Donnerstag, 16. April 2015

2015.04.16: Newsletter Bildung

Morgenjournal, 16.4.2015

Jahresarbeitszeitmodell für Lehrer

Birgit Pointner

Wieviel arbeiten Lehrer eigentlich? Zu wenig, wie die Regierung findet? Oder mehr als genug, wie die Lehrergewerkschaft sagt? Die Debatte über die Arbeitszeit wird generell falsch geführt, sagt die Bildungsexpertin Christiane Spiel, Professorin an der Uni Wien. Viel Arbeit wird außerhalb der Unterrichtszeit geleistet. Das müsste die Gesellschaft viel stärker respektieren, aber auch die Lehrer selbst.

Zwei Unterrichts-Stunden mehr pro Woche, das kann doch kein Problem sein, meinen manche in der Regierung. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl befindet überhaupt, 22 Stunden in der Woche, da könnte einer wie er Dienstag mittag heimgehen; eine Auflage für die Lehrer-Gewerkschaft. Die rechnet gerne vor, dass Lehrer auf mehr als 40 Wochenstunden kommen, wenn man Vor- und Nachbereitung dazu rechnet. Dazu kommen Gespräche mit Eltern und ähnliches. Eine sinnlose Diskussion, meint Christiane Spiel, Bildungsexpertin und Professorin an der Uni Wien. Sie schlägt
ein Jahres-Arbeitszeit-Modell vor.

 

 

ORF / ZIB 24 – 15. April 2015

 

Sparen bei den Lehrern

Gegen einen kolportieren Regierungssparplan laufen die Gewerkschafter Sturm: Lehrer sollen bei gleichem Lohn mehr arbeiten. Wiens Bürgermeister Häupl (SPÖ) hat mit saloppem Ton noch Öl ins Feuer gegossen.

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-24/1225/ZIB-24/9588959/Sparen-bei-den-Lehrern/9588961

 

 

ORF / ZIB 24 – 15. April 2015

 

Lehrer-Gewerkschafter zu Häupl-Sager

"Häupls Aussage ist unmissverständlich, das war eine Missachtung der pädagogischen Arbeit von 120.000 Lehrern in Österreich", sagt Eckehard Quin, Vorsitzender der AHS-Lehrergewerkschaft in der ZIB 24.

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-24/1225/ZIB-24/9588959/Lehrer-Gewerkschafter-zu-Haeupl-Sager/9588962

 

 

ORF / ZIB 20 – 15. April 2015

 

Häupl-Sager: Gewerkschafter in Rage

Es war zu erwarten: Nachdem sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl über die Lehrerarbeitszeit lustig gemacht hat - er meinte wenn er 22 Stunden arbeiten würde, dann wäre er Dienstag Mittag bereits fertig - sind die Gewerkschafter in Rage. Mit uns nicht, heißt es, man wehrt sich schon mal vorsorglich gegen Mehrarbeit, obwohl es von der Regierung noch keine fixen Pläne dazu gibt. Man weiß nur - 340 Millionen Euro sollen im Bildungsressort eingespart werden.

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-20/1218/ZIB-20/9586611/Haeupl-Sager-Gewerkschafter-in-Rage/9586813

 

 

Die Presse – 16. April 2015

 

 

Lehrerbashing – das war's?

Michael Häupl hat es – schlecht verstandener Scherz hin oder her – geschafft:

 

Mit seinem jüngsten Kommentar zur Lehrerarbeitszeit („Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig“) ist er wieder einmal an den Stammtischen angekommen. Immerhin ist schon mehr oder weniger Wahlkampf. Und mit Lehrerbashing geht immer etwas.

Gut, die Gewerkschaft – die Häupl mit besagtem Kommentar nun gemeint haben will – ist auch nicht dafür bekannt, mit feiner Klinge zu agieren (es wurde schon mit „Krieg“ gedroht). Spätestens jetzt können die Gewerkschafter sich aber wieder erfolgreich als die Buhmänner der Nation gerieren. So weit, so bekannt.

Dabei könnte man über die Idee der zusätzlichen zwei Stunden Unterricht pro Woche durchaus sachlich diskutieren. Zur Erinnerung: Das neue Lehrerdienstrecht – das allerdings noch lange Zeit für Junglehrer bloß optional ist – sieht schon eine höhere Lehrverpflichtung vor. Und auch jetzt würden sich wohl nur die wenigsten Lehrer stur dagegen wehren, eine, zwei oder vielleicht sogar drei Stunden mehr zu unterrichten – würden sie im Gegenzug an anderer Front entlastet.

Denn zu jeder Stunde kommen derzeit noch ein Haufen Papierkram, Sozialarbeit und Schulpsychologie – jedenfalls bei engagierten Lehrern. (Natürlich gibt es immer solche und solche.) Die Bildungsministerin hat Forderungen nach mehr Hilfspersonal bislang aber immer abgeschmettert – wegen des Budgets. Dabei wäre das längerfristig auch kosteneffizienter. Denn derzeit werden Lehrer zu einem guten Teil für Aufgaben bezahlt, die anderes Personal billiger erledigen könnte.

 

 

Die Presse – 16. April 2015

 

 

Warum Lehrer mehr arbeiten sollten

PRO. Österreichs Pädagogen haben im internationalen Vergleich erwiesenermaßen eine geringe Unterrichtsverpflichtung. Außerdem machen sie (gegen Bezahlung) schon jetzt gern Überstunden.

Die Debatte um die Lehrer-Arbeitszeit ist wieder voll entbrannt. Was spricht dafür, dass Lehrer mehr arbeiten sollten?

Österreichs Lehrer unterrichten weniger als ihre internationalen Kollegen.

Die Zahlen der OECD belegen es immer wieder: Österreichs Lehrer unterrichten verglichen mit ihren Kollegen im Ausland wenig. Während Pädagogen in der Sekundarstufe eins (also in Haupt- und Neuen Mittelschulen) OECD-weit 694 Stunden pro Jahr unterrichten (siehe Grafik), sind es in Österreich lediglich 607 Stunden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Sekundarstufe zwei (AHS-Oberstufe und berufsbildende mittlere und höhere Schulen). Im Schnitt widmen sich Pädagogen in anderen OECD-Ländern in diesem Bereich 655 Stunden dem Unterricht. In Österreich sind es 589 Stunden. Lediglich Österreichs Volksschullehrer sind ähnlich lange in der Klasse wie ihre internationalen Kollegen.

Zu Überstunden sind die Lehrer schon jetzt gern bereit.

Es ist nicht so, dass mehr Unterrichtsstunden für die Lehrer völlig tabu sind: Laut Rechnungshof machen Bundeslehrer – also die an Gymnasien und BMHS – teils massiv Überstunden. 2011 machten diese knapp 40.000Lehrer angesichts der Personalnot – Stichwort Lehrermangel – umgerechnet die Arbeit von 5200 weiteren Lehrern mit. Im Schnitt unterrichtete jeder Lehrer also drei bis fünf Stunden mehr pro Woche. Gegen Bezahlung, natürlich. Oberösterreichs Landesschulratspräsident, Fritz Enzenhofer (ÖVP), meinte damals sogar: Gut qualifizierte Lehrer kämen nur mit Überstunden auf ein angemessenes Gehalt. Für den Rechnungshof war jedenfalls klar: Die Praxis zeige, dass die Bundeslehrer sehr wohl zu mehr Unterricht bereit seien.

Wenn es im neuen Dienstrecht möglich ist – warum nicht jetzt?

Lehrern vorzuschreiben, zwei Stunden pro Woche mehr zu unterrichten, ist keineswegs ein unrealistischer Wunsch der Regierung. Es ist teilweise schon Realität. Ende 2013 boxte die Regierung nämlich ein neues Dienstrecht gegen den Willen der Gewerkschaft durch. Das sieht eine höhere Unterrichtsverpflichtung vor. Die Kernarbeitszeit wurde mit 24 Stunden festgelegt. Weniger dürfen nur Pädagogen unterrichten, die zusätzliche Aufgaben übernehmen. So sparen sich Klassenvorstände (de facto alle Volksschullehrer), Mentoren und Beratungslehrer bis zu zwei Stunden. Dieses neue Dienstrecht, das als Zuckerl höhere Einstiegsgehälter vorsieht, gilt aber nicht für bereits im System befindliche Lehrer. Es ist für die Nachkommenden vorgesehen. Die dürfen noch bis 2019 zwischen altem und neuem Dienstrecht wählen. Bleibt die Frage, warum jungen Lehrern, die ob der fehlenden Erfahrung wesentlich länger für die Vor- und Nachbereitung ihrer Stunden brauchen, eine höhere Unterrichtsverpflichtung zumutbar ist als den erfahrenen?

Im Bildungsressort gibt es kaum anderes Einsparpotenzial.

Wenn die Bildungsministerin, Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), wirklich sparen muss, bleiben wenig andere Möglichkeiten, als auf irgendeine Art und Weise die Lehrerkosten anzutasten. In ihrem Ressort hat sie so gut wie keine Umschichtungsmöglichkeiten. Der Großteil der knapp acht Milliarden Euro pro Jahr ist durch Fixkosten gebunden. Mehr als 80Prozent fließen in Lehrergehälter. Andere Optionen wären etwa Stundenkürzungen, größere Klassen oder mehr Budgetdisziplin der Länder. Mit Letzterem holte sich Heinisch-Hosek aber schon einmal eine Abfuhr.

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Kontra. Die Lehrer arbeiten ohnehin schon viel – auch, weil es in den Schulen an Unterstützungspersonal fehlt. Pädagogen sind jetzt schon häufig ausgebrannt und gehen krankheitshalber in Frühpension.

 

Die Debatte um die Lehrer-Arbeitszeit ist wieder voll entbrannt. Was spricht dafür, dass Lehrer nicht mehr arbeiten sollten?

Auch bei weniger Unterricht ist die Gesamtarbeitszeit der Lehrer jetzt schon hoch.

Betrachtet man nicht die Unterrichtsstunden, sondern die gesamte Arbeitszeit, so stehen die österreichischen Lehrer international nicht so schlecht da: Die Pflichtschullehrer arbeiten demnach pro Jahr 1776 Stunden – und damit 127 bis 184 Stunden mehr als ihre Lehrerkollegen im OECD- bzw. EU-Schnitt (siehe Grafik). Bei den AHS- und BMHS-Lehrern gibt es keine definierte Jahresnorm und daher keinen solchen internationalen

Klar ist aber: Die österreichischen Pädagogen übernehmen generell viele Aufgaben, die abseits des Unterrichts liegen, von administrativen bis zu sozialarbeiterischen Tätigkeiten – und zwar auch bzw. vor allem, weil es an Unterstützungspersonal fehlt. In kaum einem anderen Land gibt es an den Schulen so wenige Hilfskräfte wie in Österreich. Ein Beispiel: Hierzulande kommt auf 29 Lehrer eine pädagogische Stützkraft, im OECD-Schnitt ist das Verhältnis 1:16. Die Lehrergewerkschaft fordert daher schon seit Langem 13.000 zusätzliche Hilfskräfte. Was von der Bildungsministerin bisher aber stets als illusorisch abgetan wurde.

Schon jetzt sind viele Lehrer ausgebrannt und gehen daher in Frühpension.

Lehrer gehören zu einer Berufsgruppe, die ohnehin besonders Burn-out-gefährdet ist, wie Studien zeigen. Und viele bringt die Arbeitsbelastung durch den Job bereits jetzt an ihre Grenzen. Darauf deutet auch ein aktueller Rohbericht des Rechnungshofs hin: Von 2008 bis 2013 gingen je nach Bundesland elf bis 22Prozent der Landeslehrer wegen Dienstunfähigkeit in Frühpension – meistens wegen psychiatrischer Erkrankungen. Bei den Bundeslehrern war das im selben Zeitraum jeder zehnte Lehrer. Der Rechnungshof empfiehlt daher zumindest für die älteren Pädagogen keine höhere, sondern – ganz im Gegenteil – eine geringere Unterrichtsverpflichtung. So könnten die Lehrer länger im Job gehalten werden.

Viele angehende Lehrer würden plötzlich ohne einen Lehrerjob dastehen.

Für all jene, die den Lehrerberuf anstreben, könnten zusätzliche Unterrichtsstunden tatsächlich zum Problem werden: Die Gewerkschaft argumentiert damit, dass 12.000 Lehrerstellen wegfallen würden. Denn die rund 360 Millionen Euro an Einsparungen durch zwei Extrastunden für alle Lehrer würden unter anderem dadurch zustande kommen, dass Stellen nicht nachbesetzt werden. Treffen würde das vor allem die angehenden Lehrer. Gerade in den vergangenen Jahren boomten aber die Lehramtsstudien enorm – auch, weil stets vom Lehrermangel die Rede war und sichere Jobs zu winken schienen.

Um zukunftsfit zu werden, sollte nicht im Bildungsbereich gespart werden.

Theoretisch könnte die Regierung die Budgetvorgaben überdenken, wie das ja auch ÖGB-Chef Erich Foglar fordert. Immerhin wird von allen Seiten beteuert, wie zentral die Bildung für die Zukunft des Landes sei. Viele sind der Meinung, dass es kontraproduktiv sei, in diesem Bereich zu sparen, statt sich das Geld – Stichwort Vorbeugen statt Reparieren – aus anderen Ressorts zu holen. Derzeit sieht es aber nicht danach aus, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) bereit ist, für die rund 340 Millionen Euro große Budgetlücke im Bildungsministerium einzuspringen. Andere Ressorts auch nicht.

 

 

Die Presse – 16. April 2015

 

 

SPÖ schüttelt über Häupl den Kopf

Während Burgenlands Landeshauptmann, Hans Niessl, von einem misslungenen Scherz spricht, fragen sich rote Gewerkschafter, ob Häupl noch der Richtige für die Wiener SPÖ ist.

 

Wien. Innerhalb der SPÖ ist Michael Häupls Einschätzung über den Arbeitseifer österreichischer Lehrer eher nicht mehrheitsfähig. Er halte die Aussagen des Wiener Bürgermeisters „für einen Scherz“, sagte der burgenländische Landeshauptmann, Hans Niessl, am Mittwoch zur „Presse“. Für einen „nicht gelungenen Scherz“, wohlgemerkt.

Aus eigener Erfahrung weiß der frühere Lehrer und Schuldirektor Hans Niessl, „dass Pädagogen nicht zwanzig Stunden pro Woche im Einsatz sind, sondern mindestens vierzig“. Zumal man auch die Vor- und Nachbereitungszeit für den Unterricht dazurechnen müsse.

