Montag, 27. April 2015

2015.04.28: Newsletter Bildung

"Salzburger Nachrichten" Nr. 98 vom 28.04.2015               Seite: 6

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Die Rolle des Lehrers wandelt sich

 

   Eine Reform von Aus-und Weiterbildung ist dafür notwendig.

 

   Österreichs Schulwesen ist reich an Baustellen – zu viele Sackgassen und zu wenig Durchlässigkeit. Zwischen den vielfältigen Schultypen gibt es mehr abgrenzende Schnittstellen als verbindende Nahtstellen. Zukünftig müssen die individuellen Interessen, Neigungen und Lerngewohnheiten der Kinder und Jugendlichen sowie das Bildungspotenzial neuer Medien viel stärker berücksichtigt werden als heute.

 

   In diesem Zusammenhang müssen sich auch die Rollen der Lehrer wandeln: vom Unterrichten und Prüfen hin zum Animieren, Arrangieren, Moderieren und Evaluieren von Projekten und selbst organisierten Lernprozessen. Dies erfordert jedoch eine umfassende inhaltliche Reform der Aus- und Weiterbildung von Lehrern. Außerdem muss politische Bildung zukünftig einen deutlich höheren Stellenwert erhalten. Denn die Demokratie ist die einzige Staatsform, die ohne politisch gebildete Bürgerinnen und Bürger nur sehr begrenzt funktionieren kann. Auch die weitgehend ungelöste Zukunftsfrage nach dem pädagogischen Umgang mit Beeinträchtigungen, Behinderungen und Verhaltensoriginalität kann hier nur angedeutet werden. Derzeit wird jedenfalls zu viel ausgesondert und zu wenig integriert.

 

   Erfreulicherweise kommt die hierzulande seit vielen Jahrzehnten überwiegend ideologisch geführte Schul-Diskussion neuerdings auf eine sachlichere und fachlichere Spur. Aber führen diese vorsichtigen Reformdiskurse bis 2033 zu der unverzichtbaren, tiefgreifenden Innovation der Schulorganisation und des Schullebens? Immerhin 61 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher können sich das vorstellen; Frauen sind hoffnungsvoller als die Männer. Sehr optimistisch sind die 30- bis 44-Jährigen. Weniger stark glauben die 16- bis 29-Jährigen und die Altersgruppe 60 plus an eine bessere Zukunft des Schulsystems.

 

 

"Der Standard" vom 28.04.2015                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

53 Prozent mehr Schüler mit Deutschproblemen in Wien

 

Starker Anstieg seit 2010 – Flüchtlingswelle als Mitgrund

 

   Wien – Die Zahl der außerordentlichen Pflichtschüler in Wien ist seit dem Schuljahr 2010/11 laut Standard-Informationen um 53 Prozent gestiegen. Das sind jene Schüler mit Migrationshintergrund, die die Schule besuchen, dem Unterricht in Deutsch aber nicht folgen können und nicht benotet werden.

 

   Gab es in Wien vor vier Jahren 7900 außerordentliche Schüler, waren es mit Beginn dieses Schuljahres 12.100. Von den 100.000 Pflichtschülern in Wien haben mehr als 60.000 Schüler eine andere Erstsprache als Deutsch. Jeder fünfte Schüler mit Migrationshintergrund wird als außerordentlich geführt. Die Maßnahme ist bis zu zwei Jahre möglich. Spätestens dann muss nach dem nötigen Spracherwerb die Umstufung auf „ordentlich“ erfolgen. Der starke Anstieg seit 2010 sei laut Stadtschulrat auch auf Flüchtlingswellen zurückzuführen.

