Donnerstag, 7. Mai 2015

2015.05.08: Newsletter Bildung

Die Presse – 8. Mai 2015

 

 

Nochmal Matura - 13 Jahre nach der eigenen Klausur

 

Journalisten durften im BIFIE die echte Englischmatura absolvieren. Nervosität und Schreckmomente inklusive.

Manches ändert sich nie, auch nicht 13 Jahre nach der eigenen Matura. Und so fährt mir kurz der Schreck in die Glieder, als Nativespeakerin Dianne Davies ansetzt, etwas zu sagen, während ich noch mitten im ersten Prüfungsteil der Englischklausur stecke. Ein vergessen geglaubtes und doch so bekanntes Gefühl stellt sich ein: Die Zeit ist um! Ich habe mich verschätzt! Das geht sich nicht mehr aus!

Es ist bemerkenswert, wie einen eine solche Prüfungssituation in die Vergangenheit zurück katapultiert – und das, obwohl sie eigentlich nur nachgestellt ist: Noch am Nachmittag des echten Maturatags lud das BIFIE zwei Handvoll Journalisten dazu ein, eine abgespeckte Version der Prüfung zu absolvieren, die knapp 18.000 Maturanten einige Stunden zuvor geschrieben hatten.

Die Kollegen werfen einander jedenfalls erleichterte Blicke zu, als klar ist, dass Davies noch kein Abgeben einfordert, sondern erst Halbzeit ansagt. Statt der für die echte Matura vorgesehenen 270 Minuten dauert die Klausur nur rund 90 Minuten, jeder Prüfungsteil wird separat ausgeteilt und abgesammelt. Der Schreibteil wird ausgelassen, bei Lesen, Hören und Sprachverwendung müssen je zwei bis drei der eigentlich vier Aufgaben erledigt werden.

Mehr als eine Juxmatura

Eine Juxveranstaltung, wie die FPÖ im Vorfeld geätzt hatte? Nun ja: Als Teilnehmerin hat man trotz besseren Wissens nicht diesen Eindruck. Zumal Nativespeakerin Davies, die gemeinsam mit der Teamleiterin für Fremdsprachen am BIFIE, Eva Dousset-Ortner, die Prüfung beaufsichtigt, sich alle Mühe gibt, die Matura authentisch erscheinen zu lassen: Alles, was nicht Stift, Getränk oder Aufgabenheft ist, muss weg. Handys werden abgesammelt. Und los geht’s. „Viel Glück.“

BIFIE-Chef Jürgen Horschinegg höchstpersönlich – in seinem früheren Leben mehrmals Maturavorsitzender – reißt das erste Kuvert auf: Gestartet wird mit Leseverständnis. Zu einem Text über Verkehrsprobleme in China sind Multiple-Choice-Fragen zu beantworten, ein zweiter Text zu Überwachung in Australien ist mit vorgegebenen Satzteilen zu vervollständigen. Nicht übermäßig schwierig, erfordert aber ob einiger Fallen doch konzentriertes Herangehen.

Stress beim Hören

Stressig wird es beim Hören: Die Fragen zu den Radiobeiträgen – einer über eine sozial engagierte US-Läuferin, einer über das Leben der früheren englischen Premierministerin Margaret Thatcher - müssen binnen kürzester Zeit beantwortet werden. 45 Sekunden gibt es fürs Lesen der Angaben. Nochmal 45 Sekunden nach dem zweiten Mal Anhören. Und in dieser kurzen Zeit gilt es auch noch, die Antworten auf den separaten Prüfungsbogen zu übertragen.

Schon nach den ersten beiden Prüfungsteil ist klar: Für jemanden, der die Prüfungsformate nicht gewöhnt ist, ist die Zentralmatura rein technisch eine Herausforderung: Man muss erst einmal die Aufgabenstellungen durchblicken, verstehen, wo was angekreuzt werden muss. Das Übertragen auf den separaten Prüfungsbogen bietet nochmal Fehlerpotenzial: Immerhin kann man da im Stress leicht in der Zeile oder im Kästchen verrutschen.

Lücken bei „Fearless Felix“

Ein Teil kommt noch: Sprachverwendung im Kontext – zur Enttäuschung aller leider ohne Niko Alms Nudelsieb. Das Beispiel, das kurz nach Ende der echten Matura bekannt geworden war, ist nicht dabei. Dafür muss man die Lücken in einem Text über den Extremsportler Felix Baumgartner - „Fearless Felix“ - füllen (vorgegebene Wörter gibt es hier nicht). Ein Text über die Suffragetten ist mit vorgegebenen Wörtern zu vervollständigen.

Das vom Format her ungewöhnlichste Beispiel ist ein Text über Höhlenmalerei, bei dem pro Zeile ein Wort zu viel ist (oder auch nicht). Ein Beispiel: „Researchers have been revealed that 13,000 years ago, prehistoric children had created art in caves with the help of their parents.“ („been“ und „had“ sind überflüssig und gehören durchgestrichen.)

„You did really well“

Zurück in der Vergangenheit fühlt man sich jedenfalls auch nach Ende der 90 Minuten – als Davies und Dousset-Ortner die Prüfungen korrigieren (dieser Rotstift!). Und die Journalistinnen und Journalisten sich – ganz wie früher – darüber unterhalten, wie es ihnen ging. Tiefstapeln inklusive. Das Hören dürfte den meisten die größten Schwierigkeiten gemacht haben, weil es extrem schnell war.

Letztlich wird jedenfalls die weiße Fahne gehisst: Alle Teilnehmer haben die fürs Bestehen nötigen 60 Prozent der Punkte erreicht. Die 13 Jahre, die seit der eigenen Matura vergangen sind, scheinen Glück gebracht zu haben. „You did really well“, sagt Dianne Davies am Ende, als sie die korrigierte Prüfung durchgeht. Mit nur zwei Fehlern bin ich wieder bei den Strebern gelandet.

 

 

Die Presse – 8. Mai 2015

 

 

Einbruch: Matura läuft „planmäßig nach Plan B“

In das Akademische Gymnasium in Salzburg wurde eingebrochen – und das Paket mit den Lateinaufgaben für die Zentralmatura geöffnet. Die Aufgaben sind damit österreichweit an allen betroffenen Schulen unbrauchbar.

Salzburg. Tags zuvor hatte sich BIFIE-Chef Jürgen Horschinegg noch über den bisher reibungslosen Ablauf bei der Zentralmatura gefreut – am Morgen danach sah es schon ein bisschen anders aus: Nachdem bei einem Einbruch in ein Salzburger Gymnasium das Paket mit den Lateinaufgaben geöffnet wurde, sind die Aufgaben hinfällig. Es muss Plan B in Kraft treten.

Die Vorgeschichte: In das Akademische Gymnasium wurde eingebrochen. Dabei wurde auch das – wie vorgesehen im Schultresor verwahrte – Aufgabenpaket für die Lateinmatura aufgerissen. „Damit sind die Aufgaben öffentlich“, heißt es aus dem Bildungsministerium. Und sie können nicht mehr für die Lateinmatura kommenden Mittwoch verwendet werden.

Ob die Matura-Aufgaben eigentliches Ziel des Einbruchs waren, ist (vorerst) nicht geklärt. Ministerium und Polizei gehen davon aus, dass es bei dem Einbruch um Geld ging – so sei das Lateinpaket zwar geöffnet worden, es fehle aber keines der Hefte. Die Aufgabenpakete für Französisch und Mathematik, die ebenfalls in dem Tresor waren, seien unberührt geblieben. Außerdem sei in derselben Nacht noch in zwei weitere Schulen in Salzburg eingebrochen worden. Dabei wurden zwei- bis dreistellige Barbeträge gestohlen. An eine zufällige Öffnung der Lateinpakete bei dem Einbruch wollen aber nicht alle glauben.

Prüfungsbeginn verschoben

Wie auch immer, klar ist: Es ist in diesem Maturadurchgang die erste Prüfung für das Krisenmanagement des zuständigen BIFIE-Instituts. Damit die Lateinprüfung trotzdem zeitgleich mit Altgriechisch stattfinden kann, tritt nun der Notfallplan in Kraft, der in der Schublade lag. „Dass in Schulen eingebrochen werden kann, damit muss man immer rechnen“, heißt es aus dem Bildungsministerium. „Jetzt läuft alles planmäßig nach Plan B.“

Der sieht so aus: Am Vorabend der Prüfung bekommen die betroffenen 115 Schulen eine bereits vorbereitete Ersatzklausur für Latein als verschlüsseltes Datenpaket, das sie aus dem Internet herunterladen. Am Tag der Klausur folgt um 6.30Uhr in der Früh der Code, mit dem die Schulleiter die Aufgaben entschlüsseln können, die sie dann in der Schule vervielfältigen. Der Prüfungsbeginn ist daher auch einheitlich um zehn Uhr.

Diese Vorgehensweise gilt nur für die Lateinmatura jener Schüler, die an der AHS sechs Jahre Latein hatten. Das sind etwa 700 Maturanten. Die Aufgaben für die rund 1100Schüler mit vier Jahren Latein waren vom Einbruch nicht betroffen und bleiben daher unverändert.

Heute folgt Französisch

Unberührt von der Aufregung um die Lateinmatura gingen gestern, Donnerstag, für rund 1000 Schüler die Prüfungen in Spanisch und den Volksgruppensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch über die Bühne. Laut BIFIE wurden erneut keine fehlenden oder unvollständigen Angaben gemeldet.

Auch heute, Freitag, wird wieder maturiert. Diesmal sind jene rund 2200 Schüler dran, die sich für eine schriftliche Prüfung in Französisch entschieden haben. Am Montag wird es dann wieder für fast alle ernst. 19.100 Maturanten müssen sich der ersten zentralen Mathematikmatura stellen.

 

 

KLZ – 8. Mai 2015

 

 

NEOS wollen unabhängige Schulen

 

Die NEOS wollen mehr pädagogische, personelle und finanzielle Autonomie für Österreichs Schulen. "Dadurch wächst die Bildungswende von unten", sagte Parteichef Matthias Strolz im Gespräch mit der APA. Als Vorbilder sollen Schweden und die Niederlande dienen. Von den Vorschlägen der Expertenkommission der Regierung hält Strolz nichts und will sein eigenes Schulreformkonzept vorstellen.

Das Konzept der Bildungsreform-Gruppe sei zwar "gut geschrieben, aber von Schulbürokraten verfasst", lautet das Resümee des NEOS-Gründers. Eine "Verländerung der Schulen" sei eine "gefährliche Drohung", da die geplanten Bildungsdirektionen direkt den Landeshauptleuten unterstellt wären. Alles in allem handle es sich um eine "Schein-Autonomie". Einen Rücktritt von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verlangt Strolz zwar nicht ("Das wäre billig"), glaubt aber auch nicht, dass sich in dieser Regierungsperiode noch eine Bildungsreform ausgeht.

 

Bei Reisen nach Schweden und in die Niederlande hat sich Strolz daher Inspiration geholt, wie Schulautonomie in Österreich funktionieren könnte. Sehr gute Lernergebnisse seien einer der positiven Erfolge, berichtet er. Zum einen fordern die NEOS daher freie Schulwahl ohne Schulgeld. Private Schulen sollten dafür bei der Finanzierung mit öffentlichen Schulen gleichgestellt, die Schulträger gleichzeitig auf Gemeinnützigkeit verpflichtet werden. Denn die Gewinnorientierung der Einrichtungen wie in Schweden hält Strolz für falsch. "Hier vertrete ich die Position der dortigen Sozialdemokraten", merkt er an.

 

Die Finanzierung soll, so die Vorstellung der NEOS, pro Schüler erfolgen. Zusätzlich brauche es - wie in den Niederlanden - eine indexbasierte Standortfinanzierung. "Wir sollten das Ziel der sozialen Durchmischung gesetzlich festschreiben und mit einer Anreizfinanzierung hinterlegen", findet Strolz. Wer an seiner Schule etwa Sprachförderung anbietet, bekommt dann auch mehr Geld. Bei den Lehrplänen würde Strolz den Mittelweg wählen: "Sie gehören nicht komplett abgeschafft, aber auch nicht zu fein strukturiert."

 

Aber auch "volle pädagogische Freiheit" wünschen sich die NEOS, die Qualitätskontrolle solle wiederum der Bund übernehmen. "Schulen, die keine ordentliche Qualität zusammenbringen, werden keine Schüler mehr bekommen und das ist gut so", glaubt Strolz. Die Lehrer selbst seien an den Schulen anzustellen, lautet der Vorschlag von Strolz, der in diesem Punkt ebenfalls in die Niederlande und nach Schweden schaut. Mit dem Lehrerdienstrecht und dem "Stunden-Erbsen-Zählen" sei damit Schluss.

 

Im Rahmen der überparteilichen Initiative "Talente blühen!" präsentieren die NEOS am Montag (11. Mai) das Buch "Die mündige Schule - Buntbuch Schulautonomie".

 

 

KLZ – 8. Mai 2015

 

Schüler wünschen sich laut Studie viel mehr Berufsberatung

Schüler fühlen sich laut einer Studie des Instituts für Jugendkulturforschung bei der Berufswahl nicht optimal unterstützt. Es handle sich hier um ein überraschend starkes Bedürfnis, das zu Denken gebe und zum Handeln veranlasse, erklärten Bundesratspräsidentin Sonja Zwazl (ÖVP) und Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier am Donnerstag bei der Studienpräsentation in Wien.

Insgesamt gaben etwa 47 Prozent der 512 im Auftrag der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) befragten niederösterreichischen Schüler an, dass sie sich mehr Information und Beratung über Bildungs- und Auswahlmöglichkeiten nach der achten Schulstufe wünschen. Mit 51 Prozent Zustimmung am stärksten ausgeprägt ist dieser Wunsch unter AHS-Schülern. Noch höher ist die Zustimmung laut Heinzlmaier unter Mädchen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Angesichts dieser Ergebnisse erklärte Zwazl, die auch der WKNÖ vorsteht, dass die Bildungs- und Berufsorientierung zu einem Fixpunkt in allen Schulformen werden sollte.

Jugendliche, aber auch Pädagogen und Eltern wüssten oft gar nicht, welche Berufe und Ausbildungen überhaupt zur Auswahl stünden und welche Chancen Berufsausbildungen mit sich brächten. Über den Alltag in verschiedenen Berufsfeldern sei teilweise wenig bekannt. Abhilfe könnten hier "berufspraktische Tage" in der 3. und 4. Klasse der Sekundarstufe schaffen, in dem Klassen direkt in Betriebe gehen sollten. Auf Basis der Erkenntnisse aus der Studie will Zwazl als Bundesratspräsidentin nun verstärkt Entwicklungen anregen und verwies auf die Zukunftskonferenz des Bundesrates am 11. Mai in St. Pölten und eine Enquete in Parlament zum Thema "Schlummernde Talente" Anfang Juni.

Heinzlmaier betonte, dass sich die Jugendlichen vor allem nach umfassender Beratung inklusive Testverfahren sehnen, die ihnen Auskunft über ihre Talente geben. Das Bildungssystem sei zwar gut im Identifizieren von Schwächen, oft wüssten die Schüler aber wenig über ihre Stärken, sagte Zwazl. Bei solchen Testverfahren dürfe es sich aber nicht um "Alibitests" handeln und Berufsberatung dürfe sich nicht auf "Schnellsiederprogramme" beschränken. Bereits bestehende gute Programme sollten mit mehr Geld ausgestattet und ausgebaut werden.

Die Matura stehe bei den befragten Jugendlichen hoch im Kurs. Etwa 70 Prozent wollen diese absolvieren. Die Schüler wünschen sich zudem eine Aufwertung der Lehre und mehr Möglichkeiten, eine Lehre mit Matura abzuschließen, erklärte Heinzlmaier. Auch auf die Option, etwa nach der AHS-Matura eine Lehre zu absolvieren, sollte verstärkt hingewiesen werden.

 

 

KLZ – 8. Mai 2015

 

Zentralmatura wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft

Die Zentralmatura wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft und die Disziplinarbehörden. Noch während die Deutschmatura gelaufen ist, hat die "Presse" bereits am Dienstagvormittag auf ihrer Website die Prüfungsfragen veröffentlicht. Das Bildungsministerium erstattete Anzeige gegen unbekannte Täter bei der Staatsanwaltschaft Wien, berichten die "Salzburger Nachrichten".

Gekommen sind die Prüfungsfragen aus dem Gymnasium in der Wasagasse im 9. Wiener Gemeindebezirk. Das geht aus der Nummer hervor, die auf dem im Internet veröffentlichten Deckblatt der Prüfungsfragen zu sehen ist. Das Ministerium habe deshalb eine Anzeige gegen unbekannte Täter eingebracht, weil man nicht wisse, wer genau die Fragen weitergegeben habe. Jedenfalls muss es jemand aus dem Lehrkörper gewesen sein, da es sich um eingescannte Dokumente und keine Pressefotos handelt. Der Täter macht sich möglicherweise der Verletzung des Amtsgeheimnisses strafbar. Das Bildungsministerium hat in einem Erlass festgeschrieben, dass Lehrer und Direktoren bei der Zentralmatura zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wer dagegen verstößt, muss auch mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Der Direktor des Gymnasiums, Johannes Bauer, verteidigt seine Schule: "Von uns wurde nichts weitergegeben. Ich lege für meine Lehrer die Hand ins Feuer." Bauer bestreitet nicht, dass Medienvertreter am Tag der Deutschmatura anwesend waren. Wie die Medien zu den Fragen gelangt seien, könne er nicht sagen.

In Graz geriet ein Direktor ins Visier des steirischen Landesschulrats, weil er in der ORF-Sendung "Report" noch vor Beginn der Zentralmatura zeigte, dass er mangels eines Tresors die Prüfungsunterlagen in einem Heizungskeller aufbewahrte. Er wurde von seiner vorgesetzten Dienstbehörde mündlich abgemahnt, weil er die Geheimhaltung und damit Dienstpflichten verletzt habe.

In Wien wie in Graz wurde umgehend auf die Fälle reagiert. "Aus gegebenem Anlass wird dringend darauf aufmerksam gemacht, dass keine Aufbewahrungsorte der Prüfungspakete und keine Prüfungsräume gefilmt bzw. bekannt gegeben werden dürfen", erging ein Rundschreiben an die Schulleiter in der Steiermark. Der Wiener Stadtschulrat hat jetzt untersagt, dass Journalisten vor oder während der Abschlussprüfung in die Schulen kommen.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 106 vom 08.05.2015              Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Auch Kriminalfälle können Zentralmatura nicht stoppen

 

   In einer Salzburger Schule öffneten Diebe das Kuvert mit der Latein-Zentralmatura. Das Ministerium muss auf „Plan B“ zurückgreifen. Auch in Wien ermittelt die Staatsanwaltschaft.

 

   Salzburg. Es ist die große schulpolitische Neuerung dieses Jahres. Aber der Auftakt der Zentralmatura wird nun von Kriminalfällen überschattet. In der Nacht auf Donnerstag drangen Diebe in ein Salzburger Gymnasium ein. Sie öffneten ein Kuvert, in dem die Aufgaben für die Latein-Zentralmatura aufbewahrt waren. Das Bildungsministerium muss nun davon ausgehen, dass die Maturafragen bekannt sind.

 

   Jetzt tritt ein „Plan B“ in Kraft, den das Ministerium für solche Fälle vorbereitet hatte. Die Schulen bekommen nun für die Matura, die am kommenden Mittwoch stattfindet, neue Fragen zur Verfügung gestellt. Diesmal werden sie nicht im Kuvert verschickt, sondern digital und verschlüsselt übermittelt. Die Direktoren bekommen den Code erst im letzten Moment.

 

   Das Kuriose an dem Fall: Den Dieben ging es vermutlich gar nicht um die Maturafragen. In insgesamt drei Salzburger Schulen wurde in der Nacht auf Donnerstag eingebrochen. Die Diebe hatten den Tresor im Akademischen Gymnasium geknackt, weil sie es auf Bargeld abgesehen hatten. Die Kuverts mit den Maturafragen für Mathematik und Französisch ließen die Einbrecher unberührt.

 

   In Wien schaltete sich jetzt wegen einer Panne rund um die Zentralmatura sogar der Staatsanwalt ein. In einer Schule in der Wasagasse waren während der Deutschmatura Journalisten anwesend. Auf der Website einer Tageszeitung wurden die Maturafragen veröffentlicht, während die Prüfung noch lief. Das Bildungsministerium erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der Täter macht sich möglicherweise wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses strafbar. Vorerst wird gegen unbekannt ermittelt. Denn es ist noch nicht klar, wer die Fragen weitergegeben hat.

 

   In Graz bekam indes ein Direktor Probleme, weil er in einer ORF-Sendung gezeigt hatte, dass er die Maturaaufgaben nicht im Tresor, sondern in einem Heizkeller gelagert hatte.

 

   Im Fall der Lateinmatura darf es nun jedenfalls zu keiner weiteren Panne kommen. Denn einen „Plan C“ gibt es nicht, heißt es aus dem Ministerium. Seite 10

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 105 vom 07.05.2015             Seite: 10

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Zentralmatura: Für Englisch brauchte man gute Ohren

 

   Salzburg. Lenas Befürchtungen vor der Englisch-Zentralmatura am Mittwoch sind eingetreten. Die 17-jährige Maturantin des Gymnasiums Katzelsdorf in Niederösterreich hatte Probleme, die CD-Aufnahme der Hörverständnis-Übung zu verstehen. „Der erste Text über einen Film war eine Frechheit. Die Hintergrundgeräusche waren extrem“ , sagt Lena.

 

   So wie ihr erging es einigen Maturanten, die alle zur selben Zeit dieselbe Prüfung zu schreiben hatte. Manche teilten via Twitter Lenas Sorge, deshalb womöglich in Englisch durchgefallen zu sein. „Man muss alle vier Teile schaffen, um bei der Englisch-Zentralmatura durchzukommen“, bestätigt sie.

 

   Bei den anderen Teilen sollte ihr das gelungen sein – dem Lesetext über Höhlenmalereien und dem Lückentext über das Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung von Neos-Abgeordnetem Niko Alm. Die Schreibaufgabe – ein Blog-Kommentar, wie man Städte fahrradfreundlicher machen kann, und ein Essay über das Eingehen von Risiken – hat sie vorzeitig abgegeben.

 

   Bis zur Mathematik-Zentralmatura am kommenden Montag hat Lena nun Verschnaufpause. Sie maturiert weder heute in Spanisch noch morgen in Französisch. Entspannen wird sich Lena aber nicht können, wie sie meint. „Ich bin eher negativ in Mathematik, seit es die Zentralmatura gibt.“ par

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 106 vom 08.05.2015             Seite: 10

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Staatsanwalt ermittelt wegen Geheimnisverrats

 

   In Wien wurden während der Deutschmatura die Prüfungsfragen veröffentlicht – Grazer Direktor wurde abgemahnt.

 

   Alexandra Parragh, Fritz pessl, Marian Smetana Wien. Die Zentralmatura wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft und die Disziplinarbehörden. Betroffen sind je ein Fall in Wien und in Graz.

 

   In der Bundeshauptstadt geht es um die Deutschmatura, die am Dienstag abgehalten wurde. Die Tageszeitung „Die Presse“ veröffentlichte bereits am Dienstagvormittag auf ihrer Website die Prüfungsfragen, während die Matura lief. Die Weitergabe der Prüfungsfragen ist laut Bildungsministerium streng verboten, noch dazu, wenn auf diese Weise Schüler vorinformiert werden können. Das Bildungsministerium erstattete Anzeige gegen unbekannte Täter bei der Staatsanwaltschaft Wien, wie das Ministerium auf SN-Anfrage bestätigte.

 

   Dabei weiß das Bildungsministerium, aus welcher Schule die Prüfungsfragen kommen: aus dem Gymnasium der Wasagasse im 9. Wiener Gemeindebezirk. Das geht aus der Nummer hervor, die auf dem im Internet veröffentlichten Deckblatt der Prüfungsfragen zu sehen ist.

 

   Das Ministerium habe deshalb eine Anzeige gegen unbekannte Täter eingebracht, weil man nicht wisse, wer genau die Fragen weitergegeben habe. Der Direktor des Gymnasiums, Johannes Bauer, verteidigt seine Schule: „Von uns wurde nichts weitergegeben. Ich lege für meine Lehrer die Hand ins Feuer.“

 

   Bauer bestreitet nicht, dass Medienvertreter am Tag der Deutschmatura anwesend waren. Wie die Medien zu den Fragen gelangt seien, könne er nicht sagen. „Ich finde es auch problematisch, dass die Fragen so früh veröffentlicht wurden“, so Bauer. Jedenfalls muss jemand aus dem Lehrkörper die Fragen weitergegeben haben, da es sich um eingescannte Dokumente und keine Pressefotos handelt.

 

   Der Täter macht sich möglicherweise wegen Verletzung eines Amtsgeheimnisses strafbar. „Es kommt darauf an, ob durch die Veröffentlichung die Prüfung beeinflusst wurde“, erklärt der Strafrechtsexperte Helmut Fuchs.

 

   Das Bildungsministerium hat in einem Erlass festgeschrieben, dass Lehrer und Direktoren bei der Zentralmatura zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wer dagegen verstößt, muss mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen. „Wenn eine Matura deshalb wiederholt werden muss, ist sicher, dass der Direktor oder der Lehrer, der die Fragen weitergegeben hat, seinen Posten verliert“, meint Arbeitsrechtsexperte Wolfgang Mazal.

 

   Darüber hinaus komme auch eine zivilrechtliche Haftung infrage. Der Behörde würden Kosten entstehen, falls die Matura wiederholt werden müsse. „Das Bildungsministerium kann theoretisch Schadenersatz von jedem fordern, der Fragen weitergegeben hat. Das kann auch Schüler treffen“, sagt Mazal.

 

   Auch in der Steiermark sorgt eine Panne bei der neuen Matura für Wirbel: In Graz geriet ein Direktor ins Visier des steirischen Landesschulrats, weil er in der ORF-Sendung „Der Report“ noch vor Beginn der Zentralmatura zeigte, dass er mangels eines Tresors die Prüfungsunterlagen in einem Heizungskeller hortete. Mit diesem Vorgehen verletzte der Direktor die Geheimhaltung und damit Dienstpflichten. Er wurde von seiner vorgesetzten Dienstbehörde mündlich abgemahnt. „Es ist nichts passiert und daher entspricht eine Ermahnung dem Anlass“, sagte ein Sprecher des Landesschulrats.

 

   In Wien wie in Graz wurde umgehend auf die Fälle reagiert. „Aus gegebenem Anlass wird dringend darauf aufmerksam gemacht, dass keine Aufbewahrungsorte der Prüfungspakete und keine Prüfungsräume gefilmt bzw. bekannt gegeben werden dürfen“, erging ein Rundschreiben an die Schulleiter in der Steiermark.

 

   Der Wiener Stadtschulrat hat jetzt untersagt, dass Journalisten vor oder während der Abschlussprüfung in die Schulen kommen.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 106 vom 08.05.2015              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Zu wenig Hilfe bei der Berufswahl

 

   Schwächen der Schüler werden besser erkannt als ihre Stärken.

 

   WIEN. Schüler fühlen sich laut einer Studie des Instituts für Jugendkulturforschung bei der Berufswahl nicht optimal unterstützt. Es handle sich hier um ein überraschend starkes Bedürfnis, das zum Handeln veranlasse, erklärten Bundesratspräsidentin Sonja Zwazl (ÖVP) und Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier bei der Präsentation der Studie in Wien.

 

   Insgesamt gaben etwa 47 Prozent der 512 im Auftrag der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) befragten Schüler an, dass sie sich mehr Information und Beratung über Bildungs- und Auswahlmöglichkeiten nach der achten Schulstufe wünschen. Mit 51 Prozent Zustimmung am stärksten ausgeprägt ist dieser Wunsch unter AHS-Schülern. Noch höher ist die Zustimmung laut Heinzlmaier unter Mädchen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Angesichts dieser Ergebnisse sollte die Bildungs- und Berufsorientierung zu einem Fixpunkt in allen Schulformen werden.

 

   Jugendliche, aber auch Pädagogen und Eltern wüssten oft gar nicht, welche Berufe und Ausbildungen überhaupt zur Auswahl stünden und welche Chancen Berufsausbildungen mit sich brächten. Über den Alltag in verschiedenen Berufsfeldern sei teilweise wenig bekannt. Abhilfe könnten hier „berufspraktische Tage“ in der 3. und 4. Klasse der Sekundarstufe schaffen, indem Klassen direkt in Betriebe gehen.

 

   Heinzlmaier betonte, dass sich die Jugendlichen vor allem nach umfassender Beratung inklusive Testverfahren sehnen, die ihnen Auskunft über ihre Talente geben. Das Bildungssystem sei zwar gut im Identifizieren von Schwächen, oft wüssten die Schüler aber wenig über ihre Stärken. Bei solchen Testverfahren dürfe es sich aber nicht um „Alibitests“ handeln. , APA

 

 

Der Standard – 8. Mai 2015

 

 

Zentralmatura: Sex, Gewalt und Tod sind tabu

Beispiel der neuen Reifeprüfung werden so ausgewählt, dass sie die Schüler nicht "emotionalisieren"

Wien – Für die Aufgaben der gerade laufenden Zentralmatura gibt es einige Tabus. Jürgen Horschinegg, Direktors des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), erklärt im Gespräch mit dem STANDARD, dass manche Themen gemieden werden. "Sex, Kriminalität und Tod dürfen zum Beispiel nicht vorkommen." Grundsätzliche gehe es darum, Themen zu vermeiden, die Schüler emotionalisieren. Auch aktuelle Politiker sollten nicht bei der Matura vorkommen. Trotzdem ging es in einem Beispiel am Mittwoch um den aktuellen Neos-Abgeordneten Niko Alm.

Unter dem Titel "Sieve licence photo gets all-clear" mussten die Englischmaturanten einen Lückentext über Alm und sein Führerscheinfoto mit Nudelsieb als Kopfbedeckung bearbeiten. Alm hatte das Tragen des Nudelsiebs damit begründet, dass er der Satirereligion der "Pastafaris" angehöre und sein Glaube ihn dazu verpflichte.

Bei Alm handle es sich nicht mehr um eine aktuelle Kontroverse, deshalb sei das Thema geeignet, sagt Horschinegg. Eva Dousset-Ortner, Teamleiterin für lebende Fremdsprachen am Bifie, erklärt, dass die Experten darauf achten, dass bei der Matura keine tagespolitischen Themen vorkommen. Alm hat seinen Führerschein schon 2011 bekommen und sei deshalb aktuell nicht mehr brisant. "Im Text werden keine einzelnen Gruppen verunglimpft, und es war aus unserer Sicht kein heikles Thema", sagt Dousset-Ortner.

Jede Aufgabe wird getestet

Wie kommt ein solcher Text in die Reifeprüfung? Grundsätzlich schlagen laut Horschinegg 180 Lehrerinnen und Lehrer in allen Bundesländern Texte und Beispiele vor, die zur Matura gegeben werden können. Diese Vorschläge werden dann von 50 Experten aus dem In- und Ausland gesichtet und von Didaktikern und Testtheoretikern überprüft.

Bei "Feldtestungen" werden die Beispiele dann Schulklassen vorgelegt. Damit wird unter anderem überprüft, ob die Aufgaben nicht zu schwer und nicht zu leicht sind und die Schüler sie verstehen. Die endgültigen Maturaaufgaben für die Haupt- und die Nebentermine werden dann von einer kleinen Expertengruppe unter Leitung des Bifie ausgewählt. Von der Idee bis zur fertigen Maturaaufgabe vergehen laut dem Institut ein bis zwei Jahre.

 

 

"Kurier" vom 08.05.2015                                    Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Bildung

 

Einbrecher öffneten Latein-Maturafragen

 

Englisch. Bifie lud Journalisten zur Test-Matura

 

   Die Englisch-Matura ging am Mittwoch erfolgreich über die Bühne. Nicht nur die rund 20.000 AHS-Schüler haben die Aufgaben großteils bewältigt, auch sieben Redakteure und eine Schülerin wagten den Selbstversuch und absolvierten Teile der Englisch-Matura. Ihr Resümee: Es war schaffbar. Nur der Prüfungsteil "Listening", also Hören, war eine Herausforderung. Ein erstes Problem gab es bei der Latein-Matura, die kommenden Mittwoch auf dem Terminplan steht. Im Akademischen Gymnasium Salzburg haben Diebe auf der Suche nach Wertgegenständen auch die Prüfungsaufgaben entdeckt und aufgerissen. Doch das Bildungsinstitut bifie, das für die Zentralmatura verantwortlich ist, hat schon einen Plan B.

 

   POLITIK, Chronik 2, 20

 

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"Kurier" vom 07.05.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Leitartikel

 

Wie Österreich sein Kapital vergeudet

 

Hören wir doch endlich auf mit dem Beschönigen und bekämpfen den schleichenden Abstieg! martina.salomon

 

   Bei der laufenden Zentralmatura zittern nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer und Schulpolitiker. Das Gymnasium steht auf dem Prüfstand. Vorsorglich wurde das Anforderungsniveau gesenkt. Wer will schon die ungeschönte Wahrheit erfahren?

 

   Das ist leider ein bisserl symptomatisch für unser Land. Funktioniert hat es trotzdem eine Weile, weil Österreich ein starkes Rückgrat an tollen Unternehmen und einsatzbereiten, gut ausgebildeten Arbeitskräften hat. Doch da bröckelt gerade etwas, was in Wien deutlicher zu bemerken ist als zum Beispiel im immer noch blühenden Industrie-Bundesland Oberösterreich. Die Arbeitslosenzahlen explodieren gegen den europäischen Trend, und Österreichs Wirtschaftswachstum bleibt erschreckend weit hinter dem EU-Schnitt zurück.

 

   Das Unglück ist zum Großteil selbst verschuldet. Lange wurde eine Art "no problem"-Strategie gefahren. Die Österreicher gehen zu früh in Pension, das Bildungswesen ist mit Integrationsaufgaben heillos überfordert, die Zahl der Mindestsicherungsbezieher steigt vor allem in Wien stark an, der Vorschriftendschungel ist zu dicht, die Bundesländer verschleiern ihre Budgets - na und?

 

   Lieber diskutieren wir über Millionärssteuern und neue Flaniermeilen. Wenn aber das Spazierengehen zum wichtigsten Prinzip in der Stadt erhoben wird und Geldverdienen/Sparen/Anstrengung/freier Handel als "neoliberale" Erfindungen gebrandmarkt werden, dann wird man das mit steigenden Sozialausgaben und sinkenden Einkommenssteuereinnahmen sowie Wohlstandsverlust bezahlen. Österreich hat noch tolle Voraussetzungen, ein Top-Wirtschaftsstandort zu bleiben. Lasst uns dieses Kapital nicht populistisch verplempern!

 

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"Kurier" vom 08.05.2015                                   Seite: 20

Ressort: Chronik

 

Wi, Abend

 

Matura-Aufgaben geöffnet

 

Einbruch. Diebe stießen im Tresor auf Unterlagen für Zentralmatura / "Plan B" für die Schüler

 

   von THOMAS MARTINZ. Jetzt hat sich doch ein Zwischenfall im Zusammenhang mit der Zentralmatura ereignet - allerdings einer mit kriminellem Hintergrund und ohne Folgen für die Schüler: Bei einem Einbruch in ein Salzburger Gymnasium ist in der Nacht auf Donnerstag das Paket mit den Zentralmatura-Aufgaben für das Fach Latein geöffnet worden. Die Prüflinge erhalten nun Ersatzaufgaben.

 

   An drei Gymnasien in der Stadt Salzburg hatten es die Einbrecher laut Erkenntnissen der Polizei auf Geldbeträge und Wertgegenstände abgesehen. Sie brachen Schubladen sowie Handkassen auf - und am Akademischen Gymnasium auch den Schultresor. Dass dieser erst vor wenigen Wochen erworben worden war, um die Dokumente für die Zentralmatura sicher zu verwahren, wussten die Diebe offensichtlich nicht.

 

   Laut Bildungsministerium wurde das im Tresor befindliche und versiegelte Kuvert "Latein 6-jährig" geöffnet. Damit gelten die Klausuraufgaben als öffentlich und somit als ungültig - auch wenn sie nicht aus dem Tresor entfernt wurden. Die Kuverts mit den Aufgaben für Französisch und Mathematik blieben hingegen unangetastet.

 

   Prüfung am Mittwoch. Zum Glück für die Schulen und die Maturanten findet die Latein-Zentralmatura erst kommenden Mittwoch statt. Das Institut für Bildungsforschung (Bifie) hat einen "Plan B" in der Hinterhand: Es stellt den Gymnasien Dienstagabend einen "Download-Container" mit Ersatzaufgaben zum Herunterladen zur Verfügung. Am Prüfungstag ab 6.30 Uhr kann der jeweilige Direktor die Aufgaben per Passwort entschlüsseln und vervielfältigen. Die Prüfung startet einheitlich um 10 Uhr - eine Stunde später, als ursprünglich vorgesehen.

 

   Diese Vorgehensweise gilt für Latein-Aufgaben all jener Schüler in ganz Österreich, die an der AHS sechs Jahre lang Lateinunterricht genossen haben - laut Bifie sind das rund 700 Maturanten an 115 Schulen.

 

   Ein "Plan C" existiert nicht. Laut Auskunft des Bildungsministeriums könne es beim "Plan B" zu keinerlei Pannen kommen. Würde man jedoch gleich den "Download-Container" und die Vervielfältigung der Aufgaben am Prüfungstag nutzen, hätte dies einen "zu hohen logistischen Aufwand für die Schulen " zur Folge.

 

   Hinweise auf die Einbrecher gibt es übrigens nicht.

 

"Kurier" vom 08.05.2015                                    Seite: 4

Ressort: Außenpolitik

 

Bgld, Länder, Länder, Morgen

 

Selbsterfahrung

 

Auch 16-Jährige besteht Englisch-Matura spielend

 

Test. Auch sieben Journalisten kamen durch

 

   Letztlich war es dann doch nicht so schwer: Nicht nur völlig unvorbereitete Journalisten, sondern auch unsere 16-jährige KURIER-Teenager-Redakteurin Katharina absolvierten Teile der aktuellen Englisch-Zentralmatura ohne große Probleme.

 

   Am Mittwoch kam gleich zu Beginn Prüfungsstimmung auf: Zuerst wurden die Handys eingesammelt, und auch Taschen und Notizzettel mussten vom Tisch verschwinden, als sich sieben Journalisten in den Räumen des Bifie versammelten. Das Institut, das für die Zentralmatura verantwortlich ist, hatte zu dem Medien-Event geladen. Die Journalisten sollten am eigenen Leib erfahren, was es heißt, einen Teil der Zentralmatura zu machen. Ein Gefühl wie damals kam auf, als Bifie-Direktor Jürgen Horschinegg das Kuvert mit Prüfungsfragen in der Hand hielt und mit salbungsvollen Worte versuchte, die Kandidaten zu beruhigen: "Sie sind gut auf diesen Tag vorbereitet. Ich wünsche viel Erfolg."

 

   Lesen und Hören Endlich ging's los: Die Aufgaben wurden in drei Etappen ausgeteilt. Zum Aufwärmen wurde gelesen - Fragen über die Verkehrsprobleme in China und über Big Brother in Sydney mussten beantwortet werden. Das war bewältigbar.

 

   Leises Stöhnen hörte man, als der CD-Player gestartet und der erste Hörverständnis-Test abgespielt wurde. Der Radiobeitrag über eine Leichtathletin war nicht nur für hörgeschädigte ältere Semester eine Herausforderung. Auch Katharina "störten die Nebengeräusche schon sehr. Zudem bräuchte man mehr als nur 45 Sekunden Zeit, sich die Aufgaben durchzulesen", meinte sie. Die Herausforderung: Hören und dabei die Aufgaben lösen. Ohne Multitasking geht hier nichts.

 

   Entspannter der nächste Aufgabenbereich: Sprache im Kontext. Da waren Lückentexte auszufüllen, Fehler zu finden und Kästchen anzukreuzen. "Das fand ich wieder nicht so schwierig, weil wir in der Schule die neuen Formate immer üben ." Und die 16-Jährige hat ihre Sache gut gemacht. 85 Prozent hat sie richtig. "Sprachen fallen mit leicht", sagt sie. Etwas anders sei das in Mathematik: "Davor habe ich mehr Respekt."

 

   Mehr zum Diebstahl der Latein-Matura-Aufgaben auf Seite 20

 

   U. Brühl / K. Hann

 

 

Wiener Zeitung – 8. Mai 2015

 

Zentralmatura

Ersatzaufgaben wegen Einbruchs

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Kuvert für Latein-Matura geöffnet, rund 700 Schüler an 115 Schulen betroffen.

 

 

Salzburg. Bei einer Einbruchsserie in Salzburger Schulen ist am Akademischen Gymnasium ein Paket mit Zentralmatura-Aufgaben aus dem Fach Latein geöffnet worden. Nach Abschluss der Spurensicherung durch die Polizei und der Prüfung der im Tresor befindlichen Klausuraufgaben stehe fest, dass "das Kuvert für 'Latein 6-jährig' geöffnet worden ist", hieß es in einer Aussendung des Ministeriums. "Damit sind die Aufgaben öffentlich." Die Kuverts mit den Aufgaben für Französisch und Mathematik seien dagegen "vollständig vorhanden und ungeöffnet".

Eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Salzburg sagte ferner, dass in der Stadt Salzburg in der Nacht auf Donnerstag in drei Schulen eingebrochen worden sei. "Ich habe die Information bekommen, dass es sich nicht um Diebstahl von schriftlichen Unterlagen handelt." Es sei Bargeld gestohlen worden, die Höhe der Beträge war vorerst nicht bekannt. Die Diebe haben Türen der Schulgebäude aufgebrochen. "Derzeit gibt es keine Hinweise auf die Täter", erklärte Polizei-Sprecherin Irene Stauffer. Das Ergebnis der Spurensicherung muss noch abgewartet werden.

Ersatzaufgaben für die Maturanten

Da die Latein-Zentralmatura erst am Mittwoch (13. Mai) stattfindet, erhalten die Maturanten nun die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) für solche Fälle bereitgehaltenen Ersatzaufgaben. Das Bifie stellt den Schulen am Vorabend der Prüfung - also am Dienstag - einen sogenannten verschlüsselten "Download-Container" mit Ersatzaufgaben zum Herunterladen zur Verfügung.

Am Prüfungstag kann dann ab 6.30 Uhr in der Früh der Direktor die Aufgaben per Passwort entschlüsseln und vervielfältigen. Die Prüfung startet deshalb später als geplant - und zwar einheitlich um 10.00 Uhr.

Diese Vorgehensweise gilt nur für die Latein-Aufgaben für jene Schüler, die an der AHS sechs Jahre Latein hatten. Das sind laut Bifie etwa 700 Maturanten an 115 Schulen. Die Aufgaben für die Schüler mit vier Jahren Latein waren vom Einbruch nicht betroffen und bleiben daher unverändert. Gleiches gilt für die Matura-Aufgaben in den anderen Fächern.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" vom 08.05.2015                         Seite 1

Ressort: Seite 1

 

 

Notfallplan bei Matura

 

Wien, Salzburg - Am Dienstag erfolgte mit dem Fach Deutsch der Auftakt für die erste österreichweite Zentralmatura, ein erstes Resümee verlief positiv. Doch die Freude kam zu früh - gestern Vormittag wurde bekannt, dass bei einem Einbruch am Akademischen Gymnasium in Salzburg das Paket mit den Lateinaufgaben geöffnet wurde. Nun müssen die für Notfälle vorbereiteten Ersatzaufgaben digital geschickt werden. Die Lateinklausur am nächsten Mittwoch findet aber trotzdem planmäßig statt. Die Diebe haben in der Nacht auf Donnerstag in insgesamt drei Salzburger Schulen eingebrochen. Das geöffnete Kuvert mit den Lateinfragen ließen sie liegen, die Aufgaben für Französisch und Mathe blieben ungeöffnet. Von der Planänderung betroffen sind Schüler, die an der AHS sechs Jahre Latein hatten. Das sind laut Bifie etwa 700 Maturanten an 115 Schulen, in Tirol werden 40 Schüler neue Aufgaben bekommen. (TT)

 

Mehr auf Seite 14

 

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"Tiroler Tageszeitung" Nr. 127 vom 08.05.2015               Seite: 14

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Diebe öffneten Kuvert mit Maturafragen

 

Einbrecher knackten den Tresor in einer Salzburger Schule. Die neuen Aufgaben werden den Schulen digital und passwortgeschützt geschickt.

 

   Wien - Ein erstes Zwischenresümee der Zentralmatura gestern Vormittag fiel positiv aus. Die Logistik funktioniere, ?es war alles da, wo es sein sollte", sagte Jürgen Horschinegg, Leiter des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), das die neue Reifeprüfung abwickelt. Die Nervosität im Vorfeld war groß, immerhin kam es in der Vergangenheit zu mehreren Pannen, von Technikproblemen beim Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeit bis zu leeren Seiten in Aufgabenheften bei Probedurchläufen.

 

   Der positiven Bilanz machten dann Einbrecher einen kleinen Strich durch die Rechnung: Denn wenig später wurde bekannt, dass Diebe am Akademischen Gymnasium in Salzburg auf der Suche nach Bargeld ein Paket mit Klausurfragen aus dem Fach Latein geöffnet hatten. Betroffen davon sind Schüler, die sechs Jahre Latein hatten. Die Kuverts mit den Aufgaben für Latein in der vierjährigen Form sowie Französisch und Mathe seien dagegen ?vollständig vorhanden und ungeöffnet". Das betonte das Bildungsministerium in seiner Stellungnahme. Auch das Bifie bemühte sich um Beruhigung, sogar die Oppositionsparteien zeigten Verständnis.

 

   Nun tritt der für solche Fälle vorbereitete Plan B in Kraft: Das Bifie stellt den betroffenen 115 Schulen am Vorabend der Prüfung - also am Dienstag - digital einen ?Daten-Container" mit Ersatzaufgaben zum Herunterladen zur Verfügung. Am Prüfungstag kann dann der Schulleiter in der Früh die Aufgaben per Passwort entschlüsseln und vervielfältigen.

 

   Abseits des Einbruchs und der Folgen hatte das Bifie gestern noch gute Nachrichten: Klausuren in Spanisch und den Volksgruppensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch gingen ohne Problem über die Bühne. (ritz)

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 08.05.2015            Seite: 24

Ressort: Land & Leute

 

 

Noch einmal Matura: Ein Selbstversuch

 

   Nicht nur Schüler mussten am Mittwoch zur Englisch-Zentralmatura antreten. Das Bildungsforschungsinstitut (Bifie) lud Journalisten zur Wiederholung ihrer Reifeprüfung.

 

   Von Jasmin Bürger

 

   WIEN. "Flippts nicht aus, eure Lehrer haben euch gut vorbereitet": Mit Worten wie diesen, erklärt Bifie-Direktor Jürgen Horschinegg, hätte er als Matura-Vorsitzender Schüler vor Beginn ihrer Reifeprüfung begrüßt.

 

   Null vorbereitet sind allerdings die "Maturanten", die Mittwochnachmittag in einem Mini-Klassenzimmer am Bifie darauf warten, dass Horschinegg das versiegelte Kuvert mit der Englisch-Zentralmatura öffnet. Das für die Durchführung der neuen Reifeprüfung zuständige Bifie hat, nur wenige Stunden nachdem rund 19.000 Schüler die Englisch-Matura hinter sich gebracht haben, Journalisten zum Selbsttest geladen.

 

   Gemeinsam mit vier Kolleginnen und zwei Kollegen darf ich also die Matura noch einmal durchleben - 18 Jahre nach der echten. Jeder von uns bekommt einen eigenen Tisch.

 

   Als Dianne Davies, die unsere Antworten später mit Rotstift kontrollieren wird, mit strengem Blick alle Smartphones einsammelt und mahnt, keinerlei Hilfsmittel auf dem Tisch zu lassen, stellt sich etwas Nervosität ein. Die steigert sich noch mit Erhalt des ersten Aufgabenhefts, das zu bearbeiten ist. Das Format der neuen Matura ist für nicht zentral Reifegeprüfte gewöhnungsbedürftig: Ein Antwortblatt zum Herausreißen, im Heft gemachte Notizen werden nicht bewertet.

 

   Davies startet die Stoppuhr, 30 Minuten bekommen wir für die zwei Lese-Beispiele. Die Schüler hatten vier Aufgaben und doppelt so viel Zeit. Die Texte über Verkehrsprobleme in China und Überwachung in Sydney sind gut verständlich. Das Ankreuzen der Antworten auf dem Extrablatt erfordert aber volle Konzentration.

 

   Schwierige Hörbeispiele

 

   Die ist auch bei den Hörbeispielen notwendig: Die Radio-Reportage über eine Läuferin und der Nachruf auf Großbritanniens frühere Premierministerin Margaret Thatcher sind schnell gesprochen. Hintergrundgeräusche und Slang-Ausdrücke fehlen bei der Reportage auch nicht. Zuhören, die vielen Fragen und Antwortmöglichkeiten lesen, das Richtige herausfiltern, und das alles gleichzeitig - da seufzen schon einige deutlich.

 

   Respekt vor den Schülern. Auch beim zweiten Hördurchgang wird es nicht leichter. Wir werden mit nur zwei von vier Beispielen wieder geschont, den Schreibteil lassen wir komplett aus.

 

   Als letztes Aufgabenheft folgt "Sprachverwendung im Kontext". Wörter in einem Text über "Fearless Felix", den Stratosphären-Springer, müssen frei eingefügt werden, beim Text über die politische Bewegung der Suffragetten müssen wir aus mehreren Möglichkeiten das richtige Wort auswählen. Das geht schnell.

 

   Erleichtert geben wir ab. Am Ende haben alle bestanden, im Einzelgespräch lobt Davies: "Excellent!". Zwei kleine Fehler kosten mich zwei von 66 Punkten. Mein Englisch ist also noch immer recht akzeptabel. Zum Glück mussten wir nicht in Mathematik antreten.

 

 

"Heute" vom 08.05.2015                                        Seite 4

Ressort: Politik

 

Uta Hauft

 

Heute Hauptausgabe, Heute Oberösterreich, Heute Niederösterreich

 

Nach Einbruch an Salzburger Gymnasium jetzt Plan B:

 

Latein-Matura startet nun 2 Stunden später

 

Weil am Akademischen Gymnasium ein Paket mit Aufgaben für die Zentralmatura aufgebrochen wurde, gibt es nun neue Prüfungsfragen. Jede Schule muss sie selbst downloaden und ausdrucken.

 

Von einer "Panne" will im Bildungsministerium niemand reden. "Das war ein Einbruch, wie er passieren kann, gerade Schul-Einbrüche gibt es immer wieder", hieß es gestern auf "Heute"-Anfrage aus dem Büro von Gabriele Heinisch-Hosek (SP). Das Akademische Gymnasium Salzburg bestätigte den Einbruch.

 

Das aufgebrochene Aufgaben-Paket löst für die Latein-Zentralmatura jetzt "den Notfall-Plan B" aus. Neue Prüfungsaufgaben müssen her. Sie sind zwar ausgearbeitet, aber nicht auf Papier.

 

Alle 115 betroffenen Schulen erhalten vom Bifie einen Download-Link. Der kann am nächsten Mittwoch ab 6.30 Uhr aktiviert werden. Die Aufgaben müssen dann heruntergeladen und ausgedruckt werden - was zu Verzögerungen führen kann. Der Matura-Start wurde vorsorglich bereits auf 10 Uhr verschoben.

 

Die Zentralmatura ist jetzt sogar ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Noch während der Deutschmatura veröffentlichte die Tageszeitung "Die Presse" Prüfungsfragen online. Das Ministerium erstattete Anzeige gegen unbekannte Täter.

 

 

ORF – 8. Mai 2015

 

Zentralmatura: Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Zentralmatura beschäftigt nun auch die Staatsanwaltschaft. Die Fragen zur Deutschmatura sind online veröffentlicht worden, während die Matura noch stattfand. Das Bildungsministerium hat nun Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Noch während die Deutschmatura gelaufen ist, hat die Tageszeitung „Die Presse“ bereits am Dienstagvormittag auf ihrer Website die Prüfungsfragen veröffentlicht. Das Bildungsministerium erstattete Anzeige gegen unbekannte Täter bei der Staatsanwaltschaft Wien, berichten die „Salzburger Nachrichten“.

Fragen stammen aus dem Gymnasium Wasagasse

Gekommen sind die Prüfungsfragen aus dem Gymnasium in der Wasagasse am Alsergrund. Das geht aus der Nummer hervor, die auf dem im Internet veröffentlichten Deckblatt der Prüfungsfragen zu sehen ist. Das Ministerium habe deshalb eine Anzeige gegen unbekannte Täter eingebracht, weil man nicht wisse, wer genau die Fragen weitergegeben habe. Jedenfalls muss es jemand aus dem Lehrkörper gewesen sein, da es sich um eingescannte Dokumente und keine Pressefotos handelt, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Direktor verteidigt Lehrer

Der Direktor des Gymnasiums, Johannes Bauer, verteidigt seine Schule: „Von uns wurde nichts weitergegeben. Ich lege für meine Lehrer die Hand ins Feuer.“ Bauer bestreitet nicht, dass Medienvertreter am Tag der Deutschmatura anwesend waren. Wie die Medien zu den Fragen gelangt seien, könne er nicht sagen.

Debatte: Was bringt die Zentralmatura?

Der Täter macht sich möglicherweise der Verletzung des Amtsgeheimnisses strafbar. Das Bildungsministerium hat in einem Erlass festgeschrieben, dass Lehrer und Direktoren bei der Zentralmatura zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wer dagegen verstößt, muss auch mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen. Der Wiener Stadtschulrat hat jetzt untersagt, dass Journalisten vor oder während der Abschlussprüfung in die Schulen kommen.

 

 

ORF – 8. Mai 2015

 

Tresor mit Lateinmatura geknackt

Ein Einbruch im Akademischen Gymnasium in der Stadt Salzburg sorgt in der Maturazeit für große Aufregung. Denn die Einbrecher brachen in der Nacht auf Donnerstag den Schultresor auf und öffneten dabei ein Kuvert der zentralen Lateinmatura.

Nachdem der ORF Salzburg Donnerstagvormittag exklusiv von dem Einbruch erfahren hatte, bestätigte der Direktor des Akademischen Gymnasiums, Klaus Schneider, den Vorfall in seiner Schule in der Nacht auf Donnerstag. Der Tresor der Schule, der erst vor wenigen Wochen extra für die Zentralmatura angeschafft wurde, sei geknackt worden, so Schneider in einem ersten Gespräch.

Auch das Bildungsministerium bestätigte zu Mittag in einer Aussendung, dass nach Abschluss der Spurensicherung durch die Polizei und der Prüfung der im Tresor befindlichen Klausuraufgaben definitiv feststehe, dass „das Kuvert für ‚Latein 6-jährig‘ geöffnet worden ist“. Damit „sind die Aufgaben öffentlich“. Die Kuverts mit den Aufgaben für Französisch und Mathematik seien dagegen „vollständig vorhanden und ungeöffnet“, so das Ministerium in einer Aussendung.

Ersatzaufgaben per Mail

Da die Latein-Zentralmatura erst am Mittwoch stattfindet, erhalten die Maturanten nun die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) für solche Fälle bereitgehaltenen Ersatzaufgaben. Das BIFIE stellt den Schulen am Vorabend der Prüfung - also am Dienstag - einen verschlüsselten „Download-Container“ mit Ersatzaufgaben zum Herunterladen zur Verfügung. Am Prüfungstag kann dann ab 6.30 Uhr der Direktor die Aufgaben per Passwort entschlüsseln und vervielfältigen. Die Prüfung startet deshalb später als geplant - einheitlich um 10.00 Uhr.

Eingebrochen wurde in Salzburg übrigens nicht nur ins Akademische Gymnasium, sondern in mehrere Schulen in der Stadt Salzburg. Ziel der Einbrüche sollen aber nicht die Maturaaufgaben gewesen sein, sondern Wertgegenstände. „Derzeit gibt es keine Hinweise auf die Täter“, sagte Polizeisprecherin Irene Stauffer.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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