Häupl hatte am Dienstag bei der 70-Jahr-Feier der SPÖ im Wiener Rathaus gemeint, dass er Dienstagmittag fertig wäre, würde er– wie die Lehrer – nur 22 Stunden pro Woche arbeiten. Das gefiel auch dem Präsidenten des Gewerkschaftsbunds nicht. Erich Foglar hätte sich „mehr Sensibilität“ gewünscht, wie er dem ORF-Radio sagte. „Ich denke, dass der Bürgermeister diesen Satz so nicht mehr sprechen würde.“

In der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, der Dachorganisation der Lehrergewerkschaft, teilt man diese Einschätzung nicht – dort gehen auch die SPÖ-Funktionäre hart mit Häupl ins Gericht. Er sei zwar Niederösterreicher, sagte der Vizevorsitzende der Beamtengewerkschaft, Peter Korecky, zur „Presse“. „Aber wenn ich in der Wiener Partei wäre, würde ich mir überlegen, ob ich mit so einem Spitzenkandidaten in die Wahl gehe.“

Korecky erinnerte daran, dass Häupl vor der Wien-Wahl 2010 der SPÖ einen Schwenk in Richtung Berufsheer verordnet hatte. Die Geschichte ging nicht gut aus: Bei der Volksbefragung gab es eine Mehrheit für die Wehrpflicht und gegen das SPÖ-Modell. „Wir kennen das schon“, klagte der Beamtengewerkschafter, um in der Lehrerdebatte noch einmal nachzulegen.

Offenbar sei in Wien bereits „ein intellektueller Probelauf“ für eine rot-blaue Koalition im Gange. Anders sei Häupls Vorgehen nämlich nicht zu erklären. Um bei der Wahl am 11.Oktober bestehen zu können, scheue der Bürgermeister auch vor Populismus nicht zurück.

Enttäuscht zeigte sich inzwischen der Sozialdemokratische Lehrerverein. Häupls Äußerung sei nicht witzig gewesen und stoße alle Lehrer vor den Kopf, so SLÖ-Vorsitzender Patrick Wolf. Die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-Lehrer im Bund Sozialdemokratischer Akademiker verlangten mehr Wertschätzung im Ton.

Häupl sieht Missverständnis

Doch Häupl wollte am Mittwoch nichts zurücknehmen, er fühlte sich missverstanden. Er habe „die vielen engagierten Pädagogen“ keineswegs beleidigen wollen, sondern Kritik an der Lehrergewerkschaft geübt, von der er seit Jahrzehnten nichts als „Nein“ höre. So würden sich zum Beispiel die Gespräche zur Schulverwaltungsreform schon „ewig lang“ hinziehen.

Im Vergleich zur Diktion der Gewerkschaft seien seine „Witzchen“ völlig harmlos, meinte der Bürgermeister. „Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lasse ich mir nicht den Mund verbieten.“ Wenn die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer erhöht wird, werde man natürlich auch über eine Besoldungsreform reden müssen. Aber von vorneherein schon zu sagen, das gehe nicht, sei nicht sinnvoll.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 16.04.2015                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Häupl empört die Lehrer

 

Mit seinem Spruch zur Lehrerarbeitszeit bringt Bürgermeister Häupl nicht nur die Lehrer auf. Erstmals kommt Kritik aus den eigenen Reihen.

 

   Es war ein typischer Häupl. Schlagfertig erwiderte der wahlkämpfende Wiener Bürgermeister einem Frager, ob denn die SPÖ nicht für Arbeitszeitverkürzung stehe, mit einem Bonmot, das ihm nun vermutlich leidtut. „Wenn ich 22 Stunden in der Woche (wie die Lehrer) arbeite, bin ich auch am Dienstag mittags fertig.“ Nicht nur schwarze Lehrervertreter fallen über den SPÖ-Granden her, auch die eigene Gewerkschaftsfraktion ist unglücklich.

 

   „Das ist tiefster Populismus“, kontert ein sichtlich entrüsteter Peter Korecky, Sozialdemokrat und stellvertretender Beamtengewerkschaftschef, zur Kleinen Zeitung. „Zu uns braucht er nicht mehr vor der Wahl kommen und rote Nelken verteilen“, ätzt der niederösterreichische SPÖ-Spitzengewerkschafter. Um dann noch eines draufzulegen: „Ich würde mir als Wiener SPÖ überlegen, ob ich mit so einem Spitzenkandidaten in die Wahl gehe, der so die Stimmen weglegt.“ Korecky erinnert an den Häupl-Schwenk bei der Wehrpflicht. „Hauptsache, er hat einen Sager. Und dann war er eh wieder weg wie das Würstl im Kraut.“ Häupl selbst zeigte sich nicht reuig. Er habe nicht „die vielen engagierten Lehrer“ verunglimpft, sondern gegen die Gewerkschaft, von der er seit Jahrzehnten nichts anderes höre als ein „Nein“, polemisiert.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 16.04.2015                              Seite: 8

Ressort: Tribüne

 

THOMAS GÖTZ

 

Steiermark

 

LEITARTIKEL

 

Ein flapsiger Spruch und sein hoher Preis

 

Wie Michael Häupl das Regieren erschwert.

 

   Von Erhard Busek sagt man, für eine gute Pointe würde er auch eine Freundschaft riskieren. Michael Häupl ist ihm in diesem Punkt nicht unähnlich. In langen Jahren der Spitzenpolitik hat er sich einen verbalen Freistil angewöhnt, der nicht frei von Risiko ist. Der jüngst angerichtete Flurschaden belegt das anschaulich.

 

   Für berufliche Beobachter politischer Millimeterarbeit mag es erfrischend sein, wenn einer scharfzüngig poltert. Der Sache ist es selten oder nie dienlich. Ironie funktioniert im Journalismus schlecht und in der Politik gar nicht. Übertreibungen, Zuspitzungen wie Häupls Bonmot von der 22-Stunden-Woche, die in seinem Fall bereits Dienstagmittag abgearbeitet wäre, verhärten um ein paar Lacher die Fronten für eventuelle Verhandlungen. Das kann nicht die Intention eines alten Fuchses sein.

 

   Egal, was man von der Politik unserer Lehrer- und Beamtengewerkschaft hält, sie sind die legitimen Verhandlungspartner für jede Regierung. Wer sonst? Welchen Sinn also kann es haben, ihnen eine solche Steilvorlage zu servieren?

 

   Es steht zu befürchten, dass wir nur dem Vorgeplänkel dessen beiwohnen, was in den kommenden Wochen droht. Die Steuerreform finanzieren unter anderem Einsparungen im Bereich der Ministerien. Was einer nicht ausgibt, erhält ein anderer nicht. Verteilungskämpfe sind unausweichlich. In welchem Ton sie geführt werden, ist mitentscheidend für ihren Erfolg. Der Wiener Bürgermeister hat der Bildungsministerin und jedem anderen Verhandler einen Bärendienst erwiesen.

 

   Ob es für ihn kurzfristig Kursgewinne nach sich ziehen wird? Schwer zu sagen. Witze auf Kosten von Lehrerinnen und Lehrern sind wohlfeil, vielleicht verfangen sie auch und Häupl lukriert ein paar Stimmen mehr im Oktober. Aber steht das dafür?

 

   Dass nun auch sozialdemokratische Gewerkschafter von Häupl abrücken, zeigt, wie sehr sich der Bürgermeister verkalkuliert hat. Auch seine Erklärung, er habe nicht die Lehrer, nur ihre Gewerkschaft gemeint, verfängt nicht. Der Satz war zu eindeutig, um eine nachträgliche Umdeutung zu gestatten.

 

   Der Eklat ist ein guter Anlass, über Abrüstung in der politischen Auseinandersetzung nachzudenken, ehe noch mehr Porzellan klirrt. Das gilt für alle Beteiligten. Auch der von Häupl zitierte Kampfruf der AHS-Gewerkschaft „Das bedeutet Krieg“ ist ziemlich unerträglich: Was Krieg bedeutet, sehen wir allabendlich im Fernsehen. Mit Österreichs Querelen hat das Gott sei Dank nichts gemein.

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   thomas.goetz@kleinezeitung.at

 

 

 

KLZ – 16. April 2015

 

 

Erstmals SPÖ-interne Kritik an Häupl

 

Michael Häupl hat sich mit seinem Lehrer-Sager in die Nesseln gesetzt. „Zu uns braucht er nicht mehr vor der Wahl kommen und rote Nelken verteilen,“ so der rote Beamtengewerkschafter Korecky.

 

Scharfe SPÖ-interne Kritik erntet Bürgermeister Michael Häupl für seinen umstrittenen Sager, wenn er - wie die Lehrer - nur 22 Stunden in der Wochen arbeiten, wäre er bereits Dienstagmittags fertig. „Das ist tiefster Populismus und indiskutabel“, kontert ein sichtlich entrüsteter Peter Korecky, Sozialdemokrat und stellvertretender Beamtengewerkschaftschef, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.

           

„Zu uns braucht er nicht mehr vor der Wahl kommen und rote Nelken verteilen“, ätzt der Niederösterreichische SPÖ-Gewerkschafter. Um dann wenige Tage vor dem Parteitag der Wiener SPÖ, wo Häupl wiedergewählt werden soll, noch eines draufzulegen: „Ich würde mir als Wiener SPÖ überlegen, ob ich mit so einem Spitzenkandidaten in die Wahl gehe, der so die Stimmen weglegt. Es gibt ja auch intellektuelle Kreise in der SPÖ.“

 

Korecky erinnert an den von Häupl initiierten Schwenk bei der Wehrpflicht. „Damals ist er auch mit dem Populismusschmäh gekommen, wo es ihm nur um eine Sache gegangen ist: Hauptsache, er hat einen Sager. Und dann war er eh weg wie das Würstl im Kraut.“

 

Leicht auf Distanz in der Frage geht auch ÖGB-Chef Erich Foglar. Bereits heute würde Häupl wohl diesen Satz "so nicht mehr sprechen".

 

MICHAEL JUNGWIRTH

 

 

KLZ – 16. April 2015

 

 

Gewerkschaft sagte Nein zur Ausweitung der Lehrerarbeitszeit

 

Die neuerliche Debatte um die Ausweitung der Lehrerarbeitszeit beherrscht die Innenpolitik. Mit lockeren Sprüchen hat Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) die Lehrerschaft in Rage gebracht.

 

Die neuerliche Debatte um die Ausweitung der Lehrerarbeitszeit hat auch am Mittwoch die Innenpolitik beschäftigt. Während Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) die Lehrerschaft mit lockeren Sprüchen zur Arbeitszeit in Rage brachte, deponierte die Gewerkschaft ihr striktes Nein zu zwei Stunden mehr Unterricht. Die Lehrervertreter warnten vor arbeitslosen Lehrern, der ÖGB will mehr Budgetmittel.

           

Beamtengewerkschafts-Chef Fritz Neugebauer stellte klar, dass mit ihm die Idee nach einer Ausweitung der Lehrerarbeitszeit um zwei Stunden keine Chance auf Realisierung hat. Auf die Frage, ob sein Nein zu Eingriffen ins Dienstrecht und Besoldung auch ein striktes Nein in Sachen Arbeitszeit bedeute, sagte er im Ö1-"Morgenjournal": "Das ist so."

 

"Der öffentliche Dienst wird sicher nicht die Steuerreform zahlen", betonte er auch gegenüber dem "Kurier" - und verwies gleichzeitig auf die Nulllohnrunde der Beamten im Jahr 2013: "Wir haben gespart."

 

Medial kolportierte Vorhaben, wonach durch geringere Gehaltsabschlüsse für Beamte 220 Mio. Euro zu lukrieren seien und weitere 100 Mio. Euro über einen "Solidarbeitrag" für besser verdienende Beamte, schenkt der GÖD-Chef ohnehin wenig Glauben: "Offensichtlich haben einige Regierungsmitglieder ihre Verbindungen zum Boulevard genützt und in den letzten Wochen einige Botschaften abgesetzt." Aber: "Was in der Zeitung steht ist ja nicht nur Halbwahrheit, also 90 Prozent falsch."

 

Von Regierungsseite ließ dazu Bundesminister und Regierungskoordinator Josef Ostermayer (SPÖ) wissen, eine Nulllohnrunde sei "eine Phantomdiskussion". "Und grundsätzlich gilt: Man führt Verhandlungen direkt mit der Gewerkschaft und nicht über die Medien."

 

Gespräche forderte am Mittwoch auch Lehrervertreter Paul Kimberger: Er erwarte sich ein Treffen mit den Verantwortlichen in der Regierung, sagte der Chef der ARGE Lehrer in der GÖD. Danach werde die Gewerkschaft "wichtige und geeignete Reaktionen" geben, meinte er auf die Frage nach eventuellen Kampfmaßnahmen.

 

Solche wollte auch Neugebauer nicht ausschließen: "Sie wissen, dass eine Gewerkschaft immer bereit sein muss", sagte er gegenüber Ö1. Erste gewerkschaftsinterne Abstimmungen hat es bereits gegeben: Bereits am Montagabend hatte sich Neugebauer mit den Landes-Gewerkschaftschefs getroffen, wie die "OÖN" berichteten.

 

Ordentlich sauer war die Lehrerschaft jedenfalls auf Wiens Stadtchef Häupl, der den Lehrern am Abend zuvor indirekt Arbeitsverweigerung vorgeworfen hatte: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig", hatte er am Rande einer SPÖ-Parteiveranstaltung geätzt.

 

Der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Eckehard Quin, sprach daraufhin von einer "populistischen wie zynischen" Wortmeldung Häupls und forderte ihn auf, sich "öffentlich und umgehend" zu entschuldigen. Der Angesprochene dachte aber nicht daran und gab sich ob des Wirbels über sein "Witzchen", wie er sagte, verwundert: "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lass ich mir nicht den Mund verbieten."

 

Kritik an Häupl übten aber auch seine Parteifreunde: Eine derartige Meldung schmerze, weil Häupl prinzipiell als schul- und lehrerfreundlich gelte, befand der Vorsitzende des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Österreichs (SLÖ), Patrick Wolf. Auch die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-LehrerInnen im BSA (Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen) distanzierten sich.

 

Und ÖGB-Chef Erich Foglar meinte, bereits heute würde Häupl wohl diesen Satz "so nicht mehr sprechen". In der Sache stellte sich auch der Gewerkschafts-Präsident gegen die Einsparungspläne bei den Lehrern: "Gerade für den Bildungsbereich wäre es katastrophal, wenn man dort Personal wegspart." Vielmehr sollte man mehr Mittel für die Bildung bereitstellen: Das Ressort sollte "selbstverständlich" ein höheres Budget bekommen.

