Freitag, 12. Juni 2015

2015.06.12: Newsletter Bildung

Der Presse – 12. Juni 2015

 

 

Industrie kritisiert "reine Erfüllung der Schulpflicht"

Das "Poly" soll ein Bestandteil der Berufsschule werden, fordert die Industriellenvereinigung. Bei den BMS müsse man schauen, welche sinnvoll seien und welche nicht.

Wie gut ist das Bildungssystem für Jugendliche ab 14 Jahre? Die Industriellenvereinigung (IV) ortet hier vor allem bei den berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) und Polytechnischen Schulen Handlungsbedarf. Gerade im "Poly" gehe es mancherorts nur darum, die "Schulpflicht abzusitzen", so IV-Präsident Georg Kapsch am Donnerstag. Das Feld der BMS brauche eine Gesamtevaluation.

"Poly" in der derzeitigen Form abschaffen

Das Problem der reinen Erfüllung der Schulpflicht in der 9. Schulstufe betreffe vor allem die Polytechnische Schule, obwohl auch an anderen Schulformen manche Schüler dieses Jahr einfach absitzen würden, so Kapsch bei der Präsentation des letzten Teils der Bildungsstrategie der IV zur "Spezialisierungsphase" in Wien. Geht es nach den Vorstellungen der Industrie, soll das "Poly" zu einer tatsächlichen Vorbereitung auf die Lehre und zum Bestandteil der Berufsschule werden.

BMS: Auch "Lehrgänge auslaufen lassen"

Eine "exakte Untersuchung" brauche es bei den BMS: Diese wiesen die höchsten Drop-out-Quoten jenseits der 40 Prozent auf. Es zeige sich, dass in dieser Schulform sehr unterschiedliche Niveaus erreicht werden, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Im sozialen Bereich seien die BMS etwa gut und anerkannt, während manche Handelsschulen zu "Sammelbecken" geworden seien, wie Kapsch ergänzte. Nach einer eingehenden Prüfung könnte man auch "Lehrgänge auslaufen lassen", so Neumayer.

Als internationales Erfolgsmodell bezeichnete der Generalsekretär hingegen die duale Berufsausbildung, also die Lehre. Diese gelte es noch weiter aufzuwerten, etwa indem das Angebot für Lehre mit Matura ausgebaut wird.

Mehr Lehre nach der Matura

Aber auch auf den umgekehrten Weg, nämlich den Lehrabschluss nach der Matura, sollte vermehrt hingewiesen werden. Denn die Optionen für einen direkten beruflichen Einstieg nach der AHS-Reifeprüfung seien nicht immer gegeben. Insgesamt sollten Bildungswege in Österreich "durchlässiger" werden.

AHS: Mehr wirtschaftliches Grundverständnis

Der AHS-Oberstufe stellten Kapsch und Neumayer ein gutes Zeugnis aus. Ausbaufähig sei aber die Vermittlung von Wissen über Berufswege. Hier sollte vermehrt auf externe Berufs- und Bildungsberater gesetzt werden. Wirtschaftliches Grundverständnis werde an den AHS "kaum vermittelt". Mathematik und Naturwissenschaften sollten praxisrelevanter unterrichtet werden. So könnten sich später mehr AHS-Abgänger für ein naturwissenschaftlich-technisches Studium in einem der sogenannten MINT-Fächer interessieren.

Ähnlich positiv kommen auch die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) weg. Verbesserungen wären laut Neumayer aber möglich, etwa wenn Inhalte und Strukturen stärker mit Vertretern aus Industrie und Wirtschaft abgestimmt würden. Auch die Anerkennung von beispielsweise bereits an einer HTL "bewiesenen Kompetenzen und Lernergebnissen an Hochschulen" sei der IV ein Anliegen.

