Dienstag, 16. Juni 2015

2015.06.17: Newsletter Bildung

Die Presse  17. Juni 2015

 

 

Schulwerbung: „Das überfordert Direktoren“

Konsumentenschützer fordern eine eigene Stelle, die Werbung abwickelt. Schulen würden für Werbung bisweilen für ein „Butterbrot“ kriegen.

Eine Kindergeschichte, in der indirekt das Jugendkonto einer Bank beworben wird, gratis Mitteilungshefte, die mit Werbung gepflastert sind und von Schulen an ihre Schüler ausgegeben werden oder Bankmitarbeiter, die neben ihrem Expertenvortrag gleich noch das Konto bewerben: Dass es solche Praktiken an Schulen künftig nicht mehr geben soll – wie das Bildungsressort in einem Rundschreiben klar stellte – wird von Konsumentenschützern begrüßt. Immerhin hat der VKI mit mehreren (erfolgreichen) Klagen auch mit die Basis für diese Klarstellungen geschaffen.

Ganz zufrieden ist man aber noch immer nicht, wie Peter Kolba vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) gegenüber der „Presse“ meint: „Dass weiterhin der einzelne Direktor entscheidet, welche Werbung er zulässt, halte ich für eine Überforderung von Schuldirektoren.“ Einerseits müssten Schulleiter dann die aktuelle Judikatur zum Thema Werbung in der Schule im Auge behalten. Und andererseits verhandeln, wir viel Geld für Werbung fließt. Was nicht immer zugunsten der Schule ausgehe.

"Werbung für ein Butterbrot"

Wenn man die Schulwerbung weiterhin in einer gebremsten Form zulassen wolle – und so sehe es ja derzeit aus -, wäre es vernünftig, eine eigene Stelle dafür zu schaffen, meint Kolba. Diese könnte zum Beispiel im Ministerium angesiedelt sein und das Thema Werbung für die Schulen und im Sinne der Schulen abwickeln. „Auch, damit Schulen für Werbung nicht bloß ein Butterbrot bekommen.“ Denn ein Problem sei: Was die Schulen über Werbung einnehmen, sei (bisweilen) sehr wenig.

Ein Beispiel sei eine Bankenwerbung, gegen die im Vorjahr geklagt wurde: Für ein Plakat, Präsenz bei Schulveranstaltungen, einen jährlichen Werbebrief an Lehrer und bis zu zehn Stunden vor Schülern – in denen nicht nur Finanzwissen vermittelt werden, sondern auch über Jugendangebote der Bank gesprochen werden sollte, erhielt eine Wiener Schule 2250 Euro pro Jahr. Das zeige deutlich, dass solche Werbeaktivitäten für Schulen keineswegs ein gutes Geschäft darstellen.

 

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Restriktionen: Lehrer dürfen keine Werbung verteilen

Das Bildungsressort ordnet nach mehreren Gerichtsentscheidungen eine restriktivere Linie an, was Werbung in Schulen angeht.

Das Bildungsministerium gibt nach mehreren Gerichtsentscheidungen zu Werbung an Schulen in einem Rundschreiben eine restriktive Linie vor. Unter anderem wird klargestellt, dass Werbung während des Unterrichts sowie die Beteiligung von Lehrern an schulfremder Werbung verboten ist. "Aus Ernährungsgründen" oder sozialen Gründen problematische Produkte dürfen ebenfalls nicht beworben werden.

Zuletzt waren etwa mit Werbung gepflasterte Gratis-"Mitteilungshefte" und direkt in der Unterrichtsstunde erfolgte Bankenwerbung von Gerichten verboten worden. Mit dem Rundschreiben an alle Landesschulräte, Zentrallehranstalten und Pädagogische Hochschulen stellt das Ministerium nun grundsätzlich klar, dass "die pädagogische Qualität des Unterrichts, nicht das Erschließen von Werbegeldern, im Vordergrund aller schulischer Bemühungen steht".

"Werbung für schulfremde Zwecke darf folglich nie auf Kosten der pädagogischen Glaubwürdigkeit gehen und dabei in Widerspruch zu den Zielsetzungen der Schule geraten, zu denen in diesem Zusammenhang auch das Unterrichtsprinzip 'Wirtschaftserziehung und Verbraucher/innenbildung' gehört", heißt es weiter. "Der Umstand, dass Schülerinnen und Schüler im Alltag ständig mit Werbebotschaften konfrontiert sind, relativiert das Beachten dieser Verpflichtung nicht."

Muss sofort erkennbar sein

Grundsätzlich sei Werbung zwar nicht verboten. Neben schulrechtlichen Bestimmungen müssten die Direktoren - sie sind für die Gestattung von Werbung zuständig - aber auch Vorschriften wie das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb beachten. Das betreffe etwa aggressive Geschäftspraktiken wie die Verteilung der werbegespickten Gratis-"Mitteilungsheften", die Kinder als Schulutensil und nicht Werbung wahrgenommen hätten: Werbung müsse für Schülerinnen und Schüler jeder Altersstufe "sofort und unmittelbar" als solche erkennbar sein.

Unternehmen setzen in diesen Fällen darauf, dass Eltern den Kindern - um familiäre Konflikte zu vermeiden - die beworbenen Produkte kaufen. Schulen dürften "ein solches, eine aggressive Geschäftspraktik darstellendes Verhalten weder zulassen noch auf irgendeine Weise fördern".