 

   Die Einstufung betrifft vor allem Kinder in Wien: Österreichweit wurden laut aktuellen Zahlen von 2012/13 13.500 Pflichtschüler als außerordentlich geführt. In Wien waren es 10.000. (red) Seite 8

 

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"Der Standard" vom 28.04.2015                                Seite: 8

Ressort: InlandChronik

 

David Krutzler

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Wien: Zahl außerordentlicher Schüler stark gestiegen

 

   In Wien ist die Zahl der außerordentlichen Schüler seit 2010 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das sind jene Schüler, die dem Unterricht in Deutsch nicht folgen können. Die ÖVP will eigene Klassen für zugezogene Kinder.

 

   Wien – Es ist eine besondere Herausforderung, der sich die wachsende Stadt Wien im Pflichtschulsektor zu stellen hat: Die Zahl von Schülern mit Migrationshintergrund wird immer größer. Besuchten im Schuljahr 2000/01 rund 38.500 Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch die Wiener Pflichtschulen, sind es aktuell bereits mehr als 60.000. Insgesamt gibt es derzeit etwa 100.000 Pflichtschüler in Wien.

 

   Darunter sind auch Schüler, die der Unterrichtssprache Deutsch noch nicht folgen können. Trotz der mangelhaften Deutschkenntnisse können Direktoren jene Kinder, die die Schulreife erreicht haben, als „außerordentlich“ einstufen lassen. Der Vorteil: Kinder werden durch spezielle Sprachförderkurse gefördert, nehmen am Schulleben teil, werden aber nicht benotet. Diese Maßnahme ist bis zu zwei Jahre möglich. Spätestens dann muss der Spracherwerb so gegeben sein, dass die Kinder zu „ordentlichen Schülern“ umgestuft werden können.

 

   Die jüngste Entwicklung ist allerdings alarmierend: Die Zahl der „außerordentlichen Schüler“ ist in den vergangenen vier Jahren um mehr als die Hälfte angestiegen. Gab es in Wien 2010/11 rund 7900 außerordentliche Schüler in den Pflichtschulen, waren es mit Beginn des aktuellen Schuljahres 2014/2015 rund 12.100. Das geht aus einer aktuellen Anfragebeantwortung von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) hervor. Jeder fünfte Schüler mit Migrationshintergrund wird also als „außerordentlicher Schüler“ geführt.

 

   ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb kritisiert „das mangelnde Engagement der rot-grünen Stadtregierung, diese Zahl zu senken. Wir brauchen eine Qualitätsoffensive sowohl in Kindergärten als auch in Schulen“, sagt Leeb. Die Fördermaßnahmen der Stadt Wien müssten evaluiert und verbessert werden. Für zugezogene, bereits schulpflichtige Kinder fordert Leeb eigene Vorbereitungsklassen.

 

   Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) spricht sich hingegen dezidiert gegen „Ausländerklassen“ aus. Man müsse Kindern, die die Unterrichtssprache Deutsch noch nicht beherrschen, Zeit geben, sich in der Schule zurechtzufinden, heißt es aus dem Büro Brandsteidls.

 

   Der starke Anstieg der Anzahl von Schülern mit großen Deutsch-Defiziten in den vergangenen Jahren sei einerseits sicher auf größere Flüchtlingswellen zurückzuführen. So habe es 2003 fast 14.000 außerordentliche Schüler in Wien gegeben. Andererseits sei dieser auch der problematischen Bundesgesetzgebung geschuldet: So können außerordentliche Schüler nach dem notwendigen Spracherwerb auch nach einigen Wochen oder Monaten zu ordentlichen Schülern umgestuft werden. Umgekehrt sei das nicht möglich. „Es gibt die Tendenz, dass Schulleiter Kinder mit großen Sprachdefiziten zunächst eher als außerordentlich klassifizieren.“

 

   Bildungsexperten kritisieren einen weiteren Grund für den Anstieg: So seien die Bundesgelder für spezielle Sprachförderkurse in Pflichtschulen an den Status der Schüler gekoppelt. Das bedeutet: Nur wenn der Status auf „außerordentlich“ lautet, gibt es spezielle Deutsch-Sprachförderkurse.

