Mittwoch, 10. Juni 2015

Bildungs-Newsletter 10.6.2015


 

Ö1 Morgenjournal 07:00 vom 10.06.2015 07.00 Uhr

 

Ö1 Morgenjournal 07:00 (07:00) - Geschummelt: Zwei Klassen müssen Mathe-Matura wiederholen

 

Peer Anselm (ORF)

   An zwei Gymnasien in Wien muss die Mathematik-Zentralmatura wiederholt

   werden. Denn in je einer Klasse sei massiv geschummelt worden. Das

   berichten die Salzburger Nachrichten. Einzelne Schüler sollen damit in

   sozialen Netzwerken geprahlt haben. Den Lehrern, die bei der Aufsicht

   offenbar absichtlich weggeschaut haben, drohen Disziplinarmaßnahmen.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                               Seite: 28

 

Zentralmatura erschummelt

 

   Wien. In zwei Wiener Schulen muss die Zentralmatura wiederholt werden - weil die Schüler geschummelt haben, werden die Arbeiten annulliert. Betroffen ist eine Klasse des Oberstufenrealgymnasiums Hegelgasse 14 im ersten Bezirk und des Oberstufenrealgymnasiums Henriettenplatz im 15. Bezirk.

 

   In der Schule in der Hegelgasse wurde die Zentralmatura in Mathemathik erschwindelt: Wie die "Salzburger Nachrichten" berichten, soll der Mathematikprofessor während der schriftlichen Arbeit demonstrativ weggeschaut haben, sodass Schüler die Aufgaben mit dem Handy fotografieren konnten. Per WhatsApp schickten sie die Prüfungsfragen an Nachhilfelehrer, die ihnen die Lösungen zusandten.

 

   Die Schüler müssen ebenso wie jene vom Henriettenplatz, wo die Kontrolle während der Deutschzentralmatura nicht streng war, im Herbst wieder antreten. S. 10

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                               Seite: 10

 

Zentralmatura wurde in Wien annuliert

 

   Erschummelt. In zwei Oberstufenrealgymnasien in Wien wurden die Schüler beim Schummeln erwischt. Sie müssen die Zentralmatura im Herbst wiederholen. Einem Mathematik-Lehrer droht ein Disziplinarverfahren.

 

   Wien. Die 8a de Oberstufenrealgymnasiums Hegelgasse 14 im ersten Bezirk hat sich zu früh gefreut. Obwohl fast alle die Mathematikzantralmatura geschafft hatten, muss die ganze Klasse nach dem Sommer noch einmal antreten. Der Grund: Nach der Zeugnisvergabe waren Gerüchte aufgetaucht, dass die Klasse - bis auf ein Mädchen - die Matura erschwindelt haben soll.

 

   Und das auch noch unter tatkräftiger Mithilfe des Mathematikprofessors, berichten die "Salzburger Nachrichten". Er soll so demonstrativ weggeschaut haben, dass es den Schülern möglich war, die Aufgaben mit dem Handy zu fotografieren und mit der Handyapp WhatsApp an einen Nachhilfelehrer zu schicken, der ihnen beim Lösen der Aufgaben behilflich war. Aufgeflogen war der Betrug, weil einige betroffene Schüler in Internetforen prahlten, "wie einfach" die neue Zentralmatura sei.

 

   Der Stadtschulrat wurde darauf aufmerksam und untersuchte die Arbeiten. Das war's für die 20 Schüler der 8a dann mit den lang ersehnten Sommerferien. Die Matura wurde annulliert und gilt als nicht beurteilt. Die Maturanten müssen sich zur ersten Wiederholung für Mathematik im Herbst anmelden.

 

   Dem "hilfsbereiten" Professor drohen nach Abschluss der Untersuchungen ebenfalls Konsequenzen: Er muss sich wohl einem Disziplinarverfahren stellen, die Konsequenzen reichen von einer Versetzung bis zum Unterrichtsverbot.

 

   Schummeln nichts Neues

 

   Nicht nur im ersten Bezirk wurde geschummelt, auch in Rudolfsheim-Fünfhaus soll man es mit der Kontrolle während der Deutschmatura am Henriettenplatz nicht so genau genommen haben. Auch hier wurde ein Großteil der Arbeiten vom Stadtschulrat mit "erschwindelt" benotet - auch hier muss fast eine ganze Klasse im Herbst noch einmal antreten. Gottfried Ellmauer, Direktor am Oberstufenrealgymnasium Henriettenplatz, will sich wie seine Kollegin Gertrude Gonaus aus der Inneren Stadt dazu nicht äußern. "Schummeln hat es immer schon gegeben", meint Landesschulinspektor Franz Trattinger. Das sei kein neues Phänomen der Zentralmatura, man überlege aber, die Aufsicht dafür neu zu gestalten. Künftig könnte das Vieraugenprizip gelten oder fachfremde Lehrer während der Maturaarbeiten aufpassen.

 

   Insgesamt traten heuer 26.000 Schüler zur Zentralmatura an. Am leichtesten fiel ihnen das Fach Deutsch: Nur 3,3 Prozent wurden negativ benotet, ähnlich gut verlief es in Englisch. Mathematik hingegen machte seinem Ruf als schwierigstes Maturafach alle Ehre: Jeder zehnte fiel durch. (red/ath)

 


 

"Kurier" vom 10.06.2015                                   Seite: 19

 

Geschummelt: Matura bei zwei Klassen annulliert

 

   Aufgeflogen. Die Stimmung auf der Maturareise dürfte etwas getrübt sein - zumindest bei zwei Klassen in Wien. Die Schüler der 8a des Oberstufenrealgymnasiums Hegelgasse 14 in der City und eine Klasse des Oberstufenrealgymnasiums Henriettenplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus dürften fast komplett ihre Mathematik-Matura erschwindelt haben - das berichten die Salzburger Nachrichten. Der Wiener Stadtschulrat beruft sich auf den Datenschutz, dementiert den Bericht aber nicht.

 

   Aufgeflogen war der Schwindel durch eine nachträgliche Kontrolle durch Schulinspektoren. Und die entdeckten verblüffende Ähnlichkeiten bei den Mathe-Prüfungen. Mehrere Fehler sollen sich durch fast sämtliche Arbeiten durchgezogen haben.

 

   Möglich wurde das, indem die Lehrer demonstrativ weggeschaut haben sollen. Laut SN war es den Schülern so möglich, die Aufgaben mit dem Handy zu fotografieren und via WhatsApp an ihre Nachhilfelehrer zu schicken.

