Mittwoch, 6. Mai 2015

2015.06.07: Newsletter Bildung

Die Presse – 7. Mai 2015

 

 

Reif für die nächste Bildungsreform

Zwar sollte man die Matura niemals vor ihrer Rückgabe loben, aber so viel kann man nach den ersten beiden Tagen der Premiere der Zentralmatura schon einigermaßen gefahrlos konstatieren: Der (schriftliche) Start ist geglückt.

 

Obwohl davor Horrorszenarien mit quietschender Kreide an die Tafel gemalt worden sind, haben alle Achtklässler ihre Aufgaben rechtzeitig und vollständig bekommen; keiner der Inhalte ist vorab geleakt; und die Aufgabenstellungen waren nach ersten Einschätzungen verständlich, inhaltlich unproblematisch, in Summe also maturawürdig.

Freilich könnte man sich auf der Suche nach einem Haar in der Suppe bei den Beispielen der Englischmatura, die am Dienstag abgehalten wurde, ein wenig unernst fragen, ob Margaret Thatcher (als Hörbeispiel) und Neos-Provokateur Niko Alm samt seinem Nudelsieb (passenderweise als zu ergänzender Lückentext) nicht ein bisschen viel liberale Schlagseite ergeben?

Oder ob der Beitrag über Möglichkeiten, eine Stadt fahrradfreundlicher zu machen, indem man die Radler besser vor Abgasen schützt, Rückenwind für den Wiener Wahlkampf bringen könnte? Oder eher das Gegenteil? Weiß eigentlich jemand, was Begegnungszone auf Englisch heißt?

Die neue Reifeprüfung hat auf jeden Fall den Mythos, wonach das Bildungssystem in Österreich unveränderlich ist, endgültig zerstört. Das ist wahrscheinlich das wichtigste Ergebnis der Zentralmatura, egal, wie sie am Ende im Detail ausfällt.

Wir sind also reif für weitere Bildungsreformen. Das nächste Mal dann vielleicht mit ein bisschen weniger Drama und Widerstand.

 

 

Die Presse – 7. Mai 2015

 

 

Englisch: Pastafarianismus und Thatcher zur Matura

Die Englischmatura lief laut derzeitigem Stand problemlos ab. Schüler mussten unter anderem einen Blogeintrag schreiben.

Mit Pastafarianismus, der ehemaligen englischen Premierministerin Margaret Thatcher und Höhlenmalereien mussten sich am Mittwoch die Kandidaten bei der erstmals an allen AHS stattfindenden Englisch-Zentralmatura auseinandersetzen. Außerdem war unter anderem noch ein Blog-Kommentar zu fahrradfreundlichen Städten zu verfassen, schilderte ein Maturant.

Bei der 270-minütigen Prüfung waren vier Teile zu absolvieren: Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben. Bei der "Sprachverwendung im Kontext" musste ein Lückentext über die Aktion des nunmehrigen Neos-Abgeordneten Niko Alm vervollständigt werden, der mit einem Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung auf einem Führerscheinfoto abgebildet werden wollte. Begründet hatte er dies mit seiner Zugehörigkeit zum "Pastafarianismus" und der grundsätzlichen Akzeptanz religiöser Kopfbedeckungen auf Lichtbildausweisen.

Rückblick auf Thatchers Leben

Der Hörteil bestand aus einem Rückblick auf die Lebensgeschichte Thatchers, der Leseteil bezog sich auf Höhlenmalereien in französischen Steinzeithöhlen. Für die beiden Schreibaufgaben mussten ein Blog-Kommentar, wie man Städte fahrradfreundlicher machen kann, sowie ein Essay über die Sinnhaftigkeit der Annahme von Herausforderungen bzw. des Eingehens von Risiken als Jugendlicher verfasst werden.

Die Aufgaben waren allerdings nicht an allen Schulen exakt gleich: Je nachdem, ob die Sprache acht oder sechs Jahre gelernt wurde, wurden teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt. Sechs Jahre sind möglich, wenn etwa Französisch die erste lebende Fremdsprache ist, was allerdings sehr unüblich ist. Für den Leseteil sind 60 Minuten reserviert, für das Hören maximal 40 oder maximal 45 Minuten - je nachdem, ob sechs oder acht Jahre gelernt wurde. Für die Sprachverwendung im Kontext 45 Minuten und für das Schreiben 120 oder 125 Minuten.

Zentrale Prüfung fast Standard

Bis jetzt liefen die Klausuren in Englisch problemlos ab. Anders als in anderen Matura-Fächern sind vom BIFIE erstellte standardisierte Englisch-Aufgaben schon seit Jahren an den meisten Schulen an der Tagesordnung. 2013 und 2014 verwendeten schon jeweils rund 90 Prozent der AHS im Rahmen von Schulversuchen die zentralen Reifeprüfungs-Aufgaben.

Die vollständigen Aufgaben werden am Donnerstag auf der Homepage des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) veröffentlicht.

 

 

Die Presse – 7. Mai 2015

 

 

Matura: FPÖ kritisiert Verwirrung um Wörterbücher

Das Bildungsministerium erlaubt elektronische Wörterbücher bei der Zentralmatura, manche Schulen verbieten sie, sagt Walter Rosenkranz.

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz wittert eine neuerliche Zentralmatura-Panne: "Wie gestern im Unterrichtsausschuss den verblüfften Anwesenden erklärt worden ist, vertritt das Unterrichtsministerium den Standpunkt, dass bei der Deutsch-Zentralmatura elektronische Wörterbücher erlaubt sind, bei denen eine automatische Unterstreichung falsch geschriebener Wörter möglich ist. Nicht erlaubt ist nur, wenn das Gerät auch automatisch Verbesserungsvorschläge liefert."

Die Ansicht des Ministeriums habe sich jedenfalls nicht bis zu allen Schulen durchgesprochen, sagt Rosenkranz: "Bereits gestern habe ich von mehreren Fällen gehört, wo an verschiedenen Schulen dieses Hilfsmittel ausdrücklich untersagt worden ist. "Für den Bildungssprecher der FPÖ lasse dies den Verdacht aufkommen, dass Maturanten von Schule zu Schule andere Prüfungsbedingungen hätten. Das widerspreche klar dem Zentralmatura-Gedanken.

 

 

Österreich – 7. Mai 2015

 

Nudelsieb-Religion zur Englisch-Matura

Auch bei der neuen Englisch-Zentralmatura gab es keine Probleme.

 

Mit Pastafarianismus, der ehemaligen englischen Premierministerin Margaret Thatcher und Höhlenmalereien mussten sich am Mittwoch die Kandidaten bei der erstmals an allen AHS stattfindenden Englisch-Zentralmatura auseinandersetzen. Außerdem war unter anderem noch ein Blog-Kommentar zu fahrradfreundlichen Städten zu verfassen, schilderte ein Maturant.

Bei der 270-minütigen Prüfung waren vier Teile (Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben) zu absolvieren. Bei der "Sprachverwendung im Kontext" (überprüft wird dabei die Anwendung grammatikalischer und lexikalischer Strukturen in zusammenhängenden Texten) musste ein Lückentext über die Aktion des nunmehrigen NEOS-Abgeordneten Niko Alm vervollständigt werden, der mit einem Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung auf einem Führerscheinfoto abgebildet werden wollte. Begründet hatte er dies mit seiner Zugehörigkeit zum "Pastafarianismus" und der grundsätzlichen Akzeptanz religiöser Kopfbedeckungen auf Lichtbildausweisen.

Der Hörteil bestand aus einem Rückblick auf die Lebensgeschichte Thatchers, der Leseteil bezog sich auf Höhlenmalereien in französischen Steinzeithöhlen. Für die beiden Schreibaufgaben mussten ein Blog-Kommentar, wie man Städte fahrradfreundlicher machen kann, sowie ein Essay über die Sinnhaftigkeit der Annahme von Herausforderungen bzw. des Eingehens von Risiken als Jugendlicher verfasst werden.

Die Aufgaben waren allerdings nicht an allen Schulen exakt gleich: Je nachdem, ob die Sprache acht oder sechs Jahre gelernt wurde, wurden teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt.

Die vollständigen Aufgaben werden am Donnerstag auf der Homepage des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) veröffentlicht.

 

 

"Österreich" vom 07.05.2015                                   Seite 6

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, Kärnten, CityWien, CityNÖ, Steiermark, Oberösterreich, Salzburg

 

Bundesschulsprecher Faymann:

 

»Das Niveau ist hoch«

 

ÖSTERREICH: Wie ist die Zentralmatura in Ihren Augen bislang abgelaufen?

 

LUKAS FAYMANN: Ich habe noch von keiner Panne gehört. Bei den beiden Fächern, die bis jetzt abgeprüft wurden, ist alles sehr fair abgelaufen. Es war auf jeden Fall schaff bar, aber auf hohem Niveau.

 

ÖSTERREICH: Wie ging es Ihnen persönlich bei Ihren Matura-Prüfungen?

 

FAYMANN: Mir ist es ganz gut gegangen. Eine Prüfung habe ich ja noch vor mir. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

 

 

Der Standard – 7. Mai 2015

 

 

Englischmatura begann ohne Probleme

Rund 90 Prozent verwenden bereits seit zwei Jahren standardisierte Tests

Wien - Vorerst ohne Probleme haben am Mittwoch die Englischklausuren bei der Zentralmatura begonnen. Beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) wurden bisher keine fehlenden oder unvollständigen Angaben gemeldet, hieß es auf APA-Anfrage am Vormittag.

Anders als die Deutschklausuren besteht die 270-minütige Englischmatura nicht aus einer einzigen, gleich zu Beginn verteilten Angabe. Die Prüfung umfasst vier Teile: Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben.

Richtig hören

Für den Leseteil sind 60 Minuten reserviert, für das Hören (je nachdem, ob die Sprache vier, sechs oder acht Jahre gelernt wurde) maximal 40 oder maximal 45 Minuten, für die Sprachverwendung im Kontext (überprüft wird dabei die Anwendung grammatikalischer und lexikalischer Strukturen in zusammenhängenden Texten) 45 Minuten und für das Schreiben (je nach Lerndauer) 120 oder 125 Minuten. Probleme könnte es vor allem noch mit den CDs beim Hörverständnis-Teil geben.

Anders als in anderen Maturafächern sind vom Bifie erstellte standardisierte Englischaufgaben schon seit Jahren an den meisten Schulen in Verwendung. 2013 und 2014 verwendeten schon jeweils rund 90 Prozent der AHS im Rahmen von Schulversuchen die zentralen Reifeprüfungsaufgaben.

 

 

Der Standard – 7. Mai 2015

 

 

Niko Alm und "Pastafarianismus" als Maturathema

Schüler mussten außerdem bloggen und sich mit Margaret Thatcher und Höhlenmalereien beschäftigen

Mit Pastafarianismus, der ehemaligen englischen Premierministerin Margaret Thatcher und Höhlenmalereien mussten sich am Mittwoch die Kandidaten bei der erstmals an allen AHS stattfindenden Englisch-Zentralmatura auseinandersetzen. Außerdem war unter anderem noch ein Blog-Kommentar zu fahrradfreundlichen Städten zu verfassen, schilderte ein Maturant.

Lückentext zu "Pastafarianismus"

Bei der 270-minütigen Prüfung waren vier Teile (Leseverständnis, Hörverständnis, Sprachverwendung im Kontext, Schreiben) zu absolvieren. Bei der "Sprachverwendung im Kontext" (überprüft wird dabei die Anwendung grammatikalischer und lexikalischer Strukturen in zusammenhängenden Texten) musste ein Lückentext über die Aktion des nunmehrigen Neos-Abgeordneten Niko Alm vervollständigt werden, der mit einem Nudelsieb als religiöser Kopfbedeckung auf einem Führerscheinfoto abgebildet werden wollte. Begründet hatte er das mit seiner Zugehörigkeit zum "Pastafarianismus" und der grundsätzlichen Akzeptanz religiöser Kopfbedeckungen auf Lichtbildausweisen.

Hörteil zu Thatcher

Der Hörteil bestand aus einem Rückblick auf die Lebensgeschichte Thatchers, der Leseteil bezog sich auf Höhlenmalereien in französischen Steinzeithöhlen. Für die beiden Schreibaufgaben mussten ein Blog-Kommentar zur Frage, wie man Städte fahrradfreundlicher machen kann, und ein Essay über die Sinnhaftigkeit der Annahme von Herausforderungen beziehungsweise des Eingehens von Risiken als Jugendlicher verfasst werden.

Die Aufgaben waren allerdings nicht an allen Schulen exakt gleich: Je nachdem, ob die Sprache acht oder sechs Jahre gelernt wurde, wurden teils unterschiedliche Aufgaben vorgelegt. Die vollständigen Aufgaben werden am Donnerstag auf der Homepage des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) veröffentlicht.

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"Der Standard" vom 07.05.2015                               Seite: 32

Ressort: Kommentar der anderen

 

Ludwig Laher: Ludwig Laher (Jg. 1955) ist Schriftsteller, Germanist und gelernter AHS-Lehrer. Er koordiniert die kritische Begleitung der Deutsch-Zentralmatura durch die IG Autorinnen Autoren.

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Zentralmatura:Oberflächlich tief

 

   Beim Literaturbeispiel der Deutsch-Matura geht es nicht um Literatur. Im Gegenteil: Dieses Prüfungsformat mit seinem engen Wörterkorridor und scheinbarer Textsortenreinheit widerspricht allem, wofür Literatur steht.

 

   Die gute Nachricht zuerst: Die Deutsch-Zentralmatura verlief klaglos, es gab anregende Themenstellungen. Auch das Literaturbeispiel stellte einen für diesen Zweck geeigneten Text zur Diskussion. Die Aufgabe bestand in einer Interpretation mit im Prinzip durchaus nachvollziehbaren Arbeitsaufträgen.

 

   Patrick Süskinds kurze Prosa Der Zwang zur Tiefe erzählt von einer jungen Künstlerin, die nach ihrer ersten Ausstellung in der Zeitung lesen muss, sie habe Talent, es fehle ihren Arbeiten aber an Tiefe. Sie lässt sich von diesem Befund mehr und mehr verunsichern, ihre neuen Entwürfe misslingen, sie beginnt Vergleiche zu ziehen und verliert den Glauben an sich. Ihr gesamtes Leben gerät aus der Bahn, und endlich begeht sie Selbstmord.

 

   Derselbe Kritiker, der am Anfang ihres Unglücks steht, befindet in seinem Nachruf, der Keim des tragischen Endes liege wohl im Individuellen, im gnadenlosen Zwang zur Tiefe, den die Künstlerin sich auferlegt habe.

 

   Und nun zur schlechten Nachricht: Es geht beim Literaturbeispiel eigentlich nicht um Literatur. Sie ist bloßes Vehikel für eine Auseinandersetzung mit dem übergeordneten Hauptthema „Die Macht der Kritik“. Jeder der Arbeitsaufträge würde genauso gut etwa auf einen journalistischen Text anwendbar sein.

 

   Mit keinem Wort etwa wird zum Beispiel auf die literarische Verfahrensweise eingegangen, denn die Geschichte ist keineswegs, wie man glauben könnte, eine todtraurige, sondern, wie bei Süskind zu erwarten – man denke an Kir Royal oder Rossini –, eine bittere Satire auf den Kulturbetrieb, dem der Autor sich übrigens selbst konsequent entzieht.

 

   Dass es diese Form der Reifeprüfung unmöglich macht, auch nur das geringste Wissen über einzelne Autoren vorauszusetzen, ist hinlänglich bekannt. Dies sollte nach dem Willen der Erfinder wenigstens im Ansatz durch eine beigefügte Info-Box kompensiert werden. Die aber spricht ihrem Namen Hohn, denn man erfährt in diesem Kasten lediglich, Patrick Süskind sei 1949 geboren und Deutscher.

 

   Als Vorzug der neuen Matura wurde auch verkauft, jede Aufgabenstellung werde in einen situativen Kontext eingebettet, wodurch ein Praxisbezug hergestellt werde. Da fanden sich die Kandidatinnen und Kandidaten plötzlich als Delegierte einer Uno-Weltjugendkonferenz wieder oder als engagierte Umweltschützer in einem Bürgerbeteiligungsverfahren. Bei literarischen Themen tat man sich damit stets besonders schwer, und schon bei der Probeklausur für 2015 begnügte man sich wie jetzt mit dem kleinlauten Hinweis, der situative Kontext bestehe in einer schriftlichen Reifeprüfung, bei der es nachzuweisen gelte, dass man literarische Texte analysieren und interpretieren könne. No na.

 

   Kein Wissen nötig

 

   Fazit: Nach vier Jahren Oberstufe muss man für die erfolgreiche Bewältigung eines Literaturbeispiels bei der Deutsch-Matura genau nichts über Literatur wissen, kein spezifisches Handwerkszeug nachweisen, denn allgemeine Minimalkenntnisse zur Textanalyse und -interpretation reichen völlig aus. Auf dieses Ziel hin müssen die jungen Leute im Unterricht vorbereitet werden: Wie nehme ich, ohne viel gelernt zu haben, zu einem beliebigen Thema im Korsett einer mehr oder weniger künstlichen Textsorte halbwegs kompetent Stellung?

 

   Es bleibt dem privat motivierten Engagement der Deutsch-Lehrkräfte überlassen, daneben Mittel und Wege zu finden, den Mehrwert, die Kraft, das sinnliche Potenzial literarischer Kunstwerke überzeugend zu vermitteln, unter den schwierigen Rahmenbedingungen der Medienrevolution Lust aufs Lesen, auf literarische Aha-Erlebnisse zu machen, vielleicht sogar aufs Wissen um Zusammenhänge, das nicht nur für das Verständnis vieler literarischer Texte, sondern auch fürs Leben dienlich ist.

 

   Reform auf der Agenda

 

   Wie gesagt, gut ist es gegangen, nichts ist geschehen. Die Deutsch-Matura dürfte ein Erfolg gewesen sein. Aber dieses Prüfungsformat mit seinem engen Wörterkorri- dor und scheinbarer Textsortenreinheit widerspricht allem, wofür Literatur steht. Man hört indes läuten, eine substanzielle Nachbesserung der Deutsch-Matura stehe auf der Agenda. Hoffentlich.

 

 

"Kurier" vom 07.05.2015                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Leitartikel

 

Wie Österreich sein Kapital vergeudet

 

Hören wir doch endlich auf mit dem Beschönigen und bekämpfen den schleichenden Abstieg! martina.salomon

 

   Bei der laufenden Zentralmatura zittern nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer und Schulpolitiker. Das Gymnasium steht auf dem Prüfstand. Vorsorglich wurde das Anforderungsniveau gesenkt. Wer will schon die ungeschönte Wahrheit erfahren?

 

   Das ist leider ein bisserl symptomatisch für unser Land. Funktioniert hat es trotzdem eine Weile, weil Österreich ein starkes Rückgrat an tollen Unternehmen und einsatzbereiten, gut ausgebildeten Arbeitskräften hat. Doch da bröckelt gerade etwas, was in Wien deutlicher zu bemerken ist als zum Beispiel im immer noch blühenden Industrie-Bundesland Oberösterreich. Die Arbeitslosenzahlen explodieren gegen den europäischen Trend, und Österreichs Wirtschaftswachstum bleibt erschreckend weit hinter dem EU-Schnitt zurück.

 

   Das Unglück ist zum Großteil selbst verschuldet. Lange wurde eine Art "no problem"-Strategie gefahren. Die Österreicher gehen zu früh in Pension, das Bildungswesen ist mit Integrationsaufgaben heillos überfordert, die Zahl der Mindestsicherungsbezieher steigt vor allem in Wien stark an, der Vorschriftendschungel ist zu dicht, die Bundesländer verschleiern ihre Budgets - na und?

 

   Lieber diskutieren wir über Millionärssteuern und neue Flaniermeilen. Wenn aber das Spazierengehen zum wichtigsten Prinzip in der Stadt erhoben wird und Geldverdienen/Sparen/Anstrengung/freier Handel als "neoliberale" Erfindungen gebrandmarkt werden, dann wird man das mit steigenden Sozialausgaben und sinkenden Einkommenssteuereinnahmen sowie Wohlstandsverlust bezahlen. Österreich hat noch tolle Voraussetzungen, ein Top-Wirtschaftsstandort zu bleiben. Lasst uns dieses Kapital nicht populistisch verplempern!

 

 

"Kurier" vom 07.05.2015                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend

 

Zentralmatura - eine halbe Sache

 

   Die neue Reifeprüfung ist nach den vergangenen Monaten und Tagen wohl jedem Österreicher ein Begriff. Alle Schüler machen die gleiche Abschlussprüfung zur gleichen Zeit.

 

   Laut dem Bildungsministerium ist einer der Gründe, wieso man die neue Matura eingeführt hat, dass man "höchstmögliche Objektivität" bieten will. Nun stellt sich aber für manche die Frage, wieso, wenn die Prüfung zentralisiert abläuft, es nicht bei der Benotung genauso ist.

 

   Korrigiert und benotet werden die Arbeiten nämlich von den eigenen Lehrern. Und da lässt sich Subjektivität nie ausschließen.

 

   Ein etwas anderes - und vielleicht sogar faireres - System hat da Frankreich, wo sich die Schüler in Prüfungszentren einfinden, um ihr Baccalauréat zu machen. Die Abschlussprüfung wird anschließend von externen Prüfern korrigiert, und die einzelnen Ergebnisse werden online und in Zeitungen veröffentlicht. Somit kann auch leicht beurteilt werden, wie gut die Qualität der verschiedenen Schulen ist.

 

   Weil in Österreich die eigenen Lehrer die Schüler benoten, ist die "standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung" keine ganze, bis ins letzte Detail durchgeplante Sache.

 

   Man darf gespannt sein, welche Änderungen den Politikern in Zukunft noch so einfallen werden.

 

   Obwohl es für mich noch zwei Jahre dauert, bis ich maturiere, habe ich den Selbstversuch gewagt und freiwillig einen Teil der Englisch-Matura gemacht, den gestern auch die Schüler bewältigen mussten. Zum Beispiel kam eine Hörübung über die ehemalige englische Premierministerin Margaret Thatcher. Wie es mir dabei und bei den anderen Aufgaben ergangen ist, lesen Sie morgen im KURIER. Katharina Hann, 16, Schülerin BRG Krems

 

 

"Heute" vom 07.05.2015                                       Seite 21

Ressort: Niederösterreich

 

Von Erich Wessely

 

Heute Niederösterreich

 

Englisch-Zentralmatura in NÖ: "Die Aufgaben waren schwer"

 

Zweiter Tag der Zentralmatura-Premiere für 3.100 Schüler an 55 Standorten in NÖ: Nach Deutsch folgte am Mittwoch die schriftliche Englisch-Matura. "Heute" sprach mit zwei Gymnasiasten, wie es gelaufen ist. "Bei uns gab es keine Panne, alles funktionierte bestens. Im Gegensatz zu Deutsch waren die Englisch-Aufgaben aber viel schwerer", so Daniela Kubicz (17) vom BG Mödling. Ulrich Fischer (18) vom Stiftsgymnasium Melk war erleichtert: "Die Aufgabenstellungen waren konkret, ich habe ein positives Gefühl." Vor dem Start waren wieder alle Handys eingesammelt worden, um Schummeln zu unterbinden.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 07.05.2015            Seite: 29

Ressort: Land & Leute

 

 

Matura: "Viel besser hätte es nicht laufen können"

 

   Auch Englisch-Zentralmatura gestern ohne Pannen

 

   Von Herbert Schorn

 

   wien/linz. Nach Deutsch am Dienstag stand gestern Englisch auf dem Programm der ersten österreichischen Zentralmatura. Die 270 Minuten lange schriftliche Klausur, bei der 19.164 Maturanten aller heimischen Gymnasien die gleichen Aufgaben gestellt bekamen, dürften ohne Patzer abgelaufen sein. "Bei uns war alles ruhig. Es gab keine Downloads von Ersatzaufgaben oder Hörübungen", sagt Theresa Aigner vom Bifie, das die Zentralmatura im Auftrag des Unterrichtsministeriums durchführt. Auch dem Landesschulrat wurden keine Probleme gemeldet. "Die Matura ist komplett reibungslos abgelaufen", sagt AHS-Landesschulinspektor Günther Vormayr.

 

   Die Maturanten hatten vier Teile zu absolvieren: So musste ein Lückentext über Niko Alm vervollständigt werden, der mit seinem Führerscheinfoto, das ihn mit einem Nudelsieb auf dem Kopf zeigte, heftige Debatten ausgelöst hatte. Der Hörteil handelte von Margaret Thatcher, der Leseteil von Höhlenmalereien. Als einer der beiden Aufsätze war ein Blog-Kommentar über die Frage zu verfassen, wie Städte radfreundlicher gestaltet werden können.

 

   "Die Matura ist bei uns sehr gut gelaufen", sagt Gottfried Jachs, Direktor des Europagymnasiums Linz-Auhof und selbst Englischlehrer. Der Lückentext sei in dieser Form erst kurzfristig als Testformat bekannt: "Aber so flexibel müssen Maturanten schon sein." Manche Schüler kritisierten die teils schlecht verständliche Hörübung. Keine Probleme meldet Wilhelm Zillner, Leiter des Gymnasiums Kirchdorf und Sprecher aller AHS-Direktoren. Die ersten zwei Tage seien "sehr gut" verlaufen: "Viel besser hätte es bis jetzt nicht laufen können." Morgen folgen Spanisch und weitere Sprachen.

 

   Wenn in zwei Tagen in ganz Österreich nirgendwo ein Zettel fehlt oder eine Hör-CD nicht läuft, kann man sagen, dass die Matura ihre Feuerprobe bestanden hat."

 

   Wilhelm Zillner, Sprecher der AHS-Direktoren Österreichs Foto: Moser

 

 

Morgenjournal – 7. Mai 2015

 

Zentralmatura für Journalisten

Regina Pöll

Die schriftliche Zentralmatura ist seit Dienstag in vollem Gange. Heute sind Spanisch sowie den Volksgruppensprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch dran. Gestern stand Englisch auf dem Programm. Und zwar nicht nur für die Schüler - auch Journalisten waren wenige Stunden nach der Matura gestern Nachmittag eingeladen, am zuständigen Bundesinstitut Bifie Teile genau derselben Englisch-Klausur unter echten Matura-Bedingungen abzulegen.

 

 

ORF / ZIB Magazin – 6. Mai 2015

 

Zentralmatura bei den Bayern

Mehr als 100 Jahre Erfahrung mit der Zentralmatura haben die Bayern. Gibts trotzdem Dinge, die man anders machen würde? Irina Oberguggenberger war unterwegs in Rosenheim.

http://tvthek.orf.at/program/ZIB-Magazin/5521881/ZIB-Magazin/9717498/Zentralmatura-bei-den-Bayern/9717500

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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