Sonntag, 7. Juni 2015

2015.06.08: Newsletter Bildung

ORF – 8. Juni 2015

 

Vier Prozent bei schriftlicher Mathematura durchgefallen

Das Bildungsministerium hat gestern die Ergebnisse der Zentralmatura inklusive der Kompensationsprüfungen vorgelegt. Laut den der APA vorliegenden Daten sind im Fach Mathematik 4,1 Prozent der Schüler durchgefallen. Vor den Kompensationsprüfungen betrug der Anteil der Durchgefallenen in diesem Fach noch 10,5 Prozent.

2,6 Prozent fielen endgültig im Fach Englisch durch, 0,6 Prozent in Deutsch. Vor den Kompensationsprüfungen waren in Englisch sechs Prozent negativ beurteilt, in Deutsch drei Prozent. Die (mündlichen) Kompensationsprüfungen ersetzen die bisherige Möglichkeit, sich eine negative Klausurnote auszubessern; bisher fand das im Rahmen der mündlichen Reifeprüfung statt.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern

„Die Kompensationsprüfungen sind reibungslos über die Bühne gegangen. Der Großteil der betroffenen Maturantinnen und Maturanten hat die Chance erfolgreich genutzt und kann sich jetzt in aller Ruhe auf die mündliche Matura vorbereiten“, sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren in den Fächern Englisch und Mathematik zu bemerken. In Englisch fielen 1,6 Prozent der Burschen und 3,3 Prozent der Mädchen durch. Auch in Mathematik wiesen die Burschen mit 3,2 Prozent etwas weniger Durchgefallene auf als die Mädchen (4,8 Prozent). In Deutsch war die Durchfallquote mit 0,6 Prozent bei beiden Geschlechtern gleich hoch.

 

 

"Die Presse" vom 08.06.2015                               Seite: 13

Ressort: Rechtspanorama

 

DP

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Verpflichtendes Gendern verfassungswidrig?

 

   Schriftliche Prüfungen. Diverse Bildungseinrichtungen bewerten nur solche Arbeiten positiv, die gendergerecht verfasst sind. Eine taugliche Rechtsgrundlage fehlt - Willkür steht im Raum, Privatsphäre und Meinungsfreiheit stehen auf dem Spiel.

 

   Von Werner Doralt

 

   Wien. Nach einer parlamentarischen Anfragebeantwortung ist an einzelnen Fachhochschulen gendergerechtes Formulieren Voraussetzung für eine positive Note. (Siehe "Die Presse" vom 30. Mai). Beim Gendern geht es längst nicht mehr nur darum, wie ein Autor seinen Text gestaltet; der "Kampf ums Gendern" geht heute bereits so weit, dass man den Studenten, ja sogar den Kindern in der Schule, das Gendern zur Pflicht macht. Dabei ist es - täglich in den Medien nachprüfbar - nicht einmal allgemeiner Standard, der hier eine gesellschaftliche Linie vorgeben könnte oder als Fundament einer gemeinsamen Sprache den Maßstab setzt. Ganz im Gegenteil ist es eine kleine Minderheit, die ihre eigene Freiheit dazu missbraucht, um jenen, über die sie die Macht hat, ihren eigenen Willen, ihre eigene Ideologie aufzuzwingen. Studenten, ja sogar Schüler, sollen nicht mehr selbst entscheiden dürfen, wie sie schreiben; bei Androhung schlechterer Noten wird ihnen dieses höchstpersönliche Recht verweigert.

 

   Das Gendern wird zur Machtdemonstration gegen den Schwächeren, der sich nicht wehren kann. Nach Rechtsgrundlagen dafür sucht man freilich vergeblich.

 

   So berichteten bereits im vergangenen Oktober einzelne Medien, dass an den pädagogischen Hochschulen die Studenten gezwungen werden, Bachelor-Arbeiten "geschlechtergerecht zu formulieren". Dabei entscheidet die einzelne Hochschule, ob als "Sanktion eine schlechtere Note droht oder die Arbeit zurückgewiesen wird", und das nach reiner Willkür, jede Hochschule, wie es ihr gerade passt. An der FH des bfi Wien wird der Verfasser einer nicht gendergerecht formulierten Arbeit zunächst aufgefordert, die Arbeit zu korrigieren; weigert er sich, wird die Arbeit endgültig zurückgewiesen.