 

   Die Schüler müssen im Herbst erneut antreten. Auch für die Lehrer wird der Vorfall Konsequenzen haben. Sie werden vom Stadtschulrat vorgeladen. Die disziplinären Folgen könnten bis zum Unterrichtsverbot gehen.

 

 


 

"Kurier" vom 10.06.2015                                   Seite: 18

 

Geschummelt: Schüler müssen wieder zur Matura

Wien. In zwei Oberstufenrealgymnasien sollen die Mathematik-Lehrer demonstrativ weggeschaut haben

 

   von michaela ReibenweinDie Stimmung auf der Maturareise dürfte etwas getrübt sein - zumindest bei zwei Klassen in Wien. Die Schüler der 8a des Oberstufenrealgymnasiums Hegelgasse 14 in der City und einer Klasse des Oberstufenrealgymnasiums Henriettenplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus dürften fast komplett ihre Mathematik-Matura erschwindelt haben - das berichten die Salzburger Nachrichten. Der Wiener Stadtschulrat beruft sich auf den Datenschutz, dementiert den Bericht aber nicht.

 

   Aufgeflogen war der Schwindel durch eine nachträgliche Kontrolle durch Schulinspektoren. Und die entdeckten verblüffende Ähnlichkeiten bei den Mathe-Prüfungen. Mehrere Fehler sollen sich durch fast sämtliche Arbeiten durchgezogen haben. In der Hegelgasse soll sich außer einem Mädchen die gesamte Klasse die Reifeprüfung erschummelt haben.

 

   Möglich wurde das, indem die Lehrer demonstrativ weggeschaut haben sollen. Laut SN war es den Schülern so möglich, die Aufgaben mit dem Handy zu fotografieren und via WhatsApp an ihre Nachhilfelehrer zu schicken. Diese sandten die Lösungen zurück - doch auch Nachhilfelehrer machen Fehler.

 

   GeprahltWas einige Schüler nicht daran gehindert haben soll, im Nachhinein damit zu prahlen, wie einfach sie zur Mathematik-Matura gelangt sind.

 

   Die betroffenen Schüler wurden zu den Direktoren zitiert. Als sie mit den Vorwürfen konfrontiert wurden, sollen sie die auch gar nicht bestritten haben. Mit betretenen Gesichtern akzeptierten sie die Annullierung der Mathematik-Matura. Im Herbst müssen sie erneut antreten.

 

   Auch für die Lehrer wird der Vorfall Konsequenzen haben. Sie werden vom Stadtschulrat vorgeladen. Die disziplinären Folgen könnten sogar bis zum Unterrichtsverbot gehen. Die Direktoren der betroffenen Schulen wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

 

   Schwindeln bei der Matura habe es schon immer gegeben, wird vom Stadtschulrat betont. Der Vorfall habe nichts mit der Zentralmatura zu tun. Wichtig sei, dass man bei Verdachtsfällen konsequent einschreite.

 

   Laut Landesschulinspektor Franz Tranninger soll es Überlegungen geben, die Aufsicht während der Matura neu zu organisieren - etwa durch das Einspringen fachfremde Lehrer.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 131 vom 10.06.2015              Seite: 1

 

Matura erschwindelt, Klassen müssen Prüfung wiederholen

 

   In zwei Oberstufenrealgymnasien in Wien wurde die positive Note unrechtmäßig erlangt. Die Arbeiten wurden annulliert, die Schüler können im Herbst wieder antreten.

 

   Wien. Die neue Zentralmatura fordert ihre Opfer. Gleich in zwei Oberstufenrealgymnasien in Wien müssen fast alle Schüler einer Klasse ihre Reifeprüfung im Herbst wiederholen, weil sie sich ihren positiven Abschluss erschwindelt haben. Ihre Matura wurde im Nachhinein von einer Kommission des Stadtschulrats annulliert, sie gilt als nicht beurteilt. Beim Schummeln dürfte zumindest ein Mathematikprofessor mitgeholfen haben, indem er seiner Aufsichtspflicht während der Prüfung nicht nachgekommen sein soll. So war es den Maturanten möglich, die ihnen gestellten Aufgaben mit dem Handy zu fotografieren und via WhatsApp bei ihren Nachhilfelehrern die richtige Lösung zu erfragen. Der Stadtschulrat hat nicht nur ein Disziplinarverfahren gegen einen betroffenen Lehrer eingeleitet, sondern im SN-Gespräch angekündigt, die Aufsicht bei den Prüfungen zu überdenken. So könnten statt des jeweiligen Fachlehrers künftig fachfremde Personen aufpassen oder eine Vier-Augen-Kontrolle eingeführt werden. Ein Grund, warum die Leistungen vorgetäuscht wurden, könnte darin liegen, dass bei Oberstufengymnasien das Leistungsniveau niedriger ist und einheitliche Maturastandards für diese Schulen ein Problem darstellen. Seite 10

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 131 vom 10.06.2015             Seite: 10

 

Einheitliche Maturastandards sind für manche Schulen ein Problem....

 

   Einheitliche Maturastandards sind für manche Schulen ein Problem. Aufsichtslehrer halfen zahlreichen Schülern, indem sie beim Schwindeln wegschauten. Deren Reifeprüfung wurde annulliert.

 


 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 131 vom 10.06.2015             Seite: 10

 

Die Matura wurde annulliert

 

   In zwei Oberstufenrealgymnasien in Wien haben sich Schüler ihr Reifezeugnis erschwindelt. Die Folgen sind fatal: Fast alle müssen im Herbst erneut zur Matura antreten.

 

   Fritz Pessl Wien. Es hätte ein angenehmer Sommer werden können für die gut 20 Schüler der 8a-Klasse des Oberstufenrealgymnasiums Hegelgasse 14 im 1. Wiener Bezirk. Fast alle hatten die Zentralmatura in Mathematik geschafft und freuten sich schon auf die Ferien. Doch dann tauchten Gerüchte auf, dass bis auf ein Mädchen die ganze Klasse ihre Reifeprüfung erschwindelt haben könnte. Unter tatkräftiger Mithilfe ihres Fachprofessors, der seine Aufsichtspflicht nur unzureichend wahrgenommen haben soll.

 

   Der Mathematiklehrer soll so demonstrativ weggeschaut haben, dass es den Maturanten möglich war, ihre Aufgaben mit dem Handy zu fotografieren und via WhatsApp an ihre Nachhilfelehrer zu schicken, die ihnen wiederum die richtigen Lösungen zurücksendeten. Einige betroffene Schüler sollen noch in diversen Foren damit geprahlt haben, wie einfach sie zu ihrem Reifezeugnis gelangt seien.

