Dienstag, 16. Juni 2015

2015.06.16: Bildung

PULS 4 News Bildungsarena - 15.06.2015

 

 

PULS 4 - Bildungsarena: Mit Regierungsvertretern, Experten und Betroffenen, die sich den Fragen zur Zukunft der Bildung aus dem Publikum stellen. PULS 4-Infochefin Corinna Milborn und Top-Journalist Peter Rabl haken nach: Was sollen Kinder heutzutage lernen? Welche Schule braucht es? Wann beginnt die Bildung? Wie sieht die PädagogIn von morgen aus?

Gäste: 

  • Gabriele Heinisch-Hosek, Bildungsministerin, SPÖ
  • Harald Mahrer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, ÖVP
  • Georg Kapsch, Präsident, Industriellenvereinigung
  • Erika Tiefenbacher, Direktorin der Neuen Mittelschule Schopenhauerstraße


Moderation: Corinna Milborn, Peter Rabl

 

http://www.puls4.com/video/pro-und-contra/play/2795425

 

 

Die Presse – 16. Juni 2015

 

 

Aus für „aggressive“ Schulwerbung

Bildungsministerium gibt restriktivere Linie vor. Werbung müsse für Kinder „sofort“ als solche erkennbar sein.

Wien. Es ist eine rührende Geschichte für Kinder im Volksschulalter: Eine Schulanfängerin eröffnet für ihr erstes Taschengeld ein Jugendkonto und darf davon abheben, damit sich ein bedürftiger Mitschüler eine Jause kaufen kann. Dass Schulleiter dieses Büchlein einer Bank an ihre Schüler verteilen, soll nicht mehr passieren. Das Bildungsministerium gibt nach mehreren Gerichtsentscheiden jetzt eine restriktivere Linie vor, was Werbung in der Schule angeht.

Seit mittlerweile fast 20 Jahren ist Werbung in Schulen prinzipiell erlaubt. Während Konsumentenschützer beklagen, dass sich ein „lebendiger Werbemarkt“ entwickelt hat und dessen „Auswüchse“ mehrfach (erfolgreich) vor Gericht bekämpft haben, unterstreichen werbende Institutionen, dass Schulbudgets aufgebessert werden – ein Argument, dem auch Schulen mitunter etwas abgewinnen können.

Werbung als „Nötigung“

„Aggressive Geschäftspraktiken“ wie die obige sollen aber keinen Platz haben, stellt das Ministerium klar. Geschenke wie Mitteilungshefte voller Werbung, gegen die der VKI klagte, sind tabu: Werbung müsse für Kinder „sofort“ als solche erkennbar sein – und dürfe nicht als Schulutensil daherkommen. Auf den Umfang der Werbung komme es nicht an. Auch wird klargestellt, dass Lehrer keine solchen Materialien verteilen dürfen. Werbung im Unterricht – wie es Banken praktizierten, deren Mitarbeiter Vorträge hielten, zugleich aber ihre Konten anpriesen – sei gar als „Nötigung“ zu werten.

Auf eine thematische Einschränkung (neben Alkohol und Tabak) weist das Ressort in seinem Rundschreiben extra hin: Produkte, die „aus Ernährungsgründen problematisch“ sind, dürfen nicht beworben werden – genauso wie solche, die „unter ausbeuterischen Bedingungen“ hergestellt wurden.

 

 

Die Presse – 16. Juni 2015

 

 

Schluss mit Gendern?

Wer kann ein ernsthaftes Interesse daran haben, dass die Pädagogik der Gegenwart sich geschlechterbewusstlos verhält?

Martin Fischer  

Werner Doralt kritisiert im Rechtspanorama der „Presse“ (7.6.) verpflichtendes Gendern als möglicherweise verfassungswidrig und verteidigt das „Recht auf freie Meinungsäußerung“ und den „Schutz der Privatsphäre“ gegen die Willkür des Binnen-I und die „zerhackten und aufgeblähten Sätze“ des Genderns.

Man kann bezüglich der unterschiedlichen schriftlichen Varianten (Binnen-I etc.) geteilter Meinung sein. Doch darf auf keinen Fall auf der Strecke bleiben, worum es der Sache nach tatsächlich geht: um ein Geschlechterbewusstsein, das die Schieflagen im Verhältnis der Geschlechter wahrnimmt und dementsprechend zu handeln in der Lage ist.

