Montag, 4. Mai 2015

2015.05.02-04: Newsletter Bildung

Die Presse – 4. Mai 2015

 

 

Ausbau von Kindergärten wackelt

Ausbauvorhaben um hunderte Millionen Euro sind nur bis Ende 2016 gesichert. Schon heuer im Sommer müssen Bund, Länder und Gemeinden die Kinderbetreuung klären.

 

Wien. Alle beschwören den weiteren Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Aber was die Kosten betrifft, ist derzeit nichts endgültig gesichert. Familienministerin Sophie Karmasin muss jetzt unter wachsendem Zeitdruck eine Lösung für die Zukunft finden. Denn die geltende Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden läuft Ende August aus. Damit ist ungewiss, ob der Bund weiterhin 70 Millionen Euro pro Jahr als Anschubfinanzierung für den Ausbau von Horten und Kindergärten bereitstellt.

Es ist das dringlichste Vorhaben, das ohne Einigung in der Luft hängt. Andere Bund-Länder-Abmachungen, bei denen es jeweils um zwei- bis sogar dreistellige Millionenbeträge geht, haben allerdings ebenfalls ein Ablaufdatum mit dem geltenden Finanzausgleich: die höheren Pflegekosten, der Ausbau der Nachmittagsbetreuung in den Schulen und auch die Sicherung der Bahnübergänge mit Schranken und Ampeln.

Kinderbetreuung. Mit 70 Millionen Euro pro Jahr greift der Bund Ländern und Gemeinden bei der Verbesserung des Angebots zur Kinderbetreuung sowohl beim verpflichtend eingeführten Gratiskindergarten am Vormittag für Fünfjährige als auch bei mehr Plätzen für Kleinkinder finanziell unter die Arme. Familienministerin Karmasin, die hinter den Ausbauplänen steht, muss sich jedoch erst mit Ländern und Gemeinden über die künftige Aufteilung der Mittel einigen. Denn noch ist nicht fixiert, ob der Bund ab September 2015 weiter 70 Millionen Euro dafür aufbringt. Wegen der von der Regierung beschlossenen Fortsetzung des Sparkurses bis 2019 ist das kein leichtes Unterfangen. Von einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, wie dies die SPÖ in der Koalition fordert, ist da noch nicht einmal die Rede.

Bahnübergänge. Ein anderes ungelöstes Finanzproblem, von der Öffentlichkeit praktisch unbemerkt, wurde ebenfalls mit der Einigung über einen neuen Finanzausgleich ab 2017, der die Aufteilung der Steuereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden regelt, verknüpft. Beim Umbau und der Sicherung von Bahnübergängen geht es allein auf den Gemeindestraßen für die Kommunen um Kosten von bis zu 500 Millionen Euro. Kleine Änderung, große Wirkung: Ex-Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) hat die Sicherung der Bahnübergänge per Verordnung in die Wege geleitet. Gemeinden erhielten von den ÖBB dann Rechnungen zugestellt. Der Gemeindebund hat sich jedoch in der Folge erfolgreich an den Verfassungsgerichtshof gewandt. Daraufhin wurde die Klärung der Finanzierung aufgeschoben und an den Finanzausgleich gebunden.

Pflege. Zwar hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer bereits bis 2018 grundsätzlich hunderte Millionen Euro für den Pflegefonds vereinbart, damit Länder und Gemeinden die steigenden Kosten für die Pflege bewältigen können. Aber formal läuft diese 15-a-Vereinbarung Ende 2016 aus. Billiger dürfte es für den Bund nicht werden. Denn die Länder haben bereits eine Aufstockung der Mittel verlangt. Hundstorfer ist grundsätzlich offen dafür, allerdings bleibt die Frage, woher das Geld für den Pflegefonds kommen soll.

Nachmittagsbetreuung in Schulen. Ähnlich stellt sich die Situation beim Ausbau der Nachmittagsbetreuung in Schulen dar, für die vom Bund jährlich 80 Millionen Euro bereitgestellt werden. Das einhellige Bekenntnis zum Ausbau liegt in der Bundesregierung von SPÖ und ÖVP vor.

Die Gemeinden als Schulerhalter stöhnen bereits jetzt unter den Kosten. Immerhin müssen sie jährlich satte 2,81 Milliarden Euro für Unterricht, Erziehung und Sport inklusive der Betreuung in Kindergärten aufwenden. Die Gemeinden sind Erhalter von knapp 3000 Volksschulen, gut 1600 Neuen Mittelschulen und Hauptschulen sowie fast 250 polytechnischen Schulen. Allein für Ausstattung, Erhaltung und Personal in Pflichtschulen machen die Kosten 1,044 Milliarden Euro aus.

AUF EINEN BLICK

Finanzierung. Etliche Vereinbarungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden laufen aus. Damit hängen einige Vorhaben noch völlig in der Luft. Unter anderem der Ausbau der Kinderbetreuung, die höheren Pflegekosten, der Ausbau der Nachmittagsbetreuung in den Schulen und die Sicherung von Bahnübergängen.

 

 

Die Presse – 4. Mai 2015

 

 

Sparpläne: Den Schuldirektoren „reicht es" jetzt

Lehrer und Leiter kritisieren die Regierung und drohen mit Kampfmaßnahmen. In einem Brief an die Regierung fordern die Direktoren eine Bildungsdiskussion, „die diesen Namen verdient".

Überschattet vom Start der Zentralmatura in dieser Woche brauen sich über die rot-schwarze Bundesregierung wegen der Bildungspolitik nun vor allem in den Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) Gewitterwolken zusammen. Zusätzlich aufgeheizt ist die Atmosphäre durch die von der Regierungsspitze bekräftigten Überlegungen, die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer in den Klassen um zwei Stunden auf 22 Stunden pro Woche zu erhöhen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat erst am Samstag angekündigt, dass heuer im Herbst darüber im Zuge eines neuen Dienstrechts für den gesamten Bundesdienst verhandelt werde: Es sei „zumutbar", dass Lehrer zwei Stunden länger bei den Kindern seien. Für den größten Unmut sorgte aber Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), der behauptete, für 22 Stunden brauche er nur bis Dienstagmittag arbeiten.

Nach den Gewerkschaftern protestiert der Dachverband der BMHS-Direktoren nun offen gegen Österreichs Schulpolitik, die sich besonders durch „Konzeptlosigkeit" auszeichne: „Es reicht!"

In einem Brief an die Regierung fordern daher die Direktoren eine Bildungsdiskussion, „die diesen Namen verdient". Diese müsse parteiunabhängig „ohne Neidgenossenschaften" sein. Es könnten dann „auch Einschränkungen" diskutiert werden, wie die Ferienordnung, Ganztagsschulen oder Leistungsbeurteilung. Unqualifizierte Äußerungen und widersprüchliche Stellungnahmen von Entscheidungsträgern, „die nie wirklich entscheiden", wie der Dachverband der BMHS-Direktoren beklagt, würden „ein seriöses Arbeiten immer schwieriger machen".

Druck auch auf Gewerkschaft

Ende April hat es, wie angekündigt, in zahlreichen Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen Dienststellenversammlungen der Lehrer gegeben. Dort zeigte sich, dass der Unmut der Lehrer keineswegs nur von einer schmalen Gewerkschaftsspitze getragen ist.

Für die BMHS ist der oberste Gewerkschafter der Vorsitzende Jürgen Rainer, für den gesamten öffentlichen Dienst Beamtenvertreter Fritz Neugebauer. Unter anderen liegt der „Presse" ein Schreiben aus dem TGM in Wien an Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Bildungsministerin Heinisch-Hosek, aber auch an die Gewerkschaftsspitzen vor. Darin fordert der Vorsitzende des Dienststellenausschusses, Andreas Reindl, im Namen der Lehrenden die Beamtengewerkschaft zum Handeln auf: Man sei bereit, „gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen gegen eine massive Verschlechterung unserer Arbeitssituation mitzutragen". Die Aussage richtet sich konkret gegen eine höhere Lehrverpflichtung. Für eine „bessere Schule" müssten aber auch ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Die Verärgerung an weiteren Schulen ist ebenso groß. In einem Schreiben „für die Kollegen und Kolleginnen" der HAK Vöcklabruck in Oberösterreich wird sogar auf einen Gewerkschaftsbeschluss gedrängt: „Automatische Streikmaßnahmen, sobald Verschlechterungen drohen". Alle fünf Lehrergewerkschaften sollten gemeinsam vorgehen. In Vöcklabruck richtet sich der Protest auch gegen eine höhere Lehrverpflichtung. Beklagt wird, dass statt „des versprochenen Unterstützungspersonals" Reallohneinbußen durch die Nulllohnrunde 2013 und unbezahlte Zusatzarbeit gekommen seien.

An der BBS Kirchdorf an der Krems in Oberösterreich („Uns reicht es") lautet die Hauptforderung: „Mehr Budget für Bildung statt Sonntagsreden zur Wichtigkeit von Bildung".

„Nicht schikanieren"

Kämpferisch gaben sich auch die Lehrerinnen und Lehrer des Linzer Technikums bei einer Betriebsversammlung. „Jetzt ist es genug", heißt es in einem Schreiben (es liegt der „Presse" vor), in dem weiteren Belastungen eine klare Absage erteilt wird: „Wir lassen uns nicht länger schikanieren!" (ett)

 

 

Die Presse – 3. Mai 2015

 

 

Abschied von der ganz individuellen Reifeprüfung

Viele ganz unverwechselbare Erlebnisse wie den Zweikampf zwischen Schüler und Lehrer wird es in der Form nicht mehr geben. Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten.

Die Geschichten unserer Reifeprüfung begleiten uns oft ein Leben lang. Manche Maturanten müssen die Klausur in ihren Träumen noch jahrelang wiederholen, was selten erfreulich ist. Die Erzählungen aber, die Geschichten an der Schwelle zwischen offensichtlicher Unreife und bezeugter Reife, sind fast immer von Humor getragen. Man nimmt das jüngere Ich auf und gleichzeitig in den Arm.

Diese Anekdoten über die „alte" Matura sind stets individuell, obwohl sie doch alle die gleichen Komponenten haben: Es gibt einen Schüler (den Helden der Geschichte), einen Lehrer (oft Bösewicht, manchmal Retter) und die Fragen. Erzählt wird etwa vom Prüfling, den sein Lehrer unbedingt durchfallen lassen wollte, der aber gerade deshalb eine brillante Leistung lieferte. Oder von der Schülerin, die während ihrer Matura gleich noch die Arbeiten der Freunde korrigierte. Es gibt aber auch den Schüler, der in Religion durchfiel, obwohl ihm der Lehrer die Frage vorab verriet – was sich der Kandidat Jahre später noch immer nicht erklären kann.

Lehrer verliert an Bedeutung. So unverwechselbar werden die Geschichten der zukünftigen Maturanten nicht mehr sein. Denn der Faktor Lehrer, der in den alten Geschichten eben oft der Bösewicht, manchmal aber auch der Held war, wird mit der Zentralmatura, die am nächsten Dienstag verpflichtend an den Gymnasien startet, weit weniger Bedeutung haben. Die schriftlichen Aufgaben werden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung erstellt, die Daten sind mehrfach verschlüsselt und die Aufgabenhefte werden in versiegelten Kuverts per Sicherheitstransport in die Schulen gebracht.

Bei der mündlichen Prüfung werden die Fragen zwar nicht zentral vorgegeben, aber die Themenbereiche von allen Fachlehrern des jeweiligen Gegenstandes festgelegt. Der prüfende Lehrer muss dazu dann eine bestimmte Anzahl konkreter Fragestellungen erarbeiten.

Die Matura hat sich aber auch vorher schon stark verändert: Sie wurde vom Privileg weniger zur Pflicht vieler. Mittlerweile maturieren rund 44 Prozent eines Jahrgangs, im Jahr 2033 dürften es mehr als die Hälfte sein.

Der Initiationsritus bleibt. Was bleiben wird, ist der Charakter der Prüfung als Abschluss – und als Startschuss in die Welt der Erwachsenen. Die Matura ist ein Initiationsritus, und in der Erinnerung an die Prüfung wollen wir uns stets auch beweisen, wie klug wir schon damals waren. Nur dass dies – wohl in den meisten Fällen – freilich gar nicht der Fall war. Wer es nicht glaubt, der möge seine alten Matura-Arbeiten einsehen. Es ist ein Unterfangen, das am Ende doch wieder schlechte Träume bescheren kann.