 

Vor tausenden arbeitslosen Lehrern warnte Paul Kimberger, Chef der ARGE Lehrer in der Beamtengewerkschaft: Denn zwei Stunden mehr Unterricht würden zehn Prozent mehr Arbeit entsprechen - und damit im Umkehrschluss Personalreduktionen in dieser Höhe bedeuten. Bei 127.000 Lehrern würden gut 12.000 Lehrer, vor allem junge, in die Arbeitslosigkeit getrieben.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 88 vom 16.04.2015               Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

„Wofür entschuldigen?“

 

   Österreichs Lehrer sind auf den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) nicht gut zu sprechen. Häupl hatte zum Thema Verlängerung der Lehrerarbeitszeit gesagt, dass er mit seiner Arbeit schon am Dienstag zu Mittag fertig wäre, wenn er 22 Stunden arbeiten würde. Nun legte der Wiener Bürgermeister noch einmal nach: Er wisse nicht, wofür er sich entschuldigen sollte. Und: Er habe mit seiner Aussage nicht die Lehrer gemeint, sondern die Lehrergewerkschaft, die zu allen Vorschlägen nur Nein sage. Seite 2

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 88 vom 16.04.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Die Lehrerschaft in Aufruhr

 

   Der Wiener Bürgermeister will sich für seinen saloppen Sager über die Lehrerarbeitszeit nicht entschuldigen und legt sogar noch ein Schäuferl nach.

 

   WIEN. Österreichs Lehrer haben derzeit viel zu diskutieren. Zum einen die angedachte Erhöhung der Unterrichtszeit um zwei Stunden, zum anderen den Sager des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl. Dieser hatte gesagt, dass, hätte er eine Arbeitszeit von 22 Stunden, er schon am Dienstagmittag fertig wäre. Diese Aussage brachte Häupl jede Menge Kritik ein. Einen Auszug aus den Leserbriefen, die die SN erreichten, lesen Sie im Kasten rechts.

 

   Aber auch aus den eigenen Reihen gab es Kritik. Eine derartige Meldung schmerze, weil Häupl prinzipiell als schul- und lehrerfreundlich gelte, sagte der Vorsitzende des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Österreich (SLÖ), Patrick Wolf. Die Äußerung sei nicht witzig und stoße alle Lehrer vor den Kopf. Der SLÖ empfahl allen, die „ernsthaft der Meinung sind“, dass Lehrer nur 22 Stunden arbeiten, einen Besuch in einer Schule oder Gespräche mit Pädagogen.

 

   Die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-LehrerInnen im BSA (Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen) distanzierten sich ebenfalls von den Aussagen des Wiener Bürgermeisters. Der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Eckehard Quin, rügte die „populistische wie zynische“ Wortmeldung. Er forderte Häupl auf, sich „öffentlich und umgehend“ zu entschuldigen.

 

   Der wiederum denkt gar nicht daran, das zu tun. Häupl sagte, dass sich seine Äußerung nicht gegen die „vielen engagierten“ Lehrer richte, sondern gegen die Gewerkschaften, von denen er seit Jahrzehnten nichts anderes höre als ein Nein. Die Gespräche zur Schulverwaltungsreform zögen sich bereits „ewig lang“ hin. Wenn Vorschläge wie etwa eine erhöhte Anwesenheit in der Klasse gemacht würden, würden diese von der AHS-Gewerkschaft mit Aussagen wie „Das bedeutet Krieg“ abgelehnt. Häupl: „Eigentlich habe ich mir darüber eine öffentliche Empörung erwartet. Nicht über meinen Spaß über meine eigene Arbeitszeit.“ Seine „Witzchen“ seien im Vergleich zur Diktion der Gewerkschaft völlig harmlos. „Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lass ich mir nicht den Mund verbieten“, stellte der Bürgermeister klar: „Man muss pointiert formulieren, um auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen.“

 

   Und was Häupl meinte, demonstrierte gleich Beamtengewerkschafter-Chef Fritz Neugebauer. Er stellte klar, dass mit ihm die Idee nach einer Ausweitung der Lehrerarbeitszeit um zwei Stunden keine Chance auf Realisierung habe.

 

   ÖGB-Chef Erich Foglar fordert wiederum mehr finanzielle Mittel für das Bildungsressort. Man solle die Budgetierung einfach überdenken, sagte er. Im Bildungsbereich Personal einzusparen wäre „katastrophal“.alf

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 88 vom 16.04.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Ein Rülpser, der nur am Stammtisch nützt

 

   „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag damit fertig.“ Natürlich will sich Michael Häupl für den Sager, den er da in Richtung Lehrer vom Stapel gelassen hat, nicht entschuldigen. Schließlich bescheren ihm solche untergriffigen Schenkelklopfer dort Zuspruch, wo er ihn im Herbst bei der Wien-Wahl am meisten braucht: am Stammtisch. Ganz nach dem Motto „Die soll’n amoi wos hack’ln, die Lehra“. Dass Häupl damit einer Berufsgruppe kollektiv Faulheit unterstellt und der Bildungsdebatte mehr schadet als nützt, ist ihm wurscht.

 

   Man muss über vieles reden. Auch darüber, ob Lehrer mehr Zeit an der Schule verbringen sollen, ob mehr Ganztagesschulen nötig sind und wie man jeden Schüler bestmöglich fördern kann. Wenn aber nun wieder debattiert wird, ob Lehrer zwei Stunden mehr pro Woche unterrichten sollen, geht es einzig darum, dass 300 Mill. Euro ins Budget gespült werden, um die Steuerreform zu finanzieren. Das als Beitrag zu einer Bildungsreform zu verkaufen, ist – wie Häupls Rülpser – ein Armutszeugnis für die heimische Bildungspolitik.

 

 

SN – 16. April 2015

 

Zwei Stunden mehr Unterricht? Die Lehrerschaft ist in Aufruhr

Die Debatte um die Ausweitung der Lehrerarbeitszeit schlägt weiter hohe Wellen. Die Gewerkschaft warnt nun gar vor arbeitslosen Lehrern.

Beamtengewerkschafts-Chef Fritz Neugebauer stellte klar, dass mit ihm die Idee nach einer Ausweitung der Lehrerarbeitszeit um zwei Stunden keine Chance auf Realisierung hat. Auf die Frage, ob sein Nein zu Eingriffen ins Dienstrecht und Besoldung auch ein striktes Nein in Sachen Arbeitszeit bedeute, sagte er im Ö1-"Morgenjournal": "Das ist so."

"Der öffentliche Dienst wird sicher nicht die Steuerreform zahlen", betonte er auch gegenüber dem "Kurier" - und verwies gleichzeitig auf die Nulllohnrunde der Beamten im Jahr 2013: "Wir haben gespart."

Medial kolportierte Vorhaben, wonach durch geringere Gehaltsabschlüsse für Beamte 220 Mill. Euro zu lukrieren seien und weitere 100 Mio. Euro über einen "Solidarbeitrag" für besser verdienende Beamte, schenkt der GÖD-Chef ohnehin wenig Glauben: "Offensichtlich haben einige Regierungsmitglieder ihre Verbindungen zum Boulevard genützt und in den letzten Wochen einige Botschaften abgesetzt." Aber: "Was in der Zeitung steht ist ja nicht nur Halbwahrheit, also 90 Prozent falsch."

"Eine Phantomdiskussion"

Von Regierungsseite ließ dazu Bundesminister und Regierungskoordinator Josef Ostermayer (SPÖ) wissen, eine Nulllohnrunde sei "eine Phantomdiskussion". "Und grundsätzlich gilt: Man führt Verhandlungen direkt mit der Gewerkschaft und nicht über die Medien."

Gespräche forderte am Mittwoch auch Lehrervertreter Paul Kimberger: Er erwarte sich ein Treffen mit den Verantwortlichen in der Regierung, sagte der Chef der ARGE Lehrer in der GÖD. Danach werde die Gewerkschaft "wichtige und geeignete Reaktionen" geben, meinte er auf die Frage nach eventuellen Kampfmaßnahmen.

Solche wollte auch Neugebauer nicht ausschließen: "Sie wissen, dass eine Gewerkschaft immer bereit sein muss", sagte er gegenüber Ö1. Erste gewerkschaftsinterne Abstimmungen hat es bereits gegeben: Bereits am Montagabend hatte sich Neugebauer mit den Landes-Gewerkschaftschefs getroffen, wie die "OÖN" berichteten.

Ärger über Bürgermeister Häupl

Ordentlich sauer war die Lehrerschaft jedenfalls auf Wiens Stadtchef Häupl, der den Lehrern am Abend zuvor indirekt Arbeitsverweigerung vorgeworfen hatte: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig", hatte er am Rande einer SPÖ-Parteiveranstaltung geätzt.

Der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Eckehard Quin, sprach daraufhin von einer "populistischen wie zynischen" Wortmeldung Häupls und forderte ihn auf, sich "öffentlich und umgehend" zu entschuldigen. Der Angesprochene dachte aber nicht daran und gab sich ob des Wirbels über sein "Witzchen", wie er sagte, verwundert: "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lass ich mir nicht den Mund verbieten."

Kritik an Häupl übten aber auch seine Parteifreunde: Eine derartige Meldung schmerze, weil Häupl prinzipiell als schul- und lehrerfreundlich gelte, befand der Vorsitzende des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins Österreichs (SLÖ), Patrick Wolf. Auch die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-LehrerInnen im BSA (Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen) distanzierten sich.

Und ÖGB-Chef Erich Foglar meinte, bereits heute würde Häupl wohl diesen Satz "so nicht mehr sprechen". In der Sache stellte sich auch der Gewerkschafts-Präsident gegen die Einsparungspläne bei den Lehrern: "Gerade für den Bildungsbereich wäre es katastrophal, wenn man dort Personal wegspart." Vielmehr sollte man mehr Mittel für die Bildung bereitstellen: Das Ressort sollte "selbstverständlich" ein höheres Budget bekommen.

Tausende Arbeitslose?

Vor tausenden arbeitslosen Lehrern warnte Paul Kimberger, Chef der ARGE Lehrer in der Beamtengewerkschaft: Denn zwei Stunden mehr Unterricht würden zehn Prozent mehr Arbeit entsprechen - und damit im Umkehrschluss Personalreduktionen in dieser Höhe bedeuten. Bei 127.000 Lehrern würden gut 12.000 Lehrer, vor allem junge, in die Arbeitslosigkeit getrieben.

 

 

"Österreich" vom 16.04.2015                                   Seite 1

Ressort: Titelseite

 

CityWien

 

Häupl legt nach

 

Unsere Lehrer arbeiten am wenigsten

 

OECD-Studie: Deutsche lehrer arbeiten 6 Stunden mehr pro Woche. s. 4

 

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"Österreich" vom 16.04.2015                                 Seite 4,5

Ressort: Thema des Tages

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityNÖ, CityWien

 

Lehrer: Streit um 2 Stunden eskaliert

 

Lehrer länger in Klasse ++ Häupl legt nach ++ Gewerkschaft tobt ++ Lösung bis Herbst

 

Lehrer sollen zwei Stunden länger unterrichten. Derzeit sind es 21 bis 25 Stunden.

 

Wien. Der Wiener Stadtchef Michael Häupl hat den Streit um zwei Stunden mehr Unterrichtszeit für Lehrer auf die Spitze getrieben. Wie berichtet, hatte Häupl in Richtung Gewerkschaft geätzt: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig."

 

Inner-und außerhalb des Internets ging ein Proteststurm auf den scharfzüngigen SPÖ-Politiker nieder. Doch der denkt nicht daran, sich zu entschuldigen - in ÖS-TERREICH legt er sogar nach.

 

Lehrer-Chef: »Geisteszustand nahm Schaden«

 

Proteststurm: Dabei rückte die halbe Republik aus, um Häupl zu schelten. Lehrervertreter Paul Kimberger sieht einen Skandal: "Durch die viele Arbeit scheint sein Geisteszustand Schaden genommen zu haben." ÖGB-Chef Erich Foglar: "Etwas mehr Sensibilität!" Der Kärntner Landeschef Peter Kaiser: "Anstatt sich anzufeinden, sollten Politik und Lehrer aufeinander zugehen."

 

2 Stunden länger Unterricht: Dabei ist klar: Österreichs Lehrer arbeiten im internationalen Vergleich weniger als ihre Kollegen (siehe unten).

 

360-Mio.-Sparplan muss bis zum 14. Oktober stehen

 

Und Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek muss pro Jahr 360 Millionen Euro einsparen. Wird die Lehrverpf lichtung der Lehrer um zwei Stunden angehoben, würde das eben 360 Millionen bringen. Kanzler Werner Faymann und sein Vize Reinhold Mitterlehner sind für eine höhere Lehrverpf lichtung. Heinisch hat sich bisher noch nicht festgelegt: "Der öffentliche Dienst muss einen Beitrag leisten - man sollte aber die Lehrer nicht herauspicken", hatte sie vergangene Woche zu ÖSTERREICH gesagt.

 

Bis zur Budgetrede am 14. Oktober soll das Sparpaket in allen Details stehen. Die Verhandlungen mit den Lehrern werden turbulent: Die Lehrer mobilisieren bereits an den Schulen und schrecken auch vor einem Streik nicht zurück. (fis, gü)

 

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"Österreich" vom 16.04.2015                                   Seite 5

Ressort: Thema des Tages

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityWien, CityNÖ

 

Wiener Stadtchef steht zu Lehrer-Kritik

 

Häupl: Wofür soll ich mich entschuldigen?

 

ÖSTERREICH: In der wievielten Überstunde stünden Sie diese Woche gerade, wenn Sie eine Lehrverpf lichtung von 22 Stunden hätten?

 

MICHaEl Häupl: Ich habe eine Art All-inclusive-Vertrag. Ich habe durch eine humorvolle Äußerung, die sich auf meine Arbeitszeit bezieht, auf etwas hinweisen wollen, das mir im Magen liegt: Bei jedem Schulreformvorschlag kommt nur das Njet der Lehrergewerkschaft. Wir wollen schon seit Längerem nicht zwei Stunden Mehrarbeit, sondern nur zwei Stunden mehr in der Klasse für Lehrer. Ein Lehrergewerkschafter hat gemeint, dass das "Krieg" bedeute. So etwas hat in einer sozialpartnerschaftlichen Diskussion nichts verloren. ÖSTERREICH: Sie denken nicht an eine Entschuldigung? Häupl: Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll. Ich habe niemand beleidigt. Ich komme aus einer Lehrerfamilie und habe höchsten Respekt vor den Leistungen dieses Berufsstands. Das war eine Wortmeldung in Richtung der Blockierer -und nicht an die vielen engagierten Lehrer gerichtet. Denn die haben meinen vollen Respekt. Diese Differenzierung ist mir wichtig.

