Montag, 1. Juni 2015

2015.06.02: Newsletter Bildung

Die Presse – 2. Juni 2015

 

 

Wiener Lesetest: Volksschüler lesen besser

Beim Wiener Lesetest wurden bessere Ergebnisse erzielt als 2013, aber nach wie vor gibt es Probleme.

Wien. Es geht bergauf – Wiens Volksschüler der vierten Klasse haben gegenüber den Erhebungen der Vorjahre ihre Leseleistungen beim neu konzipierten Wiener Lesetest 2015 gesteigert. Doch so positiv das klingt – noch immer erreichen zwölf Prozent der rund 14.800 getesteten Schüler nur die schwächste Kompetenzstufe (2013 waren es 19 Prozent). Bei knapp vier Prozent der getesteten Schüler wurde „keine messbare Lesekompetenz“ festgestellt.

Bis 2013 war der Lesetest vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) durchgeführt worden. Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) beendete im Vorjahr wegen „logistischer Schwierigkeiten und Fehlern bei der Auswertung“ aber die Zusammenarbeit – 2014 gab es daher keine Ergebnisse. Seit heuer wird der Test von Ex-BIFIE-Chef Günter Haider bzw. einem Team der Uni Salzburg durchgeführt.

57 Prozent sprechen Deutsch

Wesentliche Unterschiede: Der 40-minütige Haupttest fand nicht im Jänner, sondern im April statt – zu Jahresbeginn gab es dafür einen freiwilligen Vortest. Anstatt vom Testinstitut wurden die Aufgaben anhand einer Schablone von den Lehrern ausgewertet – diese wissen somit, welche Schüler welche Leseprobleme haben.

Insgesamt wurden 15.279 Kinder an 267 Volksschulen getestet. Von allen ausgewerteten Schülern gaben 57 Prozent an, daheim Deutsch zu sprechen. 43 Prozent nannten eine andere Sprache. In der Gruppe der leseschwächsten Schüler haben rund zwei Drittel eine andere Muttersprache als Deutsch. Und: Buben erzielten leicht bessere Resultate als Mädchen, auch Ganztagsvolksschulen schnitten etwas besser ab.

 

 

"Österreich" vom 02.06.2015                                  Seite 18

Ressort: Wien

 

Wien

 

Jeder 8. Schüler in Wien kann kaum lesen

 

Wiener Lesetest zeigt Probleme auf

 

553 von 14.800 Schülern sind Analphabeten. Aber: Leseförderung zeigt Wirkung.

 

Bildung. "Die Ergebnisse des Lesetests zeigen deutlich, dass Leseförderung wirkt. Seit dem Start der Leseoffensive 2011 habe sich die Ergebnisse deutlich verbessert", sagt Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Am Montag wurden die Ergebnisse des Wiener Lesetests präsentiert.

 

Erfreulich. Die Zahl der leseschwachen Schüler sank von 18,6 Prozent im Jahr 2013 auf 12,4 Prozent in diesem Jahr. Gleichzeitig konnte die Zahl der lesestarken Schüler deutlich gesteigert werden. Insgesamt wurden 14.800 Schüler der 4. Klasse an 267 öffentlichen und privaten Volksschulen getestet. 71,3 Prozent der Kinder hatten dabei ein sicheres Textverständnis.

 

553 Schüler haben sehr starke Leseschwäche Auf der schwächsten Leistungsstufe landeten 12,4 Prozent der Schüler. 3,7 Prozent (553 Schüler) können praktisch nicht sinnerfassend lesen und erreichten 0-11 von insgesamt 30 möglichen Punkten. Für die betroffenen Kinder werden Einzelfallanalysen gemacht, im schlimmsten Fall werden sie die Klasse wiederholen müssen. "Langfristiges Ziel ist es, die Leseschwäche auf null zu reduzieren", sagt Brandsteidl.

 

Kurs. Von 24.8 bis 4.9. bietet der Stadtschulrat einen Gratis-Lesekurs an. Der Kurs wird wochentags 9-12 Uhr in der VHS Penzing (14., Hütteldorferstraße 112) abgehalten. (fil)

 

 

Der Standard – 2. Juni 2015

 

 

Verbesserte Leseleistung bei Wiens Schulkindern

Oona Kroisleitner

Beim heurigen Lesetest schnitten Wiens Viertklässler besser als in den vergangenen Jahren ab. Trotzdem haben vier Prozent der Kinder gar kein Leseverständnis. 22 von ihnen erreichten sogar null von 30 Punkten

Wien - Pippi Langstrumpf, Lisa aus Bullerbü und Räubertochter Ronja mit ihren roten Haaren - alles Heldinnen aus Kinderbüchern. Wie gut etwa die Abenteuer dieser Romanfiguren gelesen und erfasst werden können, hängt von der Lesestärke der Kinder ab. In der Bundeshauptstadt wurde das Text- und Leseverständnis der Schüler von 22. bis 29. April beim "Wiener Lesetest" abgeprüft.

Alle 639 vierten Klassen an privaten und öffentlichen Volksschulen nahmen an dem jährlichen Test teil. 15.279 Wiener Kinder wurden abgeprüft und haben die Leseleistungen gegenüber den Erhebungen der Vorjahre gesteigert. Allerdings befinden sich noch immer 12,4 Prozent der Viertklässler, also 1848 Schüler, auf der schwächsten Lesestufe mit "teilweisem Textverständnis". Das sind um 6,2 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Auswertung 2013.

Etwa ein Drittel der Leseschwachen sind Kinder mit deutscher Muttersprache. Bei 3,7 Prozent der Getesteten wurde "keine messbare Lesekompetenz" festgestellt: 553 Kinder erzielten nur zwischen null und elf der insgesamt 30 Punkte. Sie fallen ebenfalls in die schlechteste Gruppe. 22 Schüler konnten keine einzige Aufgabe lösen: "Hier müssen wir sagen, dass sie die Inhalte einfach nicht verstehen", sagt Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ).

Mögliche "Testverweigerer"

Dass einige Kinder null Punkte erreicht haben, sei "nicht leicht zusammenzubringen". Die Stadtschulratspräsidentin denkt, es könnte sich bei diesen Kindern um "Testverweigerer" handeln. Verschiedene Erklärungen findet Brandsteidl für die 553 Testergebnisse mit unter elf Punkten. Sie könnten so schlecht in der Schule sein, dass sie durchfallen oder "sonderpädagogischen Förderbedarf" benötigen.

Dass über zwölf Prozent der Volksschüler nicht sinnerfassend lesen können, sei "alarmierend", entgegnen die Neos: "Wer nicht lesen kann, hat auch Probleme, Mathematikangaben oder Physikbeispiele zu verstehen", sagt Beate Meinl-Reisinger: "Wer diese katastrophalen Ergebnisse schönredet, braucht selbst dringend Nachhilfe im sinnerfassenden Lesen."

Viele gute Leser

Der Anteil der Kinder in der Gruppe der besten Leser hat sich gesteigert. 10.561 Kinder haben es auf die beste Stufe geschafft. Das sind 71,3 Prozent der Schüler. Von ihnen kommen lediglich 16 Prozent aus Familien mit nichtdeutscher Muttersprache. 1103 Schüler lösten alle Fragen richtig und bekamen die volle Punktzahl. "Die Ergebnisse zeigen, dass Leseförderung wirkt", sagt Brandsteidl. Die Verbesserung der Kinder sei auf die 2011 eingeführte Wiener Leseoffensive zurückzuführen: Bei den Viertklässlern handle es sich um jene Kinder, die als Erste das vierjährige Programm wahrgenommen haben.

Kritik kommt von der Opposition: "In der Wiener Bildungspolitik liegt weiterhin einiges im Argen, wie auch die eklatant hohe Zahl an außerordentlichen Schülern in dieser Stadt zeigt", sagt ÖVP-Wien-Bildungssprecherin Isabella Leeb in einer ersten Reaktion. Rund 500 Schüler wurden vom Test ausgenommen, weil sie nach einem Sonderschullehrplan unterrichtet werden oder außerordentliche Schüler sind.

Neues Verfahren

Geändert hat sich zudem auch der Testablauf. Die Prüfung wurde neu konzipiert. Bis 2013 wurde sie vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführt. Brandsteidl beendete die Zusammenarbeit mit dem Bifie vergangenes Jahr wegen eines Lecks bei Schülerdaten. Der Test wurde nicht ausgewertet, weshalb es für 2014 keine Ergebnisse gibt.

Seit dem aktuellen Durchgang wird der Test vom ehemaligen Bifie-Chef Günter Haider und einem Team der Uni Salzburg konzipiert und durchgeführt. Erstmals gab es einen zweiphasigen Aufbau: Der 40 Minuten lange Test wurde terminlich nach hinten verschoben und ein freiwilliger Vortest angesetzt, den die Lehrer mit einer Lösungsschablone selbst ausgewertet haben.

 

 

Der Standard – 2. Juni 2015

 

 

Gemeinsame Lehrerausbildung startet im Herbst in Süd-Ost-Region

Verringerung der Anmeldungen an Unis und PH – Grazer PH-Rektorin Messner: Entfallene Doppelanmeldungen, aber auch längere Studienzeit sorgen für Einbruch der Zahlen

Graz – Ab Oktober werden in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland alle künftigen Lehrer und Lehrerinnen der Sekundarstufe nach dem gemeinsam von Unis und PH entwickelten Lehrplan ausgebildet. Auch das Curriculum für die nunmehr vierjährige Volksschullehrerausbildung wurde gemeinsam gestaltet, erklärte Elgrid Messner, Rektorin der PH Steiermark im APA-Gespräch. Am Montag endete die Anmeldefrist.

"Österreichweit erstmals werden alle Pädagogen auf akademischen Niveau ausgebildet – egal ob sie später an Volksschulen, Neuen Mittelschulen, an AHS oder BHS unterrichten werden", betonte Messner. Das Curriculum für die Ausbildung der Lehrer der Sekundarstufe wurde in den vergangenen Jahren von vier Universitäten und vier Pädagogischen Hochschulen (PH) in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland (Entwicklungsverbund Süd-Ost) in Kooperation entwickelt.

Schulterschluss von Unis und PHs

"Das heißt, dass die Studierenden im Entwicklungsverbund jetzt unabhängig von der Bildungseinrichtung an der sie inskribiert sind, das gleiche akademische Studium beginnen können", so Messner. Der Schulterschluss der Ausbildungsinstitutionen sei einzigartig in Österreich, betonte Uni-Graz-Rektorin Christa Neuper.

Sowohl die Ausbildungen für die Volksschule (Primarstufe) als auch die Sekundarstufe erstreckt sich über acht Semester, praktische Unterrichtserfahrung wurde ab dem zweiten Semester ins Curriculum eingebaut, erklärte Messner. Nach dem Abschluss mit dem "Bachelor of Education" haben Volksschullehrer für die Fixanstellung noch ein zwei- bis dreisemestriges Masterstudium zu absolvieren, für die Sekundarstufe ist ein viersemestriges Masterstudium vorgesehen.

Weniger Anmeldungen

Die Anmeldefrist für die Studien war Montag. Die PH Steiermark hatte Montagfrüh an die 350 Anmeldungen für die 162 Studienplätze für die Primarstufe und 180 für die Sekundarstufe verzeichnet. An der Universität Graz – die keine Studienplatzbeschränkung hat – hatten sich Montagfrüh 1.065 Personen für ein Lehramtsstudium gemeldet. Damit sind an beiden Häusern die Anmeldezahlen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen: Die Uni Graz hatte im Vorjahr rund 1.330 Anmeldungen, die PH Graz für die Bereiche Primar- und Sekundarstufe rund 1.100. Beide Institutionen erklären sich den Rückgang mit dem Entfall der Möglichkeit der Mehrfachanmeldung an den verschiedenen Hochschulen. "Bei der Volksschullehrerausbildung spielt sicherlich auch die Verlängerung der Studienzeit auf acht Semester eine Rolle", vermutete die PH-Rektorin. "Jedenfalls haben wir noch immer doppelt so viele Bewerber, als aufgenommen werden können", betonte Messner.

Für die Lehramtsstudien des Entwicklungsverbundes Süd-Ost gibt es ein einheitliches, zweistufiges Zulassungsverfahren. Nach der Anmeldung mit Online-Self-Assessment ist noch ein schriftlicher Test im Juli zu absolvieren. Am Entwicklungsverbund Süd-Ost sind die Universitäten Graz und Klagenfurt, die Pädagogischen Hochschulen im Burgenland, der Steiermark und in Kärnten sowie die Kirchliche PH Graz beteiligt.

 

 

Der Standard – 2. Juni 2015

 

 

Zentralmatura: Grüne fordern einheitliche Regelung für Hilfsmittel

Lisa Kogelnik

Jugendsprecher Julian Schmid sieht nach Befragung von 8.300 Personen noch immer viel Verunsicherung bei Maturanten

Wien – Die Grünen wollen nach dem Ende der ersten schriftlichen Zentralmatura weiterhin Reformen bei der neuen Reifeprüfung. "Es gibt eine große Unzufriedenheit unter den Schülern", sagt Nationalratsabgeordneter Julian Schmid. Der Jugendsprecher hat über die Homepage der Grünen eine Umfrage zur neuen Matura durchgeführt. Insgesamt haben 8.300 Personen daran teilgenommen und die Reifeprüfung in Schulnoten bewertet. Eines der Ergebnisse: Die Befragten beurteilen die Umsetzung der Zentralmatura mit der Note 4,2.

Freilich ist die Umfrage nicht repräsentativ. Ob tatsächlich Maturanten daran teilgenommen haben, lässt sich über eine Online-Befragung nicht feststellen. Schmid ist sich aber sicher, dass er vor allem Maturanten befragt hat. Er habe die Umfrage vor allem über Facebook bei Schülern beworben. Der Fragebogen konnte von 19. bis 29. Mai – also kurz nach der schriftlichen Matura – ausgefüllt werden.

Unterschiedliche Hilfsmittel

Am schlechtesten urteilen die Teilnehmer der Befragung über die Tatsache, dass an unterschiedlichen Schulen unterschiedliche Hilfsmittel benutzt werden können. Dafür gibt es die Note 4,4. Derzeit dürfen die Maturanten jene Hilfsmittel verwenden, die sie aus dem bisherigen Unterricht gewöhnt sind. "Das heißt, dass in Mathematik manche einen Taschenrechner verwenden, mit dem sie Graphen darstellen können, und andere Schüler nur einfache Rechner", sagt Schmid. Er will deshalb im Nationalrat einen Antrag einbringen und die Regierung dazu auffordern, eine einheitliche Regelung für alle Schulen einzuführen.

Auch aus Gesprächen mit Schülern wisse er, so Schmid, dass es unter den Maturanten auch zwei Tage vor der Reifeprüfung viel Unsicherheit darüber gegeben habe, wie die Matura tatsächlich aussehen werde.

Trotz dieser "großen Unsicherheit" ist die neue Matura aber im Durchschnitt ähnlich ausgegangen wie die alte. Ersten Daten zufolge sind etwa in Mathematik 10,5 Prozent der Schüler durchgefallen. Früher waren es einer Faustregeln zufolge – zentral gesammelte Ergebnisse gab es damals nicht – zwischen zehn und 15 Prozent. "Ich bin froh, dass es trotzdem gut gelaufen ist, aber es gibt auch Klassen, in denen zwei Drittel der Schüler durchgefallen sind", sagt Schmid. Es gelte nun herauszufinden, warum die Informationen über die Matura immer noch nicht in der Klasse landen. Die Befragten von Schmids Umfrage bewerten die Informationslage vor der neuen Reifeprüfung durchschnittlich mit der Note 3,9.

Mehr Vorbereitungsstunden

Bestätigt sieht sich Schmid auch in der Forderung, die Vorbereitungsstunden für die mündliche Matura zu erhöhen. Auf die Frage, ob die Stunden ausreichend sind, geben die Teilnehmer der Befragung die Note 4,1.

"Wir sollten dafür sorgen, dass die kommenden Jahrgänge nicht so verunsichert sind", sagt Schmid. Er fordert die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sowie das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) dazu auf, auf die Anliegen der Schüler und Schülerinnen zu hören.

 

 

Der Standard – 2. Juni 2015

 

 

Eltern bremsen Schulkarriere

Experten: Leistungen oft nicht entscheidend

Wien - Es steht sogar in der Verfassung. Die Schule soll sicherstellen, dass der gesamten Bevölkerung, unabhängig von Herkunft, sozialer Lage und finanziellem Hintergrund, das höchstmögliche Bildungsniveau zukommt. Dies gelingt aber nicht immer, wie Bildungspsychologin Christiane Spiel ausführt: "Zwei Drittel der Zehnjährigen, deren Eltern einen Hochschulabschluss haben, wechseln auf eine AHS. Aber nur acht Prozent der Kinder von Eltern mit Pflichtschulabschluss bekommen die Chance, Matura zu machen."

Wie Bildungsungerechtigkeiten wie diese künftig reduziert werden können, darüber diskutieren in Wien noch bis Dienstag Bildungsexperten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz bei einem Workshop der Österreichischen Forschungsgemeinschaft in Wien.

Ein Schulsystem müsse den Anspruch haben, dass die Herkunft der Schüler ihren Bildungsweg so wenig wie möglich beeinflusst, sagte Petra Sanat, Direktorin des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Berliner Humboldt-Universität, bei einem Pressegespräch vor dem Start des Workshops am Montag.

Gelingen könne dies, indem die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler durch die Einführung von Mindeststandards ausgeglichen werden, sagte Sanat. Auch Spiel plädierte für die Einführung von Mindeststandards, mit denen festgelegt wird, was Schüler unbedingt können sollen, wenn sie die Mittelstufe abgeschlossen haben. "Jeder sollte sinnerfassend lesen können. Das schaffen wir jetzt nicht." Derzeit werden in der vierten und achten Schulstufe zwar Bildungsstandards überprüft, diese würden aber einen Durchschnitt festlegen, der erreicht werden muss, aber keine Mindeststandards.

Gefahr frühe Trennung

Eine Gefahr sieht Spiel auch darin, dass sich die Schüler nach vier Jahren Volksschule für Gymnasium oder Neue Mittelschule entscheiden müssen. Im Alter von zehn Jahren könne man noch gar nicht wissen, welche Fähigkeiten ein Kind habe. Zudem spiele die Leistung der Volksschüler für den Übertritt ins Gymnasium oft nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei, was die Eltern für ihre Kinder wollen.

Bildungsforscher Lorenz Lassnig vom Institut für Höhere Studien (IHS) machte zudem darauf aufmerksam, dass Noten am Ende der Volksschule darüber entscheiden, ob ein Kind am Gymnasium aufgenommen wird. "Die Noten sind abgekoppelt von den tatsächlichen Leistungen." Lehrer würden aufgrund von sozialen Prozessen entscheiden.

Dazu komme, dass Eltern mit akademischem Abschluss mehr Einblick in das Schulsystem hätten, sagte Spiel. "Mehr Aufklärung über die Möglichkeiten des Schulsystems ist notwendig." (koli)

 

 

"Kronen Zeitung" vom 02.06.2015                             Seite: 25

Ressort: Lokal

 

Abend, Vbg, Wi

 

Neuer Test  Großteil schnitt gut ab  553 Viertklässler verstanden Text gar nicht

 

71 Prozent sind „fit“ im Lesen

 

ALEXANDRA HALOUSKA

 

Besser als bisher, mit Luft nach oben: So lautet das Fazit des Wiener Lesetests. Rund 14.800 Viertklässler nahmen an der Überprüfung teil. Die gute Nachricht: 71 Prozent der Kinder sind „lesefit“, die schlechte: 1848 Schülern bereitete der Test Probleme, zwei Drittel von ihnen haben eine andere Muttersprache als Deutsch.

 

   Besser als früher, aber es gibt immer noch viel zu tun: Ein Großteil der Schüler ist „lesefit“

 

   Der Wiener Lesetest schlüsselt die Lesekompetenz der Volksschüler in drei Stufen auf. Zu der dritten und damit besten Stufe gehören etwa 10.561 Kinder – das sind 71 Prozent aller Viertklässler in Wien. Hier liegt der Anteil der Kinder nicht deutscher Muttersprache bei immerhin 16 Prozent. Allerdings: Zwei Drittel dieser Schülergruppe machen auch die schwächsten Leser aus.

 

   In den letzten beiden Jahren sank die Zahl der „Problemkinder“ um etwa sechs Prozent, dennoch verfügen immer noch 1848 Schüler (12 Prozent) über eine geringe Lesekompetenz. Das heißt: Sie verstehen den Text nur teilweise oder gar nicht. Besonders alarmierend: 553 Viertklässler erreichten nur zwischen null und elf der insgesamt 30 möglichen Punkte. Ihnen wurde quasi kein Textverständnis attestiert. Sie sollen überprüft und mit einem „Förderrucksack“ ausgestattet werden. Übrigens: Etwa doppelt so viele Schüler lösten alle Aufgaben richtig.

 

   43 Prozent aller Teilnehmer sprechen daheim bereits eine andere Sprache als Deutsch.

 

 

Wiener Zeitung – 2. Juni 2015

 

Bildung

Mühen um Chancengleichheit

 

 

 

 

 

 

 

Von Heiner Boberski

 

·         Workshop in Wien zum Thema "Bildungsgerechtigkeit: ein erfüllbarer Anspruch?"

 

 

Wien. Dass Bildung ein hohes Gut ist, steht außer Zweifel. Wie weit dieses Gut in unserer Gesellschaft gerecht, zumindest aber gerechter als bisher, verteilt werden kann, diskutieren bis Dienstagmittag in Wien Experten unter dem Titel "Bildungsgerechtigkeit: ein erfüllbarer Anspruch?" Veranstalter des zweitägigen Workshops ist die von der Wiener Bildungspsychologin Christiane Spiel geleitete Arbeitsgemeinschaft Bildung und Ausbildung der Österreichischen Forschungsgemeinschaft.

In einem Pressegespräch am Montag betonte Johannes Giesinger, Ethiker an der Universität Zürich, es gehe nicht um natürliche, sondern um soziale Faktoren, die Chancengleichheit im Bildungssystem behindern. Der Linzer Sozialwissenschafter Johann Bacher plädierte für eine sozial indizierte Mittelverteilung: Es wäre gerecht, soziale Unterschiede durch eine bessere Finanzierung bestimmter Schulen auszugleichen.

Frühe Weichenstellung
Christiane Spiel wies auf das Bundesverfassungsgesetz von 2005 hin, dem zufolge bestmögliche Bildung für ein Kind unabhängig von dessen Herkunft und sozialer Lage erfolgen soll. An den Schnittstellen im Bildungssystem zeige sich aber, dass dort soziale Faktoren, die nichts mit den Fähigkeiten des Kindes zu tun haben, entscheidenden Einfluss haben. In der Realität sei Bildung großteils eine Frage der Herkunft: Beim Übertritt von der Volksschule in eine weiterführende Schule sei nur zu 30 Prozent die Leistung des Kindes, aber zu 70 Prozent der Wille der Eltern maßgeblich. Und diese frühe Bildungsentscheidung wirkt weiter: Aus der AHS-Unterstufe gehen 95 Prozent weiter zur Matura (63 Prozent in der AHS, 32 Prozent in der BHS), während es aus der Hauptschule nur 37 Prozent sind.

Beim sinnerfassenden Lesen, so Spiel, hätten Schüler mit Migrationshintergrund nach neun Jahren Pflichtschule einen Rückstand von zwei Jahren auf ihre Alterskollegen. Eine neue Studie zeige, dass Österreich hier im internationalen Vergleich bei Jugendlichen türkischer Herkunft besonders schlecht abschneidet.

Ulrike Greiner von der Universität Salzburg erinnerte an einen Text des Erziehungswissenschafters Hans Pechar, wonach in Österreich bei den Kindern zu früh die Weichen gestellt werden, während im tertiären Bildungsbereich zu wenig selektiert werde.

Laut Johannes Giesinger schicken in der Schweiz viele Eltern ihre Kinder gar nicht ins Gymnasium - auch weil dort "gekifft" werde. Sie streben für sie eher eine solide Berufsausbildung an, die oft mehr Einkommen bringe. Doch absolute Top-Jobs blieben meist Akademikern vorbehalten.

Die Bildungsexperten waren sich einig, dass ein "Akademisierungswahn" nicht anzustreben sei. Tatsächlich hätten gerade Länder mit einem stark entwickelten Berufsbildungssystem - wie Österreich, Deutschland, die Schweiz, die Niederlande und Dänemark - die geringste Jugendarbeitslosigkeit. Der Wert einer Berufsausbildung sollte nicht unterschätzt, die Durchlässigkeit des ganzen Systems aber stärker entwickelt werden.

Keine "Einbahnstraßen"
Es sei keineswegs wünschenswert, so Christiane Spiel, wenn viele an die Universitäten drängen, die nicht das dafür nötige Rüstzeug haben. Auf der anderen Seite entstehe dadurch ein Mangel an qualifizierten Anwärtern für bestimmte Berufsausbildungen. Nach Spiels Ansicht ist das "negativ für beide Bereiche."

In diesem Zusammenhang plädierte der Konstanzer Politikwissenschafter Markus Busemeyer für mehr Möglichkeiten, zwischen den beiden Bereichen zu wechseln. Derzeit gebe es nur eine "Einbahnstraße" vom Beruf in Richtung einer akademischen Bildung aber nicht umgekehrt. Lorenz Lassnigg, Soziologe am Institut für Höhere Studien, ergänzte, es sei ein großer Fehler, wenn man annehmen für die Berufsbildung sei eine gute Allgemeinbildung nicht notwendig.

Zur Eröffnung der Tagung gedachte man auch des jüngst verstorbenen Bildungspolitikers Bernd Schilcher, dem Bildungsgerechtigkeit ein großes Anliegen gewesen sei. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek unterstrich in ihrem Grußwort, dass ihr auf dem Weg zu diesem Ziel unter anderem der Ausbau der Frühkindpädagogik, der ganztägigen Schulformen und der Bildungsstandards wichtig seien.

 

 

Heute – 2. Juni 2015

 

47.000 "Fünfer" für die neue Zentralmatura

8.300 Teilnehmer haben bei der grünen Online-Benotung der Zentralmatura mitgemacht. Bei den zwölf Fragen (siehe unten) setzte es dabei 47.047 "Nicht genügend".

 

"Sehr gut" wurden nur 7.581 vergeben. Am meisten Ärger löste aus, dass je nach Schule unterschiedliche Hilfsmittel erlaubt waren (Note 4,4).

Am größten ist die Zufriedenheit mit der Durchführung der Deutsch-Matura (Note 3,3). Der grüne Jugendsprecher Schmid will jetzt im Nationalrat die Bildungsministerin mit den Ergebnissen konfrontieren.

 

 

 

KATHPRESS-Tagesdienst Nr.128, 1. Juni

 

 

Erzbischof Lackner würdigt Bildungsexperten Schilcher

Ehemaliger steirischer VP-Landtagsklubobmann und Landesschulratspräsident am 30. Mai verstorben

 

 


Salzburg, 01.06.2015 (KAP) Betroffenen vom Tod des früheren steirischen Politikers und Bildungsexperten Bernd Schilcher hat sich der Salzburger Erzbischof Franz Lackner gezeigt. Er würdigte in einer Aussendung Schilchers "soziale Tiefe und sein so mutig gelebtes Umsetzen unbequemer Wahrheiten". Schilcher sei "ein Könner des pointierten und feinen Formulierens" gewesen. Über ideologische Grenzen hinweg habe er Bildung nicht der ökonomischen Nützlichkeit unterworfen, so Erzbischof Lackner, der von 2002 bis 2013 Weihbischof in der Diözese Graz-Seckau war.

Wortgewaltig habe Schilcher seine Ideen vertreten. In Österreich sei eine Bildungsdiskussion ohne ihn kaum vorstellbar, so Lackner weiter: "Sein weiter Horizont hat seine politische Arbeit ausgezeichnet, er repräsentierte die intellektuelle offene Richtung in seiner Partei. Sein zeitloses Denken, sein philosophischer Blick werden fehlen!"

Bernd Schilcher, ehemaliger steirischer VP-Landtagsklubobmann und Landesschulratspräsident, war am Freitag, wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag, gestorben. Schilcher wurde am 22. Juli 1940 in Graz geboren. Dort studierte er Medizin und Rechtswissenschaften. Ab 1978 war er Ordinarius für Bürgerliches Recht an der Universität Graz, zwischen 1989 und 1996 Landesschulratspräsdent der Steiermark. Er führte in dieser Zeit u.a. in seinem Bundesland einen neuen Schultyp ein, die Realschule, die den Schülern ein Kennenlernen der Arbeitswelt ermöglichen soll. Von 1996 bis Juni 2001 war er erneut Vorstand am Institut für Bürgerliches Recht der Uni Graz. Seit 2003 war er im Ruhestand. Von 1976 bis 1993 saß er für die Volkspartei im steirischen Land-tag, zwischen 1985 und 1989 als deren Klubobmann.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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