Sonntag, 19. April 2015

2015.04.18.-20: Newsletter Bildung

ORF – Im Zentrum / 19. April 2015

 

 

Klassen-Kampf – Mehr Arbeit für Lehrer?

 

Der Proteststurm war programmiert, als die Regierung ihr Ansinnen formulierte: Lehrende sollten zwei Stunden pro Woche mehr unterrichten. Geschuldet ist diese wiederkehrende Idee dem Umstand, dass es im Budget an allen Ecken und Enden kracht.

 

 

Eckehard Quin
Vorsitzender AHS-Lehrergewerkschaft

Anita Fellner
AHS-Professorin

Elmar Mayer
Rechnungshofsprecher, SPÖ

Christiane Spiel
Bildungsexpertin

Franz Fiedler
ehem. Präsident des Rechnungshofes

Heute – 20. April 2015

 

Neue Mittelschule: "Zukunft ist für mich offen"

Am Mittwoch geht es im Nationalrat um den neuen Finanzrahmen, der für 2016 bis 2019 insgesamt 700 Millionen Euro weniger für die Ministerien vorsieht. Auch das Bildungsressort ist betroffen.

Den Ministerien werden morgen die Ausgaben-Obergrenzen für die nächsten vier Jahre vorgelegt. Wie sie mit insgesamt 700 Millionen Euro weniger auskommen, "ist Sache der Ressorts", sagt die Sprecherin von Finanzminister Hans-Jörg Schelling, Michaela Berger.

Aber: "In der Verwaltung sind 80 Prozent Personalkosten", so Schelling gegenüber Bundesländerzeitungen. Da werde es die Beamten treffen – auch im Bildungsressort. Dessen Budget sei groß genug, "es soll bei den Kindern ankommen, nicht in der Verwaltung", so Schelling. "Wir haben zudem eine sehr negative Bewertung der Neuen Mittelschule." Deren Zukunft "ist für mich offen". Besser sei es, in frühkindliche Förderung zu investieren.

 

 

"Österreich" vom 20.04.2015                                   Seite 6

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, CityNÖ, CityOÖ, CityWien

 

Das ist Schellings Streichliste

 

700 Mio. Bund ++ 200 Mio. Förderungen ++ 430 Mio. Beamte ++ 360 Mio. Lehrer

 

Morgen Dienstag ist der Finanzrahmen bis 2019 fix. Schelling streicht 1,1 Mrd. €.

 

Wien. Rund fünf Milliarden Euro aus der Verwaltungsreform muss Finanzminister Schelling zusammenbekommen -davon 1,1 Mrd. in der Verwaltung. Der der ÖVP-Minister setzt fast überall den Rotstift an:

 

n Die Länder müssen 400 Millionen Euro sparen.

 

n Im Bundesbudget geht es um 700 Millionen Euro: 500 in der Verwaltung, 200 bei den Förderungen.

 

n Allein bei den Beamten werden 430 Millionen gestrichen. Davon sollen rund 230 Mio. durch eine bescheidene Gehaltsrunde hereinkommen, weitere 100 durch einen Solidarbeitrag von besserverdienenden Beamten. 30 durch weniger Überstunden, 20 durch "freiwilligen Arbeitszeitverzicht".

 

n Bei den Förderungen werden dem Landwirtschaftsund dem Wirtschaftsressort jeweils 50 Millionen (zusammen also 100) gestrichen.

 

n Ministerien. Trifft es die Minister Rupprechter (Agrar) & Mitterlehner (Wirtschaft) bei den Förderungen, so hat Heeresminister Klug wegen dem Minus bei den Überstunden um 62,4 Millionen weniger Budget. Bei Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek geht es gleich um 360 Mio Euro. (gü)

 

 

"Der Standard" vom 20.04.2015                               Seite: 20

Ressort: Kommentar

 

David Krutzler

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

MICHAEL HÄUPLs LEHRER-BASHING

 

Schutzpatron seiner Beamten

 

   Es ist schon eine hohe politische Kunst, sich zu entschuldigen, und danach zu sagen, dass man sich eigentlich gar nicht entschuldigt hat. Die Königsdisziplin ist freilich, wenn das vom Wahlvolk dennoch als demütiger Akt verstanden wird. Michael Häupl lieferte diesbezüglich am Wochenende eine Meisterleistung ab.

 

   Lehrer sollen zwei Unterrichtsstunden pro Woche länger in der Klasse stehen, lautete der Subtext einer Botschaft, die Wiens Bürgermeister Anfang der vergangenen Woche auf die Reise schickte. Lehrer reagierten entrüstet. Am Samstag sagte Häupl: „Liebe Lehrer, ich habe nicht euch gemeint." Seine Kritik habe sich an Lehrervertreter und ÖVP-Gewerkschafter gerichtet. Lehrervertreter, das sei zur Sicherheit hier gesagt, sind aber auch Lehrer, und als Standesvertreter kämpfen sie um deren Interessen. Geschadet hat Häupl das Lehrer-Bashing im Stammtischstil in seiner Partei jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Am Sonntag fand auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache an der Erhöhung der Lehrverpflichtung Gefallen.

 

   Die Forderung, dass Lehrer mehr Zeit in der Klasse verbringen sollen, ist nicht verwerflich – und könnte Parteien, außer von Lehrern, auch Stimmen bringen. Häupls Wunsch, einen Diskurs über eine moderne Schule mit modernen Lehrverpflichtungen führen zu können, ohne sofort ein „Njet" zu hören, wäre aller Ehren wert. Aber Häupl ließ die Lehrer auch deshalb ins Rampenlicht rücken, um im Rahmen der Steuerreform von einem anderen Punkt abzulenken: In Wien gehen Beamte im Vergleich zu Bundesbeamten durchschnittlich um mehr als drei Jahre früher in Pension. Der Kritik von Finanzminister Hans-Jörg Schelling (ÖVP) an diesem Zustand konterte Häupl: „Er soll gefälligst Wien in Ruhe lassen." Wasser predigen und Wein trinken? Häupls Vorstoß bei den Lehrern ist unaufrichtig, wenn er nur Wiener Privilegien schützen möchte.

 

 

"Der Standard" vom 20.04.2015                                Seite: 7

Ressort: InlandChronik

 

David Krutzler

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

Nach Lehrer-Sager: SPÖ stärkt Häupl den Rücken

 

   Seine vielfach kritisierte Aussage zur Erhöhung der Lehrverpflichtung hat Michael Häupl innerhalb der SPÖ nicht geschadet: Beim Landesparteitag wurde er mit 95,8 Prozent der Stimmen als Wiener Parteichef bestätigt.

 

   Wien – Als Entschuldigung wollte Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sein abschwächendes Statement zur Lehrerdebatte partout nicht verstanden wissen. Es sei eine „Klarstellung", ein „Zurechtrücken", sagte Häupl am Samstag beim 70. Wiener Landesparteitag im Messezentrum – und als er die Bühne zum zweiten Mal an diesem Tag erklomm, sprach er es auch dezidiert aus: „Es ist keine Entschuldigung."

 

   Davor, bei seiner einstündigen Rede vor den rund 1000 sozialdemokratischen Delegierten, hörte sich das aber wie eine an. „Liebe Lehrer, ich habe nicht euch gemeint", sagte das Stadtoberhaupt zu seinem markigen Sager zur Erhöhung der Lehrerarbeitszeit („Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig"), den er Anfang vergangener Woche losgelassen hatte. Damit hatte Häupl viele Lehrer gegen sich aufgebracht.

 

   „Die Falschen fühlen sich betroffen. Es ist mir außerordentlich ferngelegen, jemanden zu kränken", sagte Häupl, selbst Spross einer Lehrerfamilie, am Samstag. Die Kritik habe Häupl an jene Spezies Lehrervertreter gerichtet, „die zu allem, was man vorschlägt, Nein sagen". Beamtengewerkschaftschef Fritz Neugebauer, nicht zufällig von der ÖVP, nannte er namentlich und bezeichnete ihn als „Mr. Njet".

 

   Lehrer könnten marschieren

 

  Die Delegierten waren von Häupls Statement sichtlich angetan, die Lehrer unter ihnen zeigten sich versöhnt. Der Zentralverein der Wiener LehrerInnen könne seine Boykottankündigung, nicht am 1. Mai mitzumarschieren, wieder rückgängig machen, kündigte ein Mitglied an. Nur vereinzelt zeigten sich Lehrervertreter „entsetzt".

 

   Bei der Wiederwahl Häupls als Wiener SPÖ-Chef machte sich dieser vereinzelte Unmut nicht bemerkbar: Häupl wurde mit 95,8 Prozent der 877 gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Beim Jubiläumsparteitag schnitt Häupl damit besser ab als bei den vergangenen, alle zwei Jahre stattfindenden Abstimmungen: 2013 votierten 92,7 Prozent für Häupl, 2011 waren es 89,2 Prozent. An die Ergebnisse direkt vor den Wien-Wahlen 2005 und 2010 kam Häupl aber nicht mehr heran: 2005 erreichte er 97,9 Prozent Zustimmung unter den Delegierten, 2009 waren es 98,1 Prozent.

 

   Der SPÖ-Chef geht – in seinem 21. Jahr als Bürgermeister – also gestärkt in den Wahlkampf für die Wien-Wahlen am 11. Oktober. Die Debatte um die Erhöhung der Lehrverpflichtung um zwei Wochenstunden überstand er innerparteilich praktisch schadlos. Diese Tatsache ist auch an politischen Mitbewerbern nicht spurlos vorübergegangen: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache kann sich ebenfalls eine höhere Lehrverpflichtung vorstellen.