 

ÖSTERREICH: Die Kritiken schwanken zwischen "mutig" und Empörung

 

Häupl: Manche Dinge gehören einfach zugespitzt. Mit Drohungen und Shitstorms in den Neuen Medien schafft man keine Bildungsreform. Interview: Josef Galley

 

 

"Österreich" vom 16.04.2015                                   Seite 4

Ressort: Thema des Tages

 

Wolfgang Fellner

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityNÖ, CityWien

 

Das sagt Österreich

 

Das ewige Gfrett mit den Lehrern

 

Und ewig grüßt das Murmeltier: Die Diskussion über die Lehrer-Arbeitszeit haben wir in diesem Land in den letzten 6 Jahren ein Dutzend Mal mit allen Emotionen geführt. Die Politik war bisher gegen die einbetonierte Lehrergewerkschaft handlungsunfähig -obwohl über 80 %der Österreicher befürworten, dass die Lehrer 2 Stunden mehr pro Woche in der Schule arbeiten. Die deutschen Lehrer arbeiten sogar 6 Stunden mehr.

 

Eine moderne Schule braucht Fulltime-Lehrer

 

Jetzt kommt Bewegung in die festen Fronten. Die Regierungs-Twins Rambo und Django (Schelling und Mitterlehner) wollen, dass das Bildungsressort 360 Millionen einspart - das ist exakt die Summe, die 2 Stunden mehr Arbeit ergeben würden.

 

Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat dabei wieder mal wortgewaltig die Stimmung des Volkes getroffen. Sein genialer Sager "Wenn ich 22 Stunden arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig" spricht Millionen Eltern aus der Seele. Zuletzt hat Häupl bei der Steuersenkung so gepoltert. Es hat genutzt.

 

Es ist höchste Zeit, dass der leidige Lehrer-Streit um die Arbeitszeit gelöst wird. Unsere Kinder haben Anspruch darauf, dass die Lehrer künftig ganztägig in der Schule sind.

 

Die Zeit, in der Lehrer mit dem Rotstift jeden Nachmittag zu Hause am Sofa die Schularbeitshefte korrigiert haben, ist in der Computer-Ära vorbei.

 

Eine moderne Schule braucht Fulltime-Lehrer.

 

Und das muss jetzt endlich durchgesetzt werden.

 

 

"Der Standard" vom 16.04.2015                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Niederösterreich, Bundesland Abend

 

Rote Lehrer denken nach Häupls Sager an Parteiaustritt

 

   Wien – Die Empörung in der Lehrerschaft über den Sager des Wiener Bürgermeisters über die Lehrerarbeitszeit ist enorm. Nach diesem „Rülpser“ würden viele „Kolleginnen und Kollegen einen Parteiaustritt oder die Niederlegung ihrer Funktion in der Gewerkschaft überlegen“, sagte der Vizechef der BMHS-Lehrergewerkschaft, Heinrich Himmer (FSG), am Mittwoch zum STANDARD. Häupl hatte gemeint: „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig.“

 

   Die von AHS-Gewerkschaftschef Eckehard Quin geforderte Entschuldigung wegen der „Diffamierung einer ganzen Berufsgruppe“ wird es von Häupl nicht geben. Er wüsste nicht, wofür er sich entschuldigen sollte. (red) Seite 9, Kommentar Seite 36

 

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Der Standard – 16. April 2015

 

 

Die Lehrer sind mit Häupl fertig

Lisa Nimmervoll

Zwei Stunden mehr Unterricht? Das und Michael Häupls "Rülpser" empört die Lehrer. Häupl wüsste nicht, wofür er sich entschuldigen soll

Wien - Aus Lehrersicht ist es fast wie im Film Und täglich grüßt das Murmeltier. Zumindest fühlt sich AHS-Gewerkschaftsvorsitzender Eckehard Quin (FCG) angesichts der reaktivierten Debatte um eine Erhöhung der Lehrverpflichtung zur Stopfung budgetärer Löcher daran erinnert, sagte er am Mittwoch im STANDARD-Gespräch: "Seit September 1976 gibt es die Lehrverpflichtung, wie es sie gibt, und seither haben wir zweimal im Jahr diese Diskussion. Wenn wo Geld fehlt, greift man halt in den öffentlichen Dienst."

Einen eher exotischen Wortbeitrag zu diesem Ritual lieferte nun der Wiener Bürgermeister. Michael Häupl (SPÖ) hatte am Dienstag gemeint: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig."

Das fanden die Lehrerinnen und Lehrer im Land nicht lustig, im Gegenteil. Die bürgermeisterliche Gleichsetzung von Unterrichtszeit und Arbeitszeit ließ die Wogen der Empörung hochgehen. Quin schrieb noch Dienstagabend einen Brief an Häupl und forderte angesichts seiner "Diffamierung einer ganzen Berufsgruppe" eine öffentliche Entschuldigung.

Häupls Spaß ...

Diese wird nicht kommen, sagte Häupl am Mittwoch zu seinem "Spaß über meine Arbeitszeit": "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen sollte." Er habe nicht die "vielen engagierten" Pädagoginnen und Pädagogen gemeint, sondern sich "kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt". Deren dauerndes Nein zu allem und jedem nervt ihn: "Und da lass ich mir nicht den Mund verbieten."

... ein "Rülpser"

Das kam auch bei den roten Lehrervertretern ganz schlecht an. BMHS-Vizegewerkschaftsvorsitzender Heinrich Himmer (FSG) berichtete von aufgebrachten "Kolleginnen und Kollegen, die Parteiaustritt und Niederlegung ihrer Funktion überlegen". Über den Inhalt des Auftritts Häupls, der auch SPÖ-Vizeparteichef ist, wolle er erst gar nicht reden, zur Form der Häupl'schen Lehrerarbeitszeiteinschätzung aber sagte Himmer zum STANDARD: "Dass er mediale Rülpser loslässt, ist ja nicht das erste Mal." Nur seien die Folgen dieses "Kalauers" leider "enorm schädigend".

Unterrichtszeit und Arbeitszeit

Nachhilfe für Häupl boten auch die Lehrerinnen und Lehrer im BSA (Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen) mit dem Hinweis, dass die Lehrerarbeitszeit "nicht nur aus der Anwesenheit in den Klassen besteht, sondern auch andere Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts als Arbeitszeit veranschlagt werden müssen".

Das strikte Nein zu zwei Stunden mehr Unterricht für alle 127.000 Lehrerinnen und Lehrer - auch von Beamtengewerkschaftschef Fritz Neugebauer angesichts des ohnehin neuen Lehrerdienstrechts mit Nachdruck deponiert - begründet die Gewerkschaft mit 12.000 Lehrerposten, die diese Maßnahme kosten würde. Dafür müsste die Regierung gar niemanden kündigen, sondern "einfach nur befristete Dienstverträge nicht mehr verlängern", sagt Quin.

ÖGB-Chef fordert höheres Bildungsbudget

Just im Bildungsbereich Personal abzubauen wäre aber "katastrophal", warnte auch ÖGB-Präsident Erich Foglar. Er empfahl der Regierung im Ö1-Mittagsjournal eine andere Lösung: "Selbstverständlich" mehr Budget für das Bildungsministerium. Man solle die Budgetierung überdenken. In der Verwaltung müsse gespart werden, "aber so geht das nicht".

Apropos Budget: Laut Personalbericht 2014 flossen von den Gesamtstaatsausgaben (160,5 Milliarden Euro) im Jahr 2013 etwas mehr als die Hälfte (54,8 Prozent) als Transfers an private Haushalte, der zweitgrößte Posten (27,5 Prozent, 44 Milliarden Euro) für Sach- und Personalaufwand in den öffentlichen Dienst, davon zwei Drittel als Arbeitnehmerentgelte (29,3 Milliarden Euro) für die 456.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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"Der Standard" vom 16.04.2015                               Seite: 36

Ressort: Kommentar

 

Rosa Winkler-Hermaden

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Der Bürgermeister macht, was er will

 

Kaum einer in der SPÖ traut sich, Michael Häupl in Sachen Lehrer zu kritisieren

 

   Man würde meinen, Michael Häupl, bestückt mit jahrzehntelanger Erfahrung als Politiker, würde etwas geschickter handeln. Seine Argumentation für die Erhöhung der Lehrverpflichtung um zwei Stunden mag im ersten Moment den einen oder anderen zum Schmunzeln bringen. Besonders lustig ist seine Aussage („Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig“) in Wahrheit aber nicht. Ein Schenkelklopfer – und dann? Dann erst wird klar, was der Wiener Bürgermeister mit dieser Aussage angerichtet hat. Nur zwei Jahre nach der Einigung auf ein neues Lehrerdienstrecht folgt die nächste emotionale Debatte. Selten ist die Aufregung so groß wie bei diesem Thema. Lehrer-Bashing ist in Österreich schon fast Nationalsport. Da hilft es auch nicht, dass Häupl am Mittwoch versuchte, zurückzurudern. Seine „Witzchen“ seien im Vergleich zur Diktion der Gewerkschaft harmlos. Entschuldigen wollte er sich aber erst gar nicht.

 

   Es ist schon verwunderlich, dass der Wiener Bürgermeister so unüberlegt agiert – noch dazu wenige Monate vor der Wien-Wahl, die am 11. Oktober stattfindet. Die SPÖ will die absolute Mehrheit zurückerobern. Häupl ist innerparteilich unter großem Druck, eine STANDARD-Umfrage zeigte zuletzt, dass die SPÖ verliert. In der Partei sind die Befürworter einer rot-grünen Zusammenarbeit abseits der inneren Bezirke mittlerweile deutlich in der Minderzahl. Zu sehr war der Fokus in den vergangenen viereinhalb Jahren auf Themen der Grünen gerichtet: sei es die Ausweitung des Parkpickerls, die Verkehrsberuhigung auf der Mariahilfer Straße oder die Vergünstigung des Öffi-Tickets auf 365 Euro.

 

   Auch dadurch lässt sich das Foul vor der entscheidenden Landtagssitzung in Sachen Wahlrecht erklären, als die SPÖ einen Grün-Mandatar in ihren Reihen willkommen hieß, um eine Pattsituation herzustellen. Für manche SPÖ-Funktionäre eine Genugtuung. Die Fronten zwischen SPÖ und Grünen sind seither aber verhärtet, und der Wahlkampf ist eröffnet. Ob Häupl deshalb Stammtischpolitik inklusive Hinhauens auf die Lehrer (von denen sind übrigens auch nicht gerade wenige in Wien wahlberechtigt) betreibt? Wenn ja, hat er noch nicht die richtige Wahlkampfstrategie gefunden.

 

   Vergessen darf man auch nicht, dass Häupl nicht nur Bürgermeister, sondern auch Vizeparteichef der SPÖ ist, die dieser Tage ihr 70-jähriges Bestehen feiert. Auch in dieser Funktion erscheint seine jüngste Äußerung mehr als verfehlt. Bis dato wartet man noch auf Kritik an Häupl von hochrangigen Genossen. Das ist enttäuschend. ÖGB-Präsident Erich Foglar meinte im Ö1-Mittagsjournal, seine Aufgabe sei es nicht, andere zu bewerten. Von Parteichef Werner Faymann, der neben Häupl stand, während dieser das umstrittene Zitat von sich gab, ist sowieso keine Kritik zu erwarten, hängt er doch am Gängelband des Bürgermeisters. Das zeigte sich nicht nur bei der Bundesheer-Debatte, sondern auch bei der Steuerreform, als Häupl im STANDARD-Interview mit dem Verzicht auf Substanzsteuern vorpreschte.

 

   Apropos Steuerreform: Dass nun just im Bildungsbereich gespart werden soll, ist ein Armutszeugnis für die Regierung. Von Vermögens-und Erbschaftssteuern hat die Koalition hingegen weitgehend Abstand genommen. Hoffnung geben erste Gegenpositionen zur Maßnahme: Der Gewerkschaftsbund etwa forderte für das Bildungsressort mehr finanzielle Mittel.

 

 

Der Standard – 16. April 2015

 

 

FSG-Gewerkschafter stellt Spitzenkandidat Häupl in Frage

Korecky kritisiert "Probelauf für rot-blaue Koalition" - AK-Chef Kaske: Arbeitnehmer zahlen sich Steuerreform nicht selbst

Wien - Wiens Bürgermeister Michael Häupl empört mit seinem 22-Stunden-Sager auch Parteikollegen in der Gewerkschaft. GÖD-Vizechef Peter Korecky (FSG) spricht im Donnerstag-"Kurier" von einem "intellektuellen Probelauf für eine rot-blaue Koalition". Und empfiehlt der SPÖ, sich zu überlegen, "mit welchem Spitzenkandidaten sie in die Wien-Wahl geht", wenn Häupl diesen populistischen Stil beibehält.

Schon auf Twitter hatte er zu "keinerlei Wahlkampfunterstützung für eine Häupl-SPÖ" aufgerufen, weil der Bürgermeister "FPÖ-Populismus" probe. Korecky fühlt sich an Häupls Wehrpflicht-Schwenk kurz vor der Wahl 2010 erinnert. Damals habe der Wiener Bürgermeister "nicht nur den damaligen Verteidigungsminister Darabos desavouiert, sondern auch über Bord geworfen, was für die SPÖ lange Zeit gegolten hat - um billig ein paar Stimmen zu gewinnen". Beim jetzigen "Lehrer-Bashing" habe Häupl "den selben Hintergedanken: Billig Stimmen zu holen".

Kaske fordert Verwaltungsreform

Der Präsident der Arbeiterkammer (AK), Rudolf Kaske, wiederum stellte sich Mittwochabend bei einem Festakt des ÖGB solidarisch auf die Seite der Beamten, bei denen die Regierung zur Finanzierung der Steuerreform einsparen will. Im Ö1-"Morgenjournal" sagte Kaske: "Was die Steurreform und die Gegenfinanzierung betrifft, sage ich sehr klar, die Arbeitnehmer zahlen sie sicherlich nicht selbst. Damit meine ich alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dieser Republik." Er warte nun darauf, dass die Regierung Vorschläge bringe, wie sie bei der Verwaltung sparen wolle.

Das tut auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch. Er schlägt vor, "die Verwaltungsebenen von Bund, Ländern und Gemeinden zusammenzulegen zu einer Ebene. Das ginge ganz einfach."

 

Der Standard – 16. April 2015

 

 

Häupl: "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll"

Lisa Nimmervoll

Bürgermeister weist Forderung der AHS-Gewerkschaft zurück - BMHS-Vizechef Himmer kritisiert "medialen Rülpser" seines Parteikollegen, rote Lehrer drohen mit Parteiaustritt

Wien - Auf einen Entschuldigung des Wiener Bürgermeisters können die Lehrerinnen und Lehrer lange warten. Michael Häupl sagte am Mittwoch im Gespräch mit der Austria Presseagentur: "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lasse ich mir nicht den Mund verbieten." Und ergänzte: "Man muss pointiert formulieren, um auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen."

