Montag, 20. April 2015

2015.04.20: Bildung

APA0275 II, AI, XI 20.04.2015 13:10:40

 

Bildung in Polen: Vom schwierigen Umlenken eines großen Schiffes

Utl.: Umfassender Umbau des polnischen Bildungssystems ab 1999 - Neuausrichtung des Unterrichts als große aktuelle Herausforderung

Schule/Politik/Forschung/Polen/Hintergrund

Polen hat 1999 mit dem Umbau seines Bildungssystems begonnen. Kompetenzen wanderten zuerst zu Gemeinden und Schulen, seit einigen Jahren greift Warschau wieder stärker ein. Das Umdenken in Sachen Unterricht komme aber nur langsam vom Fleck. Ein polnischer Bildungsforscher sprach beim Besuch einer österreichischen Delegation Ende vergangener Woche von einem "schwer umzulenkenden Schiff".

Die Veränderungen im polnischen Bildungssystem der vergangenen 15 Jahre seien in einen gesamtstaatlichen Prozess der Dezentralisierung eingebunden gewesen - eine logische Reaktion auf die starke Zentralisierung, die das Land in den Zeiten des Kommunismus und danach geprägt hatte. Das erklärten Experten des Educational Research Instituts (IBE) in Warschau beim Besuch einer Delegation um Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Mit Umstellungen wurde seit 1999 in Polen nicht gegeizt: So wurde etwa der Beginn der Schulpflicht von sieben auf sechs Jahre vorverlegt, die Schulformen umorganisiert, was dazu führte, dass Polens Schüler bis 15 Jahre gemeinsam eine Schule besuchen, oder externe Prüfungen an drei Zeitpunkten und Schul-Evaluationen etabliert. All das sei zwar von "sehr vielen Streitigkeiten in der öffentlichen Debatte" begleitet gewesen, in der Rückschau könne man aber sagen, dass viele der so erstrittenen Entscheidungen erstaunlich viel Positives bewirkt haben, so der Leiter des ungefähr 130 Wissenschafter umfassenden Instituts, Michal Federowicz.

Geholfen habe der insgesamt starke Wille zu Veränderung, eine gute Balance zwischen den politischen Akteuren und die hohe Motivation vieler Betroffener. Die Experten attestierten aber auch der polnischen Lehrervertretung Verhandlungsgeschick. Dadurch sei manches nicht ganz so schnell eingeführt worden, was wiederum zu mehr Akzeptanz für die Veränderung geführt habe. Die Bildungsreformen brachten Polen viel Anerkennung seitens internationaler Experten und in Medienberichten ein. In den PISA-Tests zwischen 2000 und 2006 bestätigte sich der Aufwärtstrend "spektakulär", wie es der Forscher ausdrückte. Ausgehend von 479 Punkten im Jahr 2000 verbesserten sich etwa die Leseergebnisse Polens im Jahr 2003 auf 490 und 2006 auf 508 Punkte, während Österreich in diesem Bereich stagnierte (2000: 492 Punkte, 2003: 491 Punkte, 2006: 490 Punkte).

Darauf sei man stolz, doch wie in so vielen anderen Ländern - inklusive Österreich - gelinge zwar die Vermittlung von Allgemeinwissen und Basisfähigkeiten im Rahmen des Unterrichts gut, man tue sich aber noch schwer mit der Vermittlung komplexer Fähigkeiten. Damit ist der Aufbau von Kompetenzen zum eigenständigen Anwenden von Grundfertigkeiten gemeint. Im Bereich Mathematik ist das etwa das oft zitierte "mathematische Denken" und Argumentieren.

In mehreren Forschungsprojekten habe sich gezeigt, dass der Schlüssel in der Art des Unterrichtens, also in der Didaktik, liege. Am Beginn der Schulzeit sei es vor allem problematisch, wenn ein Lehrer den Kindern vermitteln möchte, wie er denkt, ohne Schülern die Möglichkeit zu geben, ihr mathematisches Denken selbst zu mitzuentwickeln, so die Bildungsforscher. Wichtig sei auch, dass im Unterricht nicht nur eng umschriebene Aufgaben bearbeitet werden, sondern auch über Mathematik und Lösungen gesprochen wird.