 

   Als möglichen Koalitionspartner lehnt Häupl die FPÖ freilich weiter konsequent ab. Die Freiheitlichen seien „zum Vergessen", sagte er beim Parteitag zu den Genossen. Auch eine Zusammenarbeit mit der ÖVP sei nicht das Gelbe vom Ei – und verwies darauf, dass sich die Schwarzen für die Privatisierung von Gemeindebauten und der Wasserversorgung ausgesprochen hatten. Die Neos würden eine „lupenreine neoliberalistische Politik" betreiben.

 

   Mit Samthandschuhen

 

   Bleiben die Grünen, die Häupl diesmal mit Samthandschuhen anfasste. In der bisherigen viereinhalbjährigen Zusammenarbeit sei „vieles gut gelungen", resümierte Häupl. Den koalitionsinternen Krach rund um die Wahlrechtsreform und um den Wechsel des grünen Mandatars Şenol Akkılıç zu den Sozialdemokraten wischte er beiseite. „Ich gehe davon aus, dass wir die Regierungsperiode in sachlicher Art beenden können."

 

   Entgegen aktuellen Umfragen, die die SPÖ unter 40 Prozent sehen, steuert Häupl – auch mithilfe des bestehenden mehrheitsfreundlichen Wahlrechts – weiter die Wiedererlangung der absoluten Mandatsmehrheit an. Diese sei nötig, um eine „Notariatsaktkoalition" aus FPÖ, Grünen und ÖVP zu verhindern.

 

 

"Die Presse am Sonntag" vom 19.04.2015                     Seite: 9

Ressort: Chronik

 

Morgen

 

Häupls Entschuldigung

 

Michael Häupl relativierte beim SPÖ-Parteitag seine Aussage über Lehrer-Arbeitszeiten und gab das rote Wahlkampfmotto vor: Wien darf nicht Wiener Neustadt werden. @LR von MARTIN STUHLPFARRER

 

   Die Worte kamen überraschend: "Liebe Lehrer, es ist nie die Absicht gewesen, respektlos über Lehrer zu reden. Es ist mir zu keinem Zeitpunkt in den Sinn gekommen, dass ich Menschen beleidige." Das erklärte Bürgermeister Michael Häupl am Samstag auf der Bühne während des Parteitags der Wiener SPÖ vor hunderten Delegierten. Und er fügte hinzu: "Es fühlen sich die Falschen betroffen. Ich habe nicht euch gemeint, sondern einige eurer Vertreter. Denn ich weiß um das Engagement der Lehrer. Ich komme aus einer Lehrerfamilie."

 

   Ursprünglich hatte Häupl erklärt, er werde sich nicht für seine Aussage zu den Lehrerarbeitszeiten ("Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig") entschuldigen. Die Causa hatte allerdings österreichweit Wellen geschlagen und drohte, den Landesparteitag zu überschatten, bei dem sich Häupl der Wiederwahl als Wiener SPÖ-Chef stellen musste. Immerhin wurde der mächtige Wiener Bürgermeister nicht nur von anderen Landesorganisationen offen kritisiert, sondern von Parteikollegen erstmals öffentlich in Frage gestellt. "Wenn ich in der Wiener Partei wäre, würde ich mir überlegen, ob ich mit so einem Spitzenkandidaten in die Wahl gehe", hatte der rote Gewerkschafter Peter Korecky gemeint. Und damit Streichungen von Häupl bei der Wahl am Samstag (dem letzten SPÖ-Landesparteitag vor der Wien-Wahl) angedeutet. Parallel dazu hatte der SPÖ-nahe Zentralverein der Wiener LehrerInnen angekündigt, erstmals in seiner hundertjährigen Geschichte am 1. Mai nicht mit der SPÖ zu marschieren.

 

   Die Entschuldigung verfehlte nicht ihre Wirkung. Auf Häupls Worte folgte spontan großer Applaus, dazu gab es zahlreiche "Bravo"-Rufe aus den Reihen der Genossen. Martin Kirchmayer vom Zentralverein der Wiener Lehrer-Innen, der später an das Rednerpult in der Wiener Messe trat, dankte Häupl ausdrücklich "für diese Klarstellung" und zeigte sich versöhnlich. Lehrervertreter betonten daraufhin, dass sie nun doch am 1. Mai mit der SPÖ marschieren und im Wahlkampf auch für die SPÖ laufen werden.

 

   Mit seiner Entschuldigung begradigte Häupl im letzten Moment jedenfalls einen Konflikt, der den Parteitag zu überschatten drohte - er ersparte sich damit nicht nur Streichungen bei der Wahl zum Wiener SPÖ-Chef. Vielmehr wurde Häupl bei dem letzen SPÖ-Parteitag vor der Wahl mit 95,8 Prozent der Delegierten wiedergewählt. Das entspricht einem Plus von 3,1 Prozentpunkten gegenüber 2012. Damit geht der Wiener Bürgermeister gestärkt in den Wahlkampf. Ein äußerst mageres Ergebnis dagegen gab es für Vizebürgermeisterin Renate Brauner, die auf nur 80 Prozent kam. Schlimmer erwischte es Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, die eine harte Linie gegenüber den Ärzten fährt: 20,5 Prozent der Delegierten verweigerten ihr die Zustimmung - sie erreichte nur 79,5 Prozent.

 

   Einstimmung auf Wien-Wahl. Das Lehrer-Thema dominierte zwar die Gefühlslage vieler beim Landesparteitag, das offizielle Thema war allerdings ein völlig anderes. Nämlich die Positionierung der SPÖ für die Wien-Wahl am 11. Oktober.

 

   Im Gegensatz zu vergangenen SPÖ-Wahlkämpfen wurde nicht der Zweikampf mit den Freiheitlichen ausgerufen - FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache kam in Häupls Rede nur als Randnotiz vor. Vielmehr lautet die Parole, mit der die Delegierten im Wahlkampf zum Laufen gebracht werden sollen: Es geht um den Bürgermeister. "Wir brauchen am 11. Oktober ein Ergebnis, dass am 12. Oktober nicht gegen die Sozialdemokratie regiert werden kann", mahnte Häupl.

 

   Zuerst sei in "Neunkirchen als Experimentierstätte" (2010, Anm.) der sozialdemokratische Bürgermeister trotz Stimmenmehrheit abgewählt worden. Auch Wiener Neustadt (die SPÖ hatte bis zur heurigen Gemeinderatswahl die absolute Mehrheit, nun regiert die ÖVP mit Unterstützung von FPÖ und Grünen) hätte gezeigt, dass es trotz roter Mehrheit auch Regierungen ohne die SPÖ geben könne: "Das alles vor dem Hintergrund, dass es offensichtlich keine Schamgrenzen mehr gibt", polterte Häupl in Richtung der grünen Unterstützung für Schwarz-Blau. Und in der Obersteiermark ortet Häupl ähnliche Tendenzen - weshalb der Wiener Bürgermeister die Delegierten eindringlich mahnte: "Viele werden jetzt sagen: Wien ist etwas ganz anderes. Aber die Notariatsakt-Koalition von Wien ist nicht weit weg von dem, was man in Wiener Neustadt gemacht hat." Womit Häupl auf die schwarz-blau-grüne Vereinbarung vor der Wien-Wahl 2010 anspielte, mit der sich FPÖ, ÖVP und Grüne verpflichtet hatten, im Falle einer Koalition mit der SPÖ ein neues Wiener Wahlrecht durchzusetzen - was die Grünen vor Kurzem, gemeinsam mit Schwarz-Blau im Landtag gegen die SPÖ, auch durchsetzen wollten. Dass Rot-Grün sich hier auf einen koalitionsfreien Raum geeinigt hatte, erwähnte Häupl nicht. Vielmehr wiederholte der SPÖ-Chef immer und immer wieder die Mahnung: "Wir brauchen am 11. Oktober ein Ergebnis, dass man nicht gegen die Sozialdemokratie regieren kann."

 

   Vor Häupl hatte Bundeskanzler Werner Faymann die Wiener Genossen mit klassischen roten Themen bedient: "Wir werden eine Null-Lohnrunde bei den Beamten nicht zulassen. Das Frauenpensionsalter wird auch nicht vorzeitig erhöht."

 

   Sonst verlief der Landesparteitag konfliktfrei. Wobei es grundsätzlich keine Anträge gab, die großes Konfliktpotenzial bargen wie 2011, als die kritische Sektion 8 einen Antrag zum Verbot des kleinen Glücksspiels eingebracht hatte - der gegen den Widerstand der Parteispitze angenommen und umgesetzt wurde. @LU

 

 

"Österreich" vom 19.04.2015                                   Seite 6

Ressort: Politik

 

Burgenland, Kärnten

 

»Ihr wart nicht gemeint«

 

Häupl bittet Lehrer um Verzeihung

 

Harter Parteitag für Stadt-Chef vor der Wien-Wahl

 

Nach dem Lehrer-Sager war der SPÖ-Parteitag für Häupl kein Spaziergang.

 

Wien. "Wenn ich 22 Stunden arbeite, bin ich am Dienstag fertig. Dann kann ich heimgehen." Der Sager begleitete den Wiener Bürgermeister auch am Samstag beim Parteitag der Wiener SPÖ. Schließlich hatte der SPÖ-Lehrerverein bereits eine Teilnahme beim Mai-Aufmarsch abgesagt.

 

Und so war anstelle eines kämpferischen Stadtchefs ein nachdenklicher Häupl zu sehen und zu hören: nur keine unnötigen Wuchteln mehr. Im Gegenteil, Häupl bat die Pädagogen de facto um Verzeihung: "Liebe Lehrer, ich habe nicht euch gemeint, aber ich habe einige eurer Vertreter gemeint."

