Montag, 20. April 2015

2015.04.21: Newsletter Bildung

Die Presse – 21. April 2015

 

 

Test vor der Oberstufe?

Ministerin Heinisch-Hosek sieht Polen als Vorbild.

Wien. Eine Orientierungsprüfung vor der Oberstufe kann sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) vorstellen. Vorbild ist Polen: Dort legen Schüler vor der Oberstufe eine Prüfung ab, die Teil der Entscheidungsgrundlage für die Wahl der nächsten Schulform ist. In Österreich könnte das etwa im Zuge der Erhebung der Bildungsstandards passieren. Es dürfe aber nur eine Unterstützung bei der Schulwahl sein – keine „Knock-out-Prüfung“.

Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) gibt sich zurückhaltend: Zwar müsse man sich die Schnittstellen ansehen – aber nur im Zuge einer Gesamtreform des Systems.

 

 

Die Presse – 21. April 2015

 

 

Heinisch-Hosek: Orientierungstest für Schüler denkbar

Die Bildungsministerin denkt über eine Unterstützung bei der Wahl des Schultyps nach. Vorbild ist hier Polen.

In Polen müssen Schüler vor der Oberstufe eine Prüfung ablegen, die Teil der Entscheidungsgrundlage für die Wahl der nächsten Schulform ist. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kann sich auch in Österreich eine Art "Orientierungsprüfung" in der achten Schulstufe vorstellen, erklärte sie bei einer Studienreise nach Polen Ende vergangener Woche.

Viele österreichische Schüler wüssten im Alter von 14 bis 15 Jahren noch nicht, in welche Schulform sie wechseln können und sollen, so die Ministerin vor Journalisten in Warschau. Bei einem solchen Orientierungstest dürfe es sich aber lediglich um eine Unterstützung bei der Schultyp-Wahl und keinesfalls um eine "Knock-out-Prüfung" handeln, betonte Heinisch-Hosek, die sich einen solchen "Zwischenschritt" in Kombination mit der Erhebung der Bildungsstandards in der achten Schulstufe vorstellen kann.

Polen auch vor Zentralmatura

Wie in Österreich steht auch in Polen in wenigen Wochen eine neue Form der standardisierten Reifeprüfung ins Haus: "Beide Länder können einander hier die Daumen halten", so die Ministerin. In Polen wird diese Prüfung zwar bereits seit 2005 zentral vorgegeben, heuer wird sie erstmals in einer neuen Form durchgeführt. Die Dimensionen in Polen sind jedoch ganz andere: Während dort ungefähr 350.000 Schüler zur Prüfung antreten, sind es in Österreich etwas mehr als 19.000 Schüler. "Wenn es in Polen funktioniert, dann wird es bei uns auch funktionieren", zeigte sich Heinisch-Hosek optimistisch.

Heinisch-Hosek sieht "viele Parallelen" zwischen den beiden Ländern. Polen hat 1999 mit einer Umstellung weiter Teile des Bildungssystems begonnen, Österreich habe sich ebenfalls "auf den Weg gemacht". Auch in Polen gehe der Trend stark weg von der reinen Wissensvermittlung in Richtung Kompetenzorientierung. Zudem wurde der Beginn der Schulpflicht von sieben auf sechs Jahre vorgezogen und wurden Feedback-Schleifen mit externen Prüfungen an drei Zeitpunkten im Bildungsweg und Schul-Evaluationen eingeführt. Bei der Organisation des Bildungssystems sei Polen einen gemischten Weg zwischen Zentralisierung oder Dezentralisierung gegangen, das sei auch hinsichtlich der zukünftigen Diskussionen in der Bildungsreform-Arbeitsgruppe der Regierung interessant.