 

    Schließlich wurde eine Kommission des Stadtschulrats aktiv, die die Arbeiten genauer unter die Lupe nahm und feststellen musste, dass tatsächlich großflächig und offensichtlich geschummelt worden war. Die Folgen sind fatal: Die Mathematikmatura wurde annulliert, sie gilt als nicht beurteilt. Die Schüler müssen sich zur ersten Wiederholung im Herbst anmelden und die Zentralmatura neu machen. Dem Fachlehrer drohen nach Abschluss der Untersuchungen ebenfalls Konsequenzen. Er wird in den Stadtschulrat zitiert und disziplinär verfolgt – die Sanktionen reichen von Verweis über Versetzung bis zum Verbot, weiterhin zu unterrichten.

 

   Schuldirektorin Gertrude Gonaus sagt zu dem Vorfall nichts: „Ich darf dazu keine Stellungnahme abgeben. Ich bin weisungsgebunden und muss Sie auf den Stadtschulrat verweisen.“ Gonaus äußerte sich nur zum generellen Problem der Oberstufengymnasien mit der Zentralmatura. „Die Schüler kommen zumeist mit weit geringerem Wissen und müssen von der Unterstufe viel nachholen“, betont die Direktorin. Beispielsweise sei die Zentralmatura in Deutsch für viele Schüler mit nicht deutscher Muttersprache wegen der Textlastigkeit besonders schwierig gewesen.

 

   Mit dem Problem, die Schüler in relativ kurzer Zeit so gut vorzubereiten, dass sie Maturaniveau aufweisen, kämpfen mehrere Schulen. Auch das Oberstufenrealgymnasium Henriettenplatz in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus soll es deshalb mit der Kontrolle während der Maturaarbeiten nicht so genau genommen haben. Fast eine ganze Klasse muss dort nun zurück an den Start, nachdem die Stadtschulratskommission die Arbeiten als erschwindelt qualifiziert hat. Gottfried Ellmauer, Direktor am ORG Henriettenplatz, hält es wie seine Kollegin: „Ich sage dazu nichts, es handelt sich um eine schulinterne Angelegenheit.“

 

   Der Wiener Landesschulinspektor Franz Tranninger erklärt, dass vorgetäuschte Leistungen kein Phänomen der neuen Zentralmatura seien. „Schummeln hat es immer schon gegeben.“ Angesprochen auf die beiden Fälle meinte Tranninger: „Alles, was die Beurteilung anbelangt, unterliegt dem Datenschutz bzw. der Amtsverschwiegenheit.“ Der Landesschulinspektor bestätigte, dass es Überlegungen gebe, die Aufsicht bei der Zentralmatura neu zu gestalten. Künftig könnte das Vieraugenprinzip gelten oder fachfremde Lehrer während der Maturaarbeiten aufpassen.

 


 

"Österreich" vom 10.06.2015                                   Seite 6

 

Mathematik-Matura muss wiederholt werden

Schummel-Skandal an zwei Wiener Schulen

 

Riesenskandal an zwei Wiener Schulen - bei der Mathematik-Matura wurde geschummelt.

 

Wien. Die Matura muss jetzt annulliert und im Herbst wiederholt werden. Die Ergebnisse wurden erschwindelt. Es betrifft gleich zwei komplette Klassen.

 

Bei den Schulen soll es sich laut Salzburger Nachrichten um das Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse 14 und um das Oberstufenrealgymnasium Henriettenplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus handeln.

 

Die Schüler sollen die Aufgaben fotografiert und via Handy an ihre Nachhilfelehrer geschickt haben. Aufgef logen ist die Schummelei, weil einige Schüler in den Web-Foren damit geprahlt haben.

 

Bei der Matura wurde geschummelt.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 10.06.2015                             Seite: 16

 

Geschummelt: Matura wird wiederholt

An zwei Wiener Schulen wurde die Mathematik-Matura annulliert. Wiederholung im Herbst.

 

   An zwei Wiener Schulen wird die Mathematik-Zentralmatura großflächig annulliert. Grund dafür sind erschwindelte Ergebnisse aufgrund mangelnder Aufsicht in je einer Klasse, berichten die „Salzburger Nachrichten“. Im Stadtschulrat wollte man die konkreten Fälle weder bestätigen noch dementieren. Die betroffenen Schüler müssen die Matura in diesem Fach wiederholen.

 

   Bei einer der Schulen soll es sich um das Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse 14 handeln, wo sich fast eine ganze Klasse die Mathematik-Matura erschwindelt haben soll. Aufgrund mangelhafter Aufsicht dürften die Maturanten die Aufgaben fotografiert und via Mobiltelefon an ihre Nachhilfelehrer geschickt haben. Manche Schüler sollen damit in Webforen geprahlt haben. Eine Kommission des Stadtschulrats wurde aktiv, die die Arbeiten genauer unter die Lupe nahm und feststellte, dass offensichtlich geschummelt worden war. Für den Lehrer könnte es disziplinäre Konsequenzen geben.

 

   Auch im Oberstufenrealgymnasium Henriettenplatz soll es zu einem ähnlichen Fall gekommen sein. Auch dort soll die Stadtschulratskommission die Arbeiten fast einer kompletten Klasse als erschwindelt qualifiziert haben.

 


 

"Kleine Zeitung" vom 10.06.2015                             Seite: 14

 

Matura wiederholt

 

   WIEN. In zwei Wiener Schulen wird die Mathematik-Zentralmatura annulliert. Grund dafür sind erschwindelte Ergebnisse aufgrund mangelnder Aufsicht in je einer Klasse, berichten die „Salzburger Nachrichten“. Die betroffenen Schüler müssen die Matura in diesem Fach wiederholen. Sie dürften die Aufgaben via Mobiltelefon fotografiert und an ihre Nachhilfelehrer geschickt haben. Für die Lehrer könnte es disziplinäre Konsequenzen geben.

 


 

"Kronen Zeitung" vom 10.06.2015                              Seite: 1

 

Bei Matura geschummelt

 

   Wien. – Skandal an zwei Schulen: Gymnasiasten schickten Prüfungsfragen per Handy an Nachhilfelehrer – sie lösten (Seite 15).

 


 

"Kronen Zeitung" vom 10.06.2015                             Seite: 14

 

Gymnasiasten schummelten  Fragen per Handy verschickt  Lehrer schauten weg

Matura an zwei Schulen annulliert!