 

Faymann: Stadt darf nicht in falsche Hände fallen

 

Trotzdem lief die Diskussion nicht ganz reibungslos ab, es gab mehrere kritische Wortmeldungen. Eine Junglehrerin: "Ich stehe an manchen Tagen bis zu zehn Stunden in der Klasse. Auch die Vor-und Nachbereitungszeit ist sehr intensiv."

 

Häupl schwor die Seinen auf die Wahl ein und warnte vor einer Koalition gegen die SPÖ in der Hauptstadt. Auch Kanzler Werner Faymann warnte: "Die Stadt darf nicht in falsche Hände fallen."

 

Anträge: SPÖ ist für 30-Stunden- Woche und Ausländerwahlrecht

 

Kürzere Arbeitszeit. Just wenige Tage nach dem 22-Stunden-Sager Häupls lag dem Parteitag am Samstag ein Antrag zur Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden vor.

 

Ausländerwahlrecht. Nächste Politbombe: Künftig sollen Ausländer (EU-und Nicht-EU-Bürger) auf Landesebene das Wahlrecht bekommen.

 

Sexualunterricht im Kindergarten. In der Vorschule soll künftig auch Sex ein Thema sein. Bei allen drei Anträgen hieß es: Annahme empfohlen.

 

 

"Österreich" vom 19.04.2015                                   Seite 7

Ressort: Politik

 

Wien, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Burgenland, Kärnten

 

Autor Salcher ist sicher, dass Reform kommt

 

Experte: »Lehrer bald von 8 bis 16 Uhr in der Schule«

 

Auch wenn sich Lehrer wehren: Salcher rechnet mit massiven Änderungen in der Schule.

 

Wien. Sie sind schon auf den Barrikaden. Und wenn die Regierung tatsächlich Ernst macht und von ihnen zwei Stunden mehr Unterrichtszeit verlangt, werden die Lehrer wohl streiken.

 

Jeden Tag 8 Stunden in der Schule. Doch Schulexperte Andreas Salcher ist sicher: Die Pädagogen werden um Reformen nicht herumkommen. Soll heißen: Künftig werden Lehrer von acht Uhr früh bis 16 Uhr an ihrem Arbeitsplatz -der Schule -sein müssen. Wie andere Berufsgruppen auch (s. Interview).

 

Tatsächlich geht es bei der Debatte ja nicht nur um Einsparungen (die zwei Stunden ohne Gehaltsplus für die Lehrer würden 360 Mio. Euro bringen). Die Regierung plant ja eine Bildungsreform. Und da soll auch das Lehrerdienstrecht f lexibilisiert werden, eine längere Anwesenheit in der Schule könnte also die Regel werden. Staatssekretärin Sonja Steßl und Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek sollen das mit den Lehrern verhandeln.

 

Die Bevölkerung steht hinter der Regierung: Laut ÖS-TERREICH-Umfrage befürworten 66 %die Mehrarbeit für die Lehrer. (fis, gü)

 

Salcher: »Gewerkschaft verteidigt leider jene, die System ausnutzen«

 

ÖSTERREICH: Sollen Lehrer zwei Stunden mehr arbeiten?

 

AnDREAS SALCHER: Ich halte nichts von dieser Stundenzählerei. In meinen Augen muss es einfach ein klares Arbeitszeitmodell geben, wie bei jeder anderen Berufsgruppe auch. Lehrer sollten ihren Dienst von 8 bis 16 Uhr in der Schule verrichten. Ich prophezeie, dass das auch so kommen wird.

 

ÖSTERREICH: Tut man den Lehrern unrecht?

 

SALCHER: Es gibt Lehrer, die sich voll engagieren, aber eben auch eine Minderheit - die leider von der Lehrergewerkschaft massiv vertreten wird -, die das System ausnutzt. Das Problem ist: Unser Bildungssystem steckt im 19. Jahrhundert fest. Es braucht ein neues Lehrerbild mit Arbeitsplätzen des 21. Jahrhunderts.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 19.04.2015                             Seite: 38

Ressort: Graz Zentrum

 

Graz

 

„Es ist die letzte Chance für die Zentralmatura"

 

Pleiten, Pech und Pannen: In den letzten Monaten wurde rund um die Zentralmatura eine Hiobsbotschaft nach der anderen publik. Warum die Schüler trotzdem von einem Happy End ausgehen – und wie sie sich darauf vorbereiten.

 

   MICHAEL KLOIBER

 

   Die Nervosität vor der Zentralmatura können die Maturanten der 8c des Grazer BG/BRG Lichtenfelsgasse nicht verbergen: Nur noch wenige Tage, dann werden sie in Deutsch, Englisch und Mathematik ihre zentralisierten Prüfungsfragen beantworten. „Nach allem, was passiert ist, fühlen wir uns ein bisschen wie Versuchskaninchen", sind sich Nina Celedin, Johannes Greimer, Roman Bernauer und Max Stromaier einig. Aber sie müssen zugeben: „Mittlerweile sind wir besser vorbereitet – trotz allem, was in den letzten Monaten leider schiefgelaufen ist."

 

   Woher die plötzliche Sicherheit kommt? „Ich rede mir ein, dass gar nichts passieren kann. Diese Zentralmatura hat enorm viel Geld gekostet, es gab in den Vorbereitungen so viele Pannen. Da wird es wohl kaum so sein, dass auch zum Finale etwas schiefgeht", sagt Celedin. Und tatsächlich überwiegt auch bei den anderen Schülern die Meinung, dass die viel diskutierte Zentralmatura letztendlich ein Erfolg werden könnte. Denn schließlich ist eines sicher: „Es ist die letzte Chance für die Zentralmatura."

 

   Trotz der leichten Euphorie gibt es nach wie vor auch skeptische Momente – und die nicht zu knapp: „Dann zum Beispiel, wenn man merkt, dass auch Lehrer unsere Fragen nicht beantworten können. Oder als wir von der Anzahl unserer Vorbereitungsstunden erfahren haben." Die sind nämlich rapide reduziert worden: Hatten die Maturanten bisher noch 16 Stunden pro Fach Zeit, sich mit dem Lehrer auf die Abschlussprüfung vorzubereiten, so sind es jetzt nur noch vier Stunden: „Ein Wahnsinn! In dieser Zeit kann man nie alles Wesentliche schaffen", so die Schüler. Daher loben sie ihre Professoren: „Viele bieten freiwillig Förderunterricht an, um uns die Unterstützung geben zu können, die wir brauchen. Dafür sind wir sehr dankbar."

 

   Sorge vor Mathematik

 

   Skeptisch sind die Schüler vor der schriftlichen Matura auch, was die Wörterbücher angeht: „Wir dürfen im Gegensatz zu den vorigen Jahrgängen in den lebenden Fremdsprachen keine mehr verwenden." Das hat zur Folge, meint Stromaier, „dass ich zu Hause für die Hausübungen auch keine Wörter mehr nachschlage. Wozu denn auch?! Ich darf es eh nicht verwenden, wenn es drauf ankommt. So lernt man halt leider auch weniger dazu."

 

   Viel Zeit, um über all diese Probleme nachzudenken, bleibt aber ohnehin nicht: „Wir sind mitten in den finalen Vorbereitungen", sagen die Jugendlichen. Außer Lernen steht nur noch Lernen auf dem Programm: „Und ich schaue zum Abschalten sehr gerne englische Filme", sagt Greimer. Das sei die beste Vorbereitung in Sachen Vokabular. In Deutsch und Englisch machen sich die Grazer Schüler aber sowieso kaum Sorgen: „Aber Mathematik – das wird schlimm", befürchten sie. Ellenlange Textbeschreibungen könnten hier auf dem Angabenzettel stehen: „Wir hatten das ja schon bei einer zentralen Mathe-Probeschularbeit. Furchtbar – die Aufgabenstellungen waren unverständlich, die Texte insgesamt sogar länger als in Deutsch." Apropos Deutsch – ganz so ohne scheint auch das nicht zu sein: „In Probearbeiten mussten wir zum Beispiel Texte über Großeltern, die sich als Babysitter engagieren, schreiben. Das sind für uns höchst schwierige Themen, das sind Themen fernab von unserer Lebenswelt."

 

   Hoffnung stirbt zuletzt

 

   Und so können die Jugendlichen nur noch hoffen – darauf nämlich, dass alles glattgeht. Denn: „Wird man negativ beurteilt, muss man sich jetzt – im Gegensatz zu früher, wo man dieses Fach dann bei der mündlichen Matura als Zusatz bekommen hat – einer Kompensationsprüfung stellen. Und zwar schon eine Woche nach der Schriftlichen", klärt Bernauer auf. Und Greimer ergänzt: „Was soll man denn in dieser Zeit aufholen können? Eigentlich gar nichts."

 

   Bleibt nur noch, den Maturanten das Beste zu wünschen. Wie sagt man so schön: Es wird schon schiefgehen . . .

 

 

"Kleine Zeitung" vom 19.04.2015                              Seite: 4

Ressort: INTERVIEW

 

Steiermark

 

ZITATE DER WOCHE

 

Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag...

 

   Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig. Michael Häupl (SPÖ), Wiener Bürgermeister, verscherzt es sich mit den Lehrern.