"Sie hatten schon alle Lehrer weggeholt"

Rosa Kaufmann (88) hat im Krieg maturiert. Die Matura empfand sie als eigenartig – in manchen Fächern ersparten sich die Lehrer einfach die Prüfung.

Als eine „sehr sonderbare Sache" hat Rosa Kaufmann ihre Matura in Erinnerung. Zumal gar nicht klar war, ob sie sich noch ausgehen würde. „Ich habe im Krieg maturiert, im Jahr 1944", erzählt die 88-Jährige. „Man wollte uns ursprünglich gar keine achte Klasse mehr zugestehen." Nachdem die Lehrerinnen in der höheren Mädchenschule in der Novaragasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk „einen Aufstand machten", klappte es letztlich doch noch. „Dann haben sie uns zwei Trimester zugestanden. Wir haben ein Trimester verloren, damit wir rechtzeitig in den Arbeitsdienst kommen." Kaufmanns Maturazeugnis datiert also nicht wie üblich vom Frühjahr – sondern vom 11. Februar 1944.

„Die Matura selbst war eigenartig", erzählt Kaufmann, die später Jus studierte und in der volkswirtschaftlichen Abteilung einer Bank arbeitete. „Eigentlich waren es nur etwas längere Schularbeiten, das war es dann." Schriftlich hat sie in Deutsch, Mathematik und Latein maturiert. Maturakommission gab es aber keine, „weil man gar keine mehr zusammengebracht hätte". Die Lehrerin und der Direktor hätten die Prüfungen abgenommen, wenn möglich eine zweite Lehrerin. „Abgesehen vom Direktor waren es nur noch lauter Lehrerinnen. Die Männer hatten sie schon alle weggeholt, für den Krieg."

Kaum mündliche Prüfungen. Mündlich habe sie nur in Mathematik maturiert, erzählt Kaufmann. „In den übrigen Fächern haben die Lehrerinnen bloß auf die Jahresschnitte der Oberstufe geschaut und danach die Noten bei der Matura gegeben", erinnert sie sich. „,Kinder', haben sie gesagt: ,Jetzt kennen wir euch schon so lange: Wir wissen, was ihr könnt. Wir sparen uns die Zeit.'" Sie habe gut abgeschnitten. „Ich war immer eine Vorzugsschülerin, obwohl ich mich bemüht habe, das zu verheimlichen." Es waren widrigste Bedingungen, unter denen sie die Schule besuchte: Fliegeralarm, ausgefallene Stunden. „Aber wir haben alle unsere Frau gestellt."(beba)

"Der Lehrer hat die Fragen verwechselt"

Franz Thalhammer (69) wollte bei der Matura brillieren. Seine Kollegen auch – doch manchen wurde ein chaotischer Lehrer zum Verhängnis.

Franz Thalhammer und seine Klassenkameraden empfanden es als Auszeichnung, das Akademischen Gymnasium in Linz besuchen zu dürfen. „Es war quasi eine Eliteschule, und wir wollten bei der Matura auch entsprechend brillieren", erzählt der spätere Arzt. Einige seiner Kollegen bekamen dafür auch eine etwas „unfaire Chance", wie Thalhammer erzählt. Der Musiklehrer der Klasse war als einziger Lehrer dafür bekannt, dass er stets Tipps zu den Fragen der mündlichen Matura gab. Wer das Fach wählte, musste also nicht die gesamte Musikgeschichte lernen. Doch bei der mündlichen Prüfung gab es plötzlich „bleiche Gesichter", denn der Lehrer, der ein „verschrobener Künstler war", hatte die Fragen verwechselt.

Für diejenigen, die ohne ungerechten Vorteil in die Prüfungen gingen, war das „eine Gaudi", ums Durchfallen ging es ja auch gar nicht, sagt Thalhammer. Aber eine herausragende Leistung zu erbringen, wie sie es sich gewünscht hätten, konnten die Kollegen eben nicht.


Religiöser Zündstoff bei der Prüfung. Auch an seine eigene mündliche Prüfung kann sich Thalhammer noch gut erinnern – von den Beispielen in Mathematik bis zur Auseinandersetzung in Religion. Hier hatte der Lehrer ihm süffisant – „weil ich ein sehr lästiger Mensch war" – die Mariendogmen gegeben. Im Wissen, dass bei diesem Zündstoff bei der Prüfung wohl ein Streitgespräch entstehen würde, was auch tatsächlich so war. Thalhammer denkt gern zurück: „Wir wurden fachlich nicht auf das Leben vorbereitet, aber wir waren bei der Matura wirklich allgemein gebildet. Das halte ich auch für wesentlich wichtiger. Wenn man weiß, worüber sich die Leute vor tausend Jahren den Kopf zerbrochen haben, weiß man auch, dass sich nicht viel ändert." Demnächst steht das 50-Jahr-Jubiläum bevor. Über die bleichen Gesichter der Musikmaturanten wird man wohl auch dort noch lachen. (rovi)

"Manche Lehrer haben sich vor mir gefürchtet"

Für Rainer Münz (60) war es emotional schwer zu begreifen, dass die Schulzeit mit der Matura endet. Er wäre freiwillig noch länger in die Schule gegangen.

Nervös war Rainer Münz vor seiner Matura schon. Allerdings nur aus Ehrgeiz: Er fürchtete, er könne vielleicht in irgend einem Fach einen Zweier bekommen. Die Furcht war umsonst, er schloss wie erwartet mit Auszeichnung ab. Wen wundert es, hat Münz doch während seiner Schulzeit den Brockhaus auswendig gelernt. Er hatte ein derart breites Wissen, dass sich manche Lehrer am Akademischen Gymnasium in Wien vor ihm fürchteten, wie er sagt.

Die Lehrer versuchten auch offensiv, den Schülern einen zumindest sehr selbstbewussten Blickwinkel mitzugeben. „Es hieß, wir seien die zukünftige Elite des Landes und müssten uns auch dementsprechend benehmen. Würden Lehrer das heute zu ihren Schülern sagen, gäbe es wohl Gelächter", erzählt Münz. Aber die Matura war damals die Ausnahme, den Schülern standen – besonders nach einem Akademischen Gymnasium – zumeist glänzende Karrieren bevor. Und für die Lehrer sei der Hinweis auf die große Zukunft der Schüler wohl auch eine Selbstaufwertung gewesen.

Keine Vorbereitung auf den Tag danach. Der Schritt in die weitere Zukunft fiel Münz nicht ganz leicht: „Ich wäre freiwillig noch ein paar Jahre zur Schule gegangen", sagt er. „Wir wurden viele Jahre auf die Matura vorbereitet, aber es gab keine Vorbereitung auf den Tag danach." So ging der spätere Uni-Professor einfach am Tag nach seiner Reifeprüfung wieder zur Schule – und setzte sich in das nahe Stammcafé. Dasselbe tat er wieder und wieder, um den Alltag Schule nicht ganz zu verlieren. Wie er schließlich damit abschließen konnte? Er ging in die Teinfaltstraße und beantragte am australischen Konsulat ein Visum. Und nach einem kurzen Urlaub in der Schweiz flog er – wenige Wochen nach der Verteilung der Maturazeugnisse – nach Australien, wo er im Lagerhaus einer chemischen Fabrik arbeitete. Wenig später allerdings startete er eine universitäre Karriere. (rovi)

 "Die Lehrerin bat mich leise um Hilfe"

Bruni Krivda (48) erfuhr bei ihrer Matura das Mitleid einer Lehrerin mit einem Klassenkameraden ebenso wie die Rachegelüste eines Lehrers.

Bei ihrer schriftlichen Mathematikmatura saß Bruni Krivda im Turnsaal, auf jeden Platz war Traubenzucker gelegt worden. Die Schüler saßen weit entfernt voneinander, schummeln war für die Schwächeren unmöglich. Doch während die Kärntnerin noch konzentriert über den Arbeitsblättern saß und rechnete, kam plötzlich eine Lehrerin, die selbst nicht Mathematik unterrichtete, aber Aufsichtsperson war. „Sie flüsterte, dass es einem Schüler schlecht ging und fragte, wie ein bestimmtes Beispiel zu lösen wäre. Also zeigte ich ihr den Rechenweg vor", erzählt die Kärntnerin, „und sie gab es weiter." Welcher Schüler die Lehrerin zu Krivda geschickt hat, die in Mathematik zu den Besten gehört, hat sie nie erfahren.

Sie bestand Mathematik mit einem Sehr gut. Auch bei der mündlichen Matura schnitt sie gut ab, obwohl ihr ein Lehrer etwas heimzahlen wollte. Sie sollte eine Strafe dafür bekommen, dass sie die Benotungskriterien eben dieses Lehrers bei der weit zurückliegenden Prüfung einer anderen Schülerin kritisiert hatte. Was der Lehrer im Nachhinein auch unumwunden zugab.

Eine weiße Fahne als Zeichen dafür, dass alle die Matura bestanden hatten, konnte die HAK Villach schließlich trotzdem nicht hissen, erzählt Krivda, die nach der Matura als Buchhalterin arbeitete und später noch Handelswissenschaften studierte.

Spekulationsgeld für die Maturareise. Es gab eine Maturareise nach Kreta, für die der Klasse auf einem recht ungewöhnlichen Weg Geld zugeschossen worden war: Schon in der fünften Klasse bekamen sie 100.000 Schilling Kapital von der Länderbank, um damit zu spekulieren. „Es hieß: Wenn es weg ist, ist es weg. Aber wenn ihr Gewinn macht, dürft ihr ihn euch behalten." Die Schüler machten in drei Monaten 10.000 Schilling Gewinn, das war für ihre Verhältnisse relativ viel Geld. So konnte der Großteil der zweiwöchigen Maturareise bezahlt werden. (rovi)

"Ich habe einfach alles auswendig gelernt"

Doris Zöser (41) hatte bei ihrer Matura ihre Probleme mit Rechnungswesen. Dafür lieferte sie bei den mündlichen Prüfungen eine Show ab.

Dass sich Doris Zösers Schwierigkeiten in Rechnungswesen ganz und gar nicht in ihrer Maturanote spiegelten, liegt an einer Lernmethode, die bei der Zentralmatura nicht mehr viel bringt: „Ich habe einfach alles auswendig gelernt", erzählt die 41-Jährige. Das System Rechnungswesen habe sie bis zuletzt nicht verstanden – und trotzdem hatte sie ein Gut oder Sehr gut („Genau erinnere ich mich nicht mehr") bei der Matura. Die Lehrerin sei jedenfalls ziemlich hart gewesen. „Bei der war wirklich Drill, Drill, Drill." Und die ganze Klasse, die da 1993 in der BHAK Wien10 in Favoriten maturierte, habe „unendlich gestrebert, weil alle Angst hatten."

Nicht in allen Fächern war es ganz so hart wie in Rechnungswesen – Mathematik vielleicht noch („Da hatte ich regelmäßig Blackouts, da habe ich immer ein bisschen zu den anderen rüberschauen müssen"). „Ich glaube, es war damals schon auch viel zu tun – aber da war nicht so viel Angst und Druck wie heute", meint Zöser, die inzwischen selbst Lehrerin ist – auch an der HAK. „Jetzt ist das alles so eng, viele denken nur noch um dieses Thema herum. Zu meiner Zeit war die Matura nur ein Teil dieses Jahres – und sonst war es Party, Tanzschule, Bälle."

Star bei der mündlichen Matura. Ehrgeizig war sie trotzdem: „Was ich schon im Fokus hatte: Ich wollte auf jeden Fall mit gutem Erfolg die Matura machen", sagt Zöser. Daran, dass das klappen würde, hatte sie keine Zweifel. „Mündlich habe ich eine volle Show abgeliefert", erzählt sie. „Ich habe geredet, einfach so, wie ich halt bin, und frei von der Leber weg, auf Deutsch und Französisch. Da war ich sicher der volle Star." Letztlich bestand die Vorsitzende gegen den Willen der Lehrerin auf einem Einser in Französisch – und Zöser maturierte mündlich mit lauter Sehr gut.