 

   Seltsame Freiheit der Lehre

 

   An der FH Vorarlberg entscheidet sogar der einzelne Lehrveranstaltungsleiter, ob er "Gendern als Beurteilungskriterium" heranzieht. Das entspreche der "Freiheit der Lehre", heißt es dort. - Es wäre "vermessen, a priori zu sagen, dass das nicht in Ordnung ist", rechtfertigt sich der Rektor. - Interessant, was man an Fachhochschulen als "Freiheit der Lehre" versteht.

 

   Bisher hieß es, "Freiheit der Lehre" sei die Freiheit, seine Lehrmeinung frei zu äußern. An den Fachhochschulen dagegen versteht man darunter die Lizenz zur Willkür in der Notengebung.

 

   Selbst Kinder in den Schulen dürfen nicht mehr schreiben, wie sie wollen. Bei der Matura, in den vorwissenschaftlichen Arbeiten, gibt es zwar "keine generelle Verpflichtung" zu gendern, doch bleibt der Umgang mit dem Thema "den Schulen überlassen". So ist jedenfalls die Meinung im Bildungsministerium ("Die Presse" vom 13. Jänner 2015), Willkür also von oben genehmigt: Am Gymnasium Feldkirch ist - als aktuelles Beispiel - "geschlechterneutrale Form" vorgeschrieben. Statt "Lehrerinnen und Lehrer" muss es heißen "Lehrkörper" oder "Lehrpersonal". Gendern also um den Preis der Vergewaltigung der Sprache, Fanatismus zum Exzess bereits auf dem Rücken der Schüler.

 

   Vorsichtiger scheint man an der Universität Wien zu sein: Zunächst hieß es, dass auch hier der einzelne Lehrveranstaltungsleiter "die Kriterien der Beurteilung festlegen" könne, bei fehlendem Gendern sei eine schlechtere Beurteilung "zumindest nicht verboten", doch wollte die Vizerektorin auf Nachfrage das so nicht bestätigen. Zu Recht, und damit kommen wir auf den Punkt; denn für ein verpflichtendes Gendern bei schriftlichen Prüfungen gibt es keine Rechtsgrundlage. Weder dem Universitätsgesetz noch dem Hochschulgesetz ist eine entsprechende Regelung zu entnehmen, Prüfungsordnungen haben bloß "generelle Beurteilungskriterien" festzusetzen (§ 43 HG).

 

   Auch soweit an pädagogischen Hochschulen didaktische oder soziale Kompetenz nachgefragt wird, können das Binnen-I, zerhackte oder aufgeblähte Sätze dafür kein geeigneter Nachweis sein. Bei schriftlichen Prüfungen geht es um die Qualität der Arbeit, daher kann Gendern nie ein zulässiges Beurteilungskriterium sein, mit einer einzigen Ausnahme, wenn das Gendern selbst Lehrinhalt gewesen wäre (z. B. "Wie gendere ich richtig"). Es einer Studienkommission oder gar dem einzelnen Lehrveranstaltungsleiter zu überlassen, "nach eigenem Ermessen", also nach Gutdünken, dem Studenten Gendern vorzuschreiben, obwohl es dafür keine verbindliche Schriftsprache gibt, begründet Willkür und wäre damit wohl verfassungswidrig. Immerhin ist auch der Versuch, Gendern in einer Ö-Norm festzulegen, bekanntlich gescheitert.

 

   Soweit man sich im Bildungsministerium dazu auf einen Ministerratsbeschluss beruft, mag es zulässig sein, den Behörden vorzuschreiben, im internen Schriftverkehr zu gendern; im höchstpersönlichen Bereich des sprachlichen Ausdrucks des Einzelnen geht es dagegen um das verfassungsrechtlich gewährleistete Recht auf freie Meinungsäußerung und um den Schutz der Privatsphäre (Recht auf individuellen Lebensstil).