 

   Dass er mediale Rülpser loslässt, passiert ja nicht das erste Mal. Heinrich Himmer, SPÖ-Lehrergewerkschafter, kennt seine Pappenheimer. Mir ist das auch schon einmal passiert. Franz Voves (SPÖ), steirischer Landeshauptmann, hat Verständnis für den Kollegen Häupl. Wir sind nicht die freie Rück-lage, in die man beliebig hineingreifen kann. Finger weg von den Beamten, meint GÖD-Vorsitzender Fritz Neugebauer. Für manche war ich ein Energieüberfall. Matthias Strolz, Neos-Chef, will seine Gegenüber nicht länger überfordern. Wein sollte es ja überhaupt auf Rezept geben. Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat schon öfter ein Achterl über schwierige Verhandlungen hinweggeholfen.

 

   Es wäre für ihn besser, wenn er sich auf die Rolle des Gründers und Mäzens beschränkt. Wolfgang Auer, Stellvertreter, will Frank Stronach lieber auf Abstand halten. Ich habe weder die Talargröße von Johann Weber noch von Egon Kapellari. Ich bin der Willi Krautwaschl. Wilhelm Krautwaschl, neuer Bischof der Diözese Graz-Seckau. Liebe Lehrer, ich habe nicht euch gemeint, aber ich habe einige eurer Vertreter gemeint. Es ist mir außerordentlich ferngelegen, jemanden zu kränken. Michael Häupl rudert am Ende der Woche doch noch zurück.

 

   Ich warte nur noch, dass er sich wie der Chruschtschow den Schuh auszieht und auf den Tisch klopft und mit der Fersen „Njet" sagt. Michael Häupl über Gewerkschaftsboss Fritz Neugebauer.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 19.04.2015                              Seite: 6

Ressort: Reportage

 

Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

„Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig." Mit diesem Sager sorgt Bürgermeister Häupl für Lacher – und böses Blut.

 

Sind Sie zu weitgegangen, Herr Häupl?

 

   Beim Interview mit der „Krone": Michael Häupl grantelt eifrig Richtung Lehrergewerkschafter

 

   Die Beletage des Wiener Rathauses – unser Gespräch findet am Freitag vor dem Landesparteitag der SPÖ Wien statt. „Es dauert noch ein bisschen", lässt der Bürgermeister ausrichten; er hat gerade einen chinesischen Unternehmer zu Gast. Nach 20 Minuten ist das „Joint Venture" besiegelt, es kann losgehen.

 

   Herr Bürgermeister, war Ihr Sager von den 22 Stunden schon der Wahlkampfauftakt?

 

   Nein. Wenn ich höre und lese, dass der AHS-Lehrervertreter sagt, es bedeute Krieg, wenn Lehrer zwei Stunden länger in der Klasse stehen – was für Junglehrer ohnehin schon gilt –, dann sage ich ganz offen: Das überschreitet bei mir emotionelle Grenzen. Solche Vergleiche – er hat ja auch von Peitschenhieben geredet! – widersprechen der Sozialpartner-Gepflogenheit in diesem Land. Darüber sollte man sich aufregen, nicht über das Scherzchen des Bürgermeisters.

 

   Sie finden den Spruch also lustig?

 

   Er war zumindest so gemeint. Aber natürlich soll man so was auch reflektieren.

 

   Verstehen Sie, dass die Lehrer jetzt verärgert und gekränkt sind?

 

   Die Botschaft entsteht beim Empfänger. Das ist auch das, was ich bedauere: Dass sich die Falschen betroffen fühlen. Denn ich wollte nicht die vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrer ansprechen, sondern die ewigen Neinsager der Lehrergewerkschaft und der Lehrervertreter. Das akzeptiere ich im Sinne einer Schule des 21. Jahrhunderts einfach nicht. Da hätte ich mir gewünscht, dass auch die Lehrer aufstehen, wenn ihre Vertreter von „Krieg" und „Peitschenhieben" sprechen.

 

   Aber die Lehrer fühlen sich in erster Linie von Ihnen beleidigt.

 

   Also ich habe nur böse Rückmeldungen bekommen von älteren Lehrern. Viele jüngere Lehrer, vor allem Lehrerinnen, für die die 22 Stunden ja schon gelten, haben in Mails gemeint, dass das zwar grob war, was ich da gesagt habe, aber nicht falsch.

 

   Würden Sie es noch einmal sagen?

 

   Ich weiß nicht… Es war situativ. Aber vom Inhalt der Botschaft nehme ich nicht das Geringste zurück.

 

   Michael Häupl sitzt aufrecht und mit verschränkten Armen im orangen Plüschmöbel. Im Glas der Tischplatte spiegeln sich die böhmischen Luster und sein Gesicht. Er trinkt Illy-Kaffee – sein Lieblingsgetränk neben Almdudler – und grantelt eifrig Richtung Lehrergewerkschafter.

 

   Vor dem Landesparteitag gab es sogar Kritik aus den eigenen Reihen. Sind Sie diesmal zu weit gegangen?

 

   Ich habe weder vom Präsidenten Foglar noch vom Fraktionsvorsitzenden noch vom Kammerpräsidenten etwas Negatives gehört. Nur Lehrervertreter, auch aus meiner Fraktion, haben sich negativ geäußert! Ich kann nur sagen: schade.

 

   Sie haben eine Entschuldigung bisher abgelehnt. Bleibt's dabei?

 

   Sicher, denn ich wüsste nicht, wofür.

 

   Darf man Sie jetzt „Häupling Lose Zunge" nennen?

 

   Ganz falsch ist das nicht. Aber das, was ich sage, hat immer seine Gründe und mit denen sollte man sich auseinandersetzen statt Bürgermeisterbashing zu machen.

 

   Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?

 

   Das kommt darauf an. Zwischen 80 und 90 – gelegentlich auch noch mehr.

 

   Beim Landesparteitag geht es immer auch um die 30-Stunden-Woche. Haben Sie mit Ihrer Aussage der SPÖ geschadet?

 

   Nicht dass ich wüsste. Denn in der Zwischenzeit ist die Zustimmung zu dieser eher selbstironischen Bemerkung sehr, sehr viel höher als die Kritik.

 

   „Herr Nimmerwurscht" schreibt heute in der „Krone": Häupl wollte eigentlich Lehrer werden. Aber neun Wochen Urlaub jeden Sommer waren ihm dann doch zu viel. Haben Sie darüber gelacht?

 

   Ja. Aber Schluss mit allen Scherzchen.

 

   Könnte es auch sein, dass Sie nach 20 Jahren an der Spitze ein bisschen zynisch geworden sind?

 

   Ich versuche, mich von Zynismus frei zu halten. Aber es kann schon sein, dass das nicht immer gelingt. Da muss man selbstkritisch genug sein.

 

   Das ernste Thema hinter Ihrem Sager heißt Steuerreform. Wie soll man die durchbringen, wenn die Regierung schon an den ersten 350 Millionen scheitert?

 

   Das sehe ich nicht so. Denn es gibt eine ganze Reihe von Vorschlägen, die überhaupt nicht zu Lasten der Beamten geht. Ein Beispiel ist der Vorschlag, so wie bei Landesregierungen ein Amt der Bundesregierung einzurichten, wo Verwaltungsabläufe wie Einkauf oder Personal gemeinsam koordiniert werden. Es ist unschwer zu erraten, wer einmal sofort wieder dagegen war, nämlich Herr Neugebauer.

 

   Wie läuft es denn nach dem Wechsel des grünen Mandatars Şenol Akkılıç zur SPÖ zwischen Rot-Grün?

 

   Formell und professionell haben wir einen Weg gefunden, die gemeinsame Regierungsarbeit entsprechend zu gewährleisten. Aber um es freundlich zu sagen: Die Stimmung war schon einmal besser.

 

   Wann haben Sie Frau Vassilakou zuletzt getroffen?

 

   Bei der eineinhalbstündigen Aussprache vor zehn Tagen.

 

   Wie oft pro Woche sieht man sich normalerweise?

 

   Das hängt davon ab, ob es Kontroversen gibt. Bei Gemeinsamkeiten sehe ich sie im Regelfall nicht – Lacht.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 19.04.2015                              Seite: 2

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

Wiens Bürgermeister versucht Wogen mit Lehrern zu glätten

 

Häupl: Kampfansage an„Mister Njet"

 

DORIS VETTERMANN

 

Wien. – Inhaltlich nehme er nichts zurück, aber „liebe Lehrer, ich habe nicht euch gemeint", versuchte Wiens Bürgermeister Michael Häupl auf dem Landesparteitag der SPÖ die aufgebrachten Pädagogen wieder zu besänftigen. Gleichzeitig machte er aber auch klar, dass er im Kampf gegen Beamten-Chef Fritz Neugebauer, der „zu allem immer nur Nein" sage, nicht locker lassen werde. Es haben sich die Falschen angesprochen gefühlt, er habe niemanden beleidigen wollen, so der Wiener Bürgermeister, der auch aus den eigenen Reihen für seine Aussage, dass er bei 22 Arbeitsstunden schon Dienstagmittag fertig sei, viel Kritik einstecken musste. Es werde Gespräche mit den sozialdemokratischen Lehrervertretern geben, so Häupl zur „Krone". Und tatsächlich zeigten sich die Pädagogen am Samstag wieder versöhnt, auch das Mitmarschieren am 1. Mai ist nicht mehr ausgeschlossen. Von seinem Konfrontationskurs mit dem obersten Beamten-Gewerkschafter Fritz Neugebauer rückte Häupl jedoch nicht ab. Egal, worum es sich handle, immer komme „Mister Njet", und nichts gehe mehr. „Das bringt uns keinen Millimeter weiter", so Michael Häupl. Die Wiener SPÖ eröffnete aber auch den Wahlkampf, der Bürgermeister ritt sowohl gegen Grüne – eher gemäßigt und zynisch – als auch gegen die FPÖ Attacken. Und diese waren um einiges härter: Die Freiheitlichen seien zu vergessen, sie sähen nur Hass und Zwietracht, sagte Häupl. Das „Ausgrenzungsgejammere" der Blauen könne er nicht mehr hören. Und Häupl, der bei seiner Wiederwahl zum Parteivorsitzenden 95,8 % erreichte, schwor die Delegierten auf das erklärte Ziel beim Urnengang am 11. Oktober ein: eine SPÖ-Alleinregierung. Nach seiner Rede an die „lieben Lehrer" erntete Häupl doch noch Standing Ovations von den Delegierten.