Auch beim Rechnungswesen machte es übrigens Klick – auch, wenn es damit in der Schule nicht so recht klappen wollte, erzählt Doris Zöser. „Im Wirtschaftspädagogikstudium habe ich dann begonnen, es zu verstehen." (beba)

"Wenn man gut ist, verzeiht der Lehrer viel"

Emanuel Pesendorfer (28) war einer der Ersten, die bei der Matura Powerpoint verwendeten. Die Lehrer waren hellauf begeistert.

Als Emanuel Pesendorfer seine Fachbereichsarbeit im Fach Chemie präsentierte, erntete er bewundernde Blicke von allen Anwesenden. Nicht wegen des Inhalts der Arbeit, die ein ganzes Prüfungsfach ersetzte, sondern deshalb, weil an seinem Gymnasium sonst der Overheadprojektor das modernste Hilfsmittel war. „Der Präsentationsmodus wäre wohl schon ausreichend gewesen, um ein Sehr gut zu bekommen", sagt Pesendorfer. 2005, als er maturierte, sei man noch an schlichte mündliche Vorträge gewohnt gewesen. Dabei war es für ihn mit Powerpoint sogar leichter, den roten Faden nicht zu verlieren. Seine Arbeit über Neurotransmitter recherchierte er aber noch ganz klassisch in Bibliotheken: „Online-Recherche gab es noch nicht wirklich, heute würde man so eine Arbeit wohl anders angehen." Pesendorfer ging sogar auf die Universität, um einen Professor um Rat zu fragen.

Lehrerin rettet Schüler. Der Grafikdesigner maturierte im heutigen Erich-Fried-Realgymnasium im neunten Wiener Gemeindebezirk, einer Schule, die einen liberalen Ruf hatte. Zwar hatte er zur Sicherheit bei der schriftlichen Matura einen Schummelzettel am Klo liegen wie viele andere, er benötigte ihn aber nicht. Dabei hatte er im Fach Mathematik einen plötzlichen Aussetzer: „Als ich die Angabe eines Beispiels gelesen habe, wusste ich nicht mehr, ob ich davon jemals etwas gehört hatte. Ich hatte das Gefühl, dass dieses Thema irgendwann, als ich mal zwei Tage krank war, durchgenommen worden sein musste. Ich bin dann fünf Minuten so dagesessen und dann habe ich die Lehrerin gerufen."

Von der bekam er schließlich auch Hilfe, sie lenkte ihn zumindest sehr stark zum richtigen Rechenweg hin. „Ich verdanke der Lehrerin meinen Einser-Durchschnitt", erzählt Pesendorfer. „Sie wusste ja, dass ich immer ein sehr guter Schüler war. Und wenn man gut ist, verzeiht der Lehrer sehr viel." (rovi)

"Wir haben unsere Maturareise noch vor der Matura gemacht"

Thomas Chorherr (82) fuhr mit seiner Klasse schon im April nach Italien. Und mit einem Kollegen, den er abschreiben ließ, dann noch einmal in die Schweiz.

Eine italienische Reise „frei nach Goethe", hätten sie als Maturareise angetreten, erinnert sich Thomas Chorherr: Rom, Venedig, Neapel, Florenz. Das Ungewöhnliche: „Wir haben die Reise noch vor der Matura gemacht." Mit dem Lateinlehrer, der gleichzeitig der Klassenvorstand war, fuhr die ganze Klasse des Akademischen Gymnasiums im ersten Wiener Gemeindebezirk – damals eine reine Bubenschule – im April 1950 für zwei Wochen nach Italien. „Und zwar, damit die, die vielleicht nachher durchfallen, die Reise noch mitmachen können", erzählt der frühere „Presse"-Chefredakteur und -Herausgeber. Vier oder fünf der Burschen hätten die Prüfung im Juni tatsächlich nicht geschafft – aber: Bei der Maturareise waren sie dabei.

Thomas Chorherr selbst hatte da keine Befürchtungen. Vielleicht, weil er doch immer ein ganz guter Schüler war. „Ich hatte nie einen Vorzug, aber ich war immer im oberen Drittel." Generell sei die achte Klasse lockerer gewesen als die anderen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Freunde und ich aufgeregt gewesen wären. Das klingt jetzt blöd, aber wir haben uns darauf verlassen, dass wir es schon machen werden. Und ich persönlich war sowieso immer ein Optimist."

Schwierige Zeiten. Obwohl seine Schulzeit in schwierige Zeiten fiel. „Die ersten Jahre im Gymnasium waren immer unterbrochen durch Fliegeralarme, dann wurde die Schule in Wien gesperrt und ich kam 1942 in ein Gymnasium nach Hollabrunn." Zwei Jahre später hätten die Eltern ihn und seinen Bruder nach Wien zurückgeholt. „Sie meinten: ,Wenn wir schon alle sterben, dann zusammen.'"

Maturiert hat Chorherr schriftlich in Deutsch, Latein, Griechisch und Mathematik, mündlich in Geografie, Philosophie und „ich glaube Deutsch". In Mathematik überraschte er sich selbst: „Da hatte ich immer Dreier – bei der Matura einen Zweier. Und ich habe sogar einen Kollegen abschreiben lassen." Mit dem machte er noch eine zweite Maturareise: mit dem Fahrrad in die Schweiz. (beba)

Lexikon

Erstmals durchgeführt wurde die Matura (von lat. maturitas, die Reife) im Jahr 1850. Um die Fächer stritten Kirche und Staat zuvor heftig. Es musste schriftlich in Deutsch, Mathematik, Latein und Griechisch maturiert werden.

Am Dienstag startet mit dem Fach Deutsch die Zentralmatura an den AHS. Die Aufgaben werden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) vorgegeben. Es ist die größte Änderung der Matura seit ihrer Einführung.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 04.05.2015                             Seite: 16

Ressort: Bundesland

 

Kärnten

 

Jetzt öffnet sich der Sesam

 

Für 1321 Kärntner Schüler startet die heiße Phase der Zentralmatura: Morgen öffnen ihre Direktoren die Kuverts für die schriftliche Deutschklausur.

 

   BERND HECKE, THOMAS MACHER

 

   Es ist ein historischer Tag an Österreichs Gymnasien. Und es ist der wohl entscheidende Elchtest für das Bildungsministerium und das ausführende Bundesinstitut (Bifie): Morgen geht die schriftliche Zentralmatura im Fach Deutsch – mit bundesweit identen Aufgabenstellungen für alle Prüflinge in der Alpenrepublik – über die Bühne. Und in der Kärntner Schullandschaft ist man optimistisch, dass die schriftlichen Klausuren reibungslos ablaufen werden. „Derzeit läuft alles nach Plan", sagt Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger.

 

   Im Tresor unter Verschluss

 

   Morgen in der Früh öffnen die Direktoren aller Kärntner Gymnasien und dreier Berufsbildender Höherer Schulen (BHS) die versiegelten Kuverts mit den österreichweit identen Aufgabenstellungen. Die Klausurunterlagen wurden schon vorigen Montag geliefert.

 

   Bei der Übernahme müssen sich Direktoren und Administratoren mit Lichtbildausweis legitimieren. Dann wird die Vollständigkeit geprüft und die Kuverts in den Tresor gesperrt, wo sie noch bis morgen unter Verschluss bleiben werden. Zwischen drei und vier schriftliche Klausuren – von zumindest 270 Minuten Dauer – haben die Maturanten bis einschließlich Mittwoch in einer Woche zu bestehen. Nicht nur die Aufgaben sind standardisiert, auch die Klassenlehrer korrigieren und benoten nach zentralen Vorgaben. Die beurteilten Arbeiten gehen danach zur Kontrolle via Klassenvorstand zum Vorsitzenden. Die Noten werden dann kommissionell beschlossen. Wer schriftlich negativ ist, dem bleibt noch die „Hoffnungsrunde" einer Kompensationsprüfung, bevor die mündliche Reifeprüfung stattfindet. Spätestens drei Tage nach Bekanntgabe des Flecks muss die Anmeldung erfolgen.

 

   Der letzte Teil der Zentralmatura sind die mündlichen Prüfungen, die im Zeitraum von 8. bis 30. Juni von den Schulen autonom angesetzt werden dürfen.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 04.05.2015                             Seite: 18

Ressort: Bundesland

 

BERND HECKE

 

Steiermark

 

AUFWECKER

 

Das Monster

 

   Die letzte Woche war der Postfuchs an Österreichs Schulen in einer Hochsicherheitsaktion unterwegs. Die Direktoren von bundesweit 427 Schulen haben 180.000 Hefte mit zentral standardisierten Aufgabenstellungen auf 3,1 Millionen Seiten übernommen. Mit Ausweispflicht und Unterschriftsgelöbnis zur absoluten Geheimhaltung. Dann haben die Schulleiter die Unterlagen in den Tresor gesperrt, um die Kuverts für die erste Klausur erst morgen wieder herauszuholen.

 

   Diese Zahlen zeigen, welch Monster die Zentralmatura ist. Welch inhaltliche, organisatorische und logistische Kraftanstrengung dieses Projekt verlangt. Deshalb sollte man das Halali auf jede noch so konstruierte Panne abblasen und Prüflingen wie Lehrern jetzt endlich die Ruhe und die Konzentration auf das Eigentliche ermöglichen: auf möglichst erfolgreich verlaufende Prüfungswochen.

 

   Danach kann, nein, muss man evaluieren, kritisieren und vielleicht nachbessern. Aber ohne platt-polemisches Pannen-Geprügel, das den Bildungsstandort keinen Millimeter weiterbringt.

 

   Sie erreichen den Autor unter bernd.hecke@kleinezeitung.at

 

 

KLZ – 4. Mai 2015

 

 

Auftakt: Am Dienstag startet die Zentralmatura

 

Ohne Zentralmatura erfolgt am Montag der Start in die Reifeprüfungswochen an den AHS. Zuerst werden jene Gegenstände abgeprüft, für die es keine zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen gibt. Am Dienstag beginnt dann die Zentralmatura.

Ohne Zentralmatura erfolgt am Montag der Start in die beiden Reifeprüfungswochen an den AHS. An diesem Tag werden das Fach Russisch sowie an vielen Schulen jene Gegenstände wie etwa Informatik, Biologie oder Physik abgeprüft, für die es keine zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen gibt. Am Dienstag beginnt dann mit Deutsch die Zentralmatura.

           

Nicht in allen schriftlichen Prüfungsfächern gibt es zentral vorgegebene Aufgabenstellungen: So erstellt das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) nur für die Fächer Deutsch (bzw. die anderen Unterrichtssprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch), Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch und Latein die Aufgabentexte. Damit sind die verpflichtenden sowie die im Regelfall meistgewählten Fächer abgedeckt. In allen anderen Gegenständen erarbeiten weiter die jeweiligen Fachlehrer die Maturabeispiele und reichen diese bei den Landesschulräten zur Genehmigung ein.

 

Ab Dienstag zentrale Aufgabenstellungen

 

Start der an den AHS erstmals österreichweit verpflichtenden Zentralmatura ist dann am Dienstag mit dem Fach Deutsch. Es folgen Englisch (6.), Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen (jeweils 7.), Französisch (8.), Mathematik (11.), Italienisch (12.) sowie Latein bzw. Griechisch (13. Mai). Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der Bifie-Homepage veröffentlicht.

 

Die zentralen Reifeprüfungen in den Fremdsprachen sind übrigens nicht komplett gleich: Die Aufgabenstellungen orientieren sich an der jeweiligen Ausbildungsdauer (drei, vier, sechs oder acht Jahre) und sind daher nur innerhalb der gleichen Ausbildungszeit ident - jene Klassen, die also etwa sechs Jahre Französisch-Unterricht hatten, erhalten andere Aufgaben als jene mit vier Jahren.

 

Schulversuche an BHS

 

Komplizierter läuft es an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS), wo die neue Matura - mit einigen Unterschieden zu den AHS - zwar erst ab 2015/16 verpflichtend wird. Allerdings erproben an 93 BHS bereits heuer rund 7000 Schüler im Rahmen von Schulversuchen die Zentralmatura in einem oder mehreren Fächern: Dort gibt es bei den Aufgaben zusätzlich noch Differenzierungen nach Schultyp (z.B.: HAK, HTL) bzw. sogar innerhalb des Schultyps (etwa innerhalb der HTL in Angewandter Mathematik entsprechend unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkten wie Elektronik oder Maschinenbau).