Polen verbesserte sich bei PISA

Aus Sicht der Ministerin war die wichtigste Erkenntnis der Studienreise, dass in Polen alle Schüler neun Jahre lang, also bis ungefähr 15 Jahre, in einer gemeinsamen Schule bleiben. Insgesamt sei hier einiges auf den Weg gebracht worden, "um Motivation zu schaffen". Das zeige sich auch anhand verbesserter Ergebnisse Polens im PISA-Test. Ausgehend von 479 Punkten im Jahr 2000 verbesserten sich die Leseergebnisse Polens im Jahr 2003 auf 490 und 2006 auf 508 Punkte, während Österreich in diesem Bereich stagnierte (2000: 492 Punkte, 2003: 491 Punkte, 2006: 490 Punkte).

Anhand des Beispiels Polen werde aber auch klar: "Gut Ding braucht Weile. Das heißt, ein System von heute auf morgen in zwei drei Jahren umzustellen, geht nicht." Sie zeigte sich allerdings auch positiv gestimmt, dass sich auch Veränderungen im heimischen System bereits in den nächsten PISA-Testungen positiv auswirken könnten.

 

 

Die Presse – 21. April 2015

 

 

Mahrer zu Orientierungstest: Nur im Zuge einer Gesamtreform

Der Staatssekretär will keine Einzelmaßnahmen mehr diskutieren. Der Fahrplan zur Reform sei mit der Bildungsreformkommission definiert.

Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) hält wenig von dem Vorschlag, eine Art Orientierungsprüfung vor der Oberstufe einzuführen – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Ja, man müsse sich besonders die Schnittstellen entlang der gesamten Bildungslaufbahn ansehen, so Mahrer gegenüber der „Presse“. Aber: Alles im Zuge einer „verlässlichen Gesamtreform statt ständig neuer Diskussionen über Einzelmaßnahmen“. Den Fahrplan für eine umfassende Reform habe man mit der Bildungsreformkommission klar definiert. „Die täglich neuen Ideen verunsichern die Pädagoginnen und Pädagogen, die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern gleichermaßen.“

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kann sich eine Art Orientierungsprüfung vor der Oberstufe nach polnischem Vorbild vorstellen. In Polen legen Schüler vor der Oberstufe eine Prüfung ab, die Teil der Entscheidungsgrundlage für die Wahl der nächsten Schulform ist. Viele Schüler wüssten mit 14 oder 15 Jahren noch nicht, in welche Schulform sie wechseln können und sollen, so die Ministerin in Polen. Sie kann sich einen Test in Kombination mit der Erhebung der Bildungsstandards in der achten Schulstufe vorstellen. Es dürfe sich aber nur um eine Unterstützung bei der Schulwahl handeln – nicht um eine „Knock-out-Prüfung“.

Grüne: "Pferd von hinten aufgezäumt"

Auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser hält von der Idee nichts. „Mit den vorgeschlagenen Orientierungstests zäumt die Bildungsministerin das Pferd von hinten auf“, sagt Walser zur „Presse“. Wenn Polen als Musterland für Bildungsreformen herangezogen werden könne, dann aufgrund der erfolgreichen Einführung einer gemeinsamen Schule. Und weiter: „In den AHS-Unterstufen gibt es noch nicht einmal verpflichtende Berufs- und Bildungswegberatung, wie sollen SchülerInnen denn darüber einen Test ablegen?“

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 92 vom 21.04.2015               Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Neuer Plan zum Sparen trifft Beamte

 

   Der Finanzminister legt heute einen neuen Finanzrahmen vor. Er sucht 1,1 Mrd. Euro.

 

   Wien. Um 1,1 Milliarden Euro möchte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) bis 2019 die Ausgaben des Staates kürzen. 400 Millionen Euro sollen die Länder beitragen, 700 Millionen Euro der Bund. Das Gros dieser Summe soll in der Verwaltung eingespart werden, sprich bei den einzelnen Beamten.

 

   Bundeskanzler Werner Faymann versichert den beunruhigten Beamten zwar, dass es keine Nulllohnrunde für den öffentlichen Dienst geben wird, doch die Kürzung von Überstunden und Zulagen steht im Raum. Auch dürfte es wieder zu einem Aufnahmestopp kommen.