Kapsch erklärte, er habe das Gefühl, dass sich in der österreichischen Bildungslandschaft nun etwas bewege. Bis vor kurzem sei etwa unvorstellbar gewesen, dass sich mit Vorarlberg ein ÖVP-geführtes Bundesland zur Umsetzung der auch von der IV geforderten gemeinsamen Schule bis 14 bekennt. Auch das Thema "Schulautonomie" werde mittlerweile "anders diskutiert".

 

 

KATHPRESS-Tagesdienst Nr.134, 8. Juni 2015

 

 

Zsifkovics: Ohne Religionsunterricht keine ganzheitliche Bildung

Eisenstädter Bischof an Pädagogischer Hochschule: Wichtiger Beitrag zu Identitätsbildung, Dialogfähigkeit und Wertehaltung junger Menschen - Bloßer Ethikunterricht birgt Gefahren

 

Eisenstadt, 08.06.2015 (KAP) Der konfessionelle Religionsunterricht hat nach den Worten des burgenländischen Bischofs Ägidius Zsifkovics wichtige Bedeutung für die Identitätsbildung, die Dialogfähigkeit und auch die Wertehaltung junger Menschen. Er sei für ganzheitliche Bildung unverzichtbar, betonte er in einer Podiums-diskussion an der Pädagogischen Hochschule (PH) Burgenland. Ethikunterricht könne zwar ein Bildungskonzept sinnvoll erweitern, nicht aber den konfessionellen Religionsunterricht ersetzen. "Eine Art 'Religion light' ist nicht zielführend", so der Eisenstädter Bischof in einer Aussendung der Eisenstadt am Montag.

 

Das Nachdenken über den Sinn des eigenen Lebens gehöre zum Konzept allgemeiner Bildung. Ein konfessionell profilierter Religionsunterricht solle somit die Schüler "zu verantwortlichem Denken und Verhalten befähigen und zur Entwicklung einer gesprächsfähigen Identität beitragen", sagte Zsifkovics vor Studierenden der Hochschule im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Gegenwartsgespräch – Zukunfts-dialog". Die Initiative bringt Studierende und Lehrende der PH mit Persönlichkeiten des Landes aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kirche und Medien ins Gespräch, darunter bisher u.a. Landeshauptmann Hans Niessl und sein früherer Stellvertreter Franz Steindl, Superintendent Manfred Koch, Generalvikar Martin Korpitsch oder Arbeiterkammer-Direktor Thomas Lehner.

 

Für jene Schüler, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, sei Ethikunterricht durchaus eine sinnvolle Alternative für die Vermittlung grundlegender Wert- und Sinnhorizonte, so Zsifkovics. In alleiniger Form bringe er dennoch deutliche Grenzen und Gefahren mit sich, etwa jene des "Steckenbleibens im bloß Oberflächlichem", zudem müsse hinterfragt werden, wer für einen solchen Ethikunterricht die Parameter aufstellt und aus welchen Grundlagen diese geschöpft werden. Andererseits gebe es auch "berechtigte Zweifel", ob man "mit dem konfessionellen Religionsunterricht ganz alleine durchkommen" werde. Die Vermittlung und Darstellung anderer Religionen und Glaubensansprüche sei wesentlich für die Herausbildung einer "gesprächs-fähigen Identität" junger Menschen und müsse somit fixer Bestandteil eines jeden Lehrplans sein, betonte Bischof Zsifkovics. Zugleich sei er überzeugt, "dass wir auch selber unsere eigene Religion, unseren eigenen Standpunkt kennen müssen."

 

Angesprochen auf die im Burgenland entbrannte Debatte über das Morgengebet im Unterricht vertrat der Bischof den Standpunkt, es dürfe niemandem, der sich nicht davon an-gesprochen fühle, etwas aufgezwungen werden. Dennoch könne man respektvoll um einen Moment des Innewerdens, der Ruhe und des eigenen Nachdenkens bitten. Gehöre eine Mehrheit der Schüler etwa den christlichen Kirchen an, "dann glaube ich, sollte man bei diesem Gebet bleiben", so Zsifkovics.

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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