Donnerstag, 4. Juni 2015

2015.06.04/05: Newsletter Bildung

Die Presse – 5. Juni 2015

 

 

Sonderschule: Klassen wandern ab

Viele Eltern von schwerstbehinderten Kindern halten das neue Konzept der Inklusion für ungeeignet. Sie geben ihre Kinder in eine andere Schule.

 

Wien. Eine Lösung zeichnete sich bereits vor einem Jahr nicht so richtig ab. Die Caritas Wien versicherte zwar, dass die schwerstbehinderten Kinder der Sonderschule Am Himmel auch weiterhin als Sonderschüler dort unterrichtet würden, hielt aber an ihrem Ziel fest, die Schule ab dem Jahr 2016/2017 in eine Inklusionsschule umwandeln zu wollen. Nun tritt die Umwandlung schneller als gedacht in Kraft.

Ein Großteil der Eltern hat beschlossen, ihre Kinder ab Herbst in eine andere Schule, nämlich in die ebenfalls private Clara-Fey-Sonderschule in Döbling, zu geben. Drei Klassen (insgesamt 14 Kinder) wandern ab Herbst geschlossen in die neue Schule. Eine weitere möchte noch wechseln, hat dort aber keinen Platz, ohne aufgeteilt werden zu müssen. „Da suchen wir noch eine Lösung“, sagt Margit Hödel, eine betroffene Mutter.

Auch sieben Lehrerinnen gehen in die Clara-Fey-Schule mit. Weil sie nicht in einer Inklusionsschule arbeiten möchten, wie Caritas-Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner erklärt. Fünf Lehrer bleiben, auch die Schulleiterin wechselt – allerdings in den Stadtschulrat. Hinter der Entwicklung steht ein Grundsatzstreit, der wohl noch mehr Eltern und Schulbetreiber treffen wird: Wie weit soll Inklusion gehen?

Inklusion nicht für alle geeignet?

Laut UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung soll jeder Mensch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Aus diesem Grund wandelt auch die Caritas ihre Schule um. Schwerstbehinderte Kinder sollen mit nicht Schwerstbehinderten lernen und den Schulalltag verbringen. Doch ausgerechnet den Eltern der schwerstbehinderten Kindern gefällt der Gedanke nicht. „Inklusion ist eine wunderbare Idee“, sagt Hödel, „Aber man muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass Inklusion für manche Kinder nicht passt“, sagt sie. Ihr Sohn, Philipp, etwa ist nun fast 14 Jahre alt, kann nicht reden, nicht lesen, und wenn er rechnet, dann gerade einmal mit Zahlen von eins bis zehn. Anderen Eltern geht es ähnlich. Ihre Kinder können nicht sprechen, nicht schreiben, und manche brauchen sogar noch Windeln. Wie sie da mit anderen Kindern mithalten sollen, fragen sich die Eltern. Und mit jedem Jahr gehe die Schwere weiter auf, sagt Hödel. „Inklusion ja, aber nicht um jeden Preis.“

Und sie weiß, wovon sie spricht. Die meisten Eltern in der Schule haben bereits Erfahrung mit Inklusionsschulen gehabt – negative. Philipp hätte in seiner alten Inklusionsschule die ganze Zeit Linsen, Bohnen und bunte Steine gezählt. Caritas-Wien-Chef Klaus Schwertner sieht das naturgemäß anders. Eine Inklusionsschule, wie er sie sich vorstellt, gibt es in Wien noch nicht. Sie geht weg vom klassischen Klassenkonzept. „Es wird Projektgruppen geben und gemeinsame Gruppenarbeiten“, sagt er. Es sei nicht so, dass in einer Inklusionsklasse alle immer alles gemeinsam machen müssen. Durch die zahlreichen Abgänge wird nun die private Montessori-Schule Kirschbaumhaus in der Schule Am Himmel integriert. Die verbleibenden 16 Kinder sollen dort ab Herbst mit 20 Kirschbaum-Kindern unterrichtet werden. Vorerst noch nicht gemeinsam, auch wenn es gemeinsame Projekte geben wird. Schlussendlich soll die Schule 45 Kinder beherbergen, davon die Hälfte schwerstbehindert. Margit Hödel muss sich mit diesem Konzept nicht mehr befassen. Seit einem Monat fährt sie bereits jeden Tag an der neuen Schule vorbei, damit Philipp sich an den neuen Standort gewöhnen kann. Das sehe ja keiner, sagt sie, wie viel Arbeit es sei, so ein Kind an neue Umstände zu gewöhnen.

 

 

Die Presse – 5. Juni 2015

 

 

Wie die BORG der Zentralmatura geopfert wurden

Das Notendesaster an den Bundesoberstufenrealgymnasien war absehbar.

Meine Tochter tritt heuer zur Zentralmatura an. Der schriftliche Teil ist erledigt, die vorwissenschaftliche Arbeit wurde präsentiert, die mündlichen Prüfungen sind Ende Juni dran. Hannah darf sich berechtigte Hoffnungen machen, ohne Fünfer und Vierer abzuschließen.

Das ist bemerkenswert. Denn Hannah besucht ein musisches Bundesoberstufenrealgymnasium (BORG). Und dort hat die Zentralmatura mit ihren vereinheitlichten Standards mit aller Härte zugeschlagen. Einige Daten aus Kärnten: 28 Prozent aller BORG-Absolventen wurden bei der schriftlichen Mathematikarbeit mit Nicht genügend beurteilt, 23 Prozent in Englisch. Zum Vergleich: Nimmt man alle österreichischen Schulen zusammen, liegt der Mathematik-Fünfer-Wert bei zehn Prozent. Die BORG-Bilanz ist also fast dreimal so schlecht.

Als Vater einer Absolventin kann ich sagen: Überraschend kommt dieses Ergebnis nicht. Das sehen auch Experten so. Kärntens Landeschulratspräsident, Rudolf Altersberger, wird in der „Kleinen Zeitung“ wie folgt zitiert: „Das Abschneiden war nicht so schlecht wie erwartet und nicht so schlecht wie in anderen Bundesländern.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. 28 Prozent Nicht genügend – und man hat in Insiderkreisen mit einer noch höheren Quote gerechnet? Welche Ergebnisse gibt es in anderen Bundesländern, die noch schlechter sind als das Kärntner Notendesaster?

Arrogante Bildungspolitik

Wie es aussieht, wurden die immerhin mehr als 50 BORG, die es in Österreich gibt, für die Zentralmatura geopfert, hohe Verlustquoten in Kauf genommen. Dass pro Jahr tausende Jugendliche in BORG maturieren, zeigt das quantitative Ausmaß der Arroganz der Bildungspolitik von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek abwärts. Altersberger hat natürlich recht, wenn er sagt, man habe mit schlechten Ergebnissen gerechnet. Denn was sind BORG eigentlich? Es sind Orte, an denen Hauptschülern eine Möglichkeit für eine AHS-Matura gegeben wird. Es sind Einrichtungen, in die musisch talentierte Jugendliche wechseln, die mit einem klassischen achtjährigen Gymnasium überfordert sind.

„Trial“, aber noch mehr „Error“

Niemand wechselt in ein BORG, um eine vergleichsweise bessere, härtere Ausbildung zu erhalten. Das Niveau ist also logischerweise eher am unteren Rand der AHS-Bandbreite angesiedelt. Bisher war das relativ egal: Man hat standortspezifisch die Matura an die Realität angepasst, also leichter gestaltet. Jetzt aber, mit der Zentralmatura, sollen plötzlich Kinder, die von einer ländlichen Hauptschule in ein Oberstufengymnasium gewechselt sind, eine Matura absolvieren, für die sie nur unzureichend ausgebildet worden sind.

Daran wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Für Jugendliche und Eltern hat dies Konsequenzen. Wer künftig sein Kind an ein BORG schickt, muss wissen: Die Matura wird dort schwerer zu schaffen sein als in einem BG/BRG. Es wird mehr Eigenleistung erfordern, das vorgeschriebene Einheitsniveau zu erreichen, das am Ende abgeprüft wird. Denn Fakt ist: Derzeit ist das Konstrukt BORG nur sehr bedingt zentralmaturareif. Die Fünferquoten bestätigen das eindrucksvoll.

Für die heurigen BORG-Maturanten kommt die Erkenntnis zu spät. Für die nächsten Jahrgänge auch. Eine Situation, an der die meisten betroffenen Jugendlichen unschuldig sind. Sie sind Opfer einer Bildungspolitik, die sich nicht um „Details“ kümmert. Die nach dem Prinzip „Trial and Error“ agiert. Schwerpunkt auf „Error“.

Wolfgang Kofler war Chefredakteur von „Kärntner Monat“ und „Extradienst“ sowie Ressortleiter bei „News“. Nun leitet er die Redaktion der „Kärntner Woche“ in Villach.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 127 vom 05.06.2015              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Die meisten Maturanten kamen durch

 

   wien. Drei bis fünf Prozent der Maturanten dürften die neu eingeführte vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) bei der Reifeprüfung nicht positiv absolviert haben. Das sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Mittwoch laut Parlamentskorrespondenz in einer Fragestunde des Bundesrats. Die VWA ist eine für alle AHS-Maturanten verpflichtende Hausarbeit und bildet neben der schriftlichen und der mündlichen Matura zeitlich gesehen die erste Säule der drei Abschnitte umfassenden neuen Reifeprüfung.

 

 

"Heute" vom 05.06.2015                                        Seite 5

Ressort: Politik

 

Heute Hauptausgabe, Heute Niederösterreich, Heute Oberösterreich

 

Schreibweise sei schlechter lesbar

 

Elternverband gegen das Gendern von Schulbüchern

 

Eine Umfrage hat laut Verband ergeben, dass 87 %eine geschlechtergerechte Schreibweise in Schulbüchern ablehnen. Sie sei schlechter lesbar. Im Parlament will man einen Antrag einbringen, der das Gendern verhindert.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 153 vom 04.06.2015                Seite: 6

Ressort: Tirol6u7

 

 

Notenfreie Volksschulen heiß diskutiert

 

Keine Noten bis in die vierte Klasse: Mehrere Volksschulen wollen mit Schulversuchen die alternative Beurteilung ausweiten. Eine neue Situation für den Tiroler Landesschulrat.

 

   Von Liane Pircher

 

   Innsbruck - Es ist ein Antrag für einen komplett neuen Schulversuch, den Pflichtschulinspektor Wolfgang Haslwanter seit ein paar Wochen auf seinem Schreibtisch liegen hat: Die Innsbrucker Volksschule Innere Stadt würde gerne eine ?alternative Leistungsbeurteilung" einführen bzw. ausdehnen. Und zwar von der ersten bis inklusive der vierten Klasse. Ein Wunsch, den auch drei andere Tiroler Volksschulen haben. Ein Schulversuch, der letztlich über das Bildungsministerium läuft.

 

   Im Schulalltag würde dies heißen: Statt Leistungsziffern (Noten) gäbe es eine Art schriftliche Kompetenzanalyse für die Schüler. Bis dato ist dies in etwa der Hälfte aller Volksschulen in den ersten beiden Klassen als Schulversuch üblich. Für alle vier Jahre wäre es erstmalig: ?Prinzipiell sind wir aufgeschlossen, weil es in den Schulen neues Denken braucht. In vielen innovativen Schulen passiert gerade viel. In diesem Fall hängt aber sehr viel mehr dran", erklärt Haslwanter und spricht damit die Aufnahme in weiterführende Schulen an. Dort ist es die Note, die entscheidet, ob ein Kind ins Gymnasium oder eine speziell ausgerichtete Neue Mittelschule kommt oder nicht.

 

   Wie hitzig hier die Kämpfe mitunter sind, haben jüngste Debatten rund um Notendruck und Aufnahme in Innsbrucker Gymnasien gezeigt. ?Viele Eltern hätten nichts gegen vier Jahre ohne Noten, aber dann muss das ganze System geändert werden und nicht nur einzelne Schulversuche starten. Wie bitteschön soll eine AHS eine alternative Beurteilung in eine Note umrechnen? Wie werden diese Kinder gereiht?", sagt Gerald Entremont, Vater eines Schülers an der VS Innere Stadt und Elternsprecher am Gymnasium Adolf Pichler Platz. Ob es in Tirol Schulversuche dieser Art geben wird, ist offen, momentan sei alles im Laufen, werde abgeklärt, auch dahingehend, ob es parallel zur Ziffernnote eine verbale Beurteilung geben soll: ?Allerdings wäre dies nicht im Sinne des Erfinders", meint Schulinspektor Haslwanter, zuständig für die Bildungsregion Innsbruck-Stadt. Österreichweit gesehen gibt es einen Trend zur alternativen Beurteilung. Rund 2500 Schulversuche sind diesbezüglich im Bildungsministerium gemeldet. Es sei angedacht, so heißt es aus dem Büro von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die ersten beiden Jahre Alternativ-Beurteilung als Schulversuch zu streichen und im Rahmen der Schulautonomie ins Regelschulwesen fix aufzunehmen. Heinisch-Hosek wäre dafür, in dritten Klassen die Ziffernnote durch eine verbale Beurteilung zu ergänzen. An mehr sei momentan nicht gedacht. Der Rest bleibt ein Versuch, für den es u.a. eine Mehrheit im Schulforum braucht. Landesschulrätin Beate Palfrader wollte dazu gestern keine Stellungnahme abgeben.

 

 

"Österreich" vom 04.06.2015                                   Seite 8

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, CityWien

 

Eltern machen gegen das Gendern mobil

 

Umfrage: 87 Prozent wollen keine gegenderten Schulbücher

 

Elternvereine starten die Initiative "GeGendern" gegen gegenderte Schulbücher.

 

Wien. Schlechte Nachrichten für Bildungs-und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Österreichs (BEV) probt nun den Aufstand gegen Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache. Die aufgebrachten Eltern starten morgen die Initiative "GeGendern". Damit wollen sie sich gegen das Gendern in Schulbücher starkmachen.

 

Lugar ist dabei. Denn eine Umfrage, die der BEV zitiert, habe gezeigt, dass 87 Prozent der 23.000 befragten Personen das Gendern in Schulbüchern ablehnen.

 

Unterstützung erhalten die Eltern unter anderem von Team-Stronach-Politiker Robert Lugar. Er wird bei der morgigen Präsentation der Anti-Gender-Initiative dabei sein. Aus dem Bildungsministerium gab es vorerst keine Reaktion dazu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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