Montag, 4. Mai 2015

2015.05.05: Newsletter Bildung

ORF – 5. Mai 2015

 

Langjähriger Kampf

Mit dem Fach Deutsch sind Dienstagfrüh Tausende Schülerinnen und Schüler in die erste österreichweite Zentralmatura gestartet. Die mediale Aufregung war in den letzten Wochen ständig gestiegen, alle möglichen Szenarien, wo und wie etwas schiefgehen könnte, wurden durchgespielt.

Die Anspannung bei den direkt Betroffenen, den Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern an den AHS und BHS, stieg dadurch wohl zusätzlich. Diese Matura ist aber nicht nur die Reifeprüfung für die Maturantinnen und Maturanten dieses Jahrgangs, sondern vor allem auch eine für das heimische Bildungssystem. Jahrelang hatte es einen auch ideologisch gefärbten Kampf pro und kontra Zentralmatura gegeben, der auch mit viel Emotion geführt wurde. Nach der Grundsatzentscheidung wurde jahrelang über die Ausformung und die tatsächliche Umsetzung gestritten.

Wiederholte Pannen bei dem mit der Organsiation beauftragten Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) trugen nicht gerade dazu bei, das Vertrauen zu stärken, dass eine solche auch administrativ gewaltige Herausforderung gemeistert werden kann. Zuletzt hatten Warnungen, wegen unterschiedlicher Beginnzeiten könnten Schüler teils die Angaben vorab erfahren, für Aufsehen gesorgt.

Entscheidende Tage

Die nächsten Tage und Wochen werden nun zeigen, wie gut die Zentralmatura von politischer und administrativer Seite vorbereitet wurde - und wie sehr die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Schulen funktionierte, das angesichts einer immer wiederkehrenden Verunsicherung, auch aufseiten der Lehrer, die ebenfalls Neuland betreten.

Das Prozedere war seit langem klar: Die Kuverts wurden mittels Sicherheitstransporten an die Schulen geliefert, die Lieferwagen waren mit GPS-Sendern und teilweise mit Farbpatronen bestückt. An den AHS wurden die Aufgabenhefte an eine dem BIFIE bekannte, berechtigte Person übergeben. Erst zu Prüfungsbeginn durfte das Siegel gebrochen und die Hefte entnommen werden. Stellt sich heraus, dass etwas fehlt, gibt es die Möglichkeit, etwaige Fehlseiten vom BIFIE herunterzuladen. So sollen längere Verschiebungen der Beginnzeiten vermieden werden.

Schummeln mit Smartphone?

Die Beginnzeiten waren allerdings bis zur letzten Minute ein Diskussionsthema. Die FPÖ und Bundesschulsprecher Lukas Faymann wollten diese in ganz Österreich vereinheitlicht sehen. Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin (FCG), schloss das Ausnutzen unterschiedlicher Beginnzeiten der Zentralmatura für die Weitergabe von Beispielen per Smartphone praktisch aus.

„Da müsste ja wer im beaufsichtigten Raum das geschmuggelte Handy aus der Unterhose rausfischen, fotografieren und versenden. Das soll mir jemand einmal vorhupfen, wie das geht“. Die Schüler müssten ihre Handys am Beginn der jeweiligen Matura abgeben, so Quin. Man führe aber natürlich keine Leibesvisitationen durch. „In Einzelfällen wird es irgendeine Art des Schummelns immer geben. Aber dass wer im Prüfungsraum etwas abfotografiert - nein“, so Quin.

Heinisch-Hosek „zutiefst“ von Gelingen überzeugt

Heinisch-Hosek zeigte sich zudem am Samstag in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ „zutiefst überzeugt“, dass die Zentralmatura gelingen wird. Sie gehe davon aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden. Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das BIFIE meinte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Opposition sieht Nagelprobe für Bildungsministerin

Der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, sieht die pannenfreie Durchführung der Zentralmatura allerdings als „Lackmustest“ für Heinisch-Hosek. Komme es auch diesmal zu Zwischenfällen, sei ein Rücktritt die logische Folge. Auch FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz übte Kritik an der Bildungsministerin: „Trotz der langen Pannenserie bei der Zentralmatura will sie für nichts die Verantwortung übernehmen.“ ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel forderte nach Heinisch-Hoseks Auftritt im „Journal zu Gast“ in Sachen Zentralmatura „Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen“.

BIFIE veröffentlicht Aufgaben online

Der Auftakt zu den beiden Maturawochen erfolgte am Montag ohne Zentralmatura. An diesem Tag wurden das Fach Russisch sowie an vielen Schulen Gegenstände wie Informatik, Biologie und Physik abgeprüft, für die es keine zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen gibt.

Das BIFIE erstellt nur für die Fächer Deutsch (bzw. die anderen Unterrichtssprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch), Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch und Latein die Aufgabentexte. Damit sind die verpflichtenden sowie die im Regelfall meistgewählten Fächer abgedeckt. In allen anderen Gegenständen erarbeiten weiter die jeweiligen Fachlehrer die Maturabeispiele und reichen diese bei den Landesschulräten zur Genehmigung ein.

Nach der Deutschmatura am Montag folgen Englisch (6. Mai), Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen Kroatisch, Slowenisch und Ungarisch (7. Mai), Französisch (8. Mai), Mathematik (11. Mai), Italienisch (12. Mai) sowie Latein bzw. Griechisch (13. Mai). Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der Website des BIFIE veröffentlicht.

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ist die Zentralmatura erst ab dem Schuljahr 2015/16 verpflichtend. Allerdings erproben an 93 BHS bereits heuer rund 7.000 Schüler im Rahmen von Schulversuchen die Zentralmatura in einem oder mehreren Fächern.

 

Morgenjournal, 5.5.2015

 

Zentralmatura: Schummeln nicht möglich

Ö1-Schulexpertin Regina Pöll, Andrea Maiwald

Ein holpriger Weg war es zur Zentralmatura. Zuletzt gab es Aufregung über die unterschiedlichen Beginnzeiten der Klausuren. Das Unterrichtsministerium aber ist sicher, dass es keine Möglichkeiten gibt, via ein geheimes Zweithandy etwa zu schummeln.

Es werden fünf entscheidende Stunden - für das österreichische Bildungssystem genauso wie für die Schüler: Heute ist Premiere der Zentralmatura in Deutsch. Drei Themenkomplexe stehen zur Wahl, zu einem davon müssen die Schüler dann zwei Aufgaben lösen.

Noch sind die Fragebögen geheim. Je nach Schulstandort werden die Kuverts zwischen halb acht und neun Uhr geöffnet. Diese unterschiedlichen Beginnzeiten sorgen für Spekulationen: Schüler, die früher dran sind, könnten anderen die Aufgaben via Handy verraten. Aus dem Unterrichtsministerium heißt es dazu, alle müssten ihre Handys abgeben oder auf die Tische legen. Schummeln sei also unmöglich.

Nach Deutsch folgen morgen Englisch, danach weitere Fremd- oder Unterrichtssprachen, außerdem Mathematik und am Mittwoch nächster Woche Latein und Altgriechisch. Innerhalb von zehn Tagen erfahren die Schüler dann ihre Ergebnisse in den einzelnen Fächern.

 

 

Morgenjournal, 5.5.2015

 

Zentralmatura startet mit Deutsch

Vom GRG 7 im 7. Bezirk, Julia Schmuck

Nach fast zehn Jahren Vorbereitung ist es so weit: Für 19.200 Schüler an den Gymnasien geht die die vieldiskutierte und vielkritisierte Zentralmatura los. Per Schulversuch dabei sind auch 7.000 Schüler an den berufsbildenden höheren Schulen. Auf dem Programm steht heute als erstes Hauptfach Deutsch. Auch im GRG 7 im 7. Bezirk in Wien.

 

 

ORF / ZIB 24 – 4. Mai 2015

 

Premiere der Zentralmatura steht bevor

Am Dienstag tritt der erste Jahrgang zur Zentralmatura an. Nach 10 Jahren pannenreicher Vorbereitungszeit ist Deutsch das erste Fach, das mit der neuen Matura abgeprüft werden wird.

"Die Presse" vom 05.05.2015                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Matura: Kritik an Versprechen der Ministerin

 

   Nicht mehr Nicht genügend als bisher?

 

   Wien. Der Startschuss fällt heute, Dienstag: Rund 19.000 Schüler treten zur österreichweit ersten verpflichtenden Zentralmatura im Fach Deutsch an. Fünf Stunden haben sie Zeit, die zentralen Aufgaben zu erfüllen.

 

   Dass Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zuletzt prophezeit hat, dass die Ergebnisse bei der Zentralmatura nicht von der alten Reifeprüfung in den vergangenen Jahren abweichen werden - es also nicht mehr Nicht genügend geben wird -, sorgt für Kritik: "Solche Äußerungen seien unvorstellbar und eine Bankrotterklärung jeder seriösen Leistungsmessung", sagt der einst für die Zentralmatura zuständige Ex-BIFIE-Chef Josef Lucyshyn zur "Presse". Wenn sich jemand im Vorhinein überlege, wie ein ganzer Maturajahrgang abzuschneiden habe, dann bedeute das nichts anderes, als dass dieser Politiker bei der Leistungsbeurteilung intervenieren möchte, wenn das Ergebnis nicht dem Wunsch entspreche, so Lucyshyn. (j. n.)

 

   Das ganze Interview finden Sie unter: diepresse.com/matura

 

 

Die Presse – 5. Mai 2015

 

 

Zentralmatura: "Hatten bisher vergleichsweise wenig Pannen"

Trotz größter Sorgfalt könne man Zwischenfälle bei der Zentralmatura nie ausschließen, sagt der einst zuständige Ex-BIFIE-Chef Josef Lucyshyn.

Heute, Dienstag, startet die Zentralmatura. Fünf Stunden haben die AHS-Maturanten Zeit, die Aufgaben im Fach Deutsch zu bearbeiten. DiePresse.com hat mit dem einst für die Zentralmatura zuständigen Ex-BIFIE-Chef Josef Lucyshyn über die stark kritisierte Vorbereitung der Reform gesprochen. 

Die Presse: Glauben Sie, dass die heute startende Zentralmatura nach all den Zwischenfällen bei der Generalprobe reibungslos über die Bühne gehen wird?
Josef Lucyshyn: Bei der Entwicklung, der Testung, der Auswahl und der Lagerung sowie beim Druck der Beispiele und deren Auslieferung ist nach menschlichem Ermessen ein Höchstmaß an Sicherheit hergestellt worden. Man kann nicht mehr machen als die Beispiele in Panzerwagen zuzustellen.