 

Dieser Umstand hat auch für ein Problem bei der Auslieferung der Aufgaben gesorgt: Ins Holztechnikum Kuchl (HTL, Salzburg) wurde die Mathematik-Matura für die Chemie-HTL geschickt. Bei der vorgeschriebenen Kontrolle entdeckte der Direktor diesen Fehler - die Schule erhält nun die "richtigen" Aufgaben für die Reifeprüfung am 11. Mai.

 

 

KLZ – 3. Mai 2015

 

 

ÖVP attackiert Ministerin Heinisch-Hosek

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingen wird. Die ÖVP fordert: "Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen". Von der Opposition hagelt es Kritik. SPÖ kontert.

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingen wird. In der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast" ging die Ressortchefin Samstagmittag davor aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden.

           

Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das Bifie meinte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

 

Budgetnöte des Ministeriums

 

Gleiches gilt für Überlegungen, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen, um die Budgetnöte des Ministeriums in Griff zu bekommen. Heinisch-Hosek bemerkte bloß, dass die Pädagogen derzeit zu viel an Verwaltungstätigkeit leisten müssten und mit sehr viel Bürokratie belastet seien. Werde dies reduziert und passe die Situation am Arbeitsplatz, werde die Frage, wie lange man in der Klasse stehe, nicht mehr im Vordergrund stehen.

 

In der Verantwortung, ihr Budget wieder in Balance zu bringen, sieht die Bildungsministerin auch den Finanzminister. Man habe die gemeinsame Verantwortung, die Unterdotierung des Bildungsressorts zu bewältigen, verwies Heinisch-Hosek auf die Notwendigkeit, im Schulbereich eingeleitete Reformen auch zu finanzieren.

 

Krach mit dem Koalitionspartner

 

Die Koalition lässt unterdessen wie üblich keine Gelegenheit aus, den jeweils anderen Partner schlecht zu schreiben. Diesmal ist es ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel, der sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nach deren Auftritt im "Journal zu Gast" als Angriffsziel genommen hat. In Sachen Zentralmatura fordert er: "Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen".

 

Es müsse endlich für Ordnung im Bildungsressort gesorgt werden, verlangt Blümel und weist diese Aufgabe gleich der Ministerin zu - "auch wenn sie stets versucht ihre Verantwortung anderen zu geben und anderen ihre Probleme zur Lösung weitergibt". Statt ständig nur mehr Geld zu fordern, solle die Ministerin "einfach ihre Arbeit machen".

 

Die SPÖ hat den Angriffen der ÖVP auf Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek gekontert und der Volkspartei in einer Aussendung vorgeworfen, in der "bildungspolitischen Steinzeit" zu verharren. Die ÖVP soll sinnvolle Reformen endlich unterstützen statt torpedieren, richtete Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos (SPÖ) dem Koalitionspartner aus.

 

Genauso unfreundlich mit Heinisch-Hosek geht der freiheitliche Bildungssprecher Walter Rosenkranz um. "Trotz der langen Pannenserie bei der Zentralmatura will sie für nichts die Verantwortung übernehmen", ärgert sich der FPÖ-Mandatar. Mit der "heißen Luft" aus dem heutigen Interview könnte man das Unterrichtsministerium ein ganzes Jahr beheizen, meint Rosenkranz und fordert Kanzler Werner Faymann (SPÖ) auf, seine Ministerin abzuziehen.

 

"Lackmustest" für die Ministerin

 

Verständnis dafür, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) Heinisch-Hosek kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen will, äußerte Team Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar. Die Ministerin habe sich das selbst zuzuschreiben. Ihren mangelnden Reformeifer habe auch Schelling längst erkannt.

 

Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser sieht die pannenfreie Durchführung der heurigen Zentralmatura als "Lackmustest" für die Bildungsministerin. Komme es auch diesmal zu Zwischenfällen, sei ein Rücktritt die logische Folge.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 102 vom 04.05.2015              Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Schule, die ewige Spielwiese der Ideologen

 

   Die umstrittene Zentralmatura ist nur ein Symptom für das kränkelnde österreichische Schulsystem.

 

   Jetzt ist es also so weit. In Österreich startet die Zentralmatura. Erstmals bekommen alle Schülerinnen und Schüler in den Hauptfächern dieselben Prüfungsaufgaben. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sagte in einem Interview kurz vor dem Start, dass sie „zutiefst überzeugt" sei, dass das Projekt gut über die Bühne gehen werde. Bei all dem, was in der Vorbereitung schiefgegangen ist – von fehlenden Prüfungsaufgaben bis zu dubiosen Texten für die Deutscharbeit –, kann man das nur hoffen. Alles andere wäre Grund genug, dass die Verantwortlichen im Bifie, aber auch in der Politik, ihren Hut nehmen.

 

   Trotzdem bleibt die Zentralmatura – zumindest in Österreich – ein seltsames Projekt, das ein Schlaglicht auf die unkoordinierte Bildungspolitik in diesem Land wirft. Einerseits will man den Schulen mehr Autonomie geben, fordert sie auf, Schwerpunkte zu setzen – und am Ende sollen dann die Schülerinnen und Schüler in vielen Gegenständen dasselbe Leistungsniveau haben. Was einander irgendwie widerspricht.

 

   Das ist aber nur eine der Ursachen, warum Österreichs Bildungspolitik ein derart desaströses Bild abgibt. Es beginnt damit, dass das Bildungsministerium den Schulen alles und jedes bis ins kleinste Detail vorschreiben will und damit den Lehrerinnen und Lehrern den Spielraum und die Zeit für den Unterricht nimmt. Und es endet bei einer Lehrergewerkschaft, die zu jeder Reform gleich einmal kategorisch Nein sagt. Und so auch mitverantwortlich dafür ist, dass schlechte Pädagogen weiter auf die Kinder losgelassen werden.

 

   Dazu kommt, dass die Schule eines der letzten ideologischen Kampffelder der Parteien ist. Während die ÖVP eisern an der Langform des Gymnasiums festhält, will die SPÖ die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Während die einen die Elitenbildung im Visier haben, geht es den anderen vor allem um soziale Gerechtigkeit. Seit mehr als 40 Jahren werden die Argumente pro und kontra gebetsmühlenartig wiederholt. Dabei wird gleich einmal vergessen, dass man wohl auch das derzeitige Schulsystem deutlich verbessern könnte. Vorausgesetzt, dass den Schulen ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

 

   All diese Probleme würden sich aber sicher lösen lassen, vorausgesetzt, es macht sich endlich die Erkenntnis breit, dass Österreichs Schulen allein für die Kinder da sind und für sonst niemanden.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 102 vom 04.05.2015              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Zentralmatura startet ohne Zentralmatura

 

   WIEN. Ohne Zentralmatura erfolgt heute, Montag, der Start in die beiden Reifeprüfungswochen an den AHS. Heute werden nur Fächer geprüft, für die es keine zentralen Aufgabenstellungen gibt. Am Dienstag beginnt dann mit Deutsch die Zentralmatura. Es folgen Englisch, Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen, Französisch, Mathematik, Italienisch sowie Latein bzw. Griechisch. Die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der Bifie-Homepage veröffentlicht., APA Druck für eine neue Migrationspolitik Wien. Vertreter der Caritas und der 20 NGOs umfassenden Initiative „Gegen Unrecht" forderten am Wochenende, die geplante Aufstockung der Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit endlich umzusetzen. Der Chef der Diakonie, Michael Chalupka, schlug in der ORF-„Pressestunde" vor, besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen ein „humanitäres Visum" zu gewähren, damit diese gefahrlos nach Österreich kommen können. Heute, Montag, findet eine Sondersitzung des Nationalrats zum Thema Migration statt. Der Kanzler wird über die Ergebnisse des jüngsten EU-Gipfels berichten.

 

 

"Österreich" vom 03.05.2015                                  Seite 12

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten

 

Die Bildungsministerin über die Zentralmatura-Premiere

 

Heinisch: »Nervosität ist normal«

 

ÖSTERREICH: Nächste Woche beginnt die Zentralmatura erstmals in allen Gymnasien. Die Schüler sind nervös. Sind Sie es auch?

 

GABRIELE HEInISCH-HoSEK: Selbstverständlich, es ist aber auch eine positive Nervosität, immerhin wird eines der größten Bildungsreformprojekte der letzten Jahrzehnte in die Praxis umgesetzt. Die Matura war aber auch in der alten Form ein wichtiger Meilenstein im Leben junger Menschen -eine gewisse Nervosität ist da ganz normal.

 

ÖSTERREICH: In der Vorbereitung der Zentralmatura gab es Probleme. Ist das jetzt alles ausgebügelt?

 

HEInISCH-HoSEK: Gewisse Herausforderungen sind bei Reformprozessen nichts Ungewöhnliches. Gemeinsam mit den Schulpartnern konnten wir aber Klarheit schaffen, und für die schriftliche Reifeprüfung in der kommenden Woche ist alles auf Schiene.

 

ÖSTERREICH: Fürchten Sie, dass jetzt bei der Durchführung noch Probleme auftauchen?

 

HEInISCH-HoSEK: In den letzten Tagen wurden 180.000 Aufgabenhefte an über 400 Standorte ausgeliefert. Das hat problemlos funktioniert. Wir sind gut vorbereitet, ich rechne auch weiterhin mit einem ruhigen, planmäßigen Ablauf.

 

ÖSTERREICH: Wenn alles gut gegangen ist - was werden Sie dann machen?

 

HEInISCH-HoSEK: Allen Maturanten gratulieren, den Lehrern danken und mit meinen Mitarbeitern darauf anstoßen. (pli)

 

"Österreich" vom 03.05.2015                                  Seite 12

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten

 

Zentralmatura: Nächste Woche fällt Startschuss

 

26.000 Schüler zittern vor Klausuren

 

Am Dienstag startet mit Deutsch die Zentralmatura in Österreichs Gymnasien.

 

Wien. 19.164 Gymnasiasten und rund 7.000 BHS-Schüler haben ihr letztes Wochenende, bevor es kommende Woche ernst wird. Am Dienstag müssen sie zur Matura aus Deutsch antreten. Erstmals sind die Aufgaben in allen AHS-Standorten zentral vorgegeben -die Zentralmatura ist seit diesem Schuljahr Pf licht für die Gymnasien, nächstes Jahr dann auch in den übrigen berufsbildenden höheren Schulen.

 

Im ÖSTERREICH-Interview erklärt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), dass auch sie mit Nervosität auf die Klausuren schaut. Immerhin ist es eines ihrer Prestigeprojekte - das mit einigen Problemen angefangen hat. Vor allem die Schülervertreter waren zuletzt gegen den Notenschlüssel in Mathematik Sturm gelaufen.

 

 

"Österreich" vom 04.05.2015                                  Seite 21

 

CitySteiermark, Steiermark

 

2.735 AHS-SCHÜLER

 

Zentralmatura an 59 Schulen

 

Hochspannung vor matura-Pre miere

 

Alle AHS, aber auch zwölf BHS (als Schulversuch) machen die Zentralmatura.

 

Graz. nicht nur mehr als 3.000 Schüler, exakt 2.735 an der aHS, sind in diesen Tagen nervös. auch Schulverwaltung, Direktionen und Lehrern steht eine Premiere bevor: morgen, Dienstag, wird in Deutsch die erste Zentralmatura abgewickelt, der auftakt der Reifeprüfungen erfolgt heute in klassischer art und Weise in Fächern, die noch nicht "zentral" abgewickelt werden - wie zum Beispiel in Russisch. "Die Vorbereitungen sind gut verlaufen", hieß es im Vorfeld im steirischen Landesschulrat.

 

Eine Hürde mussten die Kandidaten bereits absolvieren: Erstmals war eine vorwissenschaftliche arbeit Teil der matura.

 

 

Österreich – 4. Mai 2015

 

Heinisch-Hosek glaubt an Zentralmatura

Bildungsministerin legt sich bezüglich Lehrer-Unterrichtszeit nicht fest.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingen wird. In der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast" ging die Ressortchefin Samstagmittag davor aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden.

Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das Bifie meinte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Gleiches gilt für Überlegungen, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen, um die Budgetnöte des Ministeriums in Griff zu bekommen. Heinisch-Hosek bemerkte bloß, dass die Pädagogen derzeit zu viel an Verwaltungstätigkeit leisten müssten und mit sehr viel Bürokratie belastet seien. Werde dies reduziert und passe die Situation am Arbeitsplatz, werde die Frage, wie lange man in der Klasse stehe, nicht mehr im Vordergrund stehen.

In der Verantwortung, ihr Budget wieder in Balance zu bringen, sieht die Bildungsministerin auch den Finanzminister. Man habe die gemeinsame Verantwortung, die Unterdotierung des Bildungsressorts zu bewältigen, verwies Heinisch-Hosek auf die Notwendigkeit, im Schulbereich eingeleitete Reformen auch zu finanzieren.

 

 

Österreich – 4. Mai 2015

 

Mini- Faymann tritt an

Alle Schulen Österreichs führen morgen die Zentralmatura in Deutsch durch.

Jetzt wird es ernst mit der Zentralmatura. Ab morgen finden die Prüfungen erstmals an 334 AHS in ganz Österreich statt. 19.200 Schüler zittern den Klausuren entgegen.

Der prominenteste Kandidat ist Bundesschulsprecher Lukas Faymann, nicht verwandt mit Kanzler Werner Faymann. Der Burgenländer hat das ganze Jahr über mit SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek gekämpft, um die Rahmenbedingungen für die Schüler nach den zahlreichen Pannen erträglich zu machen. Faymann, der in der AHS Oberpullendorf maturiert, fühlt sich selbst „gut vorbereitet", weil er immer ein guter Schüler war. Er tritt heute in Informatik an (nicht zentral), morgen in Deutsch, am Mittwoch in Englisch und am 11. Mai in Mathematik. Seine wissenschaftliche Arbeit hat er über den Zweiten Weltkrieg in seiner Heimat Horitschon geschrieben.

Schicksal von Heinisch mit Matura verbunden
Faymann bemängelt, dass es für die mündliche Matura im Juni zu wenig Vorbereitungsstunden gibt.

Nervöser als die Schüler dürfte nur Ministerin Heinisch-Hosek sein. Gibt es heuer wieder eine Pannenserie wie letztes Jahr, droht ihre Ablöse. (knd)

"Mehr Vorbereitung wäre nötig"

ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich gut auf die Matura vorbereitet?
Lukas Faymann: Ich persönlich schon. Meine Schule hat das gut gemacht und ich war immer ein ganz guter Schüler.

ÖSTERREICH: Welche Probleme befürchten Sie noch?
Faymann: Es gibt zu wenig Vorbereitungsstunden für die mündliche Matura. Ministerin Heinisch-Hosek hat sie gekürzt. Wir werden an diesem Thema sicher auch für die nachfolgenden Jahrgänge weiterhin dran bleiben.

 

 

"Österreich" vom 04.05.2015                                  Seite 17

Ressort:

 

Josef Galley

 

Wien, CityWien

 

»Aktion scharf« im Mai in Wien

 

Schule: Jetzt jagt die Polizei die Schwänzer

 

"Null Toleranz für Schulverweigerung" ist das Motto der Aktion gegen Schwänzer.

 

Schule. Je schöner das Wetter, desto weniger Bock auf Schule haben viele Kids. Und leider steige auch die Lust vieler Eltern, mit ihren Kindern rechtswidrig auf Urlaub zu fahren, weiß Horst Tschaikner, Schulschwänz-Beauftragter des Stadtschulrats. 800 Straf bescheide an Eltern wegen unerlaubten "Freitagen" von Kindern gab es im Vorjahr.

 

Polizei redet Kids an. Deshalb läuft in dieser Woche die "Aktion scharf" in Zusammenarbeit mit der Wiener Polizei auf Hochtouren an, so Tschaikner: "Die Polizisten werden die Kinder auf der Straße oder an neuralgischen Punkten wie Einkaufszentren einfach anreden und fragen, warum sie nicht in der Schule sind."

 

Bei Schulschwänz-Fällen werden Schule und Jugendamt in einem mehrstufigen Verfahren damit befasst, den Schulabsentismus nachhaltig zu unterbinden. Für Eltern gibt es Strafen bis zu 440 Euro und sogar Haft, falls sie nicht zahlen.

 

Schulschwänz-Hotline. Besorgte Eltern oder Anrainer können auch die Schulschwänz-Hotline wählen: 01 52525-77111. Tschaikner appelliert, nicht wegzuschauen: "Nur jeder vierte Schüler, der mehr als 20 Prozent fehlt, schließt die Schule noch positiv ab."

 

 

"Österreich" vom 04.05.2015                                  Seite 17

 

Wien, CityWien

 

Schulrätin Brandsteidl setzt auf Härte:

 

»Schwänzen ist sicher kein Kavaliersdelikt«

 

Stadtschulrats-Chefin Susanne brandsteidl im Talk über die "Aktion scharf".

 

ÖSTERREICH: Warum reagieren Sie so streng auf das Schulschwänzen?

 

SuSANNE bRANdSTEIdL: Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt! Diese Schüler drohen oftmals frühzeitige Schulabbrecher zu werden. Daher: Keine Toleranz gegenüber dem Schulschwänzen!

 

ÖSTERREICH: Ist Polizei-Einsatz gerechtfertigt?

 

bRANdSTEIdL: Es ist kein Geheimnis: Schulschwänzer tummeln sich gerne an öffentlichen Plätzen und in Einkaufszentren. Wir müssen diese jungen Menschen direkt ansprechen und ihnen sagen, dass wir ihr Verhalten nicht akzeptieren. Da geht es ja nicht um WEGA-Einsätze.

 

ÖSTERREICH: Wann sind sie mit der Aktion zufrieden?

 

bRANdSTEIdL: Es geht vor allem darum, dass junge Leute merken, dass es nicht allen egal ist, ob sie die Schule schwänzen.

 

 

Der Standard – 4. Mai 2015

 

 

Zukunftsforscher: "Es gibt noch zu viele sehr schlechte Lehrer"

Interview | Lisa Nimmervoll

Reinhold Popp über Trichterpädagogik, Autonomie und die ganze Welt als Workshop

STANDARD: Sie sind Experte dafür, was noch nicht ist, aber worauf wir uns sicherheitshalber lieber vorbereiten sollten. Sie sind Zukunftsforscher. Welche Zukunft erwartet uns denn im Bildungsbereich?

Popp: Das Bildungssystem wäre ein sehr zukunftsbezogenes Praxisfeld. Aber rund 70 Prozent der Bevölkerung halten vor allem das Schulwesen nicht für zukunftsfähig. Die wichtigsten interessenspolitischen Institutionen und die Bildungswissenschaft haben gut begründete Zukunftskonzepte vorgelegt. Für die Bildungspolitik müsste also alles klar sein, ist es aber leider nicht.

STANDARD: Was etwa ist klar?

Popp: Klar ist, dass wir gerade im Bereich der Persönlichkeitsbildung und beim sozialen Zusammenhalt viel tun müssten oder dass es eben nicht nur um die Wissensvermittlung geht. Manche Lehrer vertreten leider immer noch die Vorstellung von Trichterpädagogik, also den Schülern Lehrbuchwissen ins Hirn zu pressen und diese Inhalte dann abzuprüfen. Dabei wäre das Phänomen der Vergessenskurve seit Jahrzehnten bekannt. Denn unser Gehirn ist keine Festplatte, und nach etwa sechs Wochen ist nicht angewendetes Wissen zu 80 Prozent weg. Mit den immer leistungsfähigeren Computern haben wir Maschinen, die punktgenau für die Erfüllung der überkommenen Ziele der Trichterpädagogik programmiert sind, nämlich für das Eintrichtern von Inhalten. Im Sinne einer zukünftig unverzichtbaren Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine muss einerseits der sinnvolle Umgang mit diesen wissensspeichernden Geräten trainiert werden und andererseits das gefördert werden, was der Mensch besser kann als der beste Computer: kritisch denken, mit anderen zusammen Veränderungen in Gang setzen etc.

STANDARD: Was heißt das konkret?

Popp: Zukünftig muss die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Problemen im Vordergrund stehen. Die historisch gewachsene Abbildung der universitären Disziplinen in den Unterrichtsfächern muss möglichst bald am Abstellgleis der Bildungsgeschichte landen. Ein viel zu selten diskutiertes Problem ist die Schularchitektur. Die meisten Bildungsimmobilien ähneln eher Unterrichtsvollzugsanstalten als zukunftsweisenden Lernwerkstätten.

STANDARD: Was müsste denn im Bildungsbereich in Österreich konkret getan werden, um ihn, wie es gern in Politikerreden heißt, "zukunftsfit" zu machen?

Popp: Natürlich muss man lesen, schreiben und rechnen können und Fremdsprachen beherrschen, aber das müsste viel stärker mit persönlichkeitsbildenden Elementen verknüpft werden. Da sind wir dann bei Begriffen wie Autonomie, Eigenverantwortung, Kreativität, Resilienz und soziale Empathie. Denn zukünftig nehmen Komplexität und Vielfalt in allen Lebensbereichen zu, also im Berufs-, Freizeit-, Konsum- und Geldleben, in Beziehungs- und Erziehungsfragen sowie im weiten Spektrum der medialen Angebote. Die Entscheidungsfrage lautet: Was ist meins in dieser Menge an Möglichkeiten?

STANDARD: In welcher Form kann die Schule dafür vorbereiten?

Popp: Mit klassischem Frontalunterricht kann diese Frage nicht beantwortet werden, schon gar nicht in 50-Minuten-Häppchen. Das ginge nur mit projektorientierten Zugängen, ausgehend von wichtigen Fragen aus der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. An Österreichs Schulen gibt es immer mehr gute Lehrer, die sich um zukunftsweisende Didaktik bemühen, aber leider auch noch zu viele sehr schlechte Lehrer. Bei der Entwicklung der Lehrerbildung stimmt die Richtung, aber nicht die Geschwindigkeit.

STANDARD: Eine Ihrer Thesen zur Zukunft der Bildung dreht sich um ein verändertes Rollenverständnis in der Multioptionsgesellschaft. Was heißt das für die Schule?

Popp: In früheren Gesellschaftsformationen waren viele Dinge für die Menschen einfacher. Es war relativ klar, was man religiös zu glauben, welchen Beruf man zu wählen, wie man Beziehungen zu schließen und wie man sich richtig zu verhalten hatte. Dazu passte der Shakespeare-Spruch "Die ganze Welt ist Bühne". Denn die Rollen für das Spiel des Lebens waren klar verteilt. Zukünftig müsste dieser Spruch etwas modifiziert werden: "Die ganze Welt ist ein Workshop." Denn zumindest in unseren Breiten haben sich die Freiheitsgrade deutlich erhöht, sodass jeder nach seiner Façon selig werden kann, wie dies der preußische König Friedrich II. schon vor langer Zeit ausgedrückt hat. Aber wer die Wahl hat, hat auch die Qual der Entscheidung.

STANDARD: Das ist quasi die Rückseite der Autonomie, die Sie besonders betonen. Wie kann Autonomie im Schulbereich aussehen?

Popp: Autonomie müsste - in enger Verknüpfung mit sozialer Kompetenz - ein Generalthema der Pädagogik werden. Diese Aussage begründe ich mit plausiblen Prognosen der Zukunftsforschung, wie der einzelne Mensch - gemeinsam mit seinen Bezugspersonen - die in der Zukunft zu erwartenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und persönlichen Chancen nutzen und Gefahren vermeiden kann. Letztlich wird es wohl auch in der Schule der Zukunft darum gehen, junge Menschen zu ermutigen; übrigens auch im Hinblick auf die Lust am Lernen als Motivation für die zukünftig unverzichtbaren lebensbegleitenden Bildungsprozesse.

STANDARD: Welche Rolle soll Autonomie im Kindergarten spielen?

Popp: Der Kindergarten ist noch immer ein sehr stark unterschätzter Lernort - auch im Hinblick auf das Bildungsziel der Autonomie. Ich möchte das am Beispiel der "Trotzphase" präzisieren. Diese Phase des Infragestellens von Bestehendem und der Suche nach Neuem, die sich ja in etwas anderer Form in der Pubertät wiederholt, ist letztlich eine Zukunftsinszenierung in Richtung Autonomie und Selbstbestimmung. Das Kind sagt erstmals: Nein, ich will das jetzt anders machen, als Mama oder Papa es wollen. Diese Sehnsucht nach Innovation lässt sich auch im Kindergarten fördern, wenn die Autonomiebestrebungen eines Kindes gestärkt und nicht mit allen möglichen und unmöglichen pädagogischen Tricks gebrochen werden. Das funktioniert aber nur mit einer erziehungswissenschaftlich fundierten pädagogischen Ausbildung.