 

    Für Aufregung sorgte bereits der Plan, dass Lehrer mehr unterrichten sollen. Tatsächlich ist die Budgetsituation im Unterrichtsministerium dramatisch. 340 Millionen Euro fehlen allein dort. Auch im Bundesheer stehen die Zeichen auf Sturm, da dort neuerliche Budgetkürzungen vorgesehen sind. Gekürzt werden dürften schließlich auch die Agrarförderungen. Seite 2

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 92 vom 21.04.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Der Sparkurs trifft das Bundesheer neuerlich

 

   1,1 Milliarden Euro will der Finanzminister durch den neuen Finanzrahmen bis 2019 kürzen. Einige Ressorts leiden besonders.

 

   Wien. Ehe Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) heute, Dienstag, den neuen Finanzrahmen vorstellt, steht einer der Verlierer schon fest: das Bundesheer. Bis 2019 soll das Verteidigungsministerium neuerlich 250 Millionen Euro, also 62,5 Millionen Euro pro Jahr, einsparen.

 

   Bis zuletzt versuchte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ), von dieser Summe noch etwas herunterzuverhandeln. Aber auch wenn Schelling ein paar Millionen nachlassen sollte, ist dieser neuerliche Aderlass für das Heer dramatisch. Denn die Kürzungen treffen ein ohnehin schon drastisch gekürztes Wehrbudget: Für die Jahre 2009 bis 2016 wurden dem Verteidigungsministerium bereits 1,7 Milliarden Euro gestrichen, das ist ein komplettes Jahresbudget.

 

    2014 erfolgte eine zusätzliche Kürzung um 200 Mill. Euro. Folge war das umstrittene Kürzungspaket mit dem Schließen von sieben Kasernen (darunter Tamsweg), dem Auflassen des Fliegerabwehrbataillons Salzburg, dem Halbieren der Militärmusik und der Reduktion der schweren Waffen.

 

   Mit der neuerlichen Kürzungsvorgabe ist dieses „Strukturpaket“ eigentlich Makulatur. Das Verteidigungsressort muss einen neuen Kürzungsplan ausarbeiten. Dabei dürfte es auch zwei Gehaltszulagen an den Kragen gehen, die 2014 wegen der damals anstehenden Personalvertretungswahl nicht angetastet worden waren: der Truppendienstzulage und der „41. Wochenstunde“. Wird beides abgeschafft, dürfte das etwa 25 Millionen Euro bringen. Auch bei den Militärattachés soll gespart werden.

 

   Das wird aber nicht reichen, um die von Schelling vorgegebenen Ausgabenobergrenzen einzuhalten. Das Bundesheer muss daher zu drastischeren Maßnahmen greifen. Selbst die Stilllegung der Eurofighter ist nicht mehr ausgeschlossen. Schließlich kostet eine Flugstunde 70.000 Euro.

 

   In den Sternen steht, ob die zugesagten Sonderinvestitionen halten. Im Gegenzug zu der Budgetkürzung um 200 Mill. Euro wurden dem Bundesheer im Vorjahr 350 Mill. Euro bis 2019 für dringend notwendige Rüstungskäufe zugesagt. Ob diese Zusage angesichts des verschärften Sparkurses noch gilt, ist unklar.

 

   Im Bundesheer stehen die Zeichen jedenfalls auf Sturm. Die Kürzung der Zulagen wird auf Proteste stoßen. Zudem sorgt für böses Blut, dass die dem Verteidigungsministerium befohlene Kürzungssumme von 250 Mill. Euro bis 2018 exakt jener Summe entspricht, die dem Innenministerium unter dem Stichwort Terror-Abwehr an zusätzlichen Mitteln gewährt wurde.

 

   Dramatisch ist die Situation auch im Unterrichtsministerium. Das Bildungsbudget steigt zwar, kann aber mit der Steigerung der Lehrergehälter und Schulmieten sowie mit den Kosten der Schulreformen nicht Schritt halten. Es fehlen 340 Millionen Euro. Im Vorjahr musste sich Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) deshalb von der Bundesimmobiliengesellschaft 100 Millionen Euro an Mieten stunden lassen. Irgendwann müssen die Mieten aber bezahlt werden.