 

   Schnittstelle verbessern

 

   Laut Leeb müsste in Wien gerade die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Volksschule für den Spracherwerb von Schülern verbessert werden. Die Stadt verweist auf das beitragsfreie Kindergartenjahr und auf den Ausbau der Bildungscampus. Allein für die Kindergärten gebe die Stadt im Jahr 2015 mehr als 700 Millionen Euro aus. Die Sprachenvielfalt sei auch als Potenzial zu begreifen: So werden in Wiens Schulen an die 80 Sprachen gesprochen.

 

 

"Kurier" vom 28.04.2015                                    Seite: 2

Ressort: Supple

 

Abend, Morgen

 

"Im 21. Jahrhundert ist Qualität und Leistung gefordert"

 

Interview. Landeshauptmann Hans Niessl über mehr Jobs für Burgenländer, die Bildung als Zukunftsinvestment, Tourismus als Jobmotor, Spitzenwinzer und ein energieautarkes Burgenland.

 

   KURIER: Das Burgenland war früher Schlusslicht Österreichs. Heute ist es im Bundesländervergleich ganz vorne. Wie hat es das Burgenland so problemlos durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre geschafft?Hans Niessl: Für das Burgenland hat es in den vergangenen Jahrzehnten zwei wichtige Ereignisse gegeben: Das war zum einen der Fall des eisernen Vorhangs. Es war natürlich wahnsinnig schwierig, Betriebe zu motivieren, sich im Schatten des 400 Kilometer langen Vorhangs anzusiedeln. Das zweite wichtige Ereignis war der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. Das Burgenland wurde damit Ziel-eins-Gebiet und bekam in den letzten Jahren die besten Förderungen der Europäischen Union.

 

   Das wirkt bis heute nach?

 

   Mit diesen Mitteln der Europäischen Union, der Ko-Finanzierung des Bundes und den sehr hohen Mitteln des Landes haben wir im letzten Jahrzehnt Rahmenbedingungen geschaffen, die jetzt erst so richtig zu wirken beginnen. Aufgrund der ausgezeichneten Infrastruktur siedeln sich immer mehr Betriebe im Burgenland an. Das Bildungsniveau ist enorm gestiegen, der Tourismus legt im Sommer wie auch im Winter stetig zu und auch im Weinbau spielen wir mittlerweile im globalen Spitzenfeld mit.

 

   Die Zeit der Burgenländerwitze ist vorbei?

 

   Ja, denn heute ist das Burgenland zu einer echten Vorzeigeregion geworden. Das Wichtigste aber ist, dass die Burgenländer heute stolz darauf sind, Burgenländer zu sein. Sagten viele Burgenländer früher, dass sie aus dem Umfeld von Wien kommen, so stehen sie heute dazu, dass sie aus dem Burgenland kommen. Wir sind deutlich selbstbewusster geworden, ohne ins Überhebliche abzugleiten. Heute agieren wir auf Augenhöhe mit den anderen Bundesländern.

 

   Die Arbeitslosigkeit ist im Burgenland geringer als im österreichischen Durchschnitt, trotzdem erscheint die Lage am Arbeitsmarkt als sehr schwierig. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

 

   Jeder Arbeitslose im Burgenland ist einer zu viel. Die Menschen in unserem Land haben zudem Sorge um ihren Arbeitsplatz. Das Thema Beschäftigung ist mit Abstand der wichtigste Bereich in unseren Anstrengungen. Ich habe daher das Jahr 2015 zum Jahr der Beschäftigung erklärt. Ich sage ganz klar: Ich will Vollbeschäftigung im Burgenland bis 2020. Jedes Jahr sollen 1000 neue Jobs entstehen. Viele meiner Wegbegleiter und Berater haben mich davor gewarnt und gesagt, dass dies in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie jetzt unmöglich sei. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir das schaffen. Und, erste Erfolge haben wir schon vorzuweisen. Das neue Fachmarktzentrum in Parndorf beschäftigt über 300 Mitarbeiter. 80 Prozent davon kommen aus dem Burgenland. Und genau das ist mir besonders wichtig!