Lehrer dürfen nichts verteilen

Noch problematischer wird es, wenn "der Schule zurechenbare Personen", also vor allem Lehrer oder Schulwarte, die Verteilung von Werbematerialien übernehmen oder sich daran beteiligen. "Durch das Einbinden von Schulpersonal in Werbemaßnahmen Dritter wird Schülerinnen und Schülern vorgespiegelt, die Schule habe die beworbenen Produkte oder Dienstleistungen geprüft und für gut befunden."

Außerdem könnten sich Schüler verpflichtet sehen, "für Schulzwecke gedachte Werbegeschenke deswegen zu benutzen, weil sie meinen, der Schule würde dadurch ein finanzieller Vorteil erwachsen, dem sie nicht im Weg stehen möchten": "Unter diesen Umständen ist das Mitmachen von Schulpersonal bei schulfremder Werbung als Ausnützen eines Autoritätsverhältnisses anzusehen."

Keine Werbung im Unterricht

Ebenso wie die Beteiligung von Schulpersonal an schulfremder Werbung verboten ist Werbung während des Unterrichts - wie im Fall der Bankenwerbung. Zwar sei das Einbeziehen außerschulischer Experten in den Unterricht zulässig, hält man im Rundschreiben fest - "doch gilt das ausschließlich in Verbindung mit dem Erarbeiten und Festigen des Lehrstoffs": "Niemals darf der Unterricht als Vorwand zum Präsentieren oder verdeckten Anpreisen von Produkten oder Dienstleistungen dienen."

"Auch das Verteilen von Werbegeschenken, etwa, wie jüngst geschehen, von Markenrucksäcken durch ein Geldinstitut, ist in keinem Fall zulässig." Es sei dabei unerheblich, wieviel Unterrichtszeit dafür verwendet werde: "Der bloße Umstand, dass im Unterricht für Schulfremdes geworben wird, reicht aus."

Ernährung als heikles Thema

Auch für bestimmte Produkte darf nicht geworben werden: Neben Alkohol und Tabak sind das etwa solche, die "aus pädagogischen Überlegungen abzulehnen sind". Gleiches gilt auch für "Produkte, die aus Ernährungsgründen problematisch oder dafür bekannt sind, dass sie unter menschenunwürdigen, ausbeuterischen Bedingungen oder unter Zerstörung der Umwelt und natürlicher Lebensräume hergestellt bzw. vertrieben werden".

Auch Schulen selbst dürfen weder Werbebotschaften noch Logos, Embleme, Marken, Muster, Firmennamen oder sonstige Produkt- bzw. Unternehmensbezeichnungen transportieren: "Als Teil der öffentlichen Verwaltung dürfen Schulen nach außen nicht einmal den Anschein erwecken, sie würden sich als Institution mit bestimmten Herstellern, Anbietern, Produkten oder Dienstleistungen unmittelbar identifizieren." Entsprechende Verpflichtungen seien "ehestmöglich" zu kündigen.

 

 

KATHPRESS-Tagesdienst Nr.141, 16. Juni 2015

 

 

Zentralmatura: Familienverband begrüßt Rückführung in Ministerium

KFÖ-Vizepräsidentin Ebenberger fordert teilzentrale schriftliche Klausur, deren Aufgaben von den Gymnasien wegen unterschiedlicher Bildungswege teils selbst erstellt werden

 

Wien, 16.06.2015 (KAP) Erfreut über die Rück-führung der direkten Verantwortung für die Matura ins Bildungsministerium hat sich der Katholische Familienverband Österreich (KFÖ) geäußert. Die bisherige Auslagerung der Agenden für die Zentralmatura an das Bundesinstitut BIFIE habe der Familienverband schon vor einem Jahr kritisiert und die Endverantwortung klar beim Ministerium gesehen, erinnerte Familienverbands-Vizepräsidentin Astrid Ebenberger am Dienstag in einer Aussendung. Ebenberger, die an der Kirchlich Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems lehrt, forderte zudem die Einführung einer teilzentralen schriftlichen Matura, bei der teils "Mindestkompetenzen" zentral abgefragt werden, während ein zweiter Teil der Klausurfragen individuell von den einzelnen Schulen erstellt wird.

 

Erst die teilzentrale Matura würde es ermöglichen, dass Schultyp und Schulschwerpunkt auch bei der schriftlichen Klausur berücksichtigt werden, betonte Ebenberger. "Nur bedingt sinnvoll" sei es, dass alle AHS-Schüler - darunter jene aus dem Oberstufen-Realgymnasium - die gleiche Arbeit schreiben. Schließlich hätten die einzelnen Schulformen unterschiedliche Bildungswege, wodurch es etwa bei einem naturwissenschaftlichen Zweig mehr Mathematikstunden gibt als bei Gymnasien mit neu-sprachlichem Schwerpunkt. Erneut forderte die Familienverbands-Vizepräsidentin die Zulassung von Wörterbüchern bei der Matura. Der Einsatz spezieller Computerprogramme und hochtechnisierter Geräten sei hingegen zu überdenken, "auch im Hinblick auf die Kosten, die mit einer möglichen Anschaffung auf die Familien zu-kommen".

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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