Mit "pointiert" meinte er jenen Sager zur von der Regierung angedachten Erhöhung der wöchentlichen Lehrverpflichtung um zwei Stunden für alle Lehrerinnen und Lehrer: "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig."

Das hatte die Lehrergewerkschaft erbost, AHS-Lehrergewerkschaftschef Eckehard Quin (Fraktion Christlicher Gewerkschafter, FCG) forderte daraufhin noch am Dienstagabend eine öffentliche Entschuldigung Häupls wegen dieser "Diffamierung einer ganzen Berufsgruppe".

Mit seiner "ebenso populistischen wie zynischen Aussage" zeige Häupl ein "völliges Unverständnis für pädagogische Arbeit und beleidigt alle Pädagoginnen und Pädagogen dieses Landes", so Quin. Ihm falle dazu "aus irgendeinem Grund" ein anderer Häupl-Sager ein, nämlich: "Wahlkampf ist die Zeit fokussierter Unintelligenz."

Ziel war die Lehrergewerkschaft

Häupl sagte am Mittwoch, er habe nicht die "vielen engagierten" Pädagoginnen und Pädagogen kritisieren wollen, sondern Kritik an der Lehrergewerkschaft geübt. Diese sage seit Jahrzehnten nichts anderes als Nein. Die Gespräche zur Schulverwaltungsreform würden sich bereits "ewig lang" hinziehen. Wenn Vorschläge wie eine erhöhte Anwesenheit in der Klasse kämen, würden diese von der AHS-Gewerkschaft mit Aussagen wie "Das bedeutet Krieg" abgelehnt. Häupl: "Eigentlich habe ich mir darüber eine öffentliche Empörung erwartet. Nicht über meinen Spaß über meine eigene Arbeitszeit."

Natürlich werde man auch über eine Besoldungsreform reden müssen, und auch mit der Gewerkschaft werde man reden. Aber in eine Diskussion zu gehen und von vorneherein zu sagen, das gehe nicht, sei nicht sinnvoll, so Häupl.

Rote Lehrer drohen mit Parteiaustritt

Auch in der sozialdemokratischen Fraktion (FSG) in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) brodelt es nach dem Sager des Wiener Bürgermeisters. Heinrich Himmer, Vizevorsitzender der Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), berichtet im STANDARD-Gespräch von aufgebrachten "Kolleginnen und Kollegen, die Parteiaustritt und Niederlegung ihrer Funktion in der Gewerkschaft überlegen". Dass Häupl "auch in seiner Funktion als Vizevorsitzender der SPÖ und noch dazu ausgerechnet zum 70-Jahr-Jubiläum der Sozialdemokratie eine ganze Berufsgruppe abwertet, ist ein Riesenproblem und nicht besonders geschickt", sagt der FSG-Lehrervertreter.

Über den Inhalt von Häupls Auftritt wolle er gar nicht reden. Am Dienstag hatte Himmer dazu aber ein aufschlussreiches Zitat des Philosophen Peter Sloterdijk getwittert.

Zur Form der Häupl'schen Lehrerarbeitszeiteinschätzung meint Himmer: "Dass er mediale Rülpser loslässt, passiert ja nicht das erste Mal. Es ist ja bekannt dafür, dass er jeden Kalauer, der herumliegt, egal ob er Leute in der Partei oder außerhalb triff, aufnimmt."

Aber die "Folgewirkung dieses Kalauers auf Kosten aller Lehrerinnen und Lehrer ist enorm schädigend", sagt der sozialdemokratische Gewerkschafter, vor allem, weil er überzeugt sei, "dass Häupl an sich gute Arbeit macht. Umso bedauerlicher ist dieser Vorfall."

Häupl soll Schulen besuchen

Die FSG wird Häupl nun "bitten und einladen, in Schulen zu kommen und sich das anzuschauen", aber man werde den "Kollegen in ganz Österreich in einem Brief Häupls Meinung darstellen", kündigt Himmer an. Er persönlich bedauert allgemein, dass Häupl mit seiner "überflüssigen Wortmeldung" offenbar einer "populistischen Stimmung das Wort redet. Dass er, den ich eher zu dem linkeren Lager in der SPÖ gezählt habe, das tut, ist besonders schade. Aber es gibt ja in jeder Partei und in der Bevölkerung ein sehr oberflächliches Bild zur Lehrerarbeit, da hat jeder eine Meinung über einen Beruf, der gar nicht seiner oder ihrer ist." Dass das von einem SPÖ-Politiker komme, sei natürlich besonders schade.

GÖD-Chef Neugebauer sagt Nein

Im Ö1-"Morgenjournal" hatte der GÖD-Vorsitzende Fritz Neugebauer am Mittwoch ebenfalls ein striktes Nein zu mehr Unterrichtsstunden deponiert: "Wir haben erst vor kurzem ein neues Dienstrecht verhandelt. Wenige Monate später daherzukommen und zu sagen, das Geld geht uns aus, wir müssen beim Dienstrecht etwas machen, das ist unannehmbar."

Überhaupt sei jeder Eingriff in Dienstrecht und Besoldung der Beamten zur Gegenfinanzierung der Steuerreform nicht annehmbar. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) riet er, rechtzeitig die budgetäre Linie zu befolgen und nicht dann zu sagen: "Hoppla, da ist ein Problem."

 

"Kronen Zeitung" vom 16.04.2015                              Seite: 2

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

Wegen Lehrerarbeitszeit fliegen im Wiener Wahlkampf die Fetzen Häupl und Gewerkschaft im Clinch Sind 22 Wochenstunden zumutbar?

 

Zwei Polit-Schlachtrösser im Clinch: Bürgermeister Häupl geht das...

 

   Zwei Polit-Schlachtrösser im Clinch: Bürgermeister Häupl geht das ewige Njet von Gewerkschafter Neugebauer schwer am Wecker.

 

   Wiens VP-Chef Juraczka mit Neugebauer gegen Häupl

 

   Polit-Wirbel im bisher eher langweilig angelaufenen Wiener Wahlkampf, und da sind gleich zwei mit allen Wassern gewaschene „Polit-Schlachtrösser“ der besonderen Art aneinandergeraten: auf der einen Seite Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), auf der anderen Beamtengewerkschaftsboss Fritz Neugebauer (ÖVP).

 

   Konkret geht es um das Konfliktthema Lehrerarbeitszeit, und da sind immer schon die Fetzen geflogen. Die Lehrergewerkschaft unterstellt nämlich, dass jeder Änderungswunsch bei der Arbeitszeit darauf hinauslaufe, den Lehrern Faulheit vorzuwerfen. Bildungsreformer sagen, ohne flexiblere Lehrerarbeitszeiten werde Österreich in Sachen Bildung rückschrittlich bleiben.

 

   In dieses Wespennest hat nun der Wiener Bürgermeister, der ja für seine Sprachwuchteln berühmt-berüchtigt ist, voll hineingestochen: 22 Wochenstunden Lehrerarbeitszeit, so sagte er locker vor sich hin, da wäre er Dienstag zu Mittag mit seiner Wochenarbeit schon fertig.

 

   Was die einen an diesem Sager als durchaus diskussionswürdig erachten, hat die Lehrergewerkschaft veranlasst, eine ihrer berühmt-berüchtigten, von oben gesteuerten Kampagnen gegen den Wiener Bürgermeister zu starten. Mit dabei – wie könnte es anders sein – auch die Wiener ÖVP, wobei sich die Frage stellt, ob Wiens ÖVP-Chef Juraczka da wirklich gut beraten ist.

 

   Die Kampagne der Lehrergewerkschaft:

 

   Zunächst wurde Bürgermeister Häupl in Form von Protestresolutionen aufgefordert, sich in aller Form bei den betroffenen Lehrern zu entschuldigen.

 

   Dann preschten die SPÖ-Lehrer vor und zeigten sich tief enttäuscht, dass der „an sich schul- und lehrerfreundliche Genosse Häupl mit seinem markigen Spruch, der alles andere als witzig ist, alle Lehrer vor den Kopf stößt“.

 

   Nachsatz der SPÖ-Lehrer, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: „Selbst am Freitag ist die Arbeit für Lehrer nicht vorbei“

 

   Wiens Bürgermeister Häupl, den die „Krone“ zu diesem Aufstand der Lehrergewerkschaft befragte, stellte einiges zu seiner Aussage über 22 Stunden Wochenarbeitszeit klar, ging aber umgehend in den Gegenangriff über.

 

   Wiens Bürgermeister im O-Ton: „Dass ich gesagt habe, bei 22 Wochenstunden wäre ich schon Dienstag zu Mittag fertig, hat nichts mit einem Angriff auf die Lehrer zu tun. Es geht ja nicht darum, dass die Lehrer in Summe mehr arbeiten sollen, sondern dass sie von ihrer Arbeitszeit mehr Stunden – nämlich zwei – in der Klasse bei den Schülern verbringen mögen. Engagierte und vor allem jüngere Lehrer haben, wie ich weiß, damit überhaupt kein Problem.“

 

   Was die von der Lehrergewerkschaft geforderte Entschuldigung Häupls bei den Lehrern betrifft, so sagte Häupl im „Krone“-Gespräch wie aus der Pistole geschossen: „Ich denke nicht daran.“ Im Grunde, so der Bürgermeister, gehe es ja gar nicht um die Lehrerarbeitszeit im Speziellen, sondern darum, dass in Bildungsfragen bei jedem Änderungsvorschlag für eine sinnvolle Reform von Beamtengewerkschaftsboss Neugebauer abwärts ein stereotypes „Nein“ komme.

 

   Häupl fast resignierend: „So werden wir aber niemals eine Bildungsreform zusammenbringen.“

 

   Aus welchem Holz der Chef der Beamtengewerkschaft, Neugebauer, geschnitzt ist, wird man auch bei den Verhandlungen mit ÖVP-Finanzminister Schelling über Einsparungen bei der Verwaltung (und natürlich bei den Beamten selbst) sehen. Da wird sich weisen, ob das Duo Mitterlehner-Schelling ebenso konsequent diverse Privilegien abschafft, wie die beiden das bei der Wirtschaft, den Wirten und dem Tourismus planen.

 

   Ist das nicht der Fall, und kann der Gewerkschafter Neugebauer das Duo Mitterlehner-Schelling wie viele von deren Vorgängern ausbremsen, muss man kein Prophet sein, um einen spektakulären ÖVP-internen Wirbel zwischen ÖAAB und Wirtschaftsflügel vorauszusagen.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 16.04.2015                              Seite: 3

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

Caritas-Präsident Landau zu Bildungsdebatte:

 

Schule braucht mehr Mittel und Verantwortung“

 

Wien. – „Bildungsarmut von heute bedeutet morgen Arbeitslosigkeit und soziale Armut“, betont Caritas-Präsident Michael Landau. Er unterstützt das Vorhaben der Regierung, die einzelnen Schulstandorte zu stärken, und verlangt mehr individuelle Förderung.

 

   Landau: „Mehr gezielte Unterstützung!“

 

   „Kinder, die bereits mit einem Rucksack voller Probleme in die Schullaufbahn einsteigen, brauchen mehr und bessere Unterstützung und Förderung“, sagt Caritas-Präsident Michael Landau. Es sei tragisch und wirtschaftlich nicht intelligent, Menschen mit Migrationshintergrund nicht zu höheren Schulabschlüssen zu bringen. Die Schulen sollten daher mehr Mittel und Personal sowie mehr Verantwortung bekommen. Für Landau ist die geplante Stärkung der Schulstandorte ein Schritt in die richtige Richtung. Keine Begabung dürfe verloren gehen, so Landau.

 

 

Kurier – 16. April 2015

 

 

Das haben sich die Lehrer nicht verdient.

Mehrarbeit ist zumutbar, muss aber nicht so zynisch verpackt werden wie bei Michael Häupl.

Nein, das war keine Parodie der Kabarettgruppe maschek, sondern der Bürgermeister, wie er leibt und lebt: Hier trat ein von den langen Jahren an der Macht zynisch gewordener Politiker auf. "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig", sagte er halb lustig in Richtung Lehrer.

Nun ja. Eine Landespartei, die anderen gern Populismus vorwirft, darf ruhig etwas differenzierter argumentieren. Der Lehrerschaft sind zwei zusätzliche Unterrichtsstunden wahrscheinlich zumutbar. In vielen Berufsgruppen steigt der Druck, und anderswo kann man sich davon nicht drei Monate im Jahr erholen. Wer aber meint, das Lehramt sei ein lässiger Teilzeitjob, soll versuchen, einen Tag in einer x-beliebigen Neuen Mittelschule in Wien zu unterrichten. Da ist man mittlerweile mehr Elternersatz, Löwenbändiger und Entertainer als ein Wissensvermittler. Negative Noten? Politisch nicht erwünscht. Und wenn dann die PISA-Tests schlecht ausfallen, sind – erraten – die Pädagogen schuld. Politik ist auch kein Spaziergang, aber wenn einer in einer Sitzung ein kleines Nickerchen hält, stößt sich niemand daran.

Lehrerinnen und Lehrer sind oft übertrieben wehleidig. Und ja, es ist auch ungesund, nie eine andere Luft als die des Klassenzimmers geschnuppert zu haben. Aber diese Aussage des Bürgermeisters hat der Berufsstand nicht verdient. Entschuldigen will er sich nicht.

Vor einer Wahl eine so große Gruppe zu verprellen ist, äh, mutig – und außerdem nicht ganz schlüssig. Die Pensionsprivilegien seiner Landesbeamten verteidigt der Spitzenpolitiker mit Zähnen und Klauen, aber Lehrer sollen gefälligst mehr hackeln? Häupls Anhänger beglückwünschen ihn nun als Politiker, der wenigstens nicht stromlinienförmig ist. Aus der Körpersprache Werner Faymanns, der beim 22-Stunden-Sager daneben stand, ließ sich aber ganz anderes herauslesen.

 

 

Kurier – 16. April 2015

 

 

Roter Spitzen-Gewerkschafter stellt Häupl infrage.

Sager zur Arbeitszeit empört auch Parteifreunde. Beamtengewerkschaftsvize Korecky empfiehlt im Wiederholungsfall Ablöse als SP-Spitzenmann.

Michael Häupls Aussage über die 22-Stunden-Woche empört auch viele Parteifreunde. Auch wenn Häupl via APA kundtut, dass sich seine Aussage nicht gegen "die vielen engagierten Lehrer", sondern gegen deren Standesvertreter richte. Von diesen höre er nämlich seit Jahrzehnten nichts anderes als "Nein". Dass AHS-Gewerkschafter das rot-schwarze Lehrpflicht-Ansinnen mit "Das bedeutet Krieg" quittieren, sollte empören, nicht sein "Witzchen über meine eigene Arbeitszeit".