 

Paukenschlag mitten in der Matura-Zeit: An zwei Wiener Schulen wurde die Mathematik-Reifeprüfung annulliert! Der Grund: Erschwindelte Ergebnisse aufgrund mangelnder Aufsicht in je einer Klasse. Da die Professoren nicht aufpassten, fotografierten die Gymnasiasten einfach die Prüfungsfragen, schickten diese an Nachhilfelehrer und lösten so alle Rechnungen problemlos!

 

   „Schummel-Tatort“ Hegelgasse 14 im ersten Wiener Bezirk

 

   Wie die „Salzburger Nachrichten“ (SN) aufgedeckt haben, erschüttert ein „Schummel-Skandal“ das System der Zentralmatura. Bei einer der Schulen handelt es sich um das Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse. Dort hat fast eine ganze Klasse die Mathematik-Matura erschwindelt. Nur ein Mädchen (!) machte bei der Gaunerei via Handy nicht mit!CHRISTOPH MATZL

 

   UND KARL GRAMMERSchließlich soll der diensthabende Professor laut SN-Bericht „demonstrativ weggeschaut haben“. Folglich verschickten die Prüflinge die kniffligen Mathe-Fragen an ihre Nachhilfelehrer – und mussten nur warten, bis die richtigen Antworten wieder via Handy (WhatsApp) prompt geliefert wurden.

 

   Dass etliche der „Rechen-Schummler“ keineswegs reif für die Matura sind, zeigte sich in ihren anschließenden eitlen Reaktionen. Denn einige der rund 20 Oberstufenrealgymnasiasten begannen in diversen Internet-Foren damit zu prahlen, und machten sich darüber lustig, „wie leicht denn ihre Mathematik-Zentralmatura gewesen sei“

 

   Damit weckten sie allerdings „schlafende Hunde“, sprich die Kommission des Stadtschulrats wurde aktiv! Die Matura-Arbeiten wurden genau unter die Lupe genommen und bald war klar: Hier wurde geschummelt! Das heißt auch, dass es für den Lehrer, der offenbar zu viel wegschaute, disziplinäre Konsequenzen geben wird.

 

   Und auch im Oberstufenrealgymnasium Henriettenplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus hat es einen ähnlichen Fall gegeben: Auch dort hat die Stadtschulratskommission mittlerweile die Arbeiten fast einer kompletten Klasse als erschwindelt qualifiziert!

 

   Die Direktoren der Schulen wollten sich wegen Datenschutzes nicht öffentlich zu den Vorwürfen äußern.

 


 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 10.06.2015            Seite: 21

 

Matura muss wiederholt werden

 

   WIEN. In zwei Wiener Gymnasien haben sich die Schüler ihre positive Note in Mathematik erschwindelt, und fast alle müssen im Herbst erneut zur Matura antreten, berichten die Salzburger Nachrichten. In einer Klasse im 1. Bezirk etwa sollen bis auf ein Mädchen alle geschummelt, der Lehrer demonstrativ weggeschaut haben. Die Schüler fotografierten die Aufgaben mit dem Handy, schickten die Bilder ihren Nachhilfelehrern und die wiederum die richtigen Lösungen. Der Schwindel flog auf, weil die Schüler damit im Netz prahlten.

 


 

"Heute" vom 10.06.2015                                        Seite 1

 

Handy-Schwindel bei Matura an 2 Schulen

 

Kids fotografierten Tests, schickten sie an Nachhilfelehrer

 

Professoren schauten weg

 

Schüler prahlten auf Facebook mit Ergebnissen

 

Nun fast alle Prüfungen annulliert -S.12

 


 

"Heute" vom 10.06.2015                                       Seite 12       Von Clemens Oistric

 

Maturanten schickten Aufgaben an Nachhilfe-Lehrer - Alle Arbeiten ungültig

Handy-Schummelei bei Wiener Matura

 

Für viele Schüler gilt seit jeher: Schummeln ist okay -solange man sich nicht erwischen lässt. Genau das ist nun aber Dutzenden Teenagern passiert!

 

Bei der Mathematik-Zentralmatura vor einem Monat fotografierte die 8A des Wiener Gymnasiums Hegelgasse in der City die Beispiele und schickte sie via Smartphone an Nachhilfelehrer. Trotz Handyverbots sendeten die Pädagogen die Aufgaben fix und fertig zurück. Die Schüler mussten nur noch Lösungswege und Ergebnisse in die Testbögen übertragen.

 

Laut "Salzburger Nachrichten" habe der Lehrer der 20 Schüler (nur eine Mathe-Koryphäe hat nicht gespickt) einfach weggesehen. Ob er seinen Zöglingen etwas Gutes tun wollte oder Angst vor zu vielen "Nicht genügend" hatte, ist unklar. Besonders bitter: Der Schwindel flog auf, als einige Großmäuler auf Facebook prahlten, wie leicht sie die Matura geschafft hatten. Daraufhin prüfte der Stadtschulrat, annullierte die Ergebnisse.

 

Auch am ORG Henriettenplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus dürfte Ähnliches passiert sein. Auf die betroffenen Schüler wartet ein heißer Sommer. Alle müssen im Herbst noch einmal ran, den Lehrern drohen Konsequenzen.

Lehrer sollen bei der groß angelegten Schummelei weggeschaut haben.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                               Seite: 12

 

"Es geht nie darum, aus Mädchen Buben zu machen"

 

   Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Andrea Bramberger, Professorin für Geschlechterpädagogik, erklärt angesichts des unterschiedlichen Abschneidens von Buben und Mädchen bei der Zentralmatura, weshalb es einen traditionellen Zusammenhang zwischen Bildung und Geschlecht gibt.

 

   Von Julia Neuhauser

 

   Die Presse: Mädchen haben bei der Mathematikmatura schlechter abgeschnitten als Buben. Ist das ein Grund zur Sorge?

 

   Andrea Bramberger: Es ist nicht so, dass alle Buben in Mathematik bessere Leistungen erzielen als alle Mädchen. Und genauso wenig sind alle Mädchen besser in Deutsch als sämtliche Jungs. Aber natürlich: Bedeutsam ist, dass die Ergebnisse auf einen Zusammenhang zwischen Bildung und Geschlecht hinweisen, der traditionell ist.

 

   Woher rührt dieser traditionelle Zusammenhang?