 

   Nach seiner Rede an die „lieben Lehrer" erntete Häupl doch noch Standing Ovations von den Delegierten.

 

   Es haben sich die Falschen angesprochen gefühlt, er habe niemanden beleidigen wollen, so der Wiener Bürgermeister, der auch aus den eigenen Reihen für seine Aussage, dass er bei 22 Arbeitsstunden schon Dienstagmittag fertig sei, Kritik einstecken musste. Es werde Gespräche mit den sozialdemokratischen Lehrervertretern geben, so Häupl zur „Krone". Und tatsächlich zeigten sich die Pädagogen am Samstag wieder versöhnt, auch das Mitmarschieren am 1. Mai ist nicht mehr ausgeschlossen.

 

   Von seinem Konfrontationskurs mit dem obersten Beamten-Gewerkschafter Fritz Neugebauer rückte Häupl jedoch nicht ab. Egal, worum es sich handle, immer komme „Mister Njet", und nichts gehe mehr. „Das bringt uns keinen Millimeter weiter", so Michael Häupl.

 

   Die Wiener SPÖ eröffnete aber auch den Wahlkampf, der Bürgermeister ritt sowohl gegen Grüne – eher gemäßigt und zynisch – als auch gegen die FPÖ Attacken. Und diese waren um einiges härter: Die Freiheitlichen seien zu vergessen, sie sähen nur Hass und Zwietracht, sagte Häupl. Das „Ausgrenzungsgejammere" der Blauen könne er nicht mehr hören.

 

   Und Häupl, der bei seiner Wiederwahl zum Parteivorsitzenden 95,8 % erreichte, schwor die Delegierten auf das erklärte Ziel beim Urnengang am 11. Oktober ein: eine SPÖ-Alleinregierung.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 90 vom 18.04.2015               Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Und täglich grüßt die Lehrerschelte

 

   Thema verfehlt: In der Debatte über die Arbeitszeit der Lehrer geht es gar nicht um die Qualität der Bildung.

 

   Die 125.000 Lehrerinnen und Lehrer in Österreich müssen sich vorkommen wie Bill Murray im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier". Der amerikanische Schauspieler befindet sich in einer Zeitschleife und erlebt einen Tag immer wieder. Was Murray die erlebte Endlosigkeit in Punxsutawney, Pennsylvania, ist den Lehrerinnen und Lehrern die immer wiederkehrende Debatte um ihre Arbeit. Seit 1976 gibt es mit kleinen Abänderungen die Festlegung der Arbeitszeit. Sie besteht aus Unterricht in der Klasse selbst, aus Vor- und Nachbereitung (Schularbeiten und Hausübungen korrigieren, Lehrmaterial adaptieren) sowie „sonstigen Tätigkeiten" (Ausflüge organisieren, Sprechstunden abhalten etc.). So kommen die Pädagogen, selbst wenn sie viel Ferien haben, im Jahresschnitt auf ihre 40-Stunden-Woche. Es mag Lehrer geben, die sich der Routine hingeben und ihren Job als Halbtagsbeschäftigung begreifen und auch ausüben. Doch sie sind die Minderheit. Dennoch muss sich die einst angesehene Berufssparte seit beinahe 40 Jahren anhören, es werde zu wenig gearbeitet. Die Verwechslung zwischen Unterrichtszeit und Arbeitszeit erfolgt meist mutwillig, wie zuletzt durch den Wiener Bürgermeister Michael Häupl. Auf der Suche nach einem knackigen Wahlkampfthema ist der SPÖ-Mann schon in der Vergangenheit nicht verlegen gewesen und hat die Abschaffung der Wehrpflicht gefordert. Jetzt trifft es halt die Lehrer. Dabei geht die Debatte um den Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern am Thema Bildung vorbei. Zwei Stunden mehr oder weniger im Klassenzimmer ändern nichts an den Problemen, mit denen das System kämpft: Die Lehrpläne sind mit Stoff überfrachtet. Der Lernfortschritt richtet sich nach den Schlechtesten, die Besten werden nicht ausreichend gefördert. Damit werden ganze Generationen zum Mittelmaß nivelliert. Eine überbordende Bürokratie mit Doppel- und Dreifachstrukturen lässt die Schulen verkommen – sie sind miserabel ausgestattet, es fehlt an Arbeitsplätzen für Lehrer. Klassenzimmer vergammeln und müssen von Eltern ausgemalt werden, weil die Schule kein Geld dafür hat. Die Lehrergewerkschaft behindert jeden Fortschritt. Direktoren dürfen sich ihr Personal nicht aussuchen, ein veralteter Versetzungsschutz verhindert Mobilität. Die Neue Mittelschule kostet viel, bringt aber kaum etwas. Es gibt Schulen, in denen 80 und mehr Prozent der Kinder kaum Deutsch sprechen können. Bei der Einführung der Zentralmatura jagte schon im Vorfeld eine Panne die andere. Die Gesellschaft hat ihre Erziehungsaufgaben zum großen Teil an die Schule delegiert. Viele Schüler konzentrieren sich mehr auf das Smartphone unter der Bank als auf den Vortrag des Lehrers. Kein Wunder, dass unsere Testergebnisse im internationalen Vergleich schlecht aussehen. Und, und, und.

 

   All diese Sorgen werden mit einer künstlichen Diskussion über fleißige oder faule Lehrer nicht gelöst. Der Furor, mit dem manche über die Berufsgruppe herfallen, dient vor allem dem Schüren von Neid und vielleicht noch der Budgetsanierung.

 

   Experten haben berechnet, dass wir uns in den nächsten Jahren 20.000 Lehrer sparen könnten, würde die Unterrichtspflicht erhöht. Das brächte mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr. Damit könnte ein Teil der Steuerreform gegenfinanziert werden.

 

   Es geht in erster Linie um Geld und nicht um Qualität. Kein Experte hat bisher berechnet, wie hoch der Schaden für unser Bildungssystem ist, wenn seine tragenden Säulen, nämlich die Lehrerinnen und Lehrer, ständig in Misskredit gebracht werden.

 

   Derzeit wird hinter den Kulissen zum wiederholten Mal an einer Bildungsreform gebastelt. Wenn die Erweiterung der Lehrverpflichtung alles ist, was uns dazu einfällt, dann gute Nacht.

 

   Jeder von uns fühlt sich in Schulfragen kompetent. Es ist ja jeder schon einmal in die Schule gegangen. Dieses Nationaltrainer-Syndrom macht es für die Pädagogen ganz besonders schwer.

 

   Die Diskussion führt zu einer Vergrößerung des Grabens zwischen einer Gesellschaft und ihren Lehrern. Was wir brauchen, ist jedoch Partnerschaft, die gezielt, begeistert und effizient daran arbeitet, was wir alle wollen: gut ausgebildete und vor allem gut gebildete junge Menschen, die unser Land in eine gute Zukunft führen können.

 

 

"Österreich" vom 18.04.2015                                   Seite 4

Ressort: Politik

 

Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg

 

Nach Häupl-Sager:

 

Lehrer schwänzen Maiaufmarsch

 

Roter Lehrerverein gegen Häupl ++ Krach in Regierung: Mikl auf Seite der Beamten

 

Jetzt wird's ungemütlich: Streit um Einsparungen bei Beamten eskaliert auf allen Ebenen.

 

Wien. Just vor der Wien-Wahl im Herbst hat sich Michael Häupl mit seinem Lehrer-Sager eine neue Front aufgemacht: Der rote "Zentralverein der Wiener LehrerInnen" wird am 1. Mai nicht mit der SPÖ marschieren -und damit erstmals seit 100 Jahren den Maiaufmarsch schwänzen. Man sei "schockiert" von dem Sager Häupls ("Wenn ich 22 Stunden arbeite, bin ich Dienstag fertig").

 

Wie sehr die SP-Lehrer empört sind, wird man schon heute beim SPÖ-Parteitag in Wien sehen: Häupl stellt sich sechs Monate vor der Wien-Wahl den Delegierten - da sind nicht wenige Lehrer dabei.

 

ÖAAB-Chefin ist gegen Sparen bei den Beamten

 

Doch auch auf Bundesebene geht es hoch her: Nachdem Beamten-Chef Fritz Neugebauer Sparmaßnahmen bei Beamten abgelehnt hat, kritisiert SP-Kanzleramtsminister Josef Ostermayer in ÖSTERREICH: Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst verunsichere nur -es seien überhaupt keine Nulllohnrunden geplant.

 

Auch in der Koalition läuft es unrund: Innenministerin Mikl-Leitner - sie ist auch ÖAAB-Chefin -warf der SPÖ "Wortbruch" vor. Man habe Arbeitnehmer entlasten wollen -jetzt werde bei Beamten gespart. Ostermayer kontert: "Sie sollte sich daran erinnern, dass wir alles gemeinsam beschlossen haben." (gü)

 

So wird bei den Beamten gespart

 

430 Millionen Euro. So viel wird im Beamtenbereich gespart. Dabei könnte es wieder einen Aufnahmestopp geben.

 

Lohnrunden. Ein Plus von 2,3 %war ursprünglich geplant -das hätte 280 Millionen gekostet. Werden die Beamtengagen wegen der niedrigeren Inf lation nur um 1,3 %angehoben, hätte sich die Regierung bereits 120 Mio. € erspart.