 

   Ihr Ziel ist es somit, mehr Menschen aus der Region, also aus dem Burgenland, in Beschäftigung zu bringen?

 

   Genau. Ich will, dass mehr Burgenländer in Beschäftigung kommen. Und genau für dieses Ziel werde ich hart arbeiten. Die Wirtschaftspolitik des Landes braucht eine Kurskorrektur. Burgenländerinnen und Burgenländer müssen so gut qualifiziert werden, dass sie auch einen Arbeitsplatz bekommen. Das ist auch meine wichtigste Bedingung für eine Koalition nach dem 31. Mai. Ich kann es nämlich nicht verantworten, dass mit burgenländischem Steuergeld nicht-burgenländische Arbeitnehmer gefördert werden.

 

   Ein weiterer Schwerpunkt Ihrer politischen Arbeit ist das Thema Bildung. Wo lagen hier die Schwierigkeiten im Burgenland?

 

   Sie müssen sich vorstellen, dass es in den 60er-Jahren im Bezirk Neusiedl, dem heute größten Bezirk des Burgenlands, keine einzige maturaführende Schule gegeben hat. Jetzt haben wir dort vier maturaführende Schulen. Aber wir haben auch als erstes Bundesland in Österreich die Neue Mittelschule flächendeckend eingeführt. Gemeinsam mit Wien haben wir die höchste Kinderbetreuungsquote für Drei- bis Fünfjährige. Wir liegen österreichweit mittlerweile im Spitzenfeld bei den ganztägigen Schulformen. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung. Heute sind wir das Bundesland mit der höchsten Maturanten-Quote in Österreich.

 

   Welche Schwerpunkte werden Sie in der Bildung in den nächsten Jahren setzen?

 

   Zentral ist für mich ein weiterer Ausbau der praxisorientierten Ausbildung. Das ist wichtig für den Standort und führt dazu, dass sich immer mehr Unternehmen im Burgenland ansiedeln. Mit den bereits bestehenden Fachhochschulen ist die Anzahl der Studenten in den letzten 15 Jahren von null auf 1900 gestiegen.

 

   Beim Thema Bildung gibt es noch immer sehr viel Potenzial. Hier ist aber auch die Initiative des Bundes gefragt. Ist hier mit einer baldigen Reform des österreichischen Bildungswesens zu rechnen?

 

   Den gesamten Bildungsbereich muss man endlich entkrampfen. Die Landeshauptleute Erwin Pröll, Wilfried Haslauer, Peter Kaiser und ich verhandeln im Augenblick mit der Bildungsministerin eine Bildungsreform. Ich bin sehr optimistisch, dass wir bis Ende des Jahres konkrete Ergebnisse vorweisen können, um die Qualität im Bildungsbereich österreichweit anzuheben.

 

   Wo hat es bisher gehakt?

 

   Ich glaube, man ist zu sehr in den Traditionen verhaftet gewesen. Aber wir müssen uns endlich die Fragen stellen, wie schaut ein modernes Bildungssystem beziehungsweise eine Schule im 21. Jahrhundert aus? Wenn es zum Beispiel Finnland alle zehn Jahre schafft, einen neuen Bildungsplan zu entwickeln, sollte das auch in Österreich möglich sein. Die Gesellschaft verändert sich, die Anforderungen verändern sich, die Wissenschaft verändert sich. Darauf müssen wir einfach schneller und flexibler reagieren. Im 21. Jahrhundert ist Tempo, Qualität und Leistung gefordert.

 

   Neben der Bildung haben Sie auch den Tourismus im Vier- und Fünfsterne-Bereich enorm ausgebaut. Lohnt sich das überhaupt?