 

   Im Sozialministerium heißt es zum neuen Finanzrahmen, man werde den geforderten Beitrag liefern. Allerdings könne bei den Pensionen, beim Arbeitslosen- und beim Pflegegeld nicht gespart werden, da darauf gesetzliche Ansprüche bestünden. Deshalb werde man „umschichten“, sprich: bei anderen Ausgabeposten kürzen. Wo und wie viel wollte man noch nicht sagen, nur so viel: „Es ist machbar.“ pur, i.b.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 92 vom 21.04.2015               Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Orientierungstest mit 14 soll Schulwahl erleichtern

 

   Wien. In Polen müssen Schüler vor dem Wechsel in die Oberstufe eine Prüfung ablegen, die Teil der Entscheidungsgrundlage für die Wahl der nächsten Schulform ist. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kann sich auch in Österreich eine Art „Orientierungsprüfung“ in der achten Schulstufe vorstellen, sagte sie jüngst bei einer Studienreise nach Polen, wo in ein paar Wochen ebenfalls erstmals eine Zentralmatura stattfindet. Viele Schüler wüssten im Alter von 14 bis 15 Jahren noch nicht, in welche weiterführende Schule sie wechseln können und sollen, sagte Heinisch-Hosek in Warschau. Bei einem solchen Orientierungstest dürfe es sich aber lediglich um eine Unterstützung bei der Schultyp-Wahl und keinesfalls um eine „Knock-out-Prüfung“ handeln, betonte Heinisch-Hosek, die sich einen solchen „Zwischenschritt“ in Kombination mit der Erhebung der Bildungsstandards in der achten Schulstufe vorstellen kann. , APA

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 92 vom 21.04.2015               Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

Die Neue Mittelschule ist eineBaustelle

 

    Sogar auf dem Land laufen den Neuen Mittelschulen die Schüler davon. Soll man die Umwandlung der Hauptschulen deshalb rückgängig machen?

 

   Alexandra Parragh Wien. Sepp Schnöll sagt, er liebe seinen Job auch noch nach 37 Jahren. „Für mich ist es ein Privileg, Kindern etwas weitergeben zu dürfen. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich in die Klasse komme“, sagt der 58-jährige Hauptschullehrer, der an der Neuen Mittelschule (NMS) in Kuchl Englisch und Sport unterrichtet. Aber auch er gibt zu, dass die Arbeit als Lehrer in den letzten Jahren schwieriger geworden sei. Schnöll glaubt, dass es daran liege, dass den NMS zusehends die leistungsstarken Schüler abhandenkommen.

 

   Sogar in Kuchl – also auf dem Land – sei es so, dass immer mehr Schüler an das Gymnasium Hallein drängten. Während dort teilweise in Containerklassen unterrichtet werde, müsse die NMS Kuchl darum bangen, im nächsten Schuljahr überhaupt noch drei erste Klassen zustande zu bringen. „Wenn das so weitergeht, ist der Weg in die NMS, die neue Mittelmäßigkeit, vorgezeichnet“, kritisiert Schnöll.

 

   Der Trend hin zum Gymnasium lässt sich – wenn auch nur langsam – in der Schülerstatistik nachvollziehen. Sind im Jahr 2000 rund 29 Prozent aller Volksschüler nach der vierten Klasse ins Gymnasium gewechselt, waren es 2013/14 bereits 34 Prozent. In den Städten ist ihr Anteil höher. In Wien wechselt mehr als jeder zweite (55 Prozent) nach der Volksschule an eine AHS.

 

   NMS-Lehrer Schnöll wundert das nicht: „Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder maturieren und dann studieren, auch wenn sie dazu vielleicht gar nicht geeignet sind“, sagt er. Dabei seien die NMS durch ihre Zweitlehrer in der Lage, Kinder individueller zu betreuen als an den AHS, ist Schnöll überzeugt.