Bewusstsein ist hier analog zu politischem Bewusstsein oder Gesundheitsbewusstsein zu verstehen. Es lässt sich auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Sprache ist dabei ein unabdingbares Mittel, das es zu beachten gilt. Denn Sprache spiegelt Bewusstsein und Haltung gegenüber der Wirklichkeit wider. Wenn etwa ein Lehramtsstudent in der Beschreibung einer Schulklasse schriebe, sie bestehe aus elf Österreichern, acht Mohammedanern und fünf Negern, so wäre wohl kaum davon auszugehen, dass dieser Student eine Haltung mitbrächte, die pädagogisch verantwortlichem Arbeiten im Österreich von 2015 gerecht würde.

Stereotype überwinden

Ähnlich verhält es sich bei Geschlechterbewusstsein: Überkommene Geschlechterstereotype verstellen die tatsächlichen Begabungen von Kindern. Ihre Überwindung ist daher zu fördern. Dazu braucht es aber Lehrkräfte, die in der Lage sind, dies in der pädagogischen Praxis zu realisieren.

Die Entfaltung von Talenten hängt maßgeblich davon ab, was Mädchen und Buben als reale Optionen für sich selbst entdecken, wobei diese Optionen durch gesellschaftliche Erwartungshaltungen maßgeblich mitgeprägt werden. Wenn es als „unmännlich“ gilt, Kindergärtner zu werden, werden Burschen das kaum als Option sehen.

Kinder und Jugendliche sind zu ermutigen, stereotype Aufteilungen zu überwinden, um ihre Interessen und Begabungen zu fördern. Es ist unverzichtbar, dass Lehrpersonen über entsprechende Kompetenzen verfügen, um geschlechterbewusst agieren zu können. Von daher ist es notwendig, den Entwicklungsstand dieser Kompetenz kontinuierlich zu begleiten, wozu auch die Beurteilung von schriftlichen Arbeiten erforderlich ist. Wer sich konstant einer geschlechterbewussten Sprache entzieht, wird wahrscheinlich wenig Engagement im Sinn einer geschlechterbewussten Pädagogik zeigen.

Es geht bei der Beurteilung von schriftlichen Arbeiten also nicht um krampfhaftes Gendern als Selbstzweck, sondern um den Nachweis, dass Kompetenz in Sachen Geschlechterbewusstsein erlangt wird. Sprachlich lässt sich diese Aufgabe durchaus in verschiedenen Varianten und mit einem Schuss Pragmatismus lösen.

Inwieweit hier eine Einschränkung persönlicher Freiheit zu befürchten wäre oder gar verfassungsrechtliche Bedenken bestünden, ist mir nicht nachvollziehbar. Wer kann ernsthaft Interesse daran haben, dass die Pädagogik der Gegenwart sich geschlechterbewusstlos verhält?

Prof. Dr. Martin Fischer ist evangelischer Theologie und Männer- und Geschlechterforscher an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 16.06.2015                             Seite: 12

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

Gegen Werben an Schulen

 

Gerichtsentscheide: Ministerium greift durch.

 

   WIEN. Nach mehreren Gerichtsentscheidungen greift nun das Bildungsministerium durch: In einem Rundschreiben wird klargestellt, dass Werbung während des Unterrichts sowie die Beteiligung von Lehrern an schulfremder Werbung verboten ist. „Aus Ernährungsgründen“ oder sozialen beziehungsweise pädagogischen Gründen problematische Produkte dürfen ebenfalls nicht beworben werden.

 

   „Der Umstand, dass Schülerinnen und Schüler im Alltag ständig mit Werbebotschaften konfrontiert sind, relativiert das Beachten dieser Verpflichtung nicht“, heißt es dazu. Zuletzt waren etwa mit Werbung gepflasterte Gratis-„Mitteilungshefte“ und direkt in der Unterrichtsstunde erfolgte Bankenwerbung von Gerichten verboten worden. Besonders problematisch wird erachtet, wenn „der Schule zurechenbare Personen“, also vor allem Lehrer oder Schulwarte, die Verteilung von Werbematerialien übernehmen oder sich daran beteiligen. „Durch das Einbinden von Schulpersonal in Werbemaßnahmen Dritter wird Schülerinnen und Schülern vorgespiegelt, die Schule habe die beworbenen Produkte oder Dienstleistungen geprüft und für gut befunden.“ Außerdem könnten sich die Schüler allein dadurch zum Kauf verpflichtet fühlen.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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