpaket geschnürt und soll weitere 62,4 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Er will sein ?Kuchenstück" - die Vorgaben aus dem Finanzministerium - noch verhandeln.

 

   Mit einem hohen Anteil an Personalkosten könnte Klug aber auch davon profitieren, dass auf die Beamtenschaft insgesamt Kürzungen zukommen. Im Gespräch ist ein Solidarbeitrag für Beamte - dem Vernehmen nach als Ausgleich dafür, dass Beamte im Gegensatz zu Vertragsbediensteten keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen. Die Regierung hofft zudem, dass die nächste Gehaltsrunde für den öffentlichen Dienst dank der niedrigen Inflation vergleichsweise gering ausfallen könnte. (TT)

 

   Mehr auf den Seiten 2, 11

 

--------------------------------------------

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 104 vom 15.04.2015               Seite: 11

Ressort: Titel 2. Bund / International

 

 

Neuer Streit um zwei Stunden

 

Das Sparpaket nach der Steuerreform wird auch die Beamten betreffen. Details wollen Bundeskanzler Faymann und Vize Mitterlehner aber noch nicht bekannt geben.

 

   Von Wolfgang Sablatnig

 

   Wien - Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hat Gewicht in der SPÖ. Und er hat gestern unmissverständlich klargemacht, wie er es in der Diskussion um eine Ausweitung der Lehrverpflichtung von Pädagogen hält: Würde er 22 Stunden pro Woche arbeiten, wäre er Dienstagmittag fertig und könnte heimgehen.

 

   Zuvor hatten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vize Reinhold Mitterlehner (ÖVP) nach dem Ministerrat bestätigt, dass sie eine Ausweitung der Lehrverpflichtung (derzeit 22 Stunden pro Woche) anstreben - auch wenn das Thema ?zur Stunde" nicht aktuell sei, wie der Bundeskanzler ergänzte. Die Regierung führe derzeit auch keine Verhandlungen.

 

   Lehrergewerkschafter Paul Kimberger würde für derartige Gespräche auch gar nicht zur Verfügung stehen. Zwei Stunden mehr pro Woche würde bedeuten, dass zehn Prozent der Lehrer ihren Job verlieren, rechnete er der TT vor. Kimberger: ?Ich führe keine Gespräche, die das Ergebnis haben könnten, dass wir 12.000 junge Kolleginnen und Kollegen in die Arbeitslosigkeit schicken."

 

   Die Erhöhung der Lehrverpflichtung ohne Gehaltsausgleich könnte im Unterrichtsministerium mit einem Schlag 360 Millionen Euro einsparen. Diese Zahl bestätigt auch Kimberger. Er rechnet aber weiter: Jeder Lehrer würde somit mit 2853 Euro zu einem Sparpaket beitragen. Für den Gewerkschafter ist das angesichts der Steuerreform ?skurril", habe die Regierung doch versprochen, dass von der Entlastung alle profitieren sollen.

 

   Kimberger lässt auch das Argument nicht gelten, dass Österreichs Lehrer weniger in der Klasse stünden als ihre Kollegen in anderen Ländern. ?Wir sind nicht vergleichbar. Lehrer müssen in unseren Schulen alles machen", sagte er. In anderen Ländern hätten die Pädagogen Unterstützung. Er zitiert eine internationale Studie: Wenn Österreich nur den Durchschnitt erreichen wollte, müssten 13.500 Personen als ?Supportpersonal" angestellt werden.

 

   Die möglichen Einsparungen bei den Lehrern sind aber nur ein Teil eines 1,1 Milliarden Euro schweren Sparpakets. 400 Millionen Euro sollen die Länder zur Finanzierung der Steuerreform beitragen, 700 Mio. Euro der Bund. Auf Seiten des Bundes ist geplant, 200 Mio. Euro bei Förderungen zu kürzen. 500 Mio. Euro sollen bei der Verwaltung hereingebracht werden - und dies bedeute zwangsläufig Einschnitte beim Personal, sagte Faymann: ?Wenn man in der Verwaltung sparen will, dann sind davon auch Beamte betroffen, weil Verwaltungskosten zu einem hohen Prozentsatz Personalkosten sind."

 

   Welche Maßnahmen sie konkret planen, wollten Faymann und Mitterlehner aber noch nicht bekannt geben. Es gebe auch noch keine Verhandlungen. Noch dränge auch die Zeit nicht: Zwar soll der Ministerrat nächste Woche den Finanzrahmen für die Jahre 2016 bis 2019 absegnen. Die Details des Budgets 2016 folgen aber erst im Herbst.

 

   360 Mio. Einsparungen bei den Lehrern wären jedenfalls ein großer Teil dieses Sparpakets. Einen weiteren großen Brocken erhofft sich die Regierung aus einer geringeren Gehaltserhöhung für die Beamten: Im aktuellen Finanzrahmen ist für 2016 ein Lohnplus von 2,3 Prozent vorgesehen. Angesichts der niedrigen Inflation wird diese Steigerung wohl geringer ausfallen - und ein Prozentpunkt weniger Erhöhung bringt eine Einsparung von 130 Mio. Euro. Noch einmal 100 Mio. Euro könnte schließlich ein ?Solidarbeitrag" der Beamten bringen.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 104 vom 15.04.2015                Seite: 2

Ressort: Meinung

 

 

Sparen ohne Illusionen

 

Die Regierung steuert (wieder einmal) auf Konfrontationskurs mit den Lehrern und den Beamten, um die Kosten für die Steuerreform aufzubringen. Bekannte Rezepte bringen aber nur bekannte Streitereien und keinen Fortschritt.