 

   Das hat auch die Evaluierung des 2008 eingeführten Schultyps gezeigt. Danach habe die Einführung eines Zweitlehrers das Lernklima verbessert und die Gewalt an den Schulen reduziert. Allerdings führten sie „nicht durchgehend und nicht konsistent“ zu besseren Leistungen, steht in dem Evaluierungsbericht. Genauso wenig, wie die NMS mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Chancengleichheit gebracht haben, obwohl sie die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) genau deshalb eingeführt hatte.

 

   Wurden die 300 Mill. Euro, die die Umwandlung der Hauptschulen laut Rechnungshof gekostet hat, also in den Sand gesetzt? Innerhalb der ÖVP glauben das einige. ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka sprach sich bereits mehrmals gegen die „krampfhafte Weiterführung“ der NMS aus. Auch Parteichef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner stellte kürzlich klar, dass die „Fortsetzung (der NMS) nicht garantiert wird, wenn nichts korrigiert werden kann“. Offen ist aber, was Mitterlehner genau korrigiert haben will.

 

   Im Entwurf zum neuen ÖVP-Parteiprogramm sucht man die NMS vergebens. Darin findet sich lediglich das Bekenntnis zum differenzierten Schulsystem mit Gymnasien und Hauptschulen (vulgo NMS). Staatssekretär Harald Mahrer, der für das Thema Bildung innerhalb der ÖVP verantwortlich ist, lässt über seinen Sprecher ausrichten, dass er der Reformgruppe nicht vorgreifen wolle. Sie soll bis zum 17. November eine umfassende Bildungsreform ausarbeiten.

 

   Beschlossen haben die Regierungsparteien bereits, dass die Schulautonomie der NMS ausgeweitet wird. Ab Herbst dürfen sie ihre Zweitlehrer flexibler einsetzen, also auch in den Nebenfächern. Die Lehrer müssen auch nicht mehr zwingend zu zweit in den Klassen stehen, sondern können allein Leistungskurse und Zusatzstunden in einzelnen Fächern abhalten.

 

   Darüber hinaus hat Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) angekündigt, das komplizierte Notensystem an den NMS wieder zu vereinfachen. Statt fünf gibt es dort seit 2012 sieben Noten, weil zwischen der „vertieften Bildung“, dem AHS-Niveau und der „grundlegenden Bildung“ unterschieden wird. Ein Sehr gut oder ein Gut in der „grundlegenden Bildung“ sind gleichbedeutend mit einem Befriedigend oder einem Genügend in der „vertieften Allgemeinbildung“. Letztgenannte hat den Vorteil, dass man damit in die AHS oder BHS aufsteigen darf. Allerdings sorgt dieses System ordentlich für Verwirrung.

 

   Heinisch-Hosek will außerdem, dass soziale Brennpunktschulen künftig mehr Geld bekommen. Auch das ist ein Thema für die Bildungsarbeitsgruppe.

 

   Dem Salzburger Erziehungswissenschafter Ferdinand Eder, der die NMS-Evaluierung durchgeführt hat, reichen diese Maßnahmen alle nicht. „Solange die leistungsstärkeren Schüler eher ans Gymnasium gehen, wird sich an der Situation an der NMS nichts ändern“, betont er. Dafür brauche es schon eine echte Gesamtschule. Diese solle sich an der erfolgreichen AHS-Unterstufe, nicht an den NMS orientieren, dafür jedoch wie die NMS Zusatzlehrer zur Verfügung gestellt bekommen. „Individuelle Förderung wie bei der Nachhilfe wirkt am besten. Schüler sollten punktuell, also außerhalb des Klassenverbands, aber in der Schule während des Unterrichts, gefördert werden“, betont Eder. Das gelte für lernschwache ebenso wie für begabte Schüler.

