Freitag, 5. Juni 2015

2015.06.05: Bildung

APA0289 II, XI 05.06.2015 12:49:03

 

Elternvertreter führen Kampf gegen Gendern in Schulbüchern weiter

Utl.: "Wir wollen nicht, dass hier Gehirnwäsche durchgeführt wird, um eine Ideologie durchzusetzen"

Schule/Elternvertretung/Sprache/Österreich

Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV) führt seinen Kampf gegen gegenderte Schulbücher weiter. Trotz extrem positiver öffentlicher Resonanz auf die im Jänner geäußerten Anliegen der Eltern leiste man im Bildungsministerium "passiven Widerstand", so BEV-Präsident Theodor Saverschel bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien.

Aus diesem Grund startete der BEV die Initiative "GeGendern - Gegen Gendern in Schulbüchern", an der sich auch Pädagogen, Schriftsteller, Sprachwissenschafter beteiligen. Politische Unterstützung kommt vom Bildungssprecher des Team Stronach, Robert Lugar.

Seit 2012 gibt es einen Leitfaden des Bildungsministeriums, wie Schulbücher verfasst sein sollen. Darin heißt es, dass in Sprachlehrbüchern grundsätzlich die "vollständigen Paarformen" gelehrt werden sollen (männliche und weibliche Form - entweder durch "und" oder durch Schrägstrich verbunden z.B.: Schüler und Schülerinnen bzw. Schüler/Schülerinnen), ab der Oberstufe sollen dann auch die "Sparschreibungen" thematisiert werden (Schrägstrich innerhalb eines Wortes: "Schüler/innen" oder etwa Binnen-I: "SchülerInnen"). In anderen Schulbüchern "können die in der Öffentlichkeit üblichen Formen der geschlechtergerechten Schreibweise verwendet werden, wobei auf Verständlichkeit, Lesbarkeit und Sprachrichtigkeit zu achten ist". Approbiert werden nur Schulbücher, die geschlechtsneutral verfasst sind.

Hier hakt Saverschel ein: Diese Praxis müsse geändert und auch nicht-gegenderte Schulbücher wieder zugelassen werden. "Wir wollen nicht, dass hier Gehirnwäsche durchgeführt wird, um eine Ideologie durchzusetzen." Das habe man in Österreich schon einmal gehabt, und es gebe auch heute noch Länder, wo dies an der Tagesordnung stehe: "Glauben Sie mir: In diesen Ländern wollen Sie nicht leben."

Der Deutsch-Lehrer und Autor Tomas Kubelik führte mehrere Argumente an. "Gegenderte Schulbücher behindern eindeutig sinnerfassendes Lesen, anstelle es zu fördern. Die Texte sind nicht mehr sinnvoll laut vorlesbar." Und: "Gegenderte Texte sind schwerfällig, hässlich und manchmal gar missverständlich." Außerdem führe exzessives Gendern zu einer "unnötigen Sexualisierung der Sprache" - bei Durchsagen wie "Achtung Autofahrer, es kommt Ihnen ein Geisterfahrer entgegen" gehe es etwa nicht um Geschlecht, sondern eine anderweitige Information und zudem um wichtige Sekunden, die durch Gendern verloren gingen. Auch das Argument, dass Frauen durch ausschließlich männliche Formen sich nicht mitgemeint fühlen würden, verfängt für ihn nicht: "Wenn ich in meiner Klasse danach frage, wie viele Einwohner Österreich hat, habe ich noch nie gehört: Vier Millionen."

Der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Gerhard Ruiss, sah es differenzierter. Persönlich sei er "ein radikaler Gegner des Binnen-I", setze aber auf ausgeschriebene weibliche Formen, in seinen Gedichten wiederum verwende er durchgehend Kleinschreibung.

Das gehe unter anderem deshalb, weil es in diesem Bereich keine gesetzlichen Vorgaben gebe, so Ruiss - in zwei Bereichen existierten diese aber: In der Schule und im Amtsbereich. Verbindlich dafür seien die Schreibweisen im Österreichischen Wörterbuch (ÖWB) - und dort fänden sich Dinge wie Gender Gap oder Binnen-I nicht.

Weiteres Problem: "Gendern ist so ein Oberbegriff", meinte Ruiss. Schulbücher seien dazu angehalten, geschlechtergerechte Sprache abzubilden - welche der vielen Varianten wie Binnen-I, Gender Gap etc. nun in Gebrauch seien, sei aber schwer zu sagen. Klar sei auch: "In der größten Öffentlichkeit sind sie nicht in Gebrauch - in den Printmedien." Gleiches gelte für das Amtsblatt der EU.

