Montag, 25. Mai 2015

2015.05.23.-26: Newsletter Bildung

"Kurier" vom 26.05.2015                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Bgld, Morgen

 

Bildungsreform

 

Die ÖVP liebäugelt mit der Gesamtschule

 

Schul-Debatte. Der schwarze Lehrergewerkschafter Paul Kimberger ist "kein Gegner einer gemeinsamen Schule"

 

   Ein Paradigmenwechsel kündigt sich an: Aus der ÖVP, die als Garant für den Erhalt des Gymnasiums galt, hört man immer häufiger ganz ungewohnte Töne: Eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen sei durchaus vorstellbar.

 

   So überraschte zum Beispiel am Freitag die Vorarlberger Landesrätin Bernadette Mennel (VP) mit dem Vorstoß, dass innerhalb des kommenden Jahrzehnts das Ländle zu einer Modellregion werden soll, in der es keine AHS-Unterstufe mehr gibt.

 

   Von den AHS-Gewerkschaftern hört man zwar nach wie vor, ein klares "Njet" zur Gesamtschule. Doch die Christgewerkschafter, die die Pflichtschullehrer vertreten, sind da reformfreudiger. Ihr Chef Paul Kimberger stellt klar: "Es ist kein Geheimnis, dass ich kein Gegner einer Gemeinsamen Schulen bin."

 

   KURIER-Kolumnist Niki Glattauer ist über diese Aussagen mehr als beglückt und spricht von einem Pfingstwunder (Seite 17). Sein Ja zu einer Gemeinsamen Schule knüpft Kimberger allerdings an Bedingungen: "Es muss sichergestellt sein, dass es einen differenzierten Unterricht gibt. Kinder mit Defiziten haben genau so das Recht, gefördert zu werden wie Hochbegabte."

 

   Etikettenschwindel? Einfach Türschilder auszutauschen reiche nicht. "Es braucht ein neues Konzept, wie eine solche Schule aussehen soll. Und es braucht eine Evaluation der Schulversuche wie etwa einer Modellregion Vorarlberg. Leider wurde die Neue Mittelschule nicht evaluiert, bevor sie flächendeckend eingeführt wurde", kritisiert Kimberger.

 

   Im Ländle wurde am Ende eines Forschungsprojektes jedenfalls genau definiert, was eine gute Schule ausmacht: Eine Pädagogik der Individualisierung und inneren Differenzierung gehören genauso dazu wie die gemeinsame Ausbildung der Lehrer und mehr Schulautonomie sowie Mittel und Personal für Schulen mit besonderen Herausforderungen.

 

   Auch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern sei nötig, die Schulsprengel müssten neu geordnet werden, und die Schule benötige eine bedarfsgerechte Finanzierung.

 

   Aber können Lehrer überhaupt so unterrichten, dass jedes Kind nach seinem Tempo lernt? Schließlich war Jahrzehnte lang der Frontalunterricht das Maß aller Dinge. Kimberger sieht da kein Problem: "Ich bin sicher, dass die Pädagogen das können. Allerdings nur, wenn sie die nötigen Ressourcen haben."

 

   Auch der oberste AHS-Elternvertreter Theodor Saverschel kann sich eine gemeinsame Schule mittlerweile vorstellen. Nachsatz: "Aber nur, wenn die Schulen die nötigen Ressourcen erhalten. Bei der derzeitigen Budgetlage kann ich mir das aber nur schwer vorstellen."

 

   Ute Brühl

 

 

"Kronen Zeitung" vom 26.05.2015                             Seite: 18

Ressort: Lokal

 

Abend

 

Notenfiasko  Waldorfschule zählt zu

 

Vier Schulen stürzten bei erster Mathe-Zentralmatura völlig ab!

 

ALEXANDRA HALOUSKA UND RICHARD SCHMITT

 

Die Noten der Zentralmatura werden diese Woche verkündet, erste Ergebnisse sickerten aber bereits durch. Vorläufiges Fazit: Neben nahezu „fünferfreien" Musterschulen gibt es besonders im Hauptgegenstand Mathematik Ausreißer. Wie Eltern jetzt der „Krone" berichten, hagelte es an vier Schulen „Nicht genügend".

 

   Generell dürften die Noten bei der Zentralmatura sogar besser ausfallen als in den Jahren davor. AHS-Direktorensprecher Wilhelm Zillner schätzt das Ergebnis „normal bis gut" ein. Doch nicht überall haben die Maturanten Grund zum Feiern. Gleich an vier Wiener Schulen heißt es „Nachsitzen", hier sprechen Eltern von einem wahren „Mathematik-Fiasko"! Zu den Fünfer-Kandidaten gehören die AHS Anton-Krieger-Gasse (Liesing) und Karajangasse (Brigittenau), das Oberstufengymnasium Hegelgasse 14 (Innere Stadt) sowie „Österreichs erste Waldorfschule mit öffentlich anerkannter Matura" – das Oberstufenrealgymnasium Rudolf Steiner in der Auhofstraße (Hietzing).

 

   Viele ihrer Schüler müssen das Prozedere erneut am 1. und 2. Juni durchmachen. Bei der so genannten Kompensationsprüfung können sie ihre verpatzten Mathe-Noten ausbessern

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 144 vom 26.05.2015                Seite: 3

Ressort: Thema

 

 

Der neue Schulweg

 

Die Neuen Mittelschulen kämpfen mit einigen Problemen - vor allem aber mit ihrem Image. Der Versuch einer Annäherung zwischen Teamteaching, Run aufs Gymnasium und ganz normalem Schulalltag.

 

   Von Marco Witting

 

   Hall - Am Ende fließen Tränen. Viele Tränen. Weil die Note (immerhin ein Befriedigend) in der Mathe-Schularbeit nicht so ist, wie von der Erstklässlerin erhofft. Und Angelika Ennemoser und Martin Vettori, Lehrer an der Dr. Posch NMS in Hall, die gerade gemeinsam zwei Stunden Unterricht in der Klasse gehalten haben, schlüpfen in ihre x-te Rolle an diesem Vormittag. Und trösten. Am Ende ist die Schule für die Kinder heute wohl auch das, was sie vor Projektgruppen, Gesetzesnovellen, Umbenennungen und Grundsatzdebatten war: ein Lernprozess. Der manchmal auch weh tut.

 

   Doch der Weg dorthin, er ist anders geworden. Das wird an diesem Vormittag in Hall deutlich. Frontalunterricht? Der ist von gestern. Zwei Schüler liegen auf dem Bauch auf dem Boden, basteln Rechtecke. Vier Kinder sitzen erst gar nicht in der Klasse, sondern davor. Andere arbeiten in Gruppen. Manche alleine an gleichschenkligen Rechtecken, Flächeninhalten und Umfängen. Die beiden Lehrer wuseln durch die Räume, pendeln zwischen den Schülern, die mit allerhand Fragen auf sie zukommen. Nicht alle haben gerade mit Mathe zu tun. Relativ ruhig ist es trotzdem. Das kann daran liegen, dass der Landesschulinspektor und jemand von der Zeitung in der Klasse sitzt. Oder auch nicht. Angelika Ennemoser bescheinigt jedenfalls tolle Fortschritte. ?Die Klasse ist sozial sehr durchmischt. Mit Frontalunterricht konnten wir hier wenig ausrichten", sagt sie und merkt an, dass es Zeit für Veränderung in den Unterrichtsmethoden geworden sei. Diesen Platz würde die NMS jetzt bieten. Jeder Lehrer habe seine Stärken, im Team(teaching) könnte man das nutzen. Martin Vettori saust inzwischen zum nächsten Tisch, wo gerade ein Schüler eine Frage zu einer Aufgabenstellung hat. Daneben ermahnt er mit kräftiger Stimme, dass alle Erstklässler ihre Selbstbeurteilungsbögen ausfüllen sollen. Darauf steht: Was habe ich heute gut gemacht?

 

   Ein paar Türen weiter sitzt Direktorin Petra Schöpf, die ?für die Neue Mittelschule brennt". Dass der flächendeckend eingeführte Schultyp ein schlechtes Image hat, ?tut weh". Weil so viel Energie von Seiten der Lehrer reingesteckt werde, weil gute Konzepte dahinterstehen. Im fünften Jahr ist die Dr. Posch Schule jetzt schon eine Neue Mittelschule. ?Die Eltern sind zufrieden. Die guten Schüler haben absolut AHS-Reife", sagt die Direktorin. 13 von 14 Schülern hätten zuletzt nach dem Abschluss eine höhere Schule besucht.

 

   Aber auch hier in Hall spürt man den Zulauf aufs Gymnasium, den Druck, den Eltern im Vorfeld in der Volksschule ausüben, damit das Kind ebendorthin und nicht in die NMS kommt. Und als die Sprache auf die Mittel- als ?Restschule" kommt, verfinstert sich das Gesicht der sonst so fröhlich wirkenden Direktorin. ?Das Gefühl hab' ich bei uns nicht." Werner Mayr ist als Landesschulinspektor für die Mittelschulen zuständig. Er sagt: ?Man kann es von beiden Seiten sehen. Eben auch als große Chance der Vielfalt der Schüler mit unterschiedlichen Stärken." Und Mayr erklärt, dass die Schulen in Tirol oft nur schwer miteinander vergleichbar sind. Jede Region, vom Unterricht in einem Tiroler Seitental bis nach Innsbruck, habe ihre eigenen Herausforderungen. Die reichen von fast 100-prozentigem Zulauf an die Schulen in Tälern bis hin zu Klassen mit sehr hohem Migrationsanteil. Oder wenn plötzlich Flüchtlingskinder ohne jegliche Sprachkenntnisse vor dem Direktorenzimmer stehen - und unterrichtet werden müssen.

 

   Dass die Grundvoraussetzungen (Stichwort Bundeslehrer, die es teilweise einfach nicht gibt) im Vorfeld anders waren, ist auch in Tirol Fakt. Schöpf spricht deshalb auch von einem ?Prozess" in dem sich die Schule laufend entwickelt.

 

   Christof Pargger unterrichtet hier. Sichtbar mit Leidenschaft. Was die Schulform jetzt am meisten braucht? ?Zeit. Geduld." Das Ziel heute sei nicht mehr eine ruhige Masse im Unterricht, die dem Frontalvortrag lauscht. ?Hier passiert ein Wandel. Die Frage ist, haben die Kinder am Ende des Tages etwas für sich gelernt. Sobald sie das mitkriegen, dass es um sie geht, habe ich sie auch schon", sagt der junge Lehrer. Zu diesem Ziel gebe es individuelle Wege. Für die werden an den Schulen auch so genannte Lern-Designer eingesetzt. Doch eines scheint auch klar: Die ausgereiftesten Modelle stehen und fallen mit dem Engagement der Lehrer. ?Doch das ist überall auf der Welt so", sagt Mayr, der ein hohes Maß an Bereitschaft in der Lehrerschaft erkennt. Und: ?Es ist für die Kinder anstrengender geworden", sagt Pargger.

 

   Komplizierter wohl auch. Das zeigt sich schon am neuen, vertiefenden Notenschlüssel. Daran müssen sich wohl auch die Eltern erst gewöhnen. Und irgendwie scheint das Konzept der NMS auch auf dem Weg zur Gesamtschule ein wenig stecken geblieben zu sein. Doch das, so merkt man allgemein an, sei eine politische Entscheidung.

 

   Dass es in der ersten Klasse in Hall dann doch noch laut wurde, lag nicht am Besuch. Sondern an der Schularbeit, die die Kinder zurückbekommen. ?Denkt daran, die Note ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass ihr seht, wo kann ich mich verbessern", sagt Martin Vettori zu den Schülern. Das hat aber auf Jubel und Tränen nur sehr bedingt Einfluss. Manches ändert sich auch mit neuen Schulformen und Konzepten nicht.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 24.05.2015                             Seite: 30

Ressort: Lokal

 

Ktn

 

Nachhilfe ab der 2. Klasse  Eltern streiten um Zeugnisse

 

Gymnasien haben den Vorzug: Volksschüler unter Notendruck

 

Die Kosten für Nachhilfe steigen – die „Krone" berichtete. Und das bereits bei Volksschülern. Weil Eltern unbedingt wollen, dass ihre Kinder den Sprung ins Gymnasium schaffen, geben sie jährlich ab der 2. Klasse um die 700 € für Nachhilfe aus. Und sie setzen Lehrer unter Druck, damit diese mehr „Sehr gut" verteilen.

 

   Nur wenige Vormittagsstunden; Volksschüler kommen oft nicht mit. Viele Kinder benötigen teure Nachhilfe, weil die Eltern unbedingt wollen, dass sie aufs Gymnasium gehen.

 

   Ein Grund sei Unwissenheit: „Viele Eltern glauben, dass Kinder nur im Gymnasium die Matura absolvieren können", erklärt dazu Landesschulrats-Präsident Rudolf Altersberger. Und wüssten nicht, dass sie von anderen Schultypen hinüberwechseln könnten oder dort die Prüfung machen können. „Es gibt ja sogar Lehre mit Matura." Zweitens hätten sie noch zu wenig Vertrauen in die Neue Mittelschule. „Eine Folge einer verzerrt wiedergegebenen Statistik", so Altersberger.

 

   Volksschullehrer stünden derzeit besonders unter Druck, Einser zu vergeben. Laut einer Untersuchung sind Lehrer in Schulen mit Gymnasium-Nähe auch eher versucht, nachzugeben.

 

   Lösungsvorschläge gibt es: In Tirol überlegt man eine neue Art der Eignungsprüfung für den Übergang. Eine weitere Möglichkeit wäre die Gesamtschule. Altersberger: „Auch haben Volksschüler nur Vormittags Unterricht, samstags gar nicht. Wessen Eltern beim Lernen nicht helfen können oder wollen, muss Nachhilfe bekommen."

 

   Der Osttiroler FP-Nationalrat Gerald Hauser sieht nur eine Chance: „Lehrplan entrümpeln und ein ordentliches Konzept schaffen. In den vergangenen Jahren liefen laut Rechnungshof 5000 Schulversuche, die allein 114 Millionen kosteten."

 

 

"Kurier" vom 23.05.2015                                   Seite: 18

Ressort: Innenpolitik

 

N.Ö., Morgen

 

Aus für die AHS-Unterstufe: ÖVP in Vorarlberg macht Ernst

 

   von Ute Brühl und Bernhard Gaul Gemeinsame Schule.Das Ende für die AHS-Unterstufe im Ländle überrascht. Eine Studie sieht darin viele Vorteile. In Vorarlberg gibt es eine bildungspolitische Sensation: In den nächsten acht bis zehn Jahren soll das Ländle Modellregion für eine Gemeinsame Schule aller 10- bis 14-Jährigen werden. Im Klartext bedeutet das das Aus für die AHS-Unterstufe.

 

   Verkündet wurde der Schritt am Freitag von einer ÖVP-Politikerin: Die Vorarlberger Bildungslandesrätin Bernadette Mennel sagte das anlässlich einer Pressekonferenz in Bregenz, bei der die Ergebnisse eines breit angelegten Forschungsprojekts zur Gemeinsamen Schule präsentiert wurden. Deren Schlussfolgerung: Eine Gesamtschule führt zu mehr Chancengleichheit und zu besseren schulischen Leistungen. Die Entscheidung, welchen Bildungsweg die Kinder gehen sollen, muss nicht schon mit neun Jahren getroffen werden. Und die Entscheidung nimmt viel Druck weg.

 

   Allerdings soll es die Gemeinsame Schule nur unter bestimmten Voraussetzungen geben: Ohne Schulautonomie könne diese nicht funktionieren. Auch müsse es einen differenzierten Unterricht geben und Kinder gefördert werden, anstatt nur auf ihre Defizite zu verweisen. Der Weg zur Gemeinsamen Schule ist also noch weit. "Bis es so weit ist, muss noch viel Vorarbeit und ein organisatorischer und rechtlicher Rahmen geschaffen werden", so Mennel. Pikant: In

 

   ihrem Parteiprogramm bekennt sich die ÖVP ausdrücklich zum Gymnasium.

 

   Von oben AHS-Gewerkschafter Eckehard Quin ist wenig erfreut über die Vorarlberger: Die Gesamtschule werde sicher nicht so schnell eingeführt, wie die Vorarlberger das wollen, glaubt Quin: "Dazu müsste man Bundesgesetze und sogar die Verfassung ändern. So leicht wird das nicht gehen." Zudem könne die Gesamtschule nicht gegen den Willen der Schulpartner eingeführt werden: "Es müssen an jedem Standort je zwei Drittel der Lehrer, Eltern und Schüler dafür stimmen." Was im Ländle passiere, sei aufgeklärter Absolutismus: "Die Politiker glauben, die Menschen seien zu dumm, um sich für das Richtige zu entscheiden. Also entscheidet man für sie."

 

   Weitaus positiver fällt die Reaktion von Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) aus: "Jeder konstruktive Beitrag zur Verbesserung der Bildungsqualität ist grundsätzlich zu begrüßen." Er wolle auch keine "Türschild-Diskussion. Im Mittelpunkt stehen die Chancen und Qualifikationen der Kinder."

 

   Erstaunlich zurückhaltend fällt die Reaktion der roten Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek aus: Das Vorarlberger Konzept klinge "vielversprechend", und müsse nun geprüft werden. Für die SPÖ ist die gemeinsame Schule zentrales Bildungsanliegen.

 

   Entzückt ist der grüne Bildungssprecher Harald Walser, im Zivilberuf Lehrer in Vorarlberg: Er nennt das Vorhaben eine "bildungspolitische Bombe. Das bedeutet eine Bildungsrevolution."

 

 

"Wiener Zeitung" Nr. 099 vom 23.05.2015                     Seite: 10

Ressort: Österreich

 

Wiener Zeitung

 

Vorarlberg geht bei Gesamtschule einen Schritt weiter

 

    Bregenz. Vorarlberg strebt in acht bis zehn Jahren die Einführung einer Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen an. So lautet das Ergebnis einer Forschungsinitiative des Bundeslandes.

 

   Im November 2013 nahmen rund 19.700 Lehrer sowie Eltern von Kindern aus der vierten, sechsten und achten Schulstufe sowie Schüler der Volksschule, der Neuen Mittelschule (NMS) und der Gymnasiumunterstufe an einer Befragung teil. So wurden 1,8 Millionen Einzeldaten zum Ist-Zustand der Schule und zu Weiterentwicklungs-und Änderungswünschen gesammelt und aufbereitet.

 

   Appell an den Bund

 

   Das Fazit der Bildungsexperten fiel eindeutig aus: „Für Vorarlberg wird mittelfristig landesweit die Einrichtung einer gemeinsamen Schule von der fünften bis zur achten Schulstufe empfohlen."

 

   Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) sagte, dass Vorarlberg eine „bessere Schule" anstrebe und der Bund seinen Teil dazu werde beitragen müssen. Im Zuge der Vorarbeiten werde man auch eine Struktur und eine Geschäftsstelle aufbauen. Insbesondere wegen der rechtlichen Rahmenbedingungen werde man an den Bund herantreten. Zur Einführung der gemeinsamen Schule als neuer Schultyp müssten sowohl das Schulorganisations- als auch das Schulunterrichtsgesetz geändert werden.

 

   Dass in Vorarlberg nicht alle von der Idee der gemeinsamen Schule begeistert sind, machte sogleich die Initiative „Pro Gymnasium" klar. Die Vorarlberger wollten die Gesamtschule nicht, 90 Prozent der Bürger seien mit dem Bildungssystem zufrieden. Auch das sei ein Ergebnis des Forschungsprojekts, stellte „Pro Gymnasium"-Landessprecher Wolfgang Türtscher fest. Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung sprachen sich hingegen für die Umsetzung der Empfehlungen aus.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 118 vom 23.05.2015              Seite: 4

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Vorarlberg will die gemeinsame Schule

 

   Das derzeitige System „passt nicht mehr zur Schulrealität", sagen Eltern und Experten. Die Landes-ÖVP unterstützt die Schulreform.

 

   bregenz, wien. Erst vor zwei Wochen hat sich die ÖVP in ihrem neuen Parteiprogramm gegen die gemeinsame Schule und für den Erhalt des klassischen Gymnasiums ausgesprochen. Doch ausgerechnet aus dem tiefschwarzen – neuerdings freilich schwarz-grün regierten – Vorarlberg kommt nun ein starkes Statement in Richtung Gesamtschule.

 

   „Für das Bundesland Vorarlberg wird mittelfristig landesweit die Einrichtung einer gemeinsamen Schule von der 5. bis zur 8. Schulstufe (. . .) empfohlen", heißt es in einer Studie, die vom Land in Auftrag gegeben wurde und die am Freitag präsentiert wurde. Und zwar unter anderem von der schwarzen Bildungslandesrätin Bernadette Mennel. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass Vorarlberg die Empfehlungen der Studie umsetzen will.

 

   Es handelt sich keineswegs um eine Empfehlung für eine Einheitsschule. Denn die gemeinsame Schule solle „auf Basis von Individualisierung bzw. Personalisierung und innerer Differenzierung" eingerichtet werden, schreiben die Studienautoren. „Unabdingbare Voraussetzung" für das Gelingen seien „Lehrpersonen, die bereit sind, pädagogische Konzepte umzusetzen, die alle Schüler/-innen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen gleichermaßen fördern und auch fordern", heißt es weiter.

 

   Die Untersuchung basiert auf der Befragung von 19.700 Lehrern und Eltern. Brisant sind auch die daraus gewonnenen kritischen Aussagen über das bestehende Schulsystem: „Das zweigliedrige System passt nicht mehr zur Schulrealität", lautet das Fazit der Studienautoren, und: „Es gelingt nicht mehr und ist fraglich, ob es je gelungen ist, leistungshomogene Gruppen in AHS und NMS (Neuen Mittelschulen, Anm.) zu bilden."

 

   Die Einführung der gemeinsamen Schule soll nicht übers Knie gebrochen werden. Bis 2022 soll in einem ersten Schritt die Lehrerausbildung reformiert werden. Die Pädagogen der Zukunft sollen fit gemacht werden für „personalisiertes Lernen", Richtschnur soll eine Förder- statt einer Defizitorientierung sein. Auch sollen „zusätzliche Mittel für Schulen mit besonderen Herausforderungen" lukriert werden. Erst in „Phase zwei" soll dann die Schule im gesamten Bundesland umgestellt werden.

 

   Aber nur, wenn der Bund mitspielt. Es sind umfangreiche Gesetzes-und Verfassungsänderungen durch den Nationalrat erforderlich. Vorarlberg strebe eine „bessere Schule" an, der Bund müsse seinen Teil beitragen, sagte Mennel. a. k.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 23.05.2015                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Vorarlberg für Gesamtschule

 

Einführung innerhalb von acht bis zehn Jahren.

 

   BREGENZ. Vorarlberg strebt in acht bis zehn Jahren die Einführung einer Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen an. Diese Zielsetzung basiert auf den Ergebnissen einer Forschungsinitiative des Landes. Bis es so weit sein könnte, müsse aber noch viel Vorarbeit geschaffen werden, so ÖVP-Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP).

 

   Im Vorarlberger Forschungsprojekt haben Experten 19.700 Lehrer, Eltern und Schüler befragt. 1,8 Millionen Einzeldaten zum Ist-Zustand der Schule und zu Weiterentwicklungs- und Änderungswünschen wurden gesammelt und aufbereitet.

 

   Das Fazit der Bildungsexperten fiel eindeutig aus: „Für das Bundesland Vorarlberg wird mittelfristig landesweit die Einrichtung einer gemeinsamen Schule von der fünften bis zur achten Schulstufe auf Basis von Individualisierung bzw. Personalisierung und innerer Differenzierung empfohlen", heißt es dort. Projektleiterin Gabriele Böheim-Galehr betonte, dass bei der Erarbeitung der Empfehlungen die Qualitätskriterien der OECD die Basis gebildet hätten.

 

 

"Die Presse" vom 23.05.2015                                Seite: 4

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Vorarlberg will die Gesamtschule - in zehn Jahren

 

   Schulreform. Das Land konkretisiert seine Pläne für die Zehn- bis 14-Jährigen. Eine landesweite Einführung der Gesamtschule wird vorbereitet. Auch der Bund soll seinen Beitrag zur "besseren Schule" leisten.

 

   Bregenz. Für die Grünen ist es ein Meilenstein, ja eine Bildungsrevolution - für Verfechter des Gymnasiums eine Bankrotterklärung. Dass Vorarlberg seine Ideen für eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen konkretisiert, sorgt erwartungsgemäß für konträre Reaktionen. Fakt ist: Die Pläne gehen deutlich über die von der schwarz-grünen Landesregierung paktierte Modellregion hinaus - dafür dauert es länger. Das ganze Bundesland soll in acht bis zehn Jahren die Gesamtschule für alle Schüler zwischen zehn und 14 einführen.

 

   Das Ziel basiert auf den Empfehlungen einer Gruppe von Experten, die sich im Auftrag der Landesregierung schon länger mit der Gesamtschule befasst. Ihr eindeutiges Fazit: "Für das Bundesland Vorarlberg wird mittelfristig landesweit die Einrichtung einer gemeinsamen Schule von der fünften bis zur achten Schulstufe auf Basis von Indivisualisierung bzw. Personalisierung und innerer Differenzierung empfohlen." Basis dafür seien die Daten, die im Lauf des Forschungsprojekts zur Gesamtschule erhoben wurden sowie die OECD-Kriterien für erfolgreichere Schulen. Zentrale Maßstäbe: schulische Leistung und Chancengerechtigkeit.

 

   Das Land steht voll hinter der Empfehlung, wie die Bildungslandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) - die das Papier mit präsentierte - im Gespräch mit der "Presse" erklärt: "Wir werden jetzt Schritt für Schritt in diese Richtung gehen. Für uns ist wichtig, dass jedes Kind nach seinen Fähigkeiten bestmöglich gefordert und gefördert wird." Auch die spätere Bildungsentscheidung ist für sie zentral.

 

   Die Experten untermauern das auch mit Fakten: Volksschulnoten seien "kein taugliches Mittel", um Bildungsentscheidungen im Alter von zehn Jahren zu treffen. So würde in Mathematik die Hälfte der als nicht AHS-reif eingestuften Schüler in der fünften Schulstufe in Vorarlberg dieselben Leistungen erbringen wie ihre Altersgenossen im Gymnasium. Mit einem neuen System würde man sich das ersparen.

 

   Mehr Individualisierung

 

   Bis es soweit ist, müsse aber einiges an Vorarbeit geleistet werden, sagt Landesrätin Mennel - daher auch die veranschlagten zehn Jahre. Es brauche etwa Veränderungen in der Pädagogik - einen stärkeren Fokus auf Individualisierung etwa - und mehr Schulautonomie. Das Land hat dabei schon einiges in die Gänge gebracht: Ein pädagogisches Konzept ist in Arbeit, die Pädagogische Hochschule wird bei der Lehrerfortbildung einen Schwerpunkt auf Individualisierung legen.

 

   Der heikelste Punkt: Auch der Bund werde seinen Beitrag zur "besseren Schule" leisten müssen, sagt die Landesrätin: Wenn die Zeit reif sei, werde man - insbesondere wegen der rechtlichen Rahmenbedingungen - an den Bund herantreten. Zur Einführung der gemeinsamen Schule als neuer Schultyp müssten sowohl das Schulorganisations- als auch das Schulunterrichtsgesetz geändert werden.

 

   ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner - dessen Partei sich in ihrem neuen Programm auf Bundesebene gerade wieder sehr deutlich für die Beibehaltung des Gymnasiums ausgesprochen hat - bleibt kryptisch. "Wir wollen nicht über Türschilder diskutieren, sondern stellen die Kinder in den Mittelpunkt. Die Diskussion über eine Modellregion sehen wir wie die Vorarlberger Landesregierung als einen kooperativen Weg."

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 142 vom 23.05.2015               Seite: 12

Ressort: Nachrichten2u3

 

 

Experten wollen Gesamtschule, Vorarlberg setzt das um

 

   Wien - Die ÖVP ist zwar gegen die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen - im ÖVP-geführten Vorarlberg wird diese aber in acht bis zehn Jahren umgesetzt werden. Die Einführung ist nämlich das Ergebnis einer Forschungsinitiative des Landes. Bis es so weit sein könnte, müsse aber noch viel Vorarbeit und ein organisatorischer und rechtlicher Rahmen geschaffen werden, sagte Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) bei der Ergebnis-Präsentation.

 

   Laut Studie sind Volksschulnoten ?kein taugliches Mittel, um Schulwegentscheidungen im Alter von zehn Jahren zu treffen". 78 Prozent der befragten Eltern und Lehrer sahen bei einer gemeinsamen Schulform mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder. 72 Prozent glaubten an einen Vorteil, wenn die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg später getroffen wird. ?Wir verschenken Talente", sagte Johann Engleitner aus dem Expertenteam.

 

   Die Initiative ?Pro Gymnasium" stellte gestern klar, dass die Vorarlberger die Gesamtschule nicht wollten - denn 90 Prozent der Bürger seien mit dem Bildungssystem zufrieden. Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung sprachen sich hingegen für die Umsetzung der Empfehlungen aus. Auch Grünen-Chef Eva Glawischnig sieht einen ?Meilenstein in der österreichischen Bildungspolitik mit enormer bundespolitischer Signalwirkung".

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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