Der rote Beamtengewerkschaftsvize Peter Korecky hat schon mehr gelacht. Via Twitter urteilte er nicht parteifreund-freundlich: "Häupl probt FPÖ-Populismus! Keinerlei Wahlkampfunterstützung für eine Häupl-SPÖ." In Wien wird ja am 11. Oktober gewählt. Via KURIER legte Korecky nach: "Ich nehme die Nicht-Entschuldigung zur Kenntnis." Er wertet Häupls Äußerung als "intellektuellen Probelauf für eine rot-blaue Koalition. Wenn der Bürgermeister diesen populistischen Stil beibehält, dann sollte sich die SPÖ überlegen, mit welchem Spitzenkandidaten sie in die Wien-Wahl geht."

Korecky ortet ein Häupl’sches Muster: Einst sei er jäh gegen die Wehrpflicht gewesen. "Er hat damit nicht nur den damaligen Verteidigungsminister Darabos desavouiert, sondern auch über Bord geworfen, was für die SPÖ lange Zeit gegolten hat – um billig ein paar Stimmen zu gewinnen." Beim jetzigen "Lehrer-Bashing" habe Häupl "den selben Hintergedanken: Billig Stimmen zu holen."

Foglar: "Mehr Sensibilität"

Anderen Genossen missfällt die Diktion des Stadtchefs ebenfalls. "Es wäre gut, wenn mehr Sensibilität an den Tag gelegt würde", urteilte ÖGB-Chef Erich Foglar im ORF-Radio. Der ehemalige oberösterreichische SPÖ-Chef Josef Ackerl moniert via Facebook: "Als Sozialdemokrat den Stammtisch zu bedienen, ist legitim. Aber wie und mit welchen Themen? Flapsige Bemerkungen mögen eine kurzfristige Erheiterung in einschlägigen Kreisen herbeiführen, aber wenn damit die Diskriminierung der Arbeitsbedingungen eines Berufsstandes verbunden ist, dann ist es heftig."

Er wisse, "was in 22 Stunden Politikerleben enthalten sein kann – und hätte trotzdem nie mit Lehrern tauschen wollen", schreibt Ackerl. "Eigentlich ist es eine Zumutung, in einer führenden Funktion bei so einem Anlass wie 70 Jahre SPÖ so zu reden."

Etliche Rote glauben freilich nicht, dass sich Häupl mit seinem Spruch geschadet hat – und ihn beim Landesparteitag am Samstag deswegen viele Genossen nicht erneut zum Wiener Parteichef wählen: weil wohl nicht nur in der SPÖ die Mehrheit der Ansicht sei, dass er Recht habe.

 

Kurier – 16. April 2015

 

Niessl

"Die Bundesregierung weiß nicht, was sie will"

Burgenlands SPÖ-Landeschef entschuldigt Häupl-Sager "als Scherz" und bringt erneut die Millionärssteuer ins Spiel.

"Im Burgenland wissen die Leute, was ich will. Aber keiner weiß so genau, was die Bundesregierung eigentlich will", ärgert sich Hans Niessl.

Das SPÖ-Urgestein steht eineinhalb Monate vor seiner Landtagswahl im Burgenland – und würde gerne die Früchte der im März beschlossenen Fünf-Milliarden-Entlastung ernten.

Auch wenn der erste Platz für die SPÖ im Burgenland nicht in Gefahr ist, beobachtet der Landeshauptmann die Budget-Debatte in Wien und das ewige Reizthema "Beamte/Lehrer" mit Argusaugen.

Denn Niessl befürchtet, dass die Gegenfinanzierungsdiskussion – mit täglich neuen Belastungsideen vom Tourismus und den Wirten bis hin zum öffentlichen Dienst und den Lehrern – den positiven Entlastungseffekt der Steuerreform konterkariert.

In diesem Kontext will der frühere Lehrer und Lehrervertreter Wiens Bürgermeister Michael Häupl für dessen 22-Stunden-Sager nicht kritisieren. Niessl sagte im Gespräch mit dem KURIER: "Jeder weiß, dass die Lehrer mehr arbeiten. Ich bin aufseiten der Lehrer – und habe das eher als Scherz von Michael Häupl verstanden."

Insbesondere beinhalte das neue, längst beschlossene Dienstrecht bereits die erhöhte Lehrverpflichtung. Seit dem Schuljahr 2014/’15 können sich Lehrer für das neue Dienstrecht entscheiden, ab 2019 gilt es für alle. Was daher die neuerliche Forderung nach der 22-Stunden-Lehrverpflichtung solle, könne er nicht nachvollziehen, sagt Niessl. Sein Eindruck: "Die Bundesregierung weiß nicht, was sie will. Ich weiß nicht, was diese Diskussion soll."

Entlastungseffekt weg

Überhaupt lässt Niessl an der momentanen Umsetzung der Steuerreform und hier vor allem ihrer Gegenfinanzierung kein gutes Haar. "Zuerst wird der gesamte Tourismus belastet, von den kleinen Pensionen bis zu den großen Hotels. Dann die Wirte, von der Registrierkassa bis hin zum Rauchverbot. Und jetzt die Beamten und Lehrer. So kann man das nicht diskutieren."

Die Gefahr sei, dass der "positive Entlastungseffekt durch die entstandene Diskussion völlig in den Hintergrund tritt", sagt Niessl. Und bringt seinen alten Lieblingsvorschlag aufs Tapet: "All diese Debatten hätte man sich mit einer vernünftigen Millionärssteuer ersparen können." Er wisse aber: Die SPÖ habe sich de facto bei der Entlastung durchgesetzt, die ÖVP sich mit ihren Vorstellungen bei der Gegenfinanzierung. Jetzt müsse man das halbwegs ins Lot bringen, befindet der Landeshauptmann. Soll heißen: "Nicht sich gegenseitig dauernd etwas ausrichten, sondern zusammensetzen und ausdiskutieren."

 

 

Kurier – 16. April 2015

 

Hintergrund

Junglehrer müssen bald länger als 22 Stunden in der Klasse stehen

Wie beim Dienstrecht die Arbeitszeit berechnet wird.

Wütende Proteste der Lehrer, großer Unmut auch in der eigenen Fraktion: Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat mit dem Ausspruch ("Wenn ich 22 Stunden die Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig und kann heimgehen.") weite Teile der 126.000 Lehrer in Österreich brüskiert.

Aber worum geht es bei Häupls Sager im Kern, wie viele Stunden arbeiten Lehrer in Österreich und warum darf man die Unterrichtszeit nicht mit der Arbeitszeit gleichsetzen?

Derzeit existieren parallel zwei Dienstrechts-Modelle für Lehrer – das alte und seit 2013 das neue Dienstrecht.

Noch sind praktisch alle Lehrer nach dem alten Dienstrecht angestellt, seit dem Schuljahr 2014/2015 können neu eintretende Lehrer zwischen dem alten und neuen Modell wählen. Ab 2019 gilt das neue Dienstrecht für alle neu Eintretenden verpflichtend.

Häupl bezog sich also auf das alte Dienstrecht. Dabei wird grundsätzlich unterschieden, ob es Bundeslehrer (AHS, BMHS) oder Landeslehrer (NMS, VS) betrifft. Landeslehrer sind schlechter gestellt (weil sie keine universitäre Ausbildung hatten), sie verdienen weniger, müssen öfter in der Klasse stehen und haben eine Verpflichtung zur Fortbildung (AHS-Lehrer müssen das nie).

Bei Bundeslehrern gilt eine grundsätzliche Verpflichtung von 20 Wochenstunden – je nach Fach können das aber mehr oder weniger Stunden sein. Intensive Fächer wie Mathematik oder Sprachen zählen pro Unterrichtseinheit mehr, Turnstunden oder Zeichnen weniger. Somit kann die tatsächliche Anzahl, wie viele Unterrichtsstunden ein AHS-Lehrer in der Klasse steht, zwischen 17 und 24 Stunden variieren. Klarerweise gilt: Unterrichtszeit ist nicht gleich Arbeitszeit.

Landeslehrer müssen eine Jahresnorm erfüllen, die sich auf die allgemein gültige Jahresarbeitszeit eines österreichischen Angestellten bezieht, nämlich auf 1776 Jahresstunden. Das wird bei Volksschullehrern in etwa so berechnet: Es gelten 22 Unterrichtsstunden, die 36 Wochen pro Jahr geleistet werden – insgesamt also 792 Stunden. Dazu kommen 50 Minuten pro abgehaltener Stunde für Vor- und Nachbereitung des Unterrichts (660 Stunden). Weiters werden noch 100 Stunden für "lehramtliche Pflichten" wie Konferenzen oder Sprechstunden addiert, 66 Stunden für Administration der Klasse (z. B. Klassenbuchführung), 20 Stunden Supplierverpflichtung und 15 Stunden verpflichtende Fortbildung.

Die restlichen 123 Stunden sollen sich aus diverser Arbeitszeit (Planung, Kustodiate, Schulveranstaltungen) ergeben. Das ist also gemeint, wenn es heißt: Arbeitszeit eines Lehrers ist mehr als die reine Zeit in der Klasse.

Beim neuen Dienstrecht gilt eine Lehrverpflichtung von 24 Stunden (egal, welches Fach), Klassenvorstände oder Lehrer der Oberstufe in Schularbeitsfächern müssen zwei Stunden weniger unterrichten. Dafür gibt es ein höheres Einstiegsgehalt (und ein niedrigeres Gehalt am Ende der Karriere).

 

 

"Kurier" vom 16.04.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Länder, Morgen

 

ÖGB-Foglar verlangt mehr Geld für das Bildungsbudget

 

   Sparen in Verwaltung."Gerade für den Bildungsbereich wäre es katastrophal, wenn man dort Personal wegspart", ärgert sich ÖGB-Boss Erich Foglar. Er fordert zusätzliche Mittel für das Bildungsbudget des Bundes. Die aktuelle Budgetierung solle die Regierung überdenken, sagte der Gewerkschafts-Präsident am Mittwoch im ORF-Mittagsjournal zu den Spar-Vorschlägen bei der Lehrerschaft (siehe Artikel links).

 

   Foglar bekannte sich dazu, bei der Schulverwaltung den Sparstift anzusetzen, "aber so geht das nicht. Erstens einmal sollte man die Budgetierung ganz einfach überdenken." Er orte das Problem darin, "dass man in den vergangenen Jahren in der Budgetierung nicht alles erfasst hat, was man erfassen hätte müssen". Das Ressort sollte "selbstverständlich" ein höheres Budget bekommen. "Denn Bildung ist der Schlüsselbereich im Land für vieles - für Chancengleichheit der Menschen, für die Wirtschaft, für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Volkswirtschaft."

 

   BildungsbudgetFoglars Forderung kommt für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek gerade richtig: Sie sucht derzeit verzweifelt in ihrem Ressort nach Geld. Für 2015 hat sie eine "Unterdeckung" ihres Budgets von rund 340 Millionen Euro, im kommenden Jahr dürfte die Lücke auf über eine halbe Milliarde anwachsen.

 

   Heinisch argumentiert, dass mehr als 90 Prozent des Bildungsbudgets von rund acht Milliarden Euro für die Gehälter der 126.000 Lehrer und die Mieten für die Schulen benötigt werden.

 

 

Wiener Zeitung – 16. April 2015

 

Lehrerarbeitszeit

Gewerkschaft sagt nein zu Mehrarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Die Debatte um die Lehrerarbeitszeit wiederholt sich regelmäßig.

 

Wien. Das Ansinnen der Regierung - diesmal von SPÖ und ÖVP gemeinsam -, die Unterrichtsstunden der Lehrer um zwei Stunden (genauer gesagt: zweimal 50 Minuten) pro Woche zu erhöhen, fordert die Gewerkschaft heraus. GÖD, die Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten samt den dort angesiedelten Pflichtschullehrergewerkschaftern und AHS-Lehrergewerkschaftern und darüber der gesamte ÖGB waren sich einig: ein striktes Nein zu zwei Stunden mehr Unterricht.

ÖGB-Präsisdent Erich Foglar forderte mehr Mittel für das Bildungsressort, anstatt beim Lehrpersonal zu sparen. Beamtengewerkschafts-Chef Fritz Neugebauer stellte klar, dass mit ihm die Idee nach einer Ausweitung der Lehrerarbeitszeit um zwei Stunden keine Chance auf Realisierung habe. Auf die Frage, ob sein Nein zu Eingriffen ins Dienstrecht und Besoldung auch ein striktes Nein in Sachen Arbeitszeit bedeute, sagte er im Ö1- "Morgenjournal": "Das ist so." Gleichzeitig verwies der GÖD-Vorsitzende auf die Nulllohnrunde der Beamten im Jahr 2013: "Wir haben gespart." Medial kolportierten Vorhaben, wonach durch geringere Gehaltsabschlüsse für Beamte 220 Millionen Euro zu lukrieren seien und weitere 100 Millionen Euro über einen "Solidarbeitrag" für besser verdienende Beamte, schenkt der GÖD-Chef wenig Glauben.

Von Regierungsseite ließ dazu Kanzleramtsminister Josef Ostermayer (SPÖ) wissen, eine Nulllohnrunde sei "eine Phantomdiskussion". "Und grundsätzlich gilt: Man führt Verhandlungen direkt mit der Gewerkschaft und nicht über die Medien."

Vor tausenden arbeitslosen Lehrern warnte indessen Paul Kimberger, Chef der Arge Lehrer in der GÖD: Denn zwei Stunden mehr Unterricht würden zehn Prozent mehr Arbeit entsprechen - und damit Personalreduktionen in dieser Höhe bedeuten. Bei 127.000 Lehrern würden gut 12.000 Lehrer arbeitslos.

Kritik an Häupl-Sager
Die meiste Kritik musste Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) mit seinem Sager "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig" einstecken. Der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Eckehard Quin, sprach daraufhin von einer "populistischen wie zynischen" Wortmeldung und forderte eine Entschuldigung, "öffentlich und umgehend". Häupl dachte aber nicht daran und gab sich ob des Wirbels über sein "Witzchen", wie er sagte, verwundert: "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lass’ ich mir nicht den Mund verbieten."

 

 

"Heute" vom 16.04.2015                                        Seite 1

Ressort: Titelseite

 

Heute Niederösterreich

 

Zu faul? 69 % nehmen die Lehrer in Schutz!

 

Umfrage auf heute.at nach Häupl-Kritik * Über 5.500 LeserInnen stimmten ab - S.5

 

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"Heute" vom 16.04.2015                                        Seite 5

Ressort: Politik

 

Heute Hauptausgabe, Heute Niederösterreich, Heute Oberösterreich

 

Häupl nach Kritik aus eigenen Reihen an Lehrer-Sager:

 

"Lass mir Mund nicht verbieten"

 

Die Lehrer sollen ab 2016 statt 20 Stunden 22 arbeiten und wurden für ihren Widerstand von Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) gerügt. Jetzt steigen die Pädagogen auf die Barrikaden, drohen sogar mit Parteiaustritt.

