Dienstag, 21. April 2015

2015.04.22: Newsletter Bildung

Morgenjournal, 22.4.2015

Zentralmatura: Nervosität steigt

Regina Pöll

Am 5. Mai, in zwei Wochen, startet die Zentralmatura an allen Gymnasien. Nach all den Pannen im Vorfeld mit der bangen Frage: geht wirklich alles glatt über die Bühne? Viel Zeit gibt es nicht mehr, sich vorzubereiten. Deutsch ist das erste Fach, das auf dem Programm steht.

Eine der letzten Deutschstunden am Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse im 1. Bezirk in Wien,

 

 

Die Presse – 22. April 2015

 

 

Regierung: Der lange Weg Richtung Nulldefizit

Die Koalition einigt sich auf die Ausgabenobergrenzen, den Finanzrahmen also, der bis in die nächste Gesetzgebungsperiode reicht. Die Budgeterstellung der Ministerien verspricht schwierig zu werden.

Wien. Die Steuerreform hat für so manches Ministerium schmerzhafte Auswirkungen. 1,1 Milliarden Euro muss die Regierung aus dem Posten Verwaltungsreform und Förderungen einsparen. Wie das funktionieren soll, hat Finanzminister Hans-Jörg Schelling jetzt im Finanzrahmen für die Jahre 2016 bis 2019 festgelegt.

Wobei: Wie genau gespart werden soll, steht immer noch nicht fest. Die Ministerien haben Obergrenzen für ihre Ausgaben verordnet bekommen und müssen sich jetzt selbst darum kümmern, wie sie die auch einhalten können. „Wir werden schon noch Auseinandersetzungen in dem einen oder anderen Bereich haben", sagte Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der sich der Problematik offenbar bewusst ist, bei der Präsentation nach dem Ministerrat.

In erster Linie wird es wohl um den Bildungsbereich gehen, in dem Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zusätzlich zu gravierenden strukturellen Problemen mit einem Fehlbetrag von bis zu 360Millionen Euro noch weitere Kürzungen schultern muss. Damit werden die zusätzlichen zwei Stunden Unterrichtsverpflichtung für die Lehrer trotz aller Proteste der Gewerkschaft weiterhin Thema sein.

Mitterlehner und Bundeskanzler Faymann (SPÖ) stärkten der Ministerin vorsichtshalber gleich einmal den Rücken: Die zwei Stunden seien ein „realistischer Ansatz" – vorausgesetzt, man könne mit den Betroffenen eine Vereinbarung schließen. Erstaunt zeigte sich Faymann über die Diskussion um mögliche Einschnitte bei den Beamten: Dass über Verwaltungseffizienz so ein Aufsehen gemacht werde, habe ihn gewundert. Denn bei einem Budget, das zu 80Prozent aus Personalkosten bestehe, könne es nicht überraschen, dass auch Personal betroffen ist.

Insgesamt sieht der Finanzrahmen im kommenden Jahr ein strukturelles Budgetdefizit von 0,5 Prozent des BIPs vor, womit Österreich laut EU-Kriterien bereits ein strukturelles Nulldefizit erreicht. Das Maastricht-Defizit des Gesamtstaates soll von 2,17 Prozent heuer auf 0,49 Prozent im Jahr 2019 sinken. Die Staatsverschuldung wird aber laut Plan auch 2019 mit 79,7 Prozent noch deutlich über den laut Maastricht erlaubten 60Prozent liegen.

Positiv hat Bernhard Felderer, Präsident des Fiskalrats, die Pläne des Finanzministers beurteilt. Vor allem das Erreichen des strukturellen Nulldefizits und die in Zukunft wieder sinkende Schuldenquote bewertet er – ebenso wie Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller – positiv.

In den kommenden Jahren stelle sich nun die Frage, ob man tatsächlich die EU-Vorgaben zum strukturellen Defizit wird einhalten können. „Ganz einfach ist es nicht", so die Einschätzung von Felderer.

 

 

Die Presse – 22. April 2015

 

 

Lehrerfortbildung: Wenige Kurse in den Ferien

Im Sommer nehmen deutlich weniger Lehrer an Fortbildungsveranstaltungen teil als in den übrigen Monaten. Es gibt jedoch einen leichten Anstieg.

Wien. Wenn über die Arbeitszeit der Lehrer diskutiert wird, geht es auch um die Ferien. Dass die Lehrer sich in dieser Zeit relativ wenig fortbilden, ist zumindest nicht ganz falsch. Im Juli und August nehmen deutlich weniger Lehrer an Fortbildungsveranstaltungen teil als in den übrigen Monaten. Allerdings ist auch das Kursangebot im Sommer deutlich geringer als während des Jahres.

Das zeigt die Beantwortung einer Anfrage des FPÖ-Bildungssprechers, Walter Rosenkranz, durch das Bildungsministerium. Von September bis Juni nahmen in den vergangenen beiden Schuljahren im Schnitt je rund 37.000 Lehrer pro Monat an einer Fortbildung teil. Im Sommer waren es vor zwei Jahren rund 11.900 Lehrer, voriges Jahr 12.500.

Die Auswahl an Kursen ist im Sommer deutlich geringer: Wurden voriges Schuljahr pro Monat im Schnitt 2500 Kurse angeboten, waren es im Juli und August nur je rund 670. Ein Indiz dafür, dass die Nachfrage der Lehrer nach Kursen in den Ferien womöglich größer ist: Im Sommer werden weniger Fortbildungen abgesagt als während des Schuljahres.

Aus dem Ministerium heißt es: Die Bereitschaft der Lehrer, sich in der unterrichtsfreien Zeit fortzubilden, sei gestiegen – sie müsse aber noch wesentlich erhöht werden.

 

 

Die Presse – 22. April 2015

 

 

Lehrer: Woran scheitert die Fortbildung im Sommer?

Das Bildungsministerium sagt, es gebe eine kontinuierliche Steigerung des Angebots. Aus den Zahlen, die es liefert, geht das aber nicht hervor.

Derzeit wird wieder über die Arbeitszeit der Lehrer diskutiert - und natürlich auch über ihre Ferien. Neun freie Wochen im Sommer, in denen nicht einmal Fortbildungen absolviert werden - stimmt dieses Bild? Es ist nicht ganz falsch. In den beiden Sommermonaten Juli und August nehmen deutlich weniger Lehrer an Fortbildungs-Veranstaltungen teil als in den restlichen Monaten.

Allerdings ist auch das Kurs-Angebot im Sommer deutlich reduziert. Das zeigt erneut die Beantwortung einer Anfrage des FPÖ-Bildungssprechers Walter Rosenkranz durch das Bildungsministerium.

Gibt es einfach zu wenig Angebot?

Rosenkranz hatte sich durch seine Anfrage Aufschluss darüber erhofft, ob Lehrer die langen Sommerferien zu wenig für Fortbildung nützen - wie es oft in Medienberichten heiße. Oder ob das seitens der Pädagogen angeführte Argument, wonach es in dieser Zeit nur zu wenige solche Veranstaltungen gibt, eher zutrifft. Aufgrund der Datenlage in der Beantwortung lässt sich diese Frage nur im Ansatz beantworten.

Insgesamt boten die 13 öffentlichen und privaten österreichischen Pädagogischen Hochschulen (PH) im gesamten Schuljahr 2012/13 20.219 und 2013/14 20.680 Fortbildungsveranstaltungen an. In den Monaten von September bis Juni nahmen jeweils im Schnitt etwa 37.000 Lehrer pro Monat an einer Fortbildung teil.

Steigerung: 588 Lehrer mehr im Sommer

Das Angebot in den Sommerferien habe sich dabei in den vergangenen Jahren "kontinuierlich erhöht", heißt es in der Anfragebeantwortung. Zumindest an den beiden in der Beantwortung ausgewiesenen Jahren lässt sich das aber nicht ablesen: Konnten die Pädagogen in der unterrichtsfreien Zeit 2012/13 im Schnitt 624 Veranstaltungen pro Monat besuchen, waren es 2013/14 nur mehr 563. Trotzdem stieg die Zahl der teilnehmenden Pädagogen von im Schnitt 11.857 (2012/13) auf 12.445 (2013/14) in den Sommermonaten der entsprechenden Schuljahre.

Als Hinweis, dass die Nachfrage im Sommer seitens der Pädagogen tendenziell höher wäre, könnte auch der Anteil der Veranstaltungs-Absagen interpretiert werden: Wurden in beiden ausgewerteten Jahren in der Unterrichtszeit etwa 28 Prozent der Kurse abgesagt, lag dieser Anteil im Juli und August nur zwischen knapp unter 17 (2013) und 19 Prozent (2014).

Befund aus dem Ministerium

Wieviele Veranstaltungen aber gerade aufgrund von zu wenig Interesse seitens der Lehrerschaft abgesagt wurden, lasse sich nicht beantworten, heißt es aus dem Ministerium. Die Bereitschaft der Lehrer, auch in der unterrichtsfreien Zeit Fortbildungsangebote der PH in Anspruch zu nehmen sei zwar gestiegen, müsse aber noch wesentlich erhöht werden, so der Befund.

 

 

Die Presse – 22. April 2015

 

 

Schule: Ausgesperrte Lehrer, Reformen und Streiks

Nicht nur in Österreich wird über die Arbeitszeit der Lehrer diskutiert. Wie es anderswo aussieht – von Dänemark bis England.

Nach der „Entschuldigung" des Wiener Bürgermeisters bei den Lehrern ist die Debatte um eine mögliche Erhöhung der Unterrichtsstunden abgeflaut – doch wer weiß, für wie lang. Denn klar ist: Das Bildungsressort steckt finanziell in der Klemme, die Lücke ist rund 340 Millionen Euro groß. Und das Ministerium wird wohl weiter sparen müssen (siehe Seite1). Aber nicht nur in Österreich ist die Arbeitszeit der Lehrer immer wieder ein Thema. „Die Presse" hat sich angesehen, wie viel Pädagogen in anderen Ländern arbeiten – und welche Konflikte es gibt.

Dänemark. Regierung erzwingt mehr Unterricht durch Aussperrung.

Die dänische Regierung scheute sich wahrlich nicht vor Konflikten: Sie sperrte vor ziemlich genau zwei Jahren knapp 70.000 Lehrer einfach aus den Schulen aus, um eine längere Unterrichtszeit und eine längere Anwesenheit der Lehrer an den Schulen zu erzwingen. Zuvor waren die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und den Kommunen ergebnislos abgebrochen worden. Ziel der Regierung war mehr Unterricht für die Schüler, eine ganztägige Schule. Die ganze Reform sollte aber (möglichst) kostenneutral umgesetzt werden.

Was die (sozialdemokratische) dänische Regierung dafür in Kauf nahm, sorgte in ganz Europa für Staunen. Die vierwöchige Aussperrung wirkte aber: Die Arbeitszeit wurde verlängert und flexibilisiert. Statt einer fix festgelegten Vorbereitungszeit für jede Unterrichtsstunde – ähnlich wie in Österreich – sollten die Schulleiter bestimmen, wie viel Zeit ein Lehrer in den Unterricht stecken muss und wie viel er für Vor- und Nachbereitung zugebilligt bekommt. Als Ausgleich sollten die Lehrer eine Gehaltserhöhung bekommen.

Die dänische Lehrergewerkschaft warnte bis zuletzt vor „Discountschulen" – vergeblich. (red.)

Frankreich: 27 Präsenzstunden und viele Streiks im Schulbereich.

Die haben es gut die Lehrer, so wenig wie die möchte ich auch arbeiten..." Wie in vielen anderen Ländern kämpfen auch die Lehrer in Frankreich gegen das Vorurteil an, dass sie nur wenige Wochenstunden im Klassenzimmer verbringen und weit mehr Ferienwochen haben als alle anderen Berufstätigen. Das mag auf dem Papier annähernd zutreffen. Die Realität aber sieht für die meisten ganz anders aus.

Ein Lehrer oder eine Lehrerin der Volksschule oder der Vorschule verbringt offiziell zwar nur 24 Stunden pro Woche im Unterricht, hinzu kommen aber zwei Stunden in der Koordination mit Schulleitung und Kollegen sowie Stützkurse mit den schwächsten Schülern. Für Letztere sollen sie 108 Stunden pro Jahr einsetzen. Nicht eingerechnet in diesen etwa 27 Stunden Präsenz ist die Arbeit zu Hause: die Vorbereitung der Stunden, die Korrektur von Prüfungen, die Weiterbildung. Wenn man die Pädagogen der Unterstufe fragt, wie viel sie pro Woche wirklich arbeiten, nennen sie im Schnitt 44 Stunden und ihr Schuldirektor sogar 45,5.

Vielleicht übertreiben da einige doch ein bisschen? In einem Land, das offiziell eine Höchstarbeitszeit von 35 Stunden pro Woche hat, wäre das nämlich enorm – vor allem bei einem Gehalt von 1700 Euro zu Beginn und maximal 3100 Euro am Ende der Karriere. In wenigen Bereichen wird in Frankreich darum so oft gestreikt wie im öffentlichen Bildungssektor. (bal)

 Deutschland: Mehr Unterricht? Lehrer kontern mit eigener Studie.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft macht Nägel mit Köpfen: Nachdem Niedersachsen ankündigte, die Arbeitsstunden der Lehrer um eine Unterrichtseinheit zu erhöhen, beauftragte sie die Uni Göttingen mit einer Studie. Nun werden in Niedersachsen mehrere tausend Lehrer ihre Arbeitszeit penibel dokumentieren. Das Land bleibt skeptisch, will das Ergebnis aber „zur Kenntnis" nehmen.