Hier gebe es erstaunliche Überschneidungen zur tieferen Auseinandersetzung mit der Muttersprache. Auch dabei gehe es stark um eigenständiges Argumentieren und Formulieren von Aussagen, sowie die individuelle Interpretation von Texten. Hier hätte sich ebenfalls gezeigt, dass vor allem dort Probleme entstehen, wo Lehrer versuchen, eigene Interpretationen in den Vordergrund zu stellen.

Neue, kompetenzorientierte Lehrbücher sowie die Bearbeitung derartiger Aufgaben in von externer Stelle vorgegebenen Tests und Probe-Tests hätten sich als Instrument zur nachhaltigen Veränderung von Arbeitsweisen im Unterricht erwiesen, so die Forscher. Trotz der Verbesserungen in vielen Bereichen tue sich momentan ein neues Problem in der polnischen Bildungslandschaft auf: "Die Schule inspiriert nicht mehr zum Lesen", skizzierte Federowicz ein auch in Österreich nicht ganz unbekanntes Problem.

(S E R V I C E - Das IBE im Internet: www.ibe.edu.pl)

(schluss) nt;cm;ks

OTS0119 II, CI 20.04.2015 12:17:54

 

Elementarpädagogik: Unterstützung für die Industriellenvereinigung

Bildung/Soziales/Kinder

Als Bestätigung für die Arbeit des Trägervereins "Kinder in Wien" (KIWI) wertet die Vorsitzende, STS a.D. Christine Marek, das kürzlich vorgelegte Elementarpädagogik-Konzept der Industriellenvereinigung. "Wir unterstützen die Forderungen. Die Arbeit in unseren elementarpädagogischen Einrichtungen und die Ansätze des Konzepts decken sich in vielen Bereichen", so Marek dazu.

Wichtig sei vor allem die Betonung, dass es sich bei Kindergärten um Bildungseinrichtungen handelt. "Mit diesem Grundsatz arbeiten wir schon seit Jahren. Das klare Bekenntnis der Industriellenvereinigung sehen wir als Bestätigung für unsere Arbeit", erklärt sie dazu.

Die damit verbundene Forderung nach genauer definierten Qualitätsstandards für die Arbeit in den Einrichtungen wird ebenfalls vollends unterstützt. "Der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungs- und Berufslaufbahn liegt in den elementarpädagogischen Einrichtungen. Da ist es logisch, dass man gerade in diesem Bereich die höchsten Qualitätsstandards an das Personal und die Arbeit vor Ort legt", so Marek weiters.

Bei der Frage der Aufwertung der Ausbildung von Elementarpädagoginnen und -pädagogen befinde man sich nach Einschätzung von Kinder in Wien Geschäftsführerin Monika Riha auch auf einer Linie. Gemeinsam mit der Hochschule Koblenz wurde von "KIWI" Österreichs erster akademischer Studiengang für Elementarpädagogik ins Leben gerufen. "Entgegen allen Zweifeln und Bedenken konnten wir gemeinsam dieses Projekt starten. Der Erfolg gibt uns recht", so die Geschäftsführerin.

Und Riha weiters: "Das was wir in diesem Bereich begonnen haben sollte aber nur der Anfang eines Prozesses sein. Die Akademisierung und Aufwertung der Ausbildung ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einer besseren elementarpädagogischen Bildung!"

Die von der Industriellenvereinigung vorgeschlagene frühzeitige und ganzheitliche Förderung von Potenzialen und Talenten wird ebenfalls unterstützt und in den eigenen Einrichtungen praktiziert. "Durch unsere vielfältigen Angebote und Kooperationen versuchen wir bei unseren Kindern frühzeitig Interessen zu wecken und Potenziale zu fördern. Dass sich dieser Punkt im Konzept der Industriellenvereinigung so prominent niedergeschlagen hat, freut uns sehr", so die Kinder in Wien Geschäftsführerin weiters. An einer allgemeinen und umfassenden Aufwertung der Elementarpädagogik führt, so die Einschätzung von Christine Marek, kein Weg vorbei. Und die Vorsitzende dazu abschließend. "In diesen Bildungsinstitutionen wird der Grundstein für alles weitere gelegt. Vieles kann gefördert und manches verhindert werden. Die Politik muss sich deren Bedeutung bewusst sein. Das Konzept der Industriellenvereinigung hat das verdeutlicht und unseren Weg bestätigt!"

Rückfragehinweis:
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Tel.: 01 – 526 70 07 DW 20,
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