 

Auch gestern grollten die Lehrer und ihre Gewerkschaft gegen Häupl weiter: im Internet, auf Twitter und Facebook, bis zu offenen Briefen der AHS-Gewerkschaft, die eine Entschuldigung fordern. Rückenwind: Laut "Heute"-Umfrage sagen 69,3%, dass unsere Lehrer nicht zu faul sind, Häupl unrecht hat.

 

Doch der Bürgermeister sieht keinen Grund für eine Entschuldigung. Er habe mit dem Sager nicht die "vielen engagierten" Lehrer kritisieren wollen, sondern "Kritik an der Lehrergewerkschaft" geübt, sagte er zur APA.

 

Die SP-Gewerkschaft verschärft ihre Gangart gegen das 22-Stunden-Modell: Es führe dazu, "dass zehn Prozent der Lehrer entlassen werden müssen", so Pflichtschullehrer-Vertreter Thomas Bulant. Das seien 7.000 Jobs. Sein Fraktionskollege aus dem Mittelschul-Bereich, Heinrich Himmer, droht sogar mit Werbung für einen Parteiaustritt in der Lehrerschaft. Er kritisiert Häupls "medialen Rülpser" als "enorm schädigend".

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 16.04.2015

Ressort: VN-D

 

 

Das lernt Hans nimmermehr

 

Kommentar

 

   Um eine gute Nachrede kümmern sich die Lehrer und vor allem ihre Vertreter schon lange nimmermehr und um Konsens auch nicht. Das hätte Hänschen vielleicht noch gemacht, doch Hans (oder wie er im richtigen Leben heißt: Fritz Neugebauer) wird sich jetzt auch nicht mehr umorientieren, denn wenn es einen Interessenvertreter gibt, der zu überhaupt keinen Zugeständnissen bereit ist, dann der oberste Interessenvertreter der Lehrer.

 

   Nur ein Ziel zählt für den erst kürzlich mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichneten Funktionär (wofür denn eigentlich?), und dieses Ziel ist es, seiner Klientel die Privilegien zu erhalten. Von Solidarität mit dem Rest der Österreicher ist nichts zu spüren, wenn er eine Mehrleistung von zwei Stunden für die Lehrer brüsk zurückweist und mit Kampfmaßnahmen droht. Eine Mehrleistung wohlgemerkt, wie sie auch andere Gruppen erbringen müssen, und die dazu beitragen würde, die Steuerreform zu stemmen, damit anderen Werktätigen, die keine Zeit für Nebenjobs haben, etwas mehr Geld in der Börse bleibt.

 

   Zwei Stunden mehr Unterricht in der Woche. Zum Vergleich: Derzeit stehen die österreichischen Lehrer im Schnitt 600 Stunden pro Jahr vor ihren Schutzbefohlenen, im OECD-Schnitt sind es 707 Stunden; in den USA unterrichtet eine Lehrperson 1080 Stunden. Am üppigen Urlaub wird eh nichts geändert, und dass die Weiterbildung nach wie vor nicht in den zehn Wochen Sommerferien absolviert wird, sondern in der Dienstzeit, wird ebenfalls nicht zu ändern sein.

 

   Die Weigerungen der Lehrer, oder besser gesagt ihrer obersten Funktionäre, geschehen vor dem Hintergrund einer Bildungskrise, die vielleicht nicht allein von den Lehrern verursacht worden ist, an der sie aber ganz sicher ihren Anteil haben.

 

   Wenn die Lehrerfunktionäre nun schimpfen, „dass das Unterrichtsministerium durch ständige Fehlleistungen – Stichwort Zentralmatura, Neue Mittelschule, etc. – nicht nur Chaos produziert, sondern auch für viel kostenlose Mehrarbeit der Lehrenden verantwortlich ist“, ist das ein Hohn für alle Betroffenen.

 

   Die verweigernde Haltung der Lehrer in allen Fragen der Bildung hat maßgeblichen Anteil an diesem Chaos. Es scheint wirklich so, dass die Lehrenden in diesem Land jene sind, die nichts dazulernen und dies auch nicht wollen.

 

   andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 16.04.2015

Ressort: VN-A

 

 

Auch in Vorarlberg wenden sich Pädagogen entschieden gegen Pläne der Regierung.

 

Lehrer machen Front gegen höhere Lehrverpflichtung

 

   Wien, Bregenz. Die Bundesregierung ist bei ihrer Suche nach Einsparungspotenzialen fürs Budget auch bei den Lehrern fündig geworden. Diese sollen künftig zwei Stunden pro Woche mehr unterrichten. In diesem Zusammenhang hatte Wiens Bürgermeister Häupl gemeint, mit 22 Stunden Wochenarbeit sei er bis Dienstagmittag fertig. Die Lehrer fühlen sich durch diese Aussagen provoziert und lehnen eine Erhöhung der Lehrverpflichtung kategorisch ab. Auch in Vorarlberg formiert sich der Widerstand quer durch alle Interessenvertretungen. Offen wird bereits wieder von möglichen Streiks gesprochen. So meint der Pflichtschullehrergewerkschafter und SPÖ-Politiker Gerhard Unterkofler: „Es ist ungeheuerlich. Die Regierung versucht wieder einmal auf dem Rücken der Lehrer Budgetprobleme zu lösen.“ /A4

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 16.04.2015

Ressort: VN-A

 

 

Geplante Erhöhung der Lehrverpflichtung lässt Pädagogen wieder an Streik denken.

 

Lehrer bieten Regierung Stirn

 

   Bregenz. (VN) Die Überlegungen von Bundeskanzler Werner Faymann (54) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (59), im Zuge der Einsparungsmaßnahmen fürs Budget auch die Lehrer mit einer um zwei Stunden erhöhten Unterrichtsverpflichtung in die Pflicht zu nehmen, hat zu heftigen Reaktionen bei Pädagogenvertretern und Gewerkschaftern geführt.

 

   Beamtengewerkschafts-Chef Fritz Neugebauer (70) stellte klar, dass mit ihm die Idee nach einer Ausweitung der Lehrerarbeitszeit um zwei Stunden pro Woche keine Chance auf Realisierung hat. „Erst vor wenigen Jahren wurde ein neues Dienstrecht verhandelt. Jeder Eingriff ins Dienstrecht und die Besoldung ist nicht annehmbar“, sagte Neugebauer.

 

   Kritik an Heinisch-Hosek

 

   In Vorarlberg ist die Front der Ablehnung gegen die Regierungspläne bei den Lehrern geschlossen. „Es ist ungeheuerlich“, ärgert sich Pflichtschulgewerkschafter Gerhard Unterkofler (56), „die Regierung versucht wieder, auf dem Rücken der Lehrer Budgetprobleme zu lösen.“ Hart geht der SPÖ-Kommunalpolitiker auch gegen die rote Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (53) vor. „Sollte die Ministerin diese geplante Aktion von Bundeskanzler Faymann und Vize Mitterlehner mittragen, ist sie rücktrittsreif.“ Unterkofler droht mit möglichen Streiks. „Wenn die Regierung diese unbezahlte Mehrarbeit durchdrücken will, dann muss es Kampfmaßnahmen geben.“

 

   Den Bleistift hinlegen

 

   Ähnlich sieht das AHS-Lehrervertreter Gerhard Pusnik (56): „Sollten sich diese Pläne konkretisieren, dann werden wir den Bleistift hinlegen“, drückt er sich auch  unmissverständlich aus. Man komme sich allmählich für dumm verkauft vor. „Immer wieder kommen diese Forderungen. Und es hat sich dieses Mal sehr entschlossen angehört. Dabei gäbe es genügend andere Möglichkeiten, Geld zu holen. Zum Beispiel durch eine Vermögensteuer“, argmentiert der Sprecher der Gymnasiallehrer, der mittlerweile auch im Zentralausschuss eine wichtige Rolle spielt. Gefordert ist laut Pusnik jetzt auch die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. „Fritz Neugebauer soll nicht mit den Regierenden in dieser Sache mauscheln, sondern die Interessen der Lehrer vertreten.“

 

   Ein absolutes „No-Go“ sind die Regierungspläne für den Vorsitzenden der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft in Vorarlberg, Gerhard Rüdisser (58). „Noch sind es Absichtserklärungen“, meint Rüdisser. Gleichzeitig kritisiert er Faymann, Mitterlehner und Co. scharf. „Es ist ja ein Armutszeugnis dieser Regierung, wenn sie immer wieder die alte Platte auflegt und gegen die Lehrer losgeht.“

 

   Türtschers Ärger

 

   Auch der ÖAAB-Lehrerobmann Wolfgang Türtscher (58) ist sich in dieser Frage mit den Kollegen der anderen Interessenvertretungen einig. „Eine einseitige Verlängerung der Arbeitszeit der Lehrer ist nicht gerechtfertigt und politisch nicht machbar“, so Türtscher. Er sei entsetzt über die Ankündigungen aus der österreichischen Bundesregierung. „Es ist in Österreich üblich, Fragen der Arbeitszeit sozialpartnerschaftlich zu verhandeln. Das ‚Drüberfahren‘ über eine Berufsgruppe ist unmoralisch, politisch unklug und führt auch nicht zum Ziel“, macht Türtscher seinem Ärger Luft.

 

   Es sei unbestritten, dass die Arbeit als Pädagoge immer anstrengender werde. „Europaweit hören 50 Prozent aller Lehrenden in den ersten fünf Dienstjahren auf und suchen sich einen anderen Beruf, weil sie sich den Anforderungen nicht gewachsen fühlen. Und dann genau dieser Berufsgruppe mitzuteilen, wie das der Wiener Bürgermeister tut: ‚Arbeitet’s halt ein bisschen mehr!’ ist nicht nur unsensibel und beleidigend, sondern jenseits aller schulischen Realität“, sagte der ÖAAB-Lehrersprecher.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" vom 16.04.2015                         Seite 3

Ressort: Thema

 

Das Interview führte Marco Witting

 

 

3 Fragen an Karl Digruber Direktor, AHS-Gewerkschafter

 

"Junglehrer wären besonders betroffen"

 

Für den Vorsitzenden der AHS-Gewerkschaft Tirol, Karl Digruber, würden die Pädagogen zur "Melkkuh" der Steuerreform.

 

1 Was halten Sie von den jetzt neuerlich kolportierten Vorschlägen von einer Stundenausweitung für Lehrer? Ich denke, das wurde bewusst über die Presse lanciert, um die Reaktionen auszutesten. Verhandlungen darüber hat es keine gegeben. Die Lehrer sind natürlich nicht willens, die Steuerreform zu finanzieren bzw. die Melkkuh für diese zu werden.

 

2 Zwei Stunden mehr pro Lehrer, wie würde sich das etwa bei Ihnen an der Schule auswirken? Es kann mir niemand sagen, dass das eine Qualitätsverbesserung wäre. Im Gegenteil. Dazu kommen zahlreiche Vorbereitungsstunden und das ist eine krasse Arbeitszeiterhöhung. Außerdem würde die Maßnahme allein in Tirol Hunderte Jobs kosten, in den AHS etwa zwischen 160 und 200 Stellen.

 

3 Wen würde diese Maßnahme treffen? Das würde vor allem die Schwächsten treffen, zu Lasten der Junglehrer und vor allem von Frauen gehen. Um eine Vollbeschäftigung zu erreichen, müssten die Lehrer nämlich dann mehr Stunden machen oder weniger Geld verdienen. Die Stundenanzahl in den Fächern ist natürlich begrenzt und so müssten Vollzeitkräfte zu Teilzeitkräften werden oder Kollegen würden komplett ihre Beschäftigung verlieren.

 

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 105 vom 16.04.2015                Seite: 1

Ressort: Titel

 

 

Hunderte Lehrerjobs wackeln

 

Gewerkschafter laufen gegen Regierungspläne Sturm. 1000 Jobs in Tirol in Gefahr.

 

   Innsbruck, Wien - Zwischen 800 und 1000 Lehrerposten allein in Tirol sieht die Gewerkschaft in Gefahr, wenn die Regierung ihre Pläne zur Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung durchsetzt. Auch Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) befürchtet derartige Auswirkungen und findet ?die Erhöhung als Sparmaßnahme als nicht zielführend". AHS-Gewerkschafter Karl Digruber erwartet, dass vor allem ?Junglehrer und Frauen" von der Sparmaßnahme betroffen wären, und kündigt im Falle einer Umsetzung Proteste an.

 

   ÖGB-Chef Erich Foglar unterstützt den Widerstand der Lehrer: ?Gerade für den Bildungsbereich wäre es katastrophal, wenn man dort Personal wegspart." Der Bildungssektor und die Schulen müssten stattdessen mehr Geld bekommen. Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer betonte, der öffentliche Dienst werde nicht die Steuerreform bezahlen. (TT)

 

   Mehr auf Seite 3

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"Tiroler Tageszeitung" vom 16.04.2015                         Seite 3

Ressort: Thema

 

Von Marco Witting

 

Thema des Tages: Zwei Stunden Mehrarbeit für Lehrer?

 

Zwei Stunden, eine Kampfansage

 

Tirols Lehrergewerkschafter laufen gegen die Pläne der Regierung Sturm, die Hunderte Jobs kosten könnten. Davon betroffen wären vor allem Junglehrer und Frauen.