 

Spezialfall Lehrer. Im Unterrichtsbudget klafft eine Lücke von 340 Millionen -dies könnte mit zwei Stunden mehr Unterricht abgefangen werden. Die Regierung will auf jeden Fall darüber verhandeln - und zwar im Zuge des Beamtendienstrechts.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 18.04.2015                             Seite: 24

Ressort: Bundesland

 

Steiermark

 

Schlechte Noten für die Zentralmatura

 

Sie bringe nicht mehr Fairness und sei fehleranfällig – die Kritik verstummt nicht.

 

   Die Zentralmatura hat viele Kritiker auf den Plan gerufen. Einer von ihnen, Bildungsforscher Stefan Hopmann, sagt: „Hier ist ein punktueller Test entscheidend. Das kann kein Abbild der Leistungsfähigkeit ergeben." Wer das Glück habe, zufällig im Unterricht den Stoff behandelt zu haben, der zur Prüfung komme, werde besser abschneiden. „Es gibt aber keine Standardlernprozesse mit gleichem Ausgang." Das Argument besserer Vergleichbarkeit sei „wie Pudding an die Wand nageln", meint Hopmann.

 

   Er gibt zu bedenken, dass in den meisten Ländern mit Zentralmatura „lokale Teile", also jene, die in der Hand der Schulen bleiben, überwiegen. Mehr Fairness bringe die Zentralmatura nicht – „das würde voraussetzen, dass man immer und überall das Gleiche lernen kann. Das ist empirischer Quatsch".

 

   Ob die alte Matura besser war? „Es gibt kein zu hundert Prozent gerechtes System", so Hopmann. Weniger zentrale Elemente wären aus seiner Sicht besser gewesen. „Sodass man im Zweifelsfall im Interesse der jungen Menschen korrigierend eingreifen kann."

 

   Zudem hätten Experten gewarnt: „So ein System ist extrem fehleranfällig." Pannen gebe es in anderen Ländern auch, aber: „Es ist vermessen, alles auf eine Karte zu setzen."

 

   Kritik an der neuen Reifeprüfung übt auch einer ihrer Väter: Werner Peschek hat die Zentralmatura in Mathematik mitentwickelt. Nach den schlechten Ergebnissen bei den Probeschularbeiten in Mathematik präsentierte er einen Notfallplan: Wenn über ein Viertel der Schüler einer Klasse bei der Zentralmatura negativ ist, solle die Lösungsquote von 50 Prozent für diese Klasse gesenkt werden. „Dann müssen sich aber die Lehrer zusammensetzen und diskutieren, wie es zu den schlechten Ergebnissen kommen konnte", sagt der Mathematikprofessor an der Uni Klagenfurt. Für diese Idee musste Peschek selbst viel Kritik einstecken: „Ich wüsste aber nicht, dass das Ministerium eine Alternative hat."

 

   Peschek glaubt auch, dass die Lehrer die Benotung immer noch stark beeinflussen würden: „Da wird dann bei den Benotungspunkten getrickst oder bei der Aufsicht eingesagt. Trotz aller Mängel bleibt Peschek Befürworter der Zentralmatura. SONJA HASEWEND, THOMAS MACHER

 

 

"Kleine Zeitung" vom 18.04.2015                             Seite: 18

Ressort: Bundesland

 

Kärnten

 

DER LANDESSCHULRAT

 

„Das wird alles verdammt knapp"

 

   Wie laufen die Vorbereitungen für die Zentralmatura?

 

   RUDOLF ALTERSBERGER: In der Verwaltung und bei den Lehrern hat man eine Art Matura-Radar eingeschaltet, damit ja kein Fehler passiert. Auch die Schüler sind hoch konzentriert. So gut wie in diesem Jahr haben sich alle Beteiligten wohl noch nie auf eine Matura vorbereitet.

 

   Das klingt nach hoher Anspannung. Wie groß ist die Nervosität?

 

   ALTERSBERGER: Die Lage war im vorigen Jahr angespannter. Damals wurde noch nicht überall zentral maturiert und die Erwartungshaltung war bei manchen total unterschiedlich: Die einen glaubten an die Zentralmatura, die anderen dachten, dass alles schief gehen würde. Nun kommt mir vor, dass die meisten hinter dem Projekt stehen.

 

   In den Borgs macht man sich Sorgen, dass die Aufgaben für die Schüler zu schwer sein könnten.

 

   ALTERSBERGER: Gerade für die Borgs kann die Zentralmatura eine Aufwertung bedeuten. Schließlich ist es nun ähnlich wie beim Führerschein: Es ist egal, an welcher Fahrschule man war, oder wie lange man gebraucht hat. Was zählt, ist der Schein. Aber natürlich müssen wir uns die Ergebnisse auch an den Borgs genau anschauen und wenn nötig darauf reagieren.

 

   Was muss an der Zentralmatura noch verbessert werden?

 

   ALTERSBERGER: Da ist zum Beispiel das enge Zeitkorsett. Das wird alles verdammt knapp. Die Notenkonferenz liegt etwa sehr nahe beim Termin der schriftlichen Matura. Die mündliche Matura folgt dann auch sehr bald darauf. Das sollte anders werden.THOMAS MACHER

 

 

"Kurier" vom 18.04.2015                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Streit um Arbeitszeit

 

Brandsteidl: "Lehrer sollen bis 16 Uhr da sein"

 

   Stadtschulrats-Chefin. Schützenhilfe für den Wiener Bürgermeister kommt von der amtsführenden Stadtschulrätin von Wien, Susanne Brandsteidl. Sie spricht sich gegen "Denkverbote" in der Debatte um die Lehrer-Arbeitszeit aus. Zuletzt hatte Brandsteidls Vorgesetzter, der Wiener Bürgermeister Michael Häupl, mit seinem Spruch "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig" Pädagogen und Parteifreunde verärgert.

 

   "Keine Frage, unsere Lehrer leisten einen fantastischen Job", stellte sie eingangs fest. Das könne gar nicht oft genug gesagt werden. Doch wer sich wegen Häupls Sager vor den Karren jener spannen lasse, die seit Jahrzehnten jede Bildungsreform verweigern, handle kurzsichtig.

 

   Brandsteidl plädiert für eine "Ganztagsschule für alle Kinder, in der es normal ist, dass Schüler und Lehrer von 8 bis 16 Uhr da sind". Dass ein guter Unterricht auch Vor- und Nachbereitung braucht, stehe außer Frage. "Wie das Verhältnis von Unterricht und Vor- und Nachbereitung konkret aussieht, muss jedoch immer diskutabel sein."

 

   In der aktuellen Debatte gehe "es nicht darum, die Lehrerarbeitszeit zu erhöhen. Was diskutiert wird, ist allein das Ausmaß der Lehrverpflichtung innerhalb der Arbeitszeit."

 

 

"Tiroler Tageszeitung" vom 18.04.2015                        Seite 49

Ressort: ALL Titelseite Stellenmarkt

 

Von Ernst Spreng

 

Osttirol

 

Alles neu bei der Lehrerausbildung

 

Die Dauer für die Lehrerausbildung wird in Zukunft wesentlich länger und aufwändiger. Mit einem Masterstudium abzuschließen, wird Pflicht. Es bleibt kein Stein auf dem anderen.

 

Von Ernst Spreng

 

Innsbruck - Wer in Zukunft Lehrerin oder Lehrer werden will, braucht einen langen Atem. Haben bisher drei Jahre Studium gereicht, um das Lehramt für Volksschule, Neue Mittelschule oder Sonderschule zu bekommen, muss man in Zukunft fünf bis sechs Jahre für das Studium einplanen. Bei der neuen Lehrerausbildung bleibt kein Stein auf dem anderen. Was sich alles ändert und welche Chancen es heuer noch gibt - hier ein kleiner Überblick.

 

Gleich vorweg: Wer sich für eine Zukunft als Lehrer interessiert, der hat an der Pädagogischen Hochschule noch bis 30. April Zeit, sich für die Studien anzumelden. Man sollte also schnell reagieren. Aber was kann man in Zukunft überhaupt studieren und wie lange dauert es?

 

Was früher Lehramt Volksschule hieß, wird ab Oktober dieses Jahres das Bachelorstudium für Primarpädagogik sein. Die Bachelorausbildung für die Primarstufe dauert in Zukunft vier Jahre. Danach ist ein so genanntes Induktionsjahr an einer Schule geplant. Verpflichtend ist dann auch, dass man ein rund einjähriges Masterstudium anhängt, um die Voraussetzungen des neuen Lehrerdienstrechtes zu erfüllen. In den vergangenen Monaten wurde intensiv an den Inhalten dieses längeren Studiums gefeilt. Seit Anfang April steht das Curriculum. ?Wir haben rund zwei Jahre intensiv an einem gemeinsamen Ausbildungsplan für Westösterreich gearbeitet", erklärt der neue Rektor der Pädagogischen Hochschule Tirol - Thomas Schöpf. ?Jetzt werden im Oktober rund 150 Studenten diese neue Ausbildung in Innsbruck beginnen können."

 

Die Unterschiede zur bisherigen Ausbildung der Volksschullehrer sind markant, nicht nur was die Dauer des Studiums betrifft. Den Bildungswissenschaften wird breiterer Raum geboten, der größte Unterschied ist aber, dass man sich innerhalb des Studiums Schwerpunkte aussuchen kann, in die man sich vertieft. ?Ab dem fünften Semester haben die Studierenden die Möglichkeit, sich themenspezifisch zu spezialisieren - zum Beispiel in Deutsch, Mathematik oder Kreativfächern", so Schöpf.

 

Bachelor und Master in der Primarpädagogik bleiben ausschließlich an den Pädagogischen Hochschulen angesiedelt, wobei es hier schon eine enge Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck geben wird. Bis 30. April kann man sich an der PH Tirol noch bewerben. Derzeit sind bereits rund 100 Bewerbungen eingelangt, 150 Studierende werden aufgenommen. Zur Bewerbung gehört ein umfangreicher Eignungstest.

 

?Bis die ersten Masterstudien anlaufen, dauert es zwar noch, dennoch wollen wir diese Ausbildung auf alle Fälle auch berufsbegleitend anbieten", erklärt Thomas Schöpf. ?Das ist auch ein Service an jene Lehrer, die bereits im Berufsleben stehen und sich für ein Masterstudium interessieren." Die Berufschancen stehen übrigens derzeit gut für Volksschullehrer. In den kommenden Jahren wird es eine größere Pensionierungswelle geben. Wer sich jetzt für das Studium der Primarstufe entscheidet, dürfte in Zukunft also eine gefragte Fachkraft sein.

 

Nicht mehr angeboten wird übrigens das eigene Studium für Sonderschullehrer. Dafür haben die Primarpädagogen die Möglichkeit, sich im Rahmen der Wahlmöglichkeiten auf ?Inklusion" zu spezialisieren. Denn der Plan der Bundesregierung sieht im Grunde vor, Sonderschulen bis 2020 zumindest klar zu reduzieren und vermehrt auf Inklusion zu setzen. ?Die Schullandschaft wird in Zukunft noch heterogener sein, damit muss sich jeder neue Lehrer auseinandersetzen", erklärt Thomas Schöpf. ?Wir bereiten die Studierenden mit einem umfassenden Schwerpunkt auf diese neue Herausforderung vor."

 

Studium Primarpädagogik

 

Dauer: vier Jahre Bachelorstudium, Induktionsjahr an einer Schule, einjähriges Masterstudium.

 

Inhalte: Die Ausbildungsinhalte sind an allen Pädagogischen Hochschulen in Westösterreich gleich. Ein Schwerpunkt ist das Thema "Inklusion"; ab dem fünften Semester können Studierende Schwerpunkte setzen.

 

Bewerbung: bis 30. April an der Pädagogischen Hochschule Tirol. Danach erfolgt ein mehrstufiger Eignungstest.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 18.04.2015                              Seite: 6

Ressort: Reportage

 

Abend

 

„Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig." Mit diesem Sager sorgt Bürgermeister Häupl für Lacher – und böses Blut.

 

Sind Sie zu weitgegangen, Herr Häupl?

 

   Beim Interview mit der „Krone": Michael Häupl grantelt eifrig Richtung Lehrergewerkschafter

 

   Die Beletage des Wiener Rathauses – unser Gespräch findet am Freitag vor dem Landesparteitag der SPÖ Wien statt. „Es dauert noch ein bisschen", lässt der Bürgermeister ausrichten; er hat gerade einen chinesischen Unternehmer zu Gast. Nach 20 Minuten ist das „Joint Venture" besiegelt, es kann losgehen.

 

   Herr Bürgermeister, war Ihr Sager von den 22 Stunden schon der Wahlkampfauftakt?

 

   Nein. Wenn ich höre und lese, dass der AHS-Lehrervertreter sagt, es bedeute Krieg, wenn Lehrer zwei Stunden länger in der Klasse stehen – was für Junglehrer ohnehin schon gilt –, dann sage ich ganz offen: Das überschreitet bei mir emotionelle Grenzen. Solche Vergleiche – er hat ja auch von Peitschenhieben geredet! – widersprechen der Sozialpartner-Gepflogenheit in diesem Land. Darüber sollte man sich aufregen, nicht über das Scherzchen des Bürgermeisters.

 

   Sie finden den Spruch also lustig?

 

   Er war zumindest so gemeint. Aber natürlich soll man so was auch reflektieren.

 

   Verstehen Sie, dass die Lehrer jetzt verärgert und gekränkt sind?

 

   Die Botschaft entsteht beim Empfänger. Das ist auch das, was ich bedauere: Dass sich die Falschen betroffen fühlen. Denn ich wollte nicht die vielen engagierten Lehrerinnen und Lehrer ansprechen, sondern die ewigen Neinsager der Lehrergewerkschaft und der Lehrervertreter. Das akzeptiere ich im Sinne einer Schule des 21. Jahrhunderts einfach nicht. Da hätte ich mir gewünscht, dass auch die Lehrer aufstehen, wenn ihre Vertreter von „Krieg" und „Peitschenhieben" sprechen.

 

   Aber die Lehrer fühlen sich in erster Linie von Ihnen beleidigt.

 

   Also ich habe nur böse Rückmeldungen bekommen von älteren Lehrern. Viele jüngere Lehrer, vor allem Lehrerinnen, für die die 22 Stunden ja schon gelten, haben in Mails gemeint, dass das zwar grob war, was ich da gesagt habe, aber nicht falsch.

 

   Würden Sie es noch einmal sagen?

 

   Ich weiß nicht… Es war situativ. Aber vom Inhalt der Botschaft nehme ich nicht das Geringste zurück.

 

   Michael Häupl sitzt aufrecht und mit verschränkten Armen im orangen Plüschmöbel. Im Glas der Tischplatte spiegeln sich die böhmischen Luster und sein Gesicht. Er trinkt Illy-Kaffee – sein Lieblingsgetränk neben Almdudler – und grantelt eifrig Richtung Lehrergewerkschafter.

 

   Vor dem Landesparteitag gab es sogar Kritik aus den eigenen Reihen. Sind Sie diesmal zu weit gegangen?

 

   Ich habe weder vom Präsidenten Foglar noch vom Fraktionsvorsitzenden noch vom Kammerpräsidenten etwas Negatives gehört. Nur Lehrervertreter, auch aus meiner Fraktion, haben sich negativ geäußert! Ich kann nur sagen: schade.

 

   Sie haben eine Entschuldigung bisher abgelehnt. Bleibt's dabei?

 

   Sicher, denn ich wüsste nicht, wofür.

 

   Darf man Sie jetzt „Häupling Lose Zunge" nennen?

 

   Ganz falsch ist das nicht. Aber das, was ich sage, hat immer seine Gründe und mit denen sollte man sich auseinandersetzen statt Bürgermeisterbashing zu machen.

 

   Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?

 

   Das kommt darauf an. Zwischen 80 und 90 – gelegentlich auch noch mehr.

 

   Beim Landesparteitag geht es immer auch um die 30-Stunden-Woche. Haben Sie mit Ihrer Aussage der SPÖ geschadet?

 

   Nicht dass ich wüsste. Denn in der Zwischenzeit ist die Zustimmung zu dieser eher selbstironischen Bemerkung sehr, sehr viel höher als die Kritik.

 

   „Herr Nimmerwurscht" schreibt heute in der „Krone": Häupl wollte eigentlich Lehrer werden. Aber neun Wochen Urlaub jeden Sommer waren ihm dann doch zu viel. Haben Sie darüber gelacht?

 

   Ja. Aber Schluss mit allen Scherzchen.

 

   Könnte es auch sein, dass Sie nach 20 Jahren an der Spitze ein bisschen zynisch geworden sind?

 

   Ich versuche, mich von Zynismus frei zu halten. Aber es kann schon sein, dass das nicht immer gelingt. Da muss man selbstkritisch genug sein.

 

   Das ernste Thema hinter Ihrem Sager heißt Steuerreform. Wie soll man die durchbringen, wenn die Regierung schon an den ersten 350 Millionen scheitert?

 

   Das sehe ich nicht so. Denn es gibt eine ganze Reihe von Vorschlägen, die überhaupt nicht zu Lasten der Beamten geht. Ein Beispiel ist der Vorschlag, so wie bei Landesregierungen ein Amt der Bundesregierung einzurichten, wo Verwaltungsabläufe wie Einkauf oder Personal gemeinsam koordiniert werden. Es ist unschwer zu erraten, wer einmal sofort wieder dagegen war, nämlich Herr Neugebauer.

 

   Wie läuft es denn nach dem Wechsel des grünen Mandatars Şenol Akkılıç zur SPÖ zwischen Rot-Grün?

 

   Formell und professionell haben wir einen Weg gefunden, die gemeinsame Regierungsarbeit entsprechend zu gewährleisten. Aber um es freundlich zu sagen: Die Stimmung war schon einmal besser.

 

   Wann haben Sie Frau Vassilakou zuletzt getroffen?

 

   Bei der eineinhalbstündigen Aussprache vor zehn Tagen.

 

   Wie oft pro Woche sieht man sich normalerweise?

 

   Das hängt davon ab, ob es Kontroversen gibt. Bei Gemeinsamkeiten sehe ich sie im Regelfall nicht – Lacht.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 18.04.2015             Seite: 3

Ressort: Politik

 

 

Rote Lehrer boykottieren Maiaufmarsch

 

   Wiener Lehrerverein sagt aus Protest gegen Häupl seine Teilnahme ab

 

   WIEN. Ein "Zeichen des Protests" wolle man setzen, sagt der Obmann des sozialdemokratischen Wiener Zentralvereins der Lehrer, Martin Kirchmayer. Der Protest richtet sich gegen "die diffamierenden Äußerungen" des Wiener Bürgermeisters und Stadtparteichefs Michael Häupl.