 

   Von Wolfgang Sablatnig

 

   Bundeskanzler Werner Faymann hat ausgesprochen, was logisch ist: Sparen in der Verwaltung geht zu Lasten der Beamtenschaft. Und um gleich mit der nächsten Illusion aufzuräumen: Auch Kürzungen bei Förderungen bleiben niemals ohne Folgen, sondern bedeuten bei den Empfängern den Verlust von Arbeitsplätzen, Einkommen oder den Verzicht auf Kultur-, Umwelt- und Sozialprojekte.

 

   Faymann und Finanzminister Hans Jörg Schelling haben vor knapp einem Monat die Eckpunkte der Steuerreform präsentiert. Jetzt müssen sie die finanzielle Bedeckung nachliefern. Von einer echten Reform ist die Regierung bei der Verwaltung allerdings genauso weit entfernt wie bei den Steuern. Eine Entlastung kommt. Die Struktur des Steuersystems bleibt aber gleich, mit allen Schwächen und Problemen. Und in wenigen Jahren wird die kalte Progression alles aufgefressen haben, wie Innsbrucker Experten errechnet haben.

 

   Ähnlich ist es bei den Einsparungen: Diskutiert werden eine Kürzung bei den Ermessensausgaben da, ein Einschnitt bei den Förderungen dort, dazu eine magere Gehaltsrunde für die Beamten. Das bringt kurzfristig Geld, Probleme bleiben aber. Strukturelle Reformen hingegen würden bedingen, dass sich alle Gebietskörperschaften gemeinsam auf den Weg machen, Bund, Länder und Gemeinden. Sonst noch Illusionen?

 

   Und damit kommen wir zu den Lehrern: Schon die frühere Unterrichtsministerin Claudia Schmied glaubte, dass zwei Stunden Mehrarbeit der Pädagogen ihre Budgetlöcher stopfen können. Ein Irrtum: Faymann und der damalige Finanzminister Josef Pröll beugten sich dem Widerstand der Lehrer. In der Zwischenzeit gibt es zwar ein neues Dienstrecht mit einer höheren Lehrverpflichtung. Dieses gilt aber erst in fünf Jahren verpflichtend - und auch das nur für junge Pädagogen.

 

   Die Lehrervertreter zeigen bisher jedenfalls keine Bereitschaft, von ihrem Nein zu einer höheren Lehrverpflichtung abzurücken. Und die Regierung macht keine Anstalten, auf die Forderung der Pädagogen nach Sozialarbeitern, Psychologen und Assistenten als Unterstützung an den Schulen einzugehen - dafür fehlt das Geld, wir müssen ja sparen.

 

   Und wieder ist eine Illusion dahin - nämlich die, dass für Reformen an den Schulen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Aber solange das nicht passiert, braucht bitte auch niemand mehr über die herausragende Bedeutung der Bildung philosophieren.

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 15.04.2015

Ressort: VN-A

 

 

Regierung will zwei Stunden mehr für Lehrer

 

   Wien. Für ein ausgeglichenes Budget müsse die Regierung Maßnahmen setzen, auch das Nulldefizit könne sie nur so erreichen, sagte VP-Finanzminister Hans Jörg Schelling nach dem Ministerrat. Welche Einsparungen damit zusammenhängen, darüber äußerten sich SP-Bundeskanzler Werner Faymann und sein VP-Vize Reinhold Mitterlehner am Dienstag nur zurückhaltend. Naturgemäß werde es auch die Beamtenschaft treffen, sagte der SPÖ-Chef. Denn es sei nun einmal so, dass es bei Einsparungen zu einem Großteil um Personalkosten gehe.

 

   Häupl ist unbeeindruckt

 

   So hält die Regierung etwa am Ziel fest, die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung der Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen. Der Kanzler bestätigte, nicht von dem Ziel abgerückt zu sein. Dass die Dienstzeit für Lehrer erhöht werden könnte, beeindruckte auch den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) wenig: „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig." Der Vorarlberger Mandatar Harald Walser (Grüne) befürchtet, dass „die geplanten Kürzungen zu Qualitätseinbußen im Unterricht führen". Die Gewerkschaft öffentlicher Dienst  hielt fest, dass die Gegenfinanzierung der Steuerreform nicht auf dem Rücken der Beamten ausgetragen werden dürfe. Auch der Vorarlberger Landesvorsitzende Eugen Lampert werde sich dagegen wehren, hieß es.

 

   Finanzrahmen 2016 bis 2019

 

   Mit dem Finanzrahmen (2016 bis 2019), der am 21. April vom Ministerrat beschlossen wird, sollen 1,1 Milliarden Euro eingespart werden. Durchgesickerte Pläne, wonach etwa bei der Beamtenschaft 430 Millionen Euro geholt werden sollen, wollten weder Faymann noch Mitterlehner bestätigen. Schelling sagte: „Es gibt kein Beamtenpaket." Jedes Ministerium könne über die Einsparungsmaßnahmen selbst entscheiden.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen