Donnerstag, 23. April 2015

2015.04.24: Newsletter Bildung

Österreich – 24. April 2015

 

Matura: Schüler gepflanzt

Die Schüler beklagen, dass Infos über die mündliche Matura zu spät kommen.

„Ich verstehe nicht, warum wir nicht früher Bescheid bekommen, das ist eine Frechheit", ärgert sich Bundesschulsprecher Lukas Faymann. Es geht wieder einmal um die Zentralmatura, die heuer erstmals an allen AHS-Standorten Pflicht ist.

Faymann beklagt, dass in Wien und dem Burgenland der genaue Termin für die mündliche Prüfung erst eine Woche vor dem Beginn der Klausuren den Schülern bekannt gegeben wird. „Im schlechtesten Fall wissen wir also gerade einmal eine Woche, bevor es so weit ist, wann wir genau die Prüfung haben, genaues Planen geht so nicht."

Zuständigkeit. Besonders ärgerlich für Faymann: In welchen Fächern die Maturanten mündlich antreten, steht schon seit Jänner fest. Die späte Bekanntmachung ist Sache der Landesschulräte, so der Bundesschulsprecher. In Tirol und Oberösterreich ist die Entscheidung über die Terminbekannt­gabe gleich an die Schulen ausgelagert worden.

Faymann will das Thema heute in Steuerungsgremium der Zentralmatura ansprechen.

 

 

Kurier – 24. April 2015

 

Lehrer-Arbeitszeit: Aus zwei mach' fünf. Lehrervertreter kritisieren die Regierenden scharf.

Die Lehrer werden mehr bei den Kindern sein" – so erläuterte die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied 2009, warum sie die Lehrer zu zwei Stunden mehr Unterricht pro Woche verpflichten will. "Es geht nicht um eine längere Arbeitszeit, sondern um zwei Stunden mehr Anwesenheit in der Klasse" – so erläutert nun Kanzler Werner Faymann, warum die jetzige Regierung Lehrer zu zwei Stunden mehr Unterricht verpflichten will.

Pädagogenvertreter toben. AHS-Gewerkschaftschef Eckehard Quin: "Das bedeutet Krieg." Nicht nur ob der martialischen Diktion missfällt vielen der Aufstand gegen den rot-schwarzen Plan. "Zwei Stunden mehr bei den Kindern" seien sinnvoll.

Was bedeutet eine höhere Unterrichtspflicht tatsächlich? Nicht das, was die Regierenden suggerierten, befinden Standesvertreter und der Direktor des Linzer Peuerbach-Gymnasiums, Christian Schacherreiter. "Zu sagen, zwei Stunden mehr Unterricht bedeutet, mehr Zeit bei den Kindern zu verbringen, ist eine Lüge. Jedes Kind wird weniger Zeit zur Verfügung haben von jedem Lehrer, weil sich der eine Klasse dazu nehmen muss", sagt Pflichtschullehrergewerkschaftsboss Paul Kimberger.

"Entweder ist das, was Politiker sagen, bewusst manipulativ – oder es zeigt völlige Ignoranz und Unkenntnis vom Schulgeschehen", urteilt Quin. Schacherreiter geht nicht von "Unwissenheit" aus: "So dumm stelle ich mir Politiker nicht vor." Deren Befund, zwei Stunden mehr seien "pädagogisch wertvoll", ist für ihn "Zynismus. Es geht nicht um mehr Unterrichtsqualität, sondern um Sparzwang, zu dem die Regierung nicht stehen will."

Die beiden erläutern das anhand eines Beispiels: Eine Englisch- und Geschichtelehrerin an einem Gymnasium wäre nicht länger bei den Kindern in jenen Klassen, die sie schon hat. Um auf zwei Stunden mehr zu kommen, müsse sie eine weitere Klasse in Geschichte übernehmen. Möglicherweise sind es auch zwei – weil es seit der Ära von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer in einigen Jahrgängen auch Fächer mit nur einer Wochenstunde gibt. Damit hätte ein Lehrer 25 oder 50 Kinder mehr zu unterrichten. Quin: "Da soll mir die individuelle Betreuung einer vorhüpfen." Inklusive Vorbereitung, Testkorrekturen etc. kämen Pädagogen damit nicht auf zwei Stunden, sondern auf fünf Stunden Mehrarbeit pro Woche. "Und da redet der Kanzler davon, dass die Arbeitszeit nicht erhöht werde", echauffiert sich Schacherreiter.