 

   Mit seinem Sager zur Arbeitszeit (die OÖNachrichten berichteten) hat er die Lehrer schwer verärgert. Seit mehr als hundert Jahren besteht der Lehrer-Zentralverein, zum ersten Mal soll heuer keine Abordnung an den Maiaufmärschen teilnehmen. Von den 3000 Mitgliedern sind in der Regel 100 dabei.

 

   "Lieber als eine Entschuldigung wäre mir ein öffentliches Bekenntnis des Herrn Bürgermeisters zur guten Arbeit der Lehrer", so Kirchmayer. Gelegenheit dazu hätte Häupl heute: Beim Landesparteitag der Wiener SPÖ unter dem Motto "Für Wien brauchst a G'spür" wird er wiedergewählt und als Spitzenkandidat für die Wahl bestätigt.

 

   Kirchmayer zur Frage, ob er heute eine Entschuldigung erwarte: "Das überlasse ich dem Bürgermeister."

 

   Nicht alle protestieren

 

   Obwohl es bis zum Wahltag also noch einige Monate sind, achten auch die nun protestierenden Lehrerfunktionäre offenbar darauf, dass der Ärger gegen Häupl im Rahmen bleibt. Die Aktion des Wiener Zentralvereins dürfte eine singuläre Aktion bleiben, die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter will die Feiern zum 1. Mai nicht boykottieren. (jabü)

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 18.04.2015             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Zwei Stunden mehr? "Darüber sollte man schon eine offene Diskussion führen"

 

   Längere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer ist für Finanzminister Schelling (VP) kein Tabu

 

   Von Lucian Mayringer aus Washington

 

   WASHINGTON. Die OÖNachrichten begleiteten Finanzminister Hans Jörg Schelling (VP) zur Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank. Die innenpolitische Spardebatte holte Schelling aber auch dort ein. Im Interview schließt er Einsparungen bei den Beamten nicht aus.

 

   OÖN: Am Dienstag legen Sie den Finanzrahmen bis 2019 vor. Muss die Regierung nicht seriöserweise dazusagen, wie die geplanten Einsparungen von 700 Millionen Euro erfüllt werden sollen?

 

   Hans Jörg Schelling: Bei der Steuerreform haben wir Gegenfinanzierungsmaßnahmen eingetaktet, die allen, die diese Reform mitbeschlossen haben, also auch den Herren Niessl, Neugebauer, Foglar oder Leitl, bekannt sind. Jetzt waren einige überrascht, dass ich das ernst meine. Zur konkreten Frage: Wir haben den Budgetrahmen gerechnet, jedes Ministerium kennt seinen Teil vom Kuchen und muss jetzt entscheiden, wie man das bewerkstelligt. Wenn ich 600 Millionen Euro in der Verwaltung einspare und 80 Prozent Personalkosten habe, muss ich auch in diesem Bereich nachdenken.

 

   Der Aufschrei der Staatsdiener ist also nicht unbegründet?

 

  Dabei ist auch der Streit um Lehrer ausgebrochen, die zwei Stunden pro Woche länger in der Klasse sein sollen. Die Frage, ob das gut für die Kinder wäre, wurde dabei völlig ausgeblendet. Wenn die Statistik stimmt, sind Österreichs Lehrer im Jahresschnitt 660 Stunden in der Klasse, im OECD-Schnitt rund 700 und in den USA 1100 Stunden. Ich glaube, es ist schon gerechtfertigt, darüber einmal eine offene Diskussion zu führen.

 

   Apropos Lehrer: Wird die Übertragung der Zuständigkeit für alle Lehrer Thema bei den Finanzausgleichsverhandlungen?

 

   Die Frage, ob alle Lehrer zum Land oder Bund sollen, wird zu diskutieren sein. Wenn alle das Interesse haben, dass die Verrechnung einheitlich über das Bundesrechenzentrum läuft, sind wir auch bereit, das zu tun. Aber dann wird es Beträge geben, mit denen jeder auskommen muss. Mein Grundprinzip ist Zuständigkeit und Verantwortung in eine Hand zu bringen. Das gilt auch für Geldflüsse.

 

   Sie verlangen den Ländern einen Sparbeitrag ab, die Länder wiederum wollen sich die Kosten für die Kärntner Hypo zumindest teilweise vom Bund abgelten lassen. Keine optimale Ausgangsposition für Sie, oder?

 

   Finanzausgleichsverhandlungen waren immer schwierig, aber ich bin erfahren genug, um mich nicht davor zu fürchten. Wir starten am 26. April, bei der Hypo muss allen klar sein, dass die Forderungen an Kärnten zu richten sind und nicht an den Bund. Möglicherweise wird das im länderinternen Finanzausgleich diskutiert. Und den 400 Millionen Euro haben Länder und Gemeinden bei der Steuerreform zugestimmt. Deshalb war es klug, dass wir vier Landeshauptleute in der Steuerreform-Gruppe hatten.

 

   Österreichs Wachstumsprognose ist mit 0,9 Prozent deutlich hinter der Eurozone mit 1,5 Prozent. Haben Kritiker, die der Regierung zu wenig Tempo bei Reformen vorwerfen, recht?

 

   Ich nehme diesen Vorwurf auch ernst. Wir haben ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem. Dafür ist die Steuerreform nicht das Ende, sondern der Anfang. Wir haben für Bildung, Arbeitsmarkt, Förderungen und Pensionen dieselben Modelle aufgesetzt - mit Zieldaten. Ich bin ein Meister des Mutes, was die Darstellung unangenehmer Wahrheiten betrifft. Die Menschen vertragen die Wahrheit und sind reformwillig. Das ist der Auftrag für die Politik.

 

   "Ich bin erfahren genug, um mich nicht davor zu fürchten." Hans Jörg Schelling, über die Finanzausgleichsverhandlungen

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 18.04.2015

Ressort: VN-A

 

 

Politik versagt, nicht die Lehrer

 

Kommentar

 

   Was soll daran „unmoralisch" sein, die Arbeitszeit der Lehrer einseitig zu verlängern? Und warum soll das „nicht gerechtfertigt" sein, wie der Vorarlberger ÖAAB-Funktionär Wolfgang Türtscher dann auch noch feststellt? Das versteht niemand. Zumal solche Fragen auf eine Ebene führen, die nur noch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) steigern kann, der meint: „Wenn ich 22 Stunden die Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig und kann heimgehen." Darauf kann es keine vernünftige Antwort mehr geben. Doch der Lehrervertreter Eckehard Quin lässt sich trotzdem darauf ein und erwidert in der „Presse" ebenso zynisch: „Wenn ich so viel Milch trinken würde wie Herr Häupl, dann wäre ich auch schon Dienstagmittag fertig."

 

   Geht's noch? Merken Türtscher, Quin und Co. nicht, dass sie sich dorthin treiben lassen, wo sie sicher nicht hingehören wollen: Ins Eck der Neinsager und Reformverweigerer nämlich, denen unterstellt wird, nur halbtags zu arbeiten und drei Monate im Jahr überhaupt nichts zu tun? Das haben sie nicht nötig.

 

   Handlungsbedarf gibt es schließlich nicht bei ihnen, sondern bei einer Politik, die solche Debatten anzündet und dann in Häupl'scher Manier auch noch befeuert. Das ist nichts anderes als eine erbärmliche Hetze, die vom eigenen Versagen ganz offensichtlich ablenken soll: Wer kann sich in Schulfragen nicht einigen und pfuscht daher mit nicht weniger als 5367 Schulversuchen österreichweit herum? Die Lehrer? Nein, es sind SPÖ und ÖVP. Wer kann sich weder dazu durchringen, das Gymnasium abzuschaffen, noch eine Gemeinsame Schule einzuführen und doktert daher mit einer Kompromisslösung namens Neue Mittelschule herum? Die Lehrer? Nein, es sind SPÖ und ÖVP. Wer trägt die Verantwortung für die Pannenserie bei der Zentralmatura? Die Lehrer? Nein, es sind SPÖ und ÖVP bzw. letzten Endes die zuständige Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

 

   Die Lehrer sind die, die in einem solchen Umfeld zurechtkommen und sogar Höchstleistungen erbringen sollten. Was an sich schon schwer ist. Doch dazu kommen noch Herausforderungen wie verhaltensauffällige Kinder, die nicht Deutsch können und mit denen zu Hause niemand lernt. Letzteres ist zwar nicht direkt der Politik anzulasten, sie müsste sich aber umso mehr darum bemühen, dass endlich ein ordentliches Schulsystem mit motivierten Lehrern möglich wird.

 

   Angesichts des bisherigen Versagens der Politik wäre es den Lehrern also ein Leichtes, den Spieß auch in der aktuellen Auseinandersetzung umzudrehen. Wobei sie sich der Unterstützung der Bevölkerungsmehrheit gewiss sein könnten. In einer bloßen Arbeitszeitdebatte haben sie im Unterschied dazu nichts zu gewinnen. Dort befinden sie sich vielmehr auf verlorenem Posten – genau so, wie es ein Michael Häupl wäre, dem man unterstellt, abzüglich diverser Festakte und Ordensverleihungen, Eröffnungen und Parteiveranstaltungen als Bürgermeister nicht einmal montags ausgelastet zu sein. Dem könnte er nichts entgegensetzen. Außer einem flotten Spruch natürlich.

 

   johannes.huber@vorarlbergernachrichten.at

Johannes Huber ist freier Journalist und lebt in Wien.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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