Außerdem hielten sich viele Schulbücher selbst nicht an die derzeitigen Vorgaben. So fänden sich Sparschreibungen etwa auch in Unterstufen-Büchern: "Die Vorgaben werden offenbar sehr variantenreich eingehalten", so Ruiss: "Das ist nicht die Rolle, die Schulbücher spielen sollten." Er habe aber auch kein Problem damit, etwaige Regeln zu ändern - derzeit gebe es aber eben keinen einheitlichen gendergerechten Sprachgebrauch, den Schulbücher nachzeichnen könnten. Besser wäre es ohnehin, die in Schulbüchern offenbar festgeschriebenen Rollen von Frauen zu ändern: "Dann gibt es dort eben die Atomphysikerin." Wenn man dies in den Vordergrund rücke, brauche man keine neuen Satzzeichen oder Großschreibungen mitten in Wörtern einzuführen.

Lugar will eine parlamentarische Initiative dafür starten, dass die Genderung von Schulbüchern keine Voraussetzung für deren Zulassung mehr ist. Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) warf er vor, "mit der Brechstange zu agieren": "Sie glaubt, Frauenpolitik machen zu müssen, die feministische Politik ist und Bildung und Schule in Geiselhaft nimmt."

(schluss) aku;cm;pm

OTS0102 II 05.06.2015 12:45:18

 

BMBF: Sprachliche Gleichstellung in allen Bereichen – auch in Schulbüchern!

Bildung/BMBF/Gender/Schulbücher

Das Bundesministerium für Bildung und Frauen setzt sich für eine sprachliche Gleichbehandlung von Mädchen und Buben bzw. Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen ein. Das gilt auch für die Schulen und den Unterricht.

"Es ist ein großes Anliegen des Ressorts, dass Schülerinnen und Schülern von Beginn an die Potenziale einer geschlechtergerechten und diskriminierungsfreien Gesellschaft näher gebracht werden und sie Vielfalt als Chance begreifen. Das beinhaltet auch eine geschlechtergerechte Sprache", so MMag.a Susanne Preuer, Sprecherin des BMBF. "Denn Sprache schafft Wirklichkeit und gendergerechte Sprache und Lesbarkeit schließen einander nicht aus."

Seit 1995 gilt der Grundsatzerlass zum Unterrichtsprinzip "Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern", das seither sukzessive in die Lehrpläne integriert wurde. Das Unterrichtsprinzip soll unter anderem dazu beitragen, alle im Bereich tätigen Personen zu motivieren, Fragen der Gleichstellung der Geschlechter verstärkt in den Lehrinhalten der Lehrpläne, im Unterricht, in den Schulbüchern und sonstigen in Verwendung stehenden Unterrichtsmitteln zu berücksichtigen sowie die Diskussion an den Schulen über dieses Thema zu intensivieren. Das Unterrichtsprinzip entspricht auch zwei dementsprechenden Entschließungen des Nationalrates aus 1985 und 1988.

Im Jahr 2002 wurde die Notwendigkeit zur Umsetzung der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern im gesamten Bereich des Ressorts mittels Rundschreiben bekannt gemacht. Dieses Rundschreiben ist nach wie vor in Kraft und verpflichtet die nachgeordneten Dienststellen (Landesschulräte, Schulen, Pädagogischen Hochschulen) und alle Bediensteten zu den angeführten Maßnahmen.

Für die Approbation von Schulbüchern durch eine Gutachter/innenkommission ist Gleichbehandlung von Frauen und Männern und die Erziehung zur partnerschaftlichen Gestaltung der gesellschaftlichen Entwicklungen deshalb ein Grundsatz und wichtiges Kriterium. Daher werden nur jene Schulbücher genehmigt, die Genderaspekte ausreichend berücksichtigen.

Auch im Rahmen des Nationalen Aktionsplans "Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt" hat sich das BMBF unter anderem mit dem Thema "Gendergerechte Darstellung der Inhalte in Schulbüchern" auseinandergesetzt. 2012 wurde daher der "Leitfaden zur Darstellung von Frauen und Männern in Unterrichtsmitteln" auf Basis einer "Analyse von Schulbüchern für die Volksschule im Hinblick auf geschlechterspezifische Aspekte" aktualisiert und als Druck- und Internetversion zur Verfügung gestellt.

Rückfragehinweis:
BM für Bildung und Frauen
MMag.a Susanne Preuer
Sprecherin des BMBF
01-53120/4305
Susanne.preuer@bmbf.gv.at
www.bmbf.gv.at



Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/4920/aom

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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