Die Folge: Überstunden fielen weg. Und rund 12.000 Pädagogen weniger seien vonnöten, sagt Quin. "In den meisten Fällen ginge das ohne Kündigungen. Junglehrer haben befristete Verträge, bis zu fünf Jahre, für jeweils ein Schuljahr. Diese Verträge würden nicht verlängert." An Schacherreiters Schule mit derzeit 80 Pädagogen hieße das: "Ich habe für sieben bis acht Lehrer keine Stunden mehr. Junge zu verlieren, wäre sehr schade, weil eine altersmäßige Durchmischung wichtig ist."

Nur ein paar Rechenstunden der Koalitionäre haben ergeben: Mit der höheren Lehrpflicht würden 360 Millionen Euro eingespart.

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 24.04.2015            Seite: 26

Ressort: Land & Leute

 

 

Wirbel um Benotung für Zentralmatura

 

   Linzer Maturanten verunsichert: "Bewertung in Deutsch plötzlich verschärft"

 

   Von Herbert Schorn

 

   linz. Eineinhalb Wochen vor dem Start der Zentralmatura herrscht Verunsicherung an einem Linzer Gymnasium. Konkret geht es um die Benotung der Deutsch-Klausur. Diese wird mit einem komplizierten Raster aus 28 Teilgebieten bewertet, die vom Inhalt über den Stil bis zur Grammatik, etwa der Beistrichsetzung, reichen.

 

   "Bisher konnte man sich schlechte Leistungen in einem Bereich durch gutes Abschneiden in anderen ausbessern", sagt ein Maturant. Das gehe nun nicht mehr, habe ihnen die Deutsch-Professorin mitgeteilt. "Wenn man in einem Bereich negativ ist, ist die ganze Matura negativ", sagt er. Das hieße: Wer etwa bei den Beistrichen versagt, könnte trotz inhaltlich brillanter Arbeit negativ sein. "Das wurde jetzt zwei Jahre lang anders gehandhabt", sagt der Schüler.

 

   Der zuständige Landesschulinspektor Helmut Schwabegger versucht zu beruhigen: "Es beurteilt nicht der Raster, sondern der Lehrer." Was er damit meint: Die Schüler müssen bei der Matura zwei Texte verfassen. Stil/Ausdruck sowie Grammatik und Rechtschreibung werden aber für beide Texte gemeinsam bewertet. "Da können Fehler ausgeglichen werden", sagt er. Außerdem ließen die Anweisungen des Ministeriums, was die Schüler etwa für ein Genügend leisten müssen, viel Interpretationsspielraum für die Lehrer offen. So wird etwa in puncto Beistriche für ein Genügend die "deutlich erkennbare Anwendung der Zeichensetzung" verlangt.

 

   Auch Thomas Riedl, Leiter der Vereinigung aller Deutschlehrer an Gymnasien in Oberösterreich, bestätigt, dass bei der Benotung viel in der Verantwortung des Lehrers bleibt. Aber wozu dann der Raster? Er sei ein Mittel zur Professionalisierung der Beurteilung: "Manche haben bisher den Blick vielleicht zu sehr auf Grammatik oder Stil gerichtet. Der Raster zwingt uns, den Blick zu weiten."

 

   Unterdessen hat die Lehrerin in dem Linzer Gymnasium versucht, ihre Schüler zu beruhigen. "Nur die Beistriche falsch zu setzen, ist sicher kein alleiniges Kriterium für eine negative Matura", sagt sie den OÖN. Die Aufregung in der Klasse habe sich gelegt: "Ich bin überzeugt, dass die Schüler gut vorbereitet sind und die Deutsch-Matura gut ablaufen wird."

 

 

"Kurier" vom 24.04.2015                                   Seite: 24

Ressort: Leben

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Neue Reifeprüfung

 

Countdown zur ersten zentralen Matura

 

Start am 5. Mai.Schüler sind gelassen, Eltern wollen frühere Bekanntgabe der mündlichen Termine

 

   von Ute Brühl. In elf Tagen ist Startschuss für die Zentralmatura. Dann werden alle 20.000 AHS-Schüler über den gleichen schriftlichen Prüfungsaufgaben sitzen. Am 5. Mai steht Deutsch auf dem Terminplan, am Tag darauf Englisch. Spannend wird für viele der 11. Mai, der Tag der Mathematikmatura.

 

   So wie für Marie Spreitzer, Schülerin an der Neulandschule in Wien. Sie hat großen Respekt vor diesem Fach: "Früher war es einfacher", ist sie überzeugt: "Du hast ein Beispiel im Buch verstanden und nach diesem Schema ähnliche Aufgaben gelöst. Heute sind die Aufgabenstellungen vor allem für Nicht-Mathematiker anspruchsvoller. Es ist auch unfair, dass wir die gleichen Aufgaben haben wie die Schüler vom Realgymnasium, obwohl wir weniger Unterricht haben. Wäre mir das von Anfang an bewusst gewesen, hätte ich den naturwissenschaftlichen Zweig gewählt."

 

   Ganz entspannt ist hingegen Carina Ambrus von der AHS Maroltingergasse. "Bei uns ist die Probeschularbeit des BIFIE ganz gut ausgefallen. Vor Mathe fürchte ich mich also nicht." Etwas ambivalent sieht sie die Benotungskriterien für Deutsch: "Ein Beistrichfehler zu viel und du bist durchgefallen."

 

   Bravourös gemeistert haben die Schülerinnen die Präsentation ihrer vorwissenschaftlichen Arbeiten (VWA). "Da beschäftigst du dich mit einem Thema, das dir gefällt. Ich habe eine VWA zum Thema Meniskustransplantationschirurgie geschrieben." Schließlich will sie nach der Matura Medizin studieren. Die Aufnahmeprüfung ist bereits am 3. Juli: "Das ist natürlich sehr knapp - nur zwei Wochen nach der mündlichen Matura im Juni. Weil ich aber drei mal die Woche einen Vorbereitungskurs für den Test mache, bin ich da gelassen."

 

   Marie Spreitzer weiß auch schon, was sie nach der Matura machen will: "Ich möchte Chemie studieren." Ihre mündliche Prüfung wird sie in "Ernährungswissenschaften und Chemie mache. Da freue ich mich schon auf die mündliche Prüfung - eine gute Vorbereitung für die Uni."

 

   Schlechtes Timing. Unzufrieden sind Schüler- und Elternvertreter wie Theodor Saverschel mit der Planung der mündlichen Matura: "Die Termine werden zu spät bekannt gegeben. Und auch auf die Ergebnisse müssen die Schüler zu lange warten. Uns wäre eine Bekanntgabe vor der schriftlichen Matura am liebsten." Hintergrund: Bisher dauerte die mündliche Matura meist drei Tage, jetzt kann sie bis zu zwei Wochen dauern. "Da würde ich gerne wissen, ob ich in zwei Tagen Englisch und in zehn Tagen Mathe." Zudem ist auch der Fragenpool größer als früher. Eine Regelung könnte bei der heutigen Sitzung der Bundesreifeprüfungskommission gefunden werden.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 24.04.2015                             Seite: 24

Ressort: Lokal

 

Ktn

 

Enger Terminplan verhindert „Nachzapf" Landesschulrat befürchtet Proteste

 

Keine Zeit für die Zentralmatura

 

Mehr als 1500 Maturanten aus Kärnten erhalten bereits kommende Woche ihre Jahreszeugnisse. Wer einen oder mehrere Fünfer hat, wird sich heuer doppelt ärgern: Aufgrund der österreichweiten Zentralmatura ab 4. Mai bleibt kaum Zeit für eine Nachprüfung. Der Landesschulrat stellt sich bereits auf heftige Proteste ein.

 

   In den heimischen Schulen wird schon eifrig für die Matura trainiert

 

   In vielen Schuldirektionen rauchen bereits die Köpfe. Denn die NotenkonferenzenCHRISTIAN ROSENZOPFfür die Maturaklassen sind im vollen Gang. „Nächste Woche wissen wir dann, wie viele Schüler bei der Matura antreten", so Landesschulratschef Rudi Altersberger.

 

   Und das könnte wirklich knapp werden: Im Falle eines Fünfers gibt es aufgrund der österreichweiten Zentralmatura (ab 4. Mai) kaum die Möglichkeit zur Nachprüfung vor der Matura.

 

   Das hieße: Viele „Fleck-Kandidaten" müssten die Matura auf Herbst verschieben. Altersberger: „Daher rechnen wir mit vielen Noten-Beeinspruchungen. Unsere Rechtsabteilung ist fürs Wochenende abgestellt."

 

   Das Ministerium müsste künftig mehr zeitlichen Puffer einplanen. Altersberger: „Man hat wohl darauf vergessen, dass es unterschiedliche Ferienzeiten gibt"

 

   Heiße Diskussionen gibt es aber auch um den zweiten „Nachzapf" im Herbst (für alle Maturanten mit zwei Fünfern im Zeugnis).

 

   Der Landesschulrat ruft Schulen dazu auf, den „Nachzapf" schon in der letzten Ferienwoche durchzuziehen, um nicht mit der Matura in der ersten Schulwoche zu „kollidieren".

 

   Die Lehrergewerkschaft legt sich quer. „Ein Landesschulrat ist nicht das zuständige Gremium", so Georg Stockinger von der AHS-Gewerkschaft. Das dürfe nur der Schulgemeinschaftsausschuss beschließen.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 24.04.2015             Seite: 3

Ressort: Politik

 

 

Trotz Rechnungshof-Kritik: SPÖ hält an Landesschulrats-Vize fest

 

   Zur geplanten Erhöhung der Unterrichtszeit für Lehrer will SP-Bildungssprecherin Promberger keine Position beziehen

 

   Linz. Die Formulierung des Bundesrechnungshofes (RH) war unmissverständlich. In einem Rohbericht stellte er fest, dass es "nicht mehr zweckmäßig und überdies kostenintensiv" sei, dass Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) als eigentlicher Präsident des Landesschulrates einen amtsführenden Präsidenten bestellt. Anstelle von Fritz Enzenhofer (VP), der diesen Job seit 2001 ausübt (Gehalt: 10.300 Euro brutto monatlich), sähen die RH-Prüfer am liebsten einen direkt dem Bildungsministerium unterstellten Bundesbeamten. Und die Position der LSR-Vizepräsidentin Brigitte Leidlmayer (SP, monatlich 8240 Euro brutto) gehöre überhaupt abgeschafft, so der RH.

 

   "Wichtige Kontrollfunktion"

 

   Während sich Leidlmayer dazu weiter nicht äußern will, beharrte SP-Bildungssprecherin Sabine Promberger gestern auf die Beibehaltung des Postens, den die SPÖ als zweitstärkste Partei im Land besetzt. Leidlmayer erfülle die "wichtige Funktion der Kontrolle" des VP-dominierten Landesschulrats. "Nur wenn man ein Rad aus einem System schraubt, ändert das nichts", sagt Promberger.

 

   So würde ihre Fraktion auch wieder dagegen stimmen, sollten Grüne und FPÖ erneut eine Resolution zur Abschaffung des LSR-Vize (zuständig ist der Bund) planen, sagt Promberger.

 

   Nicht Position beziehen will die rote Bildungssprecherin hingegen zu der von der Regierungskoalition und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) angekündigten Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung für alle Lehrer um zwei Stunden.

 

   Anders ihr Parteikollege Franz Turek, Landesvorsitzender des Sozialdemokratischen Lehrervereins (SLÖ). "Da sind wir dagegen", sagt Turek. Und so wie Promberger, Leidlmayr, der Hochschulratsvorsitzenden der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich, Fritz Bauer, und Lorenz Lassnig vom Institut für Höhere Studien (IHS) kritisiert auch Turek die Empfehlungen der Beamten-Expertengruppe für eine neue Schulverwaltung. Anstatt die Kompetenzen dem Bund zu übertragen, drohe eine Verländerung des Schulwesens, die das System weder billiger mache noch einheitliche Vorgaben bringe. (eda)

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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