 

   Lehrer Sepp Schnöll, der an der NMS Kuchl unterrichtet, sieht das ähnlich. Er würde gern zumindest zeitweise wieder in Leistungsgruppen unterrichten, wie das früher an der Hauptschule üblich war. Anders sei der Spagat zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler auch für ihn als topmotivierten Lehrer kaum zu schaffen.

 

   Schnöll sagt, er arbeite schon jetzt mindestens 45 Stunden pro Woche. Deshalb halte er wenig von der Forderung, dass Lehrer zwei Stunden mehr unterrichten sollen. „Dazu bin ich nur bereit, wenn jeder in Österreich zwei Stunden mehr arbeitet. Sonst ist das nicht fair.“

 

 

"Österreich" vom 21.04.2015                                   Seite 6

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityWien, CityNÖ, Oberösterreich, Kärnten, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Salzburg

 

1,1 Milliarden

 

Heute wird Sparpaket beschlossen

 

So viel lässt Schelling die Ministerien jetzt einsparen

 

Der Ministerrat beschließt heute den Finanzrahmen für die Jahre 2016 bis 2019.

 

Wien. Den ganzen Montag über verhandelten die Ministerien noch fieberhaft mit ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schellings Finanzressort, um die Kürzungen für die nächsten drei Jahre in Grenzen zu halten. Klar ist: 1,1 Milliarden Euro streicht Schelling von 2016 bis 2019. Heute beschließt der Ministerrat den Finanzrahmen, erst im Herbst geht es um die konkreten Maßnahmen.

 

Lehrer, Justiz, Bauern, Familien &Heer betroffen

 

Diese Einsparungen müssen die Ministerien leisten:

 

n Bundesheer: Ursprünglich hatte es geheißen, Gerald Klug muss 62,4 Mio. Euro pro Jahr einsparen. Einen kleinen Teil davon konnte der SPÖ-Verteidigungsminister vergangene Woche aber noch wegverhandeln. Trotzdem ist das Heer prozentuell gesehen wieder stark belastet, worüber auch Teile der ÖVP stinksauer sind.

 

n Bildung: SPÖ-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek muss gleich 360 Mio. einsparen. Die Idee, dass Lehrer dafür zwei Stunden mehr unterrichten sollen, hat die Gewerkschaft bereits zu Streikdrohungen veranlasst.

 

n Justiz: 20 Mio. muss die Justiz einsparen. Die geplante Senkung der bei Gerichtsgebühren dürfte damit wahrscheinlich vom Tisch sein.

 

n Familien: ÖVP-Ministerin Sophie Karmasin muss gar 100 Mio. im Jahr einsparen. Familienleistungen und das Kinderbetreuungsgeld bleiben unberührt, Förderungen werden gekürzt.

 

n Landwirtschaft: Agrarförderungen werden im Ausmaß von 50 Mio. gekürzt.

 

n Wirtschaft: Auch die Streichungen bei den Wirtschaftsförderungen machen rund 50 Mio. aus.

 

n Außenministerium: Bei den Botschaften muss ÖVP-Minister Sebastian Kurz rund 10 Mio. Euro sparen. (knd)

 

 

"Der Standard" vom 21.04.2015                                Seite: 6

Ressort: Inland

 

Lisa Kogelnik

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Mit Tablets schwachen Schülern helfen

 

   Adib Reyhani unterstützt mit seinem Unternehmen die Digitalisierung von Schulen. Zuvor war er Lehrer für die Initiative „Teach for Austria“, bei der begabte Absolventen an schwierigen Schulen unterrichten.

 

   Wien – Adib Reyhani war in seinem Job frustriert. „Am Schluss habe ich mich ein Jahr lang jeden Abend gefragt, was ich eigentlich geleistet habe“, sagt er. Der Volkswissenschafter hat vier Jahre lang in drei verschiedenen Jobs als Unternehmensberater gearbeitet. Analysen zu schreiben und „abstraktes Geld hin- und herzuschieben“ hat ihn gelangweilt. Also entschied er sich dafür, benachteiligte Schüler zu unterrichten.