 

   Schriftliche Arbeiten sind - von Ausnahmen abgesehen - in deutscher Sprache abzufassen. Weder eine Studienkommission noch die einzelne Lehrkraft hat aber die Legitimation, über die deutsche Sprache eigene Vorschriften zu erlassen, und noch weniger haben sie das Recht, Gendern verbindlich zum Inhalt der deutschen Sprache zu erklären. Nichts anderes ist es aber, wenn sogar eine Schule ihren Schülern Gendern zur Pflicht macht. An den Hochschulen wird damit auch das gesetzlich gewährleistete Recht auf Lernfreiheit verletzt.

 

   Im Wissenschaftsministerium bestätigt man denn auch, dass sich Studenten wiederholt wegen derartiger Übergriffe beschweren.

 

   "Rechtsanwält/e/innen"

 

   Die Willkür beschränkt sich allerdings nicht auf die Frage, ob Gendern als Beurteilungskriterium zur Pflicht gemacht werden darf. Willkür droht auch dann, wenn z. B. eine Professorin in ihren eigenen Publikationen von "Notar/e/innen" und "Rechtsanwält/e/innen" schreibt und damit dokumentiert, dass Aktionismus ihr wichtiger ist, als verständlich zu schreiben. Wer sich solcherart outet, gerät rasch in Verdacht, gegenderte Arbeiten mit größerem Wohlwollen zu beurteilen als nichtgegenderte Arbeiten. Das Problem bleibt dasselbe: Ob nämlich Gendern zur Pflicht gemacht wird oder aber stillschweigend belohnt wird, beides begründet gleichermaßen Willkür.

 

   Dass der Nachweis für unsachliche Beurteilungskriterien schwer zu erbringen ist, macht die Sache nicht besser. Heikel ist freilich die Durchsetzung: Es fehlt eine Rechtsgrundlage, die Verfassungswidrigkeit willkürlicher Beurteilungskriterien vom Verfassungsgerichtshof vorweg prüfen zu lassen. Erst die schlechtere Note oder die zurückgewiesene Arbeit eröffnet den Rechtsweg. Umso größer ist die Verantwortung der Prüfer: Weder das Binnen-I noch zerhackte oder aufgeblähte Sätze entsprechen dem herrschenden Niveau der deutschen Sprache. Selbst wenn man den Studenten und Schülern das Gendern an der Universität und den Schulen aufzwingt, werden sie außerhalb der Universität und außerhalb der Schule ihrem "normalen Sprachgefühl" folgen.

 

   Nicht Sätze wie "Mein/Meine Vater/Mutter ist Arzt/Ärztin" werden die überholten Rollenbilder gendergerecht aufbrechen, sondern nur die Inhalte wie "Meine Mutter ist Ärztin, mein Vater ist Krankenpfleger". Uns darauf zu verständigen wird eher zu einem geschlechtergerechten Rollenverständnis beitragen als unter Strafdrohung abgepresste gegenderte Prüfungsarbeiten.

 

   Em. Univ.-Prof. Werner Doralt war Vorstand des Instituts für Finanzrecht der Uni Wien.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 129 vom 08.06.2015             Seite: 10

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Taferlklassler lernen mit dem iPad

 

   Barbara Zuliani hat vor fünf Jahren die erste iPad-Klasse an einer Volksschule eingeführt. 2015 darf sie sich dafür „Lehrerin des Jahres“ nennen. Am Ziel ist die Wienerin noch lang nicht.

 

   Alexandra Parragh Wie an vielen Schulen gilt auch an der Volksschule Breitenlee im 22. Bezirk in Wien ein Handyverbot. Das hindert die Schüler der 3b aber nicht daran, im Unterricht ihre Tablets hervorzuziehen, im Gegenteil. Das verlangt ihre Lehrerin Barbara Zuliani von ihnen sogar. Österreichs erste iPad-Lehrerin setzt Tablets ebenso selbstverständlich im Unterricht ein wie Tafel, Kreide, Bücher und Hefte. Seit mittlerweile fünf Jahren ist das so. Nun hat nicht nur die Wiener Gesellschaft für Bildungspolitik und Schulmanagement Zuliani für ihr Engagement zur „besten Lehrerin des Jahres 2015“ gekürt. Vergangene Woche bekam sie auch noch den Medienpreis der Stadt Wien verliehen.