Was kann dann eigentlich noch schief gehen?
Es könnten in den Schulen aus den gesicherten Räumen Aufgaben gestohlen werden. Das ist ein möglicher Risikofaktor. Für Ersatzthemen ist aber auch für diesen Fall Vorsorge getroffen worden: die Prüfungsaufgaben stünden für einen Download bereit.

Bisher waren nie die Schulen, sondern stets das BIFIE für die Zwischenfälle – Stichwort fehlende Angabezettel – verantwortlich.
Man wird trotz größter Sorgfalt nie ausschließen können, dass bei den Aufgabenpaketen irgendwo ein falscher Zettel hineingepackt wird. Für diese Fälle ist Vorsorge getroffen worden. Schulen wissen, was sie in dem Fall machen müssen.

Bei der Generalprobe in Deutsch wurde ein Text mit NS-Ideologie vorgelegt. Das ist wohl kein Fehler, der einfach passieren kann.
Natürlich muss man bei der Auswahl von Aufgaben sehr sensibel umgehen, sie inhaltlich, nach gesellschaftspolitischer Relevanz und sprachlicher Qualität usw. überprüfen. Das ist ein Lernprozess. Klar ist aber auch, dass es an der Auswahl von Aufgaben immer Kritik geben wird. Irgendjemandem wird immer eine Aufgabenstellung nicht passen. Das kann bis zu einem hysterischen Hype – wie eben bei der Deutschzentralmatura im Vorjahr – getrieben werden. Der Text war zweifelsohne ein Fehlgriff, aber zur Verteidigung des BIFIE muss man sagen, dass diese Beispiele schon davor in vom Ministerium approbierten Lehrbüchern gestanden sind. Das hat die IG Autoren und diverse Fachexperten nicht aufgeregt. Erst bei der Zentralmatura meldeten sie sich zu Wort. Als Konsequenz in dieser Frage empfehle ich eine verstärkte Endkontrolle, um die Qualität bestmöglich zu sichern.

Sind die Pannen Ihrer Meinung nach also gar nicht so schlimm?
Ich habe mir die Entwicklung von zentralen Reifeprüfungsmodellen in anderen Ländern angesehen. Und da muss man sagen: Wir hatten in Österreich bisher vergleichsweise wenig Pannen. Vor allem angesichts dessen, dass wir das Projekt, für das andere Länder zehn bis 15 Jahre brauchten, innerhalb von vier Jahren aus dem Boden gestampft haben. Was in Österreich auffällt, ist, dass die Pannen, die passiert sind, ungeheuerlich aufgebauscht wurden – von den Medien, den Politikern und von den Gruppen, die sich gegen die Zentralmatura bis zuletzt zu wehren versuchten.

Hätte man sich bei der Einführung der Zentralmatura mehr Zeit lassen sollen?
In Mathematik hätte man noch ein bisschen Zeit brauchen können. Hier gelang die Umstellung des Unterrichtes nicht so rasch, wie man das angenommen hatte. Immerhin hat das dazu geführt, dass der Beginn um ein Jahr verschoben wurde.

Warum ist die Hysterie in Österreich eigentlich gar so groß?
Weil die Hysterie teilweise geschürt wurde. Es hat viele Gruppen gegeben – auch aus dem Bereich der Lehrervertretung –, die gegen die neue Matura opponiert haben. Auch Wissenschaftler, die dem Bildungsbegriff aus der humboldtschen Zeit noch immer nachweinen oder am Projekt nicht mitarbeiten konnten, haben öffentlich gegen die Zentralmatura Stimmung gemacht.

Würden Sie sagen, dass die Zentralmatura ein gelungenes Projekt ist?
Ich möchte es als großen Erfolg bezeichnen, dass die Reifeprüfung in dieser standardisierten Form durchgeführt werden kann. In anderen Ländern – etwa in Ungarn – wurde das Projekt abgebrochen, als die Politik aufgrund der Interventionen kalte Füße bekam. Dass die Zentralmatura optimierbar ist, ist auch keine Frage, das ist ein Prozess, der noch einige Jahre dauern wird.

Was sollte optimiert werden?
Das sollte man sich auf Basis einer Evaluierung nach den ersten beiden Jahren an AHS und BHS anschauen.

Viele rätseln, wie die Matura ausfallen wird. Die Bildungsministerin hat immer darauf hingewiesen, dass sich bei der Notenverteilung nicht viel ändern wird. Warum kann man das schon vorher wissen?
Solche Äußerungen kann nur jemand machen, der von der ganzen Sache wenig Ahnung hat. Man kann im Vorhinein keine Noten festlegen. Wenn sich jemand im Vorhinein überlegt, wie ein ganzer Maturajahrgang abzuschneiden hat, dann bedeute das nichts anderes, als dass dieser Politiker bei der Leistungsbeurteilung intervenieren möchte, wenn das Ergebnis nicht seiner Wunschvorstellung entspricht. Das ist kontraproduktiv, entwertet jede erbrachte Leistung und ist eine Bankrotterklärung seriöser Leistungsmessungen.

Wurde in Ihrer Zeit als BIFIE-Chef interveniert?
In Ergebnisse wurde nicht eingegriffen, in den Prozess sehr oft. Politiker haben Angst vor negativen Ergebnissen und negativen Schlagzeilen – das kann man durchaus verstehen, denn letzten Endes müssen sie eine solche Reform auch politisch verantworten. Das darf aber nicht dazu führen, dass sie mit Versprechungen geringerer Leistungsansprüche die Motivation der Schülerinnen und Schüler mindern und so die Matura entwerten. Ich habe den Eindruck, dass sich alle Beteiligten sehr um einen Erfolg bemühen, und dafür muss man den Lehrerinnen und Lehrern und den Mitarbeiter des BIFIE  auch einmal danken.

Welche Notenverteilung erwarten Sie sich von der Zentralmatura?
Ich kann nur meine persönliche Einschätzung geben: Es wird keine größeren Schwankungen bei den Lebenden Fremdsprachen, Latein und Griechisch geben. In Deutsch erwarte ich ebenso keine gravierenden Änderungen bei den Ergebnissen, weil hier der Beurteilungsspielraum naturgemäß größer ist. In Mathematik könnte es Schwankungen geben – und zwar an jenen Schulen, die überhaupt nicht an der Vorbereitung zur Zentralmatura mitgemacht haben oder sich bisher mit geringen Leistungen zufrieden gaben. Dort könnte es zu positiven oder negativen Überraschungen kommen.

Das BIFIE soll ja reformiert werden und womöglich die Verantwortung für die Zentralmatura an das Ministerium abgeben. Wie beurteilen Sie das?
Das wäre ein fataler Schritt. Man darf nicht davon ausgehen, dass mit den heurigen Aufgabenbeispielen die Arbeit getan ist und man in den kommenden Jahren keine Weiterentwicklung braucht. Es wird weiterhin notwendig sein, dass qualifizierte Prüfungsaufgaben entwickelt und erprobt werden. Insofern ist es nicht ratsam, das BIFIE stillzulegen, denn es ist unrealistisch, dass ein paar Ministerialbeamte die Entwicklung der ganzen Aufgaben übernehmen. Das war übrigens einer der Gründe, warum man seinerzeit das BIFIE ausgegliedert hat. . .

Das BIFIE als reines Forschungsinstitut und der Staat als Verantwortlicher über die Zentralmatura ist für Sie also nicht denkbar?
Denkbar ist in der Politik alles – auch Schlechtes. Ich plädiere für eine sinnvolle Veranwortungsteilung: Das BIFIE sollte weiter die Aufgaben entwickeln, die Verantwortung des Ministeriums sollte dann bei der endgültigen Auswahl der Prüfungsaufgaben zum Tragen kommen.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Thema des Tages

 

Steiermark

 

Matura, die große Zäsur des Lebens

 

Zentral oder nicht, an der Nervosität ändert das wenig. Wir fragten Prominente nach ihren Erinnerungen an die Matura, den Einschnitt zwischen Kindheit und Jugend.

 

   Heute treten 19.164 Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich zur Matura an. Zur Zentralmatura. Es ist das erste Mal, dass alle dieselben Fragen beantworten, dieselben Aufgaben lösen müssen. Eine Revolution, die erste seit der Einführung der Reifeprüfung 1949. Damals ersetzte diese große Abschlussprüfung den zweijährigen „philosophischen Lehrgang“, den Absolventen des sechsjährigen Gymnasiums entweder an der Universität oder an einem „Lycée“ belegen mussten.

 

   1908 wurde die Zahl der schriftlichen Fächer auf drei reduziert (Deutsch, Latein, Griechisch), die der mündlichen auf vier (Deutsch, Latein oder Griechisch, Geografie und Mathematik).

 

   Vieles, was heute als neu und revolutionär gilt, gab es schon damals. So kannte man bereits die „Kompetenzorientierung“. Die Schüler sollten aus dem gesamten Oberstufenstoff den „festen Stamm des Wissens“ beherrschen, nicht die „äußersten Spitzen der Gymnasialkenntnisse“. Auch die vorwissenschaftliche Arbeit ist keine Premiere. Die „Hausarbeit“ der Zwischenkriegszeit aber stieß bald auf Widerstand.

 

   Zum Auftakt der Zentralmatura fragten wir nach Erinnerungen an diese Zäsur zwischen Kindheit und Jugend.

 

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"Kleine Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Thema des Tages

 

Steiermark

 

ZUR ZENTRALMATURA

 

334 AHS nehmen heute in ganz Österreich an der ersten...

 

   334 AHS nehmen heute in ganz Österreich an der ersten Zentralmatura teil.

 

   180.000 Aufgabenhefte hat das Bifie an die Schulen übermittelt, 167.000 an AHS, 13.000 an BHS.

 

   10 Minuten dauert die mündliche Matura mindestens, längstens 20 Minuten.

 

   21 Schülerinnen und Schüler haben das Fach Altgriechisch gewählt.

 

   235 Euro beträgt die Prüfungstaxe für die Betreuung einer vorwissenschaftlichen Arbeit. Dazu kommen noch 32 Euro für Korrektur, Präsentation, Diskussion.

 

   300 Minuten dauert die heutige schriftliche Matura in Deutsch.

 

   1850 fand zum ersten Mal eine Maturaprüfung statt.

 

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"Kleine Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Thema des Tages

 

Steiermark

 

Sympathiefaktor

 

   Julia Cencig (Schauspielerin): Bis heute weiß ich nicht, wie ich die schriftliche Matura in Mathematik geschafft habe. Geschrieben hab ich sie am Gymnasium Völkermarkt. Ich war so nervös. Der Lehrer hat sich damals aber zu einem Vierer erbarmt. In den anderen Fächern hatte ich keine Probleme und die mündliche Matura habe ich richtig genossen: Da ist wohl damals schon mein schauspielerisches Talent durchgeblitzt. So eine Prüfungssituation ist ja auch eine Darbietung. Die Lehrer haben das wohl ähnlich gesehen: Sie kannten meine Talente und ließen es mir manchmal durchgehen, wenn ich in manchen Gegenständen nicht so sattelfest war. Dieser Sympathiefaktor fällt bei der Zentralmatura jetzt wohl zu großen Teilen weg. Andererseits ist das wieder eine gute Sache: Die Prüfungen werden dadurch gerechter. Schließlich kann es ja auch sein, dass ein Lehrer einen Schüler nicht ausstehen kann.

 

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"Kleine Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Thema des Tages

 

Steiermark

 

Moderatorenreife

 

   Michael Ostrowski (Autor, Schauspieler, Moderator): Ich war beim Schüleraustausch in Frankreich und habe dort ein zentralistisches System kennengelernt. Für mich wäre es ein Albtraum gewesen, so eine zentralistische, unpersönliche Prüfung ablegen zu müssen. Aber auch als ich am BG Stainach maturiert habe, war die Reifeprüfung Schwachsinn: Dass man an vier Tagen niedergeprüft wird und alles abrufen muss, was man sich binnen kürzester Zeit vorher reingefressen hat, ist sinnlos. Deshalb finde ich beim neuen Modell den Ansatz ganz gut, dass die Leistung gestreut wird, es also auch die vorwissenschaftlichen Arbeiten gibt, die man selbstständig erarbeitet. Für mich lief es bei der Matura gut, weil ich immer ein Prüfungstyp war. Das hilft mir bis heute und deshalb habe ich auch kein Trauma davongetragen. Der Vorsitzende hat nach meiner Mündlichen gesagt: „Na, dich sehen wir dann im ORF wieder.“

 

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"Kleine Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Thema des Tages

 

Steiermark

 

Kuchen zur Matura

 

   Egyd Gstättner (Schriftsteller): Zur Deutschmatura am BG I in Klagenfurt habe ich Kaffee und Kuchen mitgenommen. Geschrieben habe ich 20 Seiten über Sophokles: „Ungeheuer ist viel und nichts ungeheurer als der Mensch“. Vor fünf Jahren habe ich die Arbeit dann bei einem Klassentreffen wieder zurückbekommen. Der Sohn des Schulwarts hatte sie davor bewahrt, verbrannt zu werden. Jetzt wird sie wohl in meinen Nachlass eingehen oder ein Germanist kauft sie mir ab. Ich habe jedenfalls nur positive Erinnerungen an die Matura; nicht nur in Deutsch, auch in den anderen Fächern. Da tun mir die heutigen Schüler leid. Meine Tochter maturiert ja nächstes Jahr. Diese Zentralmatura mag zwar für Gerechtigkeit sorgen, aber besser wäre Menschlichkeit. Außerdem ist es eine Gerechtigkeit für dressierte Affen, wenn man sieht, wie sinnlos und grässlich manche Beispiele sind. Kreativität und Eigenständigkeit gehen durch diese Reifeprüfung verloren.

 

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"Kleine Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Thema des Tages

 

Steiermark

 

Nur mit Thermoskanne

 

   Christa Neuper, Rektorin der Karl-Franzens-Universität Graz: Ich habe 1976 am Akademischen Gymnasium maturiert und rückblickend kann ich sagen, das war weder ein Schrecken noch sind mir Albträume nachgehangen. Die langen schriftlichen Klausuren waren aber schon eine neue Erfahrung. Da bin ich mit einer Thermoskanne voll Kaffee hingegangen. In Mathematik hat mich die schriftliche Prüfung etwas verunsichert, weil ich mit den Aufgaben eigentlich relativ schnell fertig war. Insgesamt war ich eine gute Schülerin, auch gut vorbereitet, deshalb bereitete mir das alles nicht so viel Stress. Bei den mündlichen Prüfungen waren die Nerven aber angespannt, weil ich da vor der ganzen Prüfungskommission reden musste. Alles in allem begrüße ich die Standardisierung der Reifeprüfung, wie es sie ja international schon in vielen Ländern gibt. Diese Vergleichbarkeit hat gerade auch in Hinblick auf die weiteren Hochschulkarrieren Sinn.

 

 

KLZ – 5. Mai 2015

 

Zentralmatura startet mit Deutsch-Reifeprüfungen

Mit den Klausuren im Fach Deutsch startet am Dienstag an den AHS die erste österreichweite Zentralmatura. Dabei müssen alle 19.200 AHS-Maturanten idente, vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegebene Aufgaben lösen. Korrigiert werden diese vom Klassenlehrer nach einem standardisierten Raster.

Nach Deutsch folgen Englisch (6.), Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen (jeweils 7.), Französisch (8.), Mathematik (11.), Italienisch (12.) sowie Latein und Griechisch (jeweils 13. Mai). Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung veröffentlicht.

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) wird die neue Reifeprüfung erst 2015/16 verpflichtend. Allerdings erproben bereits heuer rund 7.000 BHS-Schüler im Rahmen von Schulversuchen die Zentralmatura in einem oder mehreren Fächern.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 103 vom 05.05.2015              Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Zentralmatura unter höchster Geheimhaltung

 

    Der Versand der Prüfungsaufgaben wurde überwacht wie ein Geldtransport.

 

   Wien. Die Unterrichtsbehörden gehen bei der Zentralmatura, die ab heute, Dienstag, erstmals abgehalten wird, auf Nummer sicher. Um die Geheimhaltung der Prüfungsfragen zu gewährleisten, wurde der Transport der Aufgaben, ganz wie ein Geldtransport, mit GPS-Sendern überwacht. Wie bei Geldscheinen wurden die Prüfungsbögen versiegelt, sodass Farbe verspritzt worden wäre, hätte sie jemand vor der Übergabe an den Schuldirektor geöffnet.

 

   19.200 Maturanten an den Gymnasien und rund 7000 an den berufsbildenden Schulen (BHS) schreiben heute Vormittag ihre Deutschmatura zu denselben Aufgabenstellungen. Es ist die erste Klausur der schriftlichen Zentralmatura, die heuer zum ersten Mal regulär an allen 334 AHS und an 93 BHS durchgeführt wird. Nach Deutsch ist morgen Englisch, übermorgen Spanisch und am Freitag Französisch an der Reihe. In Italienisch und Latein wird kommende Woche zentral maturiert – nach Mathematik am kommenden Montag.

 

    Vor diesem Fach haben die meisten Maturanten den größten Bammel. Bei der letzten Probeschularbeit in Mathematik gab es 28 Prozent Fünfer – fast doppelt so viele wie auf die Mathematura in alter Form. Seite 11

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 103 vom 05.05.2015             Seite: 11

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Jetzt geht’s los mit der Zentralmatura

 

   Den Anfang macht die Deutschmatura. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm.

 

   Alexandra Parragh Wien. Heute startet die Zentralmatura. Bei Beate Schusta, Maturantin des Mary-Ward-Privatgymnasiums in St. Pölten, hält sich die Nervosität jedoch in Grenzen. „Heute ist Deutsch und morgen Englisch und am Donnerstag dann Spanisch dran. Da mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Spannend wird es erst nächste Woche am 11. Mai, wenn Mathematik an der Reihe ist“, sagt die 17-Jährige.

 

   So wie ihr geht es wohl vielen der insgesamt 19.164 AHS-Maturanten und rund 7000 Maturanten der berufsbildenden höheren Schulen (BHS), die nun erstmals die Matura zur selben Zeit absolvieren. Dass nicht mehr der Klassenlehrer die Prüfungsaufgaben stellt, sondern das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) sie zentral vorgibt, bedeutet in Mathematik die größte Veränderung. Rechenoperationen können nicht mehr auswendig eingelernt, sondern müssen verstanden werden. „Es ist schwieriger als früher, einen Einser zu schreiben“, meint Schusta, die unbedingt ein gutes Maturazeugnis haben will.

 

   Sie sei zufrieden, dass nach den vielen Pannen beim Probedurchlauf zur Zentralmatura bis hin zu den Übertragungsproblemen beim Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeit nun keine nennenswerten Komplikationen mehr aufgetreten sind. „Das Bifie hat sich bemüht“, sagt Schusta.

 

   Dabei war die Geheimhaltung der rund 180.000 Aufgabenhefte eine regelrechte logistische Herausforderung. Das Bifie musste haarklein planen, wann und wie die mehr als 400 Lastwagen in den vergangenen Wochen die Prüfungsbögen an die 427 teilnehmenden Schulen auslieferten. Sie wurden wie Geldtransporter per GPS-Sender überwacht. Wie bei Geldscheinen waren auch die Prüfungsbögen so versiegelt, dass Farbe verspritzt worden wäre, wenn sie jemand vor der Übergabe an den Schuldirektor aufgemacht hätte.

 

    Das Bifie hat für den Fall, dass Maturaaufgaben vor Prüfungsbeginn nach außen dringen, in jedem Fach vorsichtshalber eine Ersatzmatura vorbereitet. Die können Schulen mit Zugangscodes von der Bifie-Webseite herunterladen.

 

   Jener handverlesene Kreis an Bifie-Mitarbeitern, der weiß, welche Aufgaben zur Matura genau kommen, ist zur Geheimhaltung verpflichtet. Dasselbe gilt für Schuldirektoren, die die Prüfungsbögen entgegengenommen und im Schultresor versperrt haben.

 

   Aber auch das nützt nicht immer. In den Niederlanden musste 2013 die Matura an einer Schule in Rotterdam wiederholt werden, nachdem Prüfungsfragen aus dem Tresor gestohlen, fotografiert und ins Internet gestellt worden waren.

 

    „Ich will nur, dass alles gut geht“, sagt Maturantin Schusta.

 

 

"Österreich" vom 05.05.2015                                 Seite 4,5

Ressort: Thema des Tages

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, CityWien, CityNÖ

 

Zentralmatura startet jetzt

 

Heute ist jede Schule Fort Knox

 

Höchste Sicherheitsstufe für die Prüfungs-Aufgaben

 

26.000 Schüler treten heute österreichweit zum ersten Mal zur Zentralmatura an.

 

Wien. Die Nervosität ist hoch -heute hat die Zentralmatura ihre Premiere. 19.200 Gymnasiasten und 7.000 Schüler aus den BHS treten heute zur Deutsch-Klausur an. Im Bildungsministerium hat man fieberhaft daran gearbeitet, dass heute alles gut läuft, noch eine Panne würde die Zukunft von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gefährden (siehe Kasten rechts).

 

Themen so sicher wie Goldspeicher Fort Knox

 

Der heutige Ablauf ist genau durchgeplant, so wie in Fort Knox, dem Goldreservenlager der USA. Nichts wird dem Zufall überlassen:

 

n Aufgaben. Zwischen 7.30 und 10 Uhr startet die Matura. Der Lehrer holt knapp davor das versiegelte Kuvert mit den Angaben aus dem Tresor der Schule. Erst im Prüfungsraum wird das Kuvert vor den Augen der Schüler geöffnet, werden die Angaben ausgeteilt.

 

n Sicherheit. Die Kuverts liegen teilweise schon bis zu zwei Wochen in den Tresoren der Schulen. Die Übergabe erfolgte mit Sicherheitstransportern, die Kuverts sind sogar mit Farbpatronen versehen, die bei unerlaubtem Öffnen explodieren.

 

n Schummeln. Bevor die Schüler die Matura starten, müssen sie ihre Handys abgeben. Das Besuch des WC ist nur mit Vorankündigung erlaubt. Neben Stiften dürfen nur ein Wörterbuch oder Lineal, Zirkel und Taschenrechner ( Mathematik) mitgenommen werden. Geschrieben wird auf den Angabebögen, eigene Blätter dürfen nicht verwendet werden.

 

n Zeitdruck. Für die Deutsch-Matura haben die Schüler fünf Stunden Zeit, in den anderen Fächern sind es viereinhalb Stunden. (pli)

 

Der Fahrplan der Zentralmatura:

 

Dienstag, 5. Mai. Klausur in Deutsch, 5 Stunden Zeit. Mittwoch, 6. Mai. Matura in Englisch, 4,5 Stunden. Donnerstag, 7. Mai. Spanisch, Sprache der Volksgruppen (Kroatisch, Slowenisch, Ungarisch). Freitag, 8. Mai. Klausur in Französisch, 4,5 Stunden. Montag, 11. Mai. Prüfung Mathematik, 4,5 Stunden. Dienstag, 12. Mai. Italienisch-Matura. Mittwoch, 13. Mai. Latein.

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"Österreich" vom 05.05.2015                                   Seite 5

Ressort: Thema des Tages

 

Wien, CityWien

 

Angst vor Pannen bei Prestige-Projekt

 

Ministerin vor Matura so nervös wie Schüler

 

Hochspannung bei Heinisch-Hosek: Ihr Ministerium überlässt diesmal nichts dem Zufall.

 

Wien. Es ist eines der größten Projekte der bisher nicht unbedingt erfolgsverwöhnten Bildungsministerin Heinisch-Hosek, entsprechend nervös ist man vor der Zentralmatura. Nach dem Streit mit den Schülervertretern wegen unklarer Notenschlüssel und verpatzter Test-Schularbeiten will Heinisch-Hosek jetzt wirklich alles richtig machen: Die Lehrkräfte wurden in den letzten Wochen und Monaten mit einer Flut von Informationsmaterial überschüttet. "Da wurde jede Möglichkeit abgedeckt, was zu tun ist, wenn Angabenblätter fehlen, wo man die kurzfristig herunterladen und ausdrucken kann", erklärt der AHS-Lehrergewerkschafter Matthias Hofer ÖSTERREICH. "Eine gewisse Nervosität erkennt man da schon."

 

Tatsächlich geht es um viel - sollte die Zentralmatura f loppen, ist Heinisch-Hosek wohl rücktrittsreif. Der Koalitionspartner ÖVP hat sich bereits seit Monaten auf die Ministerin eingeschossen.

 

 

"Österreich" vom 05.05.2015                                  Seite 13

 

Wien, CityWien

 

Wilde Debatte -Bundespolitik spaltet Rot-grün in Wien

 

Polit-Streit um 1.000 neue Lehrer

 

Grünen-Chefin Vassilakou forderte in ÖSTERREICH 1.000 Lehrer mehr für Wien.

 

Bildung. "ich will 1.000 Lehrer mehr. eine studie zeigt, dass tausende schüler nicht Deutsch können. Das müssen wir ändern", so grünen-Chefin maria Vassilakou im ÖsteRReiCH-interview. 40 mio. euro soll die stadt in die Hand nehmen. grünen-Kandidat Daniel Landau: "Zwei Lehrer pro Klasse, vor allem in herausfordernden Bezirken!" "Wenn die Forderung nach mehr Lehrern an den Bund gerichtet ist, dann geht sie an den richtigen adressaten", so Bürgermeister michael Häupl. Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (sPÖ):"Wien fordert seit zehn Jahren 1.000 Lehrer mehr vom Bund." er ätzt Richtung Vassilakou: "es freut mich, dass die stadträtin offenbar bereit ist, die millionen aus ihrem Budget bereitzustellen -so verstehe ich jedenfalls die Aussage 'das muss es uns wert sein'."

 

 

Der Standard – 5. Mai 2015

 

 

Was für und was gegen die Zentralmatura spricht

Lisa Kogelnik

Premiere: Heute legen alle AHS-Schüler ihre schriftliche Matura in Deutsch ab. Lehrer und Schüler hoffen auf einen reibungslosen Ablauf

Drei Millionen gedruckte Seiten sind in den vergangenen Tagen in Hochsicherheitstransportern durch Österreich gerollt. Über diesen Seiten werden heute 19.200 Schülerköpfe brüten, wenn die neue Reifeprüfung erstmals offiziell und regulär an allen österreichischen allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) startet. Die berufsbildenden höheren Schulen starten flächendeckend 2016.

Heute startet die neue Reifeprüfung. Alle AHS-Schüler bekommen dabei zur gleichen Zeit dieselben Aufgaben.

Heute Vormittag werden alle AHS-Schüler für ihre Deutsch-Matura dieselben Aufgaben lösen. In den nächsten Tagen folgt die schriftliche Matura in Englisch, den anderen lebenden Fremdsprachen, Mathematik, Latein und Griechisch. Die mündliche Matura darf frühestens zwei Wochen nach der letzten schriftlichen Klausur stattfinden. Zwar stellen hier wie bei der alten Matura die Lehrer selbstgewählte Fragen, die Schüler ziehen das Thema der Frage aber aus einem Pool, der zuvor von allen Fachlehrern der Schule erstellt wurde.

Die Vorlaufzeit für die neue Matura war lang. Am 28. Februar 2008 brachte die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) den Gesetzesentwurf für eine teilzentrale Matura ein.

Ein Jahr Aufschub

Eigentlich hätte die neue Reifeprüfung schon 2014 starten sollen, musste dann aber um ein Jahr verschoben werden, weil sich Schüler und Lehrer nicht genug vorbereitet fühlten. Bis zuletzt gab es mehr oder weniger weitreichende Pannen. Im Februar konnten etwa die Schüler ihre vorwissenschaftliche Arbeit, die sie vor der schriftlichen Matura schreiben und präsentieren müssen, nicht auf die dafür vorgesehene Plattform hochladen.

Schlussendlich ging aber alles gut aus. Wie Bundesschulsprecher Lukas Faymann im Gespräch mit dem STANDARD berichtet, wurden die meisten der vorwissenschaftlichen Arbeiten positiv bewertet. Auch AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin, einer der schärfsten Kritiker der Zentralmatura, hat von den Lehrern "recht positive Rückmeldungen" bekommen. Die Themen, die sich die Schüler aussuchen würden, seien durchwegs spannend und bunt.

Faymann und Quin sagen beide, dass sie damit rechnen, dass das für die Matura zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) alles Menschenmögliche tun werde, damit die Reifeprüfung diese Woche ohne Pannen abläuft. "Natürlich kann man nie ausschließen, dass trotzdem etwas passiert", sagt Quin.

Auch Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) rechnet mit einem ruhigen, planmäßigen Ablauf. "Ich bin zuversichtlich, dass die Schülerinnen und Schüler sehr gut auf die Matura vorbereitet sind, das haben auch die vielen positiven Rückmeldungen zur vorwissenschaftlichen Arbeit gezeigt. An den Schulen wird großartige Arbeit geleistet", sagte sie zum STANDARD. Sie wünsche den Maturantinnen und Maturanten viel Erfolg für die kommende Woche.

Die Argumente für und gegen die neue Reifeprüfung im Überblick:

Pro Zentralmatura:

·         Vergleichbarkeit: Dadurch, dass alle Maturanten dieselben Aufgaben lösen müssen, sind die Leistungen der Schulen österreichweit vergleichbar. So lässt sich feststellen, in welchen Schulen Nachholbedarf besteht. Auch die Leistungen der Lehrer innerhalb der Schule können besser verglichen werden.

·         Mindeststandards: Bei der alten Matura entschied der Lehrer, was die Schüler können müssen, damit sie als hochschulreif gelten. Mit der Einführung der Zentralmatura können Hochschulen und Arbeitgeber von Basiskenntnissen ausgehen, die alle Schulabgänger beherrschen. Das Unterrichtsministerium erwartet sich eine Qualitätssicherung.

·         Kompetenzorientierung: Durch die neue Reifeprüfung ändert sich auch die Art des Unterrichtens. So werden etwa in Mathematik nicht mehr nur Rechengänge auswendig gelernt, sondern die Schüler müssen ihr Wissen in unterschiedlichen Kontexten anwenden können.

·        
Objektivität: Bei der schriftlichen Matura hat der Klassenlehrer keinen Einfluss auf die Aufgaben, bei der mündlichen muss er den Themenpool mit den Fachlehrern an der Schule festlegen. Die Lehrer benoten mit einem vorgegebenen Raster, wodurch die Schülerleistungen objektiver bewertet werden als zuvor.

·         Teamarbeit: Lehrer und Schüler rücken näher zusammen. Beide haben ein Interesse daran, dass die Schüler die Aufgaben bewältigen können, die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegeben werden. Im besten Fall entsteht dadurch ein Wir-Gefühl zwischen Schülern und Lehren.

Kontra Zentralmatura:

·         Gleichmacherei: Gleiche Aufgaben für alle führen auch dazu, dass die Individualisierung des Unterrichts leidet. Auf spezielle Interessen der Schüler kann weniger eingegangen werden.

·         Teaching to the Test: Die Lehrer konzentrieren sich im Unterricht darauf, den Stoff und die Methoden durchzubringen, die von den Schülern bei der Matura erwartet werden. Themen abseits der Zentralmatura sowie kreative Zugänge könnten vernachlässigt werden.

·         Nivellierung nach unten: Dadurch, dass ein Mindeststandard eingeführt wird, fürchten Kritiker einen Qualitätsabfall. Die Aufgaben der Zentralmatura werden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) mithilfe von Feldtestungen so erstellt, dass sie für die Schüler nicht zu schwer und nicht zu leicht sind. Das bedeutet auch eine Orientierung an den Schwächsten.

·         Zu wenig Literatur: Vor allem die Interessengemeinschaft der Autoren fürchtet durch die Zentralmatura eine Abnahme des Literaturunterrichts in Deutsch. Bei der neuen Reifeprüfung können, aber müssen Schüler keinen literarischen Text bearbeiten. Die Standardisierung mache es zudem generell unmöglich, dass sich die Schüler sinnvoll mit der "Kunstform Literatur" beschäftigen, sagen die Autoren. Das Bifie hat bereits eine Expertengruppe eingesetzt, die über Reformen nachdenken soll.

·         Pannen: Die Zeit vor der neuen Matura war von Pannen geprägt. So wurde etwa bei einem Schulversuch 2014 ein Text mit nationalsozialistischem Hintergrund zur Interpretation gegeben. Im Frühjahr gab es Probleme beim Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeit.

 

 

Der Standard – 5. Mai 2015

 

 

Direktor: "Matura für AHS und BHS trennen"

Interview | Lisa Nimmervoll

Zentralmatura-Vorreiter Pater Petutschnig vom Stiftsgymnasium St. Paul über ein prinzipielles Ja zur neuen Matura und einen erheblichen Einwand

STANDARD: Ihre AHS hat schon vor einem Jahr, zum ursprünglich geplanten Termin für alle, die neue Matura komplett umgesetzt. Was sagen Sie den Schulen beziehungsweise Schülerinnen und Schülern, die jetzt, begleitet von vielen Debatten über Pannen et cetera, antreten müssen und sich vielleicht davor fürchten?

Petutschnig: Die Debatten hat es im vergangenen Jahr auch gegeben und trotzdem hat es sehr gut funktioniert. Man darf sich nicht verunsichern lassen, auch im Vertrauen darauf, dass man all die Jahre mit den Schülerinnen und Schülern gut gearbeitet hat.

STANDARD: Warum hat die Zentralmatura-Premiere bei Ihnen so gut geklappt? Weiße Fahne, alle durch.

Petutschnig: Ich kam mir durch die Verschiebung um ein Jahr schon etwas betrogen vor, weil wir ja schon am Arbeiten waren. Wir wollten den Rückzieher nicht mitmachen. Ich habe mein Lehrerkollegium massiv auf Fortbildung geschickt und mit den Schülerinnen und Schülern, die es betroffen hat, geredet. Es war für niemanden eine Überraschung oder Überforderung. Wir haben uns alle zusammengeredet und haben's dann gemacht. Wir wollten nur das machen, was angezählt war.

STANDARD: Ganz prinzipiell gefragt, sind Sie ein Befürworter der Zentralmatura im Vergleich zur alten?

Petutschnig: Ich sage einmal: Ja, ich unterstütze es, habe aber an das System schon meine Fragen. Das Wort zentral – es gibt in Österreich mehr als 300 AHS-Standorte mit ganz verschiedenen Voraussetzungen. Dann gibt es noch die berufsbildenden höheren Schulen (BHS), die teilweise auch in diese Zentralmatura hineinkommen. Das ist ein Kritikpunkt. In der BHS gibt es zwei Stunden Deutsch. Die schreiben dann aber dieselbe Zentralmatura wie wir in der AHS. Was bedeutet das? Es muss sich ja irgendwie angleichen in der Aufgabenstellung.

STANDARD: Sie plädieren also dafür, eine AHS-Zentralmatura und eine BHS-Zentralmatura zu machen?

Petutschnig: Ja, wenn man es schultypgetrennt für AHS und BHS angeht, sieht die Sache anders aus. Aber wenn man es eben so macht wie jetzt, Fremdsprachen und Deutsch wirklich in beiden Schultypen gleich, dann habe ich ein Fragezeichen. Das hat politische Gründe. Man hat sich hineinreklamiert in die AHS-Matura, aber ich sage es immer wieder, ich würde das doch noch einmal überdacht haben wollen.

STANDARD: Es heißt auch, es gebe jetzt zu wenige Vorbereitungsstunden für die mündliche Matura?

Petutschnig: Ja, das sehe ich auch so. Jetzt kann es sein, weil Vorbereitungsklassen zusammengelegt werden, dass eine Lehrkraft alle Schüler vorbereiten muss, egal, ob die in Klasse A oder B gegangen sind. Das ist schon sehr komisch. Das war bisher anders, eben individueller, da gab es Spezialthemen, das fällt alles weg. Wir haben nur noch die Themenpools, die schulintern erstellt werden. Dahinter steckt natürlich trotz allem wieder eine Einsparung.

STANDARD: Sie unterrichten selbst Deutsch, da heißt es, im neuen Matura-Modus werde Literatur zurückgedrängt. Sehen Sie das auch so?

Petutschnig: Diese Kritik ist durchaus berechtigt. In der AHS drei Stunden Deutsch sind nicht sehr viel, da tu ich mir schon schwer, auch einiges an Literatur zu lesen, etwa die Dramen der Aufklärung, aber es geht. In der BHS mit zwei Stunden wird das noch viel schwieriger. Wo bleibt dann die Literatur? Das ist auch mit ein Grund, warum ich gerne wenigstens die Schultypen getrennt hätte bei der Zentralmaturaprüfung.

Pater Thomas Petutschnig OSB (49) ist seit 2011 Direktor des öffentlichen Stiftsgymnasiums der Benediktiner zu St. Paul (Kärnten). Er promovierte mit einer Arbeit über Heimito von Doderer und unterrichtet Deutsch und Religion.

 

"Kronen Zeitung" vom 05.05.2015                               Seite 2

Ressort: Politik

 

Burgenland Morgen, Wien Morgen, Kaernten Morgen, NOE Morgen, OOE Morgen, Salzburg Morgen, Steiermark Morgen, Tirol Morgen, Vorarlberg Morgen

 

Post von Jeannée

 

Liebe Maturanten, vor 52 Jahren war es für mich so weit wie für...

 

Liebe Maturanten, vor 52 Jahren war es für mich so weit wie für Euch heut: Matura! Allerdings mit zwei gravierenden Unterschieden: Das gleichmacherische Schreckenswort „Zentral“ hatte noch nicht seinen unheilvollen Schatten über die Reifeprüfung geworfen, und Frau Gabriele Heinisch-Hosek lag gottlob noch in den Windeln.

 

Trotzdem waren meine und meinesgleichen Nerven zum Zerreißen gespannt. Hatten doch acht lange Jahre die unterschiedlichsten Pauker, gute & schlechte, fanatische & gleichgültige, grantige & liebenswerte, die Matura zur „Mutter aller Prüfungen“ erklärt, von deren Ausgang der Verlauf unseres weiteren Lebens abhänge.

 

Was wir nach achtjähriger diesbezüglicher Indoktrinierung auch glaubten. Und daher, selbstverständlich maximal vorbereitet, der Überzeugung waren, die Pauker, egal, ob gut, schlecht, fanatisch, gleichgültig, grantig oder liebenswert, würden die „Mutter aller Prüfungen“ unserem Klassenniveau – das sie nach acht langen Jahren natürlich genau kannten – entsprechend anlegen.

 

Wir sollten recht behalten: Am Ende des Matura-Marathons wehte die weiße Fahne von unserem Gymnasium – alle hatten bestanden

 

. . . damals, als das gleichmacherische Schreckenswort „Zentral“ noch nicht seinen unheilvollen Schatten über die Reifeprüfung geworfen hatte und Frau Gabriele Heinisch-Hosek gottlob noch in den Windeln lag.

 

Toi, toi, toi – aber es wird sauschwer. Zentral- und Heinisch-Hosek-schwer!

 

Michael Jeannée

 

 

"Kronen Zeitung" vom 05.05.2015                              Seite: 2

Ressort: Politik

 

Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

26.200 Schüler als Politik-„Versuchskaninchen“:

 

Nach Pannen-Serie startet heute die Zentralmatura

 

Wien. – Los geht’s: Für 19.200 Gymnasiasten startet heute, Dienstag, flächendeckend die Zentralmatura mit Deutsch. Hinzu kommen noch 7000 Schüler der Berufsbildenden Höheren Schulen, die noch freiwillig die neue Reifeprüfung ablegen.

 

   Nach einer Reihe von Pannen im Vorfeld geht die Zentralmatura 2015 ins Finale. Am Mittwoch steht Englisch auf dem Programm. Noch sind die Kuverts mit den Prüfungsfragen, die an die Schulen geliefert wurden, versiegelt und werden kurz vor Klausurstart vor den Augen der Schüler geöffnet, allerdings zu nicht einheitlichen Uhrzeiten am Morgen. Als Grund werden unterschiedliche Verkehrsbedingungen in den einzelnen Regionen genannt. Potentielle Schummelversuche sollen unterbunden werden, indem die Maturanten ihre Handys abgeben müssen. Eine Schar von Lehrern ist als Aufpasser abgestellt. Für Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek wird die Zentralmatura zum Härtetest. Martina Münzer

 

 

"Kurier" vom 05.05.2015                                   Seite: 22

Ressort: Leben

 

Wi, Abend

 

Rauchende Köpfe im ganzen Land

 

Zentralmatura. Zehn Fragen & Antworten zur ersten österreichweiten "standardisierten Reifeprüfung"

 

   von ute Brühl. Im Prüfungsstress sind diese Woche nicht nur Maturanten, sondern auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Nach der holprigen Generalprobe im Vorjahr startet die Zentralmatura für alle AHS. Heute steht Deutsch auf dem Prüfungsplan, am Mittwoch folgt Englisch und kommenden Montag Mathematik. So läuft die "standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS" ab.

 

   Wer darf zur Matura antreten?

 

   Jeder AHS-Schüler, der die 8. Klasse in allen Fächern positiv abgeschlossen hat, darf zur Prüfung. "Nicht genügend" mit einer Jahresprüfung bei der Matura ausbessern - das geht nicht mehr. Jetzt können Kandidaten vor der Matura eine Wiederholungsprüfung ablegen. Zugelassen ist auch, wer seine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) nicht abgegeben oder bestanden hat. Denn die VWA ist neben der schriftlichen und der mündlichen Prüfung eine von drei Säulen der Zentralmatura. Die drei Blöcke können auf Termine im Sommer, Herbst oder Frühjahr 2016 aufgeteilt werden.

 

   Wie kommen die Aufgaben an die Schule?

 

   Ab 20. April wurden die gedruckten Maturaaufgaben mit der Post versendet. Diese liegen mittlerweile in den Safes der Schulen. Um Pannen wie im Vorjahr zu vermeiden, erhalten alle Schulleiter am Prüfungstag um 6.30 Uhr einen Code per SMS, mit dem sie die Fragen aus dem Internet laden und bei Bedarf ausdrucken können.

 

   Zu welcher Uhrzeit beginnen die Prüfungen? Das kann jede Schule selbst festlegen. Denn organisatorisch ist ein einheitlicher Beginn kaum möglich, da die öffentlichen Verkehrsmittel häufig den Terminplan vorgeben. Zudem braucht die Schule einen Spielraum. Sollte es zu einem Stau, einer Panne bei der U-Bahn oder anderen Zwischenfällen kommen, kann der Direktor reagieren.

 

   In welchen Fächern treten alle Maturanten an? Alle treten in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache zur schriftlichen Prüfung an. Wählen Maturanten ein viertes Fach, müssen sie nur zwei anstatt drei mündlicher Prüfungen ablegen.

 

   Welche Hilfsmittel sind erlaubt?

 

   Es dürfen jene Hilfsmitteln benutzt werden, die zuvor in der Schule erlaubt waren: In Mathematik sind das Taschenrechner oder Laptop, in Deutsch ist es das Wörterbuch in Papier- oder elektronischer Form. Die Autokorrektur muss ausgeschaltet sein. Das ist schwierig zu kontrollieren und führt zur nächsten Frage:

 

   Wie soll das Schummeln verhindert werden?

 

   Direktoren haben dafür zu sorgen, dass die Schüler keine "unerlaubten Hilfsmittel" verwenden. In der Praxis sind das heute kaum noch Schummelzettel, sondern elektronische Helfer wie Smartphone, iPod oder USB-Stick. Sie müssen deshalb vor dem Test abgegeben werden. Wer Geräte behält und beim Mogeln erwischt wird, der wird in diesem Fach nicht benotet und darf erst im Herbst zur Prüfung antreten.Wer schummelt und erwischt wird, ist jedenfalls schlechter dran als der, der einen Fleck auf eine Klausur hat.

 

   Wie wird benotet? Wann weiß der Maturant, ob er die Prüfungen bestanden hat?

 

   Für alle Fächer gibt es ein Bewertungsschema, an das sich die Korrektoren zu halten haben. Welche Noten in einem Fach der Schüler hat, wird bei der Beurteilungskommission festgelegt, die z. B. in Wien am 21. Mai tagt. Sollte ein Schüler in einem Fach durchfallen, so muss das "Nicht genügend" im Sinne der Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO) begründet werden. Wer einen "Fleck" bekommt, hat bis 27. Mai Zeit, sich zu entscheiden, ob er eine Kompensationsprüfung macht. Damit erreicht er bestenfalls einen Dreier im Maturazeugnis. Er kann im Herbst zur 1. Wiederholung antreten und wahrt so die Chance auf einen Einser.

 

   Wie läuft die mündliche Matura ab?

 

   Die meisten Schulen werden erst nach Fronleichnam, am 8. Juni, mit der "Mündlichen" beginnen - auch wenn der erstmögliche Termin der 3. Juni ist. Für jedes Fach gibt es einen Pool von 12 bis 24 Aufgaben mit je 2 Fragestellungen - abhängig von der Wochenstundenzahl des Prüfungsfachs. Daraus werden zwei Aufgabenbereiche gezogen, einen davon sucht sich der Schüler aus. Der Lehrer teilt aus diesem Bereich eine Aufgabe zu, die den Schülern zuvor nicht bekannt sein darf. Über das Ergebnis der mündlichen Prüfung entscheiden Direktor und Klassenvorstand mit je einer Stimme sowie Prüfer und fachkundlicher Beisitzer, die gemeinsam eine Stimme haben.

 

   Wie kann man gegen einen Fünfer berufen?

 

   Erst wenn alle drei Teile - VWA, mündliche und schriftliche Prüfung - absolviert wurden, kann ein Widerspruch eingelegt werden: in erster Instanz beim zuständigen Landesschulrat, in zweiter beim Bundesverwaltungsgericht.

 

   Was passiert, wenn ein Schüler verhindert ist? Ist ein Maturant krank, so kann er zu den Ersatzterminen im Herbst (ab 17. September) oder Winter (ab 11. Jänner 2016) antreten. Sollte ein Schüler noch während des Haupttermins gesund werden, ist ein Einstieg in die laufenden Prüfungen jederzeit möglich. Kein Grund, die Nerven wegzuwerfen.

 

   Mitarbeit: D. Davidovits

 

 

"Kurier" vom 05.05.2015                                   Seite: 15

Ressort: Chronik

 

Wi, Morgen

 

Den Schulschwänzern auf der Spur

 

Wien. Polizisten sollen künftig Schwänzer aufspüren. Beim KURIER-Lokalaugenschein ließen sich wenige blicken

 

   von Michaela Reibenwein und Bernhard Ichner. Das Fast-Food-Lokal in der Lugner-City ist am Vormittag schon zur Hälfte voll. Ein tätowierter Mann beißt herzhaft in den Burger, am Nebentisch tunken ein paar Jugendliche ihre Pommes ins Ketchup. Eigentlich wären sie ein Fall für die Polizei. Nicht, weil sie sich ungehörig benehmen. Dass sie da sind, reicht schon. Denn ab Mai, so kündigte der Wiener Stadtschulrat an, stehen Schulschwänzer unter besonderer Beobachtung. Polizisten sollen sie im Rahmen ihres Streifendienstes ansprechen - und im Notfall auch Schule und Stadtschulrat informieren.

 

   In der Lugner City ist noch kein Polizist zu sehen. "Wir haben Freistunde", sagen die vier Burschen, die gerade im Einkaufszentrum herumschlendern. Sie besuchen allesamt die Neue Mittelschule in der nahen Koppstraße. "Ich finde es eine gute Idee, dass die Polizei Schulschwänzer kontrolliert", sagt der 13-jährige Martin. "Man sollte in die Schule gehen und lernen." Zustimmung kommt von seinen Freunden Stefan, Oguz und Jimmy. Ob sie denn nie schwänzen? "Wenn ich schwänze, muss ich ja alles nachlernen. Das finde ich blöd", erklärt Martin.

 

   Pilotversuch Neben Einkaufszentren sollen die Polizisten auch in Einkaufsstraßen und Parks ein Auge auf Kinder und Jugendliche werfen. Den ersten Schwerpunkt hat man schon ausgemacht: Nämlich Favoriten. "Aber es wird nicht so sein, dass wir da Kinder festnehmen und in die Schule zerren", beruhigt Polizei-Sprecher Paul Eidenberger.

 

   Und es sei auch nicht so, dass im zehnten Bezirk mehr Kinder die Schule schwänzen, als sonst wo in Wien, betont Horst Tschaikner, Schulschwänz-Referent des Stadtschulrates. Irgendwo müsse man eben beginnen.

 

   Rund um den Reumannplatz und in der Favoritenstraße wuseln die Leute aneinander vorbei. Im Park sitzen Mütter mit ihren Kindern, Pensionistinnen und Männer mit Tagesfreizeit und Bier in der Hand. Jugendliche schlendern beim KURIER-Lokalaugenschein maximal durch.

 

   So wie Tamara und Samantha, die eine HTL besuchen. Auch sie haben Freistunde, sagen sie. "Das mit der Polizei ist unnötig. Urblöd. Hat die Polizei nichts Besseres zu tun?", ärgern sich die 15-Jährigen.

 

   Schwänzen käme für sie nicht infrage. "Weißt du, wie viel Rückstand du hast, wenn du eine Stunde versäumst? Und eine schlechte Betragensnote bekommst du dann auch gleich." Schwänzen würde sich kaum einer in ihrer HTL erlauben. "Maximal in unwichtigen Fächern wie Religion."

 

   Keine Jagd auf Kinder. Beim Wiener Stadtschulrat sieht man dagegen durchaus Handlungsbedarf: "Oft informieren uns Bürger, die 10- bis 13-jährige Kinder am Vormittag im Park sitzen sehen. Da geht es darum, nicht wegzuschauen", sagt Tschaikner.

 

   Darum würden künftig Polizeibeamte auf Streife potenzielle Schulschwänzer direkt ansprechen und sie fragen, warum sie nicht in der Schule sind.Das sei weder als PR-Aktion, noch als "Jagd auf Kinder" zu verstehen. Zumal sich die meisten 13-Jährigen bereits vom Anblick einer Uniform einschüchtern ließen.

 

   Es gehe viel mehr darum, Bewusstsein zu schaffen. Bei Eltern, bei Lehrern und auch bei Schülern selbst.

 

   "Schwänzen steigert die Wahrscheinlichkeit eines Schulabbruchs. Wir wollen vermitteln, dass uns das nicht egal ist", betont Tschaikner. Betroffene Eltern und Lehrer können sich über die Hotline 01/52525-77111 an ihn wenden.

 

 

Heute – 5. Mai 2015

 

Zentralmatura: Österreich startet heute

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Fragebögen sind per Hochsicherheitstransport in den Schulen eingelangt. Einer erfolgreichen Reifeprüfung steht für 19.164 Kandidaten eigentlich nichts mehr im Weg. Wäre da nur nicht die Angst vor der nächsten Panne.

Eine historische Schulreform wird ab heute Realität. Die Zentralmatura startet mit Deutsch. Am Mittwoch geht es mit Englisch und Freitag mit Französisch weiter. Am Montag wird es dann richtig ernst. Hier steht mit Mathematik die für viele wohl größte Hürde auf dem Programm. Am Tag nach der jeweiligen Prüfung veröffentlicht das Bifie die Aufgaben auf seiner Internetseite.

Schummelalarm, Terminkollision, Fünfer-Orgie - die bisherige Vorgeschichte der Zentralmatura ist nicht gerade ein Ruhmesblatt. Das wissen auch die knapp 20.000 Schüler, die heute mit der standardisierten Deutschmatura in die Woche der Wahrheit starten.

Sicherheitstransporter und Siegel
Und die Angst vor dem nächsten Hoppala ist omnipräsent: Keine Kosten und Mühen wurden gescheut, um die Prüfungsbögen sicher und ungelesen zu den Schulen zu bringen. Sicherheitstransporter, die mit GPS-Sendern und Farbpatronen bestückt sind, wickelten die Lieferung ab. Die Kuverts waren mit einem Siegel verschlossen, das erst kurz vor der Prüfung gebrochen werden darf.

"Handy aus der Unterhose rausfischen"
Sind die Prüfungen einmal sicher an die Schüler gebracht, stellen Smartphone, Tablet und Co. das größte Problem dar. Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin (FCG), beruhigt gegenüber "orf.at" und meinte, ihm solle einmal jemand "vorhupfen", wie man das Handy "aus der Unterhose rausfische" und Fotos macht.

Zusatzprüfung nach Fetzen
Wenn es geschafft ist, der Maturant aber einen Fleck geschrieben hat, kann er ihn ausbessern. Bei der Zusatzprüfung kann sich der Jugendliche sogar aussuchen, ob er sie schriftlich oder mündlich absolviert.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 124 vom 05.05.2015               Seite: 10

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Reifeprüfung für die neue Zentralmatura

 

   Wien - In den österreichischen Gymnasien muss die neue Zentralmatura mit den Deutschklausuren heute ihre erste große Bewährungsprobe bestehen. Bereits gestern waren Fächer an der Reihe, für die es keine Vorgaben des Bundesinstituts Bifie gibt. In den kommenden Tagen folgen Fremdsprachen sowie Mathematik. (TT)

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.05.2015             Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

 

Zentralmatura wird zum Test für Heinisch-Hosek

 

   LINZ/wien. Heute treten an den heimischen AHS die Maturanten erstmals verpflichtend zur einheitlichen Deutsch-Klausur, der Zentralmatura, an.

 

   Die neue Reifeprüfung könnte auch zur Schicksalsfrage für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) werden, die die Zentralmatura trotz Pannenserie bei der Generalprobe in Serie geschickt hat.

 

   Kritik an der Vorbereitung für die neue Reifeprüfung üben unterdessen Schüler - vor allem an den oft unklaren und sich immer wieder ändernden Vorgaben. "Wir sind die Versuchskaninchen für die neue Matura", sagt Schülerin Agnes Berghuber vom Linzer Stifter-Gymnasium. »Seite 4, 19

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.05.2015             Seite: 4

Ressort: International

 

 

Holpriger Start für die neue Matura...

 

   Holpriger Start für die neue Matura

 

   Die Vorbereitungen für die Zentralmatura haben unter Bildungsministerin Claudia Schmied, Vorgängerin von Gabriele Heinisch-Hosek (beide SP), begonnen. Ursprünglich war als Starttermin an den AHS das Schuljahr 2014/15 vorgesehen. Weil es aber schon 2012 Startschwierigkeiten gab, verschob Schmied den Serienstart um ein Jahr.

 

   So gab es im Vorjahr erst die Generalprobe - und dabei ging einiges schief: In den lebenden Fremdsprachen wurde kurzfristig der Benotungsschlüssel für eine positive Bewertung geändert, in den Deutschaufgaben fand sich ein Text mit NS-Bezug, auf den aber nicht hingewiesen wurde. An einigen Wiener Schulen fehlten bei der Mathematik-Matura Teile der Aufgabenhefte.

 

   Diese Pannenserie kostete die Chefs des zuständigen Bildungsforschungsinstituts (Bifie) Martin Netzer und Christian Wiesner ihre Jobs. Heinisch-Hosek beließ aber die Zentralmatura in Bifie-Verantwortung.

 

   Schlecht fiel Ende des Vorjahres ein Probelauf in Mathematik aus: Bei einer Schularbeit mit Aufgaben aus der Zentralmatura betrug die Fünfer-Quote 30 Prozent, im Schnitt fallen bei der Matura 15 Prozent durch.

 

   Neue Schwierigkeiten gab es im Februar beim Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeit, die verpflichtender Teil der neuen Matura ist: Weil der Server überlastet war, konnten Schüler nur die Fehlermeldung: "Ups, das hätte nicht passieren sollen", lesen.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.05.2015             Seite: 4

Ressort: International

 

 

Die Zentralmatura ist auch für die Bildungsministerin eine Reifeprüfung

 

   Nach Pannenserie muss sich mit der neuen Matura auch Heinisch-Hosek bewähren

 

   Von Jasmin Bürger

 

   WIEN. "Pannen minimieren", das ist für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) nach eigenen Worten "die Ansage der Woche" für die heute mit den Deutsch-Klausuren startende Zentralmatura an den heimischen Gymnasien (Details dazu auf Seite 19). Sie gehe davon aus, "dass ich den Lehrern vertrauen kann, dass die Schüler sehr gut vorbereitet sind", so Heinisch-Hosek.

 

   Der ministerielle Mutzuspruch via Radio-Interview wirkt etwas defensiv - kein Wunder, war die Umsetzung der Zentralmatura doch von zahlreichen Pannen begleitet. Weshalb das Gelingen der Klausuren nun aber auch zur Reifeprüfung für Heinisch-Hosek wird. Schließlich hat sie nach den Schwierigkeiten bei der Generalprobe im Vorjahr zwar mit einem Austausch der Verantwortlichen am zuständigen Bildungsforschungsinstitut (Bifie) reagiert, am Zeitplan und Ablauf aber festgehalten (Details siehe Box unten).

 

   Neues Projektmanagement

 

   Seit einem Monat ist immerhin das von Heinisch-Hosek angekündigte externe Projektmanagement bei der Matura mit an Bord: Der Auftrag wurde an die "act Management Consulting" vergeben, wie den OÖNachrichten im Ministerbüro bestätigt wurde. Die Berater sollen nicht nur heuer, sondern auch noch im Schuljahr 2015/16 das Projekt "begleiten", heißt es, im Ministerium ist ein Lenkungsausschuss zuständig.

 

   Eine Garantie, dass bei der Premiere alles fehlerfrei läuft, wollte die Ministerin vor dem heutigen Start dennoch nicht geben.

 

   Was ist, wenn es zu gröberen Patzern kommt? Dann könnte es für Heinisch-Hosek als Ministerin eng werden. Rücktrittsaufforderungen gab es angesichts der bisherigen Pannenserie schon zur Genüge. Auf Heinisch-Hoseks Konto geht die Entscheidung, die Durchführung der Zentralmatura vorerst in den Händen des Bifie zu belassen. Gleichzeitig hat die Ministerin bereits laut über eine Rückführung ins Ministerium nachgedacht und das Projektmanagement für zwei Jahre vergeben - eine nicht ganz konsistente Linie.

 

   Auch wenn bei der Premiere alles gut geht, was zu hoffen ist, hat Heinisch-Hosek nur eine Verschnaufpause. In ihrem Budget klafft ein Loch von 343 Millionen Euro. Schon im Vorjahr hatte sie sich nur durch eine Stundung der Schulmieten über eine Budgetlücke retten können. Die Debatte über eine Erhöhung der Lehrer-Arbeitszeit ist vertagt, aber nicht vom Tisch. Ob Heinisch-Hosek mit Finanzminister Hans Jörg Schelling (VP) eine Lösung ihrer Budgetprobleme findet, ist ungewiss.

 

   Zu allem Überdruss warten die Verhandlungen mit den Ländern über eine Reform der Schulverwaltung. Zumindest dafür ist noch etwas Zeit: Der 17. November gilt als Zieldatum für den Abschluss.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.05.2015            Seite: 19

Ressort: Land & Leute

 

 

zentralmatura...

 

   Ärger

 

   bei der Deutsch-Matura löst die Tatsache aus, dass die Schüler in manchen Klassen ihre Klausuren am Computer abfassen dürfen - inklusive Rechtschreibprogramm. Das verschaffe diesen Maturanten einen Startvorteil gegenüber jenen, die auf elektronische Hilfsmittel verzichten müssen, zeigt sich eine Mutter empört. Der zuständige Landesschulinspektor Helmut Schwabegger bestätigt, dass es gesetzlich möglich ist, die Matura am Computer zu schreiben, wenn die Schularbeiten der achten Klasse ebenfalls so abgefasst wurden: "Es gibt auch in Oberösterreich Klassen, die das machen." Ob das bei der Zentralmatura fair ist? "Es ist ein legitimes Hilfsmittel, das jede Schule, die will, einsetzen kann." Bei komplexen Fehlern helfe auch ein elektronisches Rechtschreibprogramm wenig.

 

   300Minuten haben die Schüler bei der Deutsch-Matura Zeit. Sie wählen eines aus drei Aufgabenpaketen, die sich jeweils einem Thema widmen.

 

   900Wörter müssen die beiden Texte enthalten, die zu verfassen sind. Neun Textsorten müssen beherrscht werden, etwa Erörterung, Zusammenfassung oder Textanalyse.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.05.2015            Seite: 19

Ressort: Land & Leute

 

 

Heute startet die Zentralmatura: "Wir Schüler sind die Versuchskaninchen"

 

   19.164 Maturanten schreiben Deutsch-Klausuren - Schüler: "Vorbereitung war chaotisch"

 

   Von Herbert Schorn

 

   linz/wien. Für Florian, Agnes und Benedikt aus der 8BB-Klasse des Linzer Stifter-Gymnasiums wird es heute - so wie für ihre knapp 19.200 Kollegen in ganz Österreich - ernst: Um Punkt acht Uhr startet die Zentralmatura mit den Klausuren in Deutsch. Zum ersten Mal werden die Fragen in allen 331 Gymnasien des Landes zentral vorgegeben, zum ersten Mal sind die Termine bundesweit einheitlich.

 

   Die drei 18-Jährigen versuchen, sich von der allgemeinen Hysterie um die neue Form der Reifeprüfung nicht anstecken zu lassen. "Ich glaube, manche Politiker haben mehr Angst als wir", sagt Agnes. Was Florian nicht unbedingt als Nachteil interpretiert: "Die Verantwortlichen werden es sich nicht leisten können, die Matura so schwierig zu machen, dass es total in die Hosen geht."

 

   "Gute Idee, schlecht umgesetzt"

 

   Dennoch: Eine gewisse Grundnervosität bleibt - vor allem in Mathematik. "Was ist, wenn den Verantworlichen etwas Neues einfällt, was wir nicht gemacht haben?", fragt Benedikt. Bei Übungsbeispielen sei es vorgekommen, dass die Fragen derart verklausuliert formuliert waren, dass sie keiner in der Klasse lösen konnte. Auch die Bücher seien nur teilweise den neuen Testformaten angepasst. Dass sich die drei trotzdem gut vorbereitet fühlen, hängt mit ihrem Mathe-Professor zusammen. Agnes: "Er hat uns gezeigt, wie wir Aufgaben lösen können, wenn wir uns nicht mehr auskennen."

 

   Die zweijährige Vorbereitungszeit empfanden die drei Maturanten als chaotisch. Als Beispiel nennt Florian das Verwirrspiel darum, wie bei der vorwissenschaftlichen Arbeit, die seit heuer jeder Schüler schreiben muss, richtig zitiert wird. Die Vorgaben hätten sich ständig geändert: "Und nach zwei Jahren weißt du nicht mehr, was du glauben sollst." Ob sie sich wie Versuchskaninchen fühlen? "Wir fühlen uns nicht so", sagt Agnes. "Wir sind es." Man habe sich damit abgefunden, die Zentralmatura als erste absolvieren zu müssen - und das, obwohl viele Schüler diese Form der Matura aufgrund der Vergleichbarkeit des Abschlusses durchaus begrüßen. "Eine gute Idee, die schlecht umgesetzt wurde", bringt Benedikt die Meinung vieler auf den Punkt.

 

   Den gestrigen Tag nutzten die drei Gymnasiasten zum Lernen. Die Merkmale der Textsorten wiederholen, Vokabeln für die morgige Englisch-Matura auffrischen. Und was darf zur Deutsch-Matura gar nicht kommen? Die Antwort ist völlig unumstritten: "Gedichtinterpretationen." Warum? "Da müsste man ja lernen!"

 

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   Ich glaube, manche Politiker haben mehr Angst vor der Matura als wir." Agnes Berghuber, Maturantin

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 05.05.2015

Ressort: VN-A

 

 

Zentrale Reife

 

Kommentar

 

   „Zwei mal drei macht vier, widde widde witt und drei macht neune.“ Immerhin - Pipi Langstrumpf gesteht sogar stolzen Hauptes ein, dass sie mit „Plutimikation“ noch nie was am Hut gehabt hat. Aber gut. Sie geht, zumindest im ersten Teil von Astrid Lindgrens Kinderbuchdreiteiler, auch nicht in die Schule. Ganz anders Hunderte Vorarlberger Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam mit Tausenden anderen in den restlichen Bundesländern ab heute in den AHS ihr Können in Mathematik und weiteren Hauptfächern anhand der neuen Zentralmatura unter Beweis stellen müssen, im Fach Englisch wird die Prüfung in Vorarlberg schon länger umgesetzt.

 

   Die Bedenken über diese neue Form der Reifeprüfung als Teil der laufenden Bildungsreform sind groß. Der Ausgang dieses Projekts ist zwar derzeit noch offen, eines scheint aber klar zu sein: Schneiden die ersten Zentralmaturanten gleich gut ab wie die verantwortliche SPÖ-Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und ihr von Pannen gekennzeichnetes Bifie in der Vorbereitung der neuen Leistungstests, werden diese ein Desaster. Insofern ist die Zentralmatura auch ein Gradmesser für die Qualität der Bildungsministerin und mit ihr für die gesamte österreichische Koalitionsregierung.

 

   Die Zentralmatura ist aber auch ein Gradmesser für die Qualität des Lehrkörpers. Denn es gilt jetzt für alle Unterrichtenden, mit ihren Schülern ein klar definiertes, einheitliches Bildungsziel zu erreichen, ohne dass in den Maturavorbereitungen hier oder dort seitens des Lehrkörpers ein klein wenig nachgeholfen werden könnte, sei es durch die Besprechung jener Aufgaben, die dann just als Maturafrage kommen, oder durch eine viel zu enge Eingrenzung des Prüfungsstoffs. Die meisten Lehrer werden die Aufgabe sicherlich erfüllen können, jene, die es nicht zuwege bringen, müssen sich die Frage nach der Qualität ihrer Arbeit gefallen lassen, was gut ist und über einen längeren Zeitraum hinweg zur Qualitätssicherung innerhalb des Lehrkörpers beitragen könnte. Wenn man denn Konsequenzen daraus zieht.

 

   Freilich, bis dahin haben die betroffenen Schüler das Nachsehen. Wie mit diesem Problem umgegangen wird, bleibt abzuwarten. Unklar ist auch, ob die Zentralmatura einem anderen Bildungsmanko entgegenwirken kann: Vom humanistischen und aufklärerischen Ideal der allgemeinen Bildung als Grundpfeiler einer freien Gesellschaft entfernt sich das heimische System immer mehr. Schulen entwickeln sich zusehends zu bloßen Ausbildungsstätten, in denen es um die Produktion ökonomisch nützlicher Fachmenschen und wirtschaftlich verwertbaren Wissens geht. Europaweite Leistungsstandardisierungen nach PISA und Bologna sind Ausdruck einer Entwicklung, bei der nur messbare Reproduktion von Lehrinhalten gefragt ist, die standardisierten und damit vergleichbaren Leistungstests sind quasi zum Aktienmarkt einer ökonomisch verwertbaren Bildung geworden. Die Zentralmatura reiht sich ein in dieses Instrumentarium - zumindest vordergründig.

 

   Als zentrale Frage bleibt also, ob es dem Lehrkörper gelingt, die Schüler schnell genug auf die standardisierte Zentralmatura vorzubereiten, sodass genügend Zeit bleibt, um sich der individuellen Bedürfnisse, Begabungen und Interessen der Schüler anzunehmen, um auch den musischen und philosophischen Belangen genügend Raum zu geben. Bildung ist nämlich weit mehr als die Reproduktion vergleichbaren und wirtschaftlich verwerbaren Wissens.

 

   andreas.feiertag@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-722

 

 

KATHPRESS-Tagesdienst, 4. Mai 2015

 

 

KPH Wien/Krems Teil der Lehrerausbildung neu in Ostösterreich

Ökumenisch ausgerichtete größte private Pädagogische Hochschule Österreichs kooperiert mit Uni Wien und anderen Hochschulen mit Ziel qualitätsvoller Ausbildung - Ab 21. Mai Fachgruppen für einzelne Unterrichtsfächer

 

Wien, 04.05.2015 (KAP) Die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH) Wien/Krems ist Teil der neu gestalteten Lehrer- und Lehrerinnenausbildung in Wien und Niederösterreich. Gemeinsam mit der Universität Wien, der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik und den Pädagogischen Hochschulen Wien und Niederösterreich verfolgt die ökumenisch ausgerichtete größte private Pädagogische Hochschule Österreichs dabei das Ziel einer "qualitätsvollen, forschungsgeleiteten und praxisorientierten Ausbildung der künftigen PädagogInnen, welche den fachlichen, bildungswissenschaftlichen und schulpraktischen Anforderungen gerecht wird und in die die beteiligten Institutionen ihre Stärken einbringen", wie es in einer Aussendung am Montag heißt. KATHPRESS-Tagesdienst Nr.104, 4. Mai 2015 6

 

Am 21. Mai sollen bei einem Treffen der Fachvertreter aller beteiligten Einrichtungen die Weichen für die künftigen Studienpläne einzelner Unterrichtsfächer - darunter auch Religion - sowie für bildungswissenschaftliche Grundlagen wie z.B. Inklusion gestellt werden. Noch vor Jahresende sollen die Curricula für das künftige gemeinsame Studienangebot im Bereich Sekundarstufe (Allgemeinbildung) vorliegen. Prämisse für die gemeinsame Ausbildung der künftigen Lehrer sei die "bestmögliche Nutzung der vorhandenen Stärken und Ressourcen, vom Personal bis hin zu den Räumlichkeiten aller beteiligten Hochschulen", hieß es.

Als Stärken der Uni Wien wurde dabei der fachwissenschaftliche Bereich hervorgehoben, die beteiligten Pädagogischen Hochschulen brächten Know-how insbesondere in den Bereichen Schulpraxis und Fachdidaktik ein. Für die KPH Wien/Krems sei die Kooperation vor allem auch deshalb "strategisch vorteilhaft", weil sie ihr Spezifikum, die religiöse Dimension der Bildung, einbringen könne, erklärte KPH-Sprecher Hannes Martschin am Montag gegenüber "Kathpress".

 

Die KPH Wien/Krems verfügt an ihren fünf Standorten in Wien und Niederösterreich derzeit über 2.500 Studierende in der Erstaus-bildung und ca. 1.000 Studierende in Weiterbildungslehrgängen. Die angebotene Erstaus-bildung, Fort- und Weiterbildung erfolgt "auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes" und basiert auf der Kooperation der sieben an der Hochschule vertretenen christlichen Kirchen; neben der römisch-katholischen sind das die evangelische Kirche A. und H.B., die griechisch-orientalische, drei orientalisch-orthodoxe sowie die altkatholische Kirche. Das breite Lehrangebot der KPH Wien/Krems setzt sich u.a. zusammen aus acht Studiengängen und vier berufsbegleitenden Studiengängen der Erstaus-bildung sowie zehn Hochschullehrgängen mit Masterabschluss. (Info: www.kphvie.ac.at)

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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