 

   Das ist fast eine Gretchenfrage. Wir wissen, dass Mathematik, Technik und das Explorative traditionell männlich und das Sprachliche traditionell weiblich konnotiert sind. Mit der Aufklärung wurde diese Idee von Erziehung und Bildung etabliert. Mädchen und Buben wurden damals anders und in unterschiedlichen Fächern unterrichtet. Pädagogen wie Jean-Jacques Rousseau argumentierten das mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen in der Gesellschaft. Für uns heißt das auch heute, dass sich in der Erziehung und Bildung hegemoniale Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit etabliert haben.

 

   Ist der Leistungsunterschied rein gesellschaftlich bedingt? Oder liegt es auch am Unterricht?

 

   Beides. Die Geschlechtscodierung und der Umgang mit Geschlechtsidentität sind wesentliche Aspekte der Sozialisation. Die findet nicht nur in den Schulen statt, sondern geht weit darüber hinaus. Die Lehrenden in den Bildungsinstitutionen haben unterschiedliche Möglichkeiten, damit umzugehen.

 

   Was sollen Lehrer tun?

 

   Es geht nie darum, aus Mädchen Buben zu machen oder aus Buben Mädchen. Es geht darum, dass wir beide bestmöglich in ihren speziellen Begabungen und Interessen fördern. Ich glaube, dass die Bildungsinstitutionen das schon sehr gut machen. Trotzdem müssen wir das Thema noch genauer erforschen.

 

   Welche Möglichkeiten gibt es?

 

   Unterschiedliche. Man könnte etwa geschlechterspezifische Förderprogramme entwickeln, mit speziellen Didaktiken und Materialien. Das würde bedeuten, dass es einen unterschiedlichen Mathematik- oder Deutschunterricht für Mädchen und Buben braucht. Man würde ihnen so einen sozialen Raum geben, der möglichst frei von Geschlechterhierarchien ist. Aber Segregation ist immer so eine Sache . . .

 

   Sie sind eher für den gemeinsamen Unterricht.

 

   Ja. Es gibt nämlich auch eine andere Möglichkeit, an der wir in Salzburg arbeiten: Gender-Inklusion.

 

   Was heißt das?

 

   Es soll Aufmerksamkeit für den Zusammenhang von Bildung und Geschlecht entwickelt werden. Es geht darum, soziale Räume zu schaffen, in denen sich alle gemeinsam egalitär entwickeln können. Das braucht einen reflektierten Umgang mit Differenz, Diversität und Geschlecht.

 

   Dafür muss sich wohl vor allem die Lehrerausbildung verändern.

 

   In Skandinavien hat sich gezeigt, dass es nicht zielführend ist, Gendersensibilität getrennt von Fachdidaktik zu vermitteln. Deshalb muss schon bei den Lehramtsstudien darauf geachtet werden, dass das gemeinsam gedacht wird. So können Gender und Diversität im Unterricht anwendbar gemacht werden.

 

  Apropos: In Skandinavien scheinen die Mädchen deutlich technikaffiner zu sein. Warum?

 

   Das spricht auf jeden Fall dagegen, dass der Zusammenhang zwischen Bildung und Geschlecht ein genetischer ist. Eine eindeutige Antwort gibt es darauf leider noch nicht.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                                Seite: 4

 

Lehrer zu werden ist weniger attraktiv

 

   Statistik. An Pädagogischen Hochschulen und Unis gibt es weniger Lehramtsstudenten.

 

   Wien. Die neue Lehrerausbildung hat offenbar nicht nur an den Pädagogischen Hochschulen (PH), sondern auch an den Universitäten zu einem Rückgang an Studienanfängern geführt. Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) schrieben sich im vergangenen Herbst deutlich weniger Studenten ein: Die Zahl der begonnenen ordentlichen Lehramtsstudien sank auf knapp 4100. Ein Jahr zuvor wurden noch 5600 Lehramtsstudien begonnen, zwei Jahre vorher waren es 5000.

 

   Das sinkende Interesse könnte auch damit zu tun haben, dass sich bei der Ausbildung einiges geändert hat. Das Studium wurde auf ein Bachelor- und Mastersystem umgestellt und Aufnahmetests wurden eingeführt. Diese Veränderungen sind nicht an allen Universitäten gleich weit fortgeschritten: An den Unis Salzburg und Linz sowie der TU Wien gab es im laufenden Studienjahr noch keine Aufnahmeverfahren. Andere Unis haben wiederum noch nicht auf Bachelor und Master umgestellt. Die Umwandlung muss bis 2016/17 abgeschlossen sein.

 

   65 Prozent sind weiblich

 

   Zuletzt haben auch die PH über sinkendes Interesse am Lehramtsstudium berichtet. Zwar gibt es an den PH schon seit jeher Aufnahmeprüfungen, allerdings verlängert sich das Studium dort durch die neue Ausbildung deutlich: von sechs Semestern für den Bachelorabschluss und damit zum "fertigen Lehrer" auf zehn Semester bis zum "vollwertigen Lehrer". Laut neuem Dienstrecht dürfen Absolventen zwar schon nach acht Semestern mit dem Bachelor unterrichten, müssen sich aber verpflichten, innerhalb von fünf Jahren einen Masterabschluss zu machen.

 

   An den Unis verlängert sich zwar die Studienzeit nicht allzu stark (derzeit neun Semester im Diplomstudium), allerdings sind hier die Aufnahmetests neu. Die sind recht unterschiedlich: An den meisten Unis musste ein mehrstufiges Verfahren mit einem Test am Ende absolviert werden, dessen Bestehen Voraussetzung für die Inskription war. An der größten Lehrerausbildungsstätte, der Uni Wien, konnte man dagegen unabhängig vom Testergebnis das Studium beginnen - wer zu wenige Punkte erreichte, musste nur den Umweg über ein Informations-und Beratungsgespräch gehen. Nicht verändert hat sich in den vergangenen Jahren die Geschlechterquote: Rund 65 Prozent der Anfänger sind Frauen. Beliebtestes Fach ist nach wie vor Englisch, gefolgt von Geschichte, Deutsch und Psychologie/Philosophie. (red/APA)

 


 

"Neues Volksblatt" vom 10.06.2015                             Seite 5

 

Weniger Studenten wollen Lehrer werden

 

Die neue Lehrerausbildung hat offenbar auch an den Unis zu einem Rückgang an Studienanfängern geführt. Laut Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wurden im Wintersemester 2014/15 nur mehr 8100 Unterrichtsfächer (Erst-und Zweitfach zusammen, Anm.) begonnen. Das sind um 3500 bzw. 2400 weniger als 2013/14 bzw. 2012/13. Die Zahl der begonnenen ordentlichen Lehramtsstudien sank dementsprechend auf knapp 4100 (ein Lehramtsstudium besteht im Regelfall aus zwei Unterrichtsfächern). Im Wintersemester 2013/14 wurden noch 5600 Lehramtsstudien begonnen, 2012/13 waren es 5000. Zuletzt hatten auch die Pädagogischen Hochschulen (PH) über eine rückläufige Zahl an Studienwerbern berichtet. Nicht verändert hat sich in den vergangenen Jahren die Geschlechterquote: Rund 65 Prozent der Studienanfänger sind Frauen. Beliebtestes Fach ist nach wie vor Englisch, gefolgt von Geschichte, Deutsch und Psychologie/Philosophie.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                               Seite: 13 von DIETMAR NEUWIRTH

 

"Theaterdonner" um Sexualität?

Streitgespräch. Expertin Wimmer-Puchinger und Familienverbandschef Trendl über die Sexualpädagogik.

 

   Die Presse: Üblicherweise sorgt ein Erlass nicht einmal für Aufmerksamkeit. Jener zur Sexualpädagogik sorgt für große Aufregung. Was ist schiefgelaufen?

 

   Beate Wimmer-Puchinger: Es ist nichts schiefgelaufen. Es waren alle eingebunden.

 

   Auch die Eltern?

 

   Wimmer-Puchinger: Die Aufregung kann nicht an der formalen Abwicklung gelegen haben, aber dafür war ich als Expertin nicht verantwortlich. Auch in den 70er- und 90er-Jahren gab es das bei derselben Thematik. Alfred Trendl: Es gab schon eine Beteiligung von Eltern, aber eine Begutachtungsfrist von lediglich zwei Wochen, die noch dazu kurz vor Ostern begonnen hat. Die Frau Ministerin weiß genau, dass sehr viel ehrenamtlich gearbeitet wird und Eltern und Schüler über Ostern anderes zu tun haben, als ihre Mails zu bearbeiten.

 

   Was stört Sie inhaltlich?

 

   Trendl: Die Vorgangsweise ging so weiter: Elternmitarbeit gab es beim Sexualpädagogik-Erlass nur am Rande. Wimmer-Puchinger: Das Thema wurde nicht aus dem Weltall geholt. Die Mitarbeit der Eltern ist im Erlass vorgesehen, es ist angeregt, dass es Elternabende geben soll et cetera et cetera. Es ist keine Rede davon, dass Eltern übergangen werden. Ganz im Gegenteil. Das ist meine Kritik an der Kritik. Das ist Theaterdonner, den ich überhaupt nicht verstehen kann. Wir wünschen uns Eltern, die von Anfang an altersadäquat auf die Fragen ihrer Kinder eingehen können. Das ist die Idealfamilie. Wir wissen aber, dass es für viele Familien schwierig ist, dieses Thema anzusprechen. Wir haben eine große Studie gemacht mit Eltern, nicht mit Elternverbänden, sondern mit richtigen Eltern, wo herausgekommen ist, dass 90 Prozent froh sind . . . Trendl: Vertreter von Eltern-und Familienverbänden sind auch richtige Eltern, das ist lächerlich. Wimmer-Puchinger: Das ist nicht lächerlich. Wir haben Eltern direkt befragt . . . Trendl: Das mag sein . . . Wimmer-Puchinger: Das war eine empirische Studie. Ich möchte nicht, dass Sie meine wissenschaftliche Kompetenz anzweifeln. Eltern sind froh, wenn das in der Schule thematisiert wird. Es ist nicht einfach, dieses Thema zu kommunizieren - für Pädagogen nicht und für Eltern nicht.

 

   Also Eltern werden nicht bevormundet?

 

   Wimmer-Puchinger: In keinster Weise. Man vermittelt den Kindern anatomisches Wissen, beantwortet Fragen, die manche Eltern so gar nicht beantworten können. Herr Präsident, bei aller Wertschätzung, unsere Gesellschaft verändert sich in einem rapiden Tempo. Die Kids bedienen sich der vielen Angebote, die es im Netz zum Thema Sexualität gibt und haben völlig verquere Vorstellungen. In vielen Pornofilmen, die sich Burschen herunterladen, sind Frauen in missachtenden, schrecklichen Situationen zu sehen. Das geht an Kindern und Jugendlichen nicht spurlos vorüber. Daher ist es wichtig, dass wir sie fit machen, dass sie kritisch sind, dass sie das nicht eins zu eins übernehmen. Oder dass die Mädchen nicht Nacktfotos von sich verschicken. Trendl: Da kann ich ganz viel unterschreiben. Aber dass Sie die Kritik am Erlass als Theater bezeichnen, passt nicht. Viele haben ihre Bedenken geäußert, auch die Familienministerin. Die macht kein Theater. Das ist ernst zu nehmen. Wimmer-Puchinger: Das ist ernst zu nehmen, da haben Sie recht. Trendl: Danke. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass das ein Anliegen der Eltern ist. Etwas anderes ist, wenn man die Eltern ausschließt. Im gültigen Erlass steht klar, wie wichtig es ist, dass die Eltern miteingebunden werden. Und das steht im neuen Erlass so nicht.

 

   Familienministerin Karmasin hat sogar vor einer Verstaatlichung der Sexualpädagogik gewarnt.

 

   Trendl: Das ist der Punkt. Das ist ein sehr heikles Thema, und ich bedauere es, dass Bildungsministerin Heinisch-Hosek da nicht die nötige Sensibilität hat. Wimmer-Puchinger: Es steht im Erlass, dass Elternabende angeregt werden. Ich gehe mit Ihnen konform, dass die Schulpartnerschaft mit den Eltern wichtig ist.

 

   Der Gynäkologe und Theologe Johannes Huber kritisiert, in dem Entwurf finde sich ein mechanistisches Verständnis von Sexualität. Weshalb findet sich ein Begriff wie Liebe nicht im Erlass?

 

   Wimmer-Puchinger: Liebe ist alles. Wir haben keine Beziehungsdramolette geschrieben. Es ist stattdessen viel konkreter formuliert: Es geht um Kommunikation, Wertschätzung und Respekt. Ich wünsche mir, dass, wenn ein Mädchen Nein sagt, das akzeptiert wird.

 

   Reicht das, Herr Präsident?

 

   Trendl: Nein. Liebe und Treue gehören zur Sexualität. Das fehlt. Respekt voreinander - großartig. Wertschätzung - natürlich. Aber Liebe ist etwas Eigenes. Wimmer-Puchinger: Das Wort Liebe wurde quasi besser operationalisiert. Wir haben das interdisziplinär sehr ausführlich diskutiert. Das ist ja kein Schnellschuss. Trendl: Es geht nicht um mechanische Fertigkeiten in der Sexualität. Wimmer-Puchinger: Moment. Da bin ich jetzt hart. Gerade das ist nicht gewollt. Hier unterstellen Sie etwas, was keiner der Experten je unterschreiben würde.

 

   Im Erlass findet sich ein Zitat: "Es ist nicht Aufgabe der Schule, bestimmte Werte vorzugeben." Widerspricht das nicht dem Gesetz?

 

   Trendl: Das ist klar gesetzwidrig. Laut Paragraf zwei Schulorganisationsgesetz ist es Aufgabe, religiöse, sittliche und soziale Werte zu vermitteln. Wir wollen nicht völlige Wertfreiheit. Als Gesellschaft sollen und wollen wir Werte vorgeben und vorleben. Ob das Kind, der Jugendliche diese annimmt, ist deren Entscheidung.

 

   Wimmer-Puchinger: Sie meinen also Respekt voreinander, Wertschätzung sind keine Werte? Trendl: Das habe ich nicht gesagt.

 

   Welche Werte sollen in der Sexualpädagogik vermittelt werden?

 

   Trendl: Verantwortung sich selber und dem anderen gegenüber. Dass Jugendlichen vermittelt wird, dass Sexualität mit Lust zu tun hat, aber auch mit Verantwortung.

 

   Fällt es Eltern heute schwerer, über Sexualität zu sprechen?

 

   Wimmer-Puchinger: Absolut. Eltern wissen nicht, wo sich ihre Kinder tummeln in der großen weiten Welt des Webs und der Social Medias. Kinder sind viel autonomer geworden. Wir müssen Lehrer ermutigen, sich des Themas anzunehmen.

 


 

"Falter" Nr. 24/2015 vom 10.06.2015                           Seite 6             Barbara Tóth

 

Kommentar Koalition

 

Karmasin &Heinisch-Hosek: Mehr Mut zum Paarlauf

 

Eine Woche, zwei kluge Ankündigungen: Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) will die Kindergartenpflicht für alle Vierjährigen einführen. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gibt bekannt, dass die Zentralmatura in Zukunft vom Ministerium gesteuert wird, nicht mehr vom umstrittenen Bildungsforschungsinstitut.

 

Karmasin und Heinisch-Hosek waren die Hoffnungsträgerinnen der runderneuerten großen Koalition. Hier die moderne Quereinsteigerin Karmasin, meilenweit vom traditionellen ÖVP-Familienbild entfernt. Dort die pragmatische Feministin Heinisch-Hosek, die den roten Kernthemen Frauen und Bildung ein frisches Gesicht geben könnte.

 

Wer, wenn nicht diese beiden Politikerinnen ohne Dünkel und Ballast, hätten vorzeigen können, dass gute Erziehungs-, Familien-und Genderpolitik nicht entlang Ideologien diskutiert und gemacht gehört, sondern entlang der Bedürfnisse der Frauen und Männer, der Väter und Mütter und ihrer Kinder? Dass Sachthemen am besten parteiübergreifend gelöst werden, getragen von wechselseitigem Respekt und Vertrauen?

 

Wie gerne hätte man Karmasin und Heinisch-Hosek als Musterduo für eine weibliche Art des Politikmachens gesehen. Als heimliches Reformgespann dieser Regierung, sachlich, unaufgeregt, ergebnisorientiert. Gemeinsame Themen lägen auf der Hand, Termine für Auftritte zu zweit hätten sich ohne Probleme finden lassen. Allein, nichts dergleichen ist in Sicht.

 

Mit Sicherheit, weil ihre Chefs keine Konkurrenz wünschen, schon gar nicht von Frauen. Wohl auch, weil es den beiden Damen an Fantasie mangelt und, noch wichtiger, an Mut.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                                Seite: 1

 

Kindergarten

 

   Vierjährige ab Herbst gratis betreut

 

   Ab 2016 wird der Kindergartenbesuch für Vierjährige verpflichtend. Schon ab Herbst beginnt bundesweit die Gratisbetreuung.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                               Seite: 12

 

Die Kindergartenpflicht gilt für alle Fünfjährigen. Sie müssen an...

 

   Die Kindergartenpflicht gilt für alle Fünfjährigen. Sie müssen an mindestens vier Tagen in der Woche im Ausmaß von insgesamt 16 bis 20 Stunden in den Kindergarten gehen. Der Kindergarten ist für Fünfjährige gratis. Für Vierjährige gibt es (noch) keine Besuchspflicht. Dennoch wurden 94 Prozent der Vierjährigen betreut. In der Steiermark, in Kärnten, Salzburg und Vorarlberg mussten die Eltern dafür zahlen. Das wird sich mit der Besuchspflicht ändern.

 


 

"Die Presse" vom 10.06.2015                               Seite: 12

 

Pflichtkindergarten mit Ausnahmen

 

   Ausweitung. Schon ab Herbst ist bundesweit die Gratisbetreuung für Kinder ab vier Jahren geplant. 2016 folgt der Pflichtbesuch, außer Mädchen oder Bub können Deutsch bereits gut genug.

 

   Karl Ettinger, Julia Neuhauser Und Rosa Schmidt-Vierthaler

 

   Wien. Der Kindergarten soll künftig nicht nur für Fünf-, sondern schon für Vierjährige verpflichtend sein. Mit dieser Ankündigung ließ die von der ÖVP in die Regierung entsandte Familienministerin Sophie Karmasin am Wochenende aufhorchen. Immerhin war es bislang die ÖVP selbst, die sich gegen eine generelle Verpflichtung aller Vierjährigen wehrte. Mithilfe eines kleinen Tricks macht Karmasin nun aber Tempo.

 

   Der Pflichtbesuch in den Kindergärten für Mädchen und Buben ab vier statt derzeit ab fünf Jahren (siehe Faktenkasten) soll in einem Stufenplan in zwei Etappen umgesetzt werden. Bereits ab dem kommenden Schuljahr 2015/16, also ab September dieses Jahres, ist, wie im Familienressort erläutert wird, die Einführung des Gratiskindergartens am Vormittag in allen Bundesländern geplant. Erst ein Jahr später, also ab 2016/17, ist dann der verpflichtende Besuch des Kindergartens grundsätzlich für alle Kinder ab vier Jahren vorgesehen.

 

   Die Betonung liegt auf grundsätzlich. Denn in der Praxis weicht Familienministerin Karmasin nicht - wie man das vermuten könnte - von der bisher von der Volkspartei vertretenen Linie ab. Die ÖVP-Führung hat sich einst nämlich gegen einen Pflichtkindergarten für alle Kinder ab vier Jahren ausgesprochen. Sie wollte die Verpflichtung nur für Mädchen und Buben sehen, die Sprachdefizite aufweisen.

 

   Prüfung mittels Fragebögen

 

   Das möchte Karmasin, wie sie der "Presse" erläuterte, nunmehr mit einer sogenannten Opt-out-Regelung sicherstellen. Eltern brauchen demnach bei bestimmten Ausnahmen ihr Kind noch nicht mit vier Jahren in den Kindergarten zu geben. Wie schon bei den Fünfjährigen gelten medizinische Gründe und weite Wege als Ausnahme. Neu dazu kommt für die Vierjährigen, dass sie auch von Tageseltern betreut werden können. Ein weiterer Grund, das Kind nicht verpflichtend ab vier Jahren in den Kindergarten schicken zu müssen, ist, dass das Kind bereits die Sprache, also Deutsch, gut genug für sein Alter beherrscht. Im Endeffekt würde damit wieder das ÖVP-Ziel erreicht, dass jedenfalls Kinder im Alter von vier Jahren mit sprachlichen Problemen den Kindergarten besuchen müssen.

 

   Die sprachliche Eignung soll im Kindergarten von den Pädagogen festgestellt werden. Sie sollen die Kinder beobachten und einen entsprechenden Fragebogen ausfüllen. Wie das im Detail funktionieren soll, ist aber, so Karmasin, noch nicht fixiert. Es dürfte durchaus schwierig sein, Drei- bzw. Vierjährige für einen Tag in den Kindergarten zu holen, um ihre Sprachfertigkeit zu überprüfen. Die Familienministerin schickte jedenfalls schon am Wochenende voraus: Man wolle jene erreichen, die Sprachentwicklungsbedarf haben. Dabei gehe es "nicht um die Frage: Ausländer ja oder nein".

 

   In der Praxis gibt es in fünf Bundesländern den Gratiskindergarten am Vormittag für Kinder ab vier Jahren bereits. Noch nicht der Fall ist das in Salzburg, der Steiermark, Vorarlberg und Kärnten. Wien hinkt bei der Zahl der Kinder, die ab vier Jahren den Kindergarten besuchen, hinterher - mitunter wegen des hohen Anteils an Kindern mit migrantischem Hintergrund. Denn während österreichweit schon jetzt - also auch ohne Verpflichtung - 94 Prozent der Vierjährigen betreut werden, liegt der Anteil in Wien deutlich unter 90 Prozent.

 

   Bei Verstößen gegen die Pflicht drohen verwaltungsstrafrechtliche Sanktionen. Bei den 80.000 Fünfjährigen, die schon jetzt der Verpflichtung unterliegen, wurden 2013/14, wie "Die Presse" erst kürzlich berichtete, nicht nur 354 Kinder von der Pflicht befreit, sondern zusätzlich 658 Verwaltungsstrafverfahren gegen Eltern eingeleitet, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geschickt hatten - der Großteil mit 612 Fällen in Wien.

 

   Eine Frage der Finanzierung

 

   Am Montag gab es bereits die ersten Verhandlungen zwischen Bund und Ländern betreffend des Gratiskindergartenjahres. Diese sind laut Ministerium grundsätzlich positiv verlaufen. Die Pläne haben allerdings einen finanziellen Haken. Denn: Die Länder wollen dafür mehr Geld vom Bund. Bisher wurden von Bundesseite pro Jahr 70 Millionen Euro für den verpflichtenden Gratiskindergarten ab fünf Jahren bereitgestellt. Im Familienministerium wird im Gegenzug darauf hingewiesen, dass schon im Vorjahr beschlossen wurde, dass für den Ausbau der Kinderbetreuung bis 2018 in Summe 305 Millionen Euro bereitgestellt werden. Im Ressort wird außerdem hervorgehoben, dass man durch diese Investitionen in die bessere sprachliche Ausbildung im Kindergarten Geld spare, um dann in der Schule und nach der Schule bei Jugendlichen Problemen mit Deutsch und bei einer beruflichen Ausbildung besser vorzubeugen.

 


 

"Österreich" vom 10.06.2015                                  Seite 16

 

Kaiser: »Bund muss die Kosten tragen«

Kindergartenpflicht für 4-Jährige heiß diskutiert

 

Ab Herbst 2016 soll verpflichtender Kindergarten auch in Kärnten kommen.

 

Kärnten. Bei der von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) vorgeschlagenen verpf lichtenden Kindergartenpf licht für Vierjährige ab Herbst 2016 ortet Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) noch regen Diskussionsbedarf. Der Grund: Möglichst alle Vierjährigen sollen im Ausmaß von 16 bis 20 Stunden pro Woche kostenlos frühkindliche Bildungseinrichtungen

 

besuchen. Kaiser stellte klar, dass in der momentanen Situation Kärntens einem weiteren sogenannten grauen Finanzausgleich nicht zugestimmt werden kann. Er stellte klar, dass der Bund die volle Finanzierung übernehmen müsse.

 


 

"Österreich" vom 10.06.2015                                  Seite 16

 

»Freiwillige Entwicklungseinschätzung«

Tests für Vierjährige in Top-Privatkindergärten

 

Bildung. Auf freiwilliger Basis bietet die St. Nikolaus-Privatstiftung, Schirmherrin von mehr als 80 katholischen Privatkindergärten in Wien, nun Entwicklungstests für Vierjährige an: "Die Entwicklungseinschätzung wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Wien entwickelt und hat spielerischen Charakter. Sprache, Motorik, kognitive Fähigkeiten sowie emotionale und soziale Kompetenzen werden erfasst", so eine Sprecherin zu ÖSTERREICH.

 

Elterngespräch. In einem ausführlichen Elterngespräch werden dann Förderpläne entwickelt.

 

Spezieller Test für kids entwickelt.

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
01/40110-3569

0664 / 44 45 005
kurt.schober@spoe.at

 

SPÖ-Parlamentsklub

www.klub.spoe.at

 

 

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