 

   Dabei wollte Zuliani ursprünglich gar nicht Volksschullehrerin werden, sondern Konzertmusikerin. Die Wienerin hatte das Musikgymnasium in Wien besucht und am hiesigen Konservatorium Violine und Viola im Hauptfach sowie Klavier im Nebenfach studiert. Doch dann brachte Zuliani ihre drei Kinder zur Welt und mit ihnen kam die „Heidenangst“ davor, keinen Job zu finden. „Hausfrau allein zu sein, das war mir zu wenig. Deshalb habe ich 1997 im zweiten Bildungsweg an der Pädagogischen Hochschule zu studieren begonnen und alles belegt, was geht“, erzählt sie.

 

   In ihrem Fall bedeutet das: Volksschullehramt mit den Schwerpunkten Freizeit- und Reformpädagogik, Turnen, Zeichnen und Musik. Und zusätzlich noch die Spezialisierung in Informatik, die theoretisch nur für angehende Hauptschullehrer angeboten wurde. Zuliani wählte so, weil sie Computer faszinierten, aber auch um sich von der Konkurrenz abzuheben. Im Gegensatz zu heute, wo es einen Lehrermangel gibt, klagte man Ende der 1990er-Jahre über viel zu viele Lehrer. Direkt nach ihrer Ausbildung fing Zuliani an der Volksschule Breitenlee an.

 

   Schon als Berufsanfängerin kam Zuliani die Idee, den PC im Unterricht einzubinden. Doch die Umsetzung scheiterte in den ersten Jahren an den wenigen Geräten und der langsamen Internetverbindung. Ihr erstes computerunterstütztes Projekt – das Apfel-Zitronen-Projekt – beschränkte sich auf das Erstellen einer Excel-Tabelle. „Unsere Schule liegt an einer relativ stark befahrenen Straße, in der Autofahrer gern zu schnell fahren. An sie haben meine Schüler Zitronen oder Äpfel verteilt, je nachdem, ob sie zu schnell waren oder nicht. Wie viele das waren, haben wir dann erfasst und ausgewertet“, erzählt sie. Zuliani merkte, wie viel Spaß den Kindern das Arbeiten mit dem Computer machte. 2009 richtete sie einen Weblog im Internet für ihre Klasse ein, auf dem Lehrer, Eltern und Schüler Beiträge verfassen konnten. 2010 wurde die Wienerin von Apple zu einer Schulung nach London eingeladen, um das Konzept der „Steve-Jobs-Schulen“ kennenzulernen, die es mittlerweile beispielsweise in den Niederlanden gibt. Die Lehrer an diesen Schulen heißen Coaches, der Unterricht Workshop, die Klassenräume Atelier und die Schulbücher iPad. Unterrichtet wird in Kleingruppen, wobei die Coaches dank der verschiedenen Lernprogramme, der Apps, auf jedes Kind einzeln eingehen können. „Sogar eigene Apps zur Inklusion lernschwacher und behinderter Kinder gibt es“, erzählt Zuliani begeistert.

 

   Ihre ersten fünf iPads waren Leihgaben. Die nächsten 23 finanzierte sie über die Crowdfunding-Plattform Netidee, die Geld für innovative Internetprojekte sammelt. Heute stehen Zuliani 28 iPads und zwölf Sony-Tablets zur Verfügung. Seitdem die Geräte versichert sind, dürfen sie die Schüler in den Ferien und an den Wochenenden mit nach Hause nehmen. „Uns ist noch kein einziges Tablet kaputtgegangen“, sagt Zuliani stolz.

 

   Doch wie läuft iPad-Unterricht ab? Ein Blick auf Zulianis Webseite www.teachdifferent.at gibt Einblicke. Darauf ist etwa ein E-Book zum Thema Kinderrechte zu sehen – eines von vielen, das ihre Schüler selbst gestaltet haben. Auch zahlreiche Videos gibt es, etwa eines über die Aufführung des iPad-Orchesters, das die 3b für das Projekt „Connected Kids“ ins Leben rief. Statt mit echten Instrumenten musizieren die Schüler dabei mit ihren iPads. Am aufschlussreichsten, was vernetzten Unterricht ausmacht, ist aber ihr Kurzfilm „Revolution im Klassenzimmer“. Statt sturen Auswendiglernens und strengen Diktats stehen Filmdrehen, Fotoschießen und Gruppenarbeit auf dem Stundenplan.

 

   Nur eines zeigen die Schüler in ihren Beiträgen nicht: wie viel Arbeit in der Vorbereitung dieser modernen Form des Unterrichts steckt. Lehrerin Zuliani seufzt, wenn man sie fragt, wie viele Stunden sie nach den passenden Programmen und Apps gesucht hat. Als sie mit ihrer iPad-Klasse vor fünf Jahren begann, gab es kaum E-Learning-Unterrichtsmaterial für Volksschulen. Zuliani musste sich ihr Wissen selbst erarbeiten. Dass es mittlerweile Kriterien für die Vermittlung von Medienkompetenz an Volksschulen gibt, ist ihr und anderen Pionieren zu verdanken. Drei wissenschaftliche Arbeiten zum Thema „Einsatz von iPads in Volksschulen“ verfasste Zuliani bereits, eine vierte ist gerade in Arbeit.

 

   Ihr Traum? „Dass Medienbildung an den Schulen genauso selbstverständlich ist, wie Schreiben, Lesen und Rechnen zu lernen“, sagt sie.

 

 

Die Presse – 8. Juni 2015

 

 

Karmasin: Kindergartenpflicht für alle Vierjährigen

Auch vierjährige Kinder sollen ab Herbst 2016 halbtags verpflichtend in den Kindergarten gehen. Dieser soll dafür flächendeckend kostenlos sein.

Wien. Auch vierjährige Kinder sollen künftig verpflichtend in den Kindergarten gehen. Dafür soll der Besuch des Kindergartens für Vierjährige – zumindest halbtags – in ganz Österreich kostenlos sein. Mit dieser Ankündigung geht Familienministerin Sophie Karmasin (auf einem ÖVP-Regierungsticket) in die heute, Montag, startenden Verhandlungen mit den Ländern, bei denen es um die weitere Finanzierung des kostenlosen Kindergartenjahres für die Fünfjährigen geht.

Karmasins Entwurf sieht vor, dass der verpflichtende, kostenlose Kindergartenbesuch ab Herbst 2016 auch für alle Vierjährigen gilt. Derzeit müssen alle fünfjährigen Kinder an mindestens vier Tagen der Woche im Ausmaß von 16 bis 20 Stunden einen Kindergarten besuchen, dies soll künftig auch für die Vierjährigen gelten. Die Kinderbetreuung ist an sich Ländersache, allerdings schießt der Bund – unter anderem für das kostenlose Pflichtkindergartenjahr – Geld zu, insgesamt 70 Millionen Euro pro Jahr. Diese Vereinbarung läuft aus und wird nun neu verhandelt.

„Eltern nicht komplett bevormunden“

Anlass für die Ministerin, die Ausweitung auf die Vierjährigen in Angriff zu nehmen. Aktuelle Studien würden zeigen, dass der Besuch von frühkindlichen Bildungseinrichtungen die Startchancen in der Schule verbessere, so Karmasin. Im Fokus steht dabei, mangelnde Deutschkenntnisse auszugleichen. Man wolle jene erreichen, „die Sprachentwicklungsbedarf haben“. Dabei gehe es „nicht um die Frage: Ausländer ja oder nein“, sagt die Ministerin. Etwa die Hälfte jener Kinder mit Förderbedarf hätten einen österreichischen Hintergrund. Die Kindergartenpflicht zu umgehen, dürfte aber nicht allzu schwer sein. Zwar drohen bei Verstößen verwaltungsstrafrechtliche Sanktionen. Der Entwurf sieht allerdings Schlupflöcher für Eltern vor: Wie schon bei Fünfjährigen gelten medizinische Gründe und weite Wege als Ausnahme. Neu dazu kommt für Vierjährige, dass sie auch bei Tageseltern betreut werden können oder auch zuhause, sofern gewisse Bildungsaufgaben erfüllt werden und die Sprachstandsfeststellung keinen Förderbedarf ergeben hat. „Wir wollen die Eltern nicht komplett bevormunden“, sagt Karmasin. Sie rechnet nicht damit, dass viele von den Ausnahmen Gebrauch machen.

Denn derzeit werden ohnehin schon 94 Prozent der Vierjährigen in Einrichtungen betreut. Ein zusätzlicher Anreiz soll auch sein, dass für den halbtägigen Kindergartenbesuch der Vierjährigen nichts bezahlt werden muss – in der Steiermark, in Kärnten, Salzburg und Vorarlberg ist das nämlich noch nicht grundsätzlich gratis. Eltern würden sich im Schnitt laut Karmasin 1.500 Euro im Jahr sparen.

Bei den Verhandlungen geht es wie bisher um 70 Millionen Euro Bundesgeld pro (Kindergarten-)Jahr, die Vereinbarung soll für 2015/2016 und 2016/2017 gelten. Aus dem einen oder anderen Bundesland war im Vorfeld allerdings schon der Ruf nach einer Valorisierung der Mittel gekommen. Dem dürfte Karmasin nicht nachkommen: Mit den Millionen für den Ausbau der Kinderbetreuung und für die Sprachförderung investiere der Bund ohnehin sehr viel Geld in eine Sache, für die eigentlich die Länder verantwortlich seien.

 

 

"Österreich" vom 08.06.2015                                   Seite 7

Ressort: Politik

 

Wien, CityNÖ, Niederösterreich, Burgenland, CityWien, Oberösterreich

 

POLITIK IN KÜRZE

 

Mit Nachzipf: Bessere Mathe-Matura

 

Wien. Die Kompensationsprüfungen ("Nachzipf") haben so manchen Maturanten gerettet - das ergeben die aktualisierten Ergebnisse für die schriftlichen Klausuren der Zentralmatura. Vor allem in Mathematik konnte sich ein Großteil der Fünfer-Kandidaten verbessern. Waren es vor den Kompensationsprüfungen noch 10,5 Prozent, die negativ waren, sind es jetzt nur mehr 4,1 Prozent. Durchgefallen. In Englisch sind jetzt 2,6 Prozent endgültig durchgefallen, davor waren es 6 Prozent gewesen. In Deutsch hat man nur mehr 0,6 Prozent Fünfer statt 3 Prozent. Heute will Ministerin Heinisch-Hosek ihre Reformpläne für das umstrittene Pleiten-Bildungsinstitut "Bifie" präsentieren.

 

 

"Österreich" vom 08.06.2015                                   Seite 7

Ressort: Politik

 

Wien, CityNÖ, Niederösterreich, Burgenland, CityWien, Oberösterreich

 

gratis-Kindergarten wird ausgeweitet

 

Kindergarten: Pflicht schon für Vierjährige

 

Eine frühere Förderung soll Sprach- und Entwicklungsprobleme ausbessern helfen.

 

Wien. Die Regierung will die Kindergartenpflicht auf Vierjährige ausweiten. Heute starten Verhandlungen der Länder mit Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP). Damit der Kindergarten für Vierjährige gratis angeboten werden kann, schießt der Bund den Ländern das Geld zu. Mit zwei statt bisher einem Pflichtjahr will die Regierung Sprachmängel der Kinder verhindern.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 08.06.2015                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Abend, Bgld, Ktn, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi

 

Verpflichtend in den Kindergarten – das soll künftig auch für...

 

   Verpflichtend in den Kindergarten – das soll künftig auch für Vierjährige gelten. Das Angebot soll gratis sein und Sprachdefizite möglichst früh ausmerzen, so Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP). Zustimmung für diesen Vorstoß kommt von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Der Entwurf sieht jedoch einige Schlupflöcher für die Eltern vor – am Montag starten die Verhandlungen mit den Ländern.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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