STANDARD: Und die ist umstritten, denn selbst der Dachverband der Kindergartenpädagoginnen möchte eine universitäre Ausbildung. Nur die Politik verweigert das.

Popp: Ich halte die heutige Form der Ausbildung für anachronistisch. Das sieht übrigens auch die OECD so. Elementarpädagogik gehört wie die Lehrerbildung an die pädagogischen Hochschulen bzw. an die Universitäten. Eine pädagogische Ausbildung sollte nicht im Alter von 15 beginnen. Salopp gefragt: Soll eine 15-, 16-, 17-jährige Schülerin, die daheim noch mit der spätpubertären Ablösung von der Herkunftsfamilie beschäftigt ist und der die Mama noch die Wäsche wascht, im Kindergarten die ersten Schritte zu einer autonomen Persönlichkeit professionell begleiten? Aus pädagogischen Gründen spricht alles für eine Hochschulausbildung. Aber aus der Sicht der für die Finanzierung der Kindergärten zuständigen Gemeinde- und Landespolitik sprechen ökonomische Gründe für den Status quo. Maturanten sind billiger als Hochschulabsolventen. Das ist freilich zynisch, wenn man an die zukunftsweisende Bedeutung der Bildungsarbeit in Kindergärten denkt.

Reinhold Popp (66) hat ein Lehramtsstudium absolviert sowie eine Ausbildung in Psychotherapie und klinischer Psychologie, danach hat er in Politik- bzw. Bildungswissenschaft promoviert. Er war u. a. wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien Salzburg und Gründungsmitglied des Masterstudiengangs für Zukunftsforschung am Institut Futur der Freien Universität Berlin. Er referierte beim diesjährigen, mittlerweile 6. "Teacher's Award" der Industriellenvereinigung über "Die Zukunft von Schule und Kindergarten. Bildung im gesellschaftlichen Spannungsfeld".

 

 

Der Standard – 3. Mai 2015

 

 

Zentralmatura: Heinisch-Hosek "zutiefst" von Gelingen überzeugt

2. Mai 2015, 13:35

Bildungsministerin legt sich bezüglich Lehrer-Unterrichtszeit auch "Im Journal zu Gast" nicht fest

Wien/Österreich-weit - Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingen wird. In der Ö1-Reihe "Im Journal zu Gast" ging die Ressortchefin Samstagmittag davor aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden.

Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das Bifie meinte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Unterrichtsverpflichtung

Gleiches gilt für Überlegungen, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen, um die Budgetnöte des Ministeriums in Griff zu bekommen. Heinisch-Hosek bemerkte bloß, dass die Pädagogen derzeit zu viel an Verwaltungstätigkeit leisten müssten und mit sehr viel Bürokratie belastet seien. Werde dies reduziert und passe die Situation am Arbeitsplatz, werde die Frage, wie lange man in der Klasse stehe, nicht mehr im Vordergrund stehen.

In der Verantwortung, ihr Budget wieder in Balance zu bringen, sieht die Bildungsministerin auch den Finanzminister. Man habe die gemeinsame Verantwortung, die Unterdotierung des Bildungsressorts zu bewältigen, verwies Heinisch-Hosek auf die Notwendigkeit, im Schulbereich eingeleitete Reformen auch zu finanzieren.

Walser sieht Lackmustest für Ministerin

Die Koalition lässt wie üblich keine Gelegenheit aus, den jeweils anderen Partner schlecht zu schreiben. Diesmal ist es ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel, der sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nach deren Auftritt im "Journal zu Gast" als Angriffsziel genommen hat. In Sachen Zentralmatura fordert er: "Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen".

Es müsse endlich für Ordnung im Bildungsressort gesorgt werden, verlangt Blümel und weist diese Aufgabe gleich der Ministerin zu - "auch wenn sie stets versucht ihre Verantwortung anderen zu geben und anderen ihre Probleme zur Lösung weitergibt". Statt ständig nur mehr Geld zu fordern, solle die Ministerin "einfach ihre Arbeit machen".

Längere Pannenserie

Genauso unfreundlich mit Heinisch-Hosek geht der freiheitliche Bildungssprecher Walter Rosenkranz um. "Trotz der langen Pannenserie bei der Zentralmatura will sie für nichts die Verantwortung übernehmen", ärgert sich der FPÖ-Mandatar. Mit der "heißen Luft" aus dem heutigen Interview könnte man das Unterrichtsministerium ein ganzes Jahr beheizen, meint Rosenkranz und fordert Kanzler Werner Faymann (SPÖ) auf, seine Ministerin abzuziehen.

Verständnis dafür, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) Heinisch-Hosek kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen will, äußerte Team Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar. Die Ministerin habe sich das selbst zuzuschreiben. Ihren mangelnden Reformeifer habe auch Schelling längst erkannt.

Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser sieht die pannenfreie Durchführung der heurigen Zentralmatura als "Lackmustest" für die Bildungsministerin. Komme es auch diesmal zu Zwischenfällen, sei ein Rücktritt die logische Folge.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 04.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Politik

 

Abend, Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

Schicksalstag Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist,...

 

   Schicksalstag Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist, wie sie am Wochenende betonte, zutiefst vom Gelingen der Zentralmatura überzeugt. Na klar, was soll sie auch anderes sagen, nachdem sie es wieder und wieder verabsäumt hat, dieses Pannenprojekt ordentlich auf Schiene zu bringen. Die Reform der Reifeprüfung ist eine Serie von Peinlichkeiten und Schnitzern, die kaum mehr zu übertreffen ist. Dabei ist die Idee, eine vergleichbare Matura für alle zu machen, durchaus gut, vernünftig und fair. Nur funktioniert das mit dem Institut Bifie, das jegliches Monopol über Bildungsstudien hält und damit restlos überfordert ist, einfach nicht. So bleiben völlig verunsicherte Schüler und Lehrer zurück, die nun vor dem Dienstag zittern.

 

   Bei der anstehenden Bildungsreform und beim Streit um die Lehrerarbeitszeit hat die Regierung die unglücklich agierende Unterrichtsministerin aus der ersten Reihe genommen. Da geben die Minister Ostermayer, Schelling und Wiens Bürgermeister Häupl den Ton an. Und das ist definitiv kein Fehler. Doch eines ist klar: Der Dienstag wird auch zum Schicksalstag für Heinisch-Hosek. Geht bei der Zentralmatura erneut etwas schief, sind ihre Tage als Ministerin wohl gezählt.

 

 

Krone – 4. Mai 2015

 

Großes Zittern vor neuen Pannen bei Zentralmatura

Dienstag Startschuss

 

In den heimischen Schulen steigt die Nervosität - am Dienstag startet die neue Zentralmatura, die bisher Pannen am laufenden Band produzierte. Nach einem Datenleck, völligem Notenchaos bei den Probeläufen und zuletzt einem Schummel- Alarm, zittern Schüler, Eltern und Lehrer vor weiteren Malheuren.

Mit Sicherheitstransporten wurden die versiegelten Kuverts mit den Maturaaufgaben in den vergangenen Tagen an die Schulen geliefert, dort liegen sie nun in den Tresoren. Dienstagfrüh werden die Pakete dann geöffnet - aber nicht gleichzeitig. Wie berichtet, gibt es keine einheitliche Beginnzeit für die zentrale Reifeprüfung.  Wer gut vernetzt ist, kann Freunde über die Aufgaben informieren. Dieser Schummel- Alarm ist nur die - bisher - letzte Panne in einer langen Reihe an Missgeschicken.

Schon der Start der Zentralmatura musste um ein Jahr verschoben werden. Im Februar 2014 tauchten vertrauliche Schülertests im Internet auf, ein Jahr später brachen die Server beim Hochladen der Vorwissenschaftlichen Arbeiten zusammen. Dazu kamen Fünfer- Fluten, ein kurzfristig geänderter Notenschlüssel und fehlende Aufgaben bei den Probeläufen, Termin- Kollisionen mit der Stellung beim Bundesheer und ein Text mit Nazi- Ideologie.
Das Zittern ist verständlich.

Kommentar von Doris Vettermann: Schicksalstag

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch- Hosek ist, wie sie am Wochenende betonte, zutiefst vom Gelingen der Zentralmatura überzeugt. Na klar, was soll sie auch anderes sagen, nachdem sie es wieder und wieder verabsäumt hat, dieses Pannenprojekt ordentlich auf Schiene zu bringen. Die Reform der Reifeprüfung ist eine Serie von Peinlichkeiten und Schnitzern, die kaum mehr zu übertreffen ist.

Dabei ist die Idee, eine vergleichbare Matura für alle zu machen, durchaus gut, vernünftig und fair. Nur funktioniert das mit dem Institut Bifie, das jegliches Monopol über Bildungsstudien hält und damit restlos überfordert ist, einfach nicht. So bleiben völlig verunsicherte Schüler und Lehrer zurück, die nun vor dem Dienstag zittern.

Bei der anstehenden Bildungsreform und beim Streit um die Lehrerarbeitszeit hat die Regierung die unglücklich agierende Unterrichtsministerin aus der ersten Reihe genommen. Da geben die Minister Josef Ostermayer, Hans Jörg Schelling und Wiens Bürgermeister Michael Häupl den Ton an. Und das ist definitiv kein Fehler. Doch eines ist klar: Der Dienstag wird auch zum Schicksalstag für Heinisch- Hosek. Geht bei der Zentralmatura erneut etwas schief, sind ihre Tage als Ministerin wohl gezählt.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 04.05.2015                             Seite: 12

Ressort: Lokal

 

Ktn

 

Fünf bangen noch um Zulassung zum Auftakt am Dienstag

 

Zentralmatura: Sicherheitsakt für 1177 Schüler aus Kärnten

 

CHRISTIAN ROSENZOPF

 

Morgen, Dienstag, gibt es den mit Spannung erwarteten Auftakt zur Zentralmatura (siehe auch Seite 2). In Kärnten nehmen voraussichtlich 1177 Schüler an der österreichweit einheitlichen Reifeprüfung teil. Fünf müssen aber noch um die Freigabe zittern. So viel ist bereits sicher: Es wird ein „Hochsicherheitsakt".

 

   Bereits seit der Vorwoche sind die Angabezettel zur Zentralmatura in Tresors in 20 Kärntner Schulen aufbewahrt. „Sie sind in Kuverts mit Namen verpackt", so Rudolf Altersberger, Präsident des Landesschulrats.

 

   Fünf Schüler müssen aber noch bangen, ob sie beim Auftakt morgen dabei sind. Sie hatten einen Fünfer im Jahreszeugnis und müssen sich einer Wiederholungsprüfung stellen. Altersberger: „Insgesamt wirkt sich die Zentralmatura aber positiv aus, es gibt weniger Fünfer in den Jahreszeugnissen als sonst. Alle haben sich gewissenhaft vorbereitet."

 

   Dass die 1177 Schüler bei der Matura „schummeln", weil die Beginnzeiten unterschiedlich sind, und somit noch Aufgaben per Handy weitergeschickt werden, hält Altersberger für ausgeschlossen. „Es kann ein paar Minuten Unterschied geben, weil die Direktoren die Kuverts in mehreren Klassen austeilen, aber so schnell kann niemand schummeln."

 

   Los geht es morgen, Dienstag, mit Deutsch, am Mittwoch folgt Englisch, am Montag Mathematik.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 03.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Politik

 

Abend, Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

Unterrichtsministerin zu Arbeitszeit der Lehrer:

 

„2 Stunden mehr zumutbar"

 

   Wien. – Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hält zwei Stunden mehr für Lehrer in der Klasse für „zumutbar", gibt sich jedoch bei klaren Ansagen zur Bildungsreform und zu den Sparplänen im öffentlichen Dienst bedeckt.