 

   Die Thermen sind für das Burgenland ein wichtiges Standbein, besonders im Wintertourismus. Die Thermen in Lutzmannsburg, in Bad Tatzmannsdorf, in Stegersbach und die St.-Martins-Therme in Frauenkirchen verzeichnen insgesamt rund 1,2 Millionen Gäste pro Jahr. Und die Besucherzahlen steigen weiter. Jede Therme hat einen eigenen Schwerpunkt: Ich behaupte, die Therme in Lutzmannsburg ist die beste Kinder- und Jugendtherme Europas.

 

   Die St.-Martins-Therme ist die einzige Therme Europas, die in direkter Verbindung zu einem Nationalpark steht. Die Therme in Stegersbach bietet, mit den Betrieben die dort sind, eine einzigartige Qualität, die auch Europa-Spitze ist. Und die Therme Bad Tatzmannsdorf ist mit 550.000 Nächtigungen pro Jahr überhaupt der größte Tourismusort des Burgenlandes und eine internationale Vorzeige-Gemeinde. Wir glauben aber, dass wir hier noch einiges an Ausbaupotenzial in den nächsten Jahren haben.

 

   Ist der Tourismus für Sie ein wichtiger Jobmotor?

 

   Auf jeden Fall, aber wir wollen uns deutlich breiter aufstellen und auch in anderen Segmenten neue Jobs schaffen. 2015 wird für uns das Jahr der Beschäftigung, denn wir wollen im Rahmen unserer Schwerpunktsetzung wirklich Probleme lösen und nicht einfach nur Kosmetik betreiben. Zum Beispiel stellt die Firma Triumph die Produktion im Burgenland ein und 150 Burgenländer werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Wir haben sofort reagiert und eine Arbeitsstiftung gegründet. Die ehemaligen Triumph-Mitarbeiter bekommen nun eine Ausbildung als Pflegehelfer oder im Tourismus-Bereich bezahlt.

 

   Eng an den Tourismus ist im Burgenland auch der Weinbau gekoppelt. Wie befruchten sich die beiden Branchen gegenseitig?

 

   Zum Beispiel war im November früher im Burgenland tote Hose. Heute ist der November praktisch ausgebucht. Viele kommen wegen des jungen Weines, den Wein-Segnungen und dem Tag der offenen Kellertüren. Der Weinbau ist auch für den Tourismus eine wesentliche Säule. Gleichzeitig hat sich Qualität des Weins im Burgenland enorm entwickelt. War es früher Masse, so ist heute Spitzenqualität gefragt.

 

   International ist der burgenländische Wein mehr ein Insidertipp, aber die Weine unsere Top-Winzer können mit den weltbesten aus Chile, Südafrika und Australien locker mithalten. Auf unsere neue Generation von Winzern bin ich stolz. Sie sind sehr innovativ, qualitätsbewusst und können sich auch präsentieren.

 

   Sie haben das Zukunftspaket 2020, das Investitionen in Höhe von 2,75 Milliarden Euro vorsieht, verabschiedet. Was soll mit diesem Geld passieren?

 

   Einerseits wollen wir die Infrastruktur weiter Ausbauen und Projekte wie zum Beispiel die A4 im Nordburgenland Generalsanieren und auf drei Spuren erweitern. Auch die S7 im Südburgenland wird nach einem jahrelangen und harten Kampf weiter ausgebaut. Das sind wichtige Lebensadern für Pendler und für den Wirtschaftsstandort Burgenland. Zusätzlich investieren wir Millionen in einen weiteren Schulausbau, um auch das Bildungssystem aus baulicher Sicht modern zu gestalten.

 

   600 Millionen vom Investitionspaket sollen auch in den Wohnungsbau fließen. Braucht es überhaupt so viel Wohnraum im Burgenland?

 

   Wir haben einen Zuzug aus anderen Bundesländern. Viele Wiener und Niederösterreicher ziehen, aufgrund der guten Wohnbauförderung zu uns. Zudem ist im Burgenland der Kindergarten gratis und wir haben auch keine Studiengebühren an den Fachhochschulen. Für die neuen Burgenländer brauchen wir Wohnraum und deshalb fördern wir 1500 Wohneinheiten pro Jahr.