Nun, wie viele Stunden deutscheLehrer tatsächlich unterrichten, ist unterschiedlich geregelt. Während die wöchentlichen Pflichtstunden in Bayern 27,5 Stunden betragen, sind es in Niedersachsen 23,5. Auch das Verfahren mit Zusatzstunden sowie andere Regelungen sind nicht bundeseinheitlich.

Derzeit beschäftigen die Pädagogen aber ohnehin andere Themen: Die Lehrer – bisher eine in Sachen Streik unauffällige Berufsgruppe – steigen vermehrt auf die Barrikaden. Die Tarifverhandlungen wurden zwar erst kürzlich abgeschlossen – aber ohne Zustimmung jener Gewerkschaft, die die angestellten Lehrer vertritt. Sie will die Gehälter der Angestellten an die der Beamten angleichen – das gelang bisher nicht. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen. (duö)

USA: Lehrer arbeiten etwas weniger als andere Angestellte.

In den USA ist die Arbeitszeit für Lehrer nicht einheitlich geregelt, zuständig dafür sind die „School Boards"; die Mitglieder dieser Schulbehörden werden von den Bürgern des Bezirks gewählt. Wie lang Lehrer arbeiten, lässt sich am ehesten aus den Erhebungen des Arbeitsministeriums und des nationalen Statistikamtes erlesen. Einer Befragung des Census Bureau aus dem Jahr 2011 zufolge gaben die Lehrer im Durchschnitt an, 43,7 Stunden pro Woche zu arbeiten. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Arbeitszeit in vergleichbaren Berufen betrug damals 44,8 Stunden.

Ein bisschen anders sieht das in der Erhebung des Arbeitsministeriums aus 2008 aus: Dort gaben die Lehrer an, durchschnittlich um die 40 Stunden pro Woche mit Arbeit zu verbringen, im Klassenzimmer und außerhalb (jüngere weniger, ältere mehr). Im Vergleich zu anderen Vollbeschäftigten arbeiteten sie pro Tag 24 Minuten weniger.

Einer Erhebung des Arbeitsministeriums aus 2011 zufolge betrug das Durchschnittsgehalt pro Stunde (einschließlich Renten- und sonstigen Ansprüchen) 53,87 Dollar. Vergleichbare Arbeitnehmer in der Privatindustrie verdienten damals 46,61 Dollar. Lehrer in öffentlichen Schulen verdienen generell um rund acht Prozent mehr als jene in Privatschulen. (go)

Großbritannien: Schulreform bringt zusätzliche Arbeit für Lehrer.

Auch der Erfolg kann einem Politiker zum Verhängnis werden: Der konservative britische Unterrichtsminister Michael Gove setzte in den vergangenen fünf Jahren gegen den massiven Widerstand der Lehrergewerkschaft eine Schulreform durch. Obwohl selbst die Opposition die Veränderungen heute nur noch eher symbolisch kritisiert, flog er aus der Regierung, nachdem Umfragen ergeben hatten, dass er seine Partei die Wahlen kosten könnte.

Die Neuordnung in Englandsetzte auf die Förderung privater Schulbetreiber und eine deutliche Hebung der Unterrichtsstandards – darunter auch strengere und häufigere Prüfungen oder mehr schriftliche Hausübungen. Die Lehrergewerkschaft lehnte das ab – unter anderem, weil sie fanden, dass die Änderungen ihnen zusätzliche Arbeit aufbürden würden.

Zumal englische Lehrer laut OECD die höchste Arbeitsbelastung aller Lehrer in Europa haben: Im Schnitt arbeiten sie demnach 51 Stunden in der Woche, davon sind knapp 20 Stunden Unterricht in der Klasse, vier Stunden Verwaltungsarbeiten, sechs Stunden Benotung und acht Stunden Unterrichtsvorbereitung. 45 Prozent klagen über Belastung durch „unnötigen und bürokratischen Papierkram". (gar)

Norwegen: Lehrer und Schulleiter verhandeln über Unterrichtszeit.

Norwegen geht einen ganz eigenen Weg: Wie viel ein Lehrer unterrichtet, ist Sache der Schule, zentral wird das nicht festgelegt. Stattdessen gibt es eine Jahresarbeitszeit von 1688 Stunden über alle Schulstufen hinweg. Diese liegt im Schnitt knapp über der Arbeitszeit von Pädagogen in Österreich.

Welcher Teil davon unterrichtet wird, verhandeln Lehrer und Schulleiter. Dabei kann es auch durchaus schwierig werden. Ansonsten steht der Lehrer der Schule in seiner fixen Arbeitszeit zur Verfügung, und zwar für Projektarbeiten, Elterngespräche oder Ähnliches. Die Vor- und Nachbereitungen des Unterrichts sind zeitlich flexibel, dafür stehen aber meist nur 20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit zur Verfügung – bei uns beträgt dieser Teil mehr als die Hälfte. Allerdings gibt es pro Lehrer auch etwa dreimal so viel Unterstützungspersonal wie in Österreich.

 

 

Die Presse – 22. April 2015

 

 

Toni Innauer: "Leistung ist nicht für alle Schüler uncool"

Ex-Skispringer Toni Innauer darüber, was uns die Zivilisation „einbrockt", was Turnunterricht bringen sollte und über seine Jahre als Lehrer.

Die Presse: Sie sind ausgebildeter Lehrer und haben auch zwei Jahre unterrichtet: Mussten Ihre Schüler in den Psychologiestunden still sitzen?

Toni Innauer: Eher schon, ja. Ich habe aber auch Turnen unterrichtet: da natürlich nicht.

Fehlen an unseren Schulen Möglichkeiten für Bewegung?

Ich würde sagen: Das kommt doch etwas zu kurz. Vor allem, weil sich das außerschulische Umfeld dramatisch zuungunsten der Bewegung verändert hat. Der Körper bekommt zu wenig Reize für das, wofür er eigentlich programmiert ist.

Was muss die Schule da machen?

Die Schule kann natürlich nicht alles ausgleichen, was die sonstige Zivilisation uns da einbrockt. Aber sie kann einen Teil dazu beitragen. Natürlich bin ich ein Befürworter dessen, dass man sich täglich in der Schule bewegen sollte.

Ab Herbst gibt es eine abgespeckte Version der täglichen Turnstunde. Was halten Sie davon?

Das kommt immer darauf an, was man daraus macht. Entscheidend ist – und das sieht man ja inzwischen in der Schuldiskussion generell so – der Lehrer, die Lehrerin.

Begonnen hat die Debatte ja mit dem schlechten Abschneiden bei Olympia. Sind die Schulen wirklich für die Medaillen zuständig?

Das denke ich nicht. Aber eine tägliche Bewegungseinheit schafft zumindest eine gemeinsame Basis. Und sie führt vielleicht dazu, dass manche Kinder früh eine Neigung entdecken, die sie sonst nicht entdecken würden.

Müsste man dafür nicht Sportvereine stärker einbinden?

Die Modelle gibt es ja in Sportschulen. In normalen Schulen ist das nicht so einfach zu organisieren. Und Pädagogen, die ein breites Spektrum abdecken, kann ich wieder relativ schwer von den Vereinen kriegen.

Was sollte denn beim Turnen in der Schule eigentlich passieren, was sollten Schüler mitnehmen?

Im Idealfall sollten Schüler Sport als Teil ihres Lebens mitnehmen. Sodass sie vielleicht später Lust haben, weiterhin Sport zu treiben. Dann hat der Schulunterricht etwas vermittelt. Das ist ganz ähnlich wie beim Musikunterricht.

Was haben Schule und Sport gemeinsam?

Es geht um einen Lernprozess, um Beziehungen zwischen Menschen, in denen jemand etwas kann oder den anderen motiviert, etwas zu lernen, sich zu entwickeln. Seine Talente zu entwickeln, seine Stärken kennenzulernen. Wie man mit Fehlern umgeht, oder mit außergewöhnlichen Leistungen.

Wie kann man das in die Schule übertragen?

Man lernt dann Grundprinzipien. Die man auf andere Bereiche des Lebens oder in der Schule anwenden kann: etwa dass sich Anstrengung lohnt und dass mir das dann tatsächlich Spaß machen kann.

Leistung ist im Sport positiv besetzt – in der Schule für viele jedoch eher uncool.

Das ist nicht für alle uncool. Es gibt sehr wohl Schüler, die sich freuen, wenn anerkannt wird, wenn sie etwas gut können, dass sie etwas gelernt haben. Und das ist ein Prinzip, das man auch braucht: dass man Leistung anerkennt, aber keinen Terror daraus macht.

Fehlt Ihnen eigentlich die pädagogische Arbeit – als Lehrer, als Trainer?

Schon ein bisschen. Ich war kurz, aber wirklich sehr gern Lehrer. Ich merke auch heute bei Vorträgen und Workshops, dass ich von meiner Lehrerausbildung profitiere.

Vor dem Hintergrund der aktuellen hitzigen Debatten: Wären Sie heute gern noch mal Lehrer?

Ich habe ziemlichen Respekt vor den Lehrern. Sie haben einen sehr schwierigen Stand und werden oft ungerecht beurteilt. Man verwechselt auch häufig die Lehrer und die Lehrergewerkschaft. (beba)

ZUR PERSON

Toni Innauer (57) ist ein früherer Skispringer und Skisprungtrainer. Nach seiner Sportlerkarriere studierte er Lehramt (Sport und Philosophie/Psychologie) und unterrichtete zwei Jahre am Schigymnasium Stams. Bei der Tagung „Schule grenzenlos" des OEAD sprach er gestern über Schule und Sport.

 

 

"Der Standard" vom 22.04.2015                                Seite: 2

Ressort: THEMA

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Viel Geld und dennoch kaum Bewegungsspielraum

 

   Sie hat zwar mit 7,993 Milliarden Euro für 2015 das drittgrößte Budget im Vergleich mit den anderen Ressorts – und das wird auch bis 2019 so sein. Aber niemand hat wohl so wenig Spielraum wie Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Denn 95 Prozent des Geldes, das der Bund an das für Bildung und Frauen zuständige Ressort überweist, sind Fixkosten für Landes- (46,3 Prozent) und Bundeslehrer (36,6 Prozent), Mieten (6,6 Prozent), Verwaltungspersonal (3,5 Prozent) und andere Fixbeträge an die Länder (2,1 Prozent). Als disponibler Betrag bleiben also nur rund 400 Millionen – bei einer aktuellen Finanzlücke von 342 Millionen Euro. Oder in Heinisch-Hoseks Worten: „Wir haben ein strukturelles Problem."

 

   Im „Strategiebericht 2016– 2019" klingt das so: „Strukturell bedingt entfällt (...) der überwiegende Anteil der Auszahlungen auf die Bedeckung des Personalaufwandes für Bundes- und Lehrerinnen und -lehrer."

 

   Da dort Bildung als „zu den Grundpfeilern einer Demokratie" gehörig beschrieben wird, steht bei diesem Kapitel für die Jahre bis 2019 ein Plus, konkret um 7,8 Prozent. Dann soll die „Ausgabenobergrenze" von 8,6 Milliarden Euro erreicht sein.

 

   Durch die „Notfallsaktion" der Verschiebung der Schulmieten auf 2016 wurde die Lage zwar künstlich etwas entspannt, aber irgendwann schlägt die Stunde der Mieten, und die neuen kommen auch dazu – also wird dem Bildungsressort ein „verstärktes Ausschöpfen von Effizienzpotenzialen bei den Ermessensausgaben" auferlegt. Ermessen – was könnte das sein? Zum Beispiel interne Verwaltungsstraffungen, Förderungen, Infomaterialien oder Kampagnen.

 

   Die von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) verantworteten Bereiche Wissenschaft und Forschung sollen 2019 mit 4,366 Milliarden Euro dotiert werden, das wären gegenüber 2015 plus sechs Prozent. In diesem Bereich fließt der größte Teil in die Universitäten. Die Erhöhung von deren Globalbudget für die nächsten drei Jahre um 630 Millionen ist im Finanzrahmen, wie zugesagt, gedeckt. Dort wird auch die „Förderung der Fachhochschulen" versprochen. (nim)

 

   BILDUNG

 

 

"Kronen Zeitung" vom 22.04.2015                              Seite: 2

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi Mitte, Wi Nord, Wi Süd, Wi West

 

 

   Lehrer länger in Klasse.

 

Kanzler Faymann und Vize Mitterlehner bekräftigten gestern, dass Lehrer künftig zwei Stunden länger in der Klasse sein sollten. Das werde wie auch Einsparungen bei Beamten „Diskussionen mit der Gewerkschaft" auslösen.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 22.04.2015                             Seite: 26

Ressort: Lokal

 

O.Ö.

 

Uraltes Schulbehörden-System soll reformiert werden – aber richtig: Sparen ganz oben ist dabei angesagt

 

Fritz Enzenhofer (VP) ist Amtsführender Schulpräsident

 

   Auf das Jahr 1868 geht die Konstruktion der Schulbehörden zurück, seither bestand für jedes Land ein Landesschulrat, jeden Bezirk ein Bezirksschulrat, jede Schulgemeinde ein Ortsschulrat.

 

   Fast 100 Jahre dauerte es dann bis zur Abschaffung der Ortsschulräte, weitere gut 50 Jahre bis zum Ende der Bezirksschulräte. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dauert es noch 25 Jahre, bis der „Amtsführende Landesschulratspräsident", die Vizepräsidentin und das Landeskollegium abgeschafft sind. Der Bundesrechnungshof hält, wie berichtet, alle drei Funktionen für überflüssig, kostspielig und ineffizient. Tausende Lehrer, die sich in den Schulen meist hervorragend und kräfteraubend (das ist ohne Ironie gemeint!) um die immer heterogenere Schülerschar kümmern, hätten es tatsächlich verdient, dass auch „oben" mal kräftig reformiert wird.

 

   Kostbares Geld ließe sich hier ja auch holen, theoretisch: Die 18 Bezirksschulräte verursachten 2013 Aufwendungen in der Höhe von rund zwei Millionen €, rechnen die Prüfer vor. Doch wurden nur Bezeichnungen geändert, „eine Aufgabenreform fand somit nicht statt", so der Rechnungshof, dessen Kritik sich hier in erster Linie an den Bund richtet, der diese Reform verpfuscht hat.

 

   Das Ergebnis: „Der Landesschulrat für Oberösterreich konnte durch die Zusammenlegung der Büros der Pflichtschulinspektoren geringfügige Einsparungen im Sachaufwand erzielen", heißt es im Prüfberichtsentwurf. Oben zu reformieren, brächte mehr: Der laut Rechnungshof wegrationalisierbare Präsident (derzeit Fritz Enzenhofer) verdient heuer 144.200 € brutto, die abzuschaffende Vizepräsidentin (Brigitte Leidlmayer) 115.360 €. Die Landes-FP fordert das Aus für die Funktion des Amtsführenden Präsidenten schon lang.

 

 

"Kurier" vom 22.04.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

VP-Chef: "Zwei Stunden mehr" möglich

 

Bildungsbudget.Für Reinhold Mitterlehner ist längere Lehrverpflichtung "realisierbarer Ansatz"

 

   vonBernhard GaulDas kann sich nicht ausgehen: Im Bildungsressort von Gabriele Heinisch-Hosek steigt der Bundesfinanzrahmen zwar in den kommen Jahren kontinuierlich, aber bei Weitem nicht genug, um die strukturellen Mehrkosten abdecken zu können. Besonders die steigenden Gehälter für die 127.000 Lehrer, und auch höhere Mieten und die Instandhaltung der Schulen führen zu einer dramatischen "Unterdeckung" im Bildungsbereich.

 

   Konkret sieht das so aus:

 

   Für das laufende Jahr 2015 sind 7,99 Milliarden Euro für das Bildungsbudget vorgesehen - um 343 Millionen Euro zu wenig, wie auch das Ministerium bestätigt hat.

 

   Für 2016 steigt der Finanzrahmen auf 8,099 Milliarden Euro. Dann müssen allerdings Mietrückstände von 2014 (!) in Höhe von rund 90 Millionen Euro zusätzlich zu den aktuellen Mieten bezahlt werden. Zusätzlicher Spielraum ist also offenbar nicht vorhanden.

 

   In den Folgejahren 2017 und 2018 erhöht sich der Finanzrahmen um jeweils rund 70 Millionen Euro.

 

   "Der Bundesfinanzrahmen für 2016 bis 2019 nimmt keine Rücksicht auf die effektive Entwicklung der Kosten, die im Bildungsbereich durch die hohe Personalquote und die Mieten bedingt sind", warnt Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. "Der Finanzminister lässt das Bildungssystem sehenden Auges in den Abgrund fahren."

 

   Das Bildungsressort sei weiterhin von Kürzungen bedroht. "Schon für das laufende Budgetjahr fehlen 343 Millionen Euro."

 

   Lehrer-Mehrarbeit. Walser verweist auf einen entscheidenden Satz im Bundesfinanzrahmengesetz, der noch für viel Wirbel in diesem Jahr sorgen wird: "Ausschöpfung von Effizienzpotenzialen in der Unterrichtsorganisation bzw. Restrukturierung der mit der Unterrichtsorganisation verbundenen Ressourcenallokation."

 

   Gemeint ist damit nicht weniger als der Plan, die Lehrer - und zwar alle 127.000 - um zwei Stunden pro Woche länger unterrichten zu lassen. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner präzisierte das Vorhaben am Dienstag im Ministerrat: "Die zwei Stunden wären ein realisierbarer Ansatz, aber der jeweilige Fachminister muss den Vorschlag bringen." Nachsatz: "Die Medien wird das freuen. Wir werden schon noch die eine oder andere Auseinandersetzung mit den Betroffenen haben."

 

   Aus dem Bildungsressort hieß es dazu am Dienstag nur: "Wir werden die Unterdotierung gemeinsam mit dem Finanzminister in den Griff bekommen."

 

 

"Kurier" vom 22.04.2015                                   Seite: 13

Ressort: Computer&Kommunikation

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Digitale Quote für Schulbücher

 

Lerninhalte. Experte kritisiert, dass es für die Entwicklung von Lern-Apps keine Förderungen gibt

 

   von barbara wimmer. "Unsere Vorstellung von Schule ist leider noch häufig so, dass es heißt: Gelernt wird am Vormittag in der Schule, gespielt wird am Nachmittag zu Hause. Das ist falsch und gehört aufgebrochen. Denn Spielen ist die natürlichste Form des Lernens", sagt Jörg Hofstätter im Gespräch mit dem KURIER. Hofstätter beschäftigt sich schon seit Jahren mit interaktiver Wissensvermittlung und hat mit seiner Agentur ovos bereits zahlreiche digitale Anwendungen für Schüler realisiert. Darunter befindet sich etwa das mehrfach preisgekrönte Physik-Lernspiel "Ludwig", ein Computerspiel in mehreren Sprachen, das in Österreich als offizielles Unterrichtsmittel eingesetzt wird.

 

   Motivation. "In unserem Spiel befindet sich keine einzige Formel, sondern es geht darum zu zeigen, wie Dinge funktionieren", erklärt Hofstätter das Konzept dahinter. Lern-Apps seien vor allem dazu geeignet, Kinder und Jugendliche zu motivieren, mehr über Dinge in Erfahrung bringen zu wollen. "Kleinkinder lernen alles spielerisch. Aber sobald wir in die Schule kommen, beginnt der Ernst des Lebens. Für mich ist das eine katastrophale Formulierung", sagt Hofstätter. Statt dass sich Lehrpersonen als "allwissend" definieren, seien sie heutzutage vielmehr Trainer. "Technologie darf dabei nicht als Bedrohung gesehen werden, sondern als Hilfestellung", ergänzt Hofstätter.

 

   Auch das Bildungsministerium sieht Vorteile. "Der Mehrwert von mobile Apps liegt darin, dass sie individuelles Lernen unterstützen und die Möglichkeit bieten, auf das Lerntempo und die individuellen Lernfortschritte der einzelnen Schüler einzugehen", heißt es seitens des Ministeriums auf KURIER-Anfrage. Laut Hofstätter fehlt es aber an Werkzeugen, Zeit und Budget, damit Lehrer selbst smarte Lerninhalte entwickeln können. Hofstätter empfindet es als "anachronistisch", dass pro Jahr in Österreich 106 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern für Schulbücher ausgegeben werden, aber für digitale Mittel nichts. "Hier brauchen wir eine digitale Quote", fordert der Experte. Exakt zu diesem Thema gibt es seit einigen Monaten eine eigene Arbeitsgruppe zwischen Bildungs- und Familienministerium. "Ziel dieser Arbeitsgruppe ist die Umsetzung der im Regierungsprogramm vereinbarten Maßnahme der schrittweisen Ergänzung der klassischen Unterrichtsmittel durch digitale Medien im Rahmen der Schulbuchaktion zu erarbeiten", heißt es seitens des Bildungsministeriums dazu. Hofstätter hofft, dass es durch diese Arbeitsgruppe tatsächlich zu einem Umdenken kommt und auch digitale Lerninhalte mehr gefördert werden - und zwar auch finanziell.

 

   Unzeitgemäß "Niemand will die Schulbücher verbrennen, aber nur auf Bücher zu setzen ist einfach ein unzeitgemäßer Zugang", sagt Hofstätter. "Ich befürchte aber, dass alle Schulbuchverlage kleine, digitale Inseln bauen, die nicht miteinander korrespondieren. Es bräuchte aber ein offenes Ökosystem, damit die Schnittstellen von allen genutzt werden können."

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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