 

   Im Ö1-„Journal zu Gast" versuchte die Ministerin am Samstag die Schüler in Sachen bevorstehender Zentralmatura zu beruhigen. Sie sei „zutiefst überzeugt", dass die neue Reifeprüfung funktionieren werde. Und auch die Arbeit des Bildungsinstituts Bifie, das eine Panne nach der anderen liefert, bewertet Heinisch-Hosek als gut.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 03.05.2015                             Seite: 16

Ressort: Krone-Bunt

 

Bunt

 

Der „Heinisch-HoSex-Plan"

 

Frau Minister Heinisch-Hosek will per Erlass alle Schüler ab Schuleintritt und während der gesamten Schulzeit hindurch vom Staat „sexuell erziehen" lassen. Die massive „Zwangs-Sexualisierung" aller Kinder und Jugendlichen soll unter Ausschaltung der Rechte der Eltern und durch Nichtfachleute erfolgen. Diese Bevormundung sollten wir uns keinesfalls gefallen lassen.

 

   Mit Frau Heinisch-Hosek an der Spitze des Schulwesens ist für Fehlschläge gesorgt. Ob die 30%ige Analphabeten-Rate unter den 15-Jährigen, die Blamage mit der Zentralmatura, das PISA-Desaster, das Bildungschaos in der Neuen Mittelschule oder die explodierenden Kosten eines immer schlechter werdenden Schulsystems – je ungeeigneter und erfolgloser Politiker sind, desto ideologischer werden sie: Ausgerechnet Frau Heinisch-Hosek will nun – im Alleingang – alle Schulkinder einer massiven, staatlichen Zwangs-Sexualisierung aussetzen; auf Basis der wissenschaftlich und gesellschaftlich höchst umstrittenen Gender-Ideologie. Ohne Einbindung des Parlaments hat sie einen „Grunderlass zur Sexualerziehung" erarbeiten lassen.

 

   Und dieser „Heinisch-HoSex-Erlass" hat es in sich: Die staatliche Zwangs-Sexualisierung soll mit Schuleintritt eines Kindes beginnen und erst nach vielen Jahren mit dem Austritt des Jugendlichen aus dem Schulbereich enden. Inhaltlich bezieht sich der für alle Schultypen geltende Erlass auf die – höchst umstrittenen – Sexualerziehungs-Standards der WHO (World Health Organisation). Die empfiehlt für Kinder vor dem 4. Lebensjahr „die Einführung in gleichgeschlechtliche Beziehungen, die Anerkennung der Vielfalt von Beziehungen (etwa Transsexualität) und die Lust beim Berühren des eigenen Körpers". Schon „in der frühen Kindheit" müsse man alle Aspekte von Sexualität lernen.

 

   Geht es nach dem Willen der Ministerin, sollen ab nun „Pädagoginnen und Pädagogen im Schulbereich, die keinesfalls Experten in Sachen Sexualerziehung sein müssen", den Kindern und Jugendlichen „Körperkompetenz" beibringen, also unter anderem „lustvolle Zugänge zu ihrem eigenem Körper". Das soll sogar noch „in sehr umfassender Weise gestaltet" werden. Gemeinsame Erkundungsübungen unter Anleitung von Pädagogen sind zu befürchten. Das Thema „Erotische Selbstaufnahmen" mit dem Handy soll in das Fach Medienerziehung fallen. Sechs-, Acht-, Elf- oder Zwölfjährige könnten sich also schon bald vor der eigenen Geschlechtsreife im Kreis von Gleichaltrigen mit Lehrern über die Vorlieben und Probleme bi- oder transsexueller Menschen unterhalten müssen.

 

   Kurzum: Hier geht es nicht um Aufklärung oder Toleranz, sondern darum, Kindern und Jugendlichen in einer Art staatlich verordnetem Gesinnungsunterricht alle sexuellen Spielarten als gleichwertig und normal darzustellen. Mann und Frau als gesellschaftliches Leitbild soll es nicht mehr geben. Die Erziehungsrechte der Eltern werden hier außer Kraft gesetzt. Das ist Gender-Ideologie. Eine kleine Gruppe im Bildungsministerium bestimmt künftig, wann der Zeitpunkt für die Pflicht-Sexualisierung eines Kindes gekommen ist, wie weit die Lehrer dabei gehen, welche Intimität sie dabei verletzen und welche Schamgrenze ein Kind zu überwinden hat.

 

   Eine solche gesellschaftspolitische Entscheidung von derartiger Tragweite darf nicht von Frau Heinisch-Hosek im Alleingang getroffen werden! Sollte dieser Erlass daher tatsächlich in Kraft gesetzt werden, muss das umgehende politische Konsequenzen zur Folge haben. Die Betroffenen sollten jedenfalls mit Verfassungsklagen vorgehen.

 

   PS: Die von Frau Heinisch-Hosek als Erlass-Begründung herangezogene WHO klassifiziert übrigens Transsexuelle als Persönlichkeits- und Verhaltensgestörte. Wie sie das den Kindern erklären will, lässt sich dem Erlass nicht entnehmen.

 

 

"Kurier" vom 04.05.2015                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, N.Ö., Morgen

 

bildungsdebatte

 

Neues ÖVP-Programm magerlt Gewerkschafter

 

   Unmut. Streng genommen geht es um sehr wenig, nämlich nur um ein einziges Wort: den Begriff "Gymnasium".

 

   Die Tatsache, dass die Volkspartei diesen Schultypus explizit in ihrem neuen Parteiprogramm erwähnen will, sorgt im Vorfeld des Bundesparteitages (12./13. Mai) nun allerdings für interne Diskussionen und Unmut.

 

   Wie berichtet, wollen Generalsekretär Gernot Blümel und sein Team das Bekenntnis zum Gymnasium auch im Grundsatzpapier der Partei festhalten - immerhin sei das Gymnasium mehrfach in Diskussion gewesen, so die Begründung. "Wir bekennen uns zum Gymnasium und setzen uns für die Erweiterung der Schulautonomie ein", sollte es ursprünglich im neuen Parteiprogramm heißen.

 

   Das "Problem" dabei: ÖVP-nahe Gewerkschafter und Pflichtschullehrer werten diese Formulierung als Geringschätzung aller anderen Schultypen und Lehrer.

 

   "Die 40.000 Volksschullehrerinnen und -lehrer hätten es sich genauso verdient im Parteiprogramm erwähnt zu werden", sagt Christgewerkschafter Paul Kimberger zum KURIER. "Die explizite Auflistung eines Schultyps ist eine deutliche Schwachstelle im Parteiprogramm."

 

   Generalsekretär Blümel will die Formulierung nun zwar ändern ("Wir bekennen uns zum Gymnasium und allen anderen Schularten in einem differenzierten Schulwesen").

 

   Für die Christgewerkschafter reicht das aber offenkundig nicht aus. Kimberger: "Ich bleibe dabei: Es täte der Volkspartei gut, alle Schultypen explizit zu erwähnen." Die Argumentation der ÖVP-Zentrale, das Gymnasium sei der einzige in Diskussion stehende Schultypus, lässt er nicht gelten: "Im Zuge der Bildungsdebatte werden und wurden ja auch andere Schultypen infrage gestellt."

 

   Christian Böhmer

 

 

Kurier – 3. Mai 2015

 

Ministerin von Zentralmatura "zutiefst überzeugt"

Trotz Pannenserie

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch- Hosek ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingen wird. In der Ö1- Reihe "Im Journal zu Gast" ging die Ressortchefin Samstagmittag davon aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden. Die Opposition und auch Koalitionspartner ÖVP zeigten sich von den Ausführungen der Ministerin nicht besänftigt.

Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das Bifie sagte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Lehrer zu sehr mit Bürokratie belastet

Gleiches gilt für Überlegungen, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen, um die Budgetnöte des Ministeriums in den Griff zu bekommen. Heinisch- Hosek sagte lediglich, dass die Pädagogen derzeit zu viel an Verwaltungstätigkeit leisten müssten und mit sehr viel Bürokratie belastet seien. Werde dies reduziert und passe die Situation am Arbeitsplatz, werde die Frage, wie lange man in der Klasse stehe, nicht mehr im Vordergrund stehen.

In der Verantwortung, ihr Budget wieder in Balance zu bringen, sieht die Bildungsministerin auch den Finanzminister. Man habe die gemeinsame Verantwortung, die Unterdotierung des Bildungsressorts zu bewältigen. Es sei notwendig, im Schulbereich eingeleitete Reformen auch zu finanzieren.

Neue Matura als Einladung zum Schummeln?

Erst vor wenigen Tagen hatten bei Heinisch- Hoseks Lieblingsprojekt Zentralmatura erneut die Alarmglocken geschrillt: Durch die unterschiedlichen Beginnzeiten würde es gut vernetzten Schülern leichter fallen als je zuvor, zu schummeln, warnten Experten. AHS- Lehrergewerkschafter Eckehard Quin sprang für die Ministerin in die Bresche und verwies darauf, dass die Schüler ihre Handys am Beginn der Matura abgeben müssten. 

ÖVP: "Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen"

"Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen", forderte ÖVP- Generalsekretär Gernot Blümel am Samstagnachmittag. Es müsse endlich für Ordnung im Bildungsressort gesorgt werden, so Blümel, der diese Aufgabe der Ministerin zuwies - "auch wenn sie stets versucht, ihre Verantwortung anderen zu geben, und anderen ihre Probleme zur Lösung weitergibt". Statt ständig nur mehr Geld zu fordern, solle die Ministerin "einfach ihre Arbeit machen".

Ebenso unfreundlich reagierte der freiheitliche Bildungssprecher Walter Rosenkranz auf Heinisch- Hoseks Ö1- Gespräch. "Trotz der langen Pannenserie bei der Zentralmatura will sie für nichts die Verantwortung übernehmen", so der FPÖ- Mandatar. Mit der "heißen Luft" aus dem heutigen Interview könnte man das Unterrichtsministerium ein ganzes Jahr lang beheizen. Rosenkranz forderte Kanzler Werner Faymann auf, seine Ministerin abzuziehen.

Grüne fordern bei weiteren Pannen Rücktritt

Der grüne Bildungssprecher Harald Walser sieht die pannenfreie Durchführung der heurigen Zentralmatura als "Lackmustest" für die Bildungsministerin. Komme es auch diesmal zu Zwischenfällen, sei ein Rücktritt die logische Folge.

Verständnis dafür, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling Heinisch- Hosek kein zusätzliches Geld zur Verfügung stellen will, äußerte Team- Stronach- Bildungssprecher Robert Lugar. Die Ministerin habe sich das selbst zuzuschreiben, ihren mangelnden Reformeifer habe auch Schelling längst erkannt.

 

 

"Kurier" vom 03.05.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Länder, Abend, Länder, Morgen

 

ÜBERBLICK

 

   Matura: Heinisch bleibt optimistisch.

 

Bildung. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingt. In der Ö1-Reihe Im Journal zu Gast ging die Ressortchefin am Samstag davon aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen vergangener Jahre abweichen. Bezüglich der Matura-Vorbereitung durch das Bifie meinte die Ministerin, sie habe volles Vertrauen. Ungeachtet dessen deutete sie erneut an, die Zentralmatura werde künftig wieder im Ministerium abgewickelt. Zur Frage, ob Lehrer künftig zwei Stunden länger pro Woche in der Klasse stehen sollen, sagte die Ressortchefin, dies sei denkbar; allerdings müssten Lehrer derzeit zu viele administrative Aufgaben erledigen. Ausnehmend kritisch äußerte sich neben den Oppositionsparteien der Koalitionspartner: ÖVP -Generalsekretär Gernot Blümel forderte Heinisch-Hosek auf, "endlich Ordnung im Ressort" zu machen und nicht immer Verantwortung abzuschieben.

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 04.05.2015

Ressort: VN-A

 

 

Start ohne Zentralmatura

 

   Wien. Ohne Zentralmatura erfolgt heute, Montag, der Start in die beiden Reifeprüfungswochen an den AHS. An diesem Tag werden das Fach Russisch sowie an vielen Schulen jene Gegenstände wie Informatik, Biologie oder Physik abgeprüft, für die es keine zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen gibt. Zentral werden die verpflichtenden sowie im Regelfall meistgewählten Fächer abgedeckt. Am Dienstag beginnt in den Schulen mit Deutsch die Zentralmatura. Es folgen Englisch (6.), Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen (jeweils 7.), Französisch (8.), Mathematik (11.), Italienisch (12.) sowie Latein bzw. Griechisch (13. Mai).