 

   Beim Thema Energie streben Sie Autarkie an?

 

   Strom-Autark sind wir schon, doch wir wollen in den nächsten Jahren Energie-Autark werden. Schon heute sind wir sind in Europa die einzige Region die 120 Prozent des Strombedarfes aus erneuerbarer Energie wie Windkraft, Fotovoltaik und Biomasse herstellt.

 

   In Zukunft wollen wir aber den gesamten Energiebedarf des Bundeslandes in unserem Bundesland herstellen und auch exportieren. Das geht nur mit Innovationen und hierfür sind wir zahlreiche Kooperationen mit Universitäten eingegangen, die schon heute Früchte tragen.

 

   Ein schwerer Schlag für den Standort Österreich war aber sicher die Steuerreform. Den Tourismus trifft es hart und die Registrierkassenpflicht empört die heimische Wirtschaft. Stehen Sie hinter diesem Paket?

 

   Die fünf Milliarden Entlastung waren dringend notwendig, aber bei der Gegenfinanzierung ist man aber den falschen Weg gegangen. Millionäre und Milliardäre greift man nicht an, und gleichzeitig hat man den Mittelstand verärgert. Zudem halte ich es für absolut falsch im Tourismus und auch im Weinverkauf die Mehrwertsteuer von zehn auf 13 Prozent zu erhöhen. Ein Fehler war es auch, die Wirte in Bausch und Bogen zu kriminalisieren. Ich bin ein absoluter Gegner dieser Form der Gegenfinanzierung der Steuerreform. Hier ist man leider einen sehr schlechten Kompromiss mit dem Koalitionspartner eingegangen.

 

   Sie haben noch eine schwierige Aufgabe vor sich: Am 31. Mai ist Landtagswahl im Burgenland. Sind Sie nach der Wahl wieder Landeshauptmann?

 

   Ich trete an, weil ich Landeshauptmann bleiben will. Aber die Wähler müssen entscheiden, ob sie den Weg, den ich die letzten 15 Jahre gegangen bin, gutheißen und ob sie mir auch weiterhin zutrauen das Land durch eine schwierige Zeit zu führen. Ich glaube, dass klare Verhältnisse wichtig sind, um rasche Entscheidungen zu treffen. Eine instabile Landesregierung würde dazu führen, dass das Burgenland zurückfällt. Die Kleinsten müssen die Schnellsten sein.

 

   Gibt es einen präferierten Koalitionspartner?

 

   Nein. Es ist das erste Mal seit 1945, dass der Proporz abgeschafft ist. 70 Jahre Proporz im Burgenland: Das heißt, je nach Stärke ist man auch in der Regierung vertreten. Das ist jetzt vorbei, es gibt Koalitionsbildungen wie auf Bundesebene. Wir sind dafür, dass die stärkste Partei den Landeshauptmann stellt. Ich werde zu Gesprächen einladen, werde schauen, mit wem dieses hohe Tempo weitergehen kann, und wer für Veränderungen offen ist. Das Burgenland braucht weiterhin Reformen, ein hohes Tempo und eine möglichst hohe Qualität. In manchen Bereichen müssen wir, die Parteipolitik überhaupt komplett ausklammern, um das beste Ergebnis für das Land zu erzielen.

 

   Die Wahl bringt heuer eine Erneuerung mit sich. Es gibt zwei Wahltage.

 

   Es gibt zwei Tage: Es gibt den 31. Mai und den 22. Mai. Der 31. Mai ist ein normaler Wahltag und neun Tage vorher ist sozusagen der erste Wahltag. Wenn jemand am 31. keine Zeit hat, kann er am 22. abends wählen gehen. Das ist vor allem ein Angebot an junge Leute.