 

   Möglich wurde dieser Karrierewechsel für Reyhani durch die Initiative „Teach For Austria“. Das Projekt ist Teil des internationalen Netzwerks „Teach For All“, das in 35 Ländern tätig ist. Die Idee dahinter: Talentierte Hochschulabsolventen und junge Menschen, die bis zu fünf Jahre Berufserfahrungen gesammelt haben, unterrichten für zwei Jahre an Schulen, deren Schüler sozioökonomisch benachteiligt sind oder Migrationshintergrund haben. In Österreich haben nur sieben Prozent der Studienanfänger einen Vater mit Pflichtschulabschluss, aber 22 Prozent einen Vater mit Hochschulabschluss. Seit 2012 gibt es die Initiative in Wien und Salzburg. Teach For Austria finanziert sich über private Sponsoren und öffentliche Subventionen.

 

   Keine Ausreden

 

   Reyhani ist einer der wenigen, die das Aufnahmeverfahren des Programms geschafft haben. Nur einer von zehn Bewerbern wird aufgenommen. In wenigen Wochen lernen die Fellows, wie sie später unterrichten sollen. „Die Ausbildung war sehr dicht und fordernd“, sagt Reyhani. Das Kernelement des pädagogischen Konzepts erklärt der Steirer so: „Lehrer von Teach For Austria würden nie sagen, dass ein Kind deshalb nichts gelernt hat, weil es faul oder dumm ist oder nicht genug Deutsch kann.“ Solche Ausreden dürften nicht gelten. „Man muss sich fragen, wie man den Unterricht ändern kann, so dass jedes einzelne Kind folgen kann.“

 

   Er habe das geschafft, indem er die Schüler im Wirtschaftsunterricht vorkommen ließ. „Das war dann die Bank von Fatih oder die Schofabrik von Aylin.“

 

   Reyhani hat zwei Jahre lang an einer Neuen Mittelschule im zehnten Wiener Gemeindebezirk unterrichtet. Auch heute ist er dort noch aktiv. Nach dem Ende seiner Tätigkeit für Teach For Austria hat er das Start-up „The Things We Learn“ gegründet, Teach for Austria unterstützt ihn. Reyhani will künftig Schulen mit sozioökonomisch benachteiligten Schülern dabei unterstützen, neue Technologien richtig einzusetzen.

 

   Im Unterricht hat Reyhani öfter sein Tablet mitgenommen. „Ich habe gesehen, welches Potenzial die Technologie für die Schüler hat.“ So hätten etwa Burschen, die sich nie am Mathematik-Unterricht beteiligt hatten, begeistert Grundrechnungsarten auf einer App geübt. „Die Technologie erlaubt es ihnen, spielerisch zu lernen – viel mehr, als das Papier und Bleistift tun.“ Mit der Mathe-App konnten die Schüler in ihrem Tempo lernen.

 

   Einstellung ändern

 

   In seiner ehemaligen Neuen Mittelschule in Favoriten wurde eine Klasse als Pilotprojekt von Samsung mit Tablets und einer interaktiven, digitalen Tafel und WLAN ausgestattet. „Mobile Geräte sind die Realität der Kinder, es ist die Welt, in der sie leben. Die Schule muss das widerspiegeln und sie dort abholen, wo sie sind.“

 

   Wenn Reyhani einen Änderungswunsch an das österreichische Bildungssystem frei hätte, würde er vor allem die Einstellung der Lehrer, Eltern und Politiker ändern. „Jedes Kind hat großes Potenzial. Nur durch Erziehung und Bildung kann es dieses entfalten und so einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Wenn man das zur Handlungsmaxime in allen Köpfen machen könnte, dann würde das sehr viel bewirken.“

 

   Reyhani ist mit der Entscheidung, Lehrer für Teach For Austria zu werden, sehr zufrieden. „Das war mein vierter Job nach der Uni und hat alles andere, was ich bisher gemacht habe, in den Schatten gestellt.“

 

   p Bewerbungen als Fellow sind bis 3. Mai möglich: teachforaustria.at

 

 

"Der Standard" vom 21.04.2015                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Heinisch-Hosek überlegt „Orientierungsprüfung“

 

   KURZ GEMELDET

 

   Wien/Warschau – In Polen müssen Schüler vor der Oberstufe eine Prüfung ablegen, die Teil der Entscheidungsgrundlage für die Wahl der nächsten Schulform ist. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kann sich so eine Art „Orientierungsprüfung“ auch in Österreich vorstellen, sagte sie bei einer Studienreise nach Polen. Viele Schüler wüssten im Alter von 14 oder 15 noch nicht, in welche Schulform sie wechseln können und sollen.

 

 

"Der Standard" vom 21.04.2015                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend, Wien

 

Das ist neu im ÖVP-Programm

 

   Im Entwurf für das neue Programm der Volkspartei, das am Bundesparteitag Mitte Mai beschlossen werden soll, finden sich einige neue und viele bekannte Positionen:

 

   Q Selbstbehalte Im Gesundheits- und Sozialbereich will man auf mehr „Eigenverantwortung“ bauen. Die Einführung von Selbstbehalten soll kein Tabu bleiben, stattdessen könnten Sozialversicherungsbeiträge reduziert werden. Für Vorsorgemaßnahmen soll es Prämien geben.

 

   Q Europäische Armee Langfristiges Ziel ist die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Armee, die mit der Neutralität vereinbar sein soll. Als Zeithorizont gilt wie auch bei den Selbstbehalten: Sollte die ÖVP auch nach der kommenden Nationalratswahl in einer Regierung sein, will man dies ins Regierungsprogramm schreiben.

 

   Q Partnerschaften Im Bereich Familie sieht es Mitterlehner bereits als Erfolg, das Thema der eingetragenen Partnerschaften am Standesamt überhaupt intern diskutieren zu wollen: „Da sind wir weit offener als vorher.“ Die rechtliche Gleichstellung für Partnerschaften abseits der Kernfamilie wird angestrebt.

 

   Q Bildung Die ÖVP bekennt sich nach wie vor zum Gymnasium, spricht sich aber auch für die Umsetzung neuer Schultypen in den Modellregionen aus. „Manche werden enttäuscht sein, weil nicht ‚Gesamtschule‘ drinsteht“, gestand der Parteichef unumwunden ein. Die Schulautonomie soll ausgebaut werden.

 

   Q Integration „Integration durch Leistung“ wird erstmals als parteipolitischer Grundsatz verankert. (smo)

 

   WISSEN

 

 

Heute – 21. April 2015

 

Orientierungstests für Schüler wie in Polen

Weil österreichische Schüler nach der Unterstufe oft nicht wissen, welche Schule sie danach besuchen sollen, will Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) eine "Orientierungsprüfung" für 14- bis 15-Jährige nach polnischem Vorbild einführen.

In der achten Schulstufe könnten österreichische Schüler künftig einen Orientierungstest machen müssen, der sie einerseits bei der Wahl des späteren Schultyps unterstützt. Gleichzeitig könnten diese Tests zusätzlich die Erhebung der Bildungsstandards leisten. Das erklärte Heinisch-Hosek bei einer Studienreise nach Polen Ende vergangener Woche.

Die Tests sollten aber keine "Knock-out-Prüfungen" darstellen, betonte die Ministerin.

In Polen bleiben alle Schüler neun Jahre lang, also bis zum 15. Lebensjahr, in einer gemeinsamen Schule. Durch einige Schulreformen habe es in Polen auch verbesserte Ergebnisse beim PISA-Test gegeben. Ausgehend von 479 Punkten im Jahr 2.000 verbesserten sich etwa die Leseergebnisse Polens im Jahr 2003 auf 490 und 2006 auf 508 Punkte, während Österreich in diesem Bereich stagnierte (2000: 492 Punkte, 2003: 491 Punkte, 2006: 490 Punkte).

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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