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 123 vom 04.05.2015               Seite: 11

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Matura startet konventionell

 

Ohne Zentralmatura starten heute die Reifeprüfungswochen an den Gymnasien.

 

   Wien, Innsbruck - Heute werden das Fach Russisch sowie jene Gegenstände abgeprüft, für die es keine zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen gibt - etwa Informatik, Biologie oder Physik.

 

   Start der an den AHS erstmals österreichweit verpflichtenden Zentralmatura ist dann morgen mit dem Fach Deutsch. Es folgen Englisch am Mittwoch, Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen am Donnerstag, Französisch am Freitag, Mathematik heute in einer Woche), Italienisch nächsten Dienstag sowie Latein bzw. Griechisch am Mittwoch in einer Woche. Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der Bifie-Homepage veröffentlicht.

 

   Die zentralen Reifeprüfungen in den Fremdsprachen sind übrigens nicht komplett gleich: Die Aufgabenstellungen orientieren sich an der jeweiligen Ausbildungsdauer (drei, vier, sechs oder acht Jahre) und sind daher nur innerhalb der gleichen Ausbildungszeit ident - jene Klassen, die also etwa sechs Jahre Französisch-Unterricht hatten, erhalten andere Aufgaben als jene mit vier Jahren.

 

   Komplizierter läuft es an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS), wo die neue Matura - mit einigen Unterschieden zu den AHS - erst ab 2015/16 verpflichtend wird. Allerdings erproben an 93 BHS bereits heuer rund 7000 Schüler im Rahmen von Schulversuchen die Zentralmatura in einem oder mehreren Fächern: Dort gibt es bei den Aufgaben zusätzlich noch Differenzierungen nach Schultyp (z. B.: HAK, HTL) bzw. sogar innerhalb des Schultyps (etwa innerhalb der HTL in Angewandter Mathematik entsprechend unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkten wie Elektronik oder Maschinenbau).

 

   Dieser Umstand hat auch für ein Problem bei der Auslieferung der Aufgaben gesorgt: Ins Holztechnikum Kuchl (HTL, Salzburg) wurde die Mathematik-Matura für die Chemie-HTL geschickt. Bei der vorgeschriebenen Kontrolle entdeckte der Direktor diesen Fehler - die Schule erhält nun die ?richtigen" Aufgaben für die Reifeprüfung am 11. Mai.

 

   In Tirol treten rund 2200 AHS- und BHS- Schüler zur Zentralmatura an. Allein an den Gymnasien sind es 1434.

 

 

Mittagsjournal, 2.5.2015

 

 

Zentralmatura wird "sicherlich gut gehen"

 

Im Ö1-Interview versucht SPÖ-Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek vor der neuen schriftlichen Matura zu beruhigen: Alles sei bestmöglich vorbereitet - vom zuständigen Bundesinstitut Bifie und auch von den Lehrerinnen und Lehrern. Diesen eine höhere Unterrichtsverpflichtung aufzubrummen, hält sie für durchaus zumutbar. Nach den Erfahrungen ihrer Vorgängerin Claudia Schmied schiebt sie diese Entscheidung aber noch ein wenig hinaus.

SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist "zutiefst überzeugt", dass die Zentralmatura gelingen wird. Sie geht davon aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden.

Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das Bifie meinte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Gleiches gilt für Überlegungen, die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden zu erhöhen, um die Budgetnöte des Ministeriums in Griff zu bekommen. Heinisch-Hosek bemerkte bloß, dass die Pädagogen derzeit zu viel an Verwaltungstätigkeit leisten müssten und mit sehr viel Bürokratie belastet seien. Werde dies reduziert und passe die Situation am Arbeitsplatz, werde die Frage, wie lange man in der Klasse stehe, nicht mehr im Vordergrund stehen.

In der Verantwortung, ihr Budget wieder in Balance zu bringen, sieht die Bildungsministerin auch den Finanzminister. Man habe die gemeinsame Verantwortung, die Unterdotierung des Bildungsressorts zu bewältigen, verwies Heinisch-Hosek auf die Notwendigkeit, im Schulbereich eingeleitete Reformen auch zu finanzieren.

Und was rät die Ministerin den knapp 20.000 Maturanten für Dienstag? „Ich weiß aus meiner Zeit, dass man eine gewisse Grundnervosität hat. Ich empfehle, vieles von dieser Nervosität daheim zu lassen, auf sich selber zu vertrauen und ganz frank und frei in diese Prüfung zu gehen. Sie wird sicherlich gut gehen."

 

 

Mittagsjournal, 2.5.2015

 

Zentralmatura im Lycee Francais

Am 5. Mai startet die Zentralmatura in Österreich. Der Weg war bekanntlich nicht einfach und von einigen Pannen begleitet. Bereits ein alter Hut ist die Zentralmatura in Frankreich - Vorzeigeland in Sachen Zentralmatura. Diese kennt man bereits seit Napoleons Zeiten, seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Dementsprechend entspannt blicken Lehrer und Schüler im französichen Gymnasium in Wien, dem Lycee Francais, der Matura entgegen.

 

 

Morgenjournal, 4.5.2015

 

Auftakt für Zentralmatura

Regina Pöll

Morgen ist es so weit: Da beginnt nach fast zehn Jahren Vorbereitung die österreichweite Zentralmatura an allen Gymnasien. Betroffen sind hier 19.200 Schülerinnen und Schüler, im Schulversuch dabei sind auch 7.000 Schüler an den berufsbildenden höheren Schulen.

Heute ist schon Russisch-Matura, weil diese Fremdsprache nur wenige betrifft, findet sie nicht zentral statt. Von Dienstag dieser bis Mittwoch nächster Woche wird es aber ernst mit den einheitlichen Ausgaben, die das Bifie, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, vorbereitet hat. Nach einer Pannenserie bei den Testläufen zur Zentralmatura im Vorjahr hofft SPÖ-Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) jetzt, dass diesmal alles gut geht für Lehrer und Schüler.

 

 

ORF – 4. Mai 2015

 

Geheimhaltung vor Zentralmatura

Für 5.270 AHS-Schülerinnen und -Schüler wird es morgen ernst, denn die Zentralmatura startet. Die Auslieferung der Prüfungsbögen an die Schulen lief streng geheim ab. Auch das Bildungsinstitut BIFIE setzt jetzt - nach vielen Pannen - auf Sicherheit.

Schüler üben für die Matura

Schuldirektoren mussten sich bei der Übernahme ausweisen und für die größtmögliche Sicherheit bei der Aufbewahrung der heiklen Dokumente sorgen. Denn es soll um jeden Preis vermieden werden, dass die Prüfungsfragen vorab in Schülerhände gelangen und somit nicht mehr verwendet werden können.

Für das Bildungsinstitut BIFIE, das die Zentralmatura organisiert, wäre das der Supergau. Der Direktor des Bifie, Jürgen Horschinegg erklärt, aber auch darauf vorbereitet zu sein: „Für den Fall, dass Aufgaben öffentlich werden, ist vorgesorgt. Es werden dann Ersatzpakete an die Schulen elektronisch übermittelt. Die werden dann an den Schulen ausgedruckt und die Schüer können dann etwas verspätet beginnen."

Schüler sind verunsichert

Bei der Umstellung auf die Zentralmatura war es bereits zu mehreren Pannen gekommen - mehr dazu in Zentralmatura: „Ausdrucken, abgeben, passt" und in Panne bei Mathematik-Matura an AHS. Unvollständige oder fehlerhafte Prüfungsfragen, für diesen Fall zeigt sich das vielgeprüfte Bifie jetzt gerüstet, so Horschinegg: „Sollten fehlerhafte Hefte geliefert worden sein, dann können diese sehr schnell nachproduziert werden anhand elektronischer Vorlagen, die wir dann ganz schnell übermitteln."

Als Versuchskaninchen sehen sich etliche Maturanten

Eine Matura ohne Probleme - das wünschen sich wohl alle Schülerinnen und Schüler, die heuer als erster Jahrgang die Zentralmatura absolvieren. „Ich bin für das System einer Zentralmatura, weil man dann den internationalen Vergleich viel besser herstellen kann, aber die Umsetzung war bisher nicht die Beste", resümmierte Zentralmatura-Kandidatin Karin.

Debatte: Was bringt die Zentralmatura?

Viele Schüler zeigen sich verunsichert, nicht zuletzt, weil die Lehrer zum Teil auch nicht wissen, was sie konkret zu erwarten haben. Ein Schüler gibt ein Beispiel: „Wir haben erst gestern von unserem Mathematiklehrer erfahren, dass gewisse statistische Tests jetzt doch nicht zur Matura kommen und die haben wir die letzten Wochen gelernt."

Zentralmatura startet mit Deutsch

Start der an den AHS erstmals österreichweit verpflichtenden Zentralmatura ist am Dienstag mit dem Fach Deutsch. Es folgen Englisch, Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen, Französisch, Mathematik, Italienisch sowie Latein bzw. Griechisch (13. Mai).

Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der BIFIE-Homepage veröffentlicht.

Ob alles geklappt hat, wird sich spätestens am 27. Mai zeigen: Dann werden die Noten der schriftlichen Matura bekanntgegeben. Die Termine für die mündliche Matura sind nach wie vor von Schule zu Schule unterschiedlich. Die mündlichen Maturafragen werden auch weiterhin nicht zentral vorgegeben.

 

 

ORF – 4. Mai 2015

 

Umstrittene Zentralmatura startet

Knapp 1.400 Salzburger Gymnasiasten stellen sich diese Woche der neuen Zentralmatura. Erstmals müssen Maturanten bundesweit zur selben Zeit ein und dieselben Fragen beantworten. Das Projekt sorgt schon lange für Debatten und heftige Kritik an der Bildungspolitik.

Die Berufsbildenden Höheren Schulen haben noch ein Jahr Schonfrist. In HTL, HAK oder Gewerblichen Schulen startet die Zentralmatura im kommenden Schuljahr.

Experten zweifeln an Sinn des Projektes

Gestartet wird an den Gymnasien am Dienstag mit der schriftlichen Deutsch-Matura - gefolgt von Englisch, Spanisch und Französisch. Das Angstfach Mathematik steht kommenden Montag auf dem Zentralmatura-Plan. Internationale Vergleichbarkeit der österreichischen Matura oder Verlust der Individualität - in diesem Spannungsfeld bewegen sich Befürwörter und Gegner der neuen Zentralmatura.

Auch die Salzburger Erziehungswissenschafterin Sabine Seichter sieht die Zentralmatura sehr kritisch. Vor allem weil sie Schülern und Lehrern einfach von oben aufs Auge gedrückt wurde, ohne dass sie vom Sinn dieser zentralen Reifeprüfung überzeugt worden wären.

"Alle über einen Kamm geschert"

Der Salzburger Autor Chrostoph Janacs, selbst Deutsch-Lehrer, ist einer der größten Gegner der Zentralmatura. Ihm kommt die Literatur bei der Deutsch-Matura zu kurz. Er kritisiert vor allem, dass alle Schüler über einen Kamm geschert werden, Individualität und Kreativität damit verloren gingen. Dass alle Schüler, vom eher leistungsschwächeren Osten bis zum leistungsstärkeren Westen, vom Realgymnasium bis zur Eliteschule dieselben Aufgaben lösen müssen, drücke das Niveau der neuen Matura, befürchten viele Kritiker.

Desaströses Vorspiel der Politik

Landeselternvertreter Gernot Schreyer glaubt, dass nach dem katastrophalen Probelauf der Mathematik-Matura im Jänner mit einem Drittel „Nichtgenügend" die Zentralmatura dieses Mal ziemlich leicht wird. Denn alles andere könnte sich die Politik nach ihren zahlreichen Pannen gar nicht mehr leisten.

 

 

ORF – 2. Mai 2015

 

Um Beruhigung vor ersten Zentralmatura bemüht

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist um Beruhigung bemüht und verspricht, dass es keine Probleme bei der ersten Zentralmatura geben wird. Im Ö1 Mittagsjournal sagt Heinisch Hosek, nach den Pannen im Probelauf sei nun für die 20.000 Maturanten alles optimal vorbereitet. Ob Heinisch Hosek die Abwicklung der Zentralmatura vom umstrittenen Bildungsinstitut direkt in das Ministerium zurückholt - das ließ sie offen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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