 

Innsbruck -Zwei Schulstunden pro Woche pro Lehrer mehr. Ohne Bezahlung. Die Bundesregierung hält an ihrem Ziel fest, die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung der Lehrer zu erhöhen. An so manchem Stammtisch gibt es dafür Zustimmung, von Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) einen deftigen Spruch. Doch in Tirol laufen die Gewerkschafter dagegen Sturm. Die Maßnahme würde in Tirol zwischen 800 und 1000 Lehrer den Job kosten. "Außer bösem Blut bringt die Ansage der Regierung gar nichts", fasst Elternvertreter Peter Retter zusammen. Die Diskussion über mehr Stunden ist nicht neu, das neue Lehrerdienstrecht noch nicht alt. "Die Wirksamkeit des neuen Dienstrechts lässt eben noch auf sich warten", sagt Walter Meixner, Gewerkschafter der Tiroler Pflichtschullehrer. 550 Stellen könnte allein in diesem Sektor die Erhöhung der Lehrverpflichtung kosten. "Die würden sofort auf der Strecke bleiben." Aus diesem Grund sieht Meixner auch lediglich eine Verschiebung der Staatsausgaben. "Wenn ich plötzlich Tausende Lehrer nicht mehr beschäftige, dann entlastet das vielleicht das Bildungsbudget, aber belastet das Sozialbudget." Es sehe ganz so aus, als müssten die Beamten die Steuerreform finanzieren. Ähnlich sieht es auch Karl Digruber, Direktor am BRG Imst und AHS-Gewerkschafter. "Die Diskussion zeigt auch den Stellenwert von Bildung, die wird offenbar als Einsparungspotenzial gesehen." Die Gewerkschafter jedenfalls sehen die Pläne der Regierung als "Kampfansage an uns", wie es Digruber ausdrückt. Und darauf reagieren die Lehrergewerkschafter auch mit einer ebensolchen Kampfansage. Digruber: "Wir werden dann natürlich alle Protestmaßnahmen ausloten." Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) ist weder über die Aussagen Häupls noch die angeblichen Regierungspläne erfreut: "Die Aussage des Wiener Bürgermeisters zeigt, dass er keine Ahnung vom Lehrerberuf hat", sagt Palfrader, die sich von der "Überheblichkeit entsetzt" zeigt. Eine reine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung als reine Sparmaßnahme findet Palfrader "als nicht zielführend". Auch Palfrader geht davon aus, dass eine Erhöhung der Lehrverpflichtung um zwei Stunden pro Woche in Tirol zwischen 800 und 900 Lehrern den Job kosten würde. Über die Maßnahme bzw. die kolportierten 360 Millionen Euro, die das Unterrichtsministerium einsparen soll, habe sie noch nichts bekommen. Auch im Landesschulrat als Bundesbehörde wisse man noch nichts davon, sagte die Landesrätin. Treffen würden die Einsparungen die Junglehrer. In Tirol wurden heuer aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge ohnehin schon wenige neue Stellen ausgeschrieben. Palfrader fordert "Gespräche mit der Lehrerschaft".

 

Der Dauerkonflikt um die Arbeitszeit der Lehrer

 

Lehrverpflichtung. Die Zeit, die Lehrer in der Klasse stehen, schwankt zwischen 18 und 24 Stunden, abhängig vom Schultyp und den Unterrichtsgegenständen.

 

Pflichtschullehrer (Volksschule, Neue Mittelschule, Hauptschule) müssen eine Jahresarbeitszeit von 1800 Stunden erfüllen. Pro Woche bedeutet das 20 bis 22 Stunden in der Klasse. Dazu kommen Zeiten für Vor-und Nachbereitung sowie sonstige Tätigkeiten.

 

AHS-Lehrer haben grundsätzlich eine Arbeitszeit von 20 Stunden pro Woche. Abhängig vom Fach gibt es Zu-oder Abschläge: Wer einen Gegenstand mit Schularbeiten unterrichtet, muss kürzer in der Klasse stehen. Musik und Turnen bedeuten mehr Stunden. Die gesamte Verpflichtung schwankt zwischen 18 und 24 Stunden.

 

Kampfansage. Im Februar 2009 forderte die damalige Unterrichtsministerin von den Pädagogen, als "Solidarbeitrag" in der Wirtschaftskrise zwei Stunden mehr pro Woche in der Klasse zu stehen. Die Lehrergewerkschaft lehnte kategorisch ab. Auch die Regierungsspitze mit Werner Faymann und Josef Pröll versagte Schmied die Unterstützung. Die Ministerin musste den Plan aufgeben.

 

Mehrarbeit mit Ausnahmen. Ab dem Jahr 2019 gilt für alle Lehrer eine neue Dienstzeit von 24 Stunden pro Woche in der Klasse. Gleichzeitig werden die Anfangsgehälter erhöht, spätere Lohnsteigerungen fallen flacher aus. Die 24 Stunden gelten aber nicht für alle Lehrer: Klassenvorstände -und damit der überwiegende Teil der Volksschullehrer -können ebenso zwei Stunden abziehen wie Mentoren und Kustoden sowie Pädagogen, die an der Oberstufe ein Fach mit Schularbeiten unterrichten. Bis 2019 gilt eine Übergangsbestimmung mit Wahlmöglichkeit zwischen altem und neuem Modell.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 16.04.2015             Seite: 3

Ressort: Politik

 

 

Mehrarbeit: Ein Thema, das selten Pause macht

 

   Schon 2009 wollte Claudia Schmied die Lehrer länger unterrichten lassen - und scheiterte kläglich

 

   Linz/wien. Das Pfeifkonzert war ohrenbetäubend. Als die damalige Bildungsministerin Claudia Schmied (SP) im März 2009 vor 1500 aufgebrachten Lehrern im Linzer Brucknerhaus erklären wollte, warum es unumgänglich sei, dass diese zwei Stunden pro Woche länger unterrichten, griffen die Pädagogen zu den von der Gewerkschaft vorsorglich verteilten Trillerpfeifen und stimmten Gesänge an: "Claudia, du kannst nach Hause gehn..." tönte es aus den Kehlen. Und Schmied musste den Rückzug antreten.

 

   Kurz darauf nahm sie die geplante Maßnahme - die Ministerin hatte die zwei Stunden zusätzliche Unterrichtsarbeit als "Solidarbeitrag" der Lehrer in der Wirtschaftskrise gefordert - auch offiziell zurück. Nicht zuletzt wegen mangelnder Unterstützung der Regierungsspitze.

 

   Diesmal könnte das anders sein. Nachdem zuerst Schmieds Nachfolgerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) vorsichtig anklingen ließ, dass zwei Stunden mehr Unterricht für alle Lehrer nach wie vor auf der Agenda stünden, setzte am Dienstag Bundeskanzler Werner Faymann (SP) nach, unterstützt von VP-Chef Vizekanzler Reinhold Mitterlehner.

 

   Mehr Unterrichtszeit für Junge

 

   Doch zurück zu Claudia Schmied. Nachdem sie mit ihrem Vorstoß kläglich gescheitert war, machte sie sich umgehend daran, zumindest ein neues Dienstrecht für künftige Lehrer umzusetzen. Was 2013 auch gelang. Demnach müssen Pädagogen künftig 24 Wochenstunden unterrichten, bekommen dafür aber auch höhere Anfangsgehälter. Verpflichtend ist das neue Dienstrecht erst ab 2019, ab heurigem Herbst können Lehrer aber freiwillig optieren. Grundsätzlich unterrichten Bundeslehrer derzeit rund 20, Pflichtschullehrer rund 22 Wochenstunden.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 16.04.2015             Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Braunau,Ried

 

Wiener Bürgermeister bringt Lehrer in Rage

 

   Lehrervertreter empört über Sager zur Arbeitszeit

 

   Häupl sieht keinen Grund, "sich zu entschuldigen"

 

   WIEN/LINZ. Simmering gegen Kapfenberg, das ist Brutalität - diesen Spruch über die beiden Fußballvereine prägte einst Helmut Qualtinger.

 

   Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) gegen die Lehrer, das hat ähnliche Qualität.

 

   "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig." Das hatte Häupl am Dienstag zur Debatte über eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung gesagt. Von einer "Beleidigung" einer Berufsgruppe sprachen Lehrergewerkschafter Eckehard Quin (AHS) und Paul Kimberger (Pflichtschulen) gestern. Die Lehrervertreter forderten eine öffentliche Entschuldigung.

 

   "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll", konterte Häupl. Er habe auch nicht die "vielen engagierten Lehrer" kritisieren wollen, sondern die Lehrergewerkschaft. Ähnlich rau deren Töne: "Offenbar hat der Wiener Bürgermeister schon so viel gearbeitet, dass sein geistiger Zustand dadurch Schaden genommen hat", sagte Kimberger.

 

   Aber auch der rote Vizechef der Beamtengewerkschaft, Peter Korecky, ist verärgert und hinterfragte gar Häupls Kandidatur. Aus Niederösterreich werde es jedenfalls "keine Wahlkampfunterstützung" geben, twitterte Korecky. »Seiten 2 und 3, Leitartikel auf Seite 4

 

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"Oberösterreichische Nachrichten" vom 16.04.2015             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Mit Häupls "Witzchen" haben

 

   Lehrervertreter fordern Entschuldigung des Wiener Bürgermeisters

 

   SP-Beamtengewerkschafter Korecky stellt Häupls Kandidatur in Frage

 

   Von Jasmin Bürger, Anneliese Edlinger

 

   und Herbert Schorn

 

   WIEN/LINZ. Für Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) war sein Beitrag zur Debatte über eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung der Lehrer nur ein "Witzchen". Als solches sei die Aussage "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig" zu verstehen, sagte Häupl gestern.

 

   Zum Lachen ist den Lehrern freilich nicht (siehe auch Seite 3). In einem offenen Brief fordert der Chef der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin, eine "umgehende und öffentliche Entschuldigung". Häupl habe mit seiner "populistischen wie zynischen Aussage" eine ganze Berufsgruppe "beleidigt", schreibt Quin.

 

   Den Angesprochenen kümmert's wenig: "Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen sollte", polterte Häupl am Mittwoch in einem APA-Interview. Er habe nicht die "vielen engagierten Lehrer" gemeint, sondern die Gewerkschaft, die ständig nur Nein sage. "Und da lasse ich mir nicht den Mund verbieten", denn: "Man muss pointiert formulieren, um auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen", so Häupl weiter.

 

   Dafür erntet er nun pointierte Repliken. Paul Kimberger, Chef der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, etwa sagte: "Offenbar hat der Wiener Bürgermeister schon so viel gearbeitet, dass sein geistiger Zustand dadurch Schaden genommen hat." Auch er "sehe nicht ein, warum wir uns vom Wiener Bürgermeister beleidigen lassen müssen", fordert Kimberger ebenfalls eine Entschuldigung. Aus der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) gab es naturgemäß Rückendeckung für die Lehrergruppe: GÖD-Chef Fritz Neugebauer erneuerte sein striktes Nein zu einer Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung. Jeder Eingriff in Dienstrecht und Besoldung sei unannehmbar.

 

   Zweifel an Häupls Kandidatur

 

   Und auch von der Gewerkschaftsspitze und Parteifreunden musste sich Häupl Kritik anhören. "Es wäre gut, wenn mehr Sensibilität an den Tag gelegt werden würde", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar. Der rote Vizechef der Beamtengewerkschaft, Peter Korecky, richtete seinen Wiener Parteifreunden via "Presse" gar aus, sie sollten sich "überlegen, ob sie mit so einem Spitzenkandidaten in die Wahl gehen wollen".

 

   Häupls "Witzchen" fand auch der Vorsitzende des Sozialistischen Lehrervereins, Patrick Wolf, "nicht witzig", der burgenländische SP-Landeshauptmann Hans Niessl sprach von einem "nicht gelungenen Scherz". Weiter ging Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP): "Das ist eher in die Kategorie Provokation einzureihen."

 

   Warten auf Verhandlungen

 

   Und wie geht es nun weiter in der Frage der Lehrer-Arbeitszeit? Die Gewerkschaft wartet auf eine Gesprächseinladung der Regierung. Man werde "Verhandlungen führen", ließ Beamtenminister Josef Ostermayer (SP) wissen.

 

   Für die Lehrervertreter steht fest: Mehrstunden wird es nicht geben. "Sollte das tatsächlich geplant sein, wird von der Gewerkschaft die geeignete Reaktion kommen", sagte Kimberger.

 

   Witzig, boshaft, sarkastisch: Wie User im Internet auf Häupls Sager reagierten, lesen Sie auf nachrichten.at

 

   "Offenbar hat der Wiener Bürgermeister schon so viel gearbeitet, dass sein geistiger Zustand dadurch Schaden genommen hat."

 

   Paul Kimberger, Vorsitzender der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft

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"Oberösterreichische Nachrichten" vom 16.04.2015             Seite: 4

Ressort: Meinung & Menschen

 

 

Wuchteldrucker im Wahlkampfmodus

 

   Leitartikel

 

   Wien ist laut Ignaz Castelli, einem Hoftheaterdichter des 19. Jahrhunderts, "eine Stadt, in der die Bonmots wie Pilze aufschießen." - Aber es können auch narrische Schwammerl sein.

 

   In die Kategorie gehört der Ausspruch von Bürgermeister Michael Häupl über die Unterrichtszeit der Lehrer: "Wenn ich 22 Stunden arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig."

 

   Wir haben es hier mit einer sogenannten Wuchtel zu tun. Eine Wuchtel ist in Wien entweder ein Germteiggebäck oder ein Fußball oder beißender Spott, ohne Furcht vorm Fettnapf. Häupl ist stadtbekannt als "Wuchteldrucker", als einer, der für einen scharfen Scherz vor nichts zurückschreckt.

 

   Kostproben: "Die SPÖ ist die lustigere Partei, wenn ich mir all die anderen mieselsüchtigen Koffer anschau, die herumrennen." Oder: "Ihr könnt einen dieser Blödel wählen, aber ihr müsst wissen, was ihr tut" (über die Opposition). Oder: "Wenn Sie Ihre Tochter nicht in die Schule lassen, reiß ich Ihnen die Ohrwascheln ab" (zu einem türkischen Vater am Brunnenmarkt). - So weit einige O-Töne von Michael Häupl, der einmal mit einer lichtvollen Formulierung den Wahlkampf "die Zeit fokussierter Unintelligenz" nannte.

 

   Wien wählt am 11. Oktober, und der machtbesoffenen SPÖ geht es nicht gut.

 

   Das ist der Hintergrund für den Ausfall Häupls: Um seine matten Genossen zu mobilisieren, braucht er Feindbilder.

 

   Da kommen ihm die Lehrer gerade recht.

 

   Es ist eine alte Herrschaftstechnik, die Wut auf bestimmte Gruppen zu schüren: "die Reichen", "die Beamten", "die Lehrer". Eine sachliche Auseinandersetzung stört da nur.

 

   Wenn Häupl schon die Bildungspolitik anspricht, könnte er die Frage stellen, warum immer mehr Lehrer zugleich Sozialhelfer, Elterncoach und Deponie für die verrückte Schulbürokratie sein müssen. Er könnte über die beschämenden Arbeitsbedingungen reden oder über Hunderte Container-Klassen - die Raumnot an Wiens Schulen ist drückend. Er kann natürlich auch den Output des Schulbetriebs hinterfragen. Da würde er draufkommen, dass es "die Lehrer" so wenig gibt wie "die Politiker" oder "die Journalisten".

 

   Er habe ja nur die sture Lehrergewerkschaft gemeint, sagt Häupl jetzt. So versucht er seine Entgleisung auszubügeln. Besser wäre, er stünde zu den Worten, die ihm lustig schienen - ganz im Sinn seines früheren Ausspruchs: "Wir Entertainer sterben aus."

 

   Um seine matten Genossen zu mobilisieren, braucht Häupl Feindbilder.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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