 

   Daneben gibt es natürlich auch die Möglichkeit mit einer Wahlkarte zu wählen, aber viele Menschen, bevorzugen einfach eine wirklich anonyme Stimmabgabe in einem Wahllokal und dem tragen wir diesmal mit dem zweiten Wahltag Rechnung.

 

   Stephan Scoppetta, Fotos: Jeff Mangione

 

Morgenjournal, 28.4.2015

 

Sprachprobleme in der Schule

Regina Pöll

Sprachprobleme in der Schule, weil die Muttersprache nicht Deutsch ist: Gerade in den Wiener Pflichtschulen ist das für viele Realität. Wie eine Anfragebeantwortung durch SPÖ-Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch zeigt, ist die Zahl der außerordentlichen Schüler - alle mit Migrationshintergrund - in den Vorjahren weiter gestiegen. Die ÖVP ortet hier kurz vor der Wien-Wahl ein Versagen der rot-grünen Bildungspolitik, und die Debatte um "Ausländerklassen" läuft neu an.

 

ORF – 28. April 2015

 

Mehr Schüler mit Deutschproblemen

Rund 60 Prozent aller 100.000 Pflichtschüler in Wien haben nicht Deutsch als Muttersprache. Das führt zu Sprachproblemen in den Schulen. Die ÖVP ortet ein Versagen der rot-grünen Bildungspolitik und will erneut über „Ausländerklassen“ diskutieren.

Rund 12.000 Schüler sind, weil sie nicht Deutsch als Muttersprache haben, außerordentliche Schüler. Sie werden daher nur teilweise benotet und in Deutsch gefördert. Das zeigt eine Anfragebeantwortung durch SPÖ-Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch, die auch der „Standard“ zitiert - mehr dazu in oe1.ORF.at (28.4.2015).

Entwicklung sei „Riesenproblem“

Demnach ist die Zahl der außerordentlichen Schüler seit dem Schuljahr 2010/2011 von knapp 8.000 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei nur leicht gestiegener Gesamtschülerzahl. Eine falsche Entwicklung nennt das ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb. Sie stellte die Anfrage gemeinsam mit Parteikolleginnen an Oxonitsch. „Man muss jetzt einfach ehrlich zu sich selber sein. Das ist schon ein Riesenproblem und das muss man lösen“, so Leeb.

Migrantenkinder hätten nicht die besten Chancen, Deutsch zu lernen. In der Wiener Bildungspolitik werde das Geld fehlgeleitet, sagt die schwarze Gemeinderätin im Vorwahlkampf an die Adresse von Rot-Grün. „Ich beziehe mich auf die Gratisnachhilfe-Sprachförderlehrerinnen. Es wird bereits jetzt einiges getan, aber offensichtlich eben nicht das Richtige“, so Leeb.

„Vorbereitungsklassen“ für Quereinsteiger

Die Schulen sollten selbst entscheiden, wie betroffene Kinder gefördert werden, so Leeb. Für solche, die während des Schuljahres nach Österreich kommen, wünscht sich die ÖVP-Gemeinderätin eigene Gruppen, die mehrere Wochen oder Monate dauern, bevor die Kinder am eigentlichen Unterricht teilnehmen. Leeb: „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man speziell für Quereinsteiger so genannte Vorbereitungsklassen macht.“ Dafür machte sich auch schon ÖVP-Integrationsminister Sebastian Kurz stark.

Die SPÖ lehnt das ab und spricht von Ausgrenzung. Bildungsstadtrat Oxonitsch hält an den Wiener Sprachförderkursen oder am Begleitunterricht fest. Dass an Wiens Pflichtschulen etwa 80 Sprachen gesprochen werden, bezeichnet er in seiner Anfragebeantwortung wörtlich als „unverzichtbares Potenzial für die Stadt“. Argumentiert wird die gestiegene Zahl der außerordentlichen Schüler auch mit globalen Entwicklungen, etwa